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Mittwoch, 29. Februar 2012

Loney Dear, Wien, 23.02.12

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Konzert: Loney Dear & Bird People
Ort: rhiz, Wien
Datum: 23. 02. 2012
Zuschauer: ganz ok, etwa 70
Dauer: 70 Minuten Loney Dear

Wieso heißt Loney Dear eigentlich nicht Lonely Dear? Und wieso war er bis jetzt noch nie in Wien gewesen? Alles Fragen, auf die man auch bei einem Konzert des Schweden keine Antwort erwarten darf, dafür um einiges Relevanteres: ausgezeichnete Musik etwa oder eine angenehme Atmosphäre.
Am Haldern 2009 hatte ich den Herrn, der ja absoluter Stammgast am gemütlichsten Wochenende des Sommers ist, bereits einmal gesehen - Loney Dear with friends hieß das damals und sinnigerweise verstärkte eine Hand voll Instrumentalisten (darunter auch Patrick Watson) den Schweden und hinterließ einen höchst formidablen Eindruck.

Als ich gegen zehn ins rhiz kam, spielten aber noch Bird People und eigentlich wäre hier der Singular angebracht, denn grundsätzlich ein Kollektiv, war heute nur ein Bird anwesend, der es sich
auf einem Stuhl vor der Bühne mit seiner Gitarre gemütlich gemacht hatte. Seine Darbietung löste ihn mir eher ambivalente Gefühle aus. So gut ich das Material der Band finde, so einschläfernd fand ich heute die gespielten Songs. Der Begriff "psychedelisch" wurde hier wirklich bis zum Anschlag ausgereizt, ein anderer ("dramaturgisch") dagegen völlig außen vor gelassen. Kurzes Fazit: der Single Bird spielte reduzierte Musik auf einer Wellenlänge, auf der ich einfach nicht war an diesem Abend. Vielleicht beim nächsten Mal, eigentlich gefallen mir die veröffentlichten Sachen ganz gut.

Die Umbauphase war sehr kurz, es gab auch nicht besonders viel aufzubauen und so stand Emil Svanängen sehr bald auf der Bühne, ihm zur Seite war eine junge Frau gestellt, Susanna, wie sich noch herausstellen sollte. Der Platz vor der Bühne war gut gefüllt, wenngleich längst nicht voll - gerade so, dass man angenehm stehen konnte und überall gute Sicht hatte.
"I want your name/I want your name next to mine", erklang es dann auch schon in der charakteristischen hohen Stimme Emils, die mich immer wieder nett an die eines Kinderliedes oder einer Zeichentrickserie erinnert.
Dann folgte I was only going out, fast schon ein Klassiker im Repertoire des Skandinaviers, Loney Blues war dann wieder ein neuer Song.

Dann stellte Emil Susanna vor und kündigte an, dass der nächste Song erstmals duetthaft werden würde, Violent nämlich. Gelang auch großartig, einzig die Belüftungsanlage schien Emil zu stören, er versuchte auf mehrere Art, den Techniker zum Abschalten der Anlage zu bringen. In der Tat war diese heute ziemlich laut zu hören, was nicht zuletzt auch an der bewusst geringen Lautstärke Loney Dears lag. Das gelang auch irgendwann, just in dem Augenblick als die U6 über das rhiz ratterte. Emil schmunzelte und verlieh der Linie das Prädikat ("indie"). Nach dem nächsten Song teilte er dann seine Beobachtung mit dem Publikum, wie ähnlich das sanfte Schlagzeugspiel mit Paukensticks und das Geräusch einer 100-Tonnen-Garnitur über den Köpfen sei.

Dann spielte er sich als Multiinstrumentalist und Loop-Künstler weiter durch sein Set aus Klassikern, neuen Songs und (zumindest von mir) zuvor weniger beachteten Perlen, erntete große Zustimmung und Zuneigungsbekundungen aus dem Publikum und gab die eine oder andere Geschichte zum Besten. Von denen ich zwar viele schon wieder vergessen habe, aber der Gesamteindruck ist unverändert: Loney Dear ist kein Entertainer, sondern ein hervorragender Gastgeber, der einfach (und das ist gar nicht so einfach) will, dass sich seine Gäste rundherum wohl fühlen.

Aber irgendwann musste auch Schluss sein, die beiden verabschiedeten sich und verließen die Bühne. Zurück kam nach durchaus heftigem Applaus erstmal nur Emil, der mit Dear John die Glut am Lodern hielt. Wie gut es ihm Wien gefalle, sagt er dann und irgendwie kam er dann auf die Verschiedenheit des europäischen Publikums zu sprechen und vom Hundertsten aufs Tausendste gekommen, fragte er in die Runde, ob denn Franzosen anwesend seien, ansonsten würde er sich mal über diese auslassen (Oliver, du hast das nicht gelesen). Ein frankophoner Jüngling ganz hinten bejahte das und setzte eine ausführlichere Replik dran, die ich nicht verstand. Emil lachte und meinte, dass ihm Franzosen jedenfalls immer noch lieber seien, als Engländer. Woraufhin sich jemand aus England zu Wort meldete, aus Brighton genau, wie sich auf Nachfrage herausstellte. Brighton gelte eh nicht, meinte Emil dann, da dort seine Eltern immer Urlaub gemacht hätten. Ganz fürchterlich seien jedenfalls die Liverpooler...
Er redete sich um Kopf und Kragen und konnte sich mit den geernteten Lachern doch sicher sein, dass jeder diesen Exkurs richtig - nämlich ironisch - verstanden hatte.

Derart zufrieden gab es dann einen Nachschlag, nachdem jeder brav und gern zusammengegessen hatte, Emil rief nach Susanna, die kämpfte sich wieder nach vorne und gemeinsam gaben sie Sinister in a State of Hope zum Besten. Damit endete dann ein sehr kurzweiliger und von positiver Stimmung geprägter Abend, eine Einladung an den Merchandisingtisch folgte noch, und falls jemand kein Geld verdiene, dann ließe sich da doch sicher auch was machen... Ein höchst sympathischer Bursche, dieser Schwede (auch wenn auf seiner Bandpage "rhiz Vienna, Australia" angegeben war), der einfach tolle Musik macht und einen Abend mit guter Laune füllen kann. Es hat definitiv schon Bands mit schlechterem Preis/Leistungs-Verhältnis gegeben! (Beispielsweise zehn Kilometer weiter, Justice im Gasometer *hust*). Tack, Emil!

Setlist Loney Dear, rhiz, Wien:

01: Name
02: I was only going out
03: Loney Blues
04: Violent
05: Young Hearts
06: I am John
07: Harm
08: My Heart
09: Airport Surroundings
10: Saturday Waits

11: Dear John (Z)
12: Sinister in a State of Hope (Z)


Aus unserem Archiv:

Loney, dear, Paris, 27.01.12
Loney, dear, Paris, 19.11.11
Loney, dear, Paris, 03.07.10
Loney, dear, Paris, 02.07.10
Loney, dear, Haldern, 14.08.09
Loney, dear, Paris, 03.03.09
Loney, dear, Paris, 18.01.09
Loney, dear, Köln, 12.11.08
Loney, dear, Haldern, 08.08.08
Loney, dear, Frankfurt, 11.05.08
Loney, dear, Paris, 12.11.07
Loney, dear, Haldern, 04.08.07
Loney, dear, Paris, 15.05.07

Danke für das Bild an David Avazzadeh!

Dienstag, 7. Februar 2012

Soap&Skin, Wien, 06.02.12

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Konzert: Soap & Skin

Ort: rhiz, Wien
Datum: 06.02.12
Zuschauer: gesteckt voll, 150-180?
Konzertdauer: 60 Minuten


Soap&Skin gratis im rhiz? Viele dachten wohl eher an einen Scherz, als durchsickerte, dass das Ausnahmetalent einen Auftritt in Wohnzimmerdimension spielen würde. Der Fasching treibt ja oft gar seltsame Blüten!

Wer sich trotzdem und auch trotz der kurzfristigen Hysterie um den Gig Richtung rhiz aufmachte, wurde belohnt. Zumindest wenn er vor halb neun ankam, denn da wurde dicht gemacht. Kuschelig wars, aber noch nicht drückend eng. Ein mit einer Plane überdecktes E-Piano stand schon auf der Bühne, ansonsten hieß es bis zur anvisierten Auftrittszeit aber zwei Stunden warten. Alles kein Problem, wenn die Musik dermaßen gut ist, wie sie es in der Veranstaltungsreihe Club Waidwund eben ist. Eigendefinition: "Musikalische Depressionen von unermesslicher Schönheit. Monatlich im rhiz."
Auch vor den Fenstern gab es einiges zu schauen: Zuspätgekommene, die sich einen Platz mit Sicht auf die Bühne sichern wollten, vor allem aber dichtes Schneetreiben. Dies zum ersten Mal richtig in diesem Jahr und auch wenn ich auf Schnee in der Stadt dankend verzichten kann, muss man Neuschnee und der damit verbundenen Atmosphäre schon eine gewisse ästhetische Qualität attestieren. (Morgen darf die weiße Pracht aber gerne wieder verschwunden sein!)
Außerdem tropfte es von den Lüftungsrohren an der Decke, was kleinere Platztauschorgien zur Folge hatte. Je heißer es drinnen wurde, desto irrelevanter wurde der Segen von oben dann aber.

Viertel nach zehn betrat Anja Plaschg dann die - diesmal halbierte - Bühne, deckte das Piano ab und stellte ihr MacBook drauf. Das Gedränge wurde gleich mal größer, da auch die Leute aus dem Foyer vor die Bühne strömten, der Tontechniker bekam dadurch offensichtlich nicht mit, dass seine Dienste schon gefragt waren. Um Sichtkontakt zum etwa fünf Meter entfernten Mann an den Reglern herzustellen, musste sich Plaschg auf die Zehenspitzen stellen und zusätzlich die Hand heben.

Dann ertönten auch schon mächtig die Klavierakkorde von Big Hand Nails Down, dem letzten Song des neuen Albums. Wo zuvor noch laut gelacht wurde, Gläser klirrten und Stühle scharrten, kehrte augenblicklich Stille ein.
Keine andächtige, sondern sehr gespannte. Immerhin handelte es sich hier um den ersten Auftritt der guten Frau seit vielen Monaten und den ersten überhaupt mit neuem Album. Von dem auch Cradlesong stammte, aber gut, zum neuen Album dann vielleicht freitags ein paar Worte, da steht das offizielle Release-Konzert in der Arena an.

Cry Wolf dagegen ist altbekannt, dennoch leistete sich Plaschg einen kleinen Fehler beim Einsatz zur Laptop-Spur und musste neu beginnen. Das schien sie aber überhaupt nicht mehr, wie das vor ein paar Jahren noch so schien, aus der Bahn zu werfen, der zweite Anlauf gelang souverän.
Gewaltiges Nervositätspotenzial hätte aber auch Vater geborgen, Plaschgs Song an ihren Vater, der vor zweieinhalb Jahren plötzlich verstorben war. Der Entstehungsprozess jenes Songs war dem Vernehmen nach mühevoll und belastend, umso bewundernswerter, wie stark Plaschg diesen Song performte. Als Unterstützung darf man da wohl die Anwesenheit ihrer Schwester (zumindest spricht die Ähnlichkeit dafür) werten, die zu ihr gewandt an der Wand saß und die Backing Vocals gab.

Nach dem Applaus folgte ein flotte Improvisation am Piano, die sich aber zu einem richtigen Ausbruch steigerte, Soap&Skin hämmerte in die Tasten wie wild geworden. Etwas richtig Anspruchvolles schien in ihr vorzugehen, das Wort "Anschlag" entfaltete richtiggehend seine Doppelbedeutung. Plötzlich sank Plaschg erschöpft in sich zusammen, "Fuck". Eine Taste des Pianos hatte Schaden genommen. "Mach dir nichts draus! Auf ORF2 war gestern eine Doku über einen Klavierreparateur, der kriegt das sicher wieder hin!", rief jemand aus dem Publikum.
Soap&Skin konnte das nicht wirklich trösten, sie wollte nicht akzeptieren, dass ihr Instrument, das sie seit dem Alter von sieben Jahren besäße, auf einmal hinüber sei. Ihre Miene spiegelte eine Mischung aus Verzweiflung und Fassunglosigkeit, ich rechnete mit dem Abbruch des Konzertes. Gerade als die Taste wieder einrastete und alles erleichtert aufatmete.

Es folgte eine verdammt gute Version eines Kelly Family-Songs (vielleicht sollte ich mich mal mit dieser Kommune beschäftigen), ironischerweise betitelt: She's Crazy.
Zwei Songs von Lovetune for Vacuum später gab es eine weitere Kostprobe aus der musikalischen Frühsozialisation der Steirerin: "Ich spiele jetzt den letzen Song. Ihr kennt ihn." An Angel, wieder von besagter Formation. Und wieder großartig. Ist die Kelly Family einfach unterschätzt, oder hat Soap&Skin schlichtweg die Fähigkeit, aus Scheiße Gold zu machen? Liebe Kenner der Kelly Family, klärt mich auf!

Nicht endenwollende Applausbekundungen zwangen Soap&Skin eine Zugabe auf, wieder ein Cover. The End von den Doors. Ein Klassiker und perfekt passend zu diesem Abend. "This is the end, beautiful friend. This is the end, my only friend."

The end - eine angedeutete Verbeugung und der Abgang. Zurückgelassen: begeistertes, nicht verstörtes, aber desorientiertes Publikum, beschenkt mit einer kostenlosen Darbietung allerhöchster Güte. Von der Straßenlaterne beschienen warf der alte Baum vor dem rhiz einen dunklen, verästelten Schatten auf die beschlagenen Scheiben. Ein Abend, der wieder mal kaum in Worte zu fassen war. Oder doch? "Ich hab ins Dunkle gesehen, ich habe Stimmen gehört. Die waren so schön, wie nichts auf der Welt." Danke, Tocotronic!

Freitag dann mehr über die großartige Dame und ihr neues Werk. Danke Club Waidwund, danke Soap&Skin, danke rhiz. Und danke Winter, für die metereologische Illustration dieses Abends.

Setlist Soap & Skin, Wien, 06.02.12:

01: Big Hand Nails Down
02: Cradlesong
03: Cry Wolf
04: Lost
05: Vater
06: Instrumental
07: She’s Crazy (The Kelly Family Cover)
08: The Sun
09: Thanatos
10: An Angel (The Kelly Family Cover)

11: The End (The Doors Cover) (Z)

Danke für die Fotos an Club Waidwund!



Montag, 5. Dezember 2011

Immanu El, Wien, 29.11.11

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Konzert: Immanu El
Ort: rhiz
Datum: 29.11.2011
Zuschauer: ca. 100
Konzertdauer: 65 Minuten

Über mangelnde Präsenz von Immanu El in Wien darf man sich wirklich nicht beschweren. Alle halben Jahre kommt die Schweden-Band ins Land, nach einem Auftritt im Chelsea Ende März führte diesmal der Weg ins rhiz, neues Album inklusive.

Mit der sicheren Gewissheit, dass da
s Konzert frühestens um elf beginnen würde, traf ich kurz vorher ein und erwartungsgemäß spielte die Vorband Neonstream gerade ihren letzten Song.
Was die Erwartungen übertraf, war die Zuschauerzahl. Diesmal waren nämlich deutlich mehr Leute gekommen als beim letzten Mal. Etwa 100 Leute fanden sich zwanzig Minuten später im Raum vor der Bühne ein, wo Immanu El gerade ihren Soundcheck vollendeten und Lars Stigler, Tontechniker des rhiz und beim letzten Konzert als Support aufgetreten, die Leinwand für die Visuals herabzog.

Der erste Song war, wie könnte es anders sein, Under your wings I'll hide. Der Klassiker vom ersten Album They'll come, they come löste auch erste Freudebekundungen im Publikum aus, wenngleich der Sound (vor allem der Gesang) noch nicht so toll war. Das änderte sich aber recht schnell und die zweite Neuerung waren die Visuals, die mit Skagerak einsetzten und in entschleunigter Machart das Meer aus unterschiedlichen Perspektiven zeigten.
Skagerak, das war übrigens ein neuer Song und zwar der erste vom Neuling In Passage. Das Album setzt auf alte Stärken, begleitet von etwas voller klingender Produktion, ist im Wesentlichen also ein Immanu El-Album, wie man es erwartet hat.

Auch The Treshold stammt von diesem Album, ein wunderschöner Song mit sehr elegischen, sich beinahe kitschig im Einklang befindlichen Stellen. Wo Immanu El immer die Zeit für neue Alben mit derart hoher Qualität hernehmen ist echt eine gute Frage, sind sie doch teilweise Monatelang ununterbrochen in Europa unterwegs und das mehrmals im Jahr.
Fakt ist jedenfalls, dass es die Göteborger heraußen haben, Lautes und Leises gegeneinander auszuspielen, Ruheminuten in plötzlichen Eruptionen enden zu lassen.

In dieser Hinsicht leider nicht gespielt wurde To an Ocean, ebenfalls ein Vertreter des aktuellen Albums. Als Paradebeispiel dafür könnte man genauso gut aber auch einen alten Song wie Astral Days zitieren oder Tunnel, das von einem der Gitarristen mit "Oldies, but Goldies" angekündigt wurde.
Dazwischen bekam man zu hören, wie gerne Immanu El immer wieder nach Wien kommen, auch wenn sie mit grausamer Zuverlässigkeit stets kurz nach der österreichischen Grenze von der Polizei wegen Überladung des Transporters aufgehalten würden und die Fahrt immer sehr lang sei.
Schön jedenfalls, dass sich nicht nur die Uniformierten dieses Landes für die Schweden interessieren, sondern auch eine zunehmende Schar Konzertgänger. Das fast volle rhiz war ein erfreuliches Zeichen dieser Tatsache.
Ein bisschen sind Immanu El die I Like Trains Schwedens, nur ein bisschen weniger dramatisch und dafür gesprächiger.

On Wide Shoulders, das Stück des Konzertabends mit dem deutlichsten Gesangspart, beendete das Konzert nach einer guten Stunde vorläufig, recht ausgeprägter Applaus folgte, zurück auf die Bühne brachten Immanu El aber erst Zurufe und nette, aber unnachgiebige Gesten. Ein bisschen waren sie wohl müde (wie sich auch später am Merch-Stand herausstellte), dennoch fähig, mit Agnes Day einen absoluten Schluss- und Höhepunkt zu setzen. "In heights it's so quiet, in cold nights we're tongue-tied."

Das Konzert im rhiz, wo Immanu El übrigens vor zwei Jahren zum ersten Mal in Wien spielten, war wieder ein wunderschönes Erlebnis. Wenngleich es stark dem letzten ähnelte, wirkte es weder abgestumpft noch unauthentisch. Eher im Gegenteil: Ein weiterer Abend, der mit vollendeter Schönheit zum Schwärmen brachte und die Maßstäbe für Postrock-Konzerte mühelos erweiterte. Dank an die Band, deren Leidenschaft uns halbjährlich zugute kommt, und an die dendritic shows. Man sieht sich in einem halben Jahr wieder!

Setlist Immanu El, rhiz, Wien:

01: Under Your Wings I'll Hide
02: Skagerak
03: The Treshold
04: Archers
05: Astral Days
06: Tunnel
07: On Wide Shoulders

08: Agnes Day (Z)


Ausgewählte Tourtermine:
16.12.11 - Paris, tba
19.12.11 - Jena, Café Wagner
20.12.11 - Köln, MTC
21.12.11 - Kiel, Schaubude


Aus unserem Archiv:

Immanu El, Berlin, 25.11.11
Immanu El, Wien, 30.03.11


Die Fotos stammen mangels Konzertfotos aus dem Tourblog von Immanu El. Danke!

Mittwoch, 11. Mai 2011

Arms and Sleepers, Wien, 10.05.11

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Konzert: Arms and Sleepers & Absent without leave
Ort: rhiz, Wien
Datum: 10.05.11
Zuschauer: ca. 50
Konzertdauer: Arms and sleepers 70 Minuten


Hm, das wird wohl wieder ein schwärmerischer Konzertbericht. Wer aufgrund seiner aktuellen Gemütslage einen kleinen Verriss sucht, den muss ich enttäuschen - Arms and Sleepers sind klasse und haben das soeben unter Beweis gestellt. Fundiertere Ansichten (und ein bisschen vom üblichen Gerede um den heißen Brei) gibts hier ganz bald. Wer einen Verriss lesen will, kann ja mal nach Rezensionen zur aktuellen Strokes-Platte googlen.

Ich kann damit nicht dienen, schon gar nicht bei einem rhiz-Konzert. Da hab ich bis jetzt echt nur gute bis erstklassige Abende verbracht. Absent without leave, ein Grieche, sah ich dann etwa ab der Hälfte seines Sets, das er mit Gitarre am Rand der Bühne stehend bestritt. Auf einer kleinen Leinwand über seinem Kopf flimmerten Naturbilder und seine Musik geht auch einwandfrei als Soundtrack zu Waldspaziergängen etc. durch. Hört man sich alles gern an, aber einen wahnsinnig bleibenden Eindruck hat das leider nicht hinterlassen. End of july ist der einzige Song, an den ich mich erinnern kann. Aber ich muss zugeben, dass ich solche entspannte Musik zum Nebenbeigenießen doch recht mag. Wer weiß, was gewesen wäre, wenn ich meine ganze Konzentration schon jetzt verblasen hätte - war ja so schon müde genug...

Auch George Mastrokostas, der Mensch hinter Absent without leave, wirkte reichlich müde oder vielleicht auch etwas schlecht gelaunt, immerhin schaute er sich Arms and sleepers sitzend von der Seite aus an und ging nicht gleich schlafen.

Die großartigen Arms and sleepers, auf die ich mich schon so gefreut hatte, betraten dann recht spät, so gegen halb zwölf, die Bühne und stimmten ihre Instrumente, während ein Techniker sich mit der DVD ihrer Visuals abmühte. Diese wurden übrigens auf ein großes Leintuch an der Wand projeziert - keine Ahnung, warum Mastrokostas nicht auch gleich diese mitverwendet hatte...

Nachdem die Problemchen mit dem Beamer bereinigt waren gings auch schon los. Die zwei Engländer waren von Anfang an tief in ihr Spiel versunken, kein Wunder bei derart komplexen Songstrukturen und diversen Einsätzen verschiedener Instrumente innerhalb weniger Sekunden. Viel redeten sie jedenfalls nicht. Hätte - da bin ich mir sicher - auch die richtig überwältigend fragile Stimmung ein wenig zerstört.

So spielten Arms and sleepers, übrigens haben die eine höchst skurrile Entstehungsgeschichte, ihre perfekt inszenierten Songs wie The Architect oder Helvetica. Der absolut großartigste Moment des Abends wurde allerdings von meinem Lieblingssong Twentynine Palms gestellt. Erst hatte ich den Anfang davon gar nicht erkannt, weil er leicht verändert gespielt wurde, dann überkam mich mit einem Schlag dieser Gänsehautmoment, den man hat, wenn man sich Wochen auf einen Song freut, er dann gespielt wird und alle Erwartungen in den Schatten stellt.

Danach war ich hauptsächlich nur mehr müde und kann mich nicht mehr an übermäßig viel erinnern. Arms and sleepers bedankten sich jedenfalls (durch das verzerrte Mikrofon) und verkauften danach noch ordentlich Platten (ich hab mir auch ein Exemplar von Matador gesichert), ich machte mich auf den Weg zum Nachtbus. Am nächsten Tag spielten die Arms and sleepers noch eine Session für They Shoot Music, reiche ich nach, sobald sie veröffentlicht ist.

Die Leute im rhiz (einige, aber hätten noch eine Spur mehr sein können) erlebten berührende, teilweise erschaudernd ans Herz gehende 70 Minuten, die so schnell nicht wieder verloren gehen werden. Sobald sich meine Plattennadel auf Matador draufsenkt, sind sie wieder da... Und gegen einen neuerlichen Besuch hätte wohl auch niemand was einzuwenden!



Setlist Arms and sleepers, rhiz, Wien:

01: Kepesh
02: Tusk
03: I sing the body electric
04: The afternoon child
05: The Architect
06: Twentynine palms (Nolens Volens Remix)
07: 71 Fragments of a chronology of a chance
08: I was a climber
09: L-Orrizont
10: Matador (Uzi & Ari Remix)
11: 80/20 (AAS Remix)
12: Simone

13: Oh silo (Z)

Bild 1 ist dieser Seite entnommen, Bild 2 wurde von Samuel Doyon geschossen.

Donnerstag, 17. März 2011

Wild Moccasins & Diver, Wien, 14.03.11

3 Kommentare

Konzert: Wild Moccasins & Diver
Ort: rhiz, Wien
Datum: 14.03.2011
Besucher: hm, 100?
Dauer: Diver ca. 35 Minuten, Wild Moccasins eine knappe Stunde


Die Wild Moccasins sind bis jetzt eine meiner Entdeckungen des Jahres. Wobei das Possesivpronomen da eigentlich nichts verloren hat, diese Entdeckung habe ich Andrei von den dendritic shows zu verdanken, der diesen Tipp vermutlich wieder von jemand anderem gesteckt bekommen haben wird. Whatever - diese Band hat mich die ersten Frühlingstage begleitet und auch schon so manchen kalten Wintertag, der 14.03. fiel in die Kategorie 'Frühling' und hatte auch nach Verschwinden der Sonne ein Highlight zu bieten: Wild Moccasins im rhiz.

Als ich gegen zehn dort eintraf, war das mir mit Abstand liebste der Gürtellokale bereits sehr gut gefüllt. Zuerst dachte ich ja kurz, Deckchair Orange hätten kurzfristig den Support übernommen, weil ich deren gesamte Band unter den Leuten erspähte, aber das war wohl eher so eine Art Betriebsausflug. Oder sind DCO vielleicht sogar abseits der Bühne noch Freunde? In der Post-Oasis-Ära soll ja tatsächlich so einiges möglich sein...

Diver waren mir an diesem Abend eh lieber, von denen an dieser Stelle ja schon einmal berichtet wurde. WUK und rhiz sind dann dimensionell doch ein wenig auseinander, weswegen mir zweiter Auftritt noch besser gefiel. Eröffnet wurde der Auftritt der drei Mann-Band wieder mit Illusions, einem Song, den ich im Februar noch den Kings of Convenience zugeschrieben hatte, so sehr klang der nach denen. Sorry liebe Diver - aber es soll einem nichts Schlimmeres passieren, als mit den Norwegern verglichen zu werden.

Auch die anderen Songs, fast alle auf der kürzlich erschienen EP drauf, wussten zu überzeugen, am Besten gefiel mir Paralyzed mit der Mundharmonika-Begleitung. Wenn sich Diver, die im Sinne der DÖF aus Berlin, München und Wien stammen, mit den hoffentlich folgenden Machenschaften noch ein wenig von den großen Vorbildern (in Interviews werden da Bon Iver, Bob Dylan und eben KoC genannt) emanzipieren, kann man sich durchaus sehr Gutes erwarten. Eine große Zukunft kann man in Zeiten wie diesen sowieso keinem im Musikbusiness prophezeien.

Die EP habe ich hernach auch erworben, die ganzen Bewerbungen bezüglich "selbstgenäht" hatten mich neugierig gemacht. Und im WUK hatte ich keine mehr bekommen. Im Endeffekt hatte man zwei hübsch bedruckte Pappestückchen an den Rändern zusammengenäht. Das nennt man Marketing...

Aber es geht ja weniger um die Verpackung, als um den Inhalt und der ist sehr gut, schwermütig und ruhig. Wild Moccasins machen dagegen sehr lebhafte Musik.
Sogar der U-Bahn-Zeitung, die gewöhnlich eher selten auf Konzerte unseres Zuschnitts hinweist, war die texanische Band eine Ankündigung mit Bild wert. Es geschehen noch Zeichen und Wunder...

Fünfköpfig standen die Wild Moccasins dann auf der Bühne, Energiebündel Zahira Gutierrez sang, hin und wieder unterstützt von ihrem Adjutanten Cody Swann.
Ein Album und eine EP hat man bereits herausgebracht, die im Wesentlichen das gesamte Set trugen. Song vier war bereits mein Liebling, Late Night Television, ein flottes Stück der ganz reizenden Art, eine Einladung zum Tanz per se. Der folgten allerdings noch nicht so viele. Zahira begrüßte dann Wien, bedankte sich für das zahlreiche Erscheinen, der Bassist zupfte im Hintergrund die Melodie der Kleinen Nachtmusik. Ein Wolfgang Amadeus-Cover sozusagen. Erntete auch zustimmende Lacher.

Am Nachmittag hatten They Shoot Music (das Wiener Pendant zu Vincent Moon's Take-Away Shows) eine Session mit Wild Moccasins am Gelände von Schloss Schönbrunn aufgezeichnet, das dürfte wohl kreativ gefruchtet haben.
Aber an Kreativität mangelt es den fünf lebensfreudigen Südstaatlern sowieso nicht, besonders Skin Collision Past ist ein herzliches, fröhlich-beschwingtes und dabei
ausgenommen vielfältiges Album.

Live geht zwar ein wenig von den Details der Songs verloren, die Wild Moccasins tauschen hier Perfektionismus gegen Spielfreude und das ist wohl eine richtige, auf jeden Fall aber tanzbare Entscheidung.

Und so taute das Publikum langsam auf, wippten anfangs nur einzelne Zehen, konnte man bei Skin Collision Past schon ganze Körper in Bewegung sehen.
Schön so - die letzten vier Songs waren diesbezüglich die ausgelassensten. Vor den großen Glasfenstern hatten sich auch einige Schaulustige eingefunden, die zwar eher weniger hörten, dafür optisch mehr geboten bekamen. Nach Fruit Tea verabschiedete sich die Band dann schnell von der Bühne, die nach Beifallsbekundungen aber auch schnell wieder betreten wurde. Shiny Strings von der EP, einer der wenigen Songs, auf denen Cody die Hauptstimme übernimmt, wurde somit der Schlusspunkt eines ausgelassenen Konzerts, das hoffentlich alle U-Bahn-Zeitungsleser (gibt natürlich niemand zu, dass er den Müll liest - ich hab mir ja eigentlich auch nur sagen lassen, dass Wild Moccasins darin erwähnt werden...), den Anhang von Diver und auch Deckchair Orange überzeugt hat. Fotos gibts leider keine - die superhippen Bloggerknipser waren entweder zu hip für das rhiz, beim Friseur oder noch im Post-Wochenendmodus. Deshalb zeigen wir euch lieber, wie es ausschaut, wenn Wild Moccasins in Washington spielen:

Wild Moccasins @ Walter's on Washington from James Ha on Vimeo.



Setlist Wild Moccasins, Wien, 14.03.11:*

01: 80's song
02: It's Health & My Own
03: Calendar
04: Late Night Television
05: Spanish & Jazz
06: Born Blonde
07: Psychic China
08: Funk song
09: Skin Collision Past
10: Zylophone
11: My Favourite Die
12: Fruit Tea

13: Shiny Strings (Z)

* Danke an Alexander für die Hilfe bei der Setlist!

Foto#1 stammt von den Kollegen von They Shoot Music, die vor dem Konzert eine Session mit Wild Moccasins aufgezeichnet haben.
Foto#2 stammt von ink.music.
Foto#3 stammt von den Wild Moccasins, geschossen in Schönbrunn.
Foto #4 is dedicated to Oliver Peel, taken by Wild Moccasins.

Aus unserem Archiv:

- She Keeps Bees & Wild Moccasins, Paris, 05.02.11
- Francis International Airport & Diver, Wien, 02.02.11



Dienstag, 23. November 2010

Strange Boys, Wien, 22.11.10

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Konzert: The Strange Boys & Beat Beat

Ort: rhiz, Wien

Datum: 22.11.2010

Zuschauer: puh, 100 auf jeden Fall...
Konzertdauer: Beat Beat 30 Minuten, die Strange Boys 80 Minuten


Das war heute vielleicht ein toller Abend. Und das, obwohl ich eigentlich gar nicht geplant hatte, hinzugehen. Ein glücklicher Umstand verfrachtete mich dann doch ins rhiz, wo die Strange Boys aus Texas anzutreffen waren.
Grundsätzlich nicht ganz meine musikalische Heimat, war ich von diesem psychedelisch-rockigen Garage/Lo-Fi/Blues-Quintett höchst angetan.

Weniger spektakulär fand ich da die Vorstellung Beat Beat, die zu dritt (O-Ton Schlagzeuger: "Wir sind kein Trio, deshalb sind wir auch zu dritt") schrammelten, das es eine Freude war (am meisten für die Band selbst), dabei aber nichts wirklich Neues ablieferten. Frei nach Karl Kraus: "Es ist alles schon gespielt worden, aber noch nicht von jedem."

Ein "Who The Fuck Is Mick Jagger"-Shirt und Sonnenbrille trug das gitarrespielende Drittel des Nicht-Trios und ich weiß zwar auch nicht, wer Mick Jagger ist, dafür weiß ich mit Sicherheit, dass sich Beat Beat mit ihrer Eigen-Schubladisierung auf Myspace einen Scherz erlaubt haben: Die Klagenfurter/Wiener mögen ja alles sein, aber bestimmt nicht Emotronic/Salsa/Zouk.

Auch während des Konzerts wurden ein paar Kalauer serviert (vorrangig aus dem Eck, in das der Drummer mit seinem Equipment gepfercht war), im Wesentlichen aber erfüllten Beat Beat ihre Aufgabe ganz gut und die lautete, das Publikum auf die Strange Boys einzustimmen. Ob das jetzt mit humoristischen Einlagen oder schwungvoller Garage-Musik gelang, darf jeder für sich selbst entscheiden.

Da ich die Strange Boys nur unwesentlich besser kenne als ihre Vorband, kann ich heute leider nicht mit Setlist und ähnlichem Fachwissen dienen, meine
Eindrücke dieses texanischen "Katzenmusik-Wunders" (c/FAZ) will ich dennoch ganz kurz schildern.

Zu fünft standen die Strange Boys dann auf der kleinen Bühne (eigentlich stand der Bassist aus Platzgründen sogar im Zuschauerraum) und zeigten dem trotz aller gegenteiligen Erwartungen zahlreich erschienen Publikum, wo in Texas der Hase lang läuft.

Schräge Töne sind bei den Strange Boys nicht ungewöhnlich, sondern sogar programmatisch. In der Tradition großer Psychedelic aus vergangenen Jahrzehnten spielten sie sich die Seele aus dem Leib, es gab großartig tanzbare Passagen sowie ruhigere akkustische Nummern, Saxophon-Solos und Gitarrenlärm, es gab stellenweise Wohlklang und dann wiederum Herausforderungen an das mitteleuropäische Harmonie-Verständnis - gut, die komischen Jungen heißen ja auch nicht umsonst so.

Dem Publikum schien es auch sehr zu gefallen (besonders gut kamen "Be Brave" und "Night Might" an), was Ryan Sambol auch bemerkte und sich bei der "most amzing audience so far" bedankte. Saxophonistin Jenna wollte das ein wenig revidieren, aber Ryan ließ da keine Zweifel zu und verlautbarte auch, gerne wiederkommen zu wollen.

An mir und allen, die im rhiz waren, solls nicht scheitern. Man sieht ja wirklich selten Bands, die einen den eigenen musikalischen Horizont ein wenig erweitern lassen, besonders aus den amerikanischen Südstaaten habe ich bis jetzt in dieser Hinsicht noch wenig vernommen. Das hat sich ein wenig geändert.
Und vielleicht geht ja auch Kollege Oliver, der über die Strange Boys schon mal auf französisch geschrieben hat, nächste Woche zu den Texanern in die Flèche d'Or und gibt dann eine etwas fundiertere Expertise ab als ich es konnte. Die Strange Boys hätten es sich verdient!

Aus unserem Archiv:

The Strange Boys, Paris, 16.07.10


Vielen Dank für das Foto an Mehan Jayasuriya!




Freitag, 1. Oktober 2010

Horsefeathers & Woodpigeon, Wien, 30.09.10

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Konzert: Woodpigeon, Horse Feathers
Datum: 30.09.10
Ort: rhiz, Wien

Zuschauer: 100

Dauer: Woodpigeon 40 Minuten, Horse Feathers 65 Minuten



Von Julius aus Wien:



Sollte dieser Abend auch nur halb so gut werden wie es das Lineup versprach, würde es ein Freudenfest werden. Die Amerikaner Horse Feathers hatten sich fürs rhiz angkündigt, mit im Gepäck Woodpigeon – Kanadier sind doch einfach die besten!

Gewohnt spät begann es auch, gut gefüllt und sehr wohlwollend begrüßte das Publikum Woodpigeon. Einmal hatte ich das kanadische Folk-Indie-Kollektiv bereits zu Buche stehen, ein sehr schöner Auftritt am letztjährigen Haldern hatte schon eine gewisse Erwartungshaltung bei mir aufgebaut... Dass diese gleich mal untergraben werden sollte und zwar von Bandleader Mark Hamilton persönlich, war eine schöne Überraschung. Er kam nämlich völlig alleine auf die Bühne. Das war zwar wohl auf der gesamten Tour mit den Horse Feathers so, aber mir bis dahin nicht bekannt.So stand dann also ein etwas untersetzter Kerl vor etwa 100 Leuten und spielte einfach mal drauf los. Nach dem ersten Song bedankte er sich für das zahlreiche Erscheinen und begann von seiner Mutter zu erzählen, die ja in Wien geboren sei. Er hätte ihr Geburtshaus auch schon besichtigt – Simmeringer Hauptstraße 102 für all die Ahnenforscher unter euch… Es könne auch gut sein, dass er in Wien noch unbekannte Verwandte habe, „so you don’t have to like my music. But remember, that we are still relatives.“ So schnell wird man also in die Familie Woodpigeon aufgenommen…Den folgenden Song „Knock Knock“ widmete er dann auch – ganz klassisch und guterzogen – seiner Mutter.

Da wo seine Ansprache vor dem Song geendet hatte, machte er auch weiter. Es folgte nämlich Familiengeschichte, Part II. Dass es in „Duck Duck Goose“ direkt darauf dann hieß „ some things in life you don't get to choose” passte wie die Faust aufs Auge bzw. wie die Waldtaube ins Baumdickhicht. Denn Mark Hamilton gab die Geschichte seines bürgerlichen Namens zum Besten. Dreimal wurde dieser geändert, um jeweils einen anderen Teil seiner Familie zufrieden zu stellen, wie ihn sein österreichischer Großvater darauf hin enterbte und wie er zu seinem heutigenNamen gelangt ist. „Mark Hamilton – the most usual name I ever had.“Bestens aufgelegt und charmant erzählte und sang sich Hamilton durch sein Set, das hauptsächlich aus Songs des neuen Albums „Die Stadtmuzikanten“ bestand, dankte den Horse Feathers dafür, dass es mit ihnen auf Tour so viel Spaß mache, mit „Don’t Fence Me In“, einem Cover des Klassikers, das Woodpigeon für einen kanadischen Nationalpark eingespielt hatten. Munter ging es weiter mit „Devotions“, als nächstes war Falco an der Reihe. Als Kind der 80er sei seine erste Musikkassette nun mal „Rock Me Amadeus“ gewesen und auch wenn er andere Songs („Jeanny“) furchtbar finde, hätte er seine Liebe zum Falken noch immer nicht verloren. Deshalb wolle er dem Wiener auch „Morningside“ widmen. Gesagt getan. Und wem wollte der gute Herr nun einen seiner Songs verehren?„This is a song about drowning. It’s for Vienna.“ Ok, vielleicht sollte ich meine Zuschreibung “charmant” nochmal überdenken, musikalisch geriet „…And As The Ship Went Down, You’d Never Look Finer“ wunderbar melancholisch und herzerwärmend.

Vor dem letzten Song bat Hamilton dann Mitglieder der Horse Feathers auf die Bühne und so, wieder zu einem Kollektiv gewachsen, fand der Kanadier auch seinen Charme wieder. „Thank you for coming. This song is for you.“ Und mit “True Love Will Find You in The End” endete einerseits die “dedicated to”-Orgie, andererseit sauch Woodpigeons Auftritt. Ein sehr schöner und unterhaltsamer. Sollte Hamilton eines Tages wieder die Simmeringer Hauptstraße sein Heim nennen, hätte Wien da sicher nichts dagegen!

Setlist Woodpigeon, rhiz, Wien:

01: Die Stadtmuzikanten
02: Knock Knock
03: Duck Duck Goose
04: Oberkampf
05: Our Love is as Tall as the Calgary Tower
06: Don’t Fence Me In
07:Morningside
08: …And As The Ship Went Down, You’d Never Look Finer
09: True Love Will Find You In The End


Weniger redselig gaben sich die Horse Feathers, dafür geriet das Konzert selbst umso intensiver. Kurze irritierte Blicke nach oben gab es nur bei der ersten U-Bahn, die über dem rhiz verkehrte, aber sofort hatten sich die vier aus Oregon wieder in ihre Arbeit vertieft, die ihnen wunderbar konzentriert und hingebungsvoll von derHand ging. Drei Alben hat man schon abgeliefert, die man auch alle an diesem Abend berücksichtigte, vor allem aber das aktuelle „Thistled Spring“.

Den Werken der Band rund um Justin Ringle wird ja nachgesagt, die Jahreszeiten, in denen sie entstanden, abzubilden. Sollte das so sein, hat man auf „Thistled Spring“ eine erleichterte, erwachende Stimmung eingefangen, die den Frühling in all seiner Vielfalt einfängt. Nun haben wir aber leider Herbst und so wurde auch reichlich von „House With No Name“ gespielt. Zum Beispiel der – wenn man so sagen will – „Hit“ „Curse In TheWeeds“ gegen Ende. Ein nettes Zwiegespräch zwischen Ringle und einem aus Portland mitgereisten Fan der Band sorgte dann noch für ein wenig Gelächter, grundsätzlich war das Konzert aber mehr etwas zum träumerischen Genießen als eines der Marke Woodpigeon. Zwei Zugaben später hatten die Horse Feathers eine neue Stadt, ja ein neues Land in ihrem Tourarchiv zu ergänzen, das Konzert war nach einer guten Stunde zu Ende. Wir hatten einen Abend mit zwei Bands verlebt, die beide Musik ähnlichen Einschlags machen, live aber jeweils einen anderen Zugang wählen. DaWoodpigeon bzw. Hamilton, der zwischen den Songs die Melancholie ablegt und erheiternde Kommentare abliefert, da Horse Feathers, die ihre Auftritte so in sichgeschlossen wie möglich gestalten wollen, die Kraft ihrer Songs alleine für sich sprechen lassen. Zwei Konzepte, zweimal tolles Konzert. Meinen ersten Satz müsste ich wohl überarbeiten. Es war nicht halb so gut wie erwartet, sondern doppelt so gut. Zu gut,um wahr zu sein!

Setlist Horse Feathers, rhiz, Wien

01: Working Poor
02:Dustbowl
03:Belly of June
04: Mother's Sick
05: Helen
06: Falling Through the Roof
07: Cascades
08: Starving Robins
09: In Our Blood
10: Thistled Spring
11: Orphan Girl
12: Heathen's Kiss
13: Curse in the Weeds

14: Finch on Saturday (Z)
15: Vernonia Blues (Z)


Anmerkung: Bei den Fotos handelt es sich um Archivbilder von Oliver Peel.

Aus unserem Archiv:

Horse Feathers, Paris, 23.02.09
Woodpigeon, Haldern, 14.08.09
Woodpigeon, Paris, 16.02.09





 

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