Mittwoch, 4. Juni 2014

Motorama, Frankfurt, 03.06.14


Konzert: Motorama
Ort: Ponyhof, Frankfurt
Datum: 03.16.2014
Dauer: 55 min
Zuschauer: knapp 35 



Festivals mag ich nicht. Ich bin aus dem Camping-Alter raus*, stelle mich vor Bühnen, auf denen Bands spielen, um denen zuzuhören und nicht, um mit meinen Kumpels zu reden (meine Kumpels wollen nämlich auch der Musik zuhören). Und hasse es vor allem, wenn zwei Musiker parallel spielen und ich einen nicht sehen kann. Nein, der Sommer ist nicht meine liebste Konzertsaison.


Ein paar rühmliche Ausnahmen gibt es - das wundervolle Indietracks in England, so etwas wie eine Fachmesse für Twee-Pop, das enorm liebevoll gemachte, toll besetzte und wahnsinnig angenehme Phono Pop in Rüsselsheim, das Primavera, das Primavera, das vermutlich einzige europäische Festival, das mit den großen englischen mithalten kann und das von Musikliebhabern seit vier Jahren in Mannheim aufgezogene Maifeld Derby. Wann immer ich also ankündige, zu keinen Festivals mehr zu fahren, schließt das diese vier aus. Die sind gesetzt. Dummerweise fanden dieses Jahr Maifeld Derby und Primavera parallel zueinander statt (und zunächst drohte das auch bei Phono Pop und Indietracks). Barcelona / Mannheim würde auch im Fußball für Barcelona ausgehen, also verpasste ich das Derby zum ersten Mal. Musikalisch war das nur teilweise schlimm, weil die Maifeld-Headliner auch in Barcelona spielten. Aber leider eben auch nur teilweise. Denn die Primavera Booker hatten offenbar nicht richtig hingeguckt und eine Band namens Motormama und nicht wie ihre deutschen Kollegen Motorama gebucht. 

Glücklicherweise kommt man nicht mal eben für ein Festival aus Rostow (am Don) nach Mannheim, Motorama spielen also noch einige andere Konzerte, davon zwei in Reichweite. Ich konnte die russischen Lieblinge also gleich am Tag nach der Rückkerhr im Ponyhof in Frankfurt sehen. 


20 Uhr Einlaß, 20.30 Uhr Beginn (pünktlich) stand auf meinem Ticket. Als ich um kurz vor halb in dem kleinen Club, der dem Bett nachgefolgt ist, ankam, war da noch niemand. Um kurz nach halb waren wir zu neunt (vermutlich also so viele, wie Prince angeguckt hätten, wenn er das Berlin-Konzert nicht abgesagt hätte). So etwas führt immer zu Verschiebungen, es begann also um kurz vor neun - und aus uns neun Zuschauern waren gut 30 geworden.

Motorama hatten eine hübsche Bühnendeko dabei, eine Schwarzweiß-Bild eines Waldes, wie all ihre Cover schlicht aber enorm ästhetisch. Dazu trug die Band ausnahmslos schwarze oder weiße T-Shirts ohne Label oder andere Beschriftungen. Nichts sollte scheinbar von der Musik ablenken.

Als ob das bei Motorama nötig ist!

Leider war der Klang am Anfang schlecht. Bei den ersten beiden Liedern war Sänger Vlads Stimme kaum zu hören. Ich weiß, daß die Band seine Stimme live nicht sehr laut haben will, am Anfang war sie aber noch einmal deutlich leiser. Mit dem dritten Stück Letter home wurde es besser und klang für den kleinen Club recht gut.

Ein Maßstab, der für die Livequalität einer Band sprechen kann, ist die Herangehensweise an die Setlist. Motorama wechselt kräftig durch. Ich habe bisher bei meinen fünf oder sechs Konzerten nicht zwei erlebt, die sich stark geglichen hätten.

Heute spielten die Russen beispielsweise einige B-Seiten (u.a. das neue Special day, das gerade auf der She is there 7" erschienen ist). Aber auch andere Songs werden munter durchgemischt. Es fehlte beispielsweise der Ohrwurm Warm eyelids, dafür waren andere Stücke im Programm, die ich vermutlich noch nicht live gehört habe.

Aber es ist eigentlich auch egal, was sie spielen. Die Stücke der Band sind alle fesselnd, haben unwiderstehliche Melodien und eine wundervolle Instrumentierung. Daß Motorama auf dem Maifeld Derby scheinbar hervorragend eingeschlagen haben, ist daher kein Wunder! 

Das Konzert hätte natürlich viel mehr Zuschauer verdient gehabt! Und die vier Dauerquatscher sollten dringend an ihrer maximalen Konzentrationsdauer arbeiten, um auch einmal ein komplettes einstündiges Konzert zu erleben.

Motormama habe ich in Barcelona nicht angesehen. Motorama gucke ich Samstag wieder.

Setlist Motorama, Ponyhof, Frankfurt:

01: Winter at night
02: Eyes
03: Letter home
04: Compass
05: She is there
06: Special day (neu)
07: Young river
08: During the years
09: Anchor
10: Far away from the city
11: Rose in the vase
12: One moment
13: To the south
14: White light

15: Empty bed (Z)
16: Scars (Z)


Links:


- aus unserem Archiv:
- Motorama, Luxemburg, 26.02.14
- Motorama, Paris, 13.12.13
- Motorama, Köln, 25.09.13
- Motorama, Paris, 19.09.13
- Motorama, Wiesbaden, 06.03.13
- Motorama, Wiesbaden, 06.03.13
- Motorama, Esslingen, 05.03.13
- Motorama, Paris, 25.02.13
- Motorama, Paris, 27.11.12 

* war nie drin


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