Song conversation mit Judith Holofernes, Robert Gwisdek (aka Käptn Peng) & Gisbert zu Knyphausen Ort: Reithalle in der Karlskaserne in Ludwigsburg Datum: 19. Juni 2016 Dauer: 120 min Zuschauer: über 500 (ausverkauft)
Unter dem Namen Song Conversation hatten zwei meiner Helden, nämlichJudith Holofernes und Käptn Peng gemeinsam mit Gisbert zu Knyphausen für zwei Abende eingeladen. Und alle, alle kamen. Der Samstag in Stuttgart war fix ausverkauft, aber für den zweiten Tag in Ludwigsburg gab es noch kurz länger Karten. Passte eigentlich sowieso auch besser und gab obendrein die Chance, schließlich in Sternfahrt von Karlsruhe und Stuttgart nach Ludwigsburg aufzubrechen. Außer uns waren noch 500 andere Leute gekommen und auch die drei Musiker hatten noch Unterstützung dabei, nämlich Felix Weigt an Bass und Piano und Max Schröder am Schlagzeug (beide spielen auch in der Höchsten Eisenbahn, mit der sowohl Judith als auch Gisbert schon zusammengearbeitet haben).
Der Abend begann wirklich verheißungsvoll, denn die Sonne hatte es am Nachmittag endlich geschafft, für etwas länger die Wolken vom Himmel zu verbannen. Fast schon hatte ich vergessen, wie Sommer auch sein kann! So konnte das Areal an der Karlskaserne seinen ganzen Charme ausspielen und ich kann mich kaum erinnern, wann ich zuletzt so tiefenentspannt in ein Konzert gegangen bin. Bis kurz nach 19 Uhr noch genossen wir die heitere Atmosphäre und die Vorfreude auf einen ganz gewiß besonderen Abend. Zum Einlass wurde schließlich im Rund gegongt und gefühlte fünf Minuten später schon saßen alle auf ihren Plätzen. Die Wartezeit bis zum Konzertbeginn wurde nicht überstrapaziert und zu großem Applaus betraten die fünf Künstler knapp vor 19:15 Uhr die Bühne.
Was sollte man sich nun erwarten? Ich hatte im Vorfeld darüber nicht arg nachgedacht, denn einerseits war dafür nicht recht Zeit gewesen und andererseits war ich mir sicher, dass sich auch die Künstler mit dem Abend ein Geschenk machen wollen würden. Eine Chance aus der sie etwas spannendes bauen würden. Dabei zuzusehen würde in jedem Fall die Fahrt gelohnt haben. Tatsächlich gaben sie ihrem Affen Zucker und kramten uns Lieder hervor, die sie selber sehr mögen, die sie sich anverwandelt haben (z.B. in Textübertragungen) oder mit denen sie schon lange innerlich leben. Unweigerlich dabei auch eigene Herzenslieder wie Henry Lee, I follow you into the dark oder Masters of War.
Sie schafften es aber auch, in interessanter und mitunter herrlich überraschender Weise ihre Songs miteinander reden zu lassen. Gleich zu Anfang gab es so einen Wunder-Moment mit einer Symbiose vom Monster-Lied von Käptn Peng, das als Refrain das Kannst Du mein Monster halten der ersten Heldenplatte beigefügt bekam (großer Achja-Moment in meinem Herzen, der fast bittersüß wurde, als Judith darauf hinwies, dass ihr Monster schon 16 Jahre alt ist).
Dabei wurde schön mit Rollen gespielt, indem Instrumente rund gingen, Lieder der jeweils anderen gesungen wurden, Duette gebildet wurden und zwischendurch auch echt abgerockt wurde in glückseliger Dreieinigkeit. Faszinierende Einigkeit in gewissen Themen wie gruselige Lieder oder unkitschige Liebeslieder oder der Veehrung von Conor Oberst. Auch dass Herr Gwisdek und Frau Holofernes nicht im klassischen Sinn toll singen können machte neben dem Stimm-stärkeren Herrn zu Knyphausen nichts aus. Es machte auch nichts, dass Käptn Peng ohne "seine" Tentakel deutlich weniger anarchistisch agieren muss. Dafür rückte in den Mittelpunkt, was die Texte zu sagen haben und was sie mit den Künstlern machen und auch mit uns, dem Publikum. Und die zwei Bandmusiker zusätzlich gaben gerade genug Bums obendrauf, dass es auch mal herrlich laut werden konnte.
Das kam beim Publikum an und so musste es Zugaben geben. Die Lösung auf der Bühne war, dass Gisbert eines seiner Lieder sang (er fragte nach Wünschen, aber richtete sich dann doch nach dem eigenen Gusto) und Judith Holofernes einen anverwandelten Country-Song (mit vielen Strophen) mit der Band vortragen konnte. Käptn Peng ergriff die Gelegenheit, einen herrlichen fast 10 min langen Knaller mit Socke zu geben, der - wie immer - ordentlich gefeiert wurde. Danach war definitiv Schluß, was irgendwie schade war, andererseits aber auch ok. Denn mit zwei Stunden Programm hatten sie sich nicht gerade lumpen lassen und man soll ja aufhören, wenn es am schönsten ist....
Außerdem bleibt die Hoffnung dass die Schloßfestspiele in Ludwigsburg weiter solche interessante Ideen umsetzen, wenn diese vom Publikum so begeistert aufgenommen werden!
Setlist: 01: M.I.L.F. (JH) 02: Kannst Du mein Monster halten (WsH) vs Monster (KP) 03: König Alkohol (Spinvis, übersetzt GK) 04: Henry Lee (Nick Cave) 05: neues Lied ohne Titel (GK) vs Sie mögen sich (KP) 06: Liebe Teil 2 - Jetzt erst recht (JH) 07: Ofen aus Glas (Element of Crime) 08: Nichts was wir tun könnten (WsH) 09: I Will Follow you into the dark (Death Cab for Cutie) 10: Danke, ich hab schon (JH) vs Kündigung (KP) 11: Verschwende deine Zeit (GK) 12: Stiller (WsH) vs Sein Name sei Peng (KP) 13: Bowl of Oranges (Bright Eyes) 14: Masters of war (Bob Dylan) 15: Liebes Leben (KP) 16: Das Leichteste der Welt (Kid Kopphausen) 17: Flugangst (GK) 18: Wenn ich ein Boot hätte (Lyle Lovett, übersetzt von JH) 19: Sockosophie (KP)
(JH) Judith Holofernes (WsH) Wir sind Helden (KP) Käptn Peng (GK) Gisbert zu Knyphausen
Konzert: Sea & Air mit special guest Honig (solo) Ort: Schlagzeugmuseum in Ludwigsburg Datum: 30. November 2013 Dauer: 45 min und 85 min Zuschauer: etwa 100
Eine Ära geht zu Ende. Sea & Air sind mehr als zwei Jahre am Stück fast nur auf Tour gewesen mit ihrem Album My Heart's sick cord. Es war Ehrensachen, dass ich bei einer ihrer Homecoming shows rings um Stuttgart dabeisein wollte. Am besten passte es auf den Samstag in Ludwigsburg. Sehr willkommen war auch, dass Stefan Honig mit den beiden unterwegs sein würde. Ihn wollte ich schon längst wieder gesehen haben - der Auftritt beim Burning Eagle Festival in Reutlingen war mir nur zu gut in Erinnerung und zu lange her. Draufgabe für den Abend war es außerdem, dass ich ihn mit lieben Freunden und der Familie teilen konnte.
Foto von Fabian (Danke!)
Als wir das Schlagzeugmuseum gefunden hatten, waren wir erst einmal etwas ernüchtert. Der Raum war ziemlich kalt und das nicht nur von der Temperatur her. Der Abend in der Nürtinger Kirche wäre vielleicht doch die bessere Wahl gewesen? Einziger Vorteil war, dass alle sehr nah an der Bühne sitzen konnten und es schon richtig gut voll war. Damit war es doch wieder intim. Die Musik begann sehr pünktlich mit einem mitreißenden Set durch Stefan Honig.
Ich kannte die Musik bisher nur mit Band und ab und zu fehlte mir dann auch etwas Schlagzeug und der Martin und die Julia. Was ein bißchen unfair ist so zu schreiben, denn auch Solo sind die Songs natürlich erste Sahne und mit Gitarre und Ukulele ganz wunderbar anzuhören. Die Ansagen waren sympatisch und sparsam. Bei genauem Hinschauen sah man: der ganze Saal fraß ihm aus der Hand - egal ob man ihn vorher kannte oder nicht. Deshalb musste er dann auch eine Zugabe spielen. Special eben und guest.
Setlist Honig 1: Burning down bookshops 2: Swimming Lessons (New song) 3: This Old House 4: For Those Lost at Sea (mit Daniel von SEA+AIR) 5: Hometowns 6: Homesick (Radical Face cover) 7: Overboard (New song) 8: In My Drunken Head 9: The golden Circle (New song)
10: Brand New Bike (Zugabe)
Empfohlen seien hiermit ein weiteres Mal die About songs Tourdaten
(Honig, Town of Saints, Dad Rocks)
04.12. Hannover Lux
05.12. Bielefeld Falkendom
06.12. Leipzig Horns Erben
07.12. Erfurt Franz Mehlhose
08.12. Göttingen Heimathafen im Pools
09.12. Münster Pension Schmidt
10.12. Köln Wohngemeinschaft
11.12. Berlin Grüner Salon
12.12. Hamburg Nachtasyl
Bis zum Set von Sea & Air wurde gar nicht sehr lange
gefackelt. Die Schlange am Merch bei Stefan Honig war noch gar nicht ganz abgearbeitet,
da ging die Messe auf der Bühne schon los. Mit angestrichenen Glocken
und entzündetem Streichholz und den mir inzwischen so sehr vertrauten Liedern. Besonders in Erinnerung geblieben ist mir die Version von Sea after the storm, die anders und wild rockig war. Den Abschluß durfte dann wieder das Herz erlösende You are love bilden - diesmal auch als Abschied für etwas länger.
Vielen Dank für diese 2 1/2 Jahre, in denen ich oft nah dran sein konnte und durfte und in denen sich die Lieder immer noch nicht abgenutzt haben.
Setlist Sea + Air 1: Take me for a ride 2: You and I 3: Do animals cry 4: Mercy street 5: You don't care about me 6: I looked for the one 7: Pain is just a cloud 8: Dirty love 9: Sea after the storm 10: Heart of the rainbow
11: Schlüsselklingel-Intro (Z) 12: You are love (Z)
Natürlich hat sie es nicht gespielt, „Je t'aime... moi non plus“, jenes gestöhnte Liedchen, das Serge Gainsbourg ursprünglich für Brigitte Bardot schrieb, dessen Veröffentlichung Ehemann Gunter Sachs in nahezu letztem Moment zu verhindern wusste. Also nahm es das enfant terrible mit seiner neuen Geliebten Jane Birkin erneut auf, das lustvolle Gestöhne erregte die Gemüter, erzeugte einen handfesten Skandal und machte den großen Chansonnier und die junge englische Schauspielerin zu einem der bekanntesten Paare der Welt. Zwölf Jahre blieben sie, die England auf der Suche nach Filmangeboten nach der Trennung von John Barry, dem Komponisten der James Bond – Titelmelodie, gen Frankreich verließ, und der 18 Jahre ältere Gainsbourg zusammen, bevor sie ihm 1981 zugunsten des Regisseurs Jacques Doillon den Laufpass gab. Freundschaftlich verbunden blieben die beiden bis er 1991 starb dennoch; „Serge schrieb Lieder für mich seit ich 20 war bis zu seinem Tod“, verkündet die heute 66-jährige zärtlich während ihres rührenden Konzerts im Theatersaal des Forums am Schlosspark in der barocken Residenzstadt Ludwigsburg vor den Toren Stuttgarts. Es ist das feinfühlige, ungekünstelte Bekenntnis der Liebe ihres Lebens: Birkin ist seit 2011 mit den Liedern Gainsbourgs auf Tour, begleitet von vier klassisch ausgebildeten japanischen Musikern, mit denen sie erstmals nach dem GAU in Fukushima spielte, und die sie seitdem unterstützen. Es ist der 14. Juli, der Tag des Sturms auf die Bastille, französischer Nationalfeiertag, an dem Jane Birkin im Rahmen der Ludwigsburger Schlossfestspiele auftreten soll – als Zeichen der Verbindung zu Frankreich und als Sinnbild einer gelebten europäischen Integration. Vor dem Forum am Schlossplatz fallen unzählige Mädchen in Cocktail- und Ballkleidern auf, junge Männer in Anzügen, ein wenig irritiert frage ich mich, ob ich mich, was den Altersdurchschnitt eines Birkin-Konzerts betrifft, nicht doch verkalkuliert habe, und wir gar nicht die jüngsten Besucher heute Abend sind. Getäuscht habe ich mich dann allerdings nicht, es findet in einem der Säle des Forums zeitgleich ein Abiball statt; vor dem richtigen Eingang wartet das typische Kulturpublikum. Drinnen findet eine Einführungsveranstaltung statt, die kulturellen Normen eines solchen Abends werden gewahrt. Serge Gainsbourgs Chansons werden institutionell kanonisiert, zur Hochkultur erhoben – ein für popkulturelle Verhältnisse ungewöhnlicher, wenn nicht nahezu einmaliger Prozess.
Anlässlich seines 20. Todestags vor zwei Jahren war es Birkin ein großes Anliegen, selbst dafür zu sorgen, das Andenken an den Vater ihrer zweiten Tochter, Charlotte Gainsbourg, einer der besten Schauspielerinnen unserer Zeit, aufrecht zu erhalten und selbst zu prägen, indem sie Lieder aus seiner gesamten Laufbahn interpretiert. Hauchzart, fast flüsternd ist ihre Stimme bis in die Gegenwart geblieben, immer wieder klingen einzelne Töne zerbrechlich dünn, als drohten sie zu zerbersten. Schlank, ja dünn, ist Jane Birkin auch heute noch. Die weite weiße Bluse, die sie in die hochbündige, schwarze, ebenso weit geschnittene Stoffhose gesteckt hat, betont diesen Zustand geschickt. Flache Herrenschuhe trägt sie, verkörpert bis heute Androgynität und Weiblichkeit in einem. Häufig ziert ein Lächeln das markante Gesicht, entblöst die berühmteste Zahnlücke der Welt und man weiß sofort, warum diese Frau als Sexsymbol der zweiten Hälfte der 60er, als eine der schönsten Frauen ihrer Zeit gilt. In Antonionis Meisterwerk der Swingin' Sixties, „Blow Up“, war sie als nacktes Fotomodel zu sehen, wenig später kam sie mit Gainsbourg zusammen. Der hatte kurz zuvor noch eine Affäre mit Bardot, so kann man die Liaison zwischen der jungen Engländerin und dem französischen Charakterkopf heute als Paradigmenwechsel des Frauenbilds der 60er deuten. Etwa zeitgleich erschien Twiggy auf der Bildfläche, der Frauentyp der Bardots und Monroes wurde abgelöst von dünnen, charismatischen Damen, die das ewige Mädchen verkörpern.
„Requiem pour un con“, ein bitterböses Chanson, in dem Gainsbourg mit höhnischem Lachen und zynisch ausgespuckten Worten, sein Image als Feindbild des Spießertums auf dem Punkt brachte, wird von Birkin als fragiles Gerüst gesungen. Der sensationelle
Schlagzeuger Ichiro Onoe, Violinistin Hoshiko Yamane und Takuma Sakamato an der Trompete eröffnen den Abend mit diesem Song, noch bevor Birkin mit mittellangen Haaren die Bühne betritt.
Sie lässt sich auf dem Klavierhocker nieder, das Spotlicht fällt auf sie, Gesang setzt ein, tosender Szeneapplaus füllt den Saal als Hiroshi Murayama, ihr Pianist, einstimmt und eineinhalb Stunden perfekter Chansons vor den Zuschauern liegen. Fast ein bisschen clownesk erscheinen die Bewegungen der Hauptakteurin bei „Di Doo Dah“, das sie 1973 veröffentlichte. Jane Birkin bewegt ihre Schultern hoch und runter, schwebt grazil über die Bühne, nimmt während des Konzerts immer wieder am vorderen Rand Platz, lässt die Beine baumeln. In der Vergangenheit spielte auch Francoise Hardy Konzerte mit Gainsbourg-Songs, die Eleganz, der Einsatz, mit dem Birkin an einen der größten Künstler gedenkt, die Frankreich jemals hervorbrachte, stellt all das in Schatten. Die enge persönliche Bindung wird an jeder Stelle deutlich, jeder Satz ist ein liebevolles Andenken. „En rire de peur d'être obligée d'en pleurer“ wird jazzig interpretiert, besonders Hiroshi Murayama, einer der profiliertesten Jazz-Pianisten und Komponisten Japans glänzt. Obwohl mein Französisch alles andere als gut ist, kann ich die Stücke genießen, selbst wenn ich textliche Verständnischwierigkeiten haben. Eindrucksvoll gelingt es Birkin trotz begrenztem Stimmumfangs immer wieder die richtigen Emotionen zu wecken. Selten erlebte ich ein rührenderes Konzert, das in seiner schlichten Schönheit einen Platz als wertvolle Erinnerung in meinem Gedächtnis sicher hat. Als sie schließlich nur noch vom Klavier begleitet in der Bühnenmitte steht und „Une chose entre autres“ anstimmt, hat sie mich endgültig für sich gewonnen. Ein subtiles Understatement im Hinblick auf ihr eigenes Können klingt in jedem Satz mit, immer glaubt man einen feinen französischen Akzent mitschwingen zu hören, obwohl dieser höchstens minimal ausgeprägt sein kann. Immer wieder bedankt sich die 66-jährige für die Einladung zu einem klassisch geprägten Musikfestival, wirkt schüchtern, fast beschämt, als sie erzählt, sie habe am Vortag an gleicher Stelle ein klassisches Konzert des jungen Pianisten Igor Levit gesehen und habe regelrecht Angst davor mit einem derartig meisterhaften Musiker verglichen zu werden, da sie nur verlieren könne. Umso mehr freue sie sich, dass so viele Besucher zu ihrem Konzert gekommen seien, strahlt und offenbart noch einmal das ewige Mädchen, das in größtmöglicher Würde ohne den Hauch von Botox gealtert ist. Ohne Frage ist „Comic Strip“, das Serge Gainsbourg einst mit Brigitte Bardot aufnahm eine der ungewöhnlichsten Perlen in der reichhaltigen Schatztruhe seines eigenen Kanons. Auch Jane Birkin inszeniert das Lied auf dieser Tour als Duett, allerdings schlüpft sie dabei nicht in die Rolle Bardots, sondern übernimmt Gainsbourgs Part. Die Comic-Sprechblasen-Geräusche „Shebam, Pow, Blopp, Wizz“ steuert Violinistin Yamane bei, die von der oberen Empore angemessen hoch kreischend, sich ihren Weg nach unten bahnt.
Vereinzelt gibt es stehende Ovationen, Birkin dankt Hoshiko Yamane, der es besser gelänge die Vorstellung Serge Gainsbourgs an diesen Song umzusetzen, als es Bardot oder Birkin selbst je möglich wäre. „Wir haben immer nur so getan, Hoshiko kann es“, gibt sie auf Englisch zu verstehen, nachdem sie zu Beginn des Konzerts die Zuschauer vor die Wahl stellte, ob sie Ansagen auf Französisch oder in ihrer Muttersprache machen sollte. Mit gen Himmel gerichteten Luftküssen im Anschluss gerät „Les amours perdues“ zur emotionalen Liebeserklärung an den über allem schwebenden Serge. Dabei habe sie das Stück gar nicht zuvor gekannt, sei von Philippe Lerichomme, ihrem künstlerischen Direktor, der auch Jahrzehnte lang mit Gainsbourg zusammenarbeitete, empfohlen worden.
Mit einem „magic umbrella“, einem Schirm aus Lichterketten begibt sich Jane Birkin bei „Mon amour baiser“ durch das Publikum, geht durch die Zuschauerreihen bedankt sich bei jedem, der ihr Platz macht, während sie ein hübsches Liebeslied singt.
Zurück auf der Bühne folgen stehende Ovationen, bevor mit „Ballade de Johnny Jane“ eines der bekanntesten Stücke im Gainsbourg'schen Œuvre kongenial von ihren japanischen Musikern vertont wird, die sie höflich und liebevoll in „Haine pour aime“ einzeln vorstellt und ihnen Raum für erstklassige Soli gibt. Kurz darauf endet das reguläre Set mit „Les dessous chics“, ihrem liebsten Song ihrer großen Liebe, da dieser ihn nicht als den bösen Provokateur, sondern als den sensiblen, fragilen Feingeist zeige, der er wirklich gewesen sei. Die Zugaben „La chanson de Prévert“ und das populäre „La gadou“ folgen, die Band verneigt sich, aus dem Auditorium werden Birkin Blumen überreicht, sie ist sichtlich gerührt. Wie auch wir, die an diesem besonderen, diesem rührseligen, wunderbar frankophilen Konzert teilhaben durften.
Serge Gainsbourgs Musik wird berechtigterweise kanonisiert, eine der schönsten Frauen der Sechziger hat als Jahrzehnte lange Muse einen immensen Anteil an seinem Werk, es ist nur konsequent, dass es Jane Birkin ist, die nun 22 Jahre nach seinem Tod mit Charme und Klasse das Andenken an ihn bewahrt. Nach dem Konzert treffen wir auf Jane Birkin am Bühnenausgang. Meine Freundin lässt sich ein Autogramm geben, ist überglücklich, als Birkin, die nun eine Brille trägt, nach ihrem Namen fragt, um daraufhin ein lächelnd gehauchtes „Katja, tu est très jolie“ nachzusetzen. Dieses Kompliment werde ich wohl niemals übertreffen können.
Setlist, Jane Birkin, Ludwigsburg:
01: Requiem pour un con 02: Tombée des nues 03: Di Doo Dah 04: En rire de peur d'être obligée d'en pleurer 05: Le Couteau dans le play 06: Con c'est con ces consequences 07: Amour des feintes 08: Vie, mort et resurrection 09: Ces petits riens 10: Une chose entre autres 11: Comic Strip 12: Les amours perdues 13: Mon amour baiser 14: Ballade des Johnny Jane 15: Fuir le bonheur de peur qu'il ne sauve 16: Haine pour amour (inklusive Bandvorstellung) 17: Les dessous chics
*Bei dem Foto handelt es sich um ein
vom Veranstalter des Ludwigsburger Konzerts zur Verfügung gestelltes
Pressebild. Die Rechte liegen bei Michael C. Maier.
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