Donnerstag, 7. Februar 2013

Torpus and the Art Directors, Frankfurt, 05.02.13


Konzert: Torpus and the Art Directors
Ort: Ponyhof Frankfurt
Datum: 05.02.2013
Zuschauer: ca. 50
Dauer: 80 min


von Tanita


Thees Uhlmann könnte mir vermutlich alles andrehen. Und ich meine alles. Vom Staubsauger bis zum Bausparvertrag - immer her damit! Und warum? Ganz einfach: erstens reden wir hier von Thees Uhlmann, seines Zeichens Sänger von Tomte (und ja, auch und v.a. mittlerweile solo sehr erfolgreich), Musikjournalist, legendärem Alleskönner und wie Casper einmal sehr treffend formulierte quasi „Gevatter Indie“. Und zweitens, ist die Band, um die sich der nachfolgende Bericht dreht, bei dem von ihm und halb Kettcar, namentlich Marcus Wiebusch und Reimer Bustorff, gegründeten Hamburger Kult-Label „Grand Hotel van Cleef“ beheimatet. Ein Label, dessen Besitzer und vor allem ihr Wille mit eigenen Mitteln und auf ihre eigene Art und Weise Musik zu machen, mich unheimlich beeindrucken. Ihr Erfolg gibt ihnen nach mittlerweile 10 Jahren im Geschäft glücklicherweise Recht und sie haben es geschafft, eine treue Menge von Menschen um sich zu scharen, die gute, ehrliche Musik zu schätzen wissen. Eines meiner absoluten Highlights des letzten Festivalsommers war das einmalige Festival „10 Jahre GHvC“ in Hamburg, bei dem das Grand Hotel mit Auftritten von Young Rebel Set, den Kilians, Tomte (in Originalbesetzung!), der Hansen Band, Thees Uhlmann & Band und Kettcar eine ordentliche Geburtstagsparty hinlegte und wahnsinnige Menschen, so wie ich eben, teilweise lange Wege und Schlafentzug auf sich genommen hatten, um mit dabei sein zu können – es war einfach wundervoll.


Aufgrund genau dieses blinden Vertrauens in das GHvC hatte ich vor Kurzem in das aktuelle Album von Torpus and the Art Directors hineingehört und dachte erst, mich verklickt zu haben. Das klang erschreckend gut und erschreckend sehr nach Mumford & Sons! Allerdings nur bei zunächst oberflächlichem Hinhören und schnell muss man feststellen, dass Torpus and the Art Directors doch glücklicherweise ihren ganz individuellen Stil haben. Nach einer Mini-Tour (je 3 Konzerte in 3 Städten an 3 Tagen) zur Feier ihres im Oktober erschienenen Debüts „From Lost Home to Hope“, sind sie nun quer durch alle Clubs Deutschlands unterwegs. Da schon nach nicht einmal einem Song mein vollstes Interesse geweckt worden war und ich es einfach nicht fassen konnte, dass sich hinter diesem Sound tatsächlich Nordfriesen verbergen sollten und nicht etwa, wie erwartet mal wieder Amerikaner oder Briten, konnte ich dem sehr verlockenden Termin im Frankfurter Ponyhof einfach nicht widerstehen. Trotz einer wichtigen Klausur am nächsten Morgen, setzte ich mich nach langem Hin und Her doch in den Zug und bin sehr froh, dass ich mich doch noch aus dem Haus getraut habe. Das Wetter war eigentlich untragbar und die etwa 50 Menschen, die sich in den charmant-gammeligen Ponyhof getraut hatten, hatten eigentlich schon für den Mut an einem Sonntagabend das Haus zu verlassen, ein Freigetränk verdient. Das gab es leider nicht, aber dafür eine wirklich tolle Location, die mich sehr positiv an die tollen Clubs erinnert, die man sonst nur in Städten wie London findet: schlecht ausgeleuchtet, leicht verraucht, winzige Gänge und schiefe Treppen und fast obligatorisch seltsame Flecken an der Decke, die auch so aussieht, als könnte sie demnächst herunterfallen.

Für den günstigen Eintritt hatte ich gar keinen Support Act erwartet, aber umso schöner, dass der sympathische Engländer Rob Lynch mit dabei war. Nach wenigen Songs hatte er sich mit einem britischen Akzent zum Dahinschmelzen und seiner Gitarre schon in mein Herz gesungen und nach seinem halbstündigen Set klatschten alle sichtlich begeistert und verlangten eigentlich nach einer Zugabe. Anfangs war ich noch etwas skeptisch, da Rob Lynch mit recht viel Nachdruck singt, was manchmal schon ungewollt komisch klingt, aber insgesamt ein Künstler, den ich mir definitiv merken werde. Leider ist mir der Titel entfallen, beim nochmaligen Anhören der EP könnte es „Hawking“ gewesen sein, aber mitten während des Sets von Rob Lynch gab es eine Stelle in einem Song, die einfach zum Mitsingen gemacht war und plötzlich hörte ich direkt neben mir eine tiefe Stimme, die souverän die perfekte zweite Stimme zu Robs Gesang einfach mal so mitsang. Und selbstverständlich handelte es sich um Niemand Geringeren als Sönke Torpus höchstpersönlich, dessen Stimme einen instinktiv dazu bewegt sich nach ihr umzudrehen und nur durch wenige gesungene Worte schon sofort in ihren Bann zieht.


Nach kurzer Umbaupause ging es dann auch schon direkt lautstark und kraftvoll mit „Amanda“ und „When I left my Apartment“, vom 2010er Album „Five Leaves Left“, los, und es war schnell klar, dass alle mutigen Menschen, die sich trotz Wind und Wetter eingefunden hatten, für ihre Anwesenheit belohnt werden würden. Das Publikum war von Beginn an extrem still und sehr aufmerksam, was auch später durch Sönke thematisiert werden würde, der das genauso wie ich persönlich, sehr sehr schön fand. Mit einer abwechslungsreichen Mischung aus Songs des vorherigen Albums von Torpus, Coverversionen, Songs des aktuellen Albums und vor allem mit einer sehr charmanten Bühnenpräsenz bewaffnet, führten Torpus and the Art Directors, die auch sichtlich überrascht davon waren, dass tatsächlich Menschen gekommen waren, vollkommen entspannt durch den Abend. Das Set enthielt viele Highlights, wie unter anderem das sehr eingängige „Known, Seen Judged“, bei dem Sönke zunächst in respekteinflößender Lautstärke alleine loslegt und dann von zwei bis drei seiner Art Directors im Gesang unterstützt wird – wirklich sehr beeindruckend! Insgesamt kann ich eigentlich kein einziges Lied negativ kommentieren, sondern ganz im Gegenteil war das ganze Set meiner Meinung nach sehr stimmig. Einige Anspieltipps wären auf jeden Fall „The Leaving“ (auch wieder mit wahnsinnigem, mehrstimmigem Gesang!), „Steps“ mit sehr zarten Tönen und unbedingt auch „Dancing Kids and Summer Laughter“! Einen stimmungsvollen Abschluss des Abends boten die Zugaben, wie „Secret“, bei dem die sehr sympathische Bassistin (mit echtem Kontrabass!) den Song mit ganz sanfter Zweitstimme begleitete. Der letzte, sehr gefühlvolle Song mit dem Namen „Black Harp Girl“ sorgte noch für einen finalen Stimmungswechsel, von ruhigen, andächtigen Tönen hin zu einem lautstarken Zusammenspiel aller Künstler, die den Abend genauso energisch beendeten, wie sie ihn begonnen hatten.


Insgesamt ein sehr schöner Sonntagabend mit einem tollen Konzert, dass mich für 2 Stunden so in seinen Bann ziehen konnte, dass ich meinen Prüfungsstress vollkommen vergessen konnte.

Dringend zu empfehlen!

Die verbleibenden Tourdaten von Torpus and the Art Directors: 

07.02. Nürnberg, Club Stereo 
08.02. Halle, Objekt5 
09.02. Erfurt, Museumskeller 
11.02. Jena, Café Wagner 
12.02. Leipzig, Kö 
13.02. Hannover, Lux 
14.02. Bremen, Tower 
15.02. Hamburg, Molotow 
16.02. Leck, Leckhuus 
17.-19.05. Beverungen, Orange Blossom Festival 
09.-10.08. Neukirchen, Skandaløs Festival 

Und für ausschließlich gute Musik einfach mal hier entlang: http://www.ghvc.de/ 

Setlist Torpus and the Art Directors, Ponyhof, Frankfurt: 

01: Amanda 
02: When I left my Apartment 
03: Known, Seen, Judged 
04: The Leaving 
05: Roundabout 
06: Howl 
07: Steps 
08: Better 
09: Carolina (Ryan Adams Cover) 
10: Hundreds 
11: Dancing Kids and Summer Laughter 
12: Modesty/Honesty 
13: Fall in Love 

14: Secret (Z) 
15: Black Harp Girl (Z) 


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