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Mittwoch, 21. November 2012

Female Noise Pop/New Wave Revival, Paris im Spätherbst 2012

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Konzerte: Female Noise Pop/New Wave Revival mit Video Love, Alex June, Happy New Year, Animal Bodies, Bestial Mouths, U.S. Girls
Orte: International und Espace B, Paris
Daten: 29.10.2012 (Video Love, Alex June und Happy New Year), 12.11.2012 (Animal Bodies & Bestial Mouths), 19.11.2012 (U.S. Girls)




Verschiedene Konzerte in einem Bericht zu verwursten mache ich sonst selten, aber hier passt es einfach musikalisch, so daß  eine Koheränz besteht. Bei all diesen Shows gab es nämlich Paralellen. Es stand jeweils eine Frau bzw. Sängerin an der Spitze der Band bzw. des Soloprojekts, die stilistischen Wurzeln langen in den (frühen) 1980 er Jahren und Vorbilder für all diese Acts dürften Künstlerinnen wie Blondie, Souxsie and The Banshees und X-Ray Spex gewesen sein. Dennoch klangen alle anders, manche punkiger und roher (Bestial Mouths) andere poppiger und schriller (Alex June) oder elektronischer (Animal Bodies). Die Chancen, mit dieser Musik auch einen Teil des Mainstreampublikums zu erreichen, scheinen mir bei den meisten dieser Damen gering zu sein, aber ich kann mir nicht vorstellen, daß dies das wichtigste Ziel dieser Musikerinnen ist. Sie spielten und spielen für ein Publikum, daß zwar überschaubar, aber zu fast 100 % indie und neugierig auf schräge Kost ist.



Im International fand am 29. Oktober eine Show statt, die im Zeichen der Veröffentlichung der ersten EP von Alex June stand. Die june Dame stammt aus Chile, wohnt aber seit 2007 in Paris. Ein richtig bunter Vogel diese Alex, mit stilechter Fönfrisur im Stile der Achtziger, Glitzer-Oberteil und einem hohen Kleinmädchen Gesang, der von synthetischen Klängen begleitet wurde. Eine kunterbunte Mischung aus Lene Lovitch, Grimes, Cocteau Twins, Coco Rosie und französischen New Wave Sängerinnen. Sie sang nämlich auch ab und zu auf französisch, ansonsten aber auf englisch. Größter Hit war sicherlich das Stück Alaviksertaxz, das fast sücht machend wirkte und irgendwie stark japanisch klang. Ein wahnsinnig tanzbares Lied mit einer absolut einprägsamen Melodie, das mit dem Marketing Etat eines Majorlabels (das sie nicht hat, da sie bei dem kleinen aber feinen Lentonia Records veröffentlicht) definitiv Chancen auf eine Chart-Platzierung hätte. Also Daumen hoch für Alex June, die gefiel mir richtig gut. Was für ein Paradiesvogel! Was für eine Stimme! Und ihre Ep Plan X kaufe ich mir sofort, wenn sie auf CD erhältlich ist, bisher gibt es sie nur digital.

  Alaviksertaxz by alexjune 



Von Video Love, die vorher aufgetreten waren, gibt es bereits Tonträger. Es handelt sich um ein gemischtes französisches Duo, das ziemlich düstere Eletroklänge mit französischen Texten kredenzte. Ebenfalls ein bemerkenswerter Act mit einer leicht krautrockigen, experimentellen und industriellen Seite und... wie könnte es bei dem Namen auch anders sein!, mit Videos im Hintergrund.

  video love by Lentonia  

  TROU NOIR by alexjune


Den guten Konzertabend beschloß die in New York lebende Australierin Eleanor Logan, die unter dem Moniker Happy New Year firmiert. Ein ausgeflipptes, sehr abenteuerlustiges Mädel, das auf der Bühne sehr sexy und sinnlich agierte, ihre Stimme mit starken Halleffekten versah und ihre Gitarren- und Synthieparts loopte. Mit Noise Pop oder Dream Pop konnte man das Ganze beschreiben, denn das Girl hatte ihre helle Freude an massiv lauten Geräuschen und verhuscht-verhallten Instrumentalparts, wenngleich sie mit dem Sound nicht immer zufrieden schien. Ihr war alles zu leise und gleich mehrfach versuchte sie vergeblich, den Soundmenschen dazu bewegen, die Regler stärker aufzudrehen. 


Gegen Ende mischte sich die hübsch tätowierte Blondine gleich mehrfach unters Publikum und heizte vor allem den jungen Männern ganz schön ein. Wow, das war heiß! Ihr französisches Label heißt übrigens SVN SNS RCRDS und die haben auch noch andere gute Acts am Start. Also ruhig mal reinhören.

  HAPPY NEW YEAR 'HAPPY NEW YEAR' by HAPPY NEW YEAR 






Am 12. November 2012 gab es dann im Espace B einen ziemlich krassen Konzertabend. War wirklich was für Nachtschattengewächse, gothisch angehauchte Leute und Freunde derberer musikalischer Genüsse. Bestial Mouths aus Los Angeles machten den Anfang und der Name war gut gewählt, denn das Set hatte in der Tat eine bestialische Note. Eine hübsche brünette Furie mit pinkfarbener Strumpfhose wirbelte 25 Minuten lang wie auf Extasy durch den Saal und keifte die Gäste aus nächster Nähe förmlich an. Die meiste Zeit verbrachte sie wirklich zwischen den Fans und nicht auf der Bühne. Sie schrie wie vom Teufel besessen, guckte grimmig drein und gab, von einer formidabel aufspielenden Drummerin angetrieben, eine halbe Stunde lang Vollgas. Das war roher radikaler Punk (manche nennen das vorliegende Genre auch Deathrock) wie ich ihn mag. Gemein, furchteinflößend, höllisch schnell und immer voll auf die Zwölf. Das Ganze hatte Züge von einer Hexenverbrennung oder einem Horrorfilm und bei einem Lied stieß die Sängerin einen solch langen spitzen Schrei aus, als sei sie gerade über eine Leiche gestolpert.

  Hollowed (Live) by Bestial Mouths 


Ihr Gesang erinnerte recht stark an Siouxsie Sioux, war aber noch agressiver und hysterischer und daher auch mit der morbiden Diamanda Galas zu vergleichen. Aber nicht nur ihre Stimme und ihre außerordentliche Energie trugen zu einem gelungenen Kurzkonzert bei, sondern auch die herrlich gruseligen Synthieparts und das tribalische Schlagzeug.

Sicherlich nicht für jeden etwas, diese Band aus L.A., aber wir sind ja auch hier nicht im ZDF Fernsehgarten.

Beeindruckender Auftritt!




Setlist Bestial Mouths, Espace B, Paris

01: Deathrattle
02: Gulls
03: White Eyes
04: Hollowed
05: Small Prey
06: Yes A Great Silence Is Waiting
07: Rattling The Teeth





Animal Bodies im Anschluß waren dann ähnlich speziell, aber für softe Ohren doch wohl etwas erträglicher. Hier gab es keine spitzen Schreie und keine durch das Publikum rasende Sängerin, dafür aber schnelle harte Synthiebeats, einen verhallten Frauengesang, Machinedrums und ab und zu verzerrte Postpunk- Gitarren. Das gemischte Duo (Natasha und Sam) kam aus Vancouver/Kanada, stellte sich aber nicht vor, sondern spulte ihr Programm, zu dem sowohl das obercoole Fata Morgana als auch das rasante Venus Transit gehörte, kühl und distanziert ab. Die Rhythmen waren absolut tanzbar, aber einen Pogo legte hier und heute keiner aufs Parkett. Die meisten Leute begnügten sich damit, energisch den Kopf hin-und her zu schütteln.

  FATA MORGANA by Animal Bodies 

  VENUS TRANSIT by Animal Bodies 



Stilistisch würde ich das New Wave, Dark Wave oder Synth Punk nennen, kennzeichend war die repetitive Drummaschine und der geisterhafte Nachtwandlerinnengesang von Natasha, einer legitimen Nachfahrin von Nico.


Auch ihre Musik würde sich prima für einen Horrofilm eignen, aber auch beim Joggen dürfte der zackige Rhythmus einen mächtig antreiben und durch den Park hetzen lassen. Der Geist von Ian Curtis war manchmal nicht weit, aber Natasha sah definitiv lebendiger aus, wenngleich sie ihre Augen hinter einen schwarzen Sonnenbrille verbarg.

Animal Bodies spielten ebenfalls ein kurzes Set, das noch nicht einmal dreißig Minuten dauerte und einen etwas hungrig zurückließ. Ich hätte gerne mehr düstere Musik für mein Geld (das ich nicht bezahlt habe) gehört, musste mich aber von meiner genügsamen Seite zeigen.

Wenn die Acts mal wieder nach Europa kommen, dann bitte etwas länger. Danke, Ende der Durchsage!


  JUNGLE CATHEDRAL by Animal Bodies



So, kommen wir aber auch noch kurz auf U.S Girls zu sprechen. Obwohl man das dem Namen entnehmen könnte, handelt es sich hierbei nicht um eine amerikanische Girlgroup, sondern um das Soloprojekt einer einzigen Dame, der feschen Blondine Meghan Remy, die mich mit ihren strahlend blauen Augen ganz verrückt machte. Sie spielte am 19. November allerdings nicht allein, sondern wurde von den Jungs von Slim Twig begleitet, die auch das Vorprogramm bestritten und hierbei eine gute Figur abgegeben hatten. Gemeinsam boten sie ein druckvolles Set, daß allerdings trotzdem nicht ganz die Erwartungen erfüllen konnte. Die auf Platte so markante Kleinmädchenstimme von Meghan ging live doch etwas unter und auch der Sixties-Charme, der die Tonträger auszeichnet, kam nicht richtig zur Geltung.

Ausnahmsweise konnte ich einem Act also live weniger abgewinnen als der Konserve. Die Melodieseeligkeit und der Zuckerguss ging einfach flöten und zudem dauerte das Konzert wegen eines Problems mit der Orgel nur dürftige 25 Minuten. Viel zu wenig, um richtig warm zu werden und sich ordentlich zu amüsieren. Trost konnte man freilich hinterher finden, indem man sich den auf Fatcat Records erschienenen Tonträger zulegte, oder sich mit der sexy Meghan abknipsen ließ. 





Freitag, 20. November 2009

A Place To Bury Strangers, Paris, 19.11.09

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Konzert: A Place To Bury Strangers & Dananananaykroyd, Inrocks Indie Club

Ort: La Maroquinerie, Paris
Datum: 19.11.2009
Zuschauer: ausverkauft
Konzertdauer: A Place To Bury Strangers etwa eine Stunde, Dananakroyd gut 40 Minuten



The Jesus & Mary Chain sind (vermutlich) tot - lang leben A Place To Bury Strangers!

"Düstere Plattenhüllen, verhaltene und verhallte Stimmen hinter einschneidenden, verzerrten Gitarrenwänden, Feedbackorgien, monoton treibende Beats und Titel wie „Deadbeat", „Ego Death" oder „Exploding Head" sprechen eine deutliche Sprache. Kopfhörer aufsetzen, anschnallen, Lautstärkeregler auf 11 und los geht der Noise-Trip - aber, siehe Albumtitel, auf eigene Gefahr! Der Sound von „Exploding Head" ist so mörderisch, wie eine Steinmauer auf der Autobahn." (Dirk von Plattenvorgericht)

Mein alter Schulfreund und Bloggerkollege Dirk beschreibt mit obigen, sehr blumigen Worten, den Sound der New Yorker A Place To Bury Strangers und trifft damit den Nagel auf den Kopf. Genauso klingen sie, die drei wilden Amis!

Tatort La Maroquinerie im 20. Pariser Arrondissement. Es ist fast 22 Uhr und der ausverkaufte Kellerraum ist in dunkles Licht getaucht. Das Publikum wartet gespannt auf den Headliner des Abends. A Place To Bury Strangers waren in den letzten beiden Jahren schon ein paarmal in Paris, aber heute ist mit Sicherheit ihr größter, ihr wichtigster Gig. Die Jungs marschieren ein, aber man erkennt ihre Gesichter kaum, weil der Raum unter einer Nebelglocke liegt und das Licht runtergedimmt ist. Das wird auch im Verlaufe des Konzertes so bleiben, so daß die New Yorker sicher sein können, daß sie das nächste mal unbehelligt durch Paris laufen können, ohne daß sie jemand nach Autogrammen fragt. Der Sänger und Gitarrist Oliver Ackermann agiert am rechten Bühnenrand und nicht etwa in der Mitte, wie sonst üblich. Bassist John Mofo zupft sein Instrument auf der linken Seite und mittig dahinter trommelt Jay Space als wolle er sein Schlagzeug zertrümmern. Der Lärm ist von Anfang an brutal, fast körperlich. Es gibt ein paar Rückkopplungen, bei denen die Ohren härtesten Belastungen augesetzt werden. Die vielzitierte mybloodyvalentinsche Noisekeule, hier schlägt sie mit brachialer Gewalt zu! Dennoch trage ich keine Ohrenstöpsel, als einziger. Ich glaube ich bin schon halb taub, denn ansonsten könnte ich das Ganze wohl kaum ungeschützt ertragen. Schon als zweites Stück kommt das fabelhafte In Your Heart, aber es wird nach ein paar Takten jäh abgewürgt, weil der Ton ausfällt. Die Techniker rödeln hinter ihren Konsolen, das Publikum pfeift ein wenig, aber das Licht bleibt aus. Die Band nimmt's gelassen, nach ein paar Minuten machen sie mit Vollgas weiter. To Fix the Gash In Your Head ist stark elektronisch, fast klingt es wie Nitzer Ebb oder Front 242. Ohnehin kommen einem beim Sound von A Place To Bury Strangers viele New Wave Helden aus den späten 70er und den 80er Jahren in den Sinn. Joy Division, New Order, Killing Joke, Sisters Of Mercy, The Chameleons, Suicide, all diese Bands könnte man als Referenzen nennen. Aber die New Yorker klingen moderner, zeitgemäßer, eine reine Coverband sind sie nicht. Keep Slipping Away gefällt mir besonders gut, es ist eines der melodiösesten Stücke und hätte auch von Morrissey stammen können. Schade, daß man die Stimme des Sängers kaum hört, sie ist verdeckt von höllisch lauten Gitarren und Halleffekten. Quasi unmöglich, Texte zu verstehen. Aber dem Publikum, gerade in den ersten Reihen, ist das egal, sie tanzen wie wild Pogo und rechtfertigen den Ruf der Maroquinerie als wildester Konzertsaal in Paris. Etwa eine Stunde lang wird auf dies Weise abgehottet, dann ist nach The Ocean abrupt Schluß. Das Licht geht schlagartig an und wird auch nicht mehr runtergedimmt. Zugaben mögen die New Yorker anscheinend nicht. Nicht schlimm, sie haben auch so einen guten Eindruck hinterlassen. Vor allem einen bleibenden, denn meine Ohren piepsen jetzt noch!

Ein Satz zur Vorgruppe:

Dananananaykroyd haben richtig Spaß gemacht! Ebenfalls laut, krawallig und keine Spur melodisch unterwegs, verwandelten sie die Maroquinerie sehr schnell in ein Tollhaus. Am Ende hüpfte der ganze Saal zu den schottischen Schreihälsen, die sich auf ihre Weise bedankten. Beim letzten Lied gingen sie durchs Publikum und umarmten jeden einzelnen Gast. Free hugs nennt man so etwas bei Festivals, wobei man hier gar nicht die Wahl hatte. Die Burschen schmissen sich an alle ran und hinterließen nasse Hemden und eine ziemlich üble Schweißwolke...

Setlist A Place To Bury Strangers, La Maroquinerie, Paris:

01: Gimme Acid
02: In Your Heart
03: To Fix The Gash In Your Head
04: Don't Think Lover
05: Keep Slipping Away
06: Exploding Head
07: Dead Beat
08: Half Awake
09: I Lived My Life To Stand In The Shadow Of Your Heart
10: Ocean

Fotos folgen!

Grandiose Pics von A Place To Bury Strangers in der Maroquinerie hat Robert Gil. Klick!






Sonntag, 15. November 2009

Gossip, Paris, 15.11.09

9 Kommentare

Konzert: Gossip

Ort: Le Bataclan, Paris
Datum: 15.11.2009
Zuschauer: ausverkauft und brechend voll
Konzertdauer: etwa 70 Minuten



Chronique en français en-bas.



Beth Ditto und ihre Band sind längst zum feisten Mainstream geworden. Selbst meine Schwester, die keinen blassen Schimmer von der aktuellen Musikszene hat und sträflicherwiese nie das Konzerttagebuch liest, möchte demnächst eines ihrer Berliner Konzerte besuchen. Das sagt alles.

Was natürlich keineswegs heißt, daß wir uns automatisch von Gossip abwenden. Zwar möchten wir den Schwerpunkt weiterhin bei kleinen Indiekonzerten belassen, größere Hallen meiden wir aber trotzdem nicht zwangsläufig. Meine Pariser Konzertgängerfreunde - ähnlich verrückte Junkies wie ich, denken da vielleicht schon anders. Im Publikum war keine einzige Sau, die ich kannte! Mit Ausnahme von Rockerparis vielleicht, aber der geht ja auch zu AC/DC, Muse und anderen schauderhaften Acts...

Ist aber auch völlig egal, denn das Konzert war trotzdem stark! Beth Ditto hat es bisher noch jedesmal geschafft, die Halle zum Beben zu Bringen und der heutige Gig, der erste im Rahmen einer dreitägigen Vereinnnahmung des Bataclan, machte da keine Ausnahme. Gegen die Wucht und Intensität der Ditto ist nämlich einfach kein Kraut gewachsen. Nicht nur körperlich kann sie bei den Schwergewichtsboxern antreten, auch stimmlich verteilt sie Haken, mit denen sie Elefanten umhauen könnte. Wenn sie losbrüllt, hat man immer Angst, daß die Stimmbänder reißen könnten, aber das passiert seltsamerweise nie. Oft klingt es wie bei einem Auto, das überdreht ist. Die Nadel schlägt im roten Bereich aus, ein untrügliches Anzeichen dafür, daß man bremsen sollte. Nicht so die Ditto, die gibt immer Vollgas, bis die Schwarte kracht! Dass sich dabei schon etwas Routine eingeschlichen hat, ist verständlich. Den Gag mit dem Psychokiller- Intro kennen Stammgäste schon in und auswendig, das Covern von Tina Turner (Whats's Love Got To Do With It) hatten wir auch schon einmal und das völlig überflüssige Anstimmen der ekelerregenden Stadionhymne We Are The Champions bracht nun auch wirklich kein Aas. Dennoch verblüffen Ditto und ihre Mitstreiter weiterhin auch abgebrühte Hasen mit ihren urwüchsigen Kräften. Das Ziel, das Publikum zum Tanzen zu bringen, erreichen Gossip immer spielend. Am besten gelingt das, wenn die zwei größten Zugnummern angestimmt werden. Heavy Cross, das Ass vom aktuellen Album, das immer aus dem Ärmel gezogen wird, um den offiziellen Teil mit Donnerhagel zu beenden und Standing In The Way Of Control , der Gassenhauer vom gleichnamigen Werk, der Gossip bekannt gemacht hat. Fast schon Standard, daß Beth hierbei einen Abstecher durch das aufgepeitschte Publikum macht (Rockerparis hat diesbezüglich ein super Foto!) und jedem mal "hallo" sagt. Dann merkt man, wie kleingewachsen die zur Zeit rothaarige Amerikanerin ist. Knapp 1,60, höher dürfte sie auf keinen Fall sein. Von der Breite reden wir hier nicht, zumal sie ja nach neuesten Klatschberichten abnehmen möchte. Leute, die auf gemütliche Frauen stehen (und davon gibt es ja gerade in Deutschland eine ganze Menge), werden entsetzt sein. Bitte, Beth, bleib so wie Du bist!, werden sie ausrufen. Recht haben sie, denn ich wüßte auch nicht, warum sie etwas ändern sollte. Weder an ihrem Aussehen, noch an der Musik. "Never change a winnig team!"

Setlist Gossip, Bataclan, Paris, 15/11/2009

01: Dimestore Diamond
02: Pop Goes The World
03: 2012
04: Waves
05: Yr Mangled Heart
06: Men In Love
07: Fire /Sign
08: Love Long Distance
09: 8th Wonder
10: Four Letter Word
11: Yesterday's News
12: Heavy Cross

13: What's Love Got To Do With It (Tina Turner Cover)
14: Standing In The Way Of Control
15: We Are the Champions (Queen Cover)

Fotos folgen!

Pour nos lecteurs français:


Gossip (ne pas dire The Gossip, please) sont devenus grand public, il n'y a aucun doute là-dessus. Même ma soeur, qui n'y connait rien en musique actuelle veut aller voir un de ses concerts, ça dit tout! C'est peut-être pour ça aussi que mes copains, psychopathes de concerts comme moi, n'étaient pas présents ce soir là. Je ne connaissais personne, c'est rare.

Quoi qu'il en soit, c'était un bon concert de Beth Ditto et ses accolytes. Je les voyais pour la sixième foix, et il n'y a jamais eu de concert, où il n'ont pas mis le public dans leur poche. Dès que la Ditto commence à hurler, la salle tremble et tout le monde saute! Le concert ce soir au Bataclan ne faisait pas exception à cette règle. Tel un rouleau compresseur bien huilé Gossip écrase tout sur leur chemin et ne laisse aucun doute sur leurs ambitions futures. Grâce à plusieurs apparitions à Paris, Beth parle de mieux en mieux français et connait des expressions telles que "Oh zut!", ou bien "je suis désolée (ça lui plaisait, elle l'a répété plusieurs fois ce soir) et a de moins en moins d'accent. Une fille bien ronde, certes, mais qui sait charmer, meme si elle ne correspond pas aux canons convenus de la beauté. Elle est admiré par la communité gay, mais aussi des filles hétéros et minces. Une star universelle donc, qui possède la voix la plus puissante de la planète et qui fortifie avec le nouvel album Music For Men le statut que le groupe a obtenu depuis le succès du prédécesseur Standing In The Way Of Control. Et les nouveaux morceaux marchent vraiment pas mal, Pop Goes The World et 2012 en sont la preuve. Un son sec et lourd, des riffs tranchants , une batterie explosive et hop, c'est parti! Il ne fallut pas très longtemps pour chauffer une salle déjà pleine comme un oeuf. C'était infernal! Heureusement que la Ditto pense à ses fans et distribue généreusement des bouteilles d'eau.

À la fin tout le monde est mouillé et paraît sortir de la douche. Le final fut époustoufflant. Heavy Cross était une bombe sonique et avec Standing In The Way Of Control elle mettait tout le monde au pas, descendant dans la fosse pour chanter. Beth est si attachante qu'on lui pardonne même ses reprises de l'affreuse Tina Turner et de faire chanter par le public l'abominable hymne de Queen We Are The Champions.

Read an english review here

Aus unserem Archiv:

Gossip, Cergy Pontoise, 05.07.09
Gossip, Köln, 26.08.08
Gossip, Paris, 25.08.08
Gossip, Evreux, 28.06.08
Gossip, Paris, 18.03.08
Gossip, Paris, 10.11.07
Gossip, Frankfurt, 28.08.07




Freitag, 20. März 2009

Gustav, 19.03.09

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Konzert: Gustav

Ort: L'International, Paris
Datum: 19.03.2009
Zuschauer: hmm, 150 vielleicht?
Konzertdauer: ca. 45 Minuten



Schon als ich den Laden betrete, höre ich Leute auf deutsch reden. Relativ ungewöhnlich in Paris, aber wenn eine Wienerin auftritt, die zudem noch ein paar Lieder in der Sprache Goethes im Repertoire hat, letztlich auch nicht allzu verwunderlich.

Das International ist recht neu auf der Landkarte der Pariser Konzertlocations, die Kneipe mit angeschlossenem Konzertkeller hat 2008 mit der Ausrichtung von Gigs angefangen. Eintritt muß man keinen entrichten und angesichts der gesalzenen Preise in Paris ist das schon eine feine Sache. Allerdings haben diese Umsonstkonzerte immer den Nachteil, daß auch Leute reinschneien, die sich für das Geschehen auf der Bühne nicht sonderlich interessieren und dies durch laute Plapperei oder andere Störungen kompensieren. Auch heute war dies wieder der Fall. Ein offensichtlich besoffener Franzose konnte sich nicht beherrschen und brüllte beim Anblick der jungen Künstlerin mehrfach laut und recht agressiv "Güstaf, Güstaf" Richtung Bühne, was die junge Österreicherin souverän mit einem Zeigefinger auf dem Mund konterte und damit bedeutete, er solle doch mal etwas leiser sein. Zum Glück verschwand das besoffene Schwein aber ziemlich bald und im Publikum herrschte erst einmal Ruhe, bis hinter mir plötzlich Deutsche oder Österreicher unentwegt und laut redeten.

Bevor Gustav loslegen konnte, war aber zunächst eine französische Vorgruppe zu ertragen. Eigentlich ging ich davon aus, daß sie schon fertig sein würden, wenn ich einträfe, aber der Zeitplan wird im International nicht wirklich eingehalten. Auf die veröffentlichten Anfangszeiten kann man also locker eine halbe bis Dreiviertelstunde draufschlagen. Zunächst gefielen mir Anthony Fletcher eigentlich noch ganz gut, aber nach circa. 2 oder 3 gehörten Liedern gingen sie mir mit ihrem melancholischen Pop - irgendwo zwischen Etienne Daho und Snow Patrol anzusiedeln, ziemlich auf die Nerven. Seicht scheint mir der treffende Ausdruck für ihre Mucke zu sein und im Vergleich zu Anthony Fletcher ist Chris "Coldplay" Martin, der auch als Referenz herangezogen wird, ein Harttrocker! Insofern nicht verwunderlich, daß Frauen im Zweifel eher auf Machos als Softies stehen. Das Bedürfnis Metallica oder Slayer zu hören, war bei mir nach circa. 20 Minuten unstillbar groß! Dennoch wurde das Trio zu zwei umjubelten Zugaben rausgeklatscht, eine davon ihr Hit Aquagym.

Mein frühes Erscheinen hatte aber dennoch einen entscheidenden Vorteil: ich saß bzw. stand in der ersten Reihe! Im International, wo man als Spätkommer schnell Gefahr läuft, nur noch den Betonpfeiler an der Seite zu sehen oder gar von den Treppenstufen durch eine Scheibe das Konzert verfolgen zu müssen, nicht zu unterschätzen! Ich blickte auf die Bühne und erspähte eine junge, sehr schlanke Frau mit niedlichen Zöpfchen und einem hübschen Gesicht. Das musste sie also sein, die Österreicherin mit dem männlichen Vornahmen! Sie baute zusammen mit dem Tontechniker ihren Gabentisch auf, auf dem alle möglichen Computer, Laptops, Keyboards standen und einen riesigen Kabelsalat erzeugten... Sie testete auch geräuschlos ihr Mikro (das geht!) und gab unplugged Anweisungen wie sich der Tontechniker gleich zu verhalten habe. Dann konzentrierte sie sich auf ihre Intrumente und legte wortlos mit einem Instrumentalstück los. Der Sound war technolastig und recht düster und die Künstlerin lächelte auch nicht, sondern schien mit ihrem Computer verwoben zu sein. Ich musterte ihr Äußeres und erkannte, daß sie hübsche blaue Augen hatte, obwohl ihr Haar recht dunkel war. Eine Deutsche oder Österreicherin hinter mir meinte dazu: "Die ist ja schon süß, die hat so Rehaugen!" Ich verkniff mir, mich umzudrehen und zusagen, daß die typischen Rehaugen doch braun seien und eben nicht blau, unterließ das aber, weil ich mich auf die Musik konzentrieren und nicht klugscheißern wollte und weil ich breits mehrfach negative Erfahrungen gemacht hatte, wenn ich Deutsche in Paris ungezwungen angesprochen hatte. Beim Besuch des Tennisturniers in Roland Garros hatte es sich vor ein paar Jahren einmal ergeben, daß Landsleute neben mir saßen und ich dachte: "Mensch, sei kommunikativ, das sind Deutsche und die mögen auch Tennis wie Du! Gib dich als Germane zu erkennen!" - Ich sollte es bereuen, denn anstatt - wie in Frankreich und anderswo üblich, Smalltalk zu pflegen und die schöne Anlage, das tolle Stadion und die Athleten auf dem Center Court zu loben, wurde ich bis ins Detail ausgefragt, wie ich es mir zeitlich und finanziell denn überhaupt leisten könnte, mittags bei einm Tennisturnier zu sein...

Und wenn ich zufällig mal Deutsche bei Konzerten antraf und meine Bloggerei und das Konzerttagebuch erwähnte, waren die ersten Fragen auch immer gleich: "Kannst Du davon leben? Was machts Du? Wieviel Miete zahlst Du?" - Es ist nicht so, daß Franzosen nicht auch einmal Fragen dieser Art stellen würden, aber sie sind da doch wesentlich zurückhaltender, bohren nicht nach und wollen nicht alles ganz genau wissen. Mentalitätsunterschiede von denen ich am heutigen abend auch noch andere Kostproben bekam! Zufälligerweise hatte ich nämlich aus Versehen meine Nachbarin leicht mit der Fußspitze berührt und drehte mich deshalb zur Seite, lächelte entwaffnend und entschuldigte mich, wie es in Frankreich üblich ist. Das Mädel kam aber wie ich später feststellte aus Deutschland (oder Österreich?), verstand nicht, wieso ich mich für den leichten Tipser überhaupt entschuldigte und guckte nur skeptisch und mürrisch. Genauso hatte ich ich das in ähnlichen Situationen aus Berlin in unguter Erinnerung. Aber es ist ja meistens glücklicherweise nicht böse gemeint, sondern einfach nur von den Eltern nicht beigebracht worden. In Frankreich ist man da in Erziehungsfragen strenger und trimmt die Kinder konsequent auf Höflichkeit und den perfekten Umgang zu seinen Mitmenschen, wozu auch der in Deutschland als oberflächlich verpönte Smalltalk und die nonverbale Kommunikation (wie eben das entwaffnende Lächeln) gehört. Aber es gibt da für mich keine Präferenzen, ich mag meine alte Heimat und mein Adoptivland Frankreich gleichermaßen und es wäre törricht, ein Land zu idealisieren und das andere schlechtzumachen. Das gilt natürlich auch für die Menschen, überall gibt es Sympathen aber leider eben auch Arschlöcher.

Mentalitätsunterschiede sind aber trotzdem nicht zu leugnen. In einer unfreiwilligen Konzertpause bekam ich noch ein Beispiel dafür geliefert. Gustav hatte nämlich gerade ein ärgerliches Problem mit ihrem Computer. Das Ding war während eines Liedes abgestürzt, was die Künstlerin schlagfertig mit den Worten: "Maybe it didn't like this song"" kommentierte, bevor sie versuchte, das Gerät in Ruhe neuzustarten. Das dauerte aber eine ganze Weile und deshalb fingen die Besucher an, sich zu unterhalten, bis das Problem behoben war. Ein deutschsprachiges Mädchen hinter mir erzählte ihrer Freundin, daß sie in Paris in ein Fitnesstudio gehe, was die andere mit einem: "Die sollen doch in Paris so sauteuer sein, was zahlst du denn?" quittierte. Ich schmunzelte innerlich, denn ich dachte mir insgeheim, daß diese komischen Muckibuden für Franzosen in der Regel sehr billig seien, weil einfach der Durchnschnittsfranzose in keinen Fitsnesstempel geht und folglich dafür auch keine Kosten hat. Auf einem Laufband oder angeschlossenem Fahrrad gegen Bezahlung rumzuhecheln ist einfach sehr unfranzösisch...

Aber nun endgültig zurück zur Musik, denn die Panne war nach ein paar Minuten zum Glück behoben und Gustav, die witzigerweise ein kleines gelbes Wörterbuch für Notfälle dabei hatte ("c'est magnifque", las sie einmal vor) konnte fortfahren. Sie sang nun abwechselnd auf englisch und deutsch und ihre Stimme war schon sehr besonders. Mir fielen prompt zwei Vergleiche zu Sängerinnen ein, von denen die Österreicherin selbst wohl nicht allzuviel halten dürfte (vorsichtig ausgedrückt), aber ich erwähne die Namen trotzdem. Zum einen Katie Melua und zum anderen Judith "Wir sind Helden" Holofernes.* Ihre Stimme hatte also gleichzeitig eine infantile- als auch leicht jazzig/soulige Note, was zusammmen mit den wummernden Elektrorhythmen, die sie erzeugte, eine ungewohnte Mischung ergab. Ausgefallen und sehr eigen also ihr Stil (manchmal fühlte ich mich auch an Frank Sinatra (!) erinnert) und darauf stehen nun einmal professionelle Musikkritiker, die sich im deutschen Rolling Stone oder der Spex ja dann auch sehr lobend geäußert haben. In Frankreich kennt man aber Gustav noch kaum und deshalb war es spannend zu sehen, wie die Pariser reagieren, wenn sie von lobhudelnden Kritiken unbelastet, sich auf diese Musik einlassen. Für die Künstlerin selbst mit Sicherheit auch neu und aufregend, vor allem wenn sie deutsch sang, was sie fast entschuldigend regelmäßig mit: "The next song wil be in german if you don't mind!", kommentierte. "In German" war beispielsweise der Titeltrack des zweiten Albums Verlass die Stadt, ein melancholisches Lied mit einem für Gustav typischen kuriosen Text voller Ironie und Witz und überraschenden Wendungen. Die Übergänge von lieblich zu knarzig und elektronisch waren abrupt und erwischten Unbedarfte auf dem falschen Fuß. Aber das ist ja das Spannende an Gustav, da gibt es Zuckerbrot und Peitsche und der hübsche Gesang wird unterstützt von wabernden Technorhythmen oder aber auch eingesampelten Geigen, wie z.B. bei dem großartigen We Shall Overcome. Auch das dramatische IFall war toll und baute eine knisternde Spannung auf, die man nur schwer in Worte fassen kann. Es klang nach moderner Großstadtmusik voller Widersprüche, man spürt Zorn ("no justice, no peace, no more fucking police"), Hast, Isoliertheit, Depression, aber auch Abenteuerlust, Erotik und glühende Leidenschaft (ich assoziere gerade wild vor mich hin..).

Bei Total Quality Woman wurde es dann lieblich, charmant und fast burlesk, aber natürlich ging es auch hier nicht ohne Brüche ab. Ein grandioses Stück!

Auch in punkto Theatralik und Mimik war die Österreicherin sehr versiert, mich würde es nicht wundern, wenn sie bereits eine Schauspiel- oder Theaterschule besucht hätte, aber ich weiß nicht, ob das stimmt, da ich deutsche Musikzeitschriften in denen so etwas stehen könnte, in Frankreich nicht beziehen kann.

Jedenfalls ist sie wie für die Bühne geschaffen, soviel steht fest! In einer Szene machte sie sogar einen kurzen Abstecher ins Publikum und puschte die Leute doch bitte
schön mitzumachen und hielt ihr Mikro demonstrativ in die Masse. Diese schien wirklich mehrheitlich deutschsprachig zu sein, denn als Gustav zum ersten Male die kleine Bühne verließ, skandierten hier etliche Kehlen: "Zugabe, Zugabe, Zugabe", so daß man das Gefühl hatte, nicht in Paris , sondern in Wien oder Berlin zu sein.

Und eine Zugabe gab es dann schließlich auch noch, nein, sogar zwei! Endgültiger Rausschmeißer war das heftig geforderte Rettet Die Wahle, der Titeltrack ihres ersten Albums, der mit erneut mit einem absurden Text aufwarten konnte ( Auszüge: "Lasst den Kindern ihre Meinung oder treibt sie früher ab" , "trennt euren Müll, denn viel Mist ist nicht schön", "und seid ihr eures Lebens müde,
legt Hand an euch und macht Schluß") und musikalisch fast eine Art Wiener Walzer war.

Mit einem Victory-Zeichen verließ Gustav dann schließlich die Stadt. Sie musste noch die Metro bekommen, die trotz des Streiktages fuhr...

Gustav in Paris, ein kleiner Triumph!


Pour nos lecteurs français:

On parlait allemand ce soir à l'International, salle assez recente dans le paysage des clubs indés de la capitale française. Pas si étonnant que ça, puisque, avec l'autrichienne Gustav il y a avait une artiste germanophone au programme. Déjà assez renommée outre-rhin grâce à des critiques très favorables dans des magazines comme le Rolling Stone allemand ou Spex, la jolie brune est toutefois quasiment inconnue en France.

Après une premiere partie un peu trop sucrée pour mon goût, une fine apparition, Mademoiselle Eva alias Gustav en personne, monte sur scène et installa d'abord laborieusement ses ordinateurs, claviers et la myriade de cables qui va avec! Puis elle commence avec un morceau electronique et instrumental, qui donne le ton. Oui elle est DJ, mais non ce n'est pas DJ Marusha ou une autre star quelquonque de la scène techno berlinoise. Parce que Gustav défie les genres et sur ses titres bien rythmés elle chante comme un ange adolescent et mêle pas mal de styles. Electro, jazz, chanson, folk, mais aussi punk et new wave. Ce n'est pas si facile à classer et c'est bien comme ça! Elle apporte une bonne bouffée d'air frais dans le paysage de la musique indé actuelle qui en a un peu marre du revival post punk et a adoré les rythmes africains de Vampire Weekend et consorts en 2008 mais ne sait pas trop pour quoi se passionner en 2009. Paru en 2005 en Allemagne et en Autriche son premier album "Rettet die Wale" a fait parler de lui grâce à son style musical hors du commun, mais aussi grâce aux textes ironiques, drôles, cyniques, parfois absurdes. Des textes qu'elle chante dans la majorité des cas en anglais, mais parfois aussi en allemand. Verlass' die Stadt , titre éponyme du deuxième album paru en 2008, est interprété dans la langue de Goethe. Avant d'entamer ce morceau elle s'excuse presque: "the next song is in german, if you don't mind." Il n' y a pas de raison, parce que d'une part il y a beaucoup des gens qui parlent allemand ce soir et d'autre part pour les français c'en était presque exotique , même s'ils comprennent pas vraiment les paroles. Qu'est-ce-qu'elle chante donc? Et bien, des choses assez sombres et pessimistes sur la vie dans une grande ville betonnée et à la longue invivable.

" Sie haben die Straßen auf Sprengstoff gebaut, die Kanäle geflutet , den Abfluß gestaut, die Luft längst vermengt mit astreinem Asbest, betundert , bestreut ,wo das Gras nicht mehr wächst, manche Gegenden der Stadt wurden gänzlich abgetrennt ,da kommt kein Auto mehr her, da fährt die Tram nicht mehr hin, da in recht regelmäßigen Intervallen Menschen auf den Asphalt knallen.

Bevor die Glut in dir erlischt, verlasse die Stadt, die keine ist, ein neuer Wundbrand in Athen ist an der Zeit endlich zu gehen (belle mélodie, presque une valse viennoise)

Qu'est ce que ça veut dire tout ça? Voici la traduction:

"Ils ont construit les rues sur la dynamite, inondé les canaux, bouché les conduits d'évacuation, mélangé l'air avec de la pure amiante, où l'herbe ne pousse plus, certains quartiers de la ville ont été entièrement séparés, plus aucune voiture n'y va, le tram n'y va pas non plus, car à intervalles très réguliers des gens s'écrasent sur l'asphalte.
Avant que les braises en toi ne s'éteignent, quitte la ville, qui n'en est plus une, une nouvelle gangrène à Athènes il est temps de partir."

Ce qui est original là-dedans c'est qu'elle chante ses paroles ultra sombres avec un grand sourire et le tout est accompagné par une belle et douce melodie, presque comme une valse viennoise moderne.

Et oui, Gustva maitrise l'art de tout prendre à contrepied, c'est ça qui la rend si fascinante. Mais elle a aussi des titres en anglais, qui font bien bouger, We Shall Overcome en est la preuve. Son meilleur morceaux est probablement IFall, puisque là on trouve vraiment tout: l'electro, le post punk, le cabaret mêlé avec aisance et classe pour un resultat passionant.

Le public de l'International adore et reclame un rappel (en allemand: "Zugabe, Zugabe!"). L'Autrichienne joue encore deux titres avant de conclure avec un autre morceau en allemand,
Rettet Die Wale = sauvez les baleines. Un drole de nom symptomatique des mouvements pacifiques et écolos des années 70/80. Et le texte est aussi riche en ironie et cynisme. Vous voulez un exemple? "Lasst den Kindern ihre Meinung oder treibt sie früher ab" = Laissez les enfants avoir leur propre avis ou avortez-les plus tôt! - Ou bien: Und seid ihr eures Lebens müde, legt Hand an Euch und macht Schluß= Et si vous en avez marre de votre vie, alors finissez-en!

Gustav à Paris, un petit triomphe, comme le montre le V de la victoire qu'elle fait en quittant la scène!


Auszug aus der Setlist Gustav
, L'International, Paris

- We Shall Overcome
- Verlass die Stadt
- Rettet Die Wahle
- Total Quality Woman
- Ifall

- Links:

- Das berichtet Eike vom Klienicum über Gustav und erklärt auch, wie die junge Frau auf den Namen kam...
- Gustav bei Wikipedia
- Mehr Fotos von Gustav
hier
- Videos: Total Quality Woman live, Rettet die Whale live, IFall live

Konzerttermine von Gustav:

08.05.2009: Thihi, Wien
13.05.2009: Teatro Fondamenta, Venedig
15.05.2009: Treibhaus, Luzern
16.05.2009: Bühne, Aachen
17.05.2009: Pudel Open Air, Hamburg



* man könnte natürlich auch Björk, CocoRosie, Hanne Hukkelberg, oder Meret Becker nennen, aber das wären eh alles nur Einordungsvergleiche, die ein wenig hinken...



 

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