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Dienstag, 12. November 2019

Blood Red Shoes, Amsterdam, 09.11.19

1 Kommentare

Konzert: Blood Red Shoes
Ort: Melkweg (alter Saal), Amsterdam
Datum: 09.11.2019
Dauer: knapp 90 min
Zuschauer: 700 (ausverkauft)



Vor zehn Jahren waren drei Berichte von Blood-Red-Shoes-Konzerte innerhalb von kurzer Zeit auf unserer Seite keine Besonderheit, das britische Duo gehörte damals zu unseren Top-Bands. Als ich sie diesen Oktober als Vorgruppe der Pixies wiedersah, standen da zwar zwei zusätzliche Personen auf der Bühne, am Stil und der Energie eines BRS-Konzerts hatte sich aber im letzten Dreiviertel-Jahrzehnt nichts verändert.* Warum also nicht wieder einmal ein komplettes Konzert der Engländer sehen? 


Als Pixies-Support hatten die Blood Red Shoes fast nur neue Lieder, also Stücke ihrer aktuellen Platte und die 2018er Single God complex gespielt. Einzig mir bekanntes Lied war Colours fade am Ende. Im ausverkauften Melkweg (alter Saal - 700) begann das Konzert genau wie die beiden Pixies-Abende mit Elijah, God complex und Mexican dress. Dreimal neu, dreimal unverkennbar Blood Red Shoes, auch wenn die zusätzlichen Instrumente Bass und Keyboard anderes befürchten ließen. Bassistin Lindsay Williams** und Keyboarder James Allix verschwanden aber nach Stück Nummer drei schon wieder und hatten lange Pause. Zehn Lieder lang Pause. Eine pragmatische Lösung, die ich so bei einem Konzert mit Gastmusikern noch nicht erlebt habe, die aber - da das Repertoire der Band sehr homogen ist - musikalisch keine Probleme bereitet hat, es gab keine Brüche, keine langweiligen Phasen.


Weil ich (in Deutschland) überdurchschnittlich groß bin, standen wir am Rand, ein Konzert-Reflex. Niemand mag den großen Typen in der ersten Reihe. Im Melkweg kam ich mir vor wie John Stockton im Kader der 1997er Utah Jazz, groß, im Vergleich zu allen anderen aber winzig. Ein anderer sofort bemerkbarer Unterschied zu deutschen Konzerten: das Publikum tanzte und pogte sehr viel mehr. Und es rief "AC/DC" rein.

Zu Vertigo vom aktuellen Album Get tragic kamen Lindsay und James zurück. Nur unterbrochen vom großartigen When we wake - ich liebe dieses langsame Ansteigen des Songs - folgten jetzt die fehlenden neuen Lieder, bevor zu den ersten anderthalb Zugaben wieder nur Laura-Mary und Stephen zurückkamen. Erst ins Ende von I wish I was someone better stiegen die beiden Verstärkungen ein. Colours fade hatte wenigstens James schon geübt, es schloss auch die Konzerte mit den Pixies ab.


Natürlich schleift sich alles ein wenig ab, es spricht aber objektiv wirklich nichts dagegen, eine Band nach 15 Konzerten auch noch ein sechzehntes mal zu sehen, wenn sie denn Spaß macht.

Setlist Blood Red Shoes, Melkweg, Amsterdam:

01: Elijah
02: God complex
03: Mexican dress
04: Light it up
05: Cold
06: Don't ask
07: The perfect mess
08: Lost kids
09: This is not for you
10: Red River
11: Je me perds
12: An animal
13: Black distractions
14: Vertigo
15: When we wake
16: Eye to eye
17: Howl
18: Bangsar

19: It's getting boring by the sea (Z)
20: I wish I was someone better (Z)
21: Colours fade (Z)

Links:

- aus unserem Archiv:


- Blood Red Shoes, Luxemburg, 17.10.19
- Blood Red Shoes, Köln, 07.10.19
- Blood Red Shoes, Köln, 27.08.16
- Blood Red Shoes, Paris, 24.08.14
- Blood Red Shoes, Mannheim, 19.05.12
- Blood Red Shoes, Haldern, 14.08.10
- Blood Red Shoes, Köln, 23.03.10
- Blood Red Shoes, Paris, 09.12.09
- Blood Red Shoes, Frankfurt, 28.10.09
- Blood Red Shoes, Düsseldorf, 22.10.09
- Blood Red Shoes, Nijmegen, 19.07.09
- Blood Red Shoes, Köln, 04.11.08
- Blood Red Shoes, Highfield, 17.08.08
- Blood Red Shoes, Melt!, 18.07.08
- Blood Red Shoes, Montreux, 15.07.08
- Blood Red Shoes, Evreux, 28.06.08
- Blood Red Shoes, Berlin, 06.05.08
- Blood Red Shoes, Köln, 28.04.08
- Blood Red Shoes, Paris, 09.11.07
- Blood Red Shoes, Köln, 16.10.07
- Blood Red Shoes, Paris, 08.06.07
- Blood Red Shoes, Paris, 08. und 09.06.07
- Blood Red Shoes, Paris, 06.03.07
- Blood Red Shoes, Köln, 11.03.07


* mein Konzert 2016 hatte ich komplett vergessen. Warum führe ich eigentlich Tagebuch?
** vermutlich! Bei den beiden Support-Konzerten war die Bassistin der Savages Teil der Blood Red Shoes





Dienstag, 20. Mai 2008

Konzertrückblick: Angels & Airwaves, Amsterdam, 20.04.08

2 Kommentare

Konzert: Angels & Airwaves
Ort: Melkweg, Amsterdam
Datum: 20.04.2008
Zuschauer: ausverkauft
Konzertdauer: 110 min.


Man nehme einen Teil Blink 182, eine Teil Boy Car Racer, eine Teil The Offspring und etwas 30 Seconds to Mars. Herauskommt so etwas wie eine Supergruop des Punk oder so ähnlich. In diesem Fall heißt die Supergroup Angels & Aiwaves. Stimme des illusteren Haufens ist Tom DeLonge, der schon Blink 182 seine Stimme lieh und mit dieser Combo auch den ein oder anderen Hit verbuchen konnte. Blink 182 gehören für mich bis heute zu den miesesten Livebands ever! Aber, jeder verdient eine zweite Chance, wenn er Besserung gelobt und mit I-Empire legt der 4er aus Kalifornien auch ein schniekes Album vor, was, so darf ich sagen, einem in jeder Lebenslage ein Lächeln aufs Gesicht zaubert (am eigenen Leib getestet).

Nachdem wir den Nachmittag am Strand und somit eine Art Kurzurlaub verbracht haben, betreten wir so gegen 18 h Amsterdam. Noch ein wenig Shopping und dann reichen wir uns auch in die Reihe der Wartenden vor dem Melkweg. Und wo sich manch ein deutscher Veranstalter schon mit einem Konzert am Abend schwer tut, da legt der Niederländer dann mal so richtig vor. Heute Abend spielen gleich 2 Bands in 2 verschieden Sälen im Melkweg und im Kino gibt es auch noch was zu sehen! Der Einlass beginnt um 19:30 h - zivilisiert und geordnet durch eine Tür!!!

Das Melkweg ist (wie auch das dazugehörige Paradiso) ein wunderschönen Laden, wie ich immer wieder empfinde. Ich kann jeden Künstler verstehen, der immer wieder hierher gerne kommt anstelle sich die heruntergekommenen Clubs in unserer Heimat zu geben. Pünktlich um 20h geht es los und die holländische Vorband DI-RECT betritt die Bühne. Der Holländer an sich scheint dabei eine merkwürdige Art der Sympathiebekundung zu besitzen, denn erst einmal fliegen Bierbecher ohne Ende auf die Band zu, feiern tun sie dann aber trotzdem. Am Ende des Sets springt dann der Sänger in die tobende Meute, Auftrag erfüllt!

Dann beginnt die Crew allen möglichen Schnick Schnack auf die Bühne zu karren. Keyboards, Synthies, Effekte (wozu Matthew Wachter an diesem Abend eine VoiceBox braucht bleibt mir weiterhin ein Geheimnis), mehrere MAC’s und irgendwer hängt etwas was aussieht wie alte Kartoffelsäcke an Masten usw. Es dauert wesentlich länger als die üblichen 30min. bis man mit dem Rumräumen fertig ist. Dann wird es dunkel und im Saal bricht ohrenbetäubendes Gekreische aus, kleine Mädchen auf deren Backen TOM mit einem Herzchen verziert prangert drängeln sich zur Bühne und das Blitzlichtgewitter auf dieser wird vom Saal her erwidert. Die Band betritt den Ort des Geschehens, ihnen werden die Instrumente gereicht und im Falle Tom, gibt er dieses auch nach zwei Akkorden wieder ab um zu Singen. An dieser stelle wird dann auch recht schnell klar, was dem guten Tom DeLonge bei Blink 182 gefehlt hat: AUSDRUCKSTANZ!!!

Ja genau Ausdruckstanz, denn Tom muss Walldorfschüler gewesen sein, er tanzt uns nämlich gleich mal seinen Namen vor. Im Laufe des Abends tanzt er auch div. andere Begriffe vor und übt sich in Gesten à la Bono, er geht aber nicht soweit und holt sich wie dieser eines der kleine ihn anhimmelnden Girlies auf die Bühne. Der Höhepunkt seiner tänzerischen Darbietungen an diesen Abend ist der Moonwalk! Aber zurück zum wesentlichen, zur Musik, weswegen wir doch eigentlich hier sind – jedoch fällt es unheimlich schwer, sich auf diese zu konzentrieren, wenn vorne auf der Bühne irgendwer so rumhampelt.

Der Sound klingt anfangs nicht so dolle, wird aber im Lauf des Abends immer besser. Die Lightshow ist für die Verhältnisse und den kleinen Raum (2000 Zuschauer) wirklich sehr beeindruckend und Toms Mitstreiter geben wirklich Ihr bestes, um einen einigermaßen guten Sound zu fabrizieren. Tom selber spielt nur noch selten ein Instrument, er singt und tänzelt anscheinend viel lieber. Die Songs von I-Empire kommen live sehr gut rüber und wirken nicht künstlich oder gekünstelt dargeboten. Zu ‚Breath’ erscheint Tom mit Laserbrille und nachdem er sie los ist, hat er eine Art überdimensionales DOT-it in der Hand und tänzelt damit selbstverliebt über die Bühne.

Nach dem Ende des regulären Sets gibt es ‚Star of Bethlehem’ wobei erst einmal Matthew Wachter die Bühne betritt und sich vor eine Kiste kniet. Er beginnt damit auf Tasten zu drücken, langsam erscheinen leuchtende Punkte auf der viereckigen Kiste. Am Ende sieht das ganze ungefähr so aus wie eine virtuelle Drehorgel, so etwas habe ich dann auch noch nicht gesehen und es ist spannend Matthew beim Programmieren zuzuschauen. Der Rest der Band kommt nun dazu und gemeinsam beginnt man ‚True Love’ zu spielen. Dann gibt es noch ‚Sirens’ und dann ist auch schon der erste Zugabenblock durch. Tom tritt dann noch mal auf die Bühne erklärt dem Publikum noch mal wobei es überhaupt bei Angels & Airwaves geht und verkündet das man binnen des nächsten Jahr wieder zurück wäre, dann wieder mit neuem Album im Gepäck. Dann noch zwei Songs und das war’s. Beim Verlassen des Melkwegs merken wir noch, dass wir nicht die einzigen Deutschen sind, die diesem Konzert beiwohnten und ab geht es durch die Nacht in die Heimat …

von O.S.



 

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