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Donnerstag, 6. Februar 2014

Mo' Fo' Festival, Saint Ouen, 24 und 26.01.

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Konzert: Mo' Fo' Festival
Ort: Mains D'Oeuvres, Saint Ouen bei Paris
Datum: 24 und 26.01.2014
Zuschauer: ausverkauft

Ist auch schon wieder mehr eine Woche her, verdient aber unbedingt eine kurze Nachlese! Die Rede ist vom schönen Mo'Fo' Festival (Abkürzung für More Folk), das seit einigen Jahren gleich vor den Toren von Paris in Saint Ouen stattfindet. Ich gehe da unglaublich gerne hin, weil man dort wirklich auf viele nette musikbegeisterte Menschen trifft, die sich bestens auskennen und nicht wie beispielsweise beim Pitchfork nur kommen, um gesehen zu werden. Ein Festival von Kennern für Kenner, eines bei dem es nicht um die großen Namen, sondern die künstlerische Qualität geht. Hier müssen keine teuren Headliner aufgeboten werden um die Leute anzulocken, hier reichen Bands, die Insidern bekannt sind, um den Laden voll zu kriegen. So war dann auch bei allen drei Tagen das Mains D'Oeuvres in dessen Räumen die Sache stattfand, ausverkauft bzw fast ausverkauft (Freitag).

Am Freitag gab es gleich zum Auftakt einen Leckerbissen. Die Singer/ Songwriterin Jessica Pratt stand auf einer der beiden Bühnen  bereit. Ich hätte sie bereits beim von mir und Christoph besuchten End Of The Road Festival in England 2013 sehen können, verpasste sie aber weil sie sehr früh angesetzt war. Auch bei diesem Festival ging sie früh ins Rennen, aber früh bedeutete beim Mo'Fo' eben 19 Uhr 45 und nicht 12 Uhr mittags wie beim End Of The Road.

Der Saal war noch nicht proppenvoll wie bei späteren Acts, aber dennoch bereits recht gut gefüllt. Ruhige, kontemplative Musik wartete auf uns, das ist nicht Jedermans Sache. Nicht wenige äußern Langeweile, wenn Musiker nur mit Stimme und Gitarre operieren. Unverständlich für mich, denn ich kann mir Musik kaum purer und naturreiner vorstellen. So konnte mich Jessica Pratt dann auch recht bald in ihren Bann ziehen. Von ihren in moll gehaltenen Liedern ging ein starkes 60ies Feeling aus. Die Atmosphäre erinnerte an britischen Folk der Hippie Ära um Sandy Denny. Ein Stil, den ich aufrichtig liebe, weil von ihm so viel Zärtlichkeit, Geborgenheit und Weltklugheit ausgeht. Vor allem aber Trost. So viel Trost.

Bemerkenswert die Stimme von Jessia. Gleichzeitig reif und besonnen, aber auch kindlich und unschuldig klingend. Das leicht Infantile ist aber auch nur zu verständlich, wenn man weiß, daß die Sängerin erst 26 Jahre alt ist. Sie wirkte schüchtern und in sich gekehrt und auf grund ihrer langen rötlichen Haare und des recht dunklen Lichts konnte man ihr Gesicht selten richtig sehen.

Die gespielten Lieder waren wirklich wundervoll, so anmutig und beruhigend, so sanft und so verwunschen, wie beispielsweise Night Faces oder auch das psychdelisch- düster beginnenden I've Got A Feeling, welches aber im Verlaufe lieblicher wurde.

Sehr schön auch Wrong Hand, zu dem ich die Augen schloß und meditierte.

Eine gute halbe Stunde gönnte uns Jessica Pratt, dann war leider schon Schluß, aber es war nun einmal ein früher Festivalautritt, da ist selten mehr Zeit.

Setlist

01: Wrong Hand
02: Game That I Play
03: Dreams
04: Night Faces
05: Back
06: Hurting
07: I've Got That Feeling 


Später gingen dann auf der anderen Bühne die Kanadier The Burning Hell ins Rennen. Eine Band um den bärtigen Gitarristen Mathias Kom, an jenem Tage verstärkt durch Ariel Sharat an der Klarinette, Ben Lupus  am Bass und Leo Bear Creek am Schlagzeug, beide Letztgenannten von der französischen Band Coming Soon.

Die vier Musiker kredenzten einen flotten Folkrock voller Selbstironie und Natürlichkeit und amüsierten sich köstlich. Allein die Dialoge zwischen Mathias und Ariel waren Gold wert, denn die beiden nahmen sich gegenseitig auf liebevolle Weise immer wieder hoch. ("but I'm always right" meinte Ariel dazu)

Der Gesang von Mathias erinnerte mich mitunter an den von Bill Callahan, ein tiefer Bariton, teilweise im Sprechgesang. Spaßeshalber meinte Mathias dann auch er sei eigentlich ein Rapper und würde sich freuen, wenn Jay-Z ihn einladen würde, auf einem neuem Blue Print Album zu rappen. Er habe da einen diesbezüglichen Traum gehabt, ihn dem auch Klarinettistin Ariel vorkam, die sich mit Beyoncé glänzend verstand. Alle schmunzelten...

Stark das gespielte Songmaterial. Grown-Ups, Realists oder das fast Klezmer angehauchte I Love The Things That People Make, hier klang jeder gespielte Titel charmant, frisch und ungekünstelt.



Super Band, tolle Stimmung, zufriedene Zuschauer, was wollte man mehr?

Setlist

01: My Name Is Mathias
02: Grown-Ups
03: Realists
04: Last Winter
05: Barcade Song
06: Everything Will Probably Be OK
07: (intro: In The Air Tonight (Phil Collins)The Things That People Make
08: Nostalgia
09: It Happens In Florida
10: Dance Dance Dance
11: Amateur Rappers


Etwas später spielten dann die Russen Messer Chups eine Mischung aus Rockabilly und Surfpop, in den allermeisten Fällen instrumental gehalten. Nur bei zwei Stücken sang die wie ein Pin Up Girl der 1950er Jahre aussehende Bassistin (was für ein herrlich heißes Weib!) ein wenig, da dachte ich dann an die B-52s. Ansonten erinnerte mich das immer wieder an ein Lied von Pulp Fiction. Der Sound war fraglos cool und sehr lässig, aber nach etwa 20 Minuten machte sich eine gewisse Monotonie breit, weil sich die Lieder untereinander arg ähnelten und nicht viele Varianten aufwiesen.

Musikalisch spannender da die Franzosen Orval Carlos Sibelius, die auf der Bühne Mo den ersten Festivaltag beendeten. Eine Band um Sänger, die mit ihrem letztjährigen Album viel Staub in der Pariser Indie Szene aufgewirbelt hatten. Ihre Mixtur aus Krautrock und Psych Pop klang in der Tat innovativ und spacig und vor allem der äußest charismatische Trompeter Dick Turner bereicherte den Sound ungemein. Nur das Hemd des Sänges fand ich abscheulich, aber es passte stilistisch natürlich gut zur Musik vom anderen Stern. Die Band werde ich mir 2014 noch einmal ansehen und dann auch hoffentlich auführlicher berichten. Sie verdient eine intensive Auseinandersetzung.

Das Festival ging am Samstag weiter, aber ich gönnte mir eine Ruhepause und kam erst am Sonntag wieder.

Am letzten Tag der Veranstaltung spielte zunächst die Französin Alice Lewis, die ich auf Grund ihres Namens immer für eine Britin oder Amerikanerin gehalten hatte. Auch ihr Akzent im Englischen ist einwandfrei, so daß ich bislang wirklich keine Indizen dafür hatte, daß sie aus Frankreich stammt.* Ihr Stil ist der lupenreine Elektropop mit wavigem Einschlag im Stile der 1980 er Jahre. Kate Bush war sicherlich ein Vorbild, auch gesanglich, Siouxsie and The Banshees möglicherweise auch.

Alice spielte zusammen mit einem neu engagierten Keyboarder (ihr erstes gemeinsames Konzert) einige Lieder von einer am 21 März erhältlichen neuen EP namens Ignorance Is Bliss, aber mit Night's End und To The Magical Mountain auch ältere Sachen von ihrem 2010 veröffentlichten Longplayer  No One Knows We Are Here, der von Ian Caple produziert wurde. Ein Bursche, der auch schon bei Stina Nordenstamm an den Reglern saß und dies ist wohl kein Zufall, denn der Sound von Alice Lewis könnte durchaus auch aus Schweden oder Island stammen, der Name Björk wird in ihrem Zusammenhang  oft und nicht zu unrecht im Munde geführt.

Ich denke aber, daß Lewis keinesfalls nur ein Klon ist, man findet bei ihr viel Eigenständiges (allein die Instrumente Omnichord, alte Orgeln, Vintage Synthesizer, wer hat so was?) und ihre liebliche und glockenklare Stimme stechen heraus. Zudem ist ihr Songmaterial wirklich gut. Viele der gespielten Lieder findet man leider aber im Internet (bzw. auf Platte) noch nicht.

Man muss sich also noch ein wenig gedulden. Die neue EP Ignorance Is Bliss werde ich nach ihrem starken Autritt beim Mo' Fo' sicherlich kaufen!


Setlist:

01: Intro/instrumental Crossing The River
02: The Drought
03: Let It Fall
04: Night's End
05: To The Magical Mountain
06: Where Do We Go Now
07: Bellboy
08: Ignorance Is Bliss
09: Perfect Stranger
10: Nothing I Could Say 
11: The Statue
12: Haunted Reveries

Tja und dann wurde es immer voller in den Räume des Mains d'Oeuvres. Normal, es war schließlich eine ausverkaufte Veranstaltung. Eher nicht normal aber, daß es so derart überlaufen war, daß man nur unter Mühen zum Konzert des gehypten Son Lux reinkam. Drinnen wurde man aber so unglaublich stark an seinen jeweiligen Nachbarn gepresst, daß man kaum von einem Genuß reden konnte. Ich entschied mich deshalb, wieder nach oben in den Empfangsbereich zu gehen, wo CD Händler ihre Stände hatten und man auch etwas essen und trinken konnte. Meiner optimistischen Einschätzung zu Folge würde sich der Raum unten etwas leeren, so daß ich es 10 Minuten später noch einmal versuchen wollte. In der Zwischenzeit hatte ich mich aber mit den Plattenverkäufern festgequatscht und als ich dann etwa 25 Minuten später wieder mal nachsehen wollte, ob es bei Son Lux leerer geworden war, ließ mich der Security Mensch noch nicht einmal mehr durch. Es sei zu voll, sagte er lapidar und ließ auch nicht mit sich handeln. Dummerweise kam ich auch nicht auf die Idee, hintenrum quer durchs Gebäude zu laufen, um wenigstens auf die andere, die zweite Bühne zu gelangen, wo  The New Mendicants, ein kultiges Duo aus den Sängern von Teenage Fan Club und den Pernice Brothers spielten. Kurzum: ich verpasste die laut Zeugenaussagen besten Konzerte! God damn! Schon kurios, aber so sind Festivals manchmal. Wenn man sich nicht frühzeitig an den jeweiligen Bühnen anstellt, läuft man Gefahr, in die Röhre zu gucken.


Ich ließ mich dennoch nicht deprimieren, schließlich ist das Mo' Fo' auch ein Ort, wo man viele nette Leute treffen kann und ich begegnete wirklich vielen Sympathen an diesem Wochenende.

Außerdem gab es zum Ende überdies noch ein wirklich starkes Konzert. Jeffrey Lewis   spielten auf der Scène Mo und begeisterten schon mit dem ersten Lied You're Invited. Es geht um die Einladung zu einer Geburtstagsparty und der Song versprühte wahnsinnig viel Charme, Wehmut und Zärtlichkeit. Er klang fast wie eine der wundervollen Balladen von Yo La Tengo, so dezent und feinfühlig. Es war wundervoll.

In der Folge wurden Tempo und Laustärke aber teilweise massiv verschärft. Jeffrey Lewis bewies, daß er musikalisch in vielen Stilen zu Hause ist. Indiepop, Anti-Folk, Indierock, Punk, Rap. Ja richtig gelesen, Rap. Zu den russischen Protestlerinnen Pussy Riot hatte er seinen ganz eigenen Song parat, in dem er in schnellen Sprechgesang verfiel, die Mädels als Heldinnen der Punkkultur pries und immer wieder die Fragestellung aufwarf: "what would Pussy Riot do?" Es ging aber nicht nur um russische Politik, sondern auch den Einfluß von Marken auf Bands, den Jeffrey Lewis anprangerte. In einer Songzeile attackierte er Best Coast weil sie ihren Namen für Schuhe hergebe, aber auch Bands die in gesponserten Ray Ban Brillen bei Sout By Southwest spielen. Er warnte vor dem Ausverkauf, betonte, daß Künstler sich nicht vor den Karren von Firmen spannen lassen sollten ("you wanna bands that sell you things, or bands that tell you things?"), selbst wenn es schwierig sei, sich heutzutage über Wasser zu halten. In einem späteren Song stieß er in das gleiche Horn, gab Musikern den Rat, sich nicht von ihrem Label zum Lunch einladen zu lassen. Ihnen würde der Betrag später in Rechnung gestellt.

Offener Protest gegen die Musikindustrie also, aber im Grunde genommen keine Lästerei gegen Musikerkollegen, die das teilweise tun. Eher der eindringliche Rat, nicht naiv zu sein und unabhängig zu bleiben und sich nicht korrumpieren zu lassen.

Jeffrey Lewis selbst scheint sich auch an seine eigenen Parolen zu halten, seine CDs und EPs sehen definitiv wie self releases aus, kamen ohne aufwändige Verpackung daher und waren höchtswahrscheinlich selbstgebrannt. Für lediglich 5 Euro pro Stück konnte man sie am Merch erwerben, seine tollen Comic-Hefte kosteten sogar nur läppische 2, 50 Euro.

Während der Show projezierte er auch in paar seiner Comics auf eine Leinwand und sang dazu. In einem dieser Stücke  ging es auch um den Vietnam, im Rahmen seiner Serie History Of Communism Part 6: Vietnam. Süß sauer das Ganze, gleichzeitig bissig und sehr witzig wie irgendwie alles bei Jeffrey.

War wirklich ein sehr gutes Konzert des Amerikaners und seiner beiden Mädels. Einzig das Daniel Johnston Cover True Love Will Find You In The End, bei dem er das Publikum aufforderte, den Text zu singen, war eher entbehrlich. Den muss ich mir wieder ansehen!

* die Erklärung: sie hat einige Jahre ihres Leben in Großbritannien verbracht.


Donnerstag, 31. Januar 2013

Mo' Fo' Festival, Saint Ouen, 27.10.13

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Concert: Mo'Fo' Festival 2013 avec entres autres: Liesa van Aa, Anika et Trust
Lieu: Mains d'oeuvres, Saint Ouen 
Date: 27.01.2013


Dimanche 27 janvier. Journée pop germanique (new wave et autres curiosités) au Mo' Fo Festival 2013 à Saint Ouen.  En tant qu'allemand vivant depuis 10 ans a Paris, j'étais forcément attiré par cette affiche.


 
Mais la veille,  le couple franco-allemand Stereo Total avait annulé en dernière minute sa participation pour raison de santé. Remplacé par le canadien Trust, l'affiche était déjà moins germanique.

Mais peu importe, j'aime des artistes du monde entier et je ne suis pas du tout uniquement focalisé sur la musique allemande, même si j'avoue que le concert de Kraftwerk que j'avais vu récemment à Düsseldorf était une grosse claque!!!

Ma journée musicale au Mo'Fo' débutait avec le concert de la flammande Liesa Van der Aa sur la plus petite des deux scènes.





Je me suis demandé si les belges flammandes comptaient comme allemandes (on nous avait promis pop germanique, non?), à cause de leur langue, qui est plus proche de l'allemand que du français c'est vrai. Mais c'était simplement avant le début du concert, puisque après c'était juste une question de violon hypnotique, de boucles, d'ambiance à la PJ Harvey et d'une fille blonde très naturelle, mais dotée d'un feu et un charisme sur scène remarquables. Il ne faut surtout pas croire qu'elle sonne comme Owen Pallett qui lui aussi fait des choses épatantes avec son violon à l'aide des boucles. Les voix ne sont pas du tout comparables (lui avec sa voix enchanteresse et pure, elle avec sa voix très forte et chargée d'émotions) et l'ambiance crée est tout à fait différente.

Chez lui c'est aérien, doux, planant. Chez elle c'est sombre, lourd, dramatique. Le ciel est menaçant et le tonnerre pas loin. C'est une sorte d'Anna Calvi avec un violon.




Pour moi son premier titre était déjà le meilleur. Il s'appellait Birds In Berlin (et bien voila la pop germanique!) et montrait déjà toutes les qualités de la jeune belge. Ce talent de mettre couche sur couche pour se créer son propre "One woman choir", cette capacité à monter l'intensité au cours d'une chanson, de gonfler le ballon jusqu'à ce qu'il explose presque.


J'étais happé par cette prestation et restait très concentré pendant les 20 premières minutes. Après le concert ne s'est pas dégradé, mais parfois j'aurais souhaité juste un peu plus de légerté. C'était un brin too much, too heavy, too much drama. Que l'on écoute Lou ou Lost Souvenir jusqu'à la fin pour comprendre ce que je veux dire. L'ambiance était parfois proche d'une Dessert Session de Josh Homme, qui lui, fait du rock stoner. Si on veut, on pourrait qualifier la musique de Liesa comme du pop de chambre à violon stoner. Lourd comme une pierre. Chaud  comme le feu. Sensuel comme ...! Et en plus Liesa utilisait son violon presque comme une guitare, un effet bluffant!

Je n'ai pas trop aimé la reprise de Nightclubbing d'Iggy Pop, mais c'est pas forcément la faute de Liesa, je ne suis pas grand fan d'Iggy, c'est tout.

La musique de Van der Aa te coupe le souffle, te prend aux tripes, mais il faut que tu sois prêt à  tenir 45 minutes. C'était pas toujours mon cas, j'ai un peu décroché vers la fin.

Manque de concentration ou "faute" de l'artiste, qui sait? En tout cas, il est évident que Liesa est un immense talent. Elle a "le truc" c'est sûr. Mais j'ai peut-être besoin d'un peu plus de temps pour être tout feu tout flamme et me familiariser avec son univers beau mais étrange.

Après le concert j'ai appris que Liesa van der Aa avait enregistré son premier album dans le studio des "Einstürzende Neubauten". Vu comme ça ce n'est pas exclu de la compter un peu comme artiste allemande.


 


Sur l'autre scène il y avait finalement "une vraie allemande". Ou toujours pas. La très grande et très blonde Anika est allemande, mais aussi anglaise et parfaitement bilingue. Elle vit entre Bristol et Berlin et sa musique est un peu un mélange de ces deux cultures musicales. De Bristol elle a l'influence de Portishead et surtout du projet de Geoff Barrow qui s'appelle Beak. Elle publie ces disques sur le label de Beak d'ailleurs. De Berlin elle a ce goût pour la new wave, cette noirceur, cette vraisemblance avec Nico (qui venait de Cologne, mais peu importe).


Comme à son habitude elle ne parlait pas du tout entre ses morceaux. Soit elle estime que ce n'est pas cool, soit elle est vraiment timide. Mais j'avoue que cette froideur passe parfaitement bien avec sa musique monotone et glauque, qui est pourtant si excitante. Elle reprend des classiques et les révisite à sa propre manière. Après c'est difficile de reconnaitre l'original tellement c'est différent. Entouré d'un groupe de mecs efficace mais sans visages, elle donnait peut être son meilleur concert à Paris (oups, Saint Ouen, ce n'est pas à Paris, pardon!) à ce jour, puisque il y avait plus de punch qu'auparavant. Le tout semblait mieux rodé, plus pro, plus carré, même si le début avec Terry était un peu laborieux et poussif. Etonnant qu'elle ne jouait quasiment que de vieux titres. Depuis la sortie de son premier album sont passés quand même deux ans au moins. Mais bon I Go To Sleep (Ray Davies) ou Masters Of War (Bob Dylan) restent des morceaux très classes, même si la fin avec In The City (Chromatics) et Officer Officer (seule chanson vraiment rapide dans le set) était encore meilleur.



Une fin vraiment convaincante, mais un manque assez déçevant de nouveaux titres  et une chanteuse très froide confirmant l'image cliché des français sur les Allemandes. Le truc le plus fou qu'elle a fait pendant son concert? Ben elle s'est positionné avec son pied de micro à trois reprises très près du bord de la scène, quasiment en contact direct avec les fans, mais jamais pour longtemps.

Anika reste un mystère. 


 




Après c'était la grande  fête pour les clubbeurs avec les beats électriques du canadien Trust qui a fait bouger les filles pendant presque une heure ultra dynamique. C'était super rentre dedans, puissant et hypnotique avec un son proche d'un  jeux de vidéo. On voyait le chanteur avec la voix nasale à peine, mais c'était pas important. Ses morceaux étaient addictifs et j'ai passé un très bon moment, même si je ne suis pas grand fan de la musique électronique.



Dans l'ensemble une très belle journée (germanique ou pas, on s'en fout) d'un festival que j'adore! Mias le plat ud jour était un peu cher. 7, 50 Euro pour un peu de riz et du poulet, c'est abusé.

à l'année prochaine, Mo' Fo'!




Samstag, 28. Januar 2012

Mo' Fo' Festival, Saint Ouen bei Paris, 27.01.12, mit Loney, Dear u. Radical Face

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Konzert: Mo' Fo' Festival 2012 mit Loney, Dear, Radical Face u.v.a.
Ort: Mains d'Oeuvres Saint Ouen bei Paris
Datum: 27.01.2012
Zuschauer: relativ gut besuchte Veranstaltung
Konzerte von 18 Uh 30 bis 24 Uhr


Och, menno! Verpennt! Da lege ich mich abends noch für 10 Minuten aufs Bett, lese ein wenig und aus den 10 Minuten wird ein 90 minütiger Tiefschlaf. Resultat: ich breche viel zu spät zum Mo' Fo' Festival vor den Toren von Paris auf und verpasse ausgerechnet meinen Liebling Loney, Dear! Aber die Müdigkeit, die ich durch die unzählbaren nächtlichen Konzertbesuche in den letzten 5 Jahren aufgebaut habe, ist nun nur noch schwerlich zu kaschieren und kompensieren. Ich bin oft platt wie 'ne Flunder, ausgelaugt, kraftlos. Eine Runde Mitleid? Nö, ist schon ok. Denn der Spaß, den die Konzertbloggerei nach wie vor macht, wiegt die Nachteile locker wieder auf. Dennoch frage ich mich manchmal, ob es sich wirklich lohnt, so viel Energie in die Sache zu investieren. Fast immer beantworte ich mir die Frage allerdings nach 10 Minuten selbt: ja, es lohnt sich!

Gedanken dieser Art gehen sicherlich nicht nur Bloggern, sondern auch sehr vielen Indiemusikern durch den Kopf. Lohnt es sich wirklich für solch kleine Gagen und solch mickrige CD-Verkäufe durch die ganze Welt zu touren? Massenweise Kraft zu lassen, in schäbigen Hotles, oder im Tourbus zu pennen, ständig müde und ausgepowert zu sein?

Fragen, die sich Emil Svanängen aka Loney Dear sicherlich auch schon gestellt hat. Bei seinem letzten Konzert in Paris hatte er wirklich schwer zu kämpfen. Er war nur mit seiner Backgroundsängerin Susanna erschienen, musste selbst neben der Gitarre die Trommel betätigen und die für ihn ungewohnte Looptechnik verwenden. Dabei unterliefen ihm viele Fehler und er tat mir fast ein wenig leid. Heute in Saint Ouen bei Paris hatte er aber immerhin wieder eine richtige Band am Start. Drummer Ola Hultgren (Ane Brun, Thus:Owls. etc.) war genauso an Bord wie Susanna und ein Bassist. Von dem Set der vier Musiker bekam ich aber durch meine Pennerei auf dem Bett nur noch zwei Lieder mit. Wengistens erklag noch Violent (I knever knew one like you"), eine funkelnde Perle von Dear John (2009), bevor I Dreamed About You das nicht sehr lange (nur 9 Lieder) Konzert beschloß.

Setlist Loney, Dear, Mo' Fo Festival 2012:

01: Name
02: I Was Only Going Out
03: My Heart
04: Everything Turns To You
05: Young Hearts
06: Loney Blues
07: D Major
08: Violent
09: I Dreamed About You




Nach kurzem Umbau nahmen drei Amerikaner die Bühne ein. Ihr Name: Radical Face. Live eine Band, ansonsten aber eher das Projekt des Singer/Songwriters Ben Cooper. Ein kräftiger, erdig wirkender Bursche mit Karohemd, uncoolen Turnschuhen und Beinahe-Glatze. Man hätte ihn bedenkenlos für einen Kanadier halten können, aber er kommt aus Jacksonville, Florida, einer Stadt, zu der er trocken bemerkte: "there are a lot of alligators and old people. That's it actually."

Nun ja, nach dem heutigen Konzert konnte man hinterher gut und gerne sagen: aus Jacksonville kommen blutrünstige Alligtoren, unter Rheuma leidende Rentner mit ordentlich gefülltem Geldbeutel und ... Radical Face! Der Auftritt war nämlich spitze und zwar durchgängig! Wer das 2007 er Album Ghost (erschienen auf dem tollen Berliner Label Morr) kannte, erwartete verhuschten, melancholischen Dream Pop mit folkiger und bisweilen leicht experimenteller (die Geräusche) Note, wurde aber mit einem im Vergleich zur Konserve erfreulich knackigen und indierockigen Auftritt beglückt. Ohne das melancholische Element zu verlieren, gingen die drei Amerikaner beherzt zur Sache und ließen es ab und an richtig krachen. Ben sang auch fester und eindringlicher als auf den Studioversionen und das fetzige Schlagzeug sorgte zusätzlich für Dynamik. Dennoch war das Konzert vor allem eines: nahegehend. Man spürte viel Verletztlichkeit im Gesang und den Texten von Cooper, obwohl er bei den Ansagen zwischen den Liedern immer mal wieder Witzchen machte* und oft lächelte, hatten wir es hier mit einem schwermütigem Zeitgenossen zu tun, der sich durch seine Musik vermutlich selbst therapiert. Weinerliche und gerade deshalb hochgradig tolle Musiker wie Elliott Smith, Bright Eyes oder Villagers kamen einem in den Sinn, aber auch amerikanische Collegerockbands standen Pate für den Sound von Radical Face.

Songtechnisch wurden sowohl Stücke von Ghost als auch von The Family Tree: The Roots und den EPs gebracht. Am stärksten fand ich Winter Is Coming, weil es da einfach alles gab, was das Herz begehrte. Melodica, eine wunderschöne sanft-traurige Melodie, einen gefühlvollen Gesang und furiose Gitarren.



Dabei war das später gespielte Welcome Home der eigentliche Hit (eine folkige Mitsinghymne), für den wohl viele gekommen waren. Aber streiten wir uns nicht, das Konzert war gleichmäßig gut und hinterher brauchte ich unbedingt das mir fehlende Album The Family Tree: The Roots, das es für schlappe 10 Euro am Merch zu erweben gab.


Wo wir wieder bei der eingangs gestellten Frage wären: warum machen Musiker das? Um drei CDs bei einem kleinen Festival zu verkaufen nach Europa zu kommen und eine Gage einzustreichen, mit sie vielleicht gerade ein mittelmäßig prickelndes Hotel bezahlen können? - Weil sie Idealisten sind, genau wie wir Blogger (ich lob mich gerade selbst, habt ihr's gemerkt?). Schön, daß es solche Lebenskünstler gibt, sonst wäre die Welt voller Steuerberater und Anwälte. Oder so.

Setlist Radical Face, Mo' Fo' Festival 2012:

01: A Pound Of Flesh
02: Wrapped In Piano Strings
03: Ghost Towns
04: Black Eyes
05: Doorways
06: Winter Is Coming
07: Severus And Stone
08: Always Gold
09: Welcome Home


* "Mo' Fo' Festival? I thought it meant Mother Focker Festival. But I learned that it stands for More Folk Festival."

Aus unserem Archiv:

Loney, dear, Paris, 19.11.11
Loney, dear, Paris, 03.07.10
Loney, dear, Paris, 02.07.10
Loney, dear, Haldern, 14.08.09
Loney, dear, Paris, 03.03.09
Loney, dear, Paris, 18.01.09
Loney, dear, Köln, 12.11.08
Loney, dear, Haldern, 08.08.08
Loney, dear, Frankfurt, 11.05.08
Loney, dear, Paris, 12.11.07
Loney, dear, Haldern, 04.08.07
Loney, dear, Paris, 15.05.07

Konzerttermine Radical Face:

01.02.2012: Paradiso, Amsterdam (mit Benjamin Francis Leftwich)
02.02.2012: Vera, Groningen
(mit Benjamin Francis Leftwich)
03.02.2012: Prinzenbar, Hamburg (mit Benjamin Francis Leftwich)
04.02.2012: Nordportal, Baden, Schweiz, One Of A MillionMusikfestival
04.02.2012: Roter Salon, Berlin
(mit Benjamin Francis Leftwich)
05.02.2012: Stadtgarten, Köln (mit Benjamin Francis Leftwich)
07.02.2012: Atomic Café, München (mit Benjamin Francis Leftwich)



Montag, 1. Februar 2010

Liz Green & Shugo Tokumaru & Television Personalities, Saint Ouen, 31.01.2010

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Konzert: Liz Green & Shugo Tokumaru & Television Personalities (u.a.), Mo'Fo' Festival 2010, 3. und letzter Tag

Ort: Mains d'Oeuvres, Saint Ouen bei Paris
Datum: 310.01.2010

Zuschauer: ausverkauft!



3. und letzter Festivaltag in Saint Ouen bei Paris. Erfreulicherweise war das Zuschauerinteresse riesig und die Veranstaltung ausverkauft. Nachteil: man stand eng aneinander und sah nicht immer gut auf die Bühne. Manchmal war es so voll, daß die Leute im Türrahmen hingen!

Die von mir gesehenen Konzerte im Einzelnen:

Liz Green: Was für ein Talent! Die 26 jährige Engländerin hat eine solch herrlich altmodische Folk/Bluesstimme, daß man sich fragt, ob das Ganze nicht von einem Grammofon kommt, auf dem eine Platte einer schwarzen Soul-Diva aus den 30 er Jahren läuft. In einer gerammelt vollen Bude spielte sie zusammen mit einem Saxofonisten, einem Kontrabassisten und einem Drummer Stücke ihrer Crow Cries EP. Ihre Ausstrahlung war angenehm natürlich und obwohl ihre Songs eher in moll gehalten sind, bewies sie auch viel Humor und lächelte oft. In der witzigsten Szene des wunderschönen Sets setzte sie sich eine Vogelmaske auf und trug aus einem Büchlein vor. Schade, daß in meiner Ecke so viel gequasselt wurde, denn die rotblonde Frau aus Manchester verdient unbedingt absolute Aufmerksamkeit und Stille! In der englischen Fachpresse wird sie schon seit 2007 mit Lob überschüttet, da sollte man doch froh (und still) sein, wenn man sie in Paris zu Gast hat. Schließlich hat sie schon größere Festivals als das Mo'Fo' bespielt. Glastonbury nämlich, wo sie schon zweimal war. Die Künstlerin kam übrigens gerade von ihrer Deutschland Tournee nach Frankreich und erzählte mir von schönen Konzerten und sehr netten Leuten in Germany. Das hört man gerne. Verhandlungen über eine Oliver Peel Session laufen. Liz schien überhaupt nicht abgeneigt. Schau' mer mal!

Shugo Tokumaru: Der Japaner kam von Brüssel zum Mo'Fo' Festival, wo er am Vortag zusammen mit der aufstrebenden Thao gespielt hatte. Vor ein paar Jahren hatte ich seine CD L.S.T. auf einem Konzert von The Konki Duet gekauft, da beide auf dem französischen Label Active Suspension veröffentlich hatten. Unmittelbar war ich von seinen ungewöhnlichen, auf japanisch (und englisch) gesungenen Folk/Popsongs eingenommen, die so heiter klangen, als seien sie unter der Sonne Hawaiis entstanden. Liebliche, spährische Klänge, ein verhuschter Gesang und ein paar kuriose Geräusche prägten das Soundbild. Stilitisch hat sich das Ganze mit dem neuen Album Exit nicht geändert, bloß daß das alles heute etwas konventioneller klang, weil er alleine mit der Akustikgitarre auftrat und mit den Samples und Loops eher sparsam umging. Ich liebe sein Lied Mist, das ist wirklich kein Mist, sondern eine Perle! Aber auch der Rest war richtig gut und gegen Ende coverte er sogar Video Killed The Radio Star von den Buggles auf der Ukulele. Bekanntlich das erste Video, daß von MTV gesendet wurde. Shugo ist klasse, man höre nur das quirlige Parachute, um zu verstehen, was ich meine!

Take It Easy Hospital: Ein Konzert, in das ich nicht rein kam, weil es viel zu voll war. Take It Easy Hospital sind ein gemischtes Pop-Duo aus Teheran, die durch den Film Les Chats Persans In Frankreich in Indiekreisen bekannt geworden sind. In dem Streifen geht es um die enormen Probleme, die Musiker im Iran haben, um sich künstlerisch auszudrücken. Negar und Ash Koosha von Take It Easy Hospital spielen darin die Hauptrollen. Ein Coup, das man die inzwischen In London lebenden Künstler für das Mo'Fo' Festival gewinnen konnte! Ich finde ihre Musik sehr frisch und catchy und bedaure, daß ich ihr Konzert nur auf der Leinwand verfolgen konnte. Ämusant: die beiden coverten Lies von Aracde Fire!

Television Personalities: Nach den ersten zwei Liedern der englischen Punklegenden Television Personalities hatte ich das Gefühl, Zeuge eines legendären Konzertes zu werden, denn zu Beginn spielten die alten Haudegen richtig gut. Dabei hatte der mit obligatorischer Mütze erschienene Sänger Dan Treacy schon gleich zu Beginn skeptisch angekündigt: "I don't know if we'll be good. Let's see what's gonna happen" und ein französsicher Fan rief ihm daraufhin frech zu: "Please play better than at the Flèche d'or." In der Flèche d'or hatten Television Personalities vor genau einem Jahr ein Konzert gegeben, von dem Unterschiedliches berichtet wurde. Das Internetmagazin Popnews fand's toll, andere gruselten sich regelrecht. Angeblich hatten die alten Säcke bis 1 Uhr in der Nacht gespielt und wollten zugedröhnt wie sie waren, gar nicht mehr aufhören. Wie lange sie heute zu Werke gingen, weiß ich gar nicht, denn ich bin vor dem Ende abgehauen. Mir wurde es einfach irgendwann zu chaotisch, Dan Treacy traf zur Mitte hin kaum noch einen Ton und das Ganze wurde trashig. Dabei haben die Burschen natürlich eigentlich ein tolles Songmaterial, A Picture Of Dorian Gray, Silly Girl, I Know Where Syd Barret Lives und und und, da war vieles dabei, von dem sich aktuelle britische Bands wie die Babyshambles, die Futureheads (die A Picture Of Dorian Gray gecovert haben) The View und Art Brut eine Menge abgeschaut haben. Man sollte allerdings aufhören, wenn es am schönsten ist...

Setlist Liz Green Mo' Fo' Festival, Saint Ouen:

01: Grinnin' In Your Face (a capella)
02: Dying Crapshooter's Blues
03: Where The River Don't Flow (Piano)
04: Bad Lucky Boy
05: Midnight Blues
06: Penelope
07: Joe's Bird Blues (acoustic)
08: Hey Joe
09: Bad Medicine



Sonntag, 31. Januar 2010

Le Prince Miiaou, H-Burns, u.a., Paris, 30.01.10

2 Kommentare

Konzert: Mo' Fo' Festival, 2. Tag. Mit: Le Prince Miiaou, H-Burns, Coming Soon und vielen anderen

Ort: Mains d'Oeuvres, Saint Ouen
Datum: 30.01.2010
Zuschauer: überraschend viele



Ein Freund von mir hat mich neulich gefragt, ob es bekannte Bands auf diesem Mo' Fo' Festival gäbe. Ich überlegte kurz und verneinte schließlich. " Dann interessiert mich das nicht", sagte er mit abwertender Geste. Das sehe ich natürlich komplett anders. Ich gebe einen verdammten Scheißdreck darauf, ob Bands einem Massenpublikum bekannt sind oder nicht! Das einzige, was mich interessiert ist, ob die Kapellen gut sind. Darauf kommt es mir an. Und das Mo'Fo Festival verpflichtet Jahr für Jahr wahrlich glänzende Künstler. Die Liste derjenigen, die schon da waren ist lang, sie liest sich fast wie ein Who is Who der internationalen Folk- und Indieszene: Bonnie Prince Billy, Daniel Johnston, The Zombies, Silver Jews, Gossip, The Pastels, Herman Dune, Malcolm Middleton, The Mountain Ghosts, The Black Heart Procession, The Wave Pictures und und und. Hinzu kommen die besten französischen Künstler in dieser Kategorie.

In diesem Jahr hat man auf internationaler Seite mit dem ex-Arab Strap Aidan Moffat (trat am Freitag auf), der englischen Folksängerin Liz Green (am Sonntag am Start), dem Japaner Shugo Tokumaru (Sonntag) und den kultigen Engländern Television Personalities (Sonntag) auch wieder illustre Namen gewinnen können. Wer sagt da noch, daß das Festival schlecht besetzt sei?

Der heutige zweite Festivaltag war übrigens fest in französicher Hand. Aber auch da gab es Perlen, die keineswegs vor die Säue geworfen waren, denn das Publikum in Saint Ouen ist wunderbar fachkundig.

Im Einzelnen:

Le Prince Miiaou: Die junge Frau hinter dem bizarren Pseudonym ist ein Vulkan! Mit ihrem energiegeladenen Set elektrisierte sie mich von der ersten bis zur letzten Minute. Mit wasserstoffblond gefärbten Haaren hüpfte sie wie entfesselt über die Bühne schrie sich die Seele aus dem Leib und raubte mir damit die Sinne! Wow, war das intensiv! Und dann gab es auch noch sehr sinnliche Passage, wo Maud-Elisa fast wie Cat Power klang und mir eine wohlige Gänsehaut bereitete. Für mich ist sie jetzt schon der größte weibliche Rockstar, den es in Frankreich je gegeben hat! Ich weiß das schon eine Weile, aber jetzt merken das immer mehr andere und der Stern von Le Prince Miiaou steigt höher und höher und höher....

H-Burns: Der Mann mit der whiskygetränkten Folkstimme kommt nicht aus Nashville, Tennessee, sondern aus Valence, Südfrankreich. Zusammen mit seiner Begleitband spielte er ein hochkarätiges, folkrockiges Set, gespickt mit tollen neuen Songs vom aktuellen Album We Go Way Back. Schwer in Worte zu fassen, wie sehr ich die Musik von H-Burns liebe. Renaud Brustlein (der Mann hinter dem Moniker) ist so authentisch und geerdet, wie man es sich von einem Folkrocker nur wünschen kann. Keine großen Gesten, Ansagen, oder Ähnliches sondern einfach nur jede Menge fantastische Lieder. No bullshit, just good music.

Coming Soon: Die sechsköpfige Band aus Annecy ist so dermaßen jung, daß man sich verwundert die Augen reibt, daß man sie schon seit 2 bis 3 Jahren kennt und sie schon zwei richtige Alben auf den Markt gebracht haben. Der Schlagzeuger dürfte also inzwischen 15 sein. Oder ist er doch schon 16? Wie auch immer, diese Grünspechte wirbeln in Frankreich die Folkpop Szene gewaltig auf und auch Herman Düne und sein Bruder Stanley Brinks sind große Fans. Die 5 Jungs und das eine Mädel brachten auch heute wieder den Saal zum Kochen und sorgten für jede Menge glücklicher Zuschauer. Stilistisch sind sie eine Kreuzung aus Nick Cave, Lou Reed (den sie gecovert haben) und, nun ja, Herman Düne. Logisch, oder? Gut möglich, daß sie heute den größten Scheck aller Bands bekommen haben*, denn ihr Set dauerte mit Abstand am längsten. Während andere mit 30-45 Minuten Spielzeit Vorlieb nehmen mussten, durften sie mindestens eine ganze Stunde lang zeigen, was sie drauf haben.


Setlist Le Prince Miiaou, Mo'FO' Festival 2010:

01: Blabla
02: Our Tale
03: This Is Not A Map
04: Hawaiian Tree
05: Frénésies Horzontales
06: Intermède
07: Starfish Position
08: No Compassion Available
09: Football Team


Setlist H-Burns, Mo' Fo' Festival 2010:

01: We Go Way Back
02: You Weren't
03: Sail On
04: Half A Man/ Half A Freak
05: Tom Waits
06: Images Are Getting Hard To See
07: Horses With No Medals
08: A Part Of The Film
09: Fires In Empty Buildings
10: Are You Scared Of The Dawn

Aus unserem Archiv:

Le Prince Miaou, Paris, 03.10.2009:
Le Prince Miiaou, Paris, 28.03.09
H-Burns, Paris, 03.09.08
H-Burns, Paris, 13.02.08
Coming Soon, Paris, 12.11.08
Coming Soon, Paris, 27.10.08
Coming Soon, Paris, 26.10.08
Coming Soon, Paris, 11.04.08


* wobei wir hier sicherlich nicht von hohen Summen sprechen, das versteht sich von selbst.

Links:

- Selbst Blogger-Mozart Eike vom Klienicum hat (hier!) bereits über H-Burns geschrieben.
- Das Klienicum zu Shugo Tokumaru, klick!
- Das Klienicum hat Liz Green schon einmal live gesehen. Hier der Bericht.
- Tolle Fotos vom Konzert von Le Prince Miiaou gibt es bei le-Hiboo.com




Sonntag, 15. Februar 2009

Malcolm Middleton, Saint Ouen, 31.01.09

3 Kommentare

Konzert:
Malcolm Middleton beim Mo'Fo' Festival.
Ort: Mais d'Ouevres, Saint Ouen bei Paris
Datum: 31.01.2009
Zuschauer: so einige




An dieser Stelle muß trotz der inzwischen verstrichenen Zeit noch einmal gesagt werden, daß Malcolm Middleton mein ganz großer Held des wundervollen Mo' Fo Festivals in Saint Ouen bei Paris war! Der blass-blonde Schotte erschien alleine mit seiner Akustikgitarre und bestach durch sein äußerst feines, gefühlvolles und hochpräzises Spiel. Selten hat mich ein Singer/Songwriter so berührt und geradezu benommen gemacht vor Glück wie der Ex Arab Strap Musiker. Es war einfach wunderwunderschön und dies trotz all dieser deprimierenden Texte! Mit Four Cigarettes vom dritten Album A Brighter Beat hatte er mich erstmals angeknockt. In einer im Vergleich zum recht rockigen und reichhaltig instrumentierten Album reduzierteren Version, setzte er mit seinen typisch niederschmetternden Lyrics erste Wirkungstreffer: "You know I'm trying to find my way, I don't remember luck, I don't remember luck, I remember failure, after failure, I'm drinking too much, I'm running away." So ganz abgespeckt auf der Gitarre vorgetragen, wurden die Texte noch eindringlicher, noch berührender.

Kurze Zeit später traf der Schotte erneut wunde Punkte, als er nämlich Cold Winter vom ersten Album 5:14 Fluoxytine Seagull Alcohol John Nicotine intonierte. Wie er auf herzzereißende Art und Weise Sätze wie I'm to cold to be alone this winter oder vor allem I think I need professional help to get better this may take some time ", sang, daß war schon zum Schluchzen und manchmal hatte ich fast das Bedürfnis, mich an den Schultern meines Konzertnachbarn auszuweinen. Aber es galt Fassung zu bewahren, schließlich verzog auch Malcolm selbst kaum eine Miene. Wenn er seine depressiven Songs beendet hatte, bedankte er sich jeweils nur kurz, griff zu seinem Bierbecher, nahm einen kurzen Schluck und machte weiter. Anekdoten zu erzählen, ist wahrlich nicht seine Stärke, alles was er mitzuteilen hat, äußert er in seinen Liedern, großartige Erläuterungen braucht es da aus seiner Sicht anscheinend nicht mehr. Diese Zurückhaltung macht ihn sehr sympatisch, man merkt, daß er niemand ist, der eine große Show abziehen will und daß es ihm fast peinlich ist, für die Dauer seines Auftritts imMittelpunkt zu stehen. Ein Stoiker, dieser Malcolm, aber eben ein unglaublich liebenswürdiger, weil man merkt, daß er sein Publikum liebt und sich größte Mühe gibt, sein bestmögliches Konzert abzuliefern. Er ist einfach sehr konzentriert bei der Sache und spielt traumwandlerisch sicher, feinfühlig und präzise auf seiner Gitarre, wie man es ansonsten nur ganz selten erlebt. Er hat's einfach drauf, das wird einem schnell bewußt! Und wer verfügt schon über ein solch ungewöhnliches Songwriting, daß einem geradezu Lust darauf gibt, traurig und dpressiv zu sein.? Ja, die Depression wird hier regelrecht zelebriert und abgefeiert, bei dem wunderbaren Crappo The Clown, ebenfalls vom Debütalbum 5:14 Fluoxytine Seagull Alcohol John Nicotine stammend, wird das noch einmal ganz deutlich: "I can guarantee bad time and yes I can promise tears. I can destroy hope." Geht es niederschmetternder? Seltsamerweise führt aber gerade dieser Pessimismus zum Aufkeimen von Hoffnung, weil er mit einem solch lässigen Schulterzucken gegenüber den Unwägbarkeiten und Grausamkeiten des Lebens gespielt wird, daß man unweigerlich denkt: Schlimmer kann es ja wirklich nicht mehr kommen und überhaupt: Wer sagt denn, daß Leiden immer nur schrecklich sein muß? Hat uns Thomas Mann in seinem Zauberberg nicht gezeigt, daß im Leiden und der Krankheit auch eine bestechende Ästhetik liegen kann?

Ganz besonders aufhorchen ließ mich schließlich auch noch das abschließende The Devil and the Angel. "Last night when I was sleeping a devil came to me. She said Malcolm , Malcolm , your soul belongs to me. And you'll never amount to anything, you'll never achieve anything, you'll never be good at anything... and your songs are shite."

Kurze Zeit später begegnet Malcky aber im Traum ein Engel, der genau das Gegenteil von dem Teufel sagt und mit dem zutreffenden Satz : "And your songs are alright" abschließt. Am Ende muss sich Malcky für einen Weg entscheiden und ich empfehle jedem einmal das Ende des Songtextes zu lesen.

Das spielte aber für mich für die Beurteilung des Konzertes keine Rolle mehr, denn ich hatte es bereits Im Laufe des Sets getroffen: Die Lieder von Malcky sind mehr als nur "alright", die sind grandios! Und Malcolm Middleton ist in eine Reihe mit Helden wie Bonnie "Prince" Billy oder Elliott Smith zu stellen. Nichts weniger als das, jawohl! Cheers!

Malcolm, Malcolm , Malcolm!!!

Setlist Malcolm Middleton, Mo'Fo Festival, Mains d'ouvres Saint Ouen (der Künstler überreichte sie mir persönlich: cheers again!):


01: D&A
02: The Loneliest Night Of My Life Came Calling
03: Break My Heart
04: Devastation
05: Monday Night Nothing
06: A Brighter Beat
07: Four Cigarettes
08: Cheer Down
09: Pick Me Up
10: Week Off
11: Total Belief
12: Just Like Anything
13: Red Travellin' Socks
14: Shadows
15: Made Up Your Mind
16: The Devil & The Angel

Zusätzlich wurden auch Follow Robin Down, Cold Winter und Crappo The Clown gespielt, so ziemlich in der Mitte. M. Middleton hat sie erst später hinzugefügt, nachdem er Somebody Loves You und Ballad Of Fuck All kurzfristig aus dem Programm genommen hatte.

Links:

- Malcolm Middleton Videoclip Cold Winter
- Malcolm Middleton Videoclip Crappo The Clown
- Week Off live @ Santiago Alquimista





Mittwoch, 4. Februar 2009

The Wave Pictures, Laetitia Sheriff, The Fishermen Three, u.v.a., Saint Ouen, 31.01.09

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Konzert: Mo'Fo' Festival. Mit: Malcolm Middleton, The Wave Pictures, Laetitia Sheriff, Damon & Naomi, Jason Edwards, Arrigton de Dionyso, The Fishermen Three, Bob Robot

Ort: Mais d'Oeuvres, Saint Ouen bei Paris
Datum: 31.01.2009
Zuschauer: so einige, verteilt auf zwei Konzerträume



Eigentlich hatte ich nicht vorgesehen, auch beim zweiten Tag des feinen Mo' Fo Festivals in Saint Ouen, vor den Toren von Paris, mit dabei zu sein. Zu kräftezehrend sind nämlich solche Events für Konzertblogger, weil man dann Informationen über ein halbes Dutzend Bands zusammentragen und auswerten muß. Und darüber hinaus halte ich mir eigentlich gerne den Samstag für andere Dinge frei.

Das heutige Programm war dann aber doch zu verlockend und letztlich sollte ich mein Erscheinen keineswegs bereuen, im Gegenteil!

Ich kam sehr pünktlich an, schon zur ersten Band, den Franzosen Bob Robot, die einen melodiösen Powerpop boten. Es waren noch nicht sehr viele Zuschauer da und so hielt sich auch die Stimmung noch in Grenzen. Ich sah mir ein wenig den Vortrag an, war aber noch nicht richtig aufnahmefähig und wollte zudem ein wenig Kraft und Aufmerksamkeit für meine Lieblinge des Abends, Malcolm Middleton und The Wave Pictures, aufheben.

Ein wenig planlos schlenderte ich durch die weiträumigen Flure des Musikzentrums und beschloß, erst einmal etwas zu mampfen. Erstaunlicherweise war für Verpflegung gesorgt, eigentlich eine Seltenheit bei französischen Festivals, da die Fast Food - Kultur im Mutterland der guten Küche nach wie vor verpönt ist. Man ißt am Tisch oder gar nicht, so in etwa lautet die Devise der meisten Franzosen auch noch heute. Fresserei zwischen den Hauptmahlzeiten gilt als verpönt und unkultiviert. Oft schon haben sich Franzosen in meiner Umgebung über die deutsche Unsitte, auf der Straße Brat- oder Currywürste in sich reinzustopfen, belustigt. Wenn die Froschfresser dann aber mal im Kastanienalle-Viertel in Berlin sind, gehen sie auch gerne mal zu Konopke. Die sollen sich also mal gar nicht so aufspielen!

Mit gestärktem Magen ging ich zum nächsten Konzert über. Wobei ich mich im Falle von Arrington de Dionyso mit dem Ausdruck Konzert schwer tue. Was der schnauzbärtige Ami da auf der Bühne zeigte, hatte irgendwie mit einer stark improvisierten Performance- Kunst zu tun. Es war teilweise nicht alles andere als gruselig zu nennen, was der Bursche da so alles abzog! In einer besonders seltsamen Szene kniete er sich mitsamt einem Tambourin in der Hand auf den Boden und greinte sein Instrument an. Die Laute, die er dabei ausstieß, hatten etwas Schamanisches. Betrieb er da etwa eine Teufelsasusreibung, oder irgend etwas in der Art? Als hätte er Zahnschmerzen, greinte, stöhnte und ächzte er und ich bekam es fast mit der Angst zu tun! In einem anderen seltsamen Moment stieß er hingegen Laute hervor, die man so ähnlich von einem Muezzin in islamischen Ländern kennt. "Allah Ekber", ihr kennt das ja, wenn ihr schon einmal in Marokko, oder der Türkei wart...

Kraß, das Ganze!

Wer so etwas spannend findet, bekommt in Deutschland schon sehr bald die Gelegenheit, Arrington de Dinoysos Spektakel live zu sehen. Er spielt am 23.02. bei Madame Claude in Berlin, am 24.02. ist er in der Friese in Bremen, 25.02. irgendwo im hessischen Wetzlar und am 26.02. in der Ottinger Villa in Darmstadt. Viel Spaß und gute Nerven wünsche ich allen Zusehern!

Schließlich ging es aber wieder mit "richtiger" Musik weiter. Jason Edwards und seine mehrköpfige Begleitband waren an der Reihe. Und was der Amerikaner mit Wohnsitz Paris bot, war wirklich gut und hochklassig! Er selbst spielte Gitarre, aber seine Gruppe sorgte für eine abwechslungsreiche und originelle Instrumentierung. Es gab phasenweise zwei Saxophone gleichzeitig, dann ab und zu eine Querflöte, einen Kontrabaß und eine Backgroundsängerin, die mit ihrer lieblichen Stimme einen interessanten Kontrast zu der rauchigen und tiefen Stimme von Jason bildete. Auch die gespielten Songs waren gut, an ihnen klebte jede Menge heißer, trockener Wüstensand und man fühlte sich ziemlich bald nicht mehr in der Näge von Paris, sondern war irgendwo im Mittleren Westen der Vereinigten Staaten. Musikalische Ähnlichkeiten sah ich zu Künstlern und Gruppen wie Tom Waits, Bob Dylan Devotchka, Moriarty, Beirut und John Shannon. Obwohl ich vorher kein einziges Lied kannte, war ich von dem bluesigen und phasenweise psychedelischen Sound keine Sekunde gelangweilt. Eine wahre Entdeckung also. Ich habe mir fest vorgenommen, mich einmal näher mit dem Werk des Künstlers auseinanderzusetzen.

Das Gleiche gilt auch bezüglich der auf der anderen Bühne startenden Amerikaner The Fishermen Three. Das Trio, bestehend aus Simon Beins, Raphi Gottesman und Jack Lewis, bezeichnet seinen Stil schlicht als Country. Ganz so rustikal klingen sie aber freilich nicht, was vielleicht damit zu tun hat, daß sie auch Morrissey als Einfluss nennen. Eine richtige feine Band mit guten Songs sind diese Fishermen Three, erstaunlich, daß sie so dermaßen unbekannt sind! Aber das scheint sich schon dieses Jahr zu ändern, denn die drei Kerle touren in England mit den Cribs und das dürfte ihnen doch deutlich Auftrieb verleihen. Auch in Paris kamen sie ziemlich gut an, was auch daran lag, daß sie immer für einen Joke zu haben waren und bereitwillig Anekdötchen von ihrem Touralltag erzählten. Auffällig vor allem der Bassist: Der sah irgendwie wie Dave Grohl aus, trug aber keine engen Jeans, sondern eine Bermuda-Short und dazu ein Hawaii- Hemd.

Beschäftigt euch ruhig mal mit ihnen, es könnte sich als lohnend herausstellen!

Mit sehr sanften und harmonischen Klängen ging es weiter im Programm. Sie stammten von dem gemischten amerikanischen Duo Damon & Naomi, die früher auch einmal bei der Band Galaxy 500 aktiv waren. Er spielte damals Schlagzeug, sie Baß. Dies hat sich mit ihrem eigenen Projekt geändert, denn Damon ist nun Akustikgitarrist und Naomi Keyboarderin. Und noch etwas hat sich verändert. Waren sie früher von (Post)- Punk Bands wie Velvet Undeground, Joy Division und The Clash beeinflußt, sind sie im Laufe der Jahre immer folkiger geworden. Nicht weiter verwunderlich also, daß sie mit einer Coverversion von Tim Buckley in ihr Set starteten.

Alles klang fein und ausgewogen und die beiden strahlten eine unglaubliche Ruhe aus, die auch in ihrer Musik zum Ausdruck kam. Das Pärchen aus New York scheint keinen besondern Moden zu folgen und vielleicht werden sie auch deshalb von den Medien nicht wirklich wahrgenommen, auch ich persönlich hörte heute zum ersten Mal von ihnen. Dabei sind sie schon seit 1992 aktiv und haben mehr als ein halbes Dutzend Alben hervorgebracht, darunter auch ein Werk, welches sie zusammen mit der japanischen Band Ghost gemacht haben. Auch davon stammte ein Titel des heutigen Abends. Den Song New York City haben sie geschrieben, weil sie - wenn ich das richtig verstanden habe - in Boston leben und oft Sehnsucht nach ihrer alten Stadt haben. Es geht da auch um die Gefühle, die sie überkommen, wenn sie die Autofahrt von Boston nach New York antreten. Gute Musiker diese beiden Ostkünstler, aber - und hier kommt eine kleine Kritik - trotz der Wohlklänge, die sie verbreiten, eine Spur eintönig. Manchmal fehlte mir einfach ein wenig Feuer, ein Ausbrechen aus der Ruhe und Sanftheit. Deshalb wurde es mir irgendwann auch ein wenig zäh.

Dennoch: Damon & Naomi hätten durchaus mehr Aufmerksamkeit verdient!

Gleiches gilt auch für die jetzt antretenden The Wave Pictures. Die sind nämlich trotz ihres knabenhaften Aussehens schon eine routinierte und langgediente Band, was auch durch die Tatsache belegt wird, daß sie bereits 2002 beim Mo' Fo Festivals in Saint Ouen bei Paris angetreten waren. "Hey, uns gibt es schon länger als die Beatles!", rief dann auch treffenderweise der semmelblonde Sänger und Gitarrist David Tattersall aus. Und der Kerl hat recht, die Wave Pictures gibt es seit 1998 (damals nannten sie sich allerdings noch Blind Summit) und somit seit 11 Jahren, die legendären Beatles bestanden nur ganze 10 Jahre! David Tattersall amüsierte sich ohnehin köstlich darüber, daß seine Band in dem Programmheft als "Hoffnung und Geheimtip" für das Musikjahr 2009 bezeichnet wurde. "Ja haben wir denn die ganzen Jahre vorher etwa nichts gemacht?", wunderte er sich grinsend.

Nun, das natürlich nicht, aber vielleicht haben sie einfach mit dem aktuellen Werk Instant Coffe Baby ihr bisher bestes Album vorgelegt. Wie auch immer, Fakt ist, daß das Trio (neben David spielt der pausbäckige Franic Baß und Jonny Schlagzeug)) starke Lieder zu bieten hat! Strange Fruit For David z.B., das schon sehr früh kam, ist ein Hammer, den auch die musikalisch vergleichbaren The Coral nicht besser hinbekommen hätten! Auch der Text dazu ist ziemlich cool, Sätze wie "a scuplture is a sculpture/ marmelade is marmelade and a sculpture of marmelade is a scuplture but not marmelade", muß man sich erst einmal ausdenken!

Ihr unverschämter Retro-Charme und ihre Nonchalance kamen auf jeden Fall beim Pariser Publikum, darunter ihr Freund und Wegbegleiter David-Ivar aka Yaya Düne, der auch Schirmherr dieses Festivals ist, blendend an. Man nahm es ihnen auch nicht übel, daß Drummer Jonny Helm schon nach dem ersten Lied nichts besseres einfiel, als darauf hinzuweisen, daß man im Obergeschoß CDs verkaufe. Sänger David rettete die Situation, in dem er seinen Schlagzeuger anpflaumte: Hey why are you talking about money now? You have to charme the audience first and then you can talk about the business!"

Jonny rehabilierte sich ohnehin dadurch, daß er in der Mitte des Programms wie ein schüchterner Schuljunge, Now You Are Pregnant vortrug, nachdem er erläuternd vorausgeschickt hatte, daß es inhaltlich darum ginge, daß man sich in ein Mädchen verknallt habe und dann feststellen muß, daß sie von einem anderen schwanger ist. Tja, scheiße gelaufen!

Aber für die Wave Pictures selbst läuft es ja blendend, schließlich haben sie Hitsongs wie Kiss Me oder I Love You Like A Madman im Gepäck und somit endgültig das Potential, den Durchbruch zu schaffen. Zu wünschen wäre es ihnen, denn neben ihrer natürlich- sympathischen Art, begeisterten sie mit einem Sound im Stile eines Jonathan Richman und verblüfften das Publikum auch immer wieder mit ihren überraschenden Tempowechseln.

Ein klasse Auftritt war das! Daumen hoch für die Wave Pictures!

Es war schon weit nach Mitternacht, als die rassige Bassistin und Sängerin Laetitia Sheriff zusammen mit ihren beiden männlichen Kollegen an Gitarre und Schlagzeug auf der kleineren der beiden Bühnen an den Start ging. Einige Zuschauer hatten schon die Heimreise angetreten und so befand ich mich schließlich in Gesellschaft von richtigen Fans und Nachteulen. Das Konzert von Laetitia war ohnehin ein besonderer Bonus, denn es war ursprünglich nicht für diesen Samstag, sondern bereits für den Donnerstag vorgesehen. Da aber an jenem Donnerstag der ganze Festivaltag wegen der unsäglichen Streiks der Verkehrsbetriebe abgesagt wurde, kam man neben dem ursprünglichen Line-Up noch in den Genuß von Laetitia Sheriff, deren Konzert nachgeholt wurde. Wenigstens ein positiver Nebeneffekt der blöden Streikerei also!

Leatitia selbst war ohnehin alles andere als zum Streiken zu Mute, sie steckte ihre ganze Energie vielmehr in etwas Sinnvolles und Positives: In ihre höllisch rockende, düstere Musik nämlich! Nicht umsonst wurde sie schon des öfteren mit PJ Harvey verglichen und selbst wenn der Schatten der großartigen Engländerin noch viel zu lang sein dürfte, kann man die Französin, die in Paris und Lille aufgewachsen ist, getrost als eine der ganz großen Hoffnungen des französischen Indierocks bezeichnen! Würde sie ihr Akzent nicht ab und zu verraten, man könnte ihre Kompositionen für amerikanisch oder englisch halten. Hier wird nicht auf Teufel komm raus versucht, einen Hit für die Mainstreamcharts zu landen, sondern man geht bewußt den steinigen Weg, mit den Songs Leute aus der Indieszene für sich zu begeistern und über Mundpropaganda und gute Liveautritte bekannter zu werden. Nicht umsonst ist Laetitia bei dem feinen Pariser Label Fargo gesignt, das ansonsten eigentlich Größtenteils amerikanische Folkmusiker wie z. B. Alela Diane beherbergt. Zwei Alben stehen auf dem Guthabenkonto, darunter das aktuelle Games Over (2008), das von Kritikern besonders gelobt wurde. Hiervon stammten dann logischerweise auch die meisten Titel des circa. einstündigen, explosiven Sets. Highlights darunter hervorzuheben fällt mir nicht leicht, sicherlich gehörte aber Hullabaloo mit seinem markanten Baßlauf zu den auffälligsten Tracks. Auch Let's Party wirbelte Staub auf und brachte das wild abrockende Publikum zum Kochen. Mir war sowieso heiß, weil ich die glutäugige Sängerin enorm hübsch und attraktiv fand. Ich war anscheinend nicht der Einzige dem es so erging, denn mehrfach gab es von den Männern im Raume anerkennende Pfiffe, die die Umgarnte witzig und schlagfertig konterte, indem sie neckische Blicke in die Runde warf, ansonsten aber nicht weiter auf die Anmache reagierte, sondern anmerkte, daß dafür heute keine Zeit sei.

Ich werde Laetitia nicht nur wegen ihres attraktiven Äußeren im Auge behalten!

Setlist Laetitia Sheriff, Mo' Fo Festival Saint Ouen:

01: The Story Won't Persist
02: Solitary Play
03: Roses
04: Aquarius
05: Let's Party
06: Black Dog
07: Memento, Put Her In The Picture
08; Hullabaloo
09: Codification
10: Lockless

11: The Evil Eye

Anmerkung: Das Konzert des ebenfalls spielenden Malcolm Middleton werde ich ausgliedern und gesondert beleuchten, Malcey hat das verdient!

Links:

- Charmante Session von Le Cargo.org:

Laetitia Sheriff - Let's Party
Laetitia Sheriff -
Hullabaloo




 

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