Montag, 30. Januar 2012

The Black Atlantic & Rue Royale, Köln, 28.01.12


Konzert: The Black Atlantic & Rue Royale
Ort: Subway, Köln
Datum: 28.01.2012
Zuschauer: wohl ausverkauft (aber angenehm voll)
Dauer: The Black Atlantic 65 min, Rue Royale knapp 60 min, Kim Janssen 15 min


Die Probleme eines Konzertnerds kennt der Radiohörer nicht, er könnte sie wohl auch nicht nachvollziehen. Samstag mußte ich mich zwischen vier Konzerten entscheiden, die ich mir alle gerne angesehen hätte - in Köln wohlgemerkt. Maria Taylor und Unbunny spielten im wundervollen Motoki, Damien Jurado im King Georg, Sir Simon und Björn Kleinhenz im Stereo Wonderland und The Black Atlantic und Rue Royale im Subway. Solche Probleme stellen sich Fans von Hits der 80er, 90er und von jetzt nicht, weil Grönemeyer, Take That, die Scorpions und Lady Gaga allein deshalb schon nicht parallel spielen werden, da dafür nicht genug große Hallen und Stadien vorhanden sind.

Da wir damit gerechnet haben, daß alle vier Konzerte voll werden würden, entschied letztdendlich auch, welcher Club voll am angenehmsten ist, daran kranken nämlich fast alle kleinen Kölner Läden. Das beste Band/Wohlfühl-Verhältnis bot zweifelsfrei die Kombination The Black Atlantic und Rue Royale im Subway, also kauften wir dafür Karten.

Samstagabende beginnen in Köln früh, weil hinterher noch Party ist. Es sollte also um acht losgehen, und pünktlich standen auch Rue Royale auf der Bühne. Zumindest dachte ich das. Der traurige, mit dem typischen amerikanischen Englisch eines nicht-Amerikaners singende Mann stellte sich als Kim Janssen heraus, Bandmitglied der niederländischen Hauptgruppe. Kim spielte vier Lieder, teilweise von Rue Royale begleitet, die nett waren, mich aber enttäuscht hätten (die Lieder), wenn sie das einzige Vorprogramm gewesen wären.

Kim setzte sich dann von der Mitte nach rechts und begleitete das amerikanisch-englische Duo Rue Royale. Die Band ist mir aus mehreren Gründen extrem sympathisch. 1) Ich mag schon immer Jungs-Mädels-Duette; das mag zwar musikalisch besonders einfach gestrickt zu sein, wenn es allerdings so herrlich klingt, ist mir meine Einfältigkeit vollkommen egal. 2) In einer Rue Royale (in Brüssel) liegt einer meiner liebsten Clubs, das wunderbare Botanique. 3) Duette von Jungs mit US-Englisch und Mädels verhalten sich zu gleichakzentrischen wie Spargel zu Schwarzwurzeln. Warum ist da niemand vorher drauf gekommen? Das ist unfassbar grandios!

Gottseidank spielten Rue Royale ein ausgewachsenes Konzert, nicht bloß eine abgespeckte Supportshow. Ich wollte keine Minute ihres Auftritts missen, weil jedes Stück wundervoll war!

Die meisten Lieder stammten vom Debütalbum Rue Royale von 2008 oder von EPs, mit Changed my grip wurde aber auch ein neues Stück gespielt.

Begleitet wurden Ruth und Brookln Dekker von Kim Janssen. Ab dem achten Stück Walls kam je ein neues Black Atlantic Mitglied dazu, bis beim Abschlußsong UFO die ganze Hautgruppe mit auf der Bühne stand. Mir ist schmissiger Folk am liebsten, daher mochte ich das laute Parachutes and life ganz besonders! Ach, Rue Royale waren wirklich ganz hervorragend und werden mich sicher nicht zum letzten Mal erfreut haben!

Setlist Rue Royale, Subway, Köln:

01: Guide to an escape
02: These long roads
03: Halfway blind
04: We'll go on allright
05: Blame
06: Changed my grip (neu)
07: Lunacy
08: Walls
09: Get me standing
10: Parachutes and lifeboats
11: UFO

Die Bandmitglieder der niederländischen Hauptgruppe kannten wir jetzt ja schon, da bot der Auftritt wenig Überraschendes. Ich kannte sie aber auch von einem Konzert im King Georg vor einem Jahr, wobei das nicht ganz richtig ist, ich erinnere mich an diesen Auftritt nämlich so gut wie nicht mehr. Ich weiß wohl noch, daß mir die Musik ausgezeichnet gefallen hatte, mehr ist allerdings nicht haften geblieben.

Auch heute hatten es The Black Atlantic ehrlich gesagt ein wenig schwer. Natürlich war auch ihr Auftritt toll und hörenswert (viel gesehen haben wir nicht). Das eigene Konzert leidet aber immer darunter, wenn die Vorgruppe zu gut ist (worin viele den Grund sehen, daß Morrissey so einen ungewöhnlichen Supportband-Geschmack hat).

Die Musik der Niederländer ist ruhig, mehrstimmig gesungen und hat einen melancholischen Grundton. Auch wenn das auf viele der Folkpop-Bands der letzten Jahre zutreffen mag, hat The Black Atlantic eine deutliche eigene Note. Als Referenz zur Beschreibung der Musik der Gruppe werden (offenbar von Leuten, die sich mit der Beschreibung ebenso schwer tun wie ich) gerne die Fleet Foxes genannt, die ich bei The Black Atlantic überhaupt nicht heraushöre. Naja, fast nicht. Eines der Lieder der vor zwei Wochen veröffentlichten EP (der Titeltrack Darkling, I listen) klingt schon deutlich nach den Amerikanern, aber auch wirklich nur das.

Die neue EP spielten The Black Atlantic wohl übrigens ganz, ich kannte sie bisher allerdings noch nicht. Auch das beste Stück der Niederländer stammte von ihr: An archer, a dancer.

Wir hatten uns hundertprozentig richtig entschieden, ins Subway zu gehen. Schwer vorstellbar, daß eines der anderen Konzerte besser gewesen wäre!

Setlist The Black Atlantic, Subway, Köln:

01: Old, dim light
02: The aftermath
03: Quiet, humble man
04: ?
05: The flooded road
06: Darkling, I listen
07: An archer, a dancer
08: Fragile meadow
09: Heirloom
10: Walked - on wood

11: ? (Z)
12: Reference for fallen trees (Z)



2 Kommentare :

E. hat gesagt…

erstaunlich finde ich, wie rue royale ihren weg machen. ständig liest man von ihnen, sie geben unendlich viele konzerte, die besucher- und fanschar wächst. sehr sympathisch, weil unaufgeregt. mit einer portion ehrgeiz und hartnäckigkeit suchen sie sich ihren platz.

gudrun.thaeter hat gesagt…

Lieber E., gut gesagt!

 

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