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Freitag, 29. Juli 2022

Dean Wareham, Paris, 19.07.22

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Konzert: Dean Wareham (plays Galaxie 500's On fire) 
Ort: Le Petit Bain, Paris 
Datum: 19.07.2022 
Dauer: knapp 85 min 
Zuschauer: vielleicht 350 



Meine Galaxie 500 Platten habe ich im alten Saturn am Hansaring in Köln gekauft. Im Erdgeschoß standen auf den Plattenfächern Nummern, die im Keller dann auf Regalen standen, in denen die Platten waren, die man suchte. Meine musikalische Sozialisierung fand in einer Prozinz-Indiedisco namens Logo statt, in dem - so meine ich - Blue thunder und Fourth of July liefen. Anders habe ich damals eigentlich keine Lieblingsbands kennnengelernt, MTV kam später, Musikzeitungen gar nicht. Daß ich mich an vielen unnützen Quatsch erinnere, aber nicht an wichtige Dinge wie den ersten Kontakt mit Lieblingsbands ärgert mich sehr. Beim Bizarre-Festival auf der Loreley hatte ich Galaxie 500 in ihrem kurzen Leben live gesehen - sie waren da auch schon meine Lieblingsband - ich erinnere mich aber nicht an den Auftritt, verdammt! Dean Wareham hat mir später einmal gesagt, die Band sei live nicht sehr gut gewesen. Aber sie waren nach der Loreley auch noch mein Liebling, es kann also nicht so schlimm gewesen sein. 

Luna, Deans Band nachdem er Galaxie 500 aufgelöst hatte, habe ich am Anfang ignoriert. Nicht, weil deren Musik nicht meinem Geschmack entsprochen hätte (hat sie immer), ich war beleidigt. Aus ähnlichen Gründen war mir Grunge immer egal. Durch all diese neuen US-Bands verschwanden plötzlich meine anderen Shoegaze-Lieblinge wie Lush. Musikliebe - it's complicated. 

Kompliziert (guter Übergang) war es auch, die 2019er Tour des seit Jahren in LA lebenden Dean Wareham zu sehen. Ursprünglich hatte ich Karten für Berlin, irgendwann auch für Köln, das verschwand aber schnell, dann für verschiedene UK-Shows gebucht. Die Pandemie zerschlug alle Pläne. Irgendwann nach mehreren Verschiebungen kristallisierte sich dann heraus, daß Dean mit Britta Phillips und Band im Juli in Europa sein würde. Die deutschen Termine wurden gestrichen. Nachdem sich auch meine Großbritannien-Pläne änderten, kaufte uich kurzentschlossen zwei Tage vorher ein Ticket für das Konzert in Paris. 

... für Paris am heißesten Tag des Jahres. Auf der Fahrt waren es bis zu 40 Grad. Die Tour de France quälte sich durch die Pyrenäen. Mich ließ das alles kalt, das Konzert fand auf einem Hausboot auf der Seine statt, dem Petit Bain, auf dem ich Olivers 100. Oliver-Peel-Session mit Cinerama und Vorgruppe The Wedding Present gesehen hatte. Daher wusste ich, daß der Boots-Club klimatisiert ist. 

Aus gut unterrichteten Quellen weiß ich auch, daß Dean Wareham auch auf der Booking-Shortlist für die 100. Oliver-Peel-Session stand. Wie passend, daß er jetzt mit ein paar Jahren Verspätung da spielen würde. Bei der Tour steht die zweite Galaxie-500-Platte On fire (die mit dem Ohrring) im Fokus. Ich glaube nicht, daß ich einen Liebling unter den drei Alben der Band habe, vermutlich stammen aber zumindest ein paar Lieblingslieder von On fire (Snowstorm, Another day und vor allem Decomposing trees). 

Das sehr gut besuchte Konzert begann mit einigen Liedern von Deans hervorragender Soloplatte I have nothing to say to the Mayor of LA von 2021. Der fantastische Quasi-Titelsong The past is our plaything (der mit "I have nothing to say to the Mayor of LA" beginnt) eröffnete das Konzert. Deans Band bestand diesmal aus Gitarrist Derek See, Schlagzeuger Roger Brogan und Britta Phillips am Bass. 

Nach vier weiteren Liedern von der neuen Soloplatte leitete Dean mit "going back to 1989" zu On fire über. Erstes Lied war wie auf Platte Blue thunder (G500-Trivia: benannt nach Deans damaligen Auto). Danach folgten eine Perle nach der anderen, grob in Plattenreihenfolge. Lustigerweise spielte die Band Strange nicht mittendrin sondern am Schluß des normalen Sets. Das scheint mir eine self-fulfilling prophecy zu sein. Damon Krukowski, Galaxie 500 Drummer, schrieb in einem Blogpost über Stranges merkwürdiges Verhalten bei Spotify: 

In 2018, I noticed that one Galaxie 500 song – “Strange” – was streaming on Spotify far more than any others. There was no obvious explanation. The song hadn’t been included on a popular playlist; it hadn’t been used in a film or commercial; it hadn’t been covered by another band, or mentioned by some celebrity influencer. As far as we could tell, there hadn’t been any change in its public profile for literally decades. What’s more, it hadn’t been one of our singles, or “emphasis tracks” for radio back in the day. There is no music video. It simply wasn’t the logical track to try first, if you wanted to check out what Galaxie 500 sounded like. 

Tugboat (sicher dem Ort geschuldet, allerdings auch ein großer Hit!), das wunderschöne Flowers und das Joy Division / New Order Cover Ceremony beendeten das tolle Set. Dafür nach Paris gefahren zu sein, war eine sehr gute Idee! Auch wenn ich fast noch in eine Kneipenschlägerei geraten wäre. Das Publikum bestand zu großen Teilen aus der gut informierten Pariser Indieszene. Dazwischen standen drei mächtig angetrunkene (Klischee!) Iren. Die vielen Komplimente für Dean ("Du hast schöne Haare!" - "Zieh Dein Hemd aus!") waren witzig, das viele Kneipengequatsche bei den ruhigen Solo-Liedern nervte alle um sie rum. Einige Französinnen und Franzosen baten die drei freundlich, doch bitte stiller zu sein (um ihre Lieblingsmusik zu hören, für die sie seit 2019 Tickets hatten), was den Hauptiren immer wütender machte. Zur Deeskalation gingen die Franzosen in eine andere Ecke des Saals und die Iren an die Bar. Vermutlich hat am Ende die Klamaanlage unsere Nasenbeine gerettet. 

Hatte ganz vergessen, wie aufregend Konzerte sein können! 

Setlist Dean Wareham plays Galaxie 500, Le Petit Bain, Paris: 

01: The past is our plaything 
02: The last word 
03: Robin & Richard 
04: As much as it was worth 
05: Under skys 

On fire: 
06: Blue thunder 
07: Tell me 
08: When will you come home? 
09: Snowstorm 
10: Decomposing trees 
11: Another day 
12: Plastic bird 
13: Leave the planet 
14: Isn't it a pity (George Harrison Cover) 
15: Strange 

16: Tugboat (Z) 
17: Flowers (Z) 
18: Ceremony (Joy Division / New Order Cover) (Z) 

Links: 

- aus unserem Archiv: 
- Dean Wareham, Köln, 29.07.14 
- Dean Wareham, Indietracks, 26.07.14 
- Dean Wareham, Paris, 07.12.13 
- Dean Wareham plays Galaxie 500, Barcelona, 28.05.11 
- Dean Wareham plays Galaxie 500, Paris, 19.02.11 
- Dean Wareham plays Galaxie 500, Minehead, 11.12.10



Mittwoch, 31. Oktober 2018

Motorama, 24.10.18

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Konzert: Motorama
Ort: Petit Bain, Paris
Datum: 24.10.2018
Zuschauer: etwa 450, ausverkauft



Wie heisst noch mal diese Band aus Russland deren Musik süchtig macht? Ach, Motorama, ja genau! Jede neue Platte ein Volltreffer, jede neue Tour ein enthusiasmierendes Erlebnis und dies nun schon seit einigen Jahren. Motorama hängen mir immer noch nicht zum Halse raus, im Gegenteil! Sie sind so clever, schnell neue Alben zu veröffentlichen und nicht Jahre zu warten wie andere. So bleiben sie immer aktuell, immer aktiv. Zwar überschreiten die "Longplayer" selten die 30 Minutenmarke und im aktuellen Fall bleiben sie sogar darunter, aber das Erlebnis ist trotzdem oder gerade deshalb sehr intensiv.



Die Frage war natürlich wie sich die neuen Sachen von Many Nights live schlagen würden. Nach dem Konzert würde ich sagen, dass sie gut rüber kamen, allerdings weniger fetzig und dynamisch als die alten Stücke vom Erstling Alps. Auf Alps waren Motorama wirklich noch eine Post Punk Band, heutzutage ist ihre Musik elektronischer und sanfter geworden, es geht teilweise Richtung Ambient. So war das Pariser Konzert dann auch erstaunlich ruhig und wenig krawallig. Sogar seine Brille behielt Sänger Vlad Parshin heuer durchweg auf der Nasenspitze, in der Vergangenheit hatte er sie oft hyperaktiv an- und ausgezogen oder beim Rumwirbeln auf der Bühne verloren. Das Konzert glänzte weniger durch Power als durch profunde Schönheit, wenngleich diese Schönheit natürlich einen leicht morbiden Anstrich hatte. 


Videos mit kargen Bäumen, Wellen und alten Häusern untermalten die Songs, währen die drei Musiker auf der Bühne vor der Leinwand ihre Kunst ausübten. 



Beim genauen Hinsehen fiel auf, das der Drummer gewechselt hat. Der alte Drummer Oleg Chernov ist nicht mehr dabei, der neue heisst Mikhail Nikulin. An Gitarre und Bass aber weiterhin Maxim Polivanov und vorne natürlich der grossgewachsene Vlad Parshin mit seinem Stoppelhaarschnitt. Seine Grabesstimme klang toll wie immer aber er schonte sie mehr als sonst. Er schrie in keiner Phase, sondern sang durchgängig sehr zart und melancholisch.


Dem überaus zahlreich erschienenen Publikum gefiel das Ganze mehrheitlich, das sah man an den zufrieden Gesichtern. Freilich hatte der Publikumsandrang zur Folge, dass man eng an eng stand und kaum Platz zum Tanzen hatte. Viele junge Leute unter den Zuschauern, auch einige Russen aus der russischen Gemeinde von Paris, aber auch ein paar Deutsche und Fans aus Asien. Es war wirklich ein internationaler Abend. Motorama haben Fans auf der ganzen Welt und touren auch immer mal wieder in Südamerika und Asien.


In Südamerika sollen die Konzerte sehr wild sein, alle singen die Texte mit und feiern, in Paris hingegen läuft das Ganze immer dezenter ab.

Das erste Lied, das mich so richtig in Stimmung brachte war Wind In Her Hair mit seinem fast tropischen Flair und etwa zehn Minuten später der neue Titel From The Choir, der mit den für Motorama typischen hochmelodischen Gitarren punkten konnte. Zweifelsohne ein Hit.



Auch Two Stones vom Zweitliga Calendar mochte ich nach wie vor sehr. Ein nur mittelschneller Titel, eher beschaulich, mit sonnigen Gitarren und einem nahegehenden Text: "hold your breath and die with me, just like two little stones on the water."

Kurzes Zeit später mit Rose In The Vase ein weiteres Highlight von Calendar.

Sie brachten auch Ship, ein wundervolles Lied vom Erstling Alps, weniger elektronisch als die neuen Sachen, basslastiger und scheppernder.



Im letzten Drittel kam dann mit Second Part ein sehr poppiger, an New Order erinnernder Titel und natürlich auch Alps, der vielleicht nach wie vor beste Song von Motorama. Da konnte ich einfach nicht mehr still halten. "I'm slow slow slowly dying, my blue coloured eyes are almost blind." Ghost wurde gleich noch hinterhergeschickt.

Die Zugabe bestand dann noch aus zwei Liedern, das Konzert wurde von dem poppigen Tell Me beendet und ich hatte mal wieder einen glänzend Abend mit einer meiner Lieblingsbands verbracht. Im Februar 2019 kommen die 3 Russen dann auch wieder nach Deutschland. Ich hätte glatt Bock hinzufahren und mir jede einzelne Show anzusehen!

Setlist



He Will Disappear

Heavy Wave
Homewards
Wind In Her Hair
I See You
No More Time
Voice From The Choir
Dispense Energy
Two Stones
This Night
Rose In The Vase
You & The Others
Ship
Empty Bed
Kissing The Ground
Second Part
Devoid Of Color
Alps 
Ghost


Hard Times
Tell Me



Freitag, 30. Dezember 2016

Luna, Paris, 12.10.16

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Konzert: Luna, Matt Elliott, Corrina Repp
Ort: Petit Bain
Paris: Zuschauer: gut 400
Konzertdauer: Corinna Repp 35 Minuten, Matt Elliott 50 Minuten, Luna 100 Minuten

 
Das moderne und technisch perfekte Hausboot Petit Bain hat für mich eine besondere Bedeutung. Hier feierte ich an einem sehr heissen 17. Juli 2015 meine 100ste und letzte Oliver Peel Session mit The Wedding Present und Cinerama. Auf die musikalischen Gäste war ich zur recht stolz, hatte aber im Vorfeld auch mehr als einen Gedanken drauf verschwendet, Luna zu buchen. Ich wollte eine Kultband die selten spielt und da waren Cinerama und Luna nun mal weit vorne in der Präferenzenliste.

Dass gut ein Jahr später Luna auf eben jenem Hausboot spielen sollten, war letztlich kein so grosser Zufall, denn der dortige Programmgestalter Nicolas Cunier hat einen ähnlichen Musikgeschmack wie ich. Schon damals hatte er mir gesteckt, dass es ihn reizen würde Luna zu buchen.

Am 12 Oktober 2016 war es dann soweit: 14 Jahre nach ihrem letzten Konzert in Paris, würden die Amerikaner endlich mal wieder in der Stadt des Lichts und der Liebe spielen! Ein Highlight im Herbst, das auch noch durch ein attraktives Vorprogramm zusätzlich aufgehübscht wurde.

Den Anfang machte um 20 Uhr Corinna Repp aus Portland, die viele noch von Tu Fawning her kennen. Ihr Soloprojekt ist wesentlich reduzierter, intimer und auch folkiger als Tu Fawning, aber ebenso gut. Die Blondine mit dem kessen Pagenschnitt hatte bereits vor gut einer Woche einen kleinen Showcase in einem Indieplattenladen gegeben, hier und heute unter perfekten Bedingungen klang das Ganze aber noch wesentlich besser. 



Repp arbeitete häufig mit Halleffekten in der Stimme, verwendete 2 Mikros und sampelte, insofern war es für sie sehr hilfreich, dass der Sound im Petit Bain so gut war. Hauptattraktion war ihre feste und sehr markante Stimme, die mich manchmal an Marissa Nadler dann aber auch an Lana Del Rey erinnerte. Bei dem Gig im Plattenladen hatte sie schon gesagt, dass sie gerne mal in einem David Lynch Film auftauchen würde und in der Tat ist ihre mysteriöse, dunkle und sinnliche Musik dazu prädestiniert.

Corinna überzeugte aber auch als Gitarristin, in einigen Passagen zeigte sie ihr ganzes Können an dem Instrument.


Die Songs stamten von ihrem letzten Album The Pattern Of Electricty, das durch seinen dreamigen Schwebesound besticht und über das französische Label Discolexique (House Of Wolves, Gareth Dickson) releast wurde. Live konnte sie natürlich das Ganze nicht ganz so wiedergeben wie auf Platte, aber sie war nahe dran, das geschaffene schwül-heisse Ambiente war beeindruckend.

Ich habe das Set von Corrina in sehr guter Erinnerung behalten. In qualitativer Hinsicht hätte sie auch Headliner sein können.


Nach Corrina Repp war der Brite Matt Elliott an der Reihe, ein sehr frankophiler Singer-Songwriter der häufig in Frankreich spielt und hier auch lebt. Ich hatte ihn schon einige Male live gesehen und wie immer war sein Vortrag sehr schön und brutal melancholisch, aber auch ein wenig langatmig und eintönig. Einzelne Lieder dauerten mitunter 15 Minuten, die Trauigkeit der Stücke war kaum zu überbieten und hinterher war ich doch nahezu erleichtert als er mit seinem Set durch war.


Dann endlich Luna mit der Darbietung ihres dritten Albums Penthouse! Schon nach den ersten Klängen steigerte sich meine Stimmung merklich. Chinatown wurde angestimmt und sofort schmeichelte mir die weiche und gutmütige Stimme von Dean und als später süssliche Bam-bam-bam Chöre hinzukamen, hatten sie mich schon in der Tasche. Das war einfach so herrlich lässig aus dem Ärmel geschüttelt, so ungemein unprätentios und so wunderbar ungekünstelt! Die grosse Klasse einer Band zeigt sich ja oft an diesen Merkmalen. Was zählt ist die Güte des jeweiligen Songs, Rumgehampel oder Starallüren gehören da nicht hin.

Und lustig waren die Lunas ! Als Dean Wareham anmerkte, dass sie das letzte Mal 2005 in der Pariser Boule Noire gespielt hatten, sagte der 2. Gitarrist auf französisch:" Non, ce n'est pas vrai" Einfach nur um Rumzublödeln, obwohl er es besser wusste! Er hatte die Lacher auf seiner Seite, vielleicht auch wegen seines Akzents. Später erzählte Dean, dass sie sich extra für diese Show neue Hosen gekauft hätten, Paris sei schliesslich die Stadt der Mode, da wolle man gut aussehen.


Ein famoser Song war Moon Palace an dritter Stelle. Vielleicht der beste im Set überhaupt. Er war sehr eingängig, bestach durch einen einprägsamen Refrain und konnte auch mit hohen "Lala-Gesängen" glänzen. Double Feature danach war recht schnell und melancholisch und erinnerte mich seltsamerweise an Sven Regener und Element Of Crime, vielleicht wegen des nöligen Gesangs. ("I dont know why i feel so high")

23 Minutes in Brussels hingegen kam sehr schleppend und etwas eintönig rüber, entfaltete aber irgendwann seinen ganz eigenen Charme, vielleicht auch wegen der sehr langen Gitarrenparts am Ende.

Mit Lost In Space wurde dann bereits in die zweite Seite des Albums eingeleitet. "It's true, your lazy" croonte Dean ganz wundervoll und dieser fabelhafte Song hatte jede Menge Popappeal, gefiel durch seine Sanftheit und seine schöne Melodie. Hier erinnerten mich Luna an Grandaddy oder Mercury Rev.

Rhythm King hatte einen tollen Bass zu bieten, war sehr rhythmisch (logisch!) und besass eine nette Gitarrenmelodie die mehrfach wiederholt wurde, während Kalamzoo langsam und feierlich vor sich hin schlich, bevor es sich in nahezu endlose psychedelische Gitarrrenparts verlor.

Hedgehog im Anschluss war wesentlich schneller als Kalamzoo und bekam durch ein fetziges Schlagzeug noch mehr Würze. Die Plattenfirma habe den Titel damals gegen den Willen der Band als 2. Single gewollt, nur weil es ein Uptempo Song war. Das sei halt diese Phase des Post Grunge gewesen, maulte Dean und verzog leicht angewidert sein Gesicht. 


Freakin Peakin kam sehr lässig rüber, wieder gab es langes Gitarrenintro und es war eher ein lahmer Song mit wenig Gesang, der gegen Ende aber stark beschleunigte und ein wenig an Stereolab erinnerte. Stereolab war dann auch ein gutes Stichwort um die Überleitung zum nächsten (und letzten Song des offiziellen Sets) herzuleiten, denn der Hidden Track auf dem Album Penthouse war ein Gainsbourg Cover, Bonnie and Clyde, bei dem die Stereolab Sängerin Laetitia Sadier den weiblichen Gesangespart inne hatte. Hier und heute erfüllte Britta Philipps diese Rolle ausgezeichnet und das Stück kam sinnlich und, nun ja, auch sehr französisch rüber (wenn man freilich über den Akzent ein wenig hinwegsieht). Nach dem Verklingen der letzten Note verkündete Dean kurz vor dem Gang in die Kabine, dass es nun noch 2 Songs als Zugabe geben würde.


Aus 2 wurden aber schliesslich vier und dann noch mal zwei, also bekamen vier noch 6 (!) Lieder geboten. Herausragend darunter war die 2. Zugabe Malibu Love Nest, ein sehr starker Uptempo Song des Albums Rendezvous, bevor die verhallte Ballade Bewitched das Tempo wieder drosselte und ein wenig dröge vor sich hin kroch. Mit Ceremony wurden wir aber alle wieder geweckt, dieses Joy Divsion/New Order Cover, das Dean auch schon solo gespielt hatte, war einfach wieder sensationell! Etwas langsamer und feedbackgetränkter als das Original, aber ebenso euphorisierend und nostalgisch. Danch sollte laut geschriebener Setlist eigentlich Schluss sein, aber mit und Tiger Lilly und Indian Summer ging es noch gut 15 Minuten weiter.

Setlist Luna:

Chinatown
Sideshow By The Seashore
Moon Palace
Double Feature 23 Minutes in Brussels
Lost In Space
Rhythm King
Kalamzoo
Hedgehog
Freakin' And Peakin'
Bonnie et Clyde

Bewitched
Malibu Love Nest
Ceremony

Tiger Lilly
Indian Summer (Beat Happening Cover)



Mittwoch, 7. September 2016

Bill Pritchard und Pete Astor, Paris, 03.09.16

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Konzerte: Bill Pritchard und Pete Astor
Ort: Petit Bain, Paris
Datum: 03.09.2016


Frankreich ist bekanntlich ein zentralistisch organisiertes Land, was man auch daran sieht, dass die 2 Monate langen (!) Sommerferien in jeder Region am gleichen Tag zu Ende sind. Man spricht von der berümt berüchtigten Rentrée, die immer so gegen Ende August stattfindet. Pariser kommen dann spätestens aus ihrem Urlaub von der Cote d'Azur, der Bretagne, Sizilien, Korsika oder Sardinien zurück. Braungebrannt (und finanziell relativ abgebrannt) stürzen sie sich dann wieder ins Arbeitsleben. Das wichtigste an der Rentree ist aber natürlich, dass in den Pariser Klubs endlich wieder Konzerte stattfinden. Der August ist traditionell tot, im September geht es dann langsam wieder los.


Zum Aufgalopp hatte ich mir ein besonders schönes Konzert rausgesucht: das spitzenmässige Doppel Bill Pritchard und Pete Astor im wunderbaren Hausboot Petit Bain, wo ich am 17. Juli 2015 meine 100 und letzte Oliver Peel Session mit The Wedding Present veranstaltet hatte. Der Gig von Pritchard und Astor hätte eigentlich Anfang Juni stattfinden sollen, aufgrund des Hochwassers musste man aber um 2 Monate verschieben. Man hatte mir damals sogar die beiden Briten im Doppelpack im Juni für eine spontane OP Session angeboten, aber das war mir dann doch leider zu kurzfristig.


Letzlich fand ich es auch besser, dass das Konzert nun zu perfekten Bedingungen stattfinden konnte. Die Akustik im Petit Bain ist exzellent und die Klimaanlage läuft glücklicherweise auch immer zuverlässig. Schade allerdings, dass der Laden schliesslich nicht besonders gut gefüllt war. Alte Hardcorefans waren da, aber neues, unbedarftes Publikum, das die Artisten vorher nicht kannte, war rar gesät. Wir waren unter Insidern, unter Bloggernerds und Nostalgikern, alten Musikjournalisten, Vinylsammlern und Indiepopliebhabern. Ich selbst muss gestehen, dass ich erst in Anfang 2016 über die beiden Namen gestolpert bin, da beide Künstler neue Alben herausgebracht hatten, die zudem sehr gut reviewt worden waren. Mother Town Hall im Falle von Bill, Spilt Milk für Pete.

Bill Pritchard hatte den Abend bereits um 20 Uhr gestartet und mit zwei Mitmusikern die Bühne eingenommen. Da ich aber noch die allerletzten Sonnenstrahlen auf meiner Terrasse ausgenutzt und auf einen späteren Beginn gehofft hatte, verpasste ich 80 Prozent des Sets und sah nur noch den Schluss. Der aber war sehr schön und der bei dem deutschen Label Tapete Records gesignte Künstler mit dem kleinen Hütchen und der Hornbrille kam authentisch, sympatisch und ungekünstelt rüber. Seine etwas rauhe und herrlich warme Stimme klang perfekt, das Ganze hatte Klasse und Stil. 




Gegen Ende spielte er dann auch noch ein Daniel Darc Cover. Daniel Darc war ein drogenabhängiger französischer Popmusiker, der vor ein paar Jahren seiner Sucht erlag, von seinen Fans aber nach wie vor sehr verehrt wird. Die relative Bekanntheit in Frankreich von Bill Pritchard hängt mit Sicherheit auch mit der Zusammenarbeit mit Daniel Darc zusammen. Gespielt wurde das Stück Rien de toi und der Akzent des Briten beim Singen der französischen Parolen war witzig und charmant.

Das Set umfasste insgesamt 17 Songs mit einem Klassiker, Angelique, zum Schluss. (EP Tommy & Co, 1989)

"Sometimes it's nice to be alone"... Angelique i know what are you saying but i don't know if i cross the channel again" sang er wehmütig und man konnte leicht erraten, dass es hier um die Fernbeziehung eines Engländers und einer Französin ging.


Unter dem Strich ein tolles Konzert von Bill!


Eine Viertelstunde später dann Pete Astor mit Band. Zwei Herren (darunter James O 'Hare von den Propper Ornaments) und eine blonde attraktive Dame (stehenderweise an den Drums, ein Wink mit dem Zaunpfahl hinsichtlich Molly Tucker und The Velvet Underground, nachdem Pete Astor oft ein wenig klingt ?)

Das Quartett begann die Show sofort mit einem Klassiker namens Submarine "I feel i could sleep for serval years" sang er, aber schlaftrunken war das, was wir in der folgenden Stunde zu hören bekommen sollten ganz und gar nicht! Im Gegenteil, das Set hatte Schwung und Schmiss, strotzte nur so vor bildhübschen Gitarrenmelodien und hatten einen unwiderstehlichen Charme.


Mr. Music (vom neuen Album) könnte stellvertretend für die Brillanz des Konzerts stehen. Shalala-Gesänge, eine Melodie zum Niederknien und eine zarte Melancholie im Stile der Beatles, das war ganz grosse Klasse!


Ist schon ein interessanter Kerl dieser Pete Astor. Mit seiner Brille und dem zurückgekämmten grauen Haar erinnerte er mich an meinen damaligen Lateinlehrer und ich glaube wirklich, dass Astor im Lehrwesen tätig ist, man liest, er unterrichte Musik in England. Auch seine Mitmusiker fielen auf: James O 'Hare an der Gitarre (Foto oben) mit seinem typischen Indie Look (Ringelstreifenhemd, hellblaue Jeans) und nerdig introvertierter  Bückhaltung war witzig anzusehen, die Drummerin Susanne Ballhausen mit ihrem feschen gelben Rock ebenfalls und nur der Basser war eher unauffällig und diskret.

Die vier Sympathen liessen keinen Leerlauf zu, spielten auf spritzige und frische Weise neue Sachen von Spilt Milk und alte Titel, bei denen Fans der ersten Stunde mit der Zunge schnalzten.  Almost Prayed und Like Frankie Lymon wären da zu nennen. Almost Prayed, ein alter Titel von 1986 von Astors damaliger Band The Wheater Prophets hatte nichts von seinem Schwung und seiner Ohrwurmigkeit verloren und klang erstaunlich gut gealtert. Like Frankie Lymon (ebenfalls von The Weather Prophets) war eine gefühlvolle Ballade, die herrlich unpeinlich rüberkam und unfassbar betörend war.


Auch das allerletzte Lied Why Does The Rain ? war ein Uraltsong von Pete's anderer Band The Loft, gegründet 1983 und bei dem legendären Label Creation Records unter Vertrag stehend. Ein ruhiges akutisches Stück, sehr sanft, sehr nachdenklich und sentimental. Ein idealer Abgang...

Setlist Pete Astor, Petit Bain:

01: Submarine
02: Mr. Music
03: Almost Falling In Love
04: Oh You
05: Really Something
06: The Getting There
07: Sleeping Tiger
08: Very Good Lock
09: My Right Hand

10: Almost Praying
11: Why Does The Rain

Insgesamt ein perfekter Abend mit zwei britischen Singer-Songwritern die in einer gerechten Welt regelrechte Stars wären!



Sonntag, 19. Juli 2015

Cinerama (& The Wedding Present), Paris, 17.07.15

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Konzert: Cinerama (& The Wedding Present playing Saturnalia)
Ort: Le Petit Pain, Paris (Oliver Peel Session #100)
Datum: 17.07.2015
Dauer: Cinerama knapp 80 min, The Wedding Present knapp 45 min
Zuschauer: ca. 250



"Wie gefiel euch die Vorgruppe? Give them a couple of years, they'll improve!" David Gedge hatte großen Spaß an der ungewöhnlichen Situation, daß seine Erstband The Wedding Present diesmal der Support für die später gegründete Zweitgruppe Cinerama war. Das gab es bisher noch nicht. "There's a first time for everything... The Wedding Present supporting Cinerama!"

Cinerama für seine 100. Oliver Peel Session verpflichtet zu haben, war der erste brillante Streich meines Pariser Konzerttagebuch-Komplizen Oliver. Pragmatisch gleich noch The Wedding Present als Support anzufragen, der noch eine Spur cleverere. Daß The Wedding Present dann ihre Platte Saturnalia komplett spielten (auch das zum ersten Mal), war ein weiteres Sahnehäubchen auf ganzen Sahnebergen (Hausboot, toller Sound, hervorragender DJ (JB), der bei mir alleine dadurch gewonnen hatte, daß er in kurzer Folge Allo Darlin', Veronica Falls und When Nalda Became Punk spielte). 

Olivers Peel Sessions begannen 2007 mit den Yolks aus Frankreich. Ein Freund hatte die zu seinem Geburtstag eingeladen, irgendwann aber gemerkt, daß seine Wohnung dafür zu klein war. Also bat er Oliver um Feierasyl. Acht Jahre und Konzerte mit Künstlern wie Troy von Balthazar weiter, war die hundertste Session vorerst die letzte. Der Rahmen, ein Hausboot mit echtem Musikclub im Innern, war perfekt gewählt, die Bands umso mehr.

Um halb neun begannen The Wedding Present ihren ungewohnten Support-Job. Neben David Gedge (im gewohnten schwarzen Hemd) standen Bassistin Katharine Wallinger, Schlagzeuger Charlie Layton, Gitarrist Sam Beer-Pearce und Keyboarderin Danielle Wadey auf der Bühne. "Nous sommes The Wedding Present!"

Im Jahr von Olivers Wohnzimmershow-Premiere begannen The Wedding Present damit, ihre Platten an Konzertabenden komplett zu spielen. Das Debüt George Best machte den Anfang. In den Jahren danach folgten Bizarro, Seamonsters, Watusi und die Single-Sammlung Hit Parade. Saturnalia sollte ursprünglich nur bei David Gedges Festival At the edge of the sea in Brighton (im August) gespielt werden. 

Weil es auf dem Hausboot ein Vorgruppenjob war, begann die Band direkt mit dem ersten Stück von Saturnalia (Venus) und nicht mit ein paar Hits der anderen Platten zum Aufwärmen. Saturnalia war das letzte Wedding Present Album vor einer neunjährigen Pause, in der Cinerama entstand und seine ersten drei Platten veröffentlichte. Wie (pophistorisch) wundervoll passend also, vor Cinerama, Saturnalia komplett zu hören!

Das Album gilt als übersehen. "Sharper production and some of Gedge’s finest songwriting in half a decade make for an absorbing listen, the tormented heartbreak of single ‘Montreal’ a particular highlight", urteilt das Clash Magazine

Neben Montreal waren 2,3, go und Kansas besonders großartig. Extrem gut gefielen mir aber auch Lieder, bei denen Bassistin Katharine Wallinger mitsang (Dreamworld und Jet girl). Ja, Saturnalia steht sehr zu unrecht im Schatten der Vorgänger! Das bewies der 45-minütige Auftritt deutlich!

"Stick around for the main band. I hear they're really good!"

Setlist The Wedding Present, Le Petit Bain, Paris:

Saturnalia:
01: Venus

02: Real thing
03: Dreamworld
04: 2, 3, go
05: Snake eyes
06: Hula doll
07: Big boots
08: Montreal
09: Skin diving
10: Jet girl
11: Kansas
12: 50s 


Cinerama live sind 2015 The Wedding Present plus unterschiedlich viele zusätzliche Musiker. Beim Primavera Festival in Barcelona im Mai waren das Streicher, Bläser und ein weiterer Gitarrist. Auf die Streicher mussten Cinerama in Paris verzichten, die kamen vom Keyboard. Zwei Bläser gehörten aber zum achtköpfigen Ensemble, Trompeter Andrew (Blick, glaube ich) und Flötistin Elizabeth. Komplettiert wurde Cinerama von Keyboarderin Melanie Howard.



Das Konzert begann umwerfend! David Gedge fehlte noch, seine Begleiter spielten das Intrumental-Stück Model sky, wow! Model sky ist ein schönes Beispiel dafür, warum Cinerama oft mit Filmmusik charakterisiert wird. Danach kam David im Anzug und mit ihm gleich einer meiner großen Lieblinge 146 degrees. Das passte so wundervoll zum Instrumental-Auftakt, weil die Querflöte und die wundervollen hohen lala-Gesänge einer seiner Begleiterinnen bei Model sky und gleich am Anfang von 146 degrees im Mittelpunkt stehen. "Nous sommes Cinerama!"

Nach der herzergreifend schönen ersten Single Kerry Kerry folgte You're dead, das erste Lied von der im Mai erschienenen vierten Cinerama Platte Valentina. Valentina ist wie so vieles im David Gedge Kosmos besonders, es ist eine Neuaufnahme des letzten Wedding Present Albums quasi mit neuen Mitteln, mit Cinerama Arrangements. Nach dem ersten Hören im Mai gefiel mir Valentina (alt) besser als die Cinerama Herangehensweise. Nachdem ich ein paar der Stücke in Barcelona live gesehen hatte, war das schon ein wenig anders. Man muß ja auch keine der Platten besser finden, die Hüllen der Songs sind unterschiedlich genug, um als zwei andere Alben durchzugehen.

Wundervoll war danach das Duett Ears mit Danielle. Ears stammt vom ersten Album und zeigt deutlich (trotz Valentina), wie unterschiedlich Wedding Present und Cinerama klingen können. Ears ist ein herrlicher Popsong, der aber so gar nichts vom Gitarren-Indie der Erstband hat. Daß Cinerama aber nicht immer nur so klingen, zeigte Careless danach, das Dave mit "now, we're rocking" kommentierte. Im Gegensatz zu Barcelona fehlte der eine zusätzliche Gitarrist. Beim Primavera war David nur Sänger, in Paris spielte er bei vielen der Lieder, auch bei Careless Gitarre. 


Etwas später bei Mystery date von Valentina gab es die nächte schöne Besonderheit. Am Ende des Lieds spricht eine Frau auf der (Cinerama) Platte einen Text auf Spanisch. Keyboarderin Melanie hatte diesen Job live. Sie sprach den langen Text auf Französisch und wischte sich hinterher theatralisch erleichtert den Schweiß von der Stirn, nachdem es vollbracht war. Herrlich!

Von Valentina spielte die Band auf der Seine noch zwei weitere Stücke, You Jane und The girl from the DDR, von denen es übrigens auch deutsche Versionen auf der 4 Lieder EP gibt. Wäre es der Rhein gewesen, hätten wir vielleicht David diese Versionen singen hören. In Deutschland war ein paarmal das tolle Klee Cover Erinner' Dich auf den Setlisten.  

Ach, das Konzert war so schön, es hätte ewig weitergehen müssen. Honey Rider (nach der Rolle des Bondgirls Ursula Andress benannt), Dance, girl, dance ("if you're from the south of England it's called 'daaaance, girl, daaance'"), Après ski ("this concert's full of hits") oder Quick, before it melts - nur Hits!

Einer der großen Knüller beendete das Konzert und taugte auch schön als Motto. Wow. "I don't want to stay forever"? Quatsch! Ruhig hätten Cinerama alle vier Alben komplett spielen dürfen!

So ein 100. (modifiziertes) Wohnzimmerkonzert sollte ja etwas Besonderes werden. Besonders kann man wohl streng genommen nicht steigern. Der Abend war aber durchaus deutlich besonderer als gedacht! Einziger kleiner bitterer Beigeschmack: daß viel zu wenige Menschen das über Cinerama denken, was David Gedge im Laufe des Abends über ABBA sagte: "one of the greatest pop bands ever!"

Oliver: Onkel John wäre stolz gewesen!


Setlist Cinerama, Le Petit Bain, Paris:

01: Model spy
02: 146 degrees
03: Kerry Kerry
04: You're dead (The Wedding Present Cover)
05: Ears
06: Careless
07: Hard, fast and beautiful
08: Mystery date (The Wedding Present Cover)
09: You Jane (The Wedding Present Cover)
10: Honey Rider
11: Your charms
12: The girl from the DDR (The Wedding Present Cover)
13: Dance, girl, dance
14: Quick, before it melts
15: Après ski
16: Cat girl tights
17: Wow

Links:

- aus unserem Archiv:
- Cinerama, Barcelona, 27.05.15 
- The Wedding Present, Arlon, 20.11.14
- The Wedding Present, Barcelona, 30.05.14
- The Wedding Present, Düsseldorf, 26.09.13
- The Wedding Present, Paris, 24.10.12
- The Wedding Present, Wien, 04.10.12
- The Wedding Present, Köln, 23.09.12
- The Wedding Present, Barcelona, 30.05.12
- The Wedding Present, Köln, 15.10.10
- The Wedding Present, Köln, 15.11.07
- The Wedding Present, Paris, 02.11.07




Freitag, 27. September 2013

Motorama, Paris, 19.09.13

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Konzert: Motorama und The Revival Hour
Ort: Le Petit Bain, Paris
Datum: 19.09.2013
Zuschauer: gut besuchte Veranstaltung, ich tippe auf 300 Leute



Motoroma! Seitdem ich die Russen Ende 2012 zum ersten Mal live im Pariser Point Ephémère gesehen habe, kann ich von denen gar nicht genug bekommen. Einen ersten Nachschlag gab es in diesem Jahr vor ein paar Monaten in der Maroquinerie. War ein gutes Konzert, das allerdings nicht ganz an die Wucht und Euphorie des Point Ephémère ran kam.


Wie würde es heute werden? Ich war extrem gespannt, zumal ich den Sommer gemeinsam mit meiner Frau in Russland verbracht hatte und deshalb noch mehr an diesem großartigen Land, seinen Menschen (vor allem den hübschen Frauen!) und seiner Kultur interessiert bin. Und Motorama schätze ich jetzt auch noch mehr, da mir bewusst wurde, daß selbst in einer modernen Stadt wie Moskau gräßlicher Mainstream Pop aus den 80 er Jahren nach wie schwer angesagt ist. Die hören da tatsächlich noch Sandra, Modern Talking und Alphaville! Insofern logisch, daß Motorama, die nicht in Moskau, sonder im in musikalischer Hinsicht noch minder entwickelten Rostow- on- Don am Kaukasus wohnen, ihre Hauptinspiration aus dem Internet beziehen. Musikjournalisten reden  faulerweise immer nur von Joy Division als Einfluss, aber Motorama hören etliche ander Sachen, viel Aktuelles, darunter die Franzosen Aline, Police des Moeurs, die gothisch angehauchte Schwedin Molly Nilsson,  aber auch Bands von Captured Tracks wie DIIV oder Beach Fossils. 

Und das ganze Geschwafel von ähnlichen Bands ist ohnehin unerheblich, denn was zählt ist auf dem Platz! Sprich auf der Konzertbühne! Und da sind Motorama einzigartig gut!


Bis die Russen auf den Platz durften, war es aber noch eine Weile hin. Zunächst standen The Revival Hour an, ein Projekt des mir bereits bekannten DM Stith, welches er mit JM Lapham betreibt. Es gab aber auch noch andere Livemusiker mit auf der Bühne, so daß sich eine ausgewachsene Rockband einem bereits zahlreich erschienenen Publikum präsentierte. Die Gruppe spielte bluesig-düsteren Indierock, der mit seiner Verwunschenheit und seiner speziellen psychedelischen Atmosphäre an Grizzly Bear erinnerte. DM Stith sang hierzu mit seiner makellosen Falsettstimme und drückte der Sache seinen persönlichen Stempel auf. Gute Musiker, ein exquister Sänger und interessante Songs, aber ich hatte nicht besonders viel Geduld mitgebracht, wollte eigentlich am liebsten sofort Motorma hören und sehen.


Die Russen fingen gegen 21 Uhr 30 dann auch endlich an und begannen gleich wie die Feuerwehr. Die Haare der blonden Bassistin flogen wild durch die Gegend und vor allem der Drummer drückte gleich schon ordentlich auf  die Tube. Unberechenbarer hingegen Sänger Vlad. Der brummelte mit seiner kautzigen Baritonstimme mal statisch und traumversunken in sein Mikro, rastete dannn aber auch urplötzlich wieder mal total aus. In diesen Momenten schien ihm die Bühne zu klein zu sein und er wusste auch nie wohin er mit seiner Brille solle. Auflassen? Oder mit Brille in der Hand performen? Oder doch gleich am besten an die Seite legen?

Der Sound allerdings ein wenig enttäuschend. Ziemlich dumpf und basslastig kam er aus den Boxen und die Stimme von Vlad hörte man bisweilen kaum. Wie er hinterher sagte, war die Nuschelei aber beabsichtigt, vermutlich um die morbide Atmosphäre seines Gesanges noch zu verstärken. Manchmal hätte sie mir aber deutlich lauter und artikulierter gewünscht und das war auch die vorherschende Meinung anderer Leute nach dem Konzert.


Lässt man diese Schwachpunkte aber mal weg, konnte man letztlich  wieder nur Positives beobachten. Die Frische und Tanzbarkeit der Musik war überwältigend, so daß ich ohne Unterlass das Tanzbein schwang, die Songs herrlich melodiös und dabei nie zu bombastisch, die Band unarrogant und ohne Allüren. Man merkte, daß die noch richtig Bock haben, außerhalb Russlands zu touren, neue Fans für sich zu gewinnen und eine gute Zeit zu haben. Zwar wirkte Basserin Airin (oder auch Erin geschrieben) immer mal wieder leicht gelangweilt, aber das deutete ich eher als Schüchternheit als als Ignoranz oder Arroganz. Es ist schon ein Riesenunterschied, eine gehypte Postpunkband aus Großbritannien oder eben Motorama aus Russland zu sehen. Bei den Musikern aus dem ehemaligen Zarenreich gibt es keine affektierten Rockstarposen oder Gehabe, da erfeut man sich eher noch an einer gewissen Ungeschicktheit und Linkischheit, an kleineren Pannen und einer nicht einstudierten Bühnenshow. Dieses Unvorhersehbare macht Motorama interessant und sorgt dafür, daß man bei ihnen nie zweimal das gleiche Konzert sieht.


Die Lieder sind ja ohnehin konkurrenzlos gut und werden live ständig weiterentwickelt und in verbesserten Versionen gespielt. Ob das melancholische To The South, das karibisch anmutende Wind In Her Hair oder ein alter Fetzer wie das unverschämt melodiöse Alps, bei ihnen war jeder Stich ein Treffer. Leerläufe gibt und gab es da keine, Tanznummer wird an Tanznummer gereiht, die Leute hüpfen, schwitzen, johlen vor Freude, haben trotz der schwarzen Note der Musik gewaltigen Spaß. Das war bei bisher allen Konzerten von Motorama so.



So verbrachten wir alle wieder einen prima Abend mit der Band aus Rostov und ich denke, daß auch die Fans in Deutschland von ihren Auftritten begeistert sein werden.

Motorama, baby!!

Setlist

01: Compass
02: Eyes
03: To The South
04: Young River
05: Wind In Her Hair
06: White Light
07: Sometimes
08: Rose In The Vase
09: One Moment
10: Winter At Night
11: Far Away From The City
12: Scars
13: Ghost
14: Alps

15: During The Years



Samstag, 22. September 2012

Gossip, Paris, 20.09.12

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Konzert: Gossip
Ort: Le Petit Bain, Paris
Datum: 20.09.12
Zuschauer: etwa 400
Konzertdauer: ungefähr 65 Minuten


Der veranstaltende Radiosender RTL 2 versprach ein concert "très très prive" und bewies damit Fantasie.

 
Kann man privat steigern? Privat, sehr privat, sehr sehr privat? Wieviel "sehr" müsste man vor das privat setzen, um damit auszudrücken, daß man mit Beth Ditto ins Bett darf? Nun, ja, so privat wurde es dann auch nicht. Zumal es auch andere Leute gab, die einen Platz für dieses Konzert ergattert hatten. Karten konnte man nicht kaufen, sondern nur gewinnen. Natürlich hatte ich bei dem Gewinnspiel nicht mitgemacht, so etwas tu' ich nicht. Aber ein Freund von mir reichte mir freundlicherweise sein zweites Einladungskärtchen weiter und so befand ich mich gegen 21 Uhr auf dem äußerst modernen Hausboot Le Petit Bain. Der Bungalow ähnliche Bau ist sehr zweckmäßig und puristisch gestaltet und wenn man drinnen ist, vergisst man glatt, daß man sich auf der Seine befindet. Bet Ditto scherzte später während der Show darüber, daß man auf einem "boat" sei. "Oh, we are on a boat" rief sie mehrfach freudig aus.

Bevor es losging, hatte man aber noch Zeit, ein Bier zum Aufwärmen zu trinken, auch um zu verdrängen, daß man sich zwischen musikalischen Laien befand, die in den meisten Fällen mit dem Werdegang von Gossip nicht vertraut waren. Bis auf meinen Kumpel kannte ich im Publikum keine Sau. Und wenn ich die Leute nicht kenne, dann gehen die nicht auf Konzerte. Egal, die Leute erwiesen sich zwar als etwas schickimicki, aber angenehm friedfertig und auch begeisterungsfähig. Es gab keine Schubsereien, kein unflätiges Gerämpel, keine Aggressionen und dies obwohl musikalisch ganz schön der Punk abging.

 

Um 21 Uhr 15 rockten Gossip nämlich das Haus, ähem das Boot und unterstrichen eindrucksvoll, daß sie eine formidable Band sind, die nicht zu unrecht so groß geworden ist. Gegen die Stimmgewalt der blendend gelaunten Beth Ditto war und ist einfach kein Kraut gewachsen, gegen das hämmernde hochexplosive Schlagzeugspiel der bunt tätowierten Hannah Blilie kommt kaum ein Typ an und auch der Bassist und der schnauzbärtige Gitarrist sind stark drauf. Es klang einfach alles sehr kompakt und auf den Punkt gespielt, was die vier optisch so grundverschiedenen Musiker da ablieferten. Da gab es kaum einmal Leerlauf oder Langeweile zu beklagen und die gute Stunde verging wirklich im Fluge.



Gossip rotzten einen funkig-souligen Indiestampfer nach dem nächsten raus, machten dabei aber immer einen sehr entspannten und souveränen Eindruck. Nie forcierten sie ihr Spiel, legten es auch nicht darauf an, nur Show zu machen. Im Gegenteil, Beth Ditto sang richtig gut und nuanciert, überstrapazierte ihre gewaltige Stimme nicht und holte nur in den entscheidenden Momenten den Presslufthammer raus. Bei den Überhits Heavy Cross und dem unverwüstlichen Standing In The Way Of Control brüllte sie sich natürlich die Seele aus dem Leib, aber ansonsten ließ sie es ruhiger und halsschonender angehen. Ein Spielen mit angezogener Handbremse war das trotzdem nicht, sondern nur Ausdruck der Relaxtheit der Band. Es wurde wahnsinnig viel gealbert und gelächelt, Witzchen mt dem Publikum ausgetauscht (teilweise auf französisch, in einem Falle sogar auf deutsch als Beth Ditto irgendwas von: "sie ist sehr klein" schwadornierte) und auch auf der Bühne geraucht, da interesssiert die Ditto einfach kein Rauchverbot.

In einer amüsanten Szene outete sich Beth als Wähler von Obama, behauptete aber, daß Hannah Blilie Romney wählen würde. Das war natürlich ein Scherz und womöglich dem Weißwein geschuldet, den die pfundige Sängerin trank (während Blilie hinten Kronenbouger Bier süffelte).

Überraschend für mich, daß auch die auf dem letzten Album A Joyful Noise etwas zahnlos klingenden Songs wie Move In The Right Direction oder Get Lost live deutlich fetziger und roher rüberkamen. Die richtigen Kracher waren aber dann letztlich doch die alten Sachen wie Love Long Distance, Listen Up und natürlich die bereits erwähnten Abräumer Heavy Cross und Standing In The Way Of Control.



Nach einer guten Stunde und zwei Liedern als Zugabe war die Show dann schließlich beeendet und alle hatten einen richtig guten Abend erlebt. Beth Ditto hatte sich zwar weder ausgezogen, noch war sie ins Publikum gekommen, aber die Rolle als sympathische und unarrogante Entertainerin stand ihr auch ausgezeichnet. Der Erfolg scheint Gossip nicht über den Kopf gewachsen zu sein, von Allüren gab es keine Spur.

Und um noch einmal auf den Eingangssatz zurückzukommen: so privat werde ich Beth Ditto zumindest in musikalischer Hinsicht wohl so schnell nicht mehr erleben, im November wird sie mit ihrer Band in Paris schon wieder in den großen Hallen spielen.

Setlist Gossip, Le Petit Bain, Paris, klick!




 

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