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Sonntag, 20. November 2011

Loney Dear, u.a., Paris, 19.11.11

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Konzert: Loney Dear (Dillon, Oscar & The Wolf)
Ort: La Flèche d'or, Paris Datum: 19.11.2011
Zuschauer: am Anfang recht leer, zu Loney, Dear viele, etwa 400
Konzertdauer: Loney Dear: 50 Minuten die anderen kürzer



Es war fast als würde Emil Svanängen aka Loney, Dear heute noch einmal bei null anfangen. Jener Mann, der mit seiner Band in der Vergangenheit schon im renommierten Pariser Olympia und auf der Hauptbühne des Haldern Pop Festivals geglänzt hatte, kam nur in Begleitung seiner Backgroundsängerin Susanna Johansson (wo war Malin Stahlberg? Sie fehlte mir heute!) aber ohne Drummer oder Bassist und mit reduziertem Instrumentarium. In Socken mühte sich der etwas fülliger gewordene Schwede redlich ab, um seine melancholischen Balladen in die Herzen seiner Zuhörer zu befördern, scheiterte aber mehrfach an Konzentrationsschwächen und stimmlichen Ungenauigkeiten. Ungewohnt oft brach er Songs in der Mitte ab, entschuldigte sich für seine Patzer und setzte laut seufzend erneut an. Statt einer ausgewachsenen Band, benutzte er heute sehr häufig die bei mittellosen Musikern in Mode gekommene Looptechnik, war aber auf diesem Felde noch keineswegs sicher. Ziemlich verzweifelt schaute der lausbubenhafte Schwede deshalb oft ins Rund und man merkte, daß er heute dringend moralische Unterstützung brauchte. Ein paar Fans riefen daraufhin: "Emil, we love you" und der Angesprochene reagierte mit einem: I love you too, that's why I want to make this song to sound better."

Svanängen wiederholte also notgedrungen einige Stücke, konnte sich aber bis zum Schluß nicht richtig freischwimmen und verpatzte auch die abschließende Ballade Dear, John. Allerdings wusste er sich immer zu helfen, improvisierte, baute sogar in Dear John eine kurze Passage von Warm, Dark, Comforting Night mit ein, nur um kurz später wieder zu dem eigentlichen Song zurückzukehren. Er kam heute wirklich über den Kampf ins Spiel, anders kann man das gar nicht sagen. Besonders auffällig wurde das bei dem Stück My Heart, zu dem er am Ende im Sitzen Schlagzeug spielte und rackerte wie ein Minenarbeiter. In seinem engen weißen Hemd schwitzte er wie verrückt, gab aber dennoch alles und legte wahnsinnig viel Leidenschaft in seinen Gesang. Die tarzanhaften vokalen Eskapaden gingen mir durch Mark und Bein, nachdem ich über weite Teile des Konzertes eher mit unbewegter Miene da stand und mich fast ein wenig langweilte, da ich die neuen Stücke des aktuellen Albums Hall Music noch nicht kannte. Am Ende hatte mich aber Emil doch wieder gepackt, weniger als Musiker denn als Mensch mit sympathischen Schwächen und Unzulänglichkeiten. Gerade dies mitzuerleben war berührend und führte mir vor Augen, welch ein schwieriges Leben Indiemusiker führen. Schlafen meistens in schlechten Hotelbetten, verreisen auf unkomfortable Weise, verdienen nicht viel Kohle, sind ständig müde und ausgepowert und legen dennoch ihr ganzes Herzblut in ihre Konzerte. Das ist of purer Idealismus, aber trotzdem in jeder Hinsicht so viel mehr bereichernd als ein Leben, das nur auf schnöden Konsum ausgerichtet ist. Insofern gehören diese Künstler eigentlich unter Artenschutz, denn sie machen uns Fans Geschenke, die kaum wertvoller sein könnten: sie bringen uns zum Träumen, Lachen, Weinen. Und Loney Dear hat ein ganz besonderes Talent Emotionen zu schüren, weil er so unverblümt und ungekünstelt auftritt, ohne Netz und doppelten Boden arbeitet und so viel mit uns teilt. Seine Lieder sind manchmal erheiternd und hoffungsspendend, manchmal aber auch sehr trist und verzweifelt, immer aber authentisch und herzerwärmend.

Loney, Dear ist ein ganz Großer, auch an einem eher schwachen Tag wie heute in Paris! Danke dir Emil, du Träumer, du Melancholiker, du Idealist!

Setlist Loney, Dear, La Flèche d'or, Paris (merci à Philippe D.)

01: Name
02: Violent
03: Saturday Waits
04: Young Hearts
05: D Major
06: Calm Down
07: Loney Blues
08: My Heart

09: Sinister In A State Of Hope
10: Dear John

Aber Loney, Dear war heute nicht der Einzige, der auftrat. Zuvor hatten sich bereits die Deutsche Dillon und die Belgier Oscar & The Wolf dem Publikum gestellt.

Von Dillon bekam ich aber nur 3 Lieder mit.

Ein Mädchen mit motziger, kleimädchenhafter Björkstimme, die wie eine Kreuzung aus Björk (logisch nach dem Zuvorgesagten!), Soap & Skin, Lykke Li und Zola Jesus wirkte. Sie spielte bei schummrigsten Licht zusammen mit einem männlichen Mitmusiker und hat mit ihrer Show zumindest meine Neugierde geweckt. Mein erster, zwangsläufig oberflächlicher Eindruck ist aber: die Hamburgerin Mohna bewegt sich stilistisch auf einem ähnlichen Feld, gefällt mir aber besser und bekommt dennoch deutlich weniger Aufmerksamkeit geschenkt. Legt statt dem Album This Silence Kills also lieber 1985-1994 auf.

Die Flamen Oscar & The Wolf schließlich spielten heute zwischen Dillon und Loney, Dear und sagten mir auf Anhieb zu. Ihr an Damien Rice oder Moddi (der Gesang!) erinnernder Melancholiefolk klang zwar nicht unbedingt neu und originell, besaß aber genügend Tiefgang und Anmut, um zu betören. Und am Ende legte die um eine Blondine aufgelockerte Männerband mehr als einen Zahn zu und wurde richtig rockig und psychedelisch. Insgesamt: beobachtenswert. Ich könnte sie mir gut auf dem Haldern Pop 2012 vorstellen. Nein mehr noch: ich wette, daß Oscar & The Wolf 2012 in Haldern spielen!

Konzerttermine Dillon:

07.12.2012: Studio 672, Köln
09.12.2012: Karlstorbahnhof, Heidelberg
12.12.2012: Moods, Zürich,
13.12.2012: Künstlerhaus,Mousonturm, Rocker 33, Stuttgart

Unbedingt diese grandiose Akustiksession von Loney, Dear ansehen! Sie stammt von le-hiboo.com





Aus unserem Archiv:

Loney, Dear, Paris, 03.07.10
Loney, Dear, Paris, 02.07.10
Loney, Dear, Haldern, 14.08.09
Loney, Dear, Paris, 03.03.09
Loney, Dear, Paris, 18.01.09
Loney, Dear, Köln, 12.11.08
Loney, Dear, Haldern, 08.08.08
Loney, Dear, Frankfurt, 11.05.08
Loney, Dear, Paris, 12.11.07
Loney, Dear, Haldern, 04.08.07
Loney, Dear, Paris, 15.05.07

Dillon, Wien, 29.03.10
Dillon, Köln, 04.03.10
Dillon, Köln, 17.05.08




Mittwoch, 29. Februar 2012

Loney Dear, Wien, 23.02.12

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Konzert: Loney Dear & Bird People
Ort: rhiz, Wien
Datum: 23. 02. 2012
Zuschauer: ganz ok, etwa 70
Dauer: 70 Minuten Loney Dear

Wieso heißt Loney Dear eigentlich nicht Lonely Dear? Und wieso war er bis jetzt noch nie in Wien gewesen? Alles Fragen, auf die man auch bei einem Konzert des Schweden keine Antwort erwarten darf, dafür um einiges Relevanteres: ausgezeichnete Musik etwa oder eine angenehme Atmosphäre.
Am Haldern 2009 hatte ich den Herrn, der ja absoluter Stammgast am gemütlichsten Wochenende des Sommers ist, bereits einmal gesehen - Loney Dear with friends hieß das damals und sinnigerweise verstärkte eine Hand voll Instrumentalisten (darunter auch Patrick Watson) den Schweden und hinterließ einen höchst formidablen Eindruck.

Als ich gegen zehn ins rhiz kam, spielten aber noch Bird People und eigentlich wäre hier der Singular angebracht, denn grundsätzlich ein Kollektiv, war heute nur ein Bird anwesend, der es sich
auf einem Stuhl vor der Bühne mit seiner Gitarre gemütlich gemacht hatte. Seine Darbietung löste ihn mir eher ambivalente Gefühle aus. So gut ich das Material der Band finde, so einschläfernd fand ich heute die gespielten Songs. Der Begriff "psychedelisch" wurde hier wirklich bis zum Anschlag ausgereizt, ein anderer ("dramaturgisch") dagegen völlig außen vor gelassen. Kurzes Fazit: der Single Bird spielte reduzierte Musik auf einer Wellenlänge, auf der ich einfach nicht war an diesem Abend. Vielleicht beim nächsten Mal, eigentlich gefallen mir die veröffentlichten Sachen ganz gut.

Die Umbauphase war sehr kurz, es gab auch nicht besonders viel aufzubauen und so stand Emil Svanängen sehr bald auf der Bühne, ihm zur Seite war eine junge Frau gestellt, Susanna, wie sich noch herausstellen sollte. Der Platz vor der Bühne war gut gefüllt, wenngleich längst nicht voll - gerade so, dass man angenehm stehen konnte und überall gute Sicht hatte.
"I want your name/I want your name next to mine", erklang es dann auch schon in der charakteristischen hohen Stimme Emils, die mich immer wieder nett an die eines Kinderliedes oder einer Zeichentrickserie erinnert.
Dann folgte I was only going out, fast schon ein Klassiker im Repertoire des Skandinaviers, Loney Blues war dann wieder ein neuer Song.

Dann stellte Emil Susanna vor und kündigte an, dass der nächste Song erstmals duetthaft werden würde, Violent nämlich. Gelang auch großartig, einzig die Belüftungsanlage schien Emil zu stören, er versuchte auf mehrere Art, den Techniker zum Abschalten der Anlage zu bringen. In der Tat war diese heute ziemlich laut zu hören, was nicht zuletzt auch an der bewusst geringen Lautstärke Loney Dears lag. Das gelang auch irgendwann, just in dem Augenblick als die U6 über das rhiz ratterte. Emil schmunzelte und verlieh der Linie das Prädikat ("indie"). Nach dem nächsten Song teilte er dann seine Beobachtung mit dem Publikum, wie ähnlich das sanfte Schlagzeugspiel mit Paukensticks und das Geräusch einer 100-Tonnen-Garnitur über den Köpfen sei.

Dann spielte er sich als Multiinstrumentalist und Loop-Künstler weiter durch sein Set aus Klassikern, neuen Songs und (zumindest von mir) zuvor weniger beachteten Perlen, erntete große Zustimmung und Zuneigungsbekundungen aus dem Publikum und gab die eine oder andere Geschichte zum Besten. Von denen ich zwar viele schon wieder vergessen habe, aber der Gesamteindruck ist unverändert: Loney Dear ist kein Entertainer, sondern ein hervorragender Gastgeber, der einfach (und das ist gar nicht so einfach) will, dass sich seine Gäste rundherum wohl fühlen.

Aber irgendwann musste auch Schluss sein, die beiden verabschiedeten sich und verließen die Bühne. Zurück kam nach durchaus heftigem Applaus erstmal nur Emil, der mit Dear John die Glut am Lodern hielt. Wie gut es ihm Wien gefalle, sagt er dann und irgendwie kam er dann auf die Verschiedenheit des europäischen Publikums zu sprechen und vom Hundertsten aufs Tausendste gekommen, fragte er in die Runde, ob denn Franzosen anwesend seien, ansonsten würde er sich mal über diese auslassen (Oliver, du hast das nicht gelesen). Ein frankophoner Jüngling ganz hinten bejahte das und setzte eine ausführlichere Replik dran, die ich nicht verstand. Emil lachte und meinte, dass ihm Franzosen jedenfalls immer noch lieber seien, als Engländer. Woraufhin sich jemand aus England zu Wort meldete, aus Brighton genau, wie sich auf Nachfrage herausstellte. Brighton gelte eh nicht, meinte Emil dann, da dort seine Eltern immer Urlaub gemacht hätten. Ganz fürchterlich seien jedenfalls die Liverpooler...
Er redete sich um Kopf und Kragen und konnte sich mit den geernteten Lachern doch sicher sein, dass jeder diesen Exkurs richtig - nämlich ironisch - verstanden hatte.

Derart zufrieden gab es dann einen Nachschlag, nachdem jeder brav und gern zusammengegessen hatte, Emil rief nach Susanna, die kämpfte sich wieder nach vorne und gemeinsam gaben sie Sinister in a State of Hope zum Besten. Damit endete dann ein sehr kurzweiliger und von positiver Stimmung geprägter Abend, eine Einladung an den Merchandisingtisch folgte noch, und falls jemand kein Geld verdiene, dann ließe sich da doch sicher auch was machen... Ein höchst sympathischer Bursche, dieser Schwede (auch wenn auf seiner Bandpage "rhiz Vienna, Australia" angegeben war), der einfach tolle Musik macht und einen Abend mit guter Laune füllen kann. Es hat definitiv schon Bands mit schlechterem Preis/Leistungs-Verhältnis gegeben! (Beispielsweise zehn Kilometer weiter, Justice im Gasometer *hust*). Tack, Emil!

Setlist Loney Dear, rhiz, Wien:

01: Name
02: I was only going out
03: Loney Blues
04: Violent
05: Young Hearts
06: I am John
07: Harm
08: My Heart
09: Airport Surroundings
10: Saturday Waits

11: Dear John (Z)
12: Sinister in a State of Hope (Z)


Aus unserem Archiv:

Loney, dear, Paris, 27.01.12
Loney, dear, Paris, 19.11.11
Loney, dear, Paris, 03.07.10
Loney, dear, Paris, 02.07.10
Loney, dear, Haldern, 14.08.09
Loney, dear, Paris, 03.03.09
Loney, dear, Paris, 18.01.09
Loney, dear, Köln, 12.11.08
Loney, dear, Haldern, 08.08.08
Loney, dear, Frankfurt, 11.05.08
Loney, dear, Paris, 12.11.07
Loney, dear, Haldern, 04.08.07
Loney, dear, Paris, 15.05.07

Danke für das Bild an David Avazzadeh!

Dienstag, 2. August 2016

Haldern Pop, Vorbericht, 11.-.13.08.2016

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Konzert: Haldern Pop
Ort: Rees-Haldern
Datum: 11.-13.08.2016
Dauer: 3 Tage
Zuschauer: 5.500


Für viele von uns beginnt nächste Woche wieder das schönste Wochenende nach Weihnachten. Es ist Haldern-Zeit.

Nach dem etwas unvollendeten Samstag im letzten Jahr (Regen, Regen und besonders viel Regen) könnte es ja gerade in diesem "Sommer" mit besserem Wetter funktionieren. Das Line-Up (diesmal mit zusätzlicher Hauptbühnenöffnung am Donnerstag wegen des Damien Rice Auftritts) kommt dieses Jahr eher etwas entspannter und bekannter daher. 



Mittlerweile sind auch poppigere Acts keine Ausnahme mehr. Das hat natürlich auch mit den diversen Spielorten zu tun. Auftritte in der Kirche wirken eben ganz anders als auf der Hauptbühne. Und so ist gerade "Elias", dessen Durchbruch nun wirklich ganz kurz bevor steht, im Spiegelzelt mit Sicherheit ein Erlebnis. 

Genauso wie auch, die schon mit bereits ausverkaufter Live Music Hall nachweislich erfolgreichen "Walking on Cars", die man wohl danach auch nicht mehr in so kleinem Rahmen erleben wird. 

Besonders freuen wir uns auf "Michael Kiwanuka", der mit Love & Hate ja jetzt schon fast die Jahresbestenlisten für sich entschieden hat. Hoffentlich lässt er auch hier, genau wie beim "Down the Rabbit Hole Festival", seine große Band aufspielen. Diese verleiht den Songs die Eleganz, die sie auf Platte so erstrahlen lassen. 

"Sara Hartman", "Drangsal", "Daughter", "Minor Victories", "Algiers" und "Die Nerven" haben wir bereits im Mai bei "Maifeld Derby" bewundern dürfen, gute Livequalitäten haben alle.

Glen Hansard kehrt auf die Hauptbühne zurück. Nach dem viel zu kurzen Set vor drei Jahren, kann er dieses Mal ja alle anderen Hits seiner diversen Bands spielen. Hoffentlich sind Van`s "Astral Weeks" und die Bowie-Cover auch dabei.  

Wer glaubt schon alles gesehen zu haben (das sind beim Haldern einige), geht zu später Stunde natürlich zu den südkoreanischen Fusionrockern von "Jambinai".

Eine echte Indie-Rock-Band gibt es zwischen all dem auch noch, "The Besnard Lakes" haben mit A Coliseum Complex Museum ein tolle Platte veröffentlicht und klingen mal wie Grandaddy oder die Delgados, auf jeden Fall aber toll.

"Alex Vargas", "Läpsley" und "Jack Garratt" sind die angesagten Bands der Stunde, GoGo Penguin (auf der Hauptbühne !), Fai Baba, Melanie de Biasio und Julia Holter die heimlichen Stars, und das Spektakel von "Ebbot Lundberg & the Indigo Children" sollte jeder gesehen haben.

Dazu noch starke Newcomer wie Whitney, Ala-ni und Woman. Alte Haldern-Hasen wie Frightened Rabbit, Loney Dear, The Strypes, und natürlich der "hauseigene" Chor Cantus Domus und das Orchester von stargaze runden ein Programm ab, das eigentlich gar nicht nötig wäre.

Denn so viele Freunde wie beim Haldern trifft man selten im Jahr. Und zu erzählen gibt es immer viel, meistens vom letzten Jahr, wo man auch wieder zu wenig Zeit zum Quatschen hatte. 

Und so ist selbst die verhasste Schlange vor dem Spiegelzelt noch für etwas gut: Sie zwingt zur Ruhe und Einkehr vom oft so straffen Minutenplan der gefalteten Zeitpläne.

Wir wünschen allen ein tolles Wochenende und werden, wie schon in den letzten Jahren, ausführlich mit Einzelberichten der besten Konzerte informieren. Kurz kann ja jeder.

Haldern-Festivalcheck des Konzerttagebuchs

Hier noch die Links aus unserem Archiv, viel Spass beim Stöbern: 

Julia Holter, Haldern, 09.08.13
Julia Holter, Berlin, 05.07.12
Julia Holter, Metz, 15.06.12
Julia Holter, Berlin, 10.06.12

Daughter, Barcelona, 02.06.16
Daughter, Köln, 31.01.16
Daughter, Larmer Tree Gardens, 31.08.13
Daughter, Mannheim, 31.05.13
Daughter, Frankfurt, 16.04.13
Daughter, Köln, 08.04.13
Daughter, Brüssel, 04.04.13
Daughter, Luxemburg, 10.11.12
Daughter, Paris, 07.11.12
Daughter, Haldern, 11.08.12
Daughter, Haldern, 11.08.12

Thees Uhlmann, Köln, 09.06.14
Thees Uhlmann, Frankfurt, 11.03.14
Thees Uhlmann, Stuttgart, 10.11.13
Thees Uhlmann, Großpösna, 18.08.13
Thees Uhlmann, Mannheim, 01.06.13
Thees Uhlmann, Haldern, 10.08.12
Thees Uhlmann, Scheeßel, 23.06.12
Thees Uhlmann, Trier, 10.12.11
Thees Uhlmann, Köln, 25.10.11

Loney, dear, Haldern, 09.08.12
Loney, dear, Wien, 23.02.12
Loney, dear, Saint Ouen, 27.01.12
Loney, dear, Paris, 19.11.11
Loney, dear, Paris, 03.07.10
Loney, dear, Paris, 02.07.10
Loney, dear, Haldern, 14.08.09
Loney, dear, Paris, 03.03.09
Loney, dear, Paris, 18.01.09
Loney, dear, Köln, 12.11.08
Loney, dear, Haldern, 08.08.08
Loney, dear, Frankfurt, 11.05.08
Loney, dear, Paris, 12.11.07
Loney, dear, Haldern, 04.08.07
Loney, dear, Paris, 15.05.07 

Frightened Rabbit, Paris, 29.09.12
Frightened Rabbit, Wien, 11.11.10
Frightened Rabbit, Haldern, 14.08.10
Frightened Rabbit, Paris, 04.12.08

Minor Victories, Hilvarenbeek, 17.06.16
Minor Victories, Mannheim, 04.06.16

The Besnard Lakes, Paris, 19.04.10 


Samstag, 28. Januar 2012

Mo' Fo' Festival, Saint Ouen bei Paris, 27.01.12, mit Loney, Dear u. Radical Face

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Konzert: Mo' Fo' Festival 2012 mit Loney, Dear, Radical Face u.v.a.
Ort: Mains d'Oeuvres Saint Ouen bei Paris
Datum: 27.01.2012
Zuschauer: relativ gut besuchte Veranstaltung
Konzerte von 18 Uh 30 bis 24 Uhr


Och, menno! Verpennt! Da lege ich mich abends noch für 10 Minuten aufs Bett, lese ein wenig und aus den 10 Minuten wird ein 90 minütiger Tiefschlaf. Resultat: ich breche viel zu spät zum Mo' Fo' Festival vor den Toren von Paris auf und verpasse ausgerechnet meinen Liebling Loney, Dear! Aber die Müdigkeit, die ich durch die unzählbaren nächtlichen Konzertbesuche in den letzten 5 Jahren aufgebaut habe, ist nun nur noch schwerlich zu kaschieren und kompensieren. Ich bin oft platt wie 'ne Flunder, ausgelaugt, kraftlos. Eine Runde Mitleid? Nö, ist schon ok. Denn der Spaß, den die Konzertbloggerei nach wie vor macht, wiegt die Nachteile locker wieder auf. Dennoch frage ich mich manchmal, ob es sich wirklich lohnt, so viel Energie in die Sache zu investieren. Fast immer beantworte ich mir die Frage allerdings nach 10 Minuten selbt: ja, es lohnt sich!

Gedanken dieser Art gehen sicherlich nicht nur Bloggern, sondern auch sehr vielen Indiemusikern durch den Kopf. Lohnt es sich wirklich für solch kleine Gagen und solch mickrige CD-Verkäufe durch die ganze Welt zu touren? Massenweise Kraft zu lassen, in schäbigen Hotles, oder im Tourbus zu pennen, ständig müde und ausgepowert zu sein?

Fragen, die sich Emil Svanängen aka Loney Dear sicherlich auch schon gestellt hat. Bei seinem letzten Konzert in Paris hatte er wirklich schwer zu kämpfen. Er war nur mit seiner Backgroundsängerin Susanna erschienen, musste selbst neben der Gitarre die Trommel betätigen und die für ihn ungewohnte Looptechnik verwenden. Dabei unterliefen ihm viele Fehler und er tat mir fast ein wenig leid. Heute in Saint Ouen bei Paris hatte er aber immerhin wieder eine richtige Band am Start. Drummer Ola Hultgren (Ane Brun, Thus:Owls. etc.) war genauso an Bord wie Susanna und ein Bassist. Von dem Set der vier Musiker bekam ich aber durch meine Pennerei auf dem Bett nur noch zwei Lieder mit. Wengistens erklag noch Violent (I knever knew one like you"), eine funkelnde Perle von Dear John (2009), bevor I Dreamed About You das nicht sehr lange (nur 9 Lieder) Konzert beschloß.

Setlist Loney, Dear, Mo' Fo Festival 2012:

01: Name
02: I Was Only Going Out
03: My Heart
04: Everything Turns To You
05: Young Hearts
06: Loney Blues
07: D Major
08: Violent
09: I Dreamed About You




Nach kurzem Umbau nahmen drei Amerikaner die Bühne ein. Ihr Name: Radical Face. Live eine Band, ansonsten aber eher das Projekt des Singer/Songwriters Ben Cooper. Ein kräftiger, erdig wirkender Bursche mit Karohemd, uncoolen Turnschuhen und Beinahe-Glatze. Man hätte ihn bedenkenlos für einen Kanadier halten können, aber er kommt aus Jacksonville, Florida, einer Stadt, zu der er trocken bemerkte: "there are a lot of alligators and old people. That's it actually."

Nun ja, nach dem heutigen Konzert konnte man hinterher gut und gerne sagen: aus Jacksonville kommen blutrünstige Alligtoren, unter Rheuma leidende Rentner mit ordentlich gefülltem Geldbeutel und ... Radical Face! Der Auftritt war nämlich spitze und zwar durchgängig! Wer das 2007 er Album Ghost (erschienen auf dem tollen Berliner Label Morr) kannte, erwartete verhuschten, melancholischen Dream Pop mit folkiger und bisweilen leicht experimenteller (die Geräusche) Note, wurde aber mit einem im Vergleich zur Konserve erfreulich knackigen und indierockigen Auftritt beglückt. Ohne das melancholische Element zu verlieren, gingen die drei Amerikaner beherzt zur Sache und ließen es ab und an richtig krachen. Ben sang auch fester und eindringlicher als auf den Studioversionen und das fetzige Schlagzeug sorgte zusätzlich für Dynamik. Dennoch war das Konzert vor allem eines: nahegehend. Man spürte viel Verletztlichkeit im Gesang und den Texten von Cooper, obwohl er bei den Ansagen zwischen den Liedern immer mal wieder Witzchen machte* und oft lächelte, hatten wir es hier mit einem schwermütigem Zeitgenossen zu tun, der sich durch seine Musik vermutlich selbst therapiert. Weinerliche und gerade deshalb hochgradig tolle Musiker wie Elliott Smith, Bright Eyes oder Villagers kamen einem in den Sinn, aber auch amerikanische Collegerockbands standen Pate für den Sound von Radical Face.

Songtechnisch wurden sowohl Stücke von Ghost als auch von The Family Tree: The Roots und den EPs gebracht. Am stärksten fand ich Winter Is Coming, weil es da einfach alles gab, was das Herz begehrte. Melodica, eine wunderschöne sanft-traurige Melodie, einen gefühlvollen Gesang und furiose Gitarren.



Dabei war das später gespielte Welcome Home der eigentliche Hit (eine folkige Mitsinghymne), für den wohl viele gekommen waren. Aber streiten wir uns nicht, das Konzert war gleichmäßig gut und hinterher brauchte ich unbedingt das mir fehlende Album The Family Tree: The Roots, das es für schlappe 10 Euro am Merch zu erweben gab.


Wo wir wieder bei der eingangs gestellten Frage wären: warum machen Musiker das? Um drei CDs bei einem kleinen Festival zu verkaufen nach Europa zu kommen und eine Gage einzustreichen, mit sie vielleicht gerade ein mittelmäßig prickelndes Hotel bezahlen können? - Weil sie Idealisten sind, genau wie wir Blogger (ich lob mich gerade selbst, habt ihr's gemerkt?). Schön, daß es solche Lebenskünstler gibt, sonst wäre die Welt voller Steuerberater und Anwälte. Oder so.

Setlist Radical Face, Mo' Fo' Festival 2012:

01: A Pound Of Flesh
02: Wrapped In Piano Strings
03: Ghost Towns
04: Black Eyes
05: Doorways
06: Winter Is Coming
07: Severus And Stone
08: Always Gold
09: Welcome Home


* "Mo' Fo' Festival? I thought it meant Mother Focker Festival. But I learned that it stands for More Folk Festival."

Aus unserem Archiv:

Loney, dear, Paris, 19.11.11
Loney, dear, Paris, 03.07.10
Loney, dear, Paris, 02.07.10
Loney, dear, Haldern, 14.08.09
Loney, dear, Paris, 03.03.09
Loney, dear, Paris, 18.01.09
Loney, dear, Köln, 12.11.08
Loney, dear, Haldern, 08.08.08
Loney, dear, Frankfurt, 11.05.08
Loney, dear, Paris, 12.11.07
Loney, dear, Haldern, 04.08.07
Loney, dear, Paris, 15.05.07

Konzerttermine Radical Face:

01.02.2012: Paradiso, Amsterdam (mit Benjamin Francis Leftwich)
02.02.2012: Vera, Groningen
(mit Benjamin Francis Leftwich)
03.02.2012: Prinzenbar, Hamburg (mit Benjamin Francis Leftwich)
04.02.2012: Nordportal, Baden, Schweiz, One Of A MillionMusikfestival
04.02.2012: Roter Salon, Berlin
(mit Benjamin Francis Leftwich)
05.02.2012: Stadtgarten, Köln (mit Benjamin Francis Leftwich)
07.02.2012: Atomic Café, München (mit Benjamin Francis Leftwich)



Dienstag, 3. März 2009

Loney Dear, Paris, 03.03.09

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Konzert: Loney, Dear

Ort: Showcase Fnac, Forum Des Halles, Paris
Datum: 03.03.2009
Zuschauer: Hmm, vielleicht 60?
Konzertdauer: ca. 40 Minuten



"Wann ist denn dieses Foto (die linke Aufnahme) entstanden?", fragte ich völlig überrascht meine Flickr- Freundin Kirstie (aka kirstiecat, eine famose Fotografin!), als ich ich in ihrem Stream Bilder von Emil "Loney Dear" Svanängen sah, auf denen der blonde schwedische Sänger seine hübsche Akustikgitarre auf einer Konzertbühne in Chicago schwang.

Ich ging davon aus, daß Kirstie ältere Fotos von Loney, Dear hochgeladen hatte, die sie zuvor aus Zeitmangel noch nicht bearbeiten konnte. Aber ich irrte, die Pics waren nagelneu, enstanden am 01. März in der Schubas Tavern für eine Session des Radio Free Chicago! Ich konnte das kaum fassen, denn ich wußte ja, daß Emil heute und morgen in Paris aufreten sollte. Ein hartes Geschäft, diese Musikindustrie, auch und gerade für Indiekünstler auf dem aufsteigenden Ast, wie Loney Dear. Ohne weltweite Promo läuft gar nichts, schon gar nicht in Zeiten der Krise der Musikindustrie im Speziellen und der Wirtschaftskrise im Allgemeinen.

"Wir sind heute morgen noch in Chicago gewesen und jetzt stehen wir hier in Paris in einem CD Laden. Ich glaube ich habe seit ca. 30 Stunden nicht mehr geschlafen und so fühle ich mich auch. Aber es ist trotzdem großartig hier zu sein und für euch zu spielen!"

Die Freude war ganz auf der Seite des Publikums, denn man merkte Emil, der mit einer vierköpfigen Band (ohne ihn mitzurechnen) gekommen war, die ihn an Bass, Keyboard, elektrischer Gitarre und Schlagzeug tatkräftig unterstützte, trotz der Strapazen an, daß er mit Freude und Leidenschaft bei der Sache war. Sobald er sich seinen melancholischen und wundervollen Liedern hingibt, ist er sowieso wie in Trance. Dann strahlen seine blauen Augen und er sieht aus wie ein kleiner Junge, der von seiner Mutter einen Marmorkuchen gebacken bekommen hat. Er steigert sich quasi in einen Rausch aus nanana - Singalongs und greint dazu, daß es einem durch Mark und Bein geht! Seine CDs sind toll, keine Frage, aber live bekommt die ganze Sache noch einmal eine ganz andere Dimension. Man spürt fast körperlich, wie er in seinen Liedern alle Emotionen, die der Mensch so kennt, durchmacht. Er greint, flüstert, wimmert, weint, lacht, wird nostalgisch oder heiter, je nachdem, welches Stück gerade gespielt wird. Der Jetlag ist dann auch schnell vergessen, zumindest wenn man Emil heißt. Sein Schlagzeuger hatte es hingegen schon deutlich schwerer seine Äuglein offen zu halten, bei einem ruhigeren Lied sind ihm sogar glatt die Lider runtergefallen. Sekundenschlaf nennt man so etwas, aber für einen Musiker ist das zum Glück weniger gefährlich als für Autofahrer...

"Irgendwie fühle ich mich hier gar nicht wie bei einem normalen Konzert," sagte Emil plötzlich. "Ihr sitzt alle auf dem Boden, das kommt mir hier alles wie auf einem Pfadfinderlager vor. Nun, ja, ist auch schön! Und danke, daß ihr nach einem sicherlich harten Tag gekommen seit, um einem Mann aus einem kleinen und unbedeutenden nordeuropäischen Land zuzuhören.

Wenig später reichte ihm das Zuhören aber nicht mehr aus, der schwedische Singer/Songwriter wollte, daß das Publikum zu dem alten Klassiker The Meter Marks OK mitsingt, oder zumindest ein wenig mitsummt, auch wenn er verstehen könne, "daß man dafür nachmittags in einem Laden der Fnac nicht unbedingt in Stimmung sei"...

Diesem älteren Stück von Loney, Noir waren etliche neue Songs vom Neuling Dear John vorangegangen, die deutlich stärker instrumentiert und wuchtiger waren, als Sachen aus dem Backkatalog. Hervorzuheben natürlich die aktuelle Single Airport Surroundings, die temporeich, aber trotzdem ähnlich melancholisch ist, wie die Sachen die wir bisher kennen und lieben. An Seele oder Charme eingebüßt hat die Musik von Loney, Dear deshalb trotzdem nicht, denn im Mittelpunkt bleibt nach wie vor seine markante Falsett-Stimme und die allgegenwärtigen nanana - Passagen. Aber es gibt auch auffällige Neuerungen. So spielte Emil heute zum ersten Mal in meiner Gegenwart live Keyboard und zwar beim Stück Under A Silent Sea, das genauso wie der Opener I Was Only Going Out, Everything Turns To You und das abschließende und sehr gelungene Violent auf dem im März erscheinenden Opus Dear John zu finden sein wird. Darauf darf man sich als Fan sehr freuen, die heutigen Hörproben waren jedenfalls sehr vielversprechend!

Und Loney Dear wird sowieso immer einen Platz in der ersten Reihe auf dem Konzerttagebuch einnehmen! Wir verfolgen seinen Werdegang schon seit einer Weile sehr interessiert und spätestens wenn er wieder beim Haldern Pop Festival auftritt, kleben wir wieder an seinen Fersen. Ach, was sage ich da! Solange können wir natürlich nicht warten! Nächstes Date mit Emil: 22. April im Pariser Point Ephémère.

Ausgewählte Konzerttermine von Loney, Dear:

08.04.2009: Uebel & Gefährlich, Hamburg
09.04.2009: Knaack, Berlin
21.04. 2009: Botanique, Brüssel

Setlist Loney, Dear, :

01: I Was Only Going Out
02: Everything Turns To You
03: Airport Suuroundings
04: Under A Silent Sea
05: The Meter Marks OK
06: I Love You (In With The Arms)
07: Violent

Pour nos lecteurs français:

Le talentueux suédois Emil Svanängen alias Loney, Dear venait à Paris tout droit de Chicago. Accompagné d'un vrai groupe, il avait vraiment une dure journée derrière lui:

"We (the band) started our day in Chicago and I haven't slept for about 30 (!) hours or something, but it's nice to play for you here in Paris" le singer/sonwriter attachant expliquait entre deux morceaux. Des morceaux sublimes qui venaient d'ailleurs dans la majorité de son nouvel album Dear John, dans les bac le 9 mars. Le son y est un peu plus musclé qu'auparavant, mais sans perdre l'âme et cette douce mélancholie si charactéristique pour les gens qui viennent du nord et qui ont besoin de composer des belles chansons pour se chauffer le coeur pendant les longs nuits d'hiver...

Emil s'impliquait vraiment beaucoup, malgré la fatigue évidente. Il mettait du coeur dans ses titres comme p.ex. le nouveau single Airport Surroundings (un tube!) ou le tout dernier morceau Violent, (son titre favori comme il disait lui même) qui va également figurer sur l'album Dear John.

Mais il y avait aussi 2 classiques, dont la chanson The Meter Marks OK (tiré de l'album Loney, Noire) ou Emil demandait même au public de participer et de chanter avec lui (sans grand succès d'ailleurs).

Un très bon Showcase donc et l'album à venir promet des belles choses!

Aus unserem Archiv:

- Loney Dear im Pariser Motel
- in Haldern 2008
- Loney Dear in Frankfurt, Mai 2008
- Loney Dear Im Olympia beim Pariser Festival des Inrocks
- in Haldern 2007
- In der Pariser Boule Noire 2007

- Videoclip der neuen Single Airport Surroundings
- Thanks for the brilliant first photo to Kirstiecat. Your are simply the best, Kirstie!

Nachtrag:

Loney, Dear stand einen Tag später erneut auf einer Pariser Konzertbühne, leider in meiner Abwesenheit (schluchz!). Beim Radiosender France Inter spielte er eine sog. Black Session und mein französischer Freund Philippe war dabei. Es muss toll gewesen sein (Stammgäste reden von einer der besten Sessions überhaupt!) und am Ende gab es sogar Standing Ovations und Zugaben, was bei France Inter nicht selbstverständlich ist.

Setlist Loney, Dear, Blacksession France Inter, Paris (Merci mille fois à Philippe!):


01: I was only going out
02: Everything turns to you
03: Airport surroundings
04: Under a silent sea
05: Saturday waits
06: The meter marks ok
07: Harsh words
08: I am John
09: Carrying a stone
10: In with the arms (I love you)
11: Violent
12: Won't you do

Nach der offiziellen Sendezeit:

13: Your time is to come
14: Sinister in a state of hope

15: Shivering Green (Z)

- English Review and a video on Rockerparis, click!

Das Ende der Session im Video klick!, merci à Rockerparis, bon boulot!






Freitag, 14. August 2009

Loney, dear, Haldern-Festival, 14.08.09

1 Kommentare

Konzert: Loney, dear
Ort: Haldern-Festival
Datum: 14.08.2009
Zuschauer: sehr viele
Dauer: 60 min



Aus unserer Begeisterung für Emil Svanängen alias Loney, Dear machen wir auf dem Konzerttagebuch kein Geheimnis. Zigmal haben wir ihn inzwischen gesehen und immer hat er durch seinen Charme, seinen Humor und seine Hingabe imponiert. Ob er ein so großartiger Songwriter wie Sufjan Stevens oder Conor Oberst, oder ein solch virtuoser Musiker wie Andrew Bird ist, muß an dieser Stelle gar nicht entschieden werden, denn was bei Emil besonders ausgeprägt ist, ist sein großes Herz und das zählt. Sobald er loslegt, geht förmlich die Sonne auf, obwohl einige seiner Lieder in moll gehalten sind.

Grund zu strahlen, hatte man auch 2009 beim Genießen des Halderners Konzertes von Loney Dear reichlich. Denn Emil hatte mit Malin und Susanna nicht nur gleich zwei charmante Damen mitgebracht (Percussions, Keyboard, Gesang, Gitarre), sondern auch seinen Freund Patrick Watson als Verstärkung eingeladen. Loney Dear with Friends hieß es dann auch sinnigerweise im Programmheft. Aber Freunde, ja Fans des Schweden, sind wir hier in Haldern sowieso irgendwie alle. Oder etwa nicht? Welcher Stammgast hat denn nicht noch die fulminanten Auftritte der letzten beiden Jahre in bester Erinnerung? Seit dem Konzert im Spiegelzelt 2008 ist aber auch schon wieder sehr viel Wasser den nahegelegenen Rhein runtergeflossen und mit Dear John gab Anfang des Jahres sogar ein neues Album. Davon stammten dann auch logischerweise die meisten Titel des gut einstündigen Sets und auf Grund der Qualität der Neulinge wurde auch das Fehlen von Klassikern wie I Am John, Saturday Waits oder Innocent Girl Ignorant Boy gut kompensiert. Elektronischer sind sie geworden, die neuen Sachen von Emil, allen voran die Singleauskopplung Airport Surroundings oder das phasenweise technolastige Under A Silent Sea,
was aber auf der großen Bühne keinesfalls ein Nachteil war. So nämlich konnte die Wiese besser und druckvoller beschallt werden, als dies mit ausschließlich intimen und ruhigen Folkstücken möglich gewesen wäre. Prima Stimmung also und allein schon das wundervolle Summers rechtfertigte die erneute Verpflichtung des Schweden. Ein Lied, das so unglaublich unschuldigen Pop bietet, daß romantisch veranlagte Leute wie ich ein leichtes Kribbeln im Bauch bekamen! Klar ging es auch hier nicht ohne einen obliagatorischen Nanana-Singalong ab, aber wer dem Blondschopf deshalb schwache Texte vorwurft, tut ihm Unrecht. Es ist ohnehin nicht nachvollziehbar, warum Loney Dear von ein paar verkniffenen Folkmusik-Kritikern dafür kritisiert wird, das er weniger ernsthaft und depressiv auftritt, als einige seiner Kollegen. Darf es denn keine Mitsingnummern wie The Meter Marks OK geben, wenn man ihm Folkgenre als As gelten will? Für uns auf dem Konzerttagebuch stellen solche Kleinigkeiten kein Problem dar. Wir mögen zu Recht umjubelte stoische Singer/Songwriter wie Will Oldham oder Bill Callahan genauso gern wie einen Emil Svanängen, der ohnehin gut daran tut, sich nicht festzulegen, ob er Pop, Folk, oder Indie macht. Und volksnah ist er geblieben, der persönliche Verkauf von CDs am Bühnenrand nach dem Konzert belegte dies eindrucksvoll!

Wir sehen uns hoffentlich 2010 wieder, lieber Emil!

Setlist Loney, Dear, Haldern-Festival:

01: I see the darkness
02: I was only going out
03: Everything turns to you
04: Summers
05: Airport surroundings
06: Under a silent sea
07: Carrying a stone
08: The meter marks ok
09: Violent

10: Sinister in a way of hope (Z)

Links:

Aus unserem Archiv:

- Loney Dear am 22.04.2009 in Paris
- und am 03.03.2009 in Paris

- Loney Dear im Pariser Motel am 27.01.2009
- in Haldern 2008
- Loney Dear in Frankfurt, Mai 2008
- Loney Dear Im Olympia beim Pariser Festival des Inrocks
- in Haldern 2007
- in der Pariser Boule Noire 2007
- Fotos von Loney Dear aus Haldern




Samstag, 3. Juli 2010

Loney, Dear, Paris, 02.07.10

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Konzert: Loney, Dear (Tom Cooney)

Ort: auf einer Terrasse einer Privatwohnung über den Dächern von Paris: Le 7ième Ciel
Datum: 02.07.10
Zuschauer: etwa 40
Konzertdauer: etwa 45-50 Minuten


Beim Haldern Festival 2009 hatte ich Loney, Dear auch schon einmal gefragt, ob er bereit sei, bei einer privaten Veranstaltung, genauer gesagt meinen Oliver Peel Sessions, zu spielen. Knapp ein Jahr später tritt Emil Svanängen tatsächlich privat bei meinen Bekannten vom 7ième Ciel auf. Dennoch bin ich keine Spur neidisch, denn bei brütender Hitze war die dortige Dachterrasse einfach der perfekte Ort. In unserer Bude wären wir regelrecht erstickt und außerdem gilt der kölsche Spruch: "mer muss och jönne könne". Auch daß sich Emil nicht mehr auf Anhieb an mich erinnern konnte, war zu verschmerzen, denn Musiker auf Tour treffen unzählige Menschen. Ansonsten war der Schwede wie immer: Offen, herzlich und nett. Mit seiner schelmischen Art hat er auch in Frankreich in den letzten Jahren viele Fans gewonnen und ein paar glückliche Wettbewerbsgewinner durften seine wunderbaren Songs heute aus nächster Nähe genießen. Ohne Mikro und Verstärker und auf Tuchfühlung zu den Zuhörern, spielte er sein Material in der abgespecktesten Form, die möglich ist. Nur ganz zart strich er über seine Gitarre und sang dazu leise aber eindringlich Klassiker wie I Am John, Saturday Waits, oder The Meter Marks OK. Natürlich ging es auch heute nicht ohne vereinzelte "nanana"- Singalongs ab und auch das Publikum wurde aufgefordert, sich summenderweise zu beteiligen, aber der weibliche Backgroundgesang fehlte. Seine Freudin und Bandkollegin Malin war in Schweden geblieben und so mußte Emil ganz allein klarkommen. Er meisterte die Solonummer mit Bravour und verblüffte mich am meisten mit seiner akustischen Version von Under A Silent Sea, einem Lied, das auf dem letzten Album als elektropoppiger Diskostampfer daherkommt.. Ansonsten war ein nagelneues, noch unveröffentlichtes Stück zu vermelden, dem er den Arbeitstitel Albert gegeben hat. Gegen Ende nahm er Wünsche entgegen. Na ja fast. Zumindest stellte er die Frage: "any requests?" in den Raum. Kess forderte ich Le Fever ("this is a tricky request, I can't play it"), The City, The Airport ("this is to tricky too") und I Fought The Battle Of Trinidad and Tobago , wurde aber jeweils auf ein anderes mal vertröstet. Erst als ich mir Summers wünschte, glänzten seine Augen und er stimmte zu. Sinster In A State Of Hope, das von einem Mädchen im Publikum gefordert wurde, brachte er aber nicht mehr, stattdessen die abschließende Ballade Dear John. Ich glaube jeder hier hätte noch ein paar Stunden zuhören können, aber man soll ja bekanntlich aufhören, wenn es am schönsten ist!

Emil ließ sich hinterher noch in Ruhe mit Fans abknipsen, signierte Alben, plauderte mit jedem ein wenig und fragte mich auch, ob wir morgen (heute) das Fußballmatch Deutschland gegen Argentinien zusamen anschauen sollen. Schließlich wußte er ja jetzt, daß ich Germane bin. Ich erinnerte ihn daran, daß er morgen um 17 Uhr einen Auftritt im Pariser Blumenladen Sol Y Flor habe und das Spiel um 16 Uhr beginne. Er guckte er ein wenig traurig und nachdenklich und meinte: "Oh, yes, you are right." Für Emil hätte ich glatt den Fußballmuffel, der in mir steckt zum Teufel geschickt und mit ihm gemeinsam das Match gesehen!

A propos Fußball. Der Schwede verpasste den schönen Support- Auftritt des Australiers Tom Cooney, denn er glotzte zu dieser Zeit im Wohnzimmer Ghana gegen Uruguay...

See ya tomorrow, Loney, Dear!



Setlist Loney, Dear, 7ième Ciel, Paris (merci à Philippe!)

01: New (Albert)
02: Violent
03: In With The Arms
04: Carrying A Stone
05: And I Won't Cause Anything At All
06: Saturday Waits
07: The Meter Marks OK
08: Under A Silent Sea
09: I Am John
10: Summers
11: Dear John

Aus unserem Archiv:

- Loney, Dear beim Haldern Pop Festival 2009
- Loney Dear am 22.04.2009 in Paris
- und am 03.03.2009 in Paris

- Loney Dear im Pariser Motel am 27.01.2009
- in Haldern 2008
- Loney Dear in Frankfurt, Mai 2008
- Loney Dear Im Olympia beim Pariser Festival des Inrocks
- in Haldern 2007
- in der Pariser Boule Noire 2007
- Fotos von Loney Dear aus Haldern




Donnerstag, 13. November 2008

Loney, dear u.a., Köln, 12.11.08

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Konzert: Josh Rouse, Loney, dear & Downpilot (Sit down and sing V)
Ort: Gebäude 9, Köln
Datum: 12.11.2008
Zuschauer: schwer zu schätzen, alle Sitzplätze waren besetzt - vielleicht 200 - 250
Dauer: Downpilot 50 min, Loney, dear 45 min, Josh Rouse 50 min ca.


Obwohl es bereits die fünfte Tour unter diesem Motto war, sagte mir "Sit down and sing" gar nichts, als ich zum ersten Mal davon las. Sitzen wir da wirklich? Treten die Bands akustisch an? Keine Ahnung. Allerdings war das auch vollkommen egal, wo doch mit Loney, dear ein ausgemachter Liebling auf der Startliste stand. Die beiden anderen Künstler, die neben Emil Svanängen auftreten sollten, kannte ich dagegen nicht.

Furchtbar viel war um zwanzig von neun noch nicht los in der Bar des Gebäude 9. Als dann um neun der Saal geöffnet wurde, waren die Sitzplätze trotzdem recht schnell weg. Weil wir noch draußen standen, blieben dann im Konzertraum auch nur Stehplätze, den ersten Teil des Mottos hatten wir also schon einmal ignoriert. Also Mitsingen...

Der erste der drei Sänger setzte sich um kurz nach neun an sein Keyboard und begann ein ruhiges Lied, ein sehr ruhiges. Eine fatale Mischung aus Höflichkeit und Neugierde hinderte mich schon da daran, wieder in den Vorraum zu gehen und da die CD Auslage anzusehen. Also hörte ich mir all die Lieder an, die Paul Hiraga unter dem Namen Downpilot zum besten gab - über die Weihnachtsdeko in einem Wolkenkratzer in San Francisco, über das Haus, in dem er in Minneapolis gewohnt hatte, über sein Auto und über seinen Lieblingspullover (eine der Geschichten habe ich gerade erfunden, ich bin aber sicher, daß er darüber auch geschrieben hat). Mitgesungen hat niemand, und mein Stehen erwies sich als gute Idee, weil es wach hielt. Die aufregendsten Momente des Konzerts war das verstohlene Kontrollieren, ob das Handy ausgeschaltet war. Selbst den dieser Tage vollkommen idiotensicheren Spruch amerikanischer Künstler über die Präsidentenwahl gestaltete Paul so lahm, daß erst einer expliziten Aufforderung ein paar müde Klatscher folgten.

Dramatisch war allerdings, daß sich Downpilot gar nicht mehr gab. Ich wartete dauernd auf die beruhigende Ansage, es folge das letzte Lied, die kam und kam aber nicht. Also beschäftigte ich mich mit anderen spannenden Fragen, zum Beispiel wie die Strahler mit den lustigen Lichtmustern funktionieren, das war aufregend (no irony!). Nach gefühlt anderthalb Stunden (und einem Cover von irgendjemandem, den ich nicht kannte) war es vorbei, und ich zweifelte kräftig, ob es eine gute Idee war, nach Köln gefahren zu sein.

Aber gegen solche Zweifel gibt es ja ein Hilfsmittel: schwedischen Indiepop mit vielen Lalala-Stellen. Und wer kann das besser als Emil Svanängen, der unter dem Projektnamen Loney, dear wundervollste Popmusik macht. Zweimal hatte ich die Band bisher gesehen, einmal voriges Jahr in Haldern und dann im Frühjahr in der Frankfurter Batschkapp auf Haldern-Tour. Da trat Emil jeweils mit Begleitern auf, heute hatte er, dem akustischen Konzept des Mitsingabends folgend, nur einen Musiker mitgebracht, Oscar, der Gitarre und Akkordeon spielte. Emil ist vermutlich nicht der beste der drei Sänger des Abends. Aber er schreibt die mitreißendsten Lieder und trägt sie unvergleichlich großartig vor. Das leicht Quiekende seiner Stimme macht sie unverkennbar und gibt den Liedern den letzten Schliff. Ach, und die Stücke sind ja so schön! Wofür dunkle schwedische Wintertage doch offenbar gut sind!

Emil fing mit etwas Neuem an, einen Lied von der im Januar erscheinenden fünften Platte Dear John. Das Lied heißt I was only going out und war ein sehr schöner Auftakt! Danach folgte gleich eine seiner echten Perlen - I fought the Battle of Trinidad & Tobago. Und dabei gab es dann auch endlich die zweite Hälfte des Mottos: Mitsinggelegenheiten! Nach diesem traumhaften Stück folgte etwas ganz Ruhiges, das neue Under a silent sea, das Emil weit weg vom Mikro sang. Mit dieser Distanz setzte er den Titel des Songs einfach aber eindrucksvoll um!

Der Charme der in seinen Melodien und seinen Texten steckt, kommt nicht von ungefähr. Auch seine Ansagen haben sehr viel trockenen Humor. "Wie war euer Tag? Wie waren Studien oder die Arbeit? Wer studiert hier?" - Niemand meldete sich. "Und wer hat heute gearbeitet?" Einige wenige grummelten. "Einer nur? Nein zwei? Und was macht der Rest von euch?" Der Dialog lief auf Englisch ab, denn mit dem Deutschen hat Emil so seine Probleme. Immer wenn er hier sei und Deutsch spreche, beeindrucke er niemanden damit. Daher werde er es nicht mehr versuchen. "Try it!", worauf er in flüssigem Deutsch antwortete: "Aber wenn ich versuche...", um aus dem Publikum mit einem lauten "Boah!" bestätigt zu werden!

Nach den fabelhaften Carrying a stone (von Loney, noir) und Shivering green (von Citadel Band) folgte der Höhepunkt des Abends... The meter marks ok kenne ich zwar als schönes Stück der an überragenden Liedern reichen Platte Loney, noir. Zwischen all der Konkurrenz war mir bisher aber nicht seine Brillanz aufgefallen. Als Emil aber mit uns den Mitsingteil einstudierte, und der Saal, wohl vor allem die Sitzreihen vorne, intensiv mitsangen, entstand eine feierlich, zauberhafte Stimmung, die man sehr sehr selten bei Konzerten erlebt. Um es etwas kitschiger auszudrücken: ein magischer Moment. Es fühlte sich so unwirklich an. Aber es war wunderschön.

Sinister in a way of hope und das neue Harsh words beendeten den viel zu kurzen Auftritt. Hätte ich vorher gelesen (so wir ihr spätere Konzertbesucher jetzt), daß Loney, dear weder I am John, noch Ignorant boy, Le Fever, Saturday waits, noch The city, the airport gespielt hätten, wäre ich vielleicht enttäuscht gewesen. Für Enttäuschungen war aber in diesem Programm keinerlei Platz!


Setlist Loney, dear, Gebäude 9, Köln:

01: I was only going out
02: I fought the Battle of Trinidad & Tobago
03: Under a silent sea
04: Carrying a stone
05: Shivering green
06: The meter marks ok
07: Sinister in a way of hope
08: Harsh words

Leider ließ danach alles nach, meine Aufmerksamkeit aber auch die Qualität. Josh Rouses Vortrag war schön, gar keine Frage. Nach dem überragenden Emil vom Dach hätte es jeder schwer gehabt. Weil ich vorher nichts von dem amerikanischen Singer/Songwriter gehört habe, fiel mir unter diesen Voraussetzungen der Einstieg in seine Musik nahezu unmöglich. Also hörte ich zu, was der Amerikaner, der in Valencia wohnt, spielte. Das tat überhaupt nicht weh, fiel mir auch bis zum Ende um kurz vor zwölf leicht, es bewegte mich aber nicht weiter.

Links:

- Loney, dear, Haldern, 08.08.08
- Loney, dear, Frankfurt, 11.05.08
- Loney, dear, Paris, 12.11.07
- Loney, dear, Haldern, 04.08.07
- Loney, dear, Paris, 15.05.07




Donnerstag, 23. April 2009

Loney Dear, Paris, 22.04.09

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Konzert: Loney Dear (Marie Modiano)

Ort: Le Point Éphémère, Paris
Datum: 22.04.2009
Zuschauer: ausverkauft
Konzertdauer: Marie Modiano: 47 Minuten, Loney Dear 85 Minuten



"Schreib mir mal eine E-Mail, vielleicht kann ich Dir das Album auf Vinyl besorgen".

Emil Svanängen alias Loney Dear ist immer noch so zugänglich und nett wie eh und je. Ich hatte ihm erzählt, daß ich vor ein paar Wochen sein letztes Album im großen Plattenladen Fnac gekauft hatte, zu meiner Bestürzung aber in der Box keine CD auffand. Das Ding war leer! Sachen gibt's! "Zum Glück bin ich heutzutage für so etwas nicht mehr verantwortlich, da ich meine CDs nicht mehr selber bastele wir vorher", alberte Emil noch ein wenig rum und versicherte mir, daß er mir helfen werde, falls die Herrschaften in der Fnac mir Probleme machen werden (das erinnert mich dran, daß ich endlich mal den beschriebenen Mißstand reklamieren muß!).

Ein lieber Kerl, dieser knuffige Schwede mit dem runden Gesicht und dem kleinen Bäuchlein. Dabei ist sein Tag heute eigentlich ziemlich mies gelaufen. Diebe haben in Brüssel seine Tasche mit wichtigen Utensilien, darunter auch Dokumente gestohlen. In dieser Tasche hatte er Sachen dabei, die ihm lieb und teuer waren. Das Teil war zu einer Art Markenzeichen für den Schweden geworden und ein skandinavisches Musikmagazin hat sogar eine ganze Story dazu geschrieben. Das Tourleben kann so hart sein! Wenn dann noch die Müdigkeit von den Reisestrapazen dazu kommt, dann muß man als Künstler ganz schön die Zähne zusammenbeißen!

Aber Loney Dear wäre nicht Loney Dear, wenn er nicht trotzdem sein Allerbestes geben würde! Nie habe ich den Nordländer lustlos oder gar demotiviert erlebt, immer hat er seine Seele in jede einzelne Zeile reingelegt und den Zuschauern ein wunderbares und denkwürdiges Spektakel geboten. Dafür lieben ihn die Zuschauer auf der ganzen Welt und diese Liebe hat er sich wahrlich verdient, weil er soviel zurückgibt...

Auch Marie Modiano, die Tochter des berühmten Schriftstellers Patrick Modiano hatte sich ins Zeug gelegt und mit ihrer Begleitband, darunter ihr Lebensgefährte und Gitarrist Peter von Poehl schon einmal für recht gute Stimmung gesorgt. Sie spielte größtenteils am Piano Songs von ihrem 2008er Werk Outland, aber auch vereinzelt Stücke von ihrem 2006er Debüt I'm Not A Rose. Sie hat eine schöne Stimme und die Instrumentierung, vor allem die melodischen Gitarrenparts die Peter beisteuerte, waren gelungen. Fans des in Frankreich sehr erfolgreichen Peter von Poehl sei also auch Marie Modiano empfohlen.

Dann wurde ziemlich lange umgebaut und auch noch ein Soundcheck absolviert, weil Loney Dear vorher wohl nicht dazu gekommen war. Das war etwas zäh, aber schon nach wenigen Sekunden des Openers I Was Only Going Out war die Magie da. Emil jaulte aus voller Kehle und seine Stimme ging mir wie so oft durch Mark und Bein! Dazu dann noch die typischen nanana-singalongs und man war im Nu in der verträumten Welt von Loney, Dear angekommen. Eine Welt, in der man entspannen kann, mit roten Bäckchen und glänzenden Augen andächtig auf die Bühne schaut und sich wie auf einer Wolke fühlt. Vieleicht sind die Texte von Emil nicht so gut wie die von Bonnie Prince Billy, aber kaum ein Songer/Songwriter versteht es so gekonnt, einen Draht zum Publikum herzustellen, die Leute zu fesseln und manchmal auch mit ins Geschehen einzubeziehen wie er. Man merkt einfach, daß er mit Spaß bei der Sache ist, das Set nicht nur runterleiert und immer bemüht ist, das letzte Quentchen Emotion aus jedem einzelnen Lied rauszuholen. Dirk von Plattenvorgericht über den ich zum ersten Mal von dem Künstler erfahren hatte (Danke, Dirk!), hat es einmal so ausgedrückt: "immer der aktuelle Titel von Loney Dear ist gerade der größte kleine Popsong der Welt". Da stimme ich zu, gerade, wenn es um die Livedarbietung von Schmachtfetzen wie Harsh Words, The Meter Marks O.k. und Carrying A Stone geht.

Und Emil hat sich weiterentwickelt, an neuen Sounds gefeilt. Er setzt nun öfter seine wunderschöne rote Gretsch- Gitarre ein und es gibt neben dem Keyboarder sogar noch den Bassisten der ebenfalls ab und zu synthetisch untermalt. Manchmal klang das fast nach Techno oder Indierock, aber letztlich bleibt der Schwede doch seinem Stil, dem anrührenden schwedischen Folk-Pop, treu.

Aber ganz egal ob neue oder alte Sachen gespielt wurden, oder Emil die Akustische oder die Elekrische spielte, die Stimmung im Publikum war immer prima. Das einzige Problem - und das war leider kein kleines - waren die stickigen Temperaturen im Point FMR. Die Luft war zum Schneiden und ich hätte alles für ein wenig frische Luft oder eine kühle Cola gegeben! Das ging auch den anderen Zuschauern ähnlich und eine Besucherin lechzte förmlich nach Wasser. Wasser? Kein Problem! Emil war sofort mit einem Fläschen Sprudel zur Stelle und reichte der Dame gentlemanlike das Getränk. Die Herren im Raume forderten nun plötzlich Bier, aber der Schwede winkte schlagfertig ab. "Soviel Bier trinke ich gar nicht, ich bin doch nicht Bukowski!" Köstlich!

Dennoch: einer Zuschauerin ist es so heiß geworden, daß sie ohnmächtig zusammenklappte! Sofort waren Helfer zur Stelle, aber die Band vorne auf der Bühne war gerade damit beschäftigt, einen Hit zu performen. Einen Moment lang dachte ich, sie würden abbrechen, aber als sie sahen, daß der Frau aufgeholfen wurde, begnügte sich Emil damit, während des Liedes zu sagen: "Hope you are feeling better now!" Mein Tip an die Saalbetreiber: Klimaanlage oder Ventilator anschaffen!

Die bedauernswerte Malaise der jungen Frau hatte aber auch seine gute Seite: Ich konnte nun ein gutes Stück nach vorne rücken und jetzt auch die brünette Keyboarderin und Backvocalistin sehen, die bei einem Song sogar Gitarre spielte. Sie gab ihr Bestes, war aber stimmlich nicht ganz so überzeugend und engagiert wie ihre blonde Vorgängerin, die zur Zeit aus beruflichen Gründen pausieren muß.

Das änderte an der Qualität des Konzertes, das nach gut einer Stunde nach der Performance von Emils Lieblingslied Violent zum ersten Mal unterbrochen wurde, aber nichts! Der Lohn der Mühe: Riesiger Beifall!

Natürlich gab es eine Zugabe und nun spielte man das bereits zuvor einmal heftig geforderte Sinister In A State of Hope, bevor wirklich Schluß zu sein schien. Es gab aber trotzdem noch einen Betthupferl in der Form der wunderbaren Ballade Dear John.

Fazit: Toll wie immer!

Setlist Loney Dear, Point FMR, Paris:

01: I Was Only Going Out (notiert unter dem Begriff Titans)
02: Everything Turns To You
03: Harsh Words
04: Won't You Do
05: Under A Silent Sea
06: The Meter Marks OK
07: Hard Days 1. 2. 3. 4.
08: Airport Surroundings
09: Carrying A Stone
10: I Love You (In With The Arms)
11: Violent

12: Summers
13: Sinister In A State Of Hope

14: Dear John

Pour nos lecteurs français:

L'attachant nounours Emil Svanängen alias Loney Dear est incroyable! Malgré la fatigue et les soucis qu'il a eu ce jour là (son sac très chere a lui , a éte volé à Bruxelles) il a donné avec son groupe un concert fabuleux, plein d'energie, de tendresse et d'amour.

Merci Emil, de nous avoir fait voyagé sur un nuage pendant une heure et demie de pure bonheur! Merci de nous faire rever, rire et pleurer a chaque fois quand tu joues. C'est un énorme plasir de te voir exploser sur scène, de hurler, de faire chanter les gens. Chez toi on peut oublier ses soucis quotidiens et reapprendre d' être heureux comme un enfant. Tes concerts me touchent beaucoupt et ta gentillesse et générosité sont sans parreil dans le business de la musique souvent assez froid.

Reviens vite!

- Mehr Fotos von Loney Dear hier




 

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