Dienstag, 18. Juni 2013

Dead can dance, Dresden, 16.06.13


Konzert: Dead Can Dance
Ort: Freilichtbühne Junge Garde in Dresden
Datum: 16. Juni 2013
Zuschauer: mehrere Tausend
Dauer: etwas mehr als 2 Stunden 

Bericht von Michael (vielen Dank!)


Voller Hochgefühl bin ich mit einem guten Freund nach Dresden gefahren. Die Freilichtbühne „Junge Garde“ ist für mich immer noch etwas Besonderes, ein großes aber nicht allzu tiefes Amphitheater für bis zu (vielleicht) 10.000 Besucher. Als ich ankam, waren die Wiesen vor der Garde schwarz betupft von den gotischen Fans der Band. Die Bierstände vor dem Einlass hatten gut zu zapfen, die Sonne schien milde und es konnte ein ganz entspannter Sonntagabend in Dresden beginnen.


Das Vorprogramm des Percussionisten der Band – David Kuckhermann – hörte ich beim Bier noch draußen und nur kurz. Wie man später kolportierte, waren kurz vor halb 8 noch kaum Leute im weiten Rund, so dass der Künstler kurzerhand ein Kurzprogramm spielte, das nach 10 Minuten auch schon wieder zu Ende war.


20:10 Uhr kamen Dead Can Dance auf die Bühne und es begann ein reichlich zweistündiger Exkurs durch das aktuelle Album „Anastasis“ ergänzt durch einige Klassiker aus den 1990er Jahren und angereichert mit betriebswirtschaftlichen sowie firmenrechtlichen Aspekten und Livedemonstrationen. Doch dazu später.





Der perfekte Sound – zwei Hände voll Bassboxen direkt vor der Bühne - , die sehr schlichte Ausleuchtung der Bühne und die vertrauten Melodien ließen die Haare auf meiner Gänsehaut aufstehen, gesteigert durch das Gefühl, endlich eine der Bands zu erleben, die mich musikalisch durch ein Jahrzehnt begleitet haben. Ein bisschen schade war zu sehen, dass all die exotischen Klänge von orientalischen Streichern oder auch Blasinstrumenten, die ich von den Platten her kenne, hier ausschließlich aus den Keyboards kamen. Aber gut – 7 Musiker auf der Bühne sind schon eine Hausnummer  und all die Solisten dazu holen geht auch nicht für eine ganze Tour. Immerhin zupfte Lisa auch verschiedene Saiten, wenn sie nicht sang. A propos singen: Das kundigere Ohr neben mit bemerkte, dass die Stimme Lisas auch nicht die beste war an diesem Abend, aber das kommentiere ich mal nicht, für mich klang sie wie auf der Platte – obwohl: sie ließ sich wie ein Segelflugzeug manchmal von der mitzwitschernden Keyboarderin hinaufziehen...



Ich kann nicht sagen, wann der Abend knickte. 

  Dass es bis auf eine Ausnahme und die Bandvorstellung keinen Publikumskontakt außer „Thank you“ gab, ließ ich wegen meines Glücksgefühls lange unkommentiert. Dass Lisa Gerrard und Brendan Perry sich nicht besonders mögen ist hinlänglich bekannt. Und so wurde mit fortschreitender Konzertdauer zelebriert: Die Dead Can Dance GmbH & Co. KG spielt die Titel paritätisch je zu gleichen Teilen von Lisa Gerrard und Brendan Perry gesungen. Die Begleitmusiker haben beiden zu dienen und sich emotional zurückzuhalten. Sie dienen jeweils den Solisten. Lisa Gerrard und Brendan Perry haben möglichst keinen Blickkontakt, Gespräche zwischen den Titeln sind unerwünscht. Lisa Gerrard und Brendan Perry sollten nur gemeinsam auf der Bühne sein, wenn es für die Wiedergabe von Titeln notwendig ist. (Kleiner Auszug aus dem aktuellen Gesellschaftervertrag der Firma Dead Can Dance).



Ich hab irgendwann begonnen, die Augen zu schließen und mich gefreut, die Musik zu hören. Dabei stellte ich mir vor, auf der Bühne stünde den Musikern die Spielfreude ins Gesicht geschrieben. Mit diesen Vorkehrungen war es ein anregender Konzertabend. Selten hatte ich hinterher soviel gegensätzliche Gedanken und Gesprächsbedarf. Selten habe ich auch solange den Technikern beim Abbau zugeschaut und mit meinem Mitreisenden diskutiert.

Ich habe bewusst verzichtet, objektiv sein wollen, umso mehr würde mich natürlich schon die Sichtweise derjenigen interessieren, die bei den Zugaben vor die Bühne schwebten und sich in den Takten wiegten. Morgen treff ich einen im Büro...




4 Kommentare :

Die Füchsin hat gesagt…

Wir waren gestern in Berlin und haben genauso empfunden. Geniale Musik, aber irgendwie seelenlos. Schade.
Du hast sie gut beschrieben, diese angespannte Stimmung auf der Bühne. Wir fragen uns, warum die sich das antun - nur wegen der Kohle?

Rich O'Hara hat gesagt…

Hmm! Zwischen mir und meinem Begleiter fiel das Wort "Altersvorsorge", andere nebenan wussten von Brendans monetären Problemen zu berichten. Vielleicht zwei Gründe sich zusammenzuraufen, denn Solo haben die beiden nie den Erfolg und Zulauf gehabt...

kaffeebaum hat gesagt…

Naja...
Die junge Garde fasst maximal 5000 Zuschauer. Nachdem die beiden 'Flanken' nahezu unbesetzt waren würde ich eher von 3000 Zuschauern ausgehen.
Obwohl das Konzert später als geplant begann schien es mir so als ob doch recht viele vom Beginn überrascht wurden - während der ersten 2, 3 Liedern war so doch eine rechte Unruhe vorhanden. David dürfte gut so 30 min. gespielt haben, leider nicht nur vor fast leeren Rängen, auch vor Publikum das sich lieber mit sich selbst in lauten Gesprächen beschäftigte und denen der Akteur auf der Bühne grösstenteils egal war - traurig! Nichtsdestotrotz hat er sein Programm (wie immer) durchgespielt und wirkte auf mich doch recht guter Dinge, also alles andere als frustriert oder was auch immer in diese Richtung geht...

Was Lisa und Brendan angeht muss man sagen das sich seit Anfangszeiten nichts geändert hat - sie pflegten schon immer ein eher professionelles Verhältnis auf der Bühne: ein leichtes Lächeln, kurze Blicke; Mehr hat es von beiden auf der Bühne (Live sah ich sie das erste Mal 1985) nie gegeben.
Eher im Gegenteil muss man sagen das z.B. Brendan es mittlerweile sogar schafft mal sich tänzerisch auf der Bühne zu bewegen - zu Beginn der Tour war das fast undenkbar...
Auch Lisa hat sich immer wieder mit David amüsiert - kurze Blicke, kurze Worte, ein Lächeln...
Mehr kann man nicht erwarten, mehr haben sie aüsserst selten, auch bei ihren Solo Konzerten, gezeigt. Sie sind professionelle Musiker auf der Suche nach dem perfekten Klang - gerade Live! Was anderes war und ist nicht zu erwarten...

Seid jeher wurde sich die Arbeit aufgeteilt, gerade für Lisa muss es recht schwierig sein in Anbetracht dieser Mammut Tournee ihre Stimme nicht zu überlasten...
Auch spielten sie recht viele Songs (wohl gut ein Drittel) an denen beide ihren Part hatten - für mich die Highlights...

Leider, und das zeichnete sich schon vorher ab, waren doch einige Leute auf dem Konzert, die nichts anderes zu tun hatten als die ganze Zeit zu quatschen und - die Musik zur Nebensache verkommen - zu gucken wen man kennt und wen nicht, wer was an hat usw.
Üblicherweise hört man an den stillen Passagen sonst eher eine Stecknadel fallen...
Die allermeisten aber kamen aber dann doch wegen dem Sound, der einen Live wirklich geflasht hat - von daher hat man das bekommen was zu erhoffen war...Und das war grossartig!


Man muss sich nur mal die Discographie von Lisa ansehen, schier unglaublich was sie an Soundtracks für Hollywood raushaut. Auch wenn man sich ansieht in wie vielen Projekten Brendan seit Jahrzehnten involviert ist, ist es, sorry, vollkommen absurd den monetären Faktor mit dieser Tour auch nur zu erwähnen...
Welche Band kann es sich leisten nur alle 7 Jahre auf Tour zu gehen? (Die letzte war 2005 und in der Zwischenzeit gab es eine von Brendan und eine von Lisa). Meine Befürchtung ist eher das man sie so schnell Live wohl nicht mehr sehen wird...

Anonym hat gesagt…

Ich fand die Musik überhaupt nicht seelenlos und kann auch an der Performance der Musiker keine Kritik üben. Ich stelle mir so zu singen wie es Lisa und Brendan taten sehr schwer vor. Ja man hat Ihnen die Konzentration angesehen. Das Ergebniss war berührend und beeindruckend. Und die Gänsehaut wurde ja schon erwähnt. Ich habe eh öfter die Augen zu gehabt und auch nicht erwartet, das hier irgend eine Kommunikation der Beiden untereinander bzw. mit dem Publikum stattfindet. Wozu? Die Musik ist halt stark introvertiert und geht sehr tief. Was will ich da mit Smalltalk? Das passt einfach nicht. Manchmal kann sogar der Beifall schon stören. Der Verabschiedung der Band vom Publikum war sehr ehrlich und herzlich und ich hatte überhaupt nicht das Gefühl, das irgendwas nicht stimmt. Für mich war das Konzert das Highlight des Jahres bis jetzt. Einziger Kritikpunkt: Warum musste das Konzert im Hellen stattfinden. Sigur Ros durften doch 3 Tage später auch ordendlich Krach machen im Dunkeln.

 

Konzerttagebuch © 2010

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