Donnerstag, 26. Juni 2014

Fear Of Men, Köln, 25.06.14


Konzert: Fear Of Men (als Support der Pains Of Being Pure At Heart)
Ort: Luxor, Köln
Datum: 25.06.2014
Dauer: 35 min
Zuschauer: vielleicht 250




Daß ich mich spontan so sehr in die Musik einer Band verliebt habe, ist mir lange nicht mehr passiert. Beim wundervollen Indietracks-Festival in Ripley (Mittelengland) im vergangenen Sommer hatte ich nachmittags nur eine Pause auf der Wiese vor der kleinen Hauptbühne machen wollen, als Fear Of Men dort ihr Konzert begannen. Die Kombination aus wunderschönen Melodien und düsteren Texten faszinierte mich auf Anhieb so sehr, daß ich alle anderen Pläne strich und Fear Of Men begeistert zusah. Damals gab es nur ein paar Singles und eine EP - die Sammlung von Demos und den Singles, das alles war aber bereits so vorzüglich, daß mir eine richtige Platte gar nicht unbedingt fehlte. Das Debüt Loom erschien dann im Frühjahr und übertraf meine Erwartungen noch einmal. Der Beginn mit dem Doppel Alta und Waterfall und der frühen Single Green sea ist der beste Start in eine Platte seit The Organs Grab that gun. Viele der Songs von Loom sind entstanden, als Fear Of Men bereits im Studio gearbeitet haben, verriet mir die Band vor dem Konzert bei einem Interview. Im Hinblick auf ein zweites Album beruhigt mich so etwas immer sehr. Viele neue Bands veröffentlichen auf ihrem Debüt ja Songs, die viele Jahre gereift sind, um dann unter Zeitdruck Stücke für den Nachfolger schreiben zu müssen, das geht dann schon mal in die Hose. Daß viele der Loom-Titel auch für die Künstler so frisch sind, verspricht mir, daß ich noch sehr viel Freude an dieser Band haben werde.

Fear Of Men begleiten seit einer Weile die Pains Of Being Pure At Heart als Supportband. Nach Bandumbauten bei den Pains fragte deren Kopf Kip Fear Of Men Sängerin Jess, ob sie den weiblichen Gesangspart übernehmen könne. In dieser Konstellation touren die Bands seit April durch die USA und seit Juni durch Europa. Da auch die Pains zu meinen Lieblingen gehören und Köln (und ursprünglich Frankfurt - das fiel dem WM Spiel gegen Ghana zum Opfer) auf der Route lag, konnte ich die Engländer endlich wiedersehen.

Vor Fear Of Men spielten Ablebody aus Los Angeles, eine Band mit Pains-Tourmitglied Christoph Hochheim an der Gitarre (zu deren Auftritt und dem der Hauptgruppe später ein eigener Bericht!).

Fear Of Men betraten die Bühne um 20.45 Uhr und begannen wie auf ihrem Album Loom, Erst das ruhige Alta, das in einem wundervollen Übergang zum wuchtigen Waterfall wird - perfekte Popmusik. Aber eben perfekte Popmusik mit düstersten Texten. Ich brauchte eine Weile, um zu erkennen, wer offenbar die wahren Vorbilder des Trios aus Brighton sind. Fear Of Men haben vieles mit den Smiths gemeinsam. Die verspielten Melodien, die verträumte Stimme und dann Zeilen wie "if you think you save my soul there's no way to go" oder "break me into pieces to feel safe like it's normal" oder "you're a dream that I don't need" oder "I bend beneath the water top where you left me"...I know, I know, it's serious.


Die Band entstand nach einer Begegnung von Jessica Weiss und Daniel Falvey bei einer Ausstellung, bei der Jess Installationen mit musikalischer Untermalung gezeigt hatte. Die beiden unterhielten sich bei dieser Begegnung über Loop-Pedale. Toll! Es entstand die Idee, gemeinsam Musik zu machen, was zu Fear Of Men führte. Später kam Schlagzeuger Michael Miles dazu. Live werden die drei zur Zeit von Bassistin Becky Wilkie begleitet.

Wie auf Platte folgte auf Waterfall einer der anderen ganz großen Hits, Green sea. Mein Lieblingslied 2013 direkt nach meinem Lieblingslied 2014.

Obwohl die Knüller am Anfang kamen, hielten Fear Of Men das Niveau gleichbleibend hoch.* Da sie kaum Pausen zwischen den Stücken machten, nutzten sie die lediglich 35 Minuten sehr geschickt und spielten elf Stücke. Also eigentlich ein volles Konzert.

Seit Juli habe ich so oft den Namen Fear Of Men fallenlassen und allen Freunden mit gutem Musikgeschmack vorgeschwärmt, was für eine tolle Band das ist. Eigentlich musste ich selbst nicht davon überzeugt werden ("Fear Of Men sind unfassbar großartig!!!" schickte mir eine Freundin vom München-Konzert), aber es ist doch immer wieder ein besonders schönes Gefühl, wenn Künstler meine absurd hohen Erwartungen übererfüllen!

Jess erzählte vor dem Konzert, sie freue sich darauf, nach Ende der Tour mit den Pains Of Being Pure At Heart mit der Arbeit am neuen Album zu beginnen. Die drei haben ihre Jobs gekündigt, um sich auf ihre musikalische Karriere zu konzentrieren. Ich freue mich jetzt schon drauf, mein Lieblingslied 2015 kennenzulernen. Ich kann mir schlecht vorstellen, daß das nicht von Fear Of Men kommen wird.

Setlist Fear Of Men, Luxor, Köln:

01: Alta
02: Waterfall
03: Green sea
04: Mosaic
05: Doldrums
06: Born
07: Tephra
08: Seer
09: Luna
10: Descent
11: Inside

Links:

- aus unserem Archiv:
- Fear Of Men, Ripley, 28.07.13

* Oliver, den Satz erkläre ich Dir gerne




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