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um
13:31
Konzert: Fear Of Men
Ort: Forum Freies Theater Düsseldorf
Datum: 20.09.2016
Dauer: knapp 60 min
Zuschauer: 30
Am Dienstagabend spielten in Köln die Kings Of Convenience ihr neues, noch nicht aufgenommes Album in der KulturKirche. Auch ohne zu ahnen, daß Jonas Hector da sein würde, wäre das ein Pflichttermin gewesen, hätten nicht Monate vorher Fear Of Men ein einsames Konzert im FFT Düsseldorf angekündigt. Fear Of Men hatte ich im Sommer 2013 beim Indietracks Festival kennengelernt, danach als Support (und Begleitband) der Pains Of Being Pure At Heart in Köln und vor ziemlich genau zwei Jahren in Brüssel und Heidelberg wiedergesehen. Dieses alberne Städtedropping ist leider nötig, um zu verdeutlichen, wie schwierig es ist, die Band aus Brighton live zu sehen (und wie egal es mir ist, dafür zu fahren).

2016 erschien Fall forever, das zweite Album der englischen Band. Wie das erste (Loom) und die Sammlung der frühen Singles (oder schöner: Early fragments) besticht Fall forever nicht nur durch die ästhetische Gestaltung - alle Designs sind von musealen Motiven geprägt, mein Liebling ist die Green sea Single, auf der ein Topf und eine Scherbe zu sehen sind - sondern vor allem durch die grandiosen Songs. Wie sich das eben gehört. Es fehlt vielleicht der Überhit wie eben Green sea oder das Doppel Alta / Waterfall, mit dem Loom beginnt, die Platte mit dem umschlungenen, vergoldeten Paar wird von Mal zu Mal aber mehr zum Liebling (der Loom schon ist).

Das FFT, das Forum Freies Theater ist mitten in der Düsseldorfer Innenstadt. Als wir mit einer Kölner Abordnung ankamen, waren wir fast alleine im Foyer des Theaters. Die Bühne war im Vorraum der Bar aufgebaut und sah toll aus. Im Hintergrund standen zwei große (ägyptisch inspirierte) Fs wie auf der Rückseite der neuen Platte. Das Bandlogo. Auch wenn das Foyer selbst nicht viel Charme hatte (es ist eben ein Foyer mit Bar und Zugang zu den Toiletten), hatte der Veranstalter es geschafft, ein schönes Bühnenbild hinzubekommen, da merkte man, daß ein Theater der Gastgeber war.
Eigentlich sollte es um halb neun losgehen, man hoffte aber wohl noch auf mehr Zuschauer und wartete bis neun. Die 30, die bis dahin da waren (incl. Theaterpersonal) machten aber wegen des kleinen Raums zwischen Bühne und Mischpult keinen so peinlichen Eindruck, wie man denken könnte. Aber es blieben eben auch 30. Bei einer Band, die immerhin von Karsten Jahnke gebucht bzw. vermarktet wird, und die so grandios wie Fear Of Men ist, tut das sehr weh.
Um kurz nach neun kamen erst Schlagzeuger Michael Miles und die neue Keyboarderin (deren Namen ich nicht kenne) auf die Bühne. Die Nachfolgerin von Becky Wilkie (die auch bei PINS gespielt hatte) erzeugte wabernde, sich wiederholende Geräusche, in die irgendwann Michael einstieg. Diese Hintergrundmusik endete, als Gitarrist Daniel Falvey und Sängerin Jessica Weiss dazukamen. Das erste echte Lied war dann Island vom neuen Album, dem die anderen Stücke der A-Seite von Fall forever (bis auf Vesta) folgten.
Die Musik der Brightoner lebt zwar von der wundervollen Stimme von Jess, das als herausragendes Merkmal zu beschreiben wäre aber viel zu kurz gegriffen. Die Melodien der Stücke mit vielen Brüchen, Lautstärkeänderungen, die perfekt aufeinander abgestimmten Schlagzeug und Gitarre, das macht aus Fear Of Men viel mehr als eine weitere nette kleine Indiepop-Band. Bei Fall forever spielen Keyboards eine größere Rolle als vorher. So dauerte es auch bis zum ersten alten Stück, bis Jessica nach ihrer Gitarre griff und ihre Nachbarin das Keyboard gegen einen Bass eintauschte.
Dieses erste alte Stück war Teil eins der besten sieben Minuten seit langer Zeit... Alta, das die leise und zurückhaltende Einleitung von Waterfall ist - der Übergang dieser beiden Lieder ist grandios! - dann eben Waterfall und danach ohne Platz für Applaus Green sea, fantastisch!
Auf Platte ist das alles toll, live eine Ecke toller. Daniel und Jess wiegen ihre Instrumente in Pendelbewegungen hin und her. Hat die Sängerin die Hände frei, was jetzt häufiger vorkommt, bewegt sie Kopf und Körper ununterbrochen.
Während des Konzerts war mir aufgefallen, daß ich, obwohl es mein fünftes FoM-Mal war, die Band noch nie mit einem eigenen Konzert gesehen habe, immer nur als Vorgruppe oder mittags beim Indietracks. Und immer nur gut 35 Minuten lang.
Als Fear Of Men nach Inside von der Bühne gingen, hatte ich auch den Eindruck, als hätten sie gerade erst begonnen. Es war enorm kurzweilig, die zweite Konzerthälfte bestand vor allem aus älteren (zwei Gitarren und Bass-) Liedern. Nur die beiden Stücke vor Inside (Trauma und Sane - bei Sane wurde es am Ende wild rockig, Jess headbangte dazu, obwohl sie etwa so sehr nach Rockerin aussieht wie Erlend Øye von den Kings of Convenience) stammten vom neuen Album.
Nach Inside legten sie ihre Instrumente ab (es gab keine Gitarrenständer, obwohl sonst alles perfekt war) und kamen nach kurzer Pause zurück. Am Merch probierte einer der Zuschauer in der Zeit schon einmal die eleganten Baseballkappen mit Band-F an. Die beiden großen Fs auf der Bühne leuchteten jetzt! Die zwei Zugaben waren noch einmal alte Perlen von frühen Singles, Mosaic und Ritual confession.
Apropos Perlen... Es war ein wundervolles Konzert, das Forum Freies Theater ist ein toller Veranstaltungsort, das Publikum war sehr begeistert (und nicht nur die angereisten Fangirls und -boys) und aufmerksam. Aber daß so eine brillante Band nicht vor mehr als 30 Leuten spielt und daß es drei Jahre dauerte, bis sie überhaupt für eigene Konzerte nach Deutschland kam, ist schon eine große Verschwendung von Talent.
Nach dem gut einstündigen Konzert fand ich es jedenfalls überhaupt nicht mehr irre, 2014 für je 35 min nach Brüssel und Heidelberg gefahren zu sein.
Setlist Fear Of Men, FFT Düsseldorf:
01: Island
02: Undine
03: A memory
04: Until you
05: Alta
06: Waterfall
07: Green sea
08: Luna
09: Doldrums
10: Descent
11: Vitrine
12: Trauma
13: Sane
14: Inside
15: Mosaic (Z)
16: Ritual confession (Z)
Links:
- aus unserem Feor Of Men Archiv:
- Fear Of Men, Heidelberg, 06.10.14
- Fear Of Men, Brüssel, 03.10.14
- Fear Of Men, Köln, 25.06.14
- Fear Of Men, Ripley, 28.07.13
um
21:58
Konzert: Fear Of Men
Ort: Karlstorbahnhof, Heidelberg (als Support von Hundred Waters)
Datum: 06.10.2014
Dauer: ca. 35 min
Zuschauer: knapp 50

Bei Facebook geistern zur Zeit allerlei musikalische Bestenlisten rum. Auch ich wurde dieser Tage gebeten, meine zehn liebsten Platten zu benennen. Ich dachte vorher immer, daß mich das überfordern würde, dabei war es ganz einfach, spontan die zehn runterzuschreiben, die meinen Musikgeschmack geprägt haben, die mir vor allem aber seit dem ersten Hören - meist vor mehr als 20 Jahren - bis heute riesengroßen Spaß bereiten. "A record is not just a record" Auch wenn ich meine Liste fast komplett ohne Nachdenken aus dem Bauch raus geschrieben habe, gilt eine Einschränkung. "Nein, Loom kommt nicht in die Liste! Nein! Nein! Nein!" Dabei ist das Debüt von Fear Of Men nicht nur mein großer Liebling des Jahres, die Platte wird auch lange bleiben. Nicht unwahrscheinlich, daß sie in meiner Top-10 in zehn Jahren auftauchen wird. Ich versuche, nicht immer so überschwänglich zu loben, manchmal geht es aber nicht anders. Der Beginn von Loom - Alta, Waterfall und Green sea - ist aber vermutlich der beste Start einer Platte seit dem Basslauf auf The Organs Brother.

Daß die Konzerte der Band aus Brighton mit diesen drei Stücken und dem ebenso fabelhaften Mosaic starten, die ersten drei ohne Pause, ohne Klatsch-Chancen, ist wunderbar! Und clever, weil danach das (überschaubare) Publikum infiziert war. Sie wollten ihre Konzerte wie das Album beginnen und enden lassen, sagte mir Gitarrist Dan. Der Nebeneffekt eines perfekten Plattenstarts ist dann ein ebensolcher Konzertbeginn.

Es gibt alte Live-Videos, auf denen die Stimme von Sängerin Jess manchmal etwas wackelig klingt. Bei meinen vier Konzerten von Fear Of Men waren Gesang (aber auch alles andere) phänomenal gut und - so heißt es wohl - auf den Punkt. Was sich seit Juli 13 aber geändert hat, ist die Souveränität, mit der die jungen Musiker ihre Shows bestreiten. Fear Of Men werden immer besser, was erstaunlich ist, weil sie auch bei meinem ersten Konzert schon hervorragend waren. Selbst Indiepop-Szene-Größen wie die Pains Of Being Pure At Heart spielten Fear Of Men als Vorgruppe massiv an die Wand. Und nein, ich steigere mich in nichts rein, ich bin hochgradig objektiv!
Der Auftritt in Heidelberg war erneut ein Supportjob. Dreimal habe ich die Engländer bisher in Clubs gesehen, keines der Konzerte war eine Headline-Show. Heute war die Hauptgruppe Hundred Waters, die hochgelobte Band aus Florida, die mich alles andere als begeistert und zu einer frühen Heimfahrt gebracht hat.
Weil sie wieder nur eine gute halbe Stunde Zeit hatten, verzichten die vier Briten auf große Pausen. Viele Lieder, nicht nur der Anfang, gingen in das nächste über. So fühlte es sich wie ein komplettes Konzert an, trotz des kurzen Zeitbudgets. Neben den Stücken von Loom (dem Anfang und dem Ende) spielten Fear Of Men Lieder der ersten Singles, die noch einmal auf der EP Early fragments erschienen waren, u.a. das wunderbare Doldrums und Ritual confession, auf das ich gehofft hatte.
Und dann war da noch das Chills-Cover Pink frost, für das das gleiche wie für die Konzerte der Band gilt, es wird größer und größer! Fear Of Men haben das 1984 erschienene Stück der Neuseeländer in eine sagenhaft gute neue Form gepackt. "Das Chills-Lied ist toll, oder?" fragte Dan. Ja, schon. Aber Eure Version ist unendlich viel toller! Pink frost ist das einzige Stück, bei dem Jess nicht Gitarre spielt und stattdessen mit geschlossenen Augen tanzt. Das erinnerte mich an Szenen aus Breaking glass, dem Film, mit dem Hazel O'Connor, einer meiner Lieblinge aus der Top-10-Liste bekannt wurde.
Fast wie Loom endete die Platte mit Descent und Inside (Atla, das kurze Schlußstück spielen Fear Of Men nicht live). Descent wird am Ende herrlich schnell, das langsam und ruhig startende Inside wird auf der Bühne am Ende sehr krachig und endet in wahren Gitarrenwänden.
Wow, was für eine grandiose Band, was für grandiose Konzerte! In einer Bestenliste tauchen Fear Of Man auf alle Fälle Anfang Januar auf!
Setlist Fear Of Men, Karlstorbahnhof, Heidelberg:
01: Alta
02: Waterfall
03: Green sea
04: Mosaic
05: Doldrums
06: Luna
07: Seer
08: Pink frost (The Chills Cover)
09: Ritual confession
10: Descent
11: Inside
Links:
- aus unserem Archiv:
- Fear Of Men, Brüssel, 03.10.14
- Fear Of Men, Köln, 25.06.14
- Fear Of Men, Ripley, 28.07.13
- mehr Fotos vom Konzert
Tourdaten Fear Of Men:
07.10. Astra Stube, Hamburg
08.10. Schokoladen, Berlin
09.10. Klub 007 Strahov, Prag
11.10. Freiraum, St Pölten
12.10. Klub Močvara, Zagreb
13.10. Život, Rijeka
14.10. Ohibò, Mailand
15.10. Circolo degli Artisti, Rom
16.10. Mattatoio CultureClub, Carpi (Modena)
17.10. Gewerbehalle, Luzern
18.10. Treppenhaus, Rorschach
20.10. Point Ephémère, Paris
um
23:26
Konzert: Fear Of Men
Ort: Beursschouwburg, Brüssel
Datum: 03.10.2014
Dauer: 36 min
Zuschauer: gut 40
Wie wird eigentlich eine Band zu einer Lieblingsband? Bei einigen meiner Favoriten weiß ich das noch sehr genau; meist war es Liebe auf den ersten Song, bei The Organ zum Beispiel. Bei Fear Of Men dauerte es ein wenig länger. Als ich die Band zum ersten Mal sah (aus Verlegenheit), kannte ich nur einen Song, war dann von dem Set aber so angetan, daß ich gespannt auf mehr war. Mit der Debütplatte Loom stieg meine Zuneigung von Hören zu Hören weiter.
Im Juni spielten Fear Of Men erstmals in Köln. Ihre Hauptgruppe, die Pains Of Being Pure At Heart, spielten die Briten dort locker an die Wand! Das Konzert gestern in Brüssel war noch eine Schippe besser. Fear Of Men werden von Mal zu Mal besser - und mir wichtiger.
Dabei war das Konzert in der Beursschouwburg in Brüssel wieder leider nur ein Support-Gig. Zwar sind die Engländer gerade auf ihrer ersten europäischen Headline-Tour, die beiden einzigen für mich erreichbaren Auftritte sind allerdings nur Konzerte im Vorprogramm. In Brüssel spielten Fear Of Man gar vor zwei anderen Gruppen. Hauptband war Bear In Heaven, deren Support Soldier's Heart. Fear Of Men waren spät dazu gekommen und wurden als Vor-Vor-Gruppe aufgeboten. Mir war dies letztlich egal, da eine brillante halbe Stunde besser als manches zweistündige Konzert ist und strenggenommen schon der Beginn mit Alta/Waterfall und Green sea für eine super Abend reicht. Außerdem war Feiertag.

Der Auftrittsort war ein Club im fünften Stock eines Gebäudes, das keine Minute vom AB entfernt liegt. Oben erfuhr ich, daß der Beginn 21.30 h um eine halbe Stunde nach hinten verlegt worden sei, weil eine Ausstellung im Erdgeschoß das erfordere. Da der Konzertsaal ein auf dem Dach aufgesetzter Aufbau war, vor dem eine Dachterrasse war, war es wenigstens eine Wartezeit mit schönem Ausblick. Als die Band auf die Bühne kam, blieben auch eine ganze Menge Leute draußen stehen, im Saal waren gut 40.
Fear Of Men begannen mit dem Doppel Alta und Waterfall. Ohne Pause folgte Green sea - die Band hatte es eilig! Schwer vorstellbar, irgendwo einen besseren Konzertstart zu erleben! Auch wenn der Auftritt mit den besten Stücken begann, nahm das der Qualität gar nichts! Und auch wenn ich Lieder wie Seer oder Luna schon unzählige Male gehört habe, verlieren die nichts an ihrem Reiz!
Die gute halbe Stunde Konzert war so lücken- und längenlos, daß es wie ein doppelt so langes wirkte!
Neben eigenen Titeln von Loom und den Vorgänger-Singles spielten die vier Briten (Sängerin Jess, Gitarrist Dan, Schlagzeuger Michael und Bassistin Becky) auch ihre fabelhaftes Pink Frost Cover. Die Urheber dieses Stücks, die Chills, habe ich dieses Jahr auch erstmals live gesehen und enttäuschend gefunden. Fear Of Men machen aus Pink Frost einen Post-Punk-Knüller. Das Cover wirkt eigen genug, um es guten Gewissens toll zu finden!
Das alles bringt mich nicht weiter bei der Suche nach dem Mechanismus, wie eine Band ein Liebling wird. Aber wenn sie sensationelle Lieder hat und großartige Konzerte spielt, sind die Chancen gut. Großartige Konzerte wie dieses! Und das kommende Woche. Und die, die mit den nächsten Alben hoffentlich noch folgen werden!
Setlist Fear Of Men, Beursschouwburg, Brüssel:
01: Alta
02: Waterfall
03: Green sea
04: Mosaic
05: Doldrums
06: Born
07: Luna
08: Seer
09: Pink frost (The Chills Cover)
10: Descent
11: Inside
Links:
- aus unserem Archiv:
- Fear Of Men, Köln, 25.06.14
- Fear Of Men, Ripley, 28.07.13
Tourdaten Fear Of Men:
06.10. Karlstorbahnhof, Heidelberg (Support Hundred Waters)
07.10. Astra Stube, Hamburg
08.10. Schokoladen, Berlin
09.10. Klub 007 Strahov, Prag
11.10. Freiraum, St Pölten
12.10. Klub Močvara, Zagreb
13.10. Život, Rijeka
14.10. Ohibò, Mailand
15.10. Circolo degli Artisti, Rom
16.10. Mattatoio CultureClub, Carpi (Modena)
17.10. Gewerbehalle, Luzern
18.10. Treppenhaus, Rorschach
20.10. Point Ephémère, Paris
um
16:42
Konzert: Fear Of Men (als Support der Pains Of Being Pure At Heart)
Ort: Luxor, Köln
Datum: 25.06.2014
Dauer: 35 min
Zuschauer: vielleicht 250

Daß ich mich spontan so sehr in die Musik einer Band verliebt habe, ist mir lange nicht mehr passiert. Beim wundervollen Indietracks-Festival in Ripley (Mittelengland) im vergangenen Sommer hatte ich nachmittags nur eine Pause auf der Wiese vor der kleinen Hauptbühne machen wollen, als Fear Of Men dort ihr Konzert begannen. Die Kombination aus wunderschönen Melodien und düsteren Texten faszinierte mich auf Anhieb so sehr, daß ich alle anderen Pläne strich und Fear Of Men begeistert zusah. Damals gab es nur ein paar Singles und eine EP - die Sammlung von Demos und den Singles, das alles war aber bereits so vorzüglich, daß mir eine richtige Platte gar nicht unbedingt fehlte. Das Debüt Loom erschien dann im Frühjahr und übertraf meine Erwartungen noch einmal. Der Beginn mit dem Doppel Alta und Waterfall und der frühen Single Green sea ist der beste Start in eine Platte seit The Organs Grab that gun. Viele der Songs von Loom sind entstanden, als Fear Of Men bereits im Studio gearbeitet haben, verriet mir die Band vor dem Konzert bei einem Interview. Im Hinblick auf ein zweites Album beruhigt mich so etwas immer sehr. Viele neue Bands veröffentlichen auf ihrem Debüt ja Songs, die viele Jahre gereift sind, um dann unter Zeitdruck Stücke für den Nachfolger schreiben zu müssen, das geht dann schon mal in die Hose. Daß viele der Loom-Titel auch für die Künstler so frisch sind, verspricht mir, daß ich noch sehr viel Freude an dieser Band haben werde.

Fear Of Men begleiten seit einer Weile die Pains Of Being Pure At Heart als Supportband. Nach Bandumbauten bei den Pains fragte deren Kopf Kip Fear Of Men Sängerin Jess, ob sie den weiblichen Gesangspart übernehmen könne. In dieser Konstellation touren die Bands seit April durch die USA und seit Juni durch Europa. Da auch die Pains zu meinen Lieblingen gehören und Köln (und ursprünglich Frankfurt - das fiel dem WM Spiel gegen Ghana zum Opfer) auf der Route lag, konnte ich die Engländer endlich wiedersehen.
Vor Fear Of Men spielten Ablebody aus Los Angeles, eine Band mit Pains-Tourmitglied Christoph Hochheim an der Gitarre (zu deren Auftritt und dem der Hauptgruppe später ein eigener Bericht!).
Fear Of Men betraten die Bühne um 20.45 Uhr und begannen wie auf ihrem Album Loom, Erst das ruhige Alta, das in einem wundervollen Übergang zum wuchtigen Waterfall wird - perfekte Popmusik. Aber eben perfekte Popmusik mit düstersten Texten. Ich brauchte eine Weile, um zu erkennen, wer offenbar die wahren Vorbilder des Trios aus Brighton sind. Fear Of Men haben vieles mit den Smiths gemeinsam. Die verspielten Melodien, die verträumte Stimme und dann Zeilen wie "if you think you save my soul there's no way to go" oder "break me into pieces to feel safe like it's normal" oder "you're a dream that I don't need" oder "I bend beneath the water top
where you left me"...I know, I know, it's serious.

Die Band entstand nach einer Begegnung von Jessica Weiss und Daniel Falvey bei einer Ausstellung, bei der Jess Installationen mit musikalischer Untermalung gezeigt hatte. Die beiden unterhielten sich bei dieser Begegnung über Loop-Pedale. Toll! Es entstand die Idee, gemeinsam Musik zu machen, was zu Fear Of Men führte. Später kam Schlagzeuger Michael Miles dazu. Live werden die drei zur Zeit von Bassistin Becky Wilkie begleitet.
Wie auf Platte folgte auf Waterfall einer der anderen ganz großen Hits, Green sea. Mein Lieblingslied 2013 direkt nach meinem Lieblingslied 2014.
Obwohl die Knüller am Anfang kamen, hielten Fear Of Men das Niveau gleichbleibend hoch.* Da sie kaum Pausen zwischen den Stücken machten, nutzten sie die lediglich 35 Minuten sehr geschickt und spielten elf Stücke. Also eigentlich ein volles Konzert.
Seit Juli habe ich so oft den Namen Fear Of Men fallenlassen und allen Freunden mit gutem Musikgeschmack vorgeschwärmt, was für eine tolle Band das ist. Eigentlich musste ich selbst nicht davon überzeugt werden ("Fear Of Men sind unfassbar großartig!!!" schickte mir eine Freundin vom München-Konzert), aber es ist doch immer wieder ein besonders schönes Gefühl, wenn Künstler meine absurd hohen Erwartungen übererfüllen!
Jess erzählte vor dem Konzert, sie freue sich darauf, nach Ende der Tour mit den Pains Of Being Pure At Heart mit der Arbeit am neuen Album zu beginnen. Die drei haben ihre Jobs gekündigt, um sich auf ihre musikalische Karriere zu konzentrieren. Ich freue mich jetzt schon drauf, mein Lieblingslied 2015 kennenzulernen. Ich kann mir schlecht vorstellen, daß das nicht von Fear Of Men kommen wird.
Setlist Fear Of Men, Luxor, Köln:
01: Alta
02: Waterfall
03: Green sea
04: Mosaic
05: Doldrums
06: Born
07: Tephra
08: Seer
09: Luna
10: Descent
11: Inside
Links:
- aus unserem Archiv:
- Fear Of Men, Ripley, 28.07.13
* Oliver, den Satz erkläre ich Dir gerne
um
12:05
Konzert: Fear Of Men
Ort: Indietracks Festival, Ripley
Datum: 28.07.2013
Dauer: knapp 40 min
Fear Of Men hatte ich mehr als Lückenfüller eingeplant. Nach The Soulboy Collective hatte sich auf der Indoor-Bühne einiges massiv verschoben, und The Ballet, die ich eigentlich sehen wollte, waren weit und breit noch nicht in Sicht. Also schien mir eine kurze Pause auf der Picknick-Wiese vor der Hauptbühne mit netter Musik im Hintergrund eine tolle Idee zu sein.
Mein teilnahmsloses Zugucken war allerdings schnell vorbei, als Fear Of Men erst einmal begonnen hatten. Ich bin nicht sicher, was mich an der Musik der Band aus Brighton so fasziniert hat, sie tat es aber so sehr, daß ich alle anderen Pläne schnell abblies.
Fear Of Men bestehen aus vier Musikern, Sängerin Jess, Gitarrist Dan, Bassistin Robyn und Schlagzeuger Michael. Die Band entstand aus einem Soloprojekt von Jessica Weiss. Sie studierte Kunst in London und traf Dan Falvey bei einer von ihr veranstalteten Ausstellung. Dan, der auf dem Indietracks ein T-Shirt "Famous Irish writers" mit Bildern von Shaw, Joyce, Wilde und Yeats trug, stieg ein. Damit war Fear Of Men geboren. Nach einigen Demos und Singles hat die Band Anfang des Jahres eine Sammlung ihrer frühen Songs als Album Early Fragments veröffentlicht (auf dem Grizzly Bear Label Kanine Records). Das kannte ich aber natürlich noch nicht (was ich mir immer damit schönrede, daß es viel spannender ist, Musik live zu entdecken).

Die Stücke der Band haben verträumte Melodien, die mich - wahrscheinlich wegen Jess' Stimme - ein wenig an Best Coast erinnern. Andere (mit mehr Ahnung) sehen eine Nähe zu den Cocteau Twins. Wo Best Coast, die ich sehr mag, über "Boyfriends" singen, geht es bei Fear Of Men um düstere Themen. "What can I do when she dies", ist kein Liedtext für California Pop.
Der Gesang der Sängerin war enorm beeindruckend. "Faszinierend, was aus so einer kleinen Person für eine Stimme kommt," sagte eine Freundin neben mir. Das war es. Aber der Rest eben auch!
Gefallen haben mir alle Stücke. Herausragend war Green sea zum Abschluß! Für den Auftritt habe ich zwar Making Marks und The Ballet sausen lassen, das war es aber wirklich wert! Fear Of Men, eine weitere großartige "Entdeckung" auf dem Indietracks, über die ich gerne noch oft (und dann auch mit mehr Ahnung) schreiben möchte!
Setlist Fear Of Men, Indietracks Festival, Ripley:
01: Your side
02: Doldrums
03: Born
04: Mosaic
05: Ritual confession
06: America (neu)
07: Give up (neu)
08: Seer
09: Pink frost
10: Green sea