Donnerstag, 28. Oktober 2010

The Divine Comedy, Köln, 26.10.10


Konzert: The Divine Comedy (An Evening with Neil Hannon)
Ort: Kulturkirche, Köln
Datum: 26.10.2010
Zuschauer: ausverkauft
Dauer: ca. 90 min

von Dirk von Platten vor Gericht


Die Protagonisten des gestrigen Abends in der Kölner Kulturkirche waren dem Rahmen entsprechend gekleidet: Cathy Davey, eine 31jährige irische Singer/Songwriterin, die das halbstündige Vorprogramm bestreiten sollte, trug ein kurzes schwarzes Kleid mit weißen Punkten, dazu rote, farblich perfekt auf den Schellenkranz abgestimmte Strümpfe und Stiefel und auf dem Kopf eine elegante Mischung aus Lorbeerkranz, Haarnetz und Vogelnest. Ihre Songs trug sie mit beeindruckend heller Stimme zur Gitarre vor und dürfte nach Beendigung des Konzertes im Eingangsbereich die eine oder andere CD verkauft haben, denn sie kam bei den Zuhörern sicherlich ebenso gut an wie der Veranstaltungsort bei ihr („Best Venue ever“).

Neil Hannon betrat um 21:00 Uhr die Bühne, gewandet in einen dunklen Anzug, samt weißem Hemd und mit Krawatte, die im Verlauf des Abends immer lockerer und
letztendlich völlig gelöst werden sollte. Herrlich unpassend dazu die rot-grün geringelten Socken. Aus einer Aktentasche holte er die Setliste des Abends hervor, legte seine Pfeife auf den Flügel und eröffnete das Set mit Assume The Perpendicula aus dem aktuellen Album Bang Goes The Knighthood und The Pop Singer’s Fear of the Pollen Count. Dass er kurz zuvor noch einen Hut getragen haben musste, zeigte seine Frisur deutlich, und so war es auch nicht verwunderlich, dass Hannon vor dem dritten Titel (The Complete Banker) erklärte, dass er alle Konzerte der Tournee mit dem Bowler auf dem Kopf eröffnet habe, aber 5 Minuten vor Beginn feststellen musste, dass er ihn im Hotel hatte liegen lassen.

Im Folgenden lullte Neil Hannon, der den kompletten Abend allein auf der Bühne bestritt (gestreng dem Motto „An Evening with Neil Hannon“ folgend), sich und das
Publikum mit ruhigen und wenig(er) spektakulären Titeln ein wenig ein. Ein Blick auf die Setliste und voran gegangene Konzerte zeigten, dass er die Auswahl und Reihenfolge der Songs für jeden Abend neu trifft, wiederverwirft (wie auf den durchgestrichenen Titeln der Setliste zu sehen) und variiert. Insgesamt zweimal löste er sich vom Klavier und bot jeweils zwei Songs (Lost Property und Becoming more like Alfie bzw. A Lady of a certain Age und Songs of Love) zur Akustikgitarre dar, was der Abwechslung sehr gut bekam.

Im Verlauf des gut 90minütigen Auftritts taute Hannon zunehmend auf, gab uns den charmanten bis witzigen Entertainer, den wir erwartet
hatten und erfüllte (mir zumindest) die meisten der zuvor erhofften Songwünsche. Er lobte das Publikum, weil es im Vergleich zu vielen anderen während der Lieder sehr still sei, forderte aber dann dazu auf, beim anschließenden The lost Art of Conversation über Gott und die Welt zu reden. Doch es wurde weiter gebannt gelauscht und so übernahm Hannon das „Gemurmel“ selbst und stellte sich die rhetorischen Fragen, warum er denn viel weniger Fehler als sonst begehe und ob dieser Song denn niemals enden würde. Doch die kleinen Fehler und Patzer sollten kommen, und wurden von Hannon galant kommentiert (so ließ er der Textzeile „Have you ever been in love“ ein „Have you ever had a Frog in your Throat“ folgen), ignoriert (das erstmalige Verspielen in Our mutual Friend) oder (im sich direkt anschließenden zweiten Patzer) verflucht („Shit!“). Eine kurze statistische Erhebung sollte ergeben, seit wie vielen Jahren die Besucher bereits zu Konzerten von The Divine Comedy gingen. Meldeten sich bei 5 Jahren noch recht viele, gingen die meisten Hände bei 10 Jahren nach unten und nur ganz wenige konnten auch bei 15 Jahren noch aufzeigen. Neil Hannon meinte daraufhin, dass sie eigentlich einen besonderen Button verdient hätten. Es sei jedoch nicht möglich, dass jemand bereits seit 20 Jahren zu seinen Konzerten komme, denn dann müsse es sich um ein Familienmitglied handeln.

Höhepunkte waren sicherlich At the Indie Disco, das das Kölner Publikum nach Aufforderung 3 Minuten mit Klatschen und Schnippen begleitete, sowie das anschließende Human League Cover Don’t you want me. Bereits zuvor hatte ich davon gelesen (zudem spielt er derzeit häufig Randy Newmans Short People) und
gedacht, dass dies ein idealer Zeitpunkt zum Getränkeholen wäre. Doch Hannon, Klavier und Don’t you want me passten hervorragend zusammen und gewannen dem Song mehr ab, als ich zuvor für möglich gehalten hatte. Besonders die Stelle, als Hannon mit Falsett-Einlage in die weibliche Gesangsrolle schlüpfte („I was working as a Waitress in a Cocktail Bar...“). Danach erzählte er, dass er immer auf Synthie-Pop gestanden habe, The Human League, Randy Newman, O.M.D., Depeche Mode... - ein Räuspern - ...und dass er beim Stimmen der Gitarre immer Quatsch erzähle. Wir erfuhren zudem, dass Ms Pop Muzik der beste Popsong aller Zeiten sei - er ihn aber jetzt nicht spielen werde. Nach dem tollen Our mutual Friend, das auch ohne Streicher glänzend funktionierte, beendete in schöner Tradition Tonight we fly, gefolgt von einer tiefen Verneigung, den Hauptteil des Abends.

Als Zugabe spielte Neil Hannon zunächst Can you stand upon one Leg und nach der Textzeile „Tell me can you tell a funny joke, One that makes you laugh out loud, One that makes the milk come out your nose, If you know a funny joke then tell it now“ stoppte die Musik und Pfarrer Thomas Diederichs, der zuvor durch den Abend
geführt hatte, betrat die Bühne. Er gab folgenden Witz zum Besten: Geht ein Mann zum Arzt. „Herr Doktor, Schmetterlinge verfolgen mich überall hin,“ sagt er und wedelte mit den Armen. „Doch nicht alle zu mir rüber!“ sagte der Arzt. Die Reaktion des Publikums ließ Hannon nachfragen, ob der Witz wirklich so schlecht gewesen sei.

Da noch National Express und die Aussicht auf einer Wiederkehr Hannons im nächsten Jahr folgten, brauchten wir auf der Heimfahrt nicht an den Witz zu denken, sondern konnten in den Melodien von The Divine Comedy und Erinnerungen an einen schönen Abend schwelgen.

Setlist The Divine Comedy, Kulturkirche Köln:

01: Assume the Perpendicular
02: The Pop Singer’s Fear of the Pollen Count
03: The complete Banker
04: Going downhill fast
05: The Summerhouse
06: Sweden
07: Lost Property
08: Becoming more like Alfie
09: Snowball in negative
10: Have you ever been in love
11: The lost Art of Conversation
12: At the Indie Disco
13: Don’t you want me (The Human League - Cover)
14: A Lady of a certain Age
15: Songs of Love
16: The Frog Princess
17: Our Mutual Friend
18: Tonight we fly
19: Can you stand upon one Leg (Z)
20: National Express (Z)




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