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Dienstag, 5. März 2013

Michelle Blades, Paris, 03.03.2013

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Konzert: Michelle Blades (mit Malvina Meinier und Cassandra Jetten)
Ort: La Fabrique Balades Sonores, Paris 
Datum:  03.03.2013
Zuschauer: etwa 30
Konzertdauer: circa 35 Minuten

Also diese kleinen feinen Showcase in dem winzigen Plattenladen der Balades Sonores sind einfach immer wieder entzückend! In schöner Regelmäßigkeit finden hier in der sogenannten "Fabrique" zwischen CD- und Vinylregalen intimste Akustikkonzerte statt, bei denen Musiker aus der ganzen Welt umsonst und ohne Sicherheitsabstand und Schnörkel zeigen, was sie können. In der Vergangenheit waren schon Größen wie Mariee Sioux, Françoiz Breut oder Dawn Landes hier, heute nun also Michelle Blades.


 
  
Michelle ist eine wahre Globetrotterin. In Panama geboren, in Amerika aufgewachsen und seit Januar 2013 in Paris lebend, kennt sie sich sowohl mit der hispanischen, der angelsächsischen als auch der französischen  Kultur aus. Dies zeigt sich auch in ihren sehr nahegehenden Songs, in denen man diese Einflüsse heraushören kann. Zwar singt sie nie (oder so gut wie nie) auf spanisch, aber ihr Gitarrenspiel hat durchaus manchmal leichte Elemente des Flamenco. Von der amerikanischen Musikkultur hat sie eine leicht bluesige Note übernommen und den tadellosen Akzent, von Paris bzw. Frankreich zumindest schon die heutige Gastmusikerin Malvina Meinier, die etwas Casio spielte und im Chor mitsang. Dritte Musikerin auf der schönen alten Holztruhe war die blonde Amerikanerin Cassandra Jetten, die ebenfalls in Paris lebt und heute wesentlich zu den wundervollen Harmoniegesängen beitrug.

 
Blades spielte abwechselnd Gitarre und Banjo und sang höchst variabel und facettenreich. Die Songs sind in den letzten Jahren entstanden, manche waren neuer, andere gehörten schon seit einer Weile zum Repertoire. Auf Facebook kann man immer schön verfolgen, woran sie gerade arbeitet. Regelmäßig stellt sie kleine Amateurvideos von ihren Songs ins Netz und kürzlich sah man dort auch Mitschnitte von einem sehr rockigen und elektrischen Konzert, daß sie  in La Java gegeben hatte.


Heute ging hingegen alles ruhiger zu. Das sehr angenehme Publikum war mucksmäuschenstill, als Michelle ihre Lieder vortrug, so daß man noch jedes noch so kleine Detail gut hören konnte. Dennoch gab Michelle auch diesmal nicht durchgängig die Leisetreterin, ihr südamerikanisches Talent sorgte immer wieder für Ausbrüche.

In vollen Zügen ergötzte ich mich an ihrer Lieblichkeit, ihrer Anmut , aber auch ihrem Feuer.

 


Herrlich warm und betörend ihr Timbre, herzbewegend ihr Gitarrenspiel, beeindruckend ihr Talent, die Zuschauer in ihren Bann zu ziehen. Ich war wirklich hin und weg und erfreute mich an jedem einzelnen Lied. Dieser Gratis Showcase war für mich so viel wert wie für andere Leute ein Madonna Konzert für das sie über hundert Euro ausgegeben haben. Musikfans, die lieber ins Stadion gehen, ist es sicherlich nicht so leicht zu vermitteln, wieso ich mich so sehr für ein kleines Akustikkonzert begeistern kann, aber andere, die auch schon an den Freuden dieser intimen Gigs teilhaben konnten, verstehen mich sicherlich nur allzu gut.

An was mich das Ganze musikalisch erinnerte? Hmm. An Devendra Banhart vielleicht, Patrick Watson, Alela Diane, Ora Cogan, Grizzly Bear, die die drei Mädels absolut wundervoll coverten (Alligator), vor allem aber an Michelle Blades selbst. Fantastisch, wieviel eigene Persönlichkeit sie in jedes einzelne Stück legte. Egal ob die Kompositionen La Verité, Like Wild Flowers oder Persephone in Heels hießen, alle waren sie besonders.







Die Zugabe mit Hasti Kusuma schoß mir endgültig alle Lampen aus, das ziemlich lange Stück fesselte mich total und am Ende schlotterten mir regelrecht die Knie. Ich schaffte es gerade noch, die Künsterlin, die genau vor mir agiert hatte, zu ihrem Konzert zu beglückwünschen. Sie hatte extra für mich ziemlich zu Beginn ein kurzes, aber wundervolles Lied zu dem Gedenken des dreißigjährigen Suizides der Dichterin Silvia Plath erklingen lassen, weil ich ihr per e-mail mitgeteilt hatte, daß mich dieses Lied, in das ein paar Verse eines Gedichtes von Plath eingebunden waren, sehr bewegt hat.


Allzu gerne hätte ich auch noch Tonträger von Michelle erworben, aber die hat sie alle in den USA gelassen. Man kann die Lieder bei Bandcamp hören, oder auf Youtube anschauen. Die Sachen auf Bandcamp klingen allerdings ganz anders, als was man in La Fabrique hören konnte. Die Videos eignen sich da viel eher.

Setlist

01: Untitled
02: Bit My Pretty Heart In Two
03: William Death's Lament
04: Alligator (Grizzly Bear)
05: La Vérité
06: Like Wildflowers
07: Persephone In Heels
08: Nature Boy

09: Hasti Kususma



Montag, 10. Dezember 2012

Alex June, 06.12.12

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Konzert: Alex June
Datum: 06/12/2012
Ort: La Fabrique des Balades Sonores
Zuschauer: 35 etwa
Konzertdauer: über 50 Minuten 

Traduction française en bas du texte!





Knallbunte Popsongs im Stile der 1980 er Jahre sind ihr Markenzeichen, ihre Haare sind lila, der Aerobicanzug türkis, willkommen in der fabelhaften Welt der Chilenin Alex June!



Die seit 5 Jahren in Paris lebende Südamerikanerin hatte mich vor ein paar Wochen schon einmal begeistert und am heutigen 6. Dezember versprach sie vorab schon auf ihrer Facebook Seite, daß sie alles tun werde, um den Zuschauern ein tolles Spektakel zu bieten. Sie trat in der gemütlichen Fabrique des Balades Sonores an, einem Plattenladen unweit des Sacré Coeur, in dem mindestens zwei mal pro Woche Musiker aus aller Herren Länder gratis ihre Künste zeigen. Es ist für mich inzwischen zu einer schönen Gewohnheit geworden, dort regelmäßig aufzukreuzen, weil es immer familiär und intim zugeht, das Bier mundet und die Mädchen dort hübsch sind.

Heute aber war die Hütte gerammelt voll und mir schien es fast so, als sei ich bei "Wetten Daß ?" gelandet. Nach dem Motto: "Ich wette, daß 50 Leute in eine winzige Boutique passen." 50 waren wir zwar nicht ganz, aber 35 Musikfreundinnen und Musikfreunde quetschten sich doch einen ab und hatten kaum Platz, den Arm hochzuheben, um an der Bieflasche zu nuckeln.




Vorne kauerte Alex June auf dem Boden und hatte zunächst ihre liebe Mühe und Not mit dem Sound. Kein seltenes Probelem bei Elektropoppern. Da gelingt es oft nicht, die CD zu reproduzieren, weil alles so aufwändig und störungsanfällig ist.

Aber sie ging damit sehr sympathisch und höflich um, entschuldigte sich gleich mehrfach und bat um Geduld. Irgendwann klappte alles besser und man konnte endlich richtig die synthetische Musik genießen. Zudem hatten ein paar Mitbürgerinnen und Mitbürger bzw. Mitpariserinnen und Mitpariser die Fabrique verlassen, weil ihnen das Beheben der technischen Probleme zu lange dauerte.


Sie verpassten jetzt die beste Phase und die perlendsten Songs, Les Scorpions, einen glitzernden französischen Titel mit starker Symbolkraft, Amigo (englisch), oder der stark an Visage erinnernde Track Golden Boy , der ebenfalls auf französisch gesungen wurde.

Für wich war das, als würde ich noch einmal die prägenden Bands meiner frühen Jugend hören. Anne Clark, Visage, Kate Bush, die ganz frühen Depeche Mode, The Human League, Ultravox, Propaganda oder auch Kim Wilde. Und nun ja, irgendwie war das toll, selbst wenn man oft mit Naserümpfen und einem starken Gefühl von Peinlichkeit an diese Zeit und diese Künstler zurückdenkt.

Was die Band der Eighties besonders auszeichnete waren ihre einprägsamen Hits. Viele Gruppen hatten ja nur einen oder zwei davon und bastelten die Alben um diese Zugnummer herum.

Bei Alex June heißt der Überhit Alaviksertaxz und den spielte sie natürlich erst ganz zum Schluss. Ein unglaublicher Ohrwurm, diese kugelrunde Single, zu der man eigentlich super hätte tanzen können, wenn man denn den Platz dafür gehabt hätte.


 

Dann war eigentlich Schluß, aber die Leute wollten noch einen Nachschlag. Und da kam es wirklich noch zu einer großen Überraschung. Alex June sang ein Opernstück mit bester Sopranstimme! Mit 95 % iger Wahrscheinlichkeit hat sie eine klassische Ausbildung genossen, gefragt habe ich sie das aber nicht mehr. Wow!


Trotz der Soundprobleme zu Beginn ein toller Showcase! Alex June will ich in Zukunft noch viel öfter sehen, denn irgendwie ist sie auch die französische bzw chilenische Antwort auf die viel stärker mediatisierte Grimes.

Pour nos lecteurs français:

Ses cheveux sont violines, sa tenue d'aérobic turquoise et ses chansons pop électro très 80ies encore plus colorées et pétillantes. Bienvenu dans le monde merveilleux de la chilienne Alex June!

La sud-américaine, qui vit depuis 5 ans dans la capitale française m'avait déjà passionné il y a quelques semaines à L'International, lors de la release party de son tout premier EP, intitulé Plan X (Lentonia Records).


Aujourd'hui Alex investit la boutique très cosy des Balades Sonores. A "la Fabrique" (ainsi s'appelle ce très bon magasin de disques et des fringues signé Chicamanca) il y a des showcases deux fois par semaine, mais les artistes électro y sont plutôt rares. Et après les permières 15 minutes de ce showcase on comprend pourquoi. L'installation de tous ces synthés et ordinateurs est tellement complexes qu'il peut toujours y avoir un truc qui ne marche pas bien. C'est le cas aujourd hui aussi, il y a des problèmes de son. Mais Alex arrive a faire patienter le public, venu en masse aujourd'hui, et rejoue certains morceaux une deuxième fois. Au bout d'un moment elle arrive même à résoudre ces problèmes techniques et là c'est le bonheur! Les morceaux sont très accrocheurs, presque addictifs, les "sonorités galactiques" nous font phantasmer et la voix enfantine d'Alex est extraordinaire. Elle est capable de changer le timbre de sa voix quasi immédiatement, passe d'une voix de gamine à celle d'une chanteuse d'opéra. Je crois qu'elle a suivi une formation classique, autrement son chant soprano parfait n'est pas explicable.






Et des véritables tubes il y en a tout plein. Ils  s'appellent Golden Boy, Scorpion ("le scorpion est libre et sauvage, il symbolise des choses très intenses") et surtout Alaviksertaxz, joué tout a la fin et sont chantés en anglais, en français, mais aussi en espagnol. Ils me replongent dans ma jeunesse quand j'ai commencé d'écouter et d'acheter de la musique. A l'époque j'achetais surtout des 45 tours et j'écoutait en boucle Baboushka de Kate Bush, We Fade To Grey de Visage, Cambodia de Kim Wilde, Dr. Mabuse de Propaganda ou Sleeper In Metropolis d'Anne Clark. Les morceaux d'Alex June me font penser à tous ses  grands hits de cette époque là, mais il y a quand même la patte très originale d'Alex June dessus. C'est probalement son côté globetrotteuse et multilinguiste qui est responsable pour cela. Elle mélange tout plein d'influences et de langues pour créer son propre univers musicale bien a elle.



 

J'ai hâte de la revoir dans une "vraie salle" de concert ou elle peut pleinement profiter d'une bonne sonorisation. N'empêche que c'était plus que chouette de la voir dans un cadre si intimiste, familial et sympathique.

En tout un très bon showcase malgré les petits problèmes du son du début!

Merci à l'artiste, mais également merci a Toma et Esther qui reçoivent régulièrement des artistes de talent chez eu et qui font tout pour garantir un chaleureux acceuil.






Samstag, 8. Dezember 2012

Ravens and Chimes, Paris, 04.12.12

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Konzerte: Ravens and Chimes
Orte: La Fabrique des Balades Sonores und L'Espace B, Paris
Datum: 04.12.2012
Zuschauer: 4-8 (La Fabrique), etwa 70-80 (Espace B)



Asher, der gutaussehende Sänger der New Yorker Band Ravens and Chimes,  entpuppte sich in Paris als äußerst freundlicher und höflicher Mensch. Als er am 4. Dezember um 13 Uhr vor gerade einmal vier Zuschauern einen unbezahlten Showcase im Plattenladen der Balades Sonores spielte, bedankte er sich gleich mehrfach und aufrichtig fürs Kommen. Dabei hätte er in der Zeit doch die Stadt des Lichts erkunden, ein hübsches Mädchen küssen, oder sich ausruhen können.


Ganz tapfer stand er seinen Mann und spielte ohne seine Bandkollegen Songs des aktuellen Albums Holiday Life alleine auf seiner Akustikgitarre. Er hockte auf einer alten Holztruhe des schnukeligen Plattenladens und gab sich richtig Mühe, schön zu singen und fehlerfrei Gitarre zu spielen. Sofort fiel mir seine besondere Stimme auf. Sie hatte eine romantische und poetische Note, hatte etwas, das mich an den feinfühligen Briten Thos Henley erinnerte. Ganz wie Thos bezog sich auch Asher auf Literaten wie Rimbaud und man merkte, daß dies nicht nur Bluff war, sondern daß ihn wirklich die Geschichte von Paris und deren Schriftsteller und Dichter interessierte. Auch zu den zur heutigen Zeit in Paris lebenden Menschen hatte er nur Positives übrig: "wow, you are all so stylish!" Die Typen in New York seinen dagegen unkultivierte und schlecht gekleidete Banausen, obwohl das doch immerhin die schickste Stadt in Amerika sei, so Asher.


Der blauäugige Bursche schien wirklich in der falschen Ecke der Erde geboren worden zu sein und fand es auch erstaunlich und sehr cool, daß der Kanadier Leonard Cohen in Nordamerika nicht so bekannt sei, wie in Europa, wo er riesige Hallen füllt. Konsequenterweise coverte er dann auch So Long, Marianne von Cohen und sang mit viel Feingefühl den Text " .... we met when we were almost young deep in the green lilac parc you held on to me like I was a crucifix, as we went kneeling through the dark..."

Neben diesem Cover waren mir Night und Carousel besonders positiv aufgefallen. Zwei wahnsinnig schöne Lieder mit denen man bestens auf einer zugeschneiten Berghütte übers Jahr kommen könnte.


Schade eigentlich nur, daß das weibliche Bandmitglied Rebecca, das auf dem Album die Backing Vocals singt und Piano spielt, nicht in Paris dabei war. Sie verleiht den Songs auf Platte noch mehr Liebreiz, wenn das überhaupt geht.

30 Minuten lang mühte sich Asher also auf seiner Truhe sitzend ab, bevor im Laufe der Zeit noch vier weitere Leute eintrudelten, darunter zwei seiner Bandkollegen. Der Drummer war nicht gekommen sondern saß draußen in dem Van, weil er keinen richigen Parkplatz gefunden hatte und Angst vorm Abgeschleppt-werden hatte.


Abends im Espace B dann gab es die elektrische Variante. Die Songs hatten logischerweise mehr Schmiss, wurden mitunter fast rockig. Auch dort mein Favorit Carousel. Das Stück geht mir schon jetzt nicht mehr aus dem Kopf, es ist so berührend und zärtlich. Und selbst Leute, die behaupten, daß das schmalzig ist, hören das wahrscheinlich heimlich mit ihrem Kopfhörer unter ihrer Bettdecke und weinen das Laken voll. In diesem Sinne: gute Nacht! Und bitte die deutschen Konzertermine von Ravens and Chimes nicht verpassen, damit der arme Asher nicht wieder nur vor vier Leuten spielen muss!

Konzerttermine von Ravens and Chimes:

08.12.2012: Mila, München
09.12.2012: Swamp, Freiburg
10.12.2012: La Laiterie, Straßburg
12.12.2012: Winston, Amsterdam
13.12.2012: Subrosa, Dortmund
14.12.2012: Ostpol, Dresden
15.12.2012: Prinzenbar, Hamburg



Dienstag, 2. Oktober 2012

Emma Russack, Paris, 27.09.12

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Konzert: Emma Russack
Ort: La Fabrique des Balades Sonores, Paris
Datum: 27.09.12
Zuschauer: etwa 20
Konzertdauer: 30 Minuten oder so


Der kleine aber feine CD- und Klamottenshop der Balades Sonores, interessanterweise "La Fabrique" genannt, entwickelt sich immer mehr zu einer Anlaufstelle für tolle Folk- und Indieacts auf Durchreise. Wer kurz noch einen Akustikgig aufs Parkett (bzw. den schwarz-weiß gefließten Steinboden) legen will, macht hier noch einmal halt. Höchstens 20 Leute passen in diesen gut sortierten Store, aber diejenien die kommen, sind oft wahre Musikfreaks und immer offen für neue Entdeckungen.



Am Donnerstag machten Emma Russack und Grand Salvo, beide aus Australien, in der Fabrique der Balades Sonores Station. Grand Salvo konnte ich nicht mehr sehen, weil ich da schon wieder zu einem anderen Konzert unterwegs war, den Auftritt der jungen Emma, die auf dem exquisiten australischen Spunk Label veröffentlicht, bekam ich aber ganz mit.

Russack hatte erst kürzlich mit ihrer Labelkollegin Tiny Ruins gespielt und diese Tatsache war quasi schon Grund genug, vorbeizukommen.



Es wurde dann in der Tat auch sehr schön. Die dunkelblonde Emma mit dem kessen Zopf spielte mit Gefühl auf einer Akustikgitarre (ihre Elektrische hatte sie kurz zuvor beschädigt) und sang dazu mit ungewöhnlich tiefer Stimme. Nichts mit glockenklarem Gesang, kein hohes Kleimädchenstimmchen und auch kein ververhuschtes Wispern wie so oft, nein, hier intonierte ein junges Mädchen stolz und selbstbewußt als sei sie schon viel älter und reifer. Das Ganze war mit einem Hauch Blues gewürzt und klang so souverän und gut abgehangen, as sei Emma schon zig Jahre im Geschäft. Die Songs waren zeitlos, wurden ohne große Effektheischerei und Chichi vorgetragen und wirkten sinnlich und relaxt. Auch die Lyrics waren schon sehr ordentlich und ließen auf eine kluge und lässige junge Dame schließen. Das Material stammte von ihrem ersten Album Sounds Of Our City, so zum Beispiel das großartige Stück Colombia, das sehnsüchtig und melancholisch voranschritt und den Puls des gehetzten Großstädters ordentlich drosselte. Tracks dieser Güteklasse gab es noch ein paar und so war klar, daß ich mir unbedingt das Album von Emma zulegen musste. Ich habe es keineswegs bereut, es ist sehr ausgewogen und harmonisch instrumentiert und bereichert seit ein paar Tagen mein Leben.




Bis bald Emma und bis bald auch Les Balades Sonores, der nächste Showcase kommt bestimmt!

Konzerttermine Emma Russack:

02.10.2012: Aaltra, Chemnitz
03.10.2012: Thalia Theater, Dresden
04.10.2012: Monarch, Berlin
05.10.2012: Grüner Jäger, Hamburg




Mittwoch, 12. September 2012

Rachel Sermanni, Paris, 07.09.12

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Konzert: Rachel Sermanni

Ort: La Fabrique des Balades Sonores, Paris
Datum: 07.09.12

Zuschauer: etwa 25

Konzertdauer: gut 45 Minuten




Manchmal deprimiert es mich alten lüsternen Mann zutiefst, zwischen diesen ganzen anderen lüsternen, alten Männern zu stehen, die regelmäßig anzutreffen sind, wenn eine junge Dame, womöglich noch attraktiv, auf der Bühne steht. Es sind ja fast immer die gleichen Sonderlinge, die da in der ersten Reihe rumschmachten, ein Foto nach dem nächsten schießen, mit ihrer kleinen Kamera Videos drehen, die sie dann noch am gleichen Abend bei youtube hochladen und sich hinterher ihre CD signieren lassen, während sie die Dame mit Lobhudeleien zusülzen.

Wahrscheinlich liegt meine Niedergeschlagenheit darin begründet, daß ich einen Spiegel vorgesetzt bekomme. Weil ich genau wie diese komischen Käuze da rumstehe, fotografiere wie ein Besessener und hinterher die Musikerin vollschleime. Unfreiweillig gehöre ich also zu diesem Club.

Allerdings spielen bei mir nie erotische Erwägungen eine Rolle. Das mag man mir glauben oder nicht, ist aber so. Schauspielerinnen, Sportlerinnen und Sängerinnen haben mich schon immer kalt gelassen, geschwärmt habe ich weder für Brooke Shields noch
für Katy Witt oder Nena. Fantum kann ich nachvollziehen, liebesähnliche Anbetungen nicht. Wenn ich heutzutage euphorisch von Konzerten von Tiny Ruins, Rachael Dadd, Mina Tindle oder Mariee Sioux berichte, darf man das nicht als Liebelei missverstehen, selbst wenn dabei nicht nur die Begeisterung für die Musik, sondern auch für die Persönlichkeit der Künstlerin zum Ausdruck kommt. Eine Distanz ist immer gegeben, auch wenn meine Texte diese freilich nicht immer deutlich machen.

Aber was hat die lange Einleitung mit dem heutigen Showcase in der Fabrique des Balades Sonores zu tun? Nun, es war halt eben wieder mal so ein Konzert, bei dem die üblichen Verdächtigen- ich mittendrin-, die Künstlerin, die junge Schottin Rachel Sermanni, hinterher umlagerten, sich die Debüt-CD signieren ließen (obwohl mir Autogramme eigentlich vollkommen schnuppe sind) und ihr die üblichen lobenden Sätzchen ("tolles Konzert, ganz wundervoll etc.") und den üblichen Smalltalk ("wo hast du gestern gespielt?, wo wirst du morgen sein?") aufzwangen. Unangenehmerweise ertappte ich mich Armleuchter dabei, daß ich am liebsten die ganzen anderen Armleuchter verscheucht hätte. Wie gerne hätte man doch ein exklusives, privates Gespräch mit einem Künstler, aber die Anwesenheit der anderen macht einem klar, daß die Musiker immer die gleichen Floskeln mit den Fans austauschen und das alles zur Promo gehört, wie nett und authentisch die jeweiligen Künstler auch sein mögen. Mit ein paar gutplatzierten Sätzchen wird man es auf jeden Fall nicht schaffen, Freund (Freund wohlgemerkt, nicht Liebhaber!) zu werden. Frustrierend.


Vor allem, wenn man dann von dem Promomarathon erfährt, den heutzutage alle Musiker durchlaufen. Portrait-Photosession mit Fotograf "Scharferblick" am frühen Nachmittag (den man natürlich kennt und auf den man ein wenig neidisch ist), Videosession mit Videofilmer "Filmmichgut" (den man ebenfalls kennt und beneidet) am späten Nachmittag, danach Interview mit dem Blog "Ichfragdireinlochindenbauch", 2. Interview mit dem Blog "ichfragdirnocheingrößereslochindenbauch", drittes Interview mit Printmagazin "Knitchfork". Und am nächsten Tag erneute Videosession mit Videofilmer "Unterwasserakustiksession", einem der Hunderttausenden, der die Blogothèque mit ihrem Konzept der Akustikkonzerte an besonderen Orten kopiert hat. Wie die Aasgeier fallen diese ganzen Leute über die Künstler her, jeder will einen Stück von dem Kuchen abbekommen, ihn besonders toll fotografieren, an einem besonders abgefahrenen Ort abfilmen, ihm eine besonders clevere Frage stellen. Kurzum: diese ganzen (halb)professionelen Medienschaffenden (zu denen wir vom Konzerttagebuch sicherlich auch gehören), nerven manchmal wie Sau. Und die ganzen Konzertfreaks, die geanu wie ich nichts anders aus ihrem Leben zu machen wissen, als wie Süchtige zu Konzerten zu rennen, nerven auch wie Sau. Schlimm.

Aber es ist keine Geringschätzung der anderen Fans und Blogger, die ich hier zum Ausdruck bringen will, im Gegenteil. Schließlich bin ich einer von ihnen und mag sie eigentlich alle sehr gerne. Es geht mir nur um die Vermittlung des teilweise auftretenden Gefühls, nur Teil einer Horde zu sein, obwohl man doch so gerne individuell wäre. Nie hat man mal den Künstler für sich alleine, selbst in Indie-und Folkkreisen nicht. Immer muss man teilen.

Dabei wäre es doch so toll, wenn eine wie Rachel Sermanni nur für einen selbst singen würde. Man stellt sich das dann so traumhaft vor, wie man auf der Bettkante sitzt und sie mit der Gitarre in der Hand auf dem Bett sitzend die schönsten Lieder der Welt singt.







Stattdessen steht man wie im heutigen Fall schwitzend zwischen 20 anderen Leuten, sehnt sich eigentlich nur danach, draußen Luft zu schnappen und hofft-obwohl es musikalisch wundervoll ist- daß das Konzert schnell vorbei ist, um sich die CD gemütlich zu Hause auf dem Sofa anzuhören.


Aber Live-Genuß und CD-Anhören ist natürlich nie das Gleiche. Unersetzlich ist das Gefühl, handgemachte Musik aus nächster Nähe zu hören, bei der sich auch immer mal wieder kleine Fehler einschleichen. Bei der man die Mimik und Gestik des Künstlers mitverfolgen kann und zudem auch noch kleine Anekdötchen und Erläuterungen zu den einzelnen Liedern geliefert bekommt. Im Falle von Sea Oh See, daß das Lied eigentlich The Pirate Song hätte heißen sollen, daß es darum geht, daß ein Mädchen (sie selbst?) loszieht, um Piratin zu werden, dann aber eigensüchtig wird und in Probleme gerät, oder daß bei Bones viel Wut mit im Spiel ist ("C'est une chason avec du couleur" (couleur=Farbe), wie sie auf französich sagte, obwohl sie natürlich colère (=Wut) meinte).


Aber Wut ist ein gutes Stichwort, denn Feuer und Biss hatte sie, dieses schmächtige (relativ), kleine Persönchen aus den schottischen Highlands. In manchen Szenen drückte sie stimmlich so richtig auf die Tube, schrie fast, stellte sich auf ihre Zehenspitzen und spielte schnell und energisch Gitarre. Dann aber wurde sie wieder zärtlicher und besinnlicher, drosselte das Tempo und die Lautstärke ihrer Stimme. So entstand ein interessantes Wechselspiel aus lieblichen und leidenschaftlichen Phasen, aus liebreizenden Balladen und feurigen Anklagen. Gut 45 Minuten lang ging das so, Zeit, in der fast das gesamte Album durchgespielt wurde aber auch ein anderer Titel (in dem es um ihre Albträume ging) zum Vortrage kam. Starkes Songmaterial mit reifen, sehr poetischen Texten und ohne das oft übliche Strope-Refrain-Strophe Schema. Es war also ein ausgesprochen guter Showcase, der mit Song To A Fox endete und Lust gab, Sermannis nächstes Pariser Konzert am 13. November im Espace B zu besuchen.

Am Ende des Tages hatte sich meine eingangs beschriebende Depriphase dann übrigens wieder verflüchtigt, war ich mit mir, der Welt und meinen Mitmenschen wieder im Reinen und hörte ganz entspannt das Album durch. Es gibt darauf viele Geigen zu hören, ganz anders als bei dem Showcase, wo Rachel nur eine Akustikgitarre zu Verfügung stand. Reizvoll ist beides.

Ausgewählte Konzerttermine Rachel Sermanni:

22.10.2012: Nachtleben, Frankfurt
23.10.2012: Stadtgarten, Köln
25.10.2012: Cometclub, Berlin
26.10.2012: Sweat Club,Leipzig
27.10.2012: Prinzenbar, Hamburg
28.10.2012: Atomic Café, München
30.10.2012: Chelsea, Wien
31.10.2012: Egger's. Kufstein, Österreich
01.11.2012: TIK, Dornbirn, Österreich
02.11.2012: TIK, Dornbir, Österreich
13.11.2012: Espace B, Paris
18.11.2012: Ono,Bern
19.11.2012: Hafenkneipe, Zürich
21.11.2012: Café Video, Gent
23.11.2012: Merleyn, Nijmegen

alle Termine gibt es hier



Sonntag, 1. Juli 2012

Dawn Landes, Paris, 26.06.12

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Konzert: Dawn Landes

Ort: La Fabrique des Balades Sonores, Paris

Datum: 26.06.2012

Zuschauer: etwa 25, sehr voll

Konzertdauer: etwa 45 Minuten



Die aus Kentucky stammende Amerikanerin Dawn Landes ist eine äußerst temperamentvolle junge Dame. Bei ihren Konzerten verbreitet sie immer gute Stimmung, es wird viel gelacht und auch partizipiert. Damit unterscheidet sich die bildhübsche Dawn (eine Art Keira Knightley der Country/Folkszene!) wohltuend von den ganzen schüchternen, depressiven Mädchen, die ansonsten im Folk anzutreffen sind. Nicht, daß mir die stillen und verhuschten Melancholikerinnen nicht auch gefallen würden, aber bei ansteigenden Temperaturen wie jetzt, ist es doch auch einmal schön, statt gemeinsam zu weinen, gemeinsam zu lachen.

Dawn erschien jedenfalls gut gelaunt, mit Holzfällerhemd und einer sexy schwarzen Short auf der winzigen improvisierten Bühne der Balades Sonores. Sie wird zwei Monate in Paris verbringen und hat passenderweise gleich eine ganz neue EP namens Mal Habillés (schlecht angezogen) mit französischen Chansons aufgenommen, von denen sie heute 2 präsentierte. Die ersten beiden wurden von den Bloggerkollegen von Popnews vorab gefilmt und beim beim richtigen Showcase, der erst nach den beiden gefilmten Stücken stattfand, wiederholt.


War schon etwas kurios, eine typische (was ist das?) Amerikanerin dabei zu bestaunen, wie sie klassisches französisches Liedgut covert. La Cane de Jeanne (Cane= Gehstock) des alten Barden George Brassens klang aus ihrem Munde sehr exotisch. "La Cane de Jeanne est morte d'avoir fait du moins on le présume un rhume" (der Gehstock sein an einem Schnupfen gestorben, so vermutet man), intonierte sie mit ihren sinnlichen roten Lippen die Liedzeilen und musste dabei ständig grinsen, was auch das Publikum belustigte. Ihre Stimme klang wie immer samtweich, ihr französicher Akzent war passabel, aber nicht perfekt. Das machte aber nichts, denn schließlich singen ja enorm viele Franzosen mit breitestem Akzent englisch, wie sollten sie da das Recht haben, zu lästern?


Gelästert wurde ohnehin nicht, eher begeistert mitgegangen, trotz der großen Hitze in dem winzigen Laden. Mit La Vie Au Lasso brachte Landes aber auch wirklich eine absolute Stimmungsnummer mit leicht einpragsamen Mitsingrefrain und einer cabarethaften Note. Ein tolles Lied.

Dann stieg sie in ihr englisches Material ein und die Stimmung wurde melancholischer und wüstensandgetränkter. Nun perfomrte sie Songs von Fireproof und Sweet Heart Rodeo, Alben die auch meinen Plattenschrank schmücken und immer mal wieder gerne von mir rausgekramt werden. Den Abschluß bildete Bodyguard, aber das hatte mit Whitney Houston (Gott hab sie selig) zum Glück rein gar nichts zu tun.


Vorher hatte sie sich auch noch an Françoise Hardy und ihrem Klassiker Tous Les Filles et les Garçons versucht, den amüsanterweise bereits die junge Französin Le Prince Miiaou unlängst gecovert hatte. Landes schlug sich bei dieser Übung recht tapfer, wenngleich mir die Version von Le Prince Miiaou doch besser gefällt.

Alles in allem ein schöner Showcase mit einer glänzend aufgelegten Dawn Landes!

Aus unserem Archiv:

Dawn Landes, Paris, 26.02.10



Donnerstag, 17. Mai 2012

Haight Ashbury, Paris, 15. & 16.05.12

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Konzerte: Haight-Ashbury

Orte: La Fabrique des Balades Sonores & Le Café de la Danse

Daten: 15. & 16.05.2012

Zuschauer: etwa 20 bei den Balades Sonores, etwa 250 im Café de la Danse
Konzertdauer: jeweils um die 40 Minuten



Von Haight-Ashbury aus Glasgow hatte ich ja bereits Anfang des Jahres geschwärmt, nachdem ich das psychdelische Trio beim Mo'Fo' Festival gesehen hatte. Seitdem sind nun etwa 4 Monate ins Land gegangen und in der Zwischenzeit ist das neue Album Haight Asbury/Vol.2: The Ashburys in den Läden erschienen. Der Relase fand erst vor ein paar Tagen statt und die Band selbst hatte noch nicht einmal das Cover gesehen. Als ich ihnen beim Instore Gig in der Fabrique der Balades Sonores erzählte, daß man ihr Album nun ganz offiziell im Virgin Megastore an den Champs-Elysées finden kann,waren sie freudig erregt wie kleine Kinder und nahmen sich sofort vor, den Shop am nächsten Tag aufzusuchen, um sich die Sache mit eigenen Augen anzusehen.


In dem winzigen Laden der Balades Sonores spielten Kirsty, Scott und Jennifer auf engstem Raume einen halbakustischen Gig vor ungefähr 20 Leuten. Vorher hatte bereits der ziemlich durchgeknallte New Yorker Seath Faergolzia etwa eine halbe Stunde lang glänzend unterhalten (der Kerl sollte bei Monty Phyton anheuern!) und das Publikum mit seiner fetzigen Freakfolk-Musik warm gemacht.


Da standen wir nun also ganz dicht bei diesen zwei schottischen Mädels und dem auf der Bank sitzenden Burschen und soffen Bier aus der Flasche. Allein die bunt zusammengewürfelten Hippieklamotten der Girls waren das Kommen wert, die beiden sahen einfach total stark aus! Ein besonderes Auge hatte ich auf die blonde Kirsty geworfen, die hat einfach einen umwerfenden Schlagzimmerblick und ein entwaffnendes Lächeln. Ich glaube sie stand auch auf mich, sie guckte mich schon beim Konzert von Seath Faergolzia so verknallt an.

Ok, genug Blödsinn erzählt, kommen wir zum Showcase. Der war nämlich wirklich gelungen. In vier von sechs Fällen stammten die Songs vom neuen Album, das es zu promoten galt. Sehr auffällig darunter sofort die Single Sophomore (I'm gonna give you the kisss of live"), aber auch She Is So Groovy 86 ging sofort prima ins Ohr. Kirsty und Jennifer haben einfach so unglaublich süße Stimmen, das es schwer fällt, da zu widerstehen. Sie sangen gut gelaunt gemeinsam in das gleiche Mikro und verstärkten so das peacige Ambiente, das von ihrer Flower Power Retro-Musik ohnehin schon ausging. Scott, der schöne Gitarrist mit dem Waver Scheitel spielte hinten hierzu die tollsten psychedelischen Melodien, die man sich nur vorstellen konnte. Ich fragte mich wie er es anstellte, diesen indischen Hypnose- Touch im Gitarrensound hinzukriegen. War seine Elektrische vorpräpariert? Hatte George Harrison aus dem Grabe gutes Karma gesendet?


Fragen über Fragen. Unfraglich war aber Freeman Town vom Vorgänger-Album der größte Hit. Die Nummer mit dem Killer-Riff zu Beginn hat das Zeug zum modernen Klassiker: "Me and my girl ain't hangin around living out here in a freeman town, music all up and a merry go round living out here in a free man town", das bleibt einfach sofort hängen, bohrt sich unwiderstehlich seinen Weg in die Gehörgänge. Die Neo-Hippies im Laden hatten jedenfalls ihre helle Freude, grinsten über beide Ohren als dieser Song performt wurde.


Am nächsten Tag im wesentlich größeren Café de la Danse hatten Haight-Ashbury dann auch ein Schlagzeug dabei, daß Jenny (diesmal in ein schickes rotes Kleid gehüllt) im Stehen spielte. Der Sound war logischerweise satter und lauter, die Bedingungen professioneller, die Versionen näher an dem dran, was man auf den mitunter noisigen CDs hören kann. Schade, daß die Band nur gut 30 Minuten Spielzeit zur Verfügung gestellt bekam, ich hätte ihnen definitiv noch länger zuhören können.

Eine starke Gruppe mit vielen guten Songs! Verpasst ihre Konzerte in Deutschland nicht!

Setlist Haight-Ashbury, La Fabrique des Balades Sonores, Paris:

01: Little Birds
02: Sophomore
03: Everything Is Possible
04: Freeman Town
05: Moondogs
06: She Is So Groovy ' 86

Deutsche Konzerttermine von Haight-Ashbury:

22.05.2012: Roter Salon, Berlin
23.05.2012: Tower Musik Club, Bremen
24.05.2012: Merlin, Stuttgart
25.05.2012: Ostpol, Dresden
26.05.2012: Hafen 2, Offenbach
27.05.2012: Theatron Olympiapark, München


Aus unserem Archiv:

Haight-Ashbury, Saint Ouen, 29.01.12



Donnerstag, 26. April 2012

Happy New Year, Paris, 24.04.12

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Konzert: Happy New Year

Ort: La Fabrique des Balades Sonores, Paris
Datum: 24.04.12
Zuschauer: etwa 20-25


Sehr coole Sache schon wieder. Happy New Year, ein spannendes Noisepop Trio aus New York machte in der winzigen Fabrique der Balades Sonores wahnsinnigen Krach und sorgte sogar dafür, daß sich Nachbarn telefonisch beschwerten. Das führte zwar nicht zum Abbruch, wohl aber zu einer Verkürzung des tollen Auftritts.

Auf winzigem Raume hatten die Amis ihre vielen Apparaturen aufgebaut und sogar ein richtiges Schlagzeug Kit untergebracht. Angeführt von der massiv am Arm tättowierten sexy Frontlady Eleanor Logan begeisterten Hapy New Year mit düsterem, experimentellen und bisweilen klaustrophob klingenden Avantgarde Pop.

Besonders gelungen war ihre auch auf Vinyl erhältliche Single Gold Medaillon, die einen New Orderschen Bass, wummernde Synthies und verhallten Gesang in die Wagschale zu werfen zu hatte.




Twins hingegen klang deutlich verzerrter, metallischer, sperriger, aber nicht weniger faszinierend. Irgenwie schafften es die Amerikaner kleine Melodien in den reichen Klangteppich mit einzubauen.




Das Iggy Pop Cover The Endless Sea fiel aber leider dem vorzeitigen Konzertabbruch zum Opfer. Man kann es sich jedoch in Ruhe auf Bandcamp (oder gleich hier bei uns!) anhören.




Eine aufregende Band, diese Happy New Year, obwohl es wohl eher das alleinige Projekt von Elanor Logan ist.

Das Trio spielt übrigens auch in Deutschland. Am 25. April 2012 in München, am 26. April 2012 im Berliner King Kong Club.

Setlist Happy New Year, Fabrique des Balades Sonores, Paris

01: Cranes
02: Summer
03: Gold Medaillon
04: Winter Sun
05: Movies



Mittwoch, 25. April 2012

Arlt & Mariee Sioux, Paris, 22.04.12

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Konzert: Arlt & Mariee Sioux

Ort: La Fabrique des Balades Sonores
Datum: 22.04.2012

Zuschauer:mindestens 30, für den kleinen Laden waren das sehr viele
Konzertdauer: jeweils etwa 35-40 Minuten



Arlt gehören zu jener kleinen Gruppe französischer Bands, die ich noch nie gesehen hatte. Viele French-Poper- und Folker sind mir in den letzten Jahren nicht durch die Lappen gegangen und wenn dann hatte ich in der Regel keinen Bock ihre Konzerte zu besuchen.

Bei Arlt war das anders. Die Musik, die ich von ihnen kannte, mochte ich, ich kam lediglich nie dazu, einen ihrer Auftritte zu sehen.

Heute nun endlich die Gelegenheit Versäumtes nachzuholen. Tatort war der kleine Laden der Ballades Sonores, in dem immer häufiger kurze Gratiskonzerte veranstaltet werden. Viele Leute passen in den CD-und Klamottenshop nicht rein und so war es auch heute wieder proppenvoll in der "Fabrique." Aber Arlt bewiesen sehr viel Talent beim Performen auf engem Raum. Sängerin Eloise Decazes sang sogar oft genau vor oder zwischen den Leuten, wobei ihre verträumten Blicke anscheinend ins Leere gingen. Sie verstand sich auf ein sehr theatrales Spiel, agierte wie im Halbschlaf bzw. wie eine Traumwandlerin. Ihre hübschen blaßblauen Augen waren weit geöffnet, schauten aber niemand Bestimmten an. Auch ihr männlicher Partner Sing Sing sang und konterte jeweils ihre Parolen, so daß ein verführerisches Spiel entstand, daß wie ein Liebeswerben erschien. Man neckte und man bezirzte sich, näherte sich an, um dann wieder auf Distanz zu gehen und so weiter und so fort.

Die beiden Franzosen sangen in ihrer Landessprache und erinnerten mitunter an alte Größen des Chanson wie Brassens, Brigitte Fontaine, Barbara oder auch Serge Gainsbourg, obwohl ihrer folkig/bluesigen Musik auch eine moderne und internationale, bisweilen gar noisige Note innewohnte. Sie hatten auch noch einen dritten Musiker dabei, keinen Geringeren als Mocke Depret, der männliche Part des berühmten gemischten Duos Holden, der ganz im Hintergund E-Gitarre spielte, während Sing Sing vorne auf der Akustischen zupfte. Eloise spielte kein Instrument, sie konzentrierte sich auf ihren Gesang und ihre ausdrucksvolle Gestik und Mimik.

Gespielt wurden Chansons von beiden Alben, dem Erstling La Langue (2010) und dem nagelneuen Werk Feu La Figure, dessen Erscheinungstermin auf den 23. April festgelegt ist. Eher spartanisch instrumentierte Lieder, die deshalb auch unter den heutigen Konditionen gut reproduziert werden konnten. Arlt brauchen nicht viel technischen Schnickschnack um ihre Musik zu spielen, da lebt vieles von den beiden Stimmen (ihre sinnlich hoch, seine tief brummelnd), der sinnlich- melancholischen Grundstimmung, dem akutischen Guitarpicking von Sing Sing.


Aber ihre neuen Stücke schienen mir rauer, aggresiver zu sein, mehr Drive zu haben. Le Pistolet z.B, kam ganz schön gepeffert rüber. Die Lieder zum Schwofen wie Chien Mort, Mi Amor sind allerdings geblieben,obwohl die Elektrische von Mocke im Klangbild immer wichtiger zu werden scheint.

Arlt - Chien Mort, Mi Amor (7'' version) by AlmostMusique



Eine älteres Lied namens Je voudrai être mariée hatte einen ganz besonderen Text zu bieten. Da sang Elise eindringlich von dem Wunsch verheiratet und schwanger zu sein, sagte aber hinter schmunzelnd, daß sei nicht umbedingt auf sie anzuwenden.

Arlt - Je voudrais être mariée by AlmostMusique

Das dicht an dicht stehende Publikum zeigte sich enorm begeistert und applaudierte regelmäßig lang und ausdauernd und stürzte sich auf die neue CD, die es exklusiv bereits hier einen Tag vorher gab. Ich ging allerdings leer aus, alle Exemplare waren ruckzuck ausverkauft.

Arlt muss ich mir unbedingt noch eimal ansehen! Am 16. Mai im Café de la Danse wird hierzu die Gelegenheit sein.


Danach leerte sich der Shop etwas und ein paar Leute zogen schon ab. Da gerade die Sonne schien, bat man die Kalifornierin Mariee Sioux doch einfach draußen vor der Türe zu spielen. Da wiegelte sie aber sofort ab, sie ist wohl wärmere Temperaturen gewöhnt. Statt in der Pariser Aprilkälte zog es die 27 Jährige vor, im kuscheligen Inneren zu bleiben, wo sie es sich auf einer urigen Kommode bequem machte. Ihre beiden männlichen Mitmusiker halfen ihr erneut bei den meisten Liedern aus. Ihr Lebensgefährte Sean Kae spielte Autoharp, der Halbhandschuhe tragende Jeff Mason Bass. Die performten Songs enstprachen weitestgehend denjenigen, die sie auch in anderen Showcases gespielt hatte, allerdings klang kein Set genau wie das andere. Die jeweilige Interpretation wurde immer etwas variiert, so daß es nie langweilig wurde. Ein Stück, daß ihr offensichtlich sehr wichtig war, war Old Magic. Es sei ihrer Heimat Kalifornien gewidmet und handelte textlich von Delphinen, Elch-Zähnen und Schlangen, was ihren starken Bezug zur Natur-und Tierwelt unterstrich (die Lyrics von Mariie Sioux handeln oft von Schlangen, vermutlich auch im übertragenen Sinne).


Einen besonderen Bonus gab es mit Two Tongues. Dieses wundervolle Stück spielte sie im Rahmen ihrer fünf Paris-Konzerte nur hier heute und tat mir damit einen großen Gefallen, denn ich hatte es besonders beim Auftritt im Café de la Danse vermisst.

Insgesamt ein ganz toller Showcase mit zwei Acts, die beide beim hervorragenden französischen Label Almost Musique unter Vertag stehen.

Setlist Mariee Sioux @ Fabrique des Balades Sonores

01: Homeopathic
02: Ghosts On My Heart
03: Swimming Through Stone
04: Flowers & Blood
05: Old Magic
06: Two Tongues

- Sehr lesenswert: das Klienicum zu Arlt.




 

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