Sonntag, 27. Juli 2014

Dean Wareham, Indietracks, 26.07.14


Konzert: Dean Wareham
Ort: Midlands Railway Centre, Ripley (Indietracks Festival)
Datum: 26.07.2014
Dauer: gut 60 min



Dean Wareham passt nicht recht ins Lineup des Indietracks Festivals. Die Musik, die er mit seinen Bands Galaxie 500, Luna, Dean & Britta und seit vergangenen Jahr unter seinem Namen veröffentlicht hat, ist für mich schwer in Gernebegriffe zu packen, in der Twee-Pop, Indie-Pop-Welt des Indietracks hätte ich den in LA lebenden Künstler nicht erwartet. Umso toller, daß mein liebstes Festival auch meine Lieblingsmusiker präsentierte! Natürlich hatte ich mein Ticket da schon seit Wochen...

Dean Wareham hat im vergangenen Jahr eine EP, in diesem Frühjahr eine Soloplatte veröffentlicht, seine ersten Solo-Alben 25 Jahre nach dem Debüt der ersten Galaxie 500 Platte (nach dem Ende von Galaxie 500 erschien zwar eine EP unter seinem Namen, die allerdings schon als Luna-Vorläufer gilt). Nachdem Dean Wareham eine Weile mit "Dean Wareham plays Galaxie 500" auf Tour war (und da wundervolle Konzerte z.B. beim Primavera Festival oder beim Bowlie 2 spielte) folgten Ende letzten Jahres drei erste Europa-Konzerte mit dem Solo-Programm - und einem Karriereüberblick, wie das wohl im Musikjournalismus heißt. In Paris spielte er im Dezember Luna, Galaxie 500, vor allem aber Solo-Songs.


Headliner des Indietracks-Samstags war Gruff Rhys, der auf der Outdoor-Bühne die Geschichte eines walisischen Entdeckers erzählte, der nach einem verschollenen Indianerstamm suchte, der walisischen Ursprungs war (fragt nicht...). Auch wenn das erstaunlich gut ankam, wäre Dean Wareham sicher die bessere Wahl für den letzten Spot auf der Hauptbühne gewesen. Der gebürtige Neuseeländer spielte in der Werkstatthalle, die bisher meist durch miese Akustik geglänzt hatte. Mir war das einigermaßen egal, Dienstag werde ich ihn in Köln sehen, da wäre schlechter Klang heute nicht so tragisch. Da zwischen den Bands in der Halle nur zwanzig Minuten Umbaupause eingeplant sind, rechnete ich mit Krach. Um kurz nach acht kamen die vier Musiker - Dean & Britta, Gitarrist Raymond Richards und ein Schlagzeuger, dessen Namen ich nicht verstanden habe - auf die Bühne und begannen mit Emanzipated hearts von Deans EP (dem Lied mit dem Weihnachtssong-Sample).

Es klang wundervoll! 

When will you come home vom zweiten Galaxie 500 Album (On fire), mein aktuelles Lieblings-Solostück The dancer disappears ("bring back the magic") und Holding pattern, danach nicht ganz zur Hitze in der Halle passend (Dean: "ich habe noch nie auf einer so heißen Bühne gespielt. Und ich bin alt und bin rumgekommen") Snowstorm (ebenfalls von On fire) und Love is not a roof gainst the rain von der Soloplatte. Bis dahin schön und gut. Nein, sehr schön und sehr gut. 

Danach klickte aber ein Schalter um und das Konzert wurde weltbewegend gut!


Decomposing trees ("a song about LSD" - in seiner Biografie beschreibt Dean einen Ausflug mit Freunden unter allerlei Drogen, bei dem er in einem Wald auf seine matschigen Schuhe guckt - Shoegazer eben - und feststellt, daß der Matsch aus decomposing trees besteht) war atemberaubend gut! Damit hörte es aber nicht auf... Strange ("a song about LSD") direkt im Anschluß war besser als alles, was ich seit sehr langer Zeit live gesehen habe. Ich glaube, daß es auch dem "nur neugierigen" Teil des Publikums so ging, daß in dieser Konzertphase die Stimmung von gut zu euphorisiert kippte. Der Applaus wurde immer stärker, die Gesichter der alten Fans glücklich-entstellter. Blue thunder half dagegen auch keine Spur! Alle drei Stücke waren brillant, klangen glasklar und passten plötzlich doch ganz wunderbar zu all den Indiepop-Kids.


Babes in the wood vom neuen Album - nicht so lang wie auf Platte - unterbrach die Galaxie 500 Phase kurz. Die letzten beiden Lieder kamen wieder von meinen Lieblingen. Zunächst Tugboat, das eine Stunde später auf der gleichen Bühne bereits Joanna Gruesome gecovert hatten - mit Gastauftritt von Dean Wareham! - der Bericht dazu folgt. Und zum Abschluß Fourth of July, einer der anderen Gassenhauer seiner 1991 aufgelösten Band.

Der Applaus hinterher war außergewöhnlich intensiv. Die Booker des Festivals hatten offenbar sehr viel besser gewußt, was zum Festival passt. Das Konzert war trotz der blöden Indoor-Halle fantastisch und noch einmal um Längen besser als das, das ich im Dezember in Paris gesehen habe. Und schön an der Geschichte ist, daß Dienstag* gleich wieder Deantag ist!

Setlist Dean Wareham, Indietracks Festival, Ripley:

01: Emancipated hearts
02: When will you come home (Galaxie 500)
03: The dancer disappears
04: Holding pattern
05: Snowstorm (Galaxie 500)
06: Love is not a roof against the rain
07: Decomposing trees (Galaxie 500)
08: Strange (Galaxie 500)
09: Blue thunder (Galaxie 500)
10: Babes in the wood
11: Tugboat (Galaxie 500)
12: Fourth of July (Galaxie 500) 

Tourtermine:

29.07.: Gebäude 9, Köln 
30.07.: Privatclub, Berlin 
31.07.: Off Festival, Katowice 
02.08.: Lokalhelden, Augsburg 
06.08.: Club Barby, Tel Aviv

Links:

- aus unserem Archiv:
- Dean Wareham, Paris, 07.12.13
- Dean Wareham plays Galaxie 500, Barcelona, 28.05.11
- Dean Wareham plays Galaxie 500, Paris, 19.02.11
- Dean Wareham plays Galaxie 500, Minehead, 11.12.10


* Entschuldigung für den bescheuerten Wortwitz, der jetzt kommt! Das liegt an der Euphorie nach dem Konzert!



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