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Freitag, 2. Dezember 2016

Angel Olsen, Paris, 04.11.16

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Konzert: Angel Olsen
Ort: La Gaité Lyrique
Datum: 04.11.2016
Zuschauer: etwa 800, ausverkauft

Foto: Jean Marc Ferre ©


Angel Olsen war in die Stadt der Liebe und des Lichts gekommen um ihr neues Album My Woman live zu präsentieren. Bei der Tour ihres letzten Albums Burn Your Fire With No Witness spielte sie noch in eher kleinen Venues (Fleche d'or, Divan du Monde), heuer schaffte sie es die moderne und etwa 800 Personen fassende Gaité Lyrique auszuverkaufen. Nicht schlecht für eine Künstlerin, die als filigrane Folksängerin mit einer überschaubaren Anhängerschaft und einer ersten EP 2011 angefangen hatte. Aber ihr einstmals solo vorgetragener Akustik Folk hat inzwischen mehr und mehr einem Indie Rock im Stile von PJ Harvey Platz gemacht, die Songs sind im Laufe der Jahre lauter und elektrischer geworden und statt solo ist Angel nun längst mit ausgewachsener Band unterwegs. Einer Band (in der sich auch zwei weitere junge Damen befanden) die optisch was her machte, mit eleganten himmelblauen Hochglanzköstumen, weissen Rüschenhemden und Pommade in den Haaren. Allerdings war der Kontrast zur Hauptperson etwas heftig. Während die Begleitmusiker aussahen als würden sie eine Silvestergala spielen, war Angel selbst schlicht und unauffällig gekleidet, leichter karamellfarbener Pulli, ein helles Halstuch, das wars.

Erstes grosses Highlight war das druckvolle, rockige Shut Up, Kiss Me, das definitiv an Polly Jean erinnerte und mit knackigen Gitarrenriffs glänzte. Angel schien sich schon da die Seele aus dem Leib zu schreien. Dieser eindringliche, wehklagende Gesang, dieses Vibrieren in der Stimme, irre !

Sister an sechster Stelle hatte ein leicht countryeske Note, starte langsam und feierlich, entwickelte aber im weiteren Verlaufe fiel Druck. Hier einnerte mich Angel stimmlich an Marissa Nadler, die auch diesen sirenenhaften Grabesgesang perfekt beherrscht. "I want to know you i want to show, I want to be there" you sang Angel und es leif mir kalt den Rücken runter.

Heiss war es in der Gaité Lyrique und mein Standplatz auch nicht so ideal, entweder ich war zu nahe an den Boxen oder hinter gross gewachsenen Leuten. Am Ende lehnte ich mich gegen die rechte Wand, war dadurch aber etwas abgeschnitten.

Nach 8 Songs, von denen 5 von My Woman stammten, spielte Angel mit Fly On The Wall an 9 Stelle nun eine nicht auf einem Album befindliche Ballade.  "Haunting" war die Stimmung, so würden es wohl die Engländer sagen. Knisternd, geheimnisvoll könnte man es auf deutsch ausdrücken. Das ebenfalls unveröffentlichte Special schloss daran an.

Besonders gut war das Set wenn angriffslustige Stücke wie das grungig angehauchte Not Gonna Kill You kam. Da wirkte Angel dann fast verbissen und böse, aber als sie hinterher verschmitzt lächelte, wusste man, dass sie wirklich niemanden umbringen wollte.

Mit Forgiven/Forgotten kam gegen Ende dann noch ein älterer Indierocksong, der auch von Pavement oder Built To Spill hätte stammen können. "I dont know anything but i love you, yes i do", greinte Angel zu diesem flotten Uptempo Song, bei dem der Drummer mächtig zu trommeln hatte.

Mit Give It Up wurde dann der offizielle Teil abgeschlossen, bevor noch zwei Zugaben gespielt wurde. Angel hatte sich hierzu hinter eine Orgel gestellt und performte zunächst den Opener des letzten Albums Intern. Ihre Stimme war mit starken Halleffekten versehen, man fühlte sich wie in der Kirche. Wer  stimmlich ein wenig an Lana del Rey dachte hatte nicht unrecht, das hatte was von Hollywood, David Lynch und Drama. Intern ging nach einer packenden Orgelinstrumentalpassage direkt und ohne Pause in Woman über, die Positionen der Musiker wurden beibehalten. Woman war fast schon ein wenig seicht zu nennen, flirtete ein ganz klein wenig mit dem Kitsch, blieb aber auf der geschmackssicheren Seite. "To the Ground" sang Angel Olsen immer wieder, während sich das Lied langsam nach vorne schlich und irgendwann fast noisig wurde. Die letzten Minuten dann beinahe Postrock à la Anna von Hauswolff mit jaulenden Gitarren und einer Angel Olsen die mit ihrer Backgroundsängerin um die Wette brüllte. Beeindruckend.

Und die Vorgruppe? Nicht wirklich umwerfend. Little Wings, das folkpoppige Projekt des bärtigen Kyle Field war zwar gefällig, aber auch eine Spur belanglos. Witzig war der stimmlich an Cat Stevens erinnernde Singer Songwriter aber trotzdem, er hatte ein paar ulkige Tanzschritte drauf.

Setlist:

01: Never Be Mine
02: Hi-Five
03: Shut up Kiss Me
04: Lights Out
05: Heart Shapped Face
06: Sister
07: Those Were The Days
08: Drunk And With Dreams
09: Fly On The Wall
10: Special
11: Not Gonna Kill You
12: Sweet Dreams
13: Forgiven/Forgotten
14: Give It Up

15: Intern
16: Woman

Samstag, 21. März 2015

My Brightest Diamond, Paris,13.02.15

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Konzert: My Brightest Diamond mit Support Tim Fite
Ort: Le Gaîté Lyrique in Paris
Datum: 13. Februar 2015
Dauer: 35 min + 100 min
Zuschauer: etwa 600 (nicht ganz ausverkauft)



Ich bin in unserer Familie ein bisschen berühmt berüchtigt. Aber ich schwöre, diesmal kam die Idee, Freitag den dreizehnten zum Glückstag in Paris zu machen, nicht von mir... Zu viert hatten wir schließlich am Bühnenrand gestanden und schauten uns nach dem Konzert in die Augen, die ein Glück teilen konnten, für das uns in dem Moment noch die Worte fehlten. Am nächsten Tag sprach ich mit den Kanadiern in Paris noch etwas stammelnd darüber: Eigentlich brauche ich dieses Jahr kein Konzert mehr zu besuchen. Es wird keines mithalten können...


Als der Plan aufkam, konnte ich recht bestimmt sagen: Gute Idee, das wird sich lohnen. Die drei Konzerte, die ich mit My brightest Diamond schon erlebt hatte, waren alle grandios gewesen. Zuletzt in Eindhoven mit dem Material der neuen Platte hatte sie sich in die Jahresbestenliste gespielt - das erste in Berlin 2011 hatte mich zum Schreiber fürs Konzerttagebuch werden lassen und wird auch deshalb immer einen besonderen Platz in meinem Herzen haben. Was ich aber nicht wusste war, dass Paris ein ganz besonderer Konzertort für Shara Worden ist und sie an diesem Abend auch vom Publikum in einmaliger Weise getragen werden würde. Insofern wurde die etwas spinnerte Entscheidung für Paris zu einer, die weise genannt werden kann.


Wir hatten uns ein Quartier gesucht, von dem wir zur Gaîté Lyrique laufen konnten. Das Theater überraschte uns sehr positiv. Es machte von außen ordentlich was her mit einer Jugendstilfassade und hatte ein stilvoll modernes Innenleben. Auch Einlass und übriges Personal waren freundlich und effektiv, gelassen und fast heiter. Wir verbrachten noch etwas Zeit in dem Café und studierten die Bühnenzeiten. Erst fünf Minuten bevor es mit Tim Fite  losgehen sollte, suchten wir uns Plätze im Saal und standen damit noch in der zweiten Reihe.


Tim (mit bürgerlichen Namen Timothy Sullivan) ist ein Hans Dampf in allen Gassen oder Jack of all trades. Ein Schelm, der sich und sein Publikum ordentlich auf den Arm nimmt. Er spielt mit Worten, Samples alter Schallplatten (die vom iPad kommen), bastelt und macht Kurzfilme. An diesem Abend war er von der großen Projektion ganz eingenommen neben der er fast ein bisschen klein wirkte. Seine Einmannshow war und ist wahrscheinlich jederzeit wirklich sehenswert, auch wenn man - wie ich - eigentlich nicht so viel mit Hiphop anfangen kann. Aber die Ironie, das spielerische, die überbordende Spielfreude, das Geplänkel mit dem Publikum, die kamen nicht nur bei mir bestens an.


Er hatte eine Tour de Force vorbereitet:  iBeenHACKED  sein aktuellstes Album war prominent vertreten mit dem Titelsong, BigMAC, No Philsophy, The Phoney und Like. Man kann das natürlich kindisch finden wenn somebody got my nose gesungen und gespielt wird. Oder wenn Sexy Leroy seine Auftritte auf der Leinwand hat. Oder The Dog & Pony Show mit der Episode On crying gezeigt wird. Oder die Stimmung zwischendurch angeheizt wird, indem das Publikum von ihm gerufene Fragen, ob wir noch Lust haben, mit möglichst enthusiastischem "ja!" - in Paris natürlich mit "Oui!" - beantworten soll. Und doch kommt auch jedes Mal - schwupps - etwas mit, das so gar nicht kindisch ist, sondern einen wachen Blick auf die moderne Welt zeigt.
 

Der endgültige Ohrwurm, der uns auch Tage später noch anhing war Burn it down. Auch hier geht es zunächst etwas schräg los, wenn Ställe brennen sollen, nur weil die Kühe und Hühner ihn auslachen. Aber es wird ernst, wenn Banker sich daneben benehmen... Das Publikum war jedenfalls im Refrain eifrig dabei, alles brennen zu lassen. Und es gab besonders großes Hallo, als Shara Worden für ein Sing- und Tanzduett auf die Bühne kam.


Der Umbau war schnell erledigt - es musste ja nur das iPad und das Mikro abgeräumt werden und der Ablauf sah auch vor, dass es nach nur 15 min mit My Brightest Diamond weitergehen sollte. Sie hatte an diesem Abend am Schlagzeug Tim Mulvenna (+) und  Fontaine Burnette am Bass dabei. Damit war auch der Ton schon klar gesetzt: heute gab es eine Rockshow.



Bestätigt wurde das gleich zu Beginn mit einem recht dunklen Rocksong von Jeff Buckley Gunshot Glitter, in dem die E-Gitarre rotzig herangenommen wurde und anschließend in ähnlichem Habitus das trotzige I am not the bad guy vom aktuellen Album This is my hand (2014) folgte. Beide Songs mit den für Shara so typischen Wechseln zwischen sehr tiefen und hohen weiblichen Stimmlagen an diesem Abend ziemlich rockig.


Mein erster Höhepunkt und auch der Moment wo der Saal das erste mal explodierte war Pressure, wofür Shara ans Keyboard wechselte. Diesmal mit moves, die den Inhalt des Refrains ausdrückten. Dafür gab es Unterstützung durch Tim Fite und den Bassisten (sehr expressiv!). Es startet ja mit einem sehr charakteristischen Trommelwirbel (der in mir immer die Erinnerung an die Marching band Version von Eindhoven anstößt). Der setzte auch hier den ganzen Saal in Bewegung. Nach der Zeile Disperse the white light durfte dann endgültig der Mann an den Drums ausflippen und alle zum zappeln bringen. Im Herzen trage ich zwar die Version mit fetten Bläsern - die hier leider fehlten - aber es war doch auch so Glück pur.


Es folgte Before the Words - ebenfalls vom aktuellen Album. Erstmals erschloss sich mir nun der Refrain, nachdem uns Shara dazu den Mythos der Ureule dargelegt hatte, die von Anbeginn der Zeiten existiert und in den Erzählungen der Mütter für uns lebendig bleibt. So wurde die Version des Abends für mich schamanisch und innig. Be brave ist einer meiner Lieblinge vom Vorgängeralbum (All things will unwind, 2011), das immer wieder bei mir Gänsehaut auslöst: be brave dear one - be changed to be undone. In der rockigen Umsetzung auch sehr stark.


Lover, killer vom aktuelles Album hat diese synkopischen Rhythmen, die gar nicht so einfach zum klatschen sind. Damit ist es eigentlich eine Tanznummer und irgendwie ganz luftig, obwohl es um so ernste und dunkle Inhalte geht. High low middle - ihr Lied über Detroit - macht mir immer gute Laune und wurde entsprechend enthusiastisch vom Publikum aufgenommen und mitgesungen. Diese gute Stimunng wurde gebrochen durch Say what (Album Bring me the workhorse, 2009) - ein sehr inniger, unendlich trauriger Song, den ich noch nie von ihr live gehört hatte. 


Mein nächster absoluter Höhepunkt war das Wiegenlied I have never loved someone (2011), das nie verfehlt mir die Tränen der Rührung in die Augen zu treiben. Ein wahrhaft funkelndes Kleinod. Für die Pariser hatte sie anschließend etwas ganz besonderes vorbereitet: Ihren Song Apparition, dessen Text ein Gedicht von Mallarme ist, wurde von ihr erstmals im französischen Original aufgeführt. Die Einführung in den Song war sehr geheimnisvoll (eine Geistergeschichte) und die Version auf der Bühne auch sehr introvertiert.


Als letztes Stück der regulären Setlist war das Titelstück des aktuellen Albums in der französischen Version vorgesehen, die zu Beginn der Tour veröffentlicht worden war. Ich fand es sehr interessant, wie unterschiedlich der Song wirkt, wenn die einfachen englischen durch die gleichen aber französischen Aussagen ersetzt werden. Irgendwie stellt man sich dann gleich einen viel zierlicheren Körper vor (jedenfalls ging mir das so). Natürlich wurde anschließend enthusiastisch um Zugaben geklatscht. Und es gab zunächst Inside a boy von All things will unwind, was ich auch sehr ins Herz geschlossen habe. Die Zeile We are stars colliding wird wohl nie seine Wirkung auf mich verfehlen. 


Anschließend gab es noch eine echte Überraschung. Tim und Shara schlüpften in zueinander passende Overalls, die Tim Fite für die Hand in Hand Tour gestaltet hatte, und legten eine heiße Tanznummer hin. Sie drückte noch einmal sehr fröhlich aus, was sich schon als roter Faden durch den Abend gezogen hatte: Hier sind zwei Freunde zusammen unterwegs, die - so verschieden sie Musik machen - doch voneinander lernen und sich ergänzen. Das gab eine ziemlich lustige und extrovertierte Nummer im Publikum - herrlich! Ebenso eindrucksvoll, Fontaine Brunette die Hüften schwingen zu sehen - unfassbar köstlich (man sehe sich das verlinkte Video an).


Hier war wohl der Höhepunkt und das Finale geplant gewesen, aber die Pariser ließen nicht locker. Noch zweimal kam Shara mit all time hits auf die Bühne. Feeling good ist ohnehin ein unzerstörbarer Song, der aber von ihr an diesem Abend in einer wahnsinnigen Version zelebriert wurde, und auch dem Bass ordentlich Schmiss erlaubte. Das setzte mich komplett in Extase (und nicht nur mich). Noch in der Erinnerung bekomme ich Gänsehaut und es fühlte sich wie ein ganz persönliches Geschenk an. Als auch anschließend der Saal (zurecht!) tobte, kam Shara noch ein letztes Mal heraus, setzte sich auf den Bühnenrand und kam schließlich noch einmal ins Publikum, um mit uns Fever zu zelebrieren. So ging ein Abend zu Ende, der uns bestimmt noch sehr, sehr lange im Herzen leuchten wird.


(*) fast vertrottelt hätte ich auch den Fakt, dass wir damit den - für mich halt sehr nebensächlichen - Valentinstag in Paris hatten...
(+) leider nicht mein Lieblingsdrummer Earl Harvin



Setlist:
01: Gunshot Glitter (Jeff Buckley cover)
02: I Am Not The Bad Guy
03: Pressure (mit Tim Fite)
04: Before The Words (mit Tim Fite)
05: Be Brave
06: Lover Killer
07: High Low Middle
08: Say What
09: A Bronze Head
10: Resonance
11: I Have Never Loved Someone
12: Apparition (in Frz.)
13: Ceci Est Ma Main ("This Is My Hand" Frz.)

14: Inside A Boy (Z)
15: It takes two   (Z, mit Tim Fite, Rob Base, DJ Easy cover)

16: Feeling Good (Z, Nina Simon cover)(#)

17: Fever (Z, Peggy Lee cover) 


(#) von Leslie Bricusse & Anthony Newley

Alle Bilder des Abends:
 
 

Hand in Hand Tour:
Feb 08 Vera - Groningen
Feb 09 Tivoli De Helling - Utrecht
Feb 11 Stereolux - Nantes
Feb 12 Aetonef - Lille
Feb 13
Gaîté Lyrique - Paris
Feb 14/15 Festival Generiq - Dijon
Feb 17 Salumeria Della Musica - Milan
Feb 18 Bogen F - Zürich
Feb 19 Bad Bonn - Dudingen

 

Aus unserem Archiv:
My Brightest Diamond, Haldern, 08.08.14
My Brightest Diamond, Eindhoven, 07.02.14
My Brightest Diamond, Straßburg, 30.03.12
My Brightest Diamond, Paris, 28.03.12
My Brightest Diamond, Berlin, 24.11.11
My Brightest Diamond, Haldern, 13.08.11
My Brightest Diamond, Paris, 07.10.08
My Brightest Diamond, Haldern, 08.08.08
My Brightest Diamond, Evreux, 27.06.08
My Brightest Diamond, Paris, 22.04.08
My Brightest Diamond, Paris, 02.10.07
My Brightest Diamond, Paris, 26.02.07 


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Donnerstag, 13. Dezember 2012

Owen Pallett, Paris, 11.12.12

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Konzert: Owen Pallett (Pinkunoizu & Wolves & Moons)
Ort: La Gaité Lyrique
Datum: 11.12.2012
Zuschauer: leider nur zu 65% gefüllt 
Konzertdauer: 90 Minuten


Eine kostenlose Einladung zu einem Konzert von Owen Pallett weist man nicht einfach so zurück, oder? Eben. Genau das habe ich mir auch gedacht, als mein Kumpel Vincent in unserer privaten Facebook Runde, die wir Pariser Konzertnerds gegründet haben, gegen 20 Uhr am Tge des Konzertes bekannt gab, daß er noch ein Plätzchen für den Wundergeiger übrig hätte. Ich nahm also dankend an, obwohl ich mir eigentlich fest vorgenommen hatte, mich auszuruhen. Aber ausruhen kann ich mich noch, wenn ich tot bin und wer weiß wie lange ich bei meinem Lebenswandel noch lebe. Also rein in die Klamotten und raus in die eisige Pariser Nacht Richtung Gaité Lyrique, wo Owen spielen würde. Die moderne und gut sonorisierte Location besuche ich eigentlich recht selten, obwohl hier immer wieder sehr gute Bands auftreten. Nun aber war ich endlich mal wieder hier und nahm am Empfang dankend mein Gratiskärtchen entgegen. Wolves & Moons und Pinkunoizu hatten bereits gespielt, aber das war mir wurscht, Owen reichte mir. Zumal Herr Pallett stolze 90 Miuten rumfiedeln würde, was ja wirklich großzügig ist. 






Zusammen mit einem Drummer und einem Gitarristen/Keyboarder sang, loopte und geigte er sich in teils schwindelerregende Höhen, ließ uns aber in manchen Phasen auch etwas gelangweilt aus der Wäsche gucken. Die brillanten Passagen traten aber deutlich öfter auf als die öden, so daß sich mein kurzfristiges Kommen auf jeden Fall gelohnt hatte.





Zu sehen gibt es ja ohnehin immer eine ganze Menge bei dem ehemals als Final Fantasy auftretenden Künstler. Da ist man immer wieder verblüfft, was er mit seiner Violine so alles anstellt. Zupfen, streichen und sie sogar wie ein Tasteninstrument benutzen, das alles kannte ich schon, aber als er mit ausgestrecktem Arm seine Geige mit dem Bogen ansägte, als wolle er eine Scheibe Brot abschneiden, war ich dann doch geplättet. Das sah einfach total irre aus!

Und für den Ohrenschmaus sorgte nicht zuletzt seine ungemein liebliche Stimme. Er singt wirklich wie der holdeste aller Jünglinge und stellte in dieser Hinsicht manchmal sogar seinen engelsgleich intonierenden Artgenossen Berirut in den Schatten. "Il a une voix celeste", wie die Franzosen sagen und in der Tat, das trifft es: celeste= göttlich, himmlisch.





Bei E is for Estranged, das er zunächst zupfend dann streichend vortrug, klang sie besonders schön und Tryst With Mephistopheles war in jeder Hinsicht ein Highlight, stimmlich, kompositorisch und dramaturgisch. Ein mindestens 7 Minuten langer Titel, der mit vielen kleinen Details, sehr hübschen Melodien und Stimmungsänderungen aufwarten konnte.

Nach wie vor stark klangen auch die alten Final Fantasy Titel Lewis Takes Action und This Is The Dream Of Win And Regine, während Midnight Directives etwas langweilig vor sich hin plätscherte.



Neue, unveröffentlichte Songs gab es reichlich. Sie hießen unter anderem Soldier's Rock, Infernal Fantasy oder The Sky Behind The Flag und ließen auf das 2013 zu erwartende Album neugierig werden. Die Fertigstellung dieses Werkes sei ein langwieriger Prozess ließ Owen wissen und zuckte ein wenig mit den Schultern, fast entschuldigend dafür, daß es immer noch nicht draußen ist.


Die Fans werden sich gedulden können und man hat ja zum Trost die alten Nummern. Lewis Takes Off His Shirt als letzte Zugabe eines 90 minütigen Konzertes war allein schon das Kommen wert!

Eine Einladung zu einem Konzert von Owen Pallett weist man in der Tat nicht zurück, ich wäre blöd gewesen, wenn ich zu Hause geblieben wäre!

Setlist Owen Pallett, La Gaité Lyrique, Paris (nicht in dieser Reihenfolge, merci à Florianne!

Midnight Directives 
Song Song Song
Keep The Dog Quiet- Mount Alpentine
Lewis Takes Action (Final Fantasy)
The Great Elsewhere
Tryst With Mephistopheles
This Is The Dream Of Win And Regine (Final Fantasy)
E is for Estranged
Many Lives ->49MP
Lewis Takes Off His Shirt
Soldier's Rock
Song For 5 And 6
Infernal Fantasy
The Sky Behind The Flag





Freitag, 9. Dezember 2011

Low, Paris, 02.12.11

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Konzert: Low
Ort: La Gaité Lyrique, Paris

Datum: 02.12.2011

Zuschauer: fast ausverkauft, etwa 650



Die Amerikaner Low sind eine jener Bands, die auf meiner Favoritenliste ganz weit oben stehen. Seit etlichen Jahren liefern sie ein hochkarätiges Album nach dem nächsten ab. Der letzte Output C'mon bildet da keine Ausnahme, er ist durchgängig gelungen. Leider aber spielen sie nur relativ selten in Europa und so muss man als Fan die wenigen Gelegenheiten nutzen, um in den Livegenuss der Sadcorler aus Duluth, Minnesota zu kommen.

Insofern ein Jammer, daß ich von dem Konzert in der Gaité Lyrique nur noch etwa 20 Minuten mitbekommen habe. Unser Umzug wirbelte sämtliche Planungen durcheinander und neben dem Einpacken, Entsorgen und Beschriften der Kisten blieb kaum Zeit für andere Dinge. Sauspät hatte ich mich deshalb auf den Weg zur Location gemacht und sah nur noch die beiden letzten Zugaben. Bitter. Dabei war meine Hoffung recht groß, mehr von dem Konzert zu erleben. Eine Woche zuvor hatte Bill Callahan an gleicher Stelle erst um 21 Uhr 45 begonnen. Heute aber war es ohne Vorgruppe bereits um 20 Uhr 30 losgegangen. Dennoch: selbst für 20 Minuten Low lohnte es sich, noch losgegangen zu sein! Die drei Musiker verstehen es einfach auf geniale Weise, eine dunkle, aber dennoch hoffnungsspendende Stimmung zu kreieren, die an Dichte und Intensität kaum zu überbieten ist. Die tiefe, leicht rauchige Stimme von Alan Sparhawk ist ohnehin der Hammer. Ihn nur ein paar Minuten zu hören, ist bereits ein Geschenk. Beim letzten Lied durfte aber seine Schlagzeug spielende Frau Mimi Parker den Gesangespart übernehmen und ihr ätherisches, sehr sanftes Organ hallte durch den ganzen Saal. Wie in Zeitlupe schritt das Stück voran, vielleicht deshlab haftet Low das Etikett Slowcore an. Ganz allmählich nahm Lullaby aber Fahrt auf, wurde eindringlicher, lauter, fordernder. Die Gitarre heulte pro gespielter Minute immer etwas forscher, der Bass polterte hektischer und Mimi schlug beherzter auf ihre Drums ein. Ein Hauch des New Wave Sounds von The Cure lag in der Luft. Gesungen wurde schon lange nicht mehr, nun sprachen ganz allein die Instrumente. Knisternde, fast magische Momente entstanden. Gegen Ende des insgesamt sicherlich 10 Minuten langen Schockers wurde wieder Fahrt rausgenommen und der Song klang ganz sachte aus. Applaus brandete auf, das Trio verließ nun endgültig die Bühne. Spätestens zu diesem Zeitpunkt hatte ich mir geschworen, Low 2012 noch einmal komplett zu sehen, wenn sich die Gelegenheit ergibt. Es wird uns doch wohl nicht noch einmal ein Umzug einen Strich durch die Rechung machen?

Setlist Low, La Gaité Lyrique, Paris:

01:Nothing But Heart
02: Nightingale
03: Try To Sleep
04: You See Everything
05: Done
06: Monkey
07: Witches
08: Especially Me
09: (That's How You Sing) Amazing Grace
10: Dinosaur Act
11: Shame
12: Majesty/Magic
13: In The Drugs
14: California
15: Murderer

16: Last Snowstorm Of The Year
17: Violent Past
18: Lullaby

Fotos: Archivpics. Aktuelle Fotos vom Konzert in der Gaité Lyrique hat Rober Gil, klick!

Aus unserem Archiv:

Low (Alan Sparhawk solo), Paris, 24.03.11
Low, Paris, 05.05.07






Sonntag, 27. November 2011

Bill Callahan, Paris, 26.11.11

3 Kommentare

Konzert: Bill Callahan
Ort: La Gaité Lyrique
Datum: 26.11.2011

Zuschauer: ausverkauft

Konzertdauer: mindestens 100 Minuten


Wow! Bei Bill Callahan wird das Wort sensationell noch einmal ganz neu definiert. Wenn ich neulich bezüglich einer Sängerin mit aufgespritzten Lippen diese Vokabel benutzt habe, dann muss für den ehemaligen Smog Sänger eine Steigerung um zwei Stufen her. Bill ist also nicht nur sensationell, sondern am sensationellsten!

Sein Konzert in der modernen und recht neuen Pariser Location La Gaité Lyrique (Bill ans Publikum: "do you like this new venue?- I do!") war wirklich ein Zungenschnalzer. Zusammen mit seinem etatmäßigen Drummer (der Kerl trommelt auch bei Joanna Newsom) und einem noisigen E-Gitarristen zelebrierte er höchst elegant seine zahlreichen starken Songs, verlieh ihnen mehr Dynamik und Intensität als auf den Alben und begeisterte einmal mehr mit seiner einmaligen Baritonstimme und seinem famosen Songwriting.* Wie immer äußerlich kühl und emotionslos (der Kerl lacht wirklich nie, zumindest nicht auf der Bühne), agierte er hochkonzentriert und inspiriert und kitzelte das Letzte aus seinen Liedern heraus, vor allem aus America!, das ein ganz besonderes Glanzlicht in einem Konzert voller Höhepunkte war.



Da staunten die zahlreich vertretenen Pariser Indiemusiker imPublikum (H-Burns, June et Jim, Pierre & Marie, Marie Marie Cells...) nicht schlecht. Bill hat ihnen mal gezeigt, wie wahnsinnig hoch er die internationale Messlatte legt. So hoch, daß auch ein Ass wie Warren Ellis (Nick Cave, Grinderman) verwundert in seinem langen Bart wuschelte und hinterher zufrieden nach draußen schlenderte.

À propos schlendern: mein Bett ruft. Auch ein Konzertblogger muss mal pennen.

Bonne nuit, wir lesen uns morgen wieder!

Und so verlief das Ganze genau:

Samstag der 26. November in Paris. Ein Tag voller Nostalgie. In ein paar Tagen werden wir nach 9 Jahren unsere heißgeliebte Wohnung verlassen müssen. Die Heimatstätte der insgesamt 41. Oliver Peel Sessions, sie gibt es dann nicht mehr. Ob wir in der neuen Wohnung diese intimen Konzerte veranstalten können, steht in den Sternen. Und zwar im wahrsten Sinne des Wortes in den Sternen, denn da die Zimmer in der neuen Bleibe so klein sind, daß wir dort kaum Leute empfangen können, wäre die Terrasse (mit Blick auf die Sterne?!) der einzige (allerdings überaus geniale) Ort ist, wo man so etwas machen könnte. Stellt sich natürlich die Frage, ob da die Nachbarn mitspielen. Die alte Hausverwalterin meint, die Leute im Hause seien spießig und beschwerten sich gern mal über Lärmstörungen. Au weia! Wenn wir Pech haben, war's das dann mit den Oliver Peel Sessions...

Enstprechend wehmütig fühlte ich mich an diesem Samstag. Verunsichert und ziemlich deprimiert zeigte ich einem Freund mein neues Zuhause und glotzte mit ihm über die Dächer der Stadt. Auf unserer Terrasse im achten Stock hat man wirklich eine prima Aussicht! Mein Freund kümmerte sich aber nicht großartig darum und meinte nur schelmisch grinsend, ich solle diese Fläche Porno-Produzenten für ein bis zwei Tage zum Drehen zur Verfügung stellen. Die Typen würden 1.500 Euro pro Tag dafür zahlen (woher der so etwas weiß??). Ich winkte augenzwinkernd ab. Was wenn mein Kater Schamzonenathleten in voller Aktion sieht? Er wäre traumatisiert! No way!

Ob der Samstag wenigstens am Abend noch besser werden würde? Nachdem mich bereits Other Lives versetzt und ihren Showcase (16 Uhr) in der in unserer Nähe gelegenen Fnac kurzfristig abgesagt hatten? Ich musste mein Glück erzwingen. Aber wie? Zum Konzert von Bill Callahan tigern, wohlwissend, daß die Show eigentlich ausverkauft war und ich weder Ticket noch Akkreditierung hatte? Riskant. Ich wagte es trotzdem und ließ mich auch nicht davon beirren, daß ich wieder einmal viel zu spät losgegangen war. Verwirrt wie ich war, latschte ich Trottel dann nach dem Ausstieg aus der U-Bahn zuerst in die falsche Richtung und verlor zusätzlich wertvolle Zeit. Erst gegen 21 Uhr 45 stand ich dann schließlich vor der riesigen Eingangstür der prachtvollen Gaité Lyrique. Bullige Ordner versperrten mir den Weg, fragten mich wo ich hin wolle. "Na zum Konzert von Bill Callahan", antwortete ich knapp. Einer der Gorillas schlurfte daraufhin rein und richtete mir aus, er werde sich erkundigen, ob man dafür noch Karten kaufen könne. Man konnte und gegen Bezahlung von relativ fairen 22,50 Euro war ich nach Erklettern der zwei Treppenstockwerke drin! Die Leute standen dicht an dicht und von der Bühne erklang das Kleinod Too Many Birds. Ein wundervolles Lied vom Vorgängeralbum Sometimes I Wish We Were An Eagle, das ich heiß und innig liebe. Der Sound schien mir da hinten wo ich war aber nicht optimal zu sein. Meter um Meter kämpfte ich mich nach vorne, getreu dem Motto: "Lassen sie mich durch, ich bin Arzt (bzw. Blogger, genauer: Oliver Peel). Spätestens ab Lied fünf war ich schön weit vorne und konnte Bills emotionslosen Gesichtsausdruck gut beobachten. Er war wie immer kühl wie eine Hundeschnauze, lächelte nie, auch nicht, wenn nach den jeweiligen Liedern euphorischer Applaus aufbrandete. Sein Blick wirkte leer und müde, aber all seine Gefühle steckte er in seinen Gesang, so daß sein apathisches Äußeres nicht den Konzertgenuß trübte. Wahnsinn allein, wie elegant er seine Gitarre hielt und bearbeitete! Neben Troy von Balthazar, Paul Banks von Interpol und Stuart Stables von den Tindersticks ist der Amerikaner einer der elegantesten Musiker überhaupt. Alles bei ihm wirkt immer so federleicht, so mühelos, so souverän. Nie forciert er seine senationelle Baritonstimme, stets erscheint sein Fingerpicking virtuos und lässig. Eine Wonne ihm zuzuschauen! Aber auch seine beiden Mitmusiker verdienten sich Bestnoten. Drummer Neal Morgan (auch bei Joanna Newsom aktiv) variierte perfekt zwischen getragenem und wuchtigerem Spiel, beschleunigte wenn es sein musste, nahm dann aber im richtigen Moment auch immer Tempo und Intensität wieder raus. E-Gitarrist Matt Kinsey sorgte für die noisigen Momente. Er verzerrte reglmäßig die Töne, gab ihnen einen schwebend-dröhnende Note und schuf so einen spannenden Kontrast zur hell perlenden Akustikgitarre von Callahan.

Besonders schön, daß die ohnehin schon ausgezeichneten Albumversionen dadurch noch deutlich verbessert wurden. Alles klang druckvoller, intensiver, emotionsgeladener und einzelne Giarrensoli wurden noch deutlicher herausgearbeitet. Allein die mindestens 10 Minuten lange Version von America! war das Kommen wert. "What an army, what an air force, what a marine!" intonierte Callahan diesen ungemein ryhthmischen Song auf zynische Weise und als er trocken hinterherschickte: "I never served my country" johlten ein paar Amerikaner im Publikum laut auf. Auch hier verblüffend wie elegant und fast beiläufig er seine Gesellschaftskritik formulierte und am Ende textlich fast mit Frohmut verkündete: "ain't enough teat, ain't enough teat, ain't enough to eat."

Andere Höhepunkte in dem durchgängig hochkarätigen Set war das früh gebrachte The Wind & The Dove ("And I am a child of linger on", ach wundervoll!) und Eid Ma Clack Shaw, der eingängigste Track vom Vorgängeralbum. Herrlich trippelnd und leichfüßig der Anfang, catchy der Refrain: "show me the way, show me the way, to shake a memory", jubilierend und melodiös die Gitarren, zackig das Schlagzeug.

Absolut herzerwärmend dann auch das zu Beginn lagsam fließende Say Valley Maker (Smog), das Callahan von seiner nachdenklichen Seite zeigte: "oh I never realized, death is what it meant to make it on my own."

Zu diese Endphase des extensiven Konzertes war ich schon weit nach vorne durchgedrungen und fühlte die Magie immer stärker. Zwar war der moderne Rahmen der Gaité Lyrique nicht unbedingt passend für ein Folkkonzert, aber die im vorderen Teil exzellente Akustik kompensierte dieses Manko aufs Beste. Leider waren wir aber schon sehr weit vorangeschritten und nach dem Traditional In The Pines verließen Bill und seine beiden Mitstreiter erstmals die Bühne. Nach einer kurzen Pause ging es aber noch einmal weiter und nun kamen mit Blood Red Bird und River Guard auch die Smog Fans auf ihre Kosten.Von denen schien es ein paar zu geben (das laute Johlen wies sie als solche aus. Oder war das nur Bluff und Aufschneiderei?), obwohl mir hinterher auch ein paar Leutchen erzählten, sie hätten Bill Callahan zum ersten Mal in ihrem Leben live gesehen. Ich selbst konnte hingegen mit dem nun vierten Konzertbesuch prahlen und zufrieden verkünden, daß jedes dieser Konzerte wundervoll, aber immer anders instrumentiert und interpretiert wurde, so daß man sich auch in 10 Jahren noch nicht daran satt gehört und gesehen haben wird. Falls denn der gute Bill dann noch auf der Bühne steht. Aber was sollte ihn daran hindern? Außer einer immer mit einzukalkulierenden Depression und Schreibblockade sehe ich nichts, was den weiteren Aufstieg des großartigen Künstlers verhindern könnte. Zusammen mit Bonnie "Prince" Billy bildet er ein exquistes Nachfolgeduo für die in die Jahre gekommenen Bob Dylan und Neil Young.

Der 26. November hatte also doch noch ein gutes Ende für mich vorbehalten. Und jetzt heißt es Kisten packen!

Setlist Bill Callahan, La Gaité Lyrique, Paris

01: Riding For The Feeling
02: Baby's Breath
03: Too Many Birds
04: The Wind And The Dove
05: Universal Applicant
06: Honeymoon Child
07: America!
08: Our Anniversary
09: Drover
10: One Fine Morning
11: Eid Ma Clack Shaw
12: Say Valley Maker (Smog)
13: Let Me See The Colts (Smog)
14: In The Pines (Smog)

15: Blood Red Bird (Smog)
16: If You Can Touch Her At All (Lee Clayton)
17:
River Guard (Smog)

Aus unserem Archiv:

Bill Callahan, Paris, 12.02.10
Bill Callahan, Paris, 28.08.09
Bill Callahan, Paris, 16.05.08


* writing ist das Stichwort: das Buch von Bill Callahan, Letters To Emma Bowlcut, gab es am Merch käuflich zu erwerben.



Dienstag, 28. Juni 2011

Hauschka, Paris, 26.06.11

3 Kommentare

Konzert: Hauschka

Ort: La Gaité Lyrique, Paris

Datum: 26.06.2011
Zuschauer: geschätzte 100

Konzertdauer: etwa 70-75 Minuten



Deutsche Musiker trifft man relativ selten auf Pariser Bühnen, aber wenn sie nicht gerade Tokio Hotel, Rammstein, Wir Sind Helden oder Beatsteaks heißen, sind sie meistens richtig gut und entdeckenswert. So haben in der Seine Metropole in den letzten Jahren bereits feine Acts wie Mohna, Haruko, Get Well Soon, The Notwist, Norman Palm, Garda, Mascha Qrella (Foto), Nils Frahm, Boo Hoo, Contriva, Bodi Bill, Saroos, Sorry Gilberto, Noel, Pubkulies & Rebecca, Bettina Koester (von Malaria), Jack November, die Einstürzenden Neubeuten, die Goldenen Zitronen, Mediengruppe Telekommander, Robocop Kraus, Polarkreis 18 (sind die noch gut?), die Sterne, Fotos und noch ein paar anderes gespielt und Entertainment For The Braindead und Karo habe ich mir (genau wie Mohna) gleich zu einer Session ins Wohnzimmer bestellt.

Der Düsseldorfer Pianist Volker Bertelmann aka Hauschka dürfte wegen seiner eigenwilligen Bearbeitung seines Pianos für eine Oliver Peel Session allerdings kaum in Frage kommen, obwohl ich ihn wahnsinnig gerne einladen würde.*

Glücklicherweise bot die Pariser Gaité Lyrique die perfekten Räumlichkeiten, um ein Klavierkonzert mit Hauschka zu veranstalten und so konnte sich der Rheinländer endlich in die Liste der in Paris aufgetretenen deutschen Künstler einreihen.

Gleich schon zu Beginn hatte der wahnsinnig nette und höfliche Turnschuhträger in akzentfreiem englisch* erklärt, daß er als Düsseldorfer ja eigentlich nur vier Stunden von Paris entfernt wohne und es insofern seltsam sei, daß er hier noch nie gespielt habe, führte dies aber auf die fehlenden Räumlichkeiten für seine Musik in Paris zurück. Mit der Gaité Lyrique gäbe es aber nun eine Location, die gleichzeitig klassische Konzerte ermögliche, aber nicht so groß wie beispielsweise der Salle Pleyel sei. Schön für ihn und natürlich auch für uns, die neugierigen Zuschauer, die wir auf senfgelben Kinosesseln gespannt auf den Anfang des Konzertes von Hauschka warteten.

Ein gemischtes Publikum im Übrigen, bestehend aus Herren mit Halbglatze (wir sagten in der Schule immer: der Typ hat ein Knie auf dem Kopf), jungen hübschen Französinnen, alternativen Damen mit Birkenstocksandalen, Japanern (die lieben Klavierkonzerte!) und auch deutschen Fans, die wohl von ihren alten Freunden in der Heimat darüber unterrichtet worden waren, daß da ein sehr talentierter Düsseldorfer in Paris spiele.



Der schlanke Mitdreißiger legte gegen 15 Uhr 30 los, es handelte sich um eine spezielle Nachmittagsveranstaltung. Ganz am Anfang klang das Ganze noch relativ konventionell, aber schon sehr bald belustigte und verblüffte Hauschka die Zuschauer mit seinen diversen Gimmicks. Verschlüsse, Kronkorken, Klebebänder, ja sogar Tischtennisbälle platzierte der kreative Musiker im Innenraum seines geöffneten Flügels, um so seinen Anschlag zu verändern und auch diverse Geräusche zu erzeugen. Etwas Vergleichbares hatte ich zuvor noch nicht gesehen und so staunte ich Bauklötze, was man alles mit diesen kleinen Gegenständen machen konnte und wie sehr der Sound des Klaviers dadurch verändert wurde. Dennoch ging der Wohklang keineswegs verloren, sondern der Klangteppich wurde durch die innovative Bearbeitung (Umfrisierung?) des Tasteninstruments vielmehr bereichert.

Erstaunlich, daß wir es bei Volker Bertelmann mit einem ehemaligen Hip Hoper (!) zu tun hatten, der mit seiner Band sogar einen Major Label Vertag bei Sony vorweisen konnte. Aber diese Welt (vor allem die Arbeit mit einem großen Mainstream Label) sagte ihm nicht recht zu, wie er schmunzelnd erklärte. Er suche inzwischen viel eher nach kurioser ungewöhnlicher und neuartiger Musik und die findet er oft im Café eines Düsseldorfers Freundes, der in der dortigen Kunsthalle den schön benannten "Salon des Amateurs" betreibt. Ein Salon, der offen ist für viele neue Projekte und Musikstile und sich nach holprigem Start (was laut Volker an dem schummrigen Licht lag) zu einem wunderbaren Tip für neugierige und aufgeschlossene Musikfans entwickelt hat. Deshalb hat Hauschka auch gleich sein letztes (das insgesamt siebte seit 2004) hochgelobtes Album nach diesem Ort benannt. Ein Album, das übrigens auf Fatcat Records, einem hervorragenden Label, veröffentlicht wurde, daß dereinst sogar Sigur Ros beheimatete und auch heute noch viele exquiste Bands unter Vertrag hat.

Hauschka machte dem Label alle Ehre, sein Auftritt in Paris war so betörend schön und unterhaltsam, daß das Publikum unbedingt noch eine Zugabe hören wollte, die der Pianist nicht verweigern konnte, weil er keine Kabine hatte, in die er sich hätte zurückziehen können. Stattdessen hörte er einen Moment dem Applaus zu und setzte sich auf eine rückwärtige rote Bank, die ihn glatt an eine Therapiesitzung bei einem Psychiater erinnerte.

Fazit: Solange sie so hervorragend sind wie Hauschka, sind deutsche Künstler in Paris hochwillkommen! Wie wäre es demnächst mal wieder mit Nils Frahm? Der ist ebenfalls Pianist, verfolgt aber einen anderen Ansatz als Hauschka.



Link:

Gewohnt informativ und fachkundig, das Klienicum zu einem Konzert von Hauschka beim Frameworks Festival 2011, klick!

* schlecht formuliert. Das Problem ist nicht die Bearbeitung des Pianos, sondern die Tatsache, daß er einen richtigen Flügel braucht. Und den haben wir nicht bei uns. Mit einem elektrischen Klavier kann er nicht spielen, zumindest nicht so, wie es seinem experimentellen Stil entspricht.

* französisch hatte er 7 Jahre lang in der Schule, aber seine Erinnerungen daran waren nicht mehr ganz so frisch.



 

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