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Montag, 2. September 2013

Sound of Bronkow Festival - Tag 3, Dresden, 01.09.13

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Abschlußkonzert Sound of Bronkow Festival
  Kim Janssen (35 min) Garda (100 min)
Dreikönigskirche in Dresden
Zuschauer: etwa 350


Meine spontane Reaktion nach dem Konzert: Vielleicht mein bestes Konzert 2013? kann und werde ich hier sicherlich musikalisch gut begründen. Was wohl schwieriger wird, ist es nachvollziehbar zu machen, wieso mir der Ort der Dreikönigskirche so heimatlich und besonders ist. Im Bericht vom letzten Jahr finden sich dazu die Fakten. Aber das Gefühl in meinem Herzen ist sicher auch zum großen Teil subjektiv und nicht vollständig rational begründbar. Und es ist durch das schöne Konzert mit Nils Frevert, Tiny Ruins und Thos Henley Anfang September 2012 nur noch gewachsen. Ihre guten Geister stehen im Warten auf den Anfang des Konzertes 2013 sozusagen noch im Raum für mich.


Die besondere Stimmung des Raumes passt sehr gut zur Musik der beiden Bands, die für diesen Abschiedsabend geplant sind. Zwischen den Zeilen ist es eine feine Balance, dass Kim Janssen sich gerade entschieden hat, die Arbeit mit The Black Atlantik zugunsten seines eigenen Projektes zu beenden und Garda hier vor eine langen Konzertpause ein letztes Mal aufspielt - ein feierlicher Beginn und ein feierlicher Abschluss jeweils eines Lebensabschnittes finden hier also einen mehr als würdigen Rahmen. Man muss das aber nicht wissen, um zu spüren, dass dies ein besonderes Konzert werden wird. 


Das Set von Kim Janssen ist zu großen Teilen solistisch mit Gitarre. Er wird aber dabei öfter am Piano und vom Bass unterstützt und in einigen Songs tritt auch ein Schlagzeug dazu. Mir erscheint es jeweils sehr gut ausgewogen und passend, wie sich Band und Person im musikalischen Anliegen ergänzen. Ein Rockkonzert wird es auch in voller Besetzung nicht, eher drängender und emphatischer in der Aussage der Songs. Der Schwerpunkt liegt in den nachdenklichen Liedern, aber z.B. Tors (was eigentlich auch noch Bläser und Streicher hat, die heut nicht dabei sind) ist ein unglaublich optimistisch nach vorn drängendes Stück, das aber nicht als Schluss stehen bleiben darf. Statt dessen setzt sich Kim für das letzte Stück Drift ans Piano  und setzt einen ganz besonders innigen und ruhigen Punkt hinter sein Set in der Dreikönigskirche. So ist der Rahmen: Beginn Solo mit Gitarre und Ende sehr nachdenklich und ruhig am Piano sicher typisch und passend für die Gesamtfärbung dieses ersten Teils das Abendprogramms. Die Zwischenansagen geben den Songs jeweils noch eine Bedeutungsdimension, die das Hören allein nicht liefern könnte und sind willkommen und sympathisch.


Setlist Kim Janssen:
1) Commons
2) Casket
3) Tokyo
4) Lonely Mountains
5) Sommer Colony
6) Holes
7) Stiles
8) Wage
9) City of the Dead
10) Tors
11) Drift


Für das Set von Garda wird anschließend sehr viel auf die Bühne gebracht. Am Ende werden dort 8 Musiker in Reih und Glied sitzen, am rechten Rand durch Vibraphon und Schlagzeug aberundet, die die Reihe nicht einhalten können und müssen. Davor steht Kai Lehmann mit seiner Gitarre. Es hat fast etwas von einem griechischen Drama, wo der Chor die Aussage des Sängers vorn aufnimmt, wertet und sowohl wider- als auch wiederklingen läßt. Es ist eindeutig ein Gemeinschaftswerk und ein Gesamtkunstwerk, aber das Herz schlägt lebhaft vorn.


Besonders in Line-up ist, dass die ganze Band an diesem Abend dabei ist und zusätzlich noch durch zwei Geigen und ein Cello abgerundet wird. Es wird also ein besonderer Abend auch durch die besonderen Arrangements. Und dies zeigt sich gleich zu Beginn, als die Streichergruppe die ersten Takte ganz für sich bekommt und den Ton für den Abend setzen darf.


Gallows beginnt nach den Streichern wie hingetupft mit Schlagwerk und Klavier, steigert sich dann und endet mit einem Knall - was für ein Start!
Anschließend muss noch schnell ein übersehenes Mikro (Ronny am Schlagzeug fordert es sich mit seinem unnachahmlichen Charme ein)  mit Strom versorgt werden, damit Upper lower water schön groovy rüberkommen kann. Die Streicher zupfen.  Dieser Ton wird auch in Mistakes & Failures weitergeführt, wobei hier zwei Gitarren, Trommel und Gesang den Anfang machen, bevor Klarinette und Vibraphon noch eigene Akzente setzen.



Guilty wird dann vom Besen am Schlagzeug wie ein Wiegenlied im Dreiertakt eingestrichen und behält diesen Charakter bis zum Schluß.



Oh, Euphoria ist immer für mich ein besonderes Stück bei Garda. Auch an diesem Abend gibt es eine volle Ladung Gefühle: Es wird von rechts laut eingetrommelt und von links außen mit Mantra-artigen Gitarrenklängen begleitet bevor erst die Streicher und dann alle anderen Instrumente dieses spröde Gerüst füllen und miteinander verhandeln bis endlich die Sonne durchbrechen darf zu dem gesungenen Ergebnis, dass es nur eines Versprechens bedarf. Schließlich darf das besiegelt werden durch einen Herzschlag-artigen Schlußpunkt von rechts außen. Hier gibt es einen aus tiefsten Herzen kommenden euphorischen Applaus.



Es geht für mich sehr emotional weiter mit 00:00, das stets mit so Ursuppengeräuschen beginnt - etwas ungeformt und offen. Schließlich darf die Stimme von Kai einsetzen und gibt der offenen Stimmung etwas tröstliches, sozusagen ein Versprechen, dass er für eine gute Ordnung hier sorgen wird. Das wird vom Klaviereinsatz aufgenommen und das Stück nimmt anschließend eine rasante Fahrt auf, die das Versprechen zum Teil erfüllt, aber nichts perfektes zurücklässt.



Dagegen ist A heart of a pro im Anschluß sehr ruhig und zurückgenommen. Zu diesem Zeitpunkt auch ganz angenehm. Bevor in Ghosts ein flirrender Klangteppich wieder eine Entwicklung verspricht, die durch rhythmisch jagende Teile aufgelöst wird. Richtig atemlos wird es schließlich in Vessels wo die Steelguitar den Tonfall setzt und anschließend das Stück den Sänger hetzt. Als Mitmusiker und Zuhörer fallen wir schließlich früher oder später innerlich alle in den Trab ein und versuchen ihm als Weggenossen aufmunternd zuzulächeln, aber hinterher sind wir alle zwar irgendwie glücklich, aber erschöpft.  


Black ist der Abschluss des eigentlichen Sets. Eine positive Morgenstimmung als Ausgangspunkt, die schließlich durch eine sehr intensive Antwort am Piano zu einem expressiven Ausbruch an allen Instrumenten geführt wird. Was für ein Schlusspunkt!



Natürlich rufen wir die Künstler zurück und erhalten noch drei Zugaben. Erst eher Kammermusikalisch, dann mit Band etwas melancholisch und schließlich noch einmal mit den Streichern alle Register ziehend irgendwie nachdenklich, aber doch mit Trost in den Abend geschickt. In meinem Herzen habe ich zu diesem Zeitpunkt nur ein tiefes Glücksgefühl und die Dankbarkeit darüber, hier dabeigewesen zu sein. Allen Gardaleuten nur das Beste für den Weg, der vor ihnen liegt verbunden mit dem Wunsch, irgendwann auch wieder hineinlunsen zu dürfen in die Ergebnisse!

Setlist Garda:
1) Gallows
2) Upper lower water
3) Mistakes & Failures
4) Guilty
5) Oh, Euphoria
6) 00:00
7) A Heart of Pro
8) Repeat & Control
9) Ghosts
10) Vessels
11) Black

12) Amidon Cover (Z)
13) My heart is empty (Z)
14) Chest (Z) 

Mehr Bilder:



Aus unserem Archiv:
Sound of Bronkow 2013 Tag 2
Sound of Bronkow 2013 Tag 1 
Sound of Bronkow 2012 Tag 3
Sound of Bronkow 2012 Tag 2
Sound of Bronkow 2012 Tag 1
Kim Janssen, Karlsruhe, 28.01.12 
Garda, Mannheim, 31.05.13
Garda, Lörrach, 02.03.13
Garda, Karlsruhe, 20.04.12
Garda, Paris, 15.10.08


Montag, 30. Januar 2012

The Black Atlantic & Rue Royale, Köln, 28.01.12

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Konzert: The Black Atlantic & Rue Royale
Ort: Subway, Köln
Datum: 28.01.2012
Zuschauer: wohl ausverkauft (aber angenehm voll)
Dauer: The Black Atlantic 65 min, Rue Royale knapp 60 min, Kim Janssen 15 min


Die Probleme eines Konzertnerds kennt der Radiohörer nicht, er könnte sie wohl auch nicht nachvollziehen. Samstag mußte ich mich zwischen vier Konzerten entscheiden, die ich mir alle gerne angesehen hätte - in Köln wohlgemerkt. Maria Taylor und Unbunny spielten im wundervollen Motoki, Damien Jurado im King Georg, Sir Simon und Björn Kleinhenz im Stereo Wonderland und The Black Atlantic und Rue Royale im Subway. Solche Probleme stellen sich Fans von Hits der 80er, 90er und von jetzt nicht, weil Grönemeyer, Take That, die Scorpions und Lady Gaga allein deshalb schon nicht parallel spielen werden, da dafür nicht genug große Hallen und Stadien vorhanden sind.

Da wir damit gerechnet haben, daß alle vier Konzerte voll werden würden, entschied letztdendlich auch, welcher Club voll am angenehmsten ist, daran kranken nämlich fast alle kleinen Kölner Läden. Das beste Band/Wohlfühl-Verhältnis bot zweifelsfrei die Kombination The Black Atlantic und Rue Royale im Subway, also kauften wir dafür Karten.

Samstagabende beginnen in Köln früh, weil hinterher noch Party ist. Es sollte also um acht losgehen, und pünktlich standen auch Rue Royale auf der Bühne. Zumindest dachte ich das. Der traurige, mit dem typischen amerikanischen Englisch eines nicht-Amerikaners singende Mann stellte sich als Kim Janssen heraus, Bandmitglied der niederländischen Hauptgruppe. Kim spielte vier Lieder, teilweise von Rue Royale begleitet, die nett waren, mich aber enttäuscht hätten (die Lieder), wenn sie das einzige Vorprogramm gewesen wären.

Kim setzte sich dann von der Mitte nach rechts und begleitete das amerikanisch-englische Duo Rue Royale. Die Band ist mir aus mehreren Gründen extrem sympathisch. 1) Ich mag schon immer Jungs-Mädels-Duette; das mag zwar musikalisch besonders einfach gestrickt zu sein, wenn es allerdings so herrlich klingt, ist mir meine Einfältigkeit vollkommen egal. 2) In einer Rue Royale (in Brüssel) liegt einer meiner liebsten Clubs, das wunderbare Botanique. 3) Duette von Jungs mit US-Englisch und Mädels verhalten sich zu gleichakzentrischen wie Spargel zu Schwarzwurzeln. Warum ist da niemand vorher drauf gekommen? Das ist unfassbar grandios!

Gottseidank spielten Rue Royale ein ausgewachsenes Konzert, nicht bloß eine abgespeckte Supportshow. Ich wollte keine Minute ihres Auftritts missen, weil jedes Stück wundervoll war!

Die meisten Lieder stammten vom Debütalbum Rue Royale von 2008 oder von EPs, mit Changed my grip wurde aber auch ein neues Stück gespielt.

Begleitet wurden Ruth und Brookln Dekker von Kim Janssen. Ab dem achten Stück Walls kam je ein neues Black Atlantic Mitglied dazu, bis beim Abschlußsong UFO die ganze Hautgruppe mit auf der Bühne stand. Mir ist schmissiger Folk am liebsten, daher mochte ich das laute Parachutes and life ganz besonders! Ach, Rue Royale waren wirklich ganz hervorragend und werden mich sicher nicht zum letzten Mal erfreut haben!

Setlist Rue Royale, Subway, Köln:

01: Guide to an escape
02: These long roads
03: Halfway blind
04: We'll go on allright
05: Blame
06: Changed my grip (neu)
07: Lunacy
08: Walls
09: Get me standing
10: Parachutes and lifeboats
11: UFO

Die Bandmitglieder der niederländischen Hauptgruppe kannten wir jetzt ja schon, da bot der Auftritt wenig Überraschendes. Ich kannte sie aber auch von einem Konzert im King Georg vor einem Jahr, wobei das nicht ganz richtig ist, ich erinnere mich an diesen Auftritt nämlich so gut wie nicht mehr. Ich weiß wohl noch, daß mir die Musik ausgezeichnet gefallen hatte, mehr ist allerdings nicht haften geblieben.

Auch heute hatten es The Black Atlantic ehrlich gesagt ein wenig schwer. Natürlich war auch ihr Auftritt toll und hörenswert (viel gesehen haben wir nicht). Das eigene Konzert leidet aber immer darunter, wenn die Vorgruppe zu gut ist (worin viele den Grund sehen, daß Morrissey so einen ungewöhnlichen Supportband-Geschmack hat).

Die Musik der Niederländer ist ruhig, mehrstimmig gesungen und hat einen melancholischen Grundton. Auch wenn das auf viele der Folkpop-Bands der letzten Jahre zutreffen mag, hat The Black Atlantic eine deutliche eigene Note. Als Referenz zur Beschreibung der Musik der Gruppe werden (offenbar von Leuten, die sich mit der Beschreibung ebenso schwer tun wie ich) gerne die Fleet Foxes genannt, die ich bei The Black Atlantic überhaupt nicht heraushöre. Naja, fast nicht. Eines der Lieder der vor zwei Wochen veröffentlichten EP (der Titeltrack Darkling, I listen) klingt schon deutlich nach den Amerikanern, aber auch wirklich nur das.

Die neue EP spielten The Black Atlantic wohl übrigens ganz, ich kannte sie bisher allerdings noch nicht. Auch das beste Stück der Niederländer stammte von ihr: An archer, a dancer.

Wir hatten uns hundertprozentig richtig entschieden, ins Subway zu gehen. Schwer vorstellbar, daß eines der anderen Konzerte besser gewesen wäre!

Setlist The Black Atlantic, Subway, Köln:

01: Old, dim light
02: The aftermath
03: Quiet, humble man
04: ?
05: The flooded road
06: Darkling, I listen
07: An archer, a dancer
08: Fragile meadow
09: Heirloom
10: Walked - on wood

11: ? (Z)
12: Reference for fallen trees (Z)



 

Konzerttagebuch © 2010

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