Donnerstag, 9. Juni 2016

Maifeld Derby, Mannheim, 03.06.-05.06.16


Konzert: Maifeld Derby
Ort: Mannheim
Datum: 03.06.-05.06.2016
Dauer: 3 Tage
Zuschauer: tägl. anders



Wir wollen hier auf die Beschreibung der einmaligen Vorzüge des Maifeld Derby`s verzichten. Oft genug haben wir bereits in den vergangenen Jahren darüber berichtet. Viel verändert hat sich zum Glück auch gar nicht, seit das Derby der Devise vieler anderer Festivals "immer größer" mit der einzig richtigen Antwort getrotzt hat: Die Musik ist wichtig.

Und davon gab es wieder fast alle Spielarten zu bewundern. Einziges Neuland, dass bisher noch im Programm fehlte: Ein großer DJ. Dieser spielte dann am Freitag zur Primetime als Headliner auf. Der australische Shooting-Star, im November wird er nur noch in großen Halle zu sehen sein, war daher auch zusammen mit dem restlichen Freitags-Hauptbühnen Programm auch schon der einzige Streitpunkt unter den Besuchern. 

Während die einen, vor allem jüngeren Besucher/-innen (zum Teil in selbst bedruckten "Flume"-T-Shirts) den "Pop"-Abend mit SG-Lewis, Mo und Flume abfeierten, zogen "Die Nerven" das große Los. Ihr Late-Night-Auftritt im Brückenaward-Zelt wurde von einer, sich nach lauten Gitarren sehnenden Menge bejubelt. 


Die Nerven nahmen das Geschenk gerne an und legten einen fulminanten Set hin, den ich ihnen, nach einem eher schwachen Gig in Bonn letztes Jahr, nie mehr zugetraut hätte. Wilde Versionen, Punkrock, ein von der Decke tropfendes Zelt, das entschädigte den Rest der Besucher dann wieder für die poppigeren Töne vorab. Danach auch draußen Gewitter, nur ohne Gitarren, passt.


Begonnen hatte der Tag sonnig mit ersten, kleinen Highlights. "Mothers" und "Weaves" boten ausbaufähigen Indierock, die einen spröder, die anderen poppiger mit der wesentlich agileren Frontfrau und den für mich besseren Songs.


Danach die fabelhafte "Lilly among Clouds", die wirklich alle verzückte. Klingt ein wenig wie "Birdy", hat eine ganz tolle Stimme und die erschienene EP ist sehr hörenswert. Lilly gab sich natürlich, erklärte einige schöne Geschichten zu ihren Songs und zeigte sich schon erstaunlich sicher auf der Bühne, da werden wir noch viel mehr hören. 



Der zweite Tag beginnt mit den Feinheiten des Derby`s. Ein Zauberer, eine Lesung, dann erst ab zur Fackelbühne wo "L`Aupaire" aufspielen. Ebenfalls mit einer fabelhaften CD dieses Jahr, wirkt das live alles viel gelöster und entspannter, Palmen haben sie auch auf der Bühne. Perfekt für einen sonnigen Nachmittag. 

Zum Ende hin verliert es mit ruhigen Stücken, "der Song hat die wenigsten Spotify Clicks, ist aber unser Lieblingssong" etwas an Spannung, trotzdem ein gelungener Auftritt mit vielen Menschen vor der Bühne.

Weiter zu "Drangsal" ins große Zelt. Hier bin ich sehr gespalten, vielleicht auch altersmäßig zu vorbelastet, aber der Sinn dieses Ironie freien 80er Sounds will sich mir nicht erschließen. Immerhin gibt er sich im Vergleich zu einigen derben Interviews hier handzahm, grüßt seine Eltern und glänzt durch weitere witzige Kommentare. Trotzdem war der Auftritt schnellt vergessen, weil "Elias" zum Tanz bat. 


Auf der winzigen Bühne am Reitplatz bot er eine Art Gospelshow mit diversen eingängigen Songs. Dazu zeigte er wahre Frontmann-Qualitäten, trug besonders stylische Klamotten incl. Kapuze und alles sah schon sehr nach Grammy und großen Hallen aus. Ein Song in der Autowerbung, immer noch kein Album, das scheint heute völlig normal. Ein übervoller Parcours war begeistert.

"James Blake" war der zweite Headliner nach "Flume" am Freitag, und krasser könnte der Unterschied wohl kaum sein, außer das wiederum die jüngeren Besucher hier wieder in der Überzahl waren. Nach mittlerweile drei Alben mit dieser "schwierigen" Musik immer noch erfolgreich zu sein, war zumindest kein Masterplan. So bleibt er sich auch heute treu, zwei Musiker unterstützen ihn bei seinen fast 90 Minuten, aber bei mir will der Funke einfach nicht überspringen.


So gerne ich die neue CD höre, live ist es einfach nicht mein Ding. Zu eintönig (tiefe Bässe, hoher Gesang, Samples) ist diese Leerstellenmusik, um lange zu fesseln. Eine Show gibt es auch kaum, Blake wirkt mit seinem sympathischen Lächeln hinter dem Keyboard eher wie ein netter Bank Azubi als ein Musiker auf einer großen Bühne.

Und so findet sich auch am zweiten Abend eine erstaunlich große Menge im Brückenaward-Zelt zum Mitternachtspunk ein, diesmal mit "Pissed Jeans". Diese haben natürlich keinerlei pädagogischen oder musikhistorischen Anspruch, aber die Band spielt einfach als ginge es um Alles. Wie im Flug vergeht die Zeit, eigentlich wollte man nur kurz nach dem Rechten sehen, und schon fliegt man quer durchs Zelt und schaut dem Sänger bei seinen absurd witzigen Rockposen zu.

Großartig auch, wie der Drummer seinem wandernden Schlagzeug hinterher trommelt, super... 

Der Sonntag startet mit einer ersten Wurst während die nette "Sara Hartman" ihren radiotauglichen Folkrock spielt. Eine weitere sichere Bank für größere Bühnen in der Zukunft.

"Suuns" müssen danach leider schon früh ran (die Weitereise wartet). Das macht es den Besuchern  aber auch nicht leichter, denn diese Musik ist eher was für düstere Nächte. Tolle Band, trotzdem. 

"Destroyer" ebenfalls, hier mit voller Band am Start. Es klingt toll, guter Frontmann, gute Band, gute Songs....nur ein echter Hit fehlt noch.. 

Viele Mädchen warteten auf "Boy", viele Jungs auf "Dinosaur jr.", das kann Beziehungen zerreißen. Beide waren auf ihre Art perfekt, J. Mascis aber müsste sich eigentlich totlachen, dass er mit seinem Sound und seinem Kleidungsstil bis heute durchkommt. Wahrscheinlich tut er es auch.

Und dann, nachdem drei Tage immer mit einem Blick aufs Handy die Horrormeldungen vom RaR verfolgt wurden, trifft es auch Mannheim. Innerhalb von wenigen Minuten, vor dem Auftritt von "Daughter", nähert sich eine schwarze Wand dem Gelände. Alle bleiben ruhig, die meisten wollten ja sowieso Daughter sehen und pünktlich mit der Band startet auch das Gewitter.  
"Daughter" sind an diesem Abend, für ihre Verhältnisse fast euphorisch. Es wird sogar gelacht auf der Bühne und die Geschichten ihres ersten Maifeld-Derbys hat die Band auch nicht vergessen. Damals endeten Sie betrunken bei "Gold Panda" und hatten einen tollen Abend. 

Heute sind sie die Headliner und spielen alles was sie zu bieten haben. Wesentlich eleganter und gleichzeitig mit besseren Versionen als in Köln vor ein paar Monaten. Es gibt sogar eine Zugabe, "Made of Stone" beendet das Set und das Festival, vorher gab es mit "Youth" und "Doing the right thing" die wohl schönsten Lieder der letzten Jahre. 

Danach ist der Regen auch schon wieder verzogen und es bleibt ein weiteres, fantastisches Derby in Erinnerung. Bis zum nächsten Jahr. 



Und dann war da noch der Mann mit der analogen APP zum Festival, Respekt.
Fotos: Michael Graef 

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