Donnerstag, 6. Juni 2013

Útidúr, Mannheim, 02.06.13


Konzert: Útidúr
Ort: Maifeld Derby, Mannheim
Datum: 02.06.2013
Zuschauer: 150 
Dauer: 50 min


Ich bin ja daran gewöhnt, stets den Nerd zu geben und habe ein Abo auf Abweichlertum. Und selbst bei den Mannheimer Bestätigungen schlug mir das Herz halt am allermeisten, als Útidúr in der Liste erschienen. Ich weiß noch genau, wann ich die Nachricht bekam und dass die Kollegen, die da gerade mit mir zu Mittag aßen ein bißchen schlucken mussten und sich Blicke zuwarfen, weil ich spontan aufsprang und Yeah rufen musste...



Mein erhoffter und dann tatsächlicher Höhepunkt auf dem Maifeld Derby war also Sonntag 12:30 - 13:20 Uhr und ich hab dreimal überprüft, dass ich diese Anfangszeit auch ja richtig abgespeichert hatte. Auf die Bühne kamen wie im Tollhaus ein Jahr zuvor acht Musiker, aber die Frauenquote hatte sich etwas verschlechtert. Nur noch die Frau mit dem Akkordeon und die an der Geige waren dabei. Geblieben war der schwarzhumorige Schlagzeuger, der auch wieder den Pausenclown gab. Das Mikro hatte er nur für seine abseitigen Ansagen und nicht zum singen. Dafür war er aber diesmal besser platziert: rechts außen und nicht hinter der Band konnte man ihn auch sehen.


Das Set begann gleich mit einem rechten Ohrwurm vom 2010er Album. Wenngleich auch vielleicht etwas mutig, weil ruhig (ob da wohl etwaige Kopfschmerzen nach Exzessen am Samstag einkalkuliert waren?). Aber die etwa 100 Leute, die schon so früh am Tag da waren, nahmen das Angebot dankbar an und beklatschten den Einstieg laut und enthusiastisch. Bis zum Ende des Sets war der Raum vor der Bühne im Palastzelt tatsächlich ganz gut gefüllt. Das zweite Lied wurde als in Griechenland gerade geschrieben angekündigt. Überhaupt wurde sehr viel neues Material präsentiert. Nur zwei Stücke vom bekannten Album This mess we've made und ein Stück vom Zwischen-Album Detour (das vor allem eine Sammlung untypischer Musik ist, die für Vorbesteller über Crowdfunding realisiert wurde).


Was deshalb mein Herz hoch schlagen ließ war, dass ich eine Entwicklung sehen konnte hin zu noch viel interessanterer Musik als bisher. Meine Highlights waren dabei Lied Nummer 3, das echt ein Alptraum im Dreiertakt war und das fünfte Lied, das vom Schlagzeuger als "The best song you will ever hear in  your live" angesagt worden war. Und das war er vielleicht wirklich. Er war voll mitreißendem Bombast und unwirklichen Taktwechseln und ich hatte unmittelbar den Wunsch, diesen Song eine Weile in Dauerrotation zu hören um darin alle Schichten zu genießen und zu durchleben. Anschließend gab es einen Song mit sirenenhaftem Gesang und hochkomplexen Rhythmusklatschern. Zwischendurch wurde Stille Nacht, heilige Nacht auf Moll mit verwurstet. Der siebte Song hatte  Anwandlungen zu Italowesternmusik. Er begann mit einem Trompetenfanal und einem Ausritt durch Marlboro Country. Kurze Zeit später mussten die Pferde tanzen bevor es total gruslig wurde und Anleihen bei Ennio Morricone durchklangen. Der Schluss war ein leises Zupfen auf der Gitarre, das uns alle etwas atemlos zurückließ.




Im vorletzten Lied musste ich immer wieder an Estradnaja Musika denken, (Unterhaltungsmusik für gute Laune auf russisch) während der Abschlussong (Zug nach Arhus) in meinen Ohren als Train to Earth ankam.

Eine rundum überzeugende Leistung, die in meinem Augen auch als Headliner getaugt hätte so voller Spielfreude, Ideen und Energie. Vielen Dank liebe Maifeld-Organisatoren, dass ihr auch für so Leute wie mich sorgt!! Und beim umschauen hatte ich das Gefühl, mit meinen Vorlieben doch nicht so allein zu sein ...


Setlist Útidúr:

1) Ballaðan - from "This mess we´ve made"
2) Vultures - from "Detour"
3) Martröð - new song
4) Untitled (working title "3 punkta lagið") - new song
5) Untitled (working title "The Sicilian") - new song
6) Untitled (working title "Ennio") - new song
7) Words are moving slow - new song
8) Fisherman´s Friend - from "This mess we´ve made"
9) Þín augu mig dreymir - new song
10) Train to Arhus - new song



Mehr Maifeld Derby 2013 aus unserem Archiv:
Gudruns Bericht Tag 1
Gudruns Bericht Tag 2
Gudruns Bericht Tag 3
Thees Uhlmann (Tanita)
Útidúr 
Kevin Devine (Christoph) 
Enno Bunger
Daughter (Christoph)
Scout Niblett (Christoph)
es folgen noch Berichte zu The Notwist, Efterklang und Sea & Air

Aus unserem Archiv:
Útidúr, Karlsruhe, 3. Juli 2012 

Weitere Fotos vom dritten Festivaltag:
 


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