Samstag, 23. Oktober 2010

Kim Novak & Andromakers


Konzert: Kim Novak & Andromakers (& Nash, zum Glück aber nicht Kate!))
Ort: La Scène Bastille, Paris
Datum: 22.10.2010
Zuschauer: etwa 100



Aix-en Provence und seine Mädchen mag ich sehr gerne. Schließlich habe ich in der südfranzösischen Studentenstadt auch meine spätere Frau getroffen. War 'ne verdammt schöne Zeit damals. Immer sonniges Wetter, eine malerische kleine Stadt mit schönen Cafes und süße Mädels wohin das Auge blickte. Mit zwei Mitstudenten aus Bayern haben wir uns oft mittags ins Café gesetzt und stundenlang den "jeunes filles" hinterhergeschaut. Da war es zu verschmerzen, daß das Studium der Jurisprudenz stinklangweilig, staubtrocken und hochkompliziert war. Bin am Ende dann auch (immerhin knapp) durch die blöde Prüfung gerasselt. War aber egal, denn statt eines Diploms bin ich mit meiner zukünftigen Frau nach Berlin heimgekehrt.

Das weibliche Duo Andromakers stammt auch aus Aix en Provence. Nadège Teri und Lucielle Hochet machen Elektropop im Stile von Au Rrevoir Simone. Alles bei ihnen klingt unschuldig, charmant traumversunken. Auf die beiden Rehlein aufmerksam geworden bin ich schon eine Weile. Immerhin wollte ich sie für meinen Konzertabend, den ich im International mit zwei Freuden veranstalte, buchen und eigentlich hatten wir auch schon eine konkrete Zusage. Warum es letztlich nicht geklappt hat, weiß nicht. Ich verzeihe Nadège und Lucille aber, denn es würde mir schwer fallen, ihnen wirklich böse zu sein. Das heutige Konzert in der Scène Bastille, einem stimmunsvollen Laden, in den ich nie zuvor einen Fuß gesetzt hatte, war zudem so wunderschön, daß Grieskrämerei völlig fehl am Platze gewesen wäre. Der zuckersüße Pop kam so cremig gerührt rüber, daß ich schnell schwach wurde und mich nur allzu gerne einlullen ließ. Es war eine Freude, den beiden Südfranzösinnen zuzuhören und zuzusehen. Sängerin Nadège, mit schönem Karohemd und barfuß, schien die lebhaftere zu sein. Sie legte viel Inbrunst in ihren sehnsüchtigen Gesang und hatte auch einen größeren Aktionsradius als ihre schwarzhaarige Partnerin.



Kleine Indiepophits gab es reichlich. Electricity , Spider On The Wall oder Appple Crush gingen sofort ins Ohr. Wenn es etwas zu beklagen gab, dann lediglich, daß ich keine CD kaufen konnte, obwohl ich Nadège nach dem Konzert extra danach gefragt hatte. Sie war aber plötzlich verschwunden und so muss ich mich noch ein wenig gedulden...

Toll, daß ich mal wieder an Aix-en Provence erinnert wurde...

Hinweis: Auf der Myspace Seite von Andromakers kann man sich unter anderem ein tolle The Smiths Cover herunterladen. There Is A Light That Never Goes Out.


Gegen 21 Uhr 40 stand der Headliner des heutigen Abens bereit. Kim Novak aus der schönen Normandie, die ich am 12.Oktober 2006 im Vorprogramm von ilketrains kennen-und lieben gelernt habe. Vom damaligen Quartett ist aber nur noch Sänger und Gitarrist Jérémie übrig geblieben und aus dem Vierer ist ein Dreier geworden. Dadurch haat sich die Band deutlich verjüngt, denn der Drummer und der nagelneue Bassist Hugo (der Alte hieß amüsanterweise genauso) sind fast noch grün hinter den Ohren. Auch der Sound hat sich geändert. Wurden sie nach Erscheinen des ersten Albums Luck And Accident ständig und nicht zu Unrecht mit Interpol verglichen, haben sie heuer ihren eigenen Stil aus verschiedenen Einflüssen gefunden. The Velvet Undergound, Spoon, The Walkmen, Liars, das sind die Gruppen, die man nun als Referenzen nennen könnte. Der Blick geht ganz klar nach New York und konsequenterweise haben sie einen starken Titel gleichen Namens im Programm. Vom ersten Album spielen sie lediglich noch Lost At Play, das andere Material wollen sie nicht mehr performen und können dies auch gar nicht, weil der damalige und längst ausgeschiedene Gitarrist Davide die melodischen Riffs beigesteuert hatte. Das machte aber gar nichts, denn es ist einfach immer gut, nach vorne zu schauen. Wer braucht die alten Songs, wenn es mit Love Affair ein fabelhaftes neues Stück gibt, zu dem auch ein absolut sehenswerter Videoclip gedreht wurde? Positiver klingen Kim Novak heutzutage, nichz mehr durchgängig düster, obwohl nach wie vor genügend schwarze Elementen vorhanden sind, um den Post Punk Fan zu befriedigen. Zugkräftige Lieder um ein zweites Album zu füllen , gibt es jedenfalls reichlich, aber die Veröffentlichung verzögert sich leider noch. Gesetzt sein dürfte das fetzige, basslastige Cold Laws, zu dem es ebenfalls einen coolen Clip gibt. Nichts, aber auch gar nichts kam jedoch an den Closer Somebody New ran. Fast sieben Minuten lang verausgabten sich die drei Kerle bis aufs Letzte, schrammelten wie wild auf ihren Instrumenten und verpassten mir einen krachenden Faustschlag nach dem nächsten. Drummer Nicolas prügelte auf sein Felll ein wie zuletzt Klitschko auf bedauernswerten Briggs und Sänger Jeremie schrie sich die Kehle heiser. Es wurde aus allen Rohren geschossen und Vollgas bis zur letzten Sekund gegeben. Wie die Besessenen rockten die Normannen und beförderten sich und die Zuschauer in einen tranceförmigen Zustand. Somebody New blies mich förmlich um, ich hatte das Gefühl, ein Panzer würde über mich drüber rollen. Am Ende war mein T-Shirt naßgeschwitzt und mein Puls auf 120. Noch ein paar Minuten lang danach sah ich Sternchen. Was soll ich sagen? Der Wahnsinn!





Setlist Kim Novak, La Scène Bastille, Paris klick!

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