Dienstag, 10. Januar 2012

My Year In Lists: die 15 besten Konzerte und ein paar Ärgernisse (Christina)


Ich beginne den diesjährigen Jahresrückblicken ausnahmsweise auch mal mit einigen Ärgernissen / Enttäuschungen…


…so wurde ich dieses Jahr von zwei ehemaligen Lieblingen hängen gelassen, I Like Trains (Gebäude 9 in Köln, 19.1.2011) waren dann doch nicht mehr diese ehemals so beeindruckende, eine unheimliche Atmosphäre erzeugende Band, sondern….halt ein paar Typen mit Gitarren…schon tausendmal gesehen….nichts besonderes mehr. Belle And Sebastian (E-Werk in Köln am 8.4.2011) tendierten mir irgendwie etwas zu sehr in Richtung Rumhampel-Entertainment, wobei mir die neue Platte auch einfach überhaupt nichts mehr gibt. Traurig, aber wahr. Natürlich hatten beide Bands am gleichen Ort einige Jahre zuvor ihr Überkonzert, an das eh nichts mehr rankommt, gespielt, ich bin also auch selbst schuld, dass ich versuchen wollte, das Ganze noch einmal zu erleben. Bands verändern sich, ich mich auch, guter Vorsatz für dieses Jahr: einfach mal wissen, wann Schluss ist.

Nicholas Krgovich (King Georg in Köln, 7.5.2011) ist als Musiker für einige meiner liebsten Platten aller Zeiten verantwortlich (u.a. mit GIGI und No Kids)…den Sinn dieses Soloauftritts habe ich allerdings nicht so ganz erkannt. Die Musik kam vom Band, Nick sang dazu seine Lieder ohne wirklich ein Instrument zu spielen, aber auch ohne die Bühnenpräsenz zu haben, um dem ganzen irgendwie einen interessanten Aspekt zu verleihen. Das einzige Sehenswerte an dem Abend blieben die im Hintergrund laufenden Episoden von Portlandia. Leider ohne Ton…

Das Due Nutti Soundsystem um Unsympath Jaques Palminger war der einzige Ausfall am ansonsten so überragenden Freitag des Week-End Fests in Köln (2.12.2011). Das wäre auch ohne weiteres zu verkraften gewesen, wenn es nicht halb zwei Nachts gewesen wäre, die Bässe mir nicht körperliche Schmerzen verursacht hätten (jahaaa, ich weiß, wenn man schwanger ist sollte man lieber daheim bleiben und Yoga machen, und sich nichts nachts auf irgendwelchen Festivals rumtreiben), ich aber auf keinen Fall gehen konnte, weil mein persönlicher Hauptact noch spielen sollte, auf Grund von irgendwelchen Verzögerungen sich nicht alles eine dreiviertel Stunde nach hinten verschoben hätte, ich nicht die halbe Zeit vor lauter Übelkeit auf der Toilette verbracht hätte usw. Grrrrrrrrrrrrrrr.

Größtes Vorgruppenärgernis: Menschen mit Laptops, diverse Gelegenheiten

Liebe Laptop-Musiker, die ihr scheinbar immer häufiger das Vorprogramm bei von mir besuchten Veranstaltungen bestreitet,

bestimmt seid ihr alle sehr kreative Köpfe und macht super Musik. Vielleicht sollte ich mir irgendwann einmal euer Album anhören, wenn ich abends in Ruhe auf dem Sofa sitze und meine eMails checke. Bestimmt ist es gar nicht so verkehrt. Warum ihr allerdings gerade vor mir auf der Bühne steht, verstehe ich nicht so ganz. Schließlich sehe ich nur einen Menschen, der regungslos auf sein Laptop - entschuldigung, MacBook meine ich natürlich - starrt und ab und zu mit der Maus klickt. Ruft ihr gerade eure eMails ab, guckt ihr euch Videos von über-niedlichen Katzen auf youTube an (jahaaa, ich schwöre, bei einem von euch habe ich es mal leise miauen gehört!!), startet ihr das nächste Lied in eurer iTunes Playlist oder habt ihr tatsächlich ein Musikprogramm offen, mit dem ihr vor meiner Nase gerade harte Arbeit leistet? Ich kann es nicht beurteilen, schließlich lasst ihr mich ja nicht zugucken. Wie wäre es, wenn ihr wenigstens demnächst einen Beamer an euer MacBook anschließt, damit ich sehen kann, was gerade passiert? Dann wäre mir vielleicht nicht ganz so langweilig.

Ich bedanke mich im Voraus.

Eure
Christina


So, genug geärgert, zum Glück waren die meisten Konzertabende 2011 ja doch gelungen!

15
Handsome Furs (Blue Shell in Köln, 21.9.2011)


Diese Band hat es vor zwei Jahren ja überraschend auf die vorderen Plätze meiner Jahrescharts geschafft, deswegen war ich an diesem Abend wieder gerne dabei. Leider erinnere ich mich an gar keine Details des vermutlich trotzdem sehr kurzweiligen Konzerts mehr, deswegen reicht es in diesem Jahr nur für Platz 15.

14
The Pains Of Being Pure At Heart (Luxor in Köln, 9.7.2011)

Hier fürchtete ich wieder einen typischen Fall von "früher war alles besser" (besonders weil selbst Christoph, der ja immer für alles und jeden nette Worte findet, zwischendurch sehr kritisch über die Livequalitäten der Pains berichtete) und wollte gar nicht erst hingehen, weil an dieses eine Konzerte im Luxor, wo ich war, dann doch nichts rankommt. Aber irgendwie war da doch eine übriggebliebene Karte die sonst verfallen wäre, plötzliche Konzertlust an dem Abend, die Erkenntnis, dass ich ja auch das zweite Album gut finde. Und so habe ich es nicht bereut, mir die Pains noch einmal angesehen zu haben…


13
Hans-Joachim Roedelius (Week-End Fest in Köln, 2.12.2011)

Mein persönlicher Zeitplan sah eigentlich vor, mir während dieses Auftritts irgendwo auf den Ringen etwas zu essen zu besorgen, allerdings war ich plötzlich so gar nicht mehr hungrig, und so blieb ich in den gemütlichen Sesseln des ehemaligen UFA-Palasts sitzen und kam in den Genuss von diesem irgendwie zutiefst bewegenden und mich sehr friedlich und gelassen stimmenden Elektro-Auftritt von Stefan Schneider (Kreidler, To Rococo Rot) und dem 77-jährigen Hans-Joachim Roedelius (Cluster, Harmonia), der gelassen auf die Bühne geschlendert kam, sein Publikum begrüßte, eine Stunde lang konzentriert frickelte, und dann mit einem fast schulterzuckendem "jetzt ist es vorbei" wieder von der Bühne ging.


11 & 12
Owen Pallett & Noord Nederlands Orkest (Catharinakerk in Eindhoven, 11.11.2011)
und
Paeanumnion von Mouse On Mars (Philharmonie in Köln, 10.9.2011)

Meine beiden Konzertabende mit Orchester, und obwohl sie in unterschiedlichen Ländern mit unterschiedlichen Musikern stattfanden, war der Dirigent derselbe (André de Ridder). Ich fühle mich verfolgt. Sowohl Owen Pallett, der sein Album "Heartland" von Anfang bis Ende durchspielte, als auch Mouse On Mars, die ihre am Computer entstandene Auftragskomposition "Paeanumnion" live mit Orchester umsetzten, lieferten musikalisch hervorragende Arbeit. Leider habe ich immer das Gefühl, dass alles eine ernste Angelegenheit ist, sobald ein ganzes Orchester involviert ist, und so fehlte mir an beiden Abenden manchmal die Spontanität eines Bandkonzerts mit weniger Musikern. Bemerkenswert außerdem: die Eintrittspreise an beiden Abenden, die lagen soweit ich mich erinnere bei unter/um die 15 Euro. Wahrscheinlich wird immer ordentlich subventioniert, sobald mal ein paar Geigen beteiligt sind…

10
The Thermals (Gebäude 9 in Köln, 3.4.2011)

Können die eigentlich irgendwas falsch machen? Auch hier wollte ich gar nicht hingehen, weil ich die Thermals schon gefühlte 1000 Mal im Gebäude 9 gesehen habe, aber huch, da war ich ja wieder in der zweiten Reihe vorne links und hatte Spaß!

9
Jochen Distelmeyer (Week-End Fest in Köln, 2.12.2011)

"Wohin mit dem Hass?" sang Jochen Distelmeyer, und ich fühlte mich gleich angesprochen, schließlich hatte ich mit Teilen des Hipster-Publikums beim Week-End Fest (das Ganze kann man sich vorstellen wie ein riesiges King Georg ohne Platzprobleme und Zigarettenqualm) so meine Probleme. Nach dem gut zweistündigen, souveränen Auftritt war aber klar, dass sich der Abend schon zu diesem Zeitpunkt voll und ganz gelohnt hat. Jochen hat es, alle anderen haben es nicht. Mehr muss ich dazu nicht sagen.

8
Zoey Van Goey (E-Werk in Köln, 8.4.2011)

Selten habe ich erlebt, dass eine Vorband den Hauptact (in diesem Fall die enttäuschenden Belle & Sebastian) so sehr an die Wand gespielt hat, mit so viel Charme, Spielfreude und ganz klar – guten Liedern. Hätte ich doch bloß einen guten Grund gehabt, danach einfach die Halle zu verlassen…

7
Bodi Bill (Gebäude 9 in Köln, 12.5.2011)

Das größte Ärgernis an diesem Abend waren die Raucher, von denen standen nämlich gleich vier direkt um mich herum. Gab es nicht mal ein Rauchverbot, oder habe ich war verpasst? Durch den ganzen Qualm habe ich aber doch noch mitbekommen, dass Bodi Bill nach wie vor die beste Liveband sind, die Deutschland zu bieten hat. Behaupte ich jetzt einfach mal. Kann man nicht viel zu schreiben, muss man erlebt haben.

6
Eurovision Song Contest 2011 (Esprit Arena in Düsseldorf, 14.5.2011)

Gerade wenn man als alter Konzerthase denkt, man hätte schon alles gesehen und erlebt, kommt man ohne sich aktiv drum bemüht zu haben, plötzlich an eine Karte für den ESC. Wobei ich an dieser Stelle gestehen muss, dass ich mir den Grand Prix zumindest im Fernsehen seit meiner Kindheit nur selten entgehen lasse.
Und ja, es war beeindruckend für mich, live dabei gewesen zu sein. Wer hätte gedacht, dass es bei solchen Veranstaltungen statt nerviger Vorbands noch nervigere "Warm-Upper" gibt, was aber scheinbar bestens funktioniert? Dass es, selbst wenn man ganz hinten oben in einer Arena sitzt immer noch ziemlich heiß wird, wenn vorne auf der Bühne eine Flamme zur Dramatisierung des Refrains hochgeht? Dass statt der klaren Hallenpublikumsfavoriten Blue (England) und Jedward (Irland) plötzlich Ell & Nikki aus Aserbaidschan gewinnen, an deren Lied ich mich während der Abstimmung nicht mal erinnern konnte?

5
Godspeed You! Black Emperor (Cirque Royal in Brüssel, 15.1.2011)

Autsch, dieser Auftritt ging an körperliche Grenzen. Hauptsächlich wegen seiner Länge (fast 3 Stunden ohne Pause) und weil wir es versäumt hatten, einen bestuhlten Platz zu buchen. Noch Tage danach war ich so fertig, dass ich dachte, nie wieder auf ein Konzert gehen zu können. Beeindruckend und musikalisch überragend war der Auftritt der wiedervereinigten Kanadier natürlich trotzdem.

4
William Fitzsimmons (Konzerthaus in Dortmund, 17.6.2011)

Hier war ich eigentlich nur Begleitperson, und versprach mir persönlich höchstens einen netten Abend. Dass daraus ein Auftritt mit Top 5-Potential wurde, lag zum einen an der immer wieder überrangenden Akustik im Dortmunder Konzerthaus (wir sind extra nach Dortmund gefahren, obwohl William Fitzsimmons zwei Tage später auch in Köln gespielt hätte), zum anderen aber auch an dem für mich überraschenden, selbstironischen Humor des amerikanischen Singer-Songwriter (ja, ich muss gestehen, dass ich normalerweise für Männer mit akustischen Gitarren und traurigen Liedern nicht so viel übrig habe).

(bis hierher war die Reihenfolge etwas beliebig, jetzt bitte eine große Lücke denken, denn die nun folgenden drei Konzerte sind meine eindeutigen und mit großem Abstand Favoriten!)

3
Tu Fawning (Steinbruch in Duisburg, 8.3.2011)

Ins Café Steinbruch nach Duisburg wollte ich schon immer mal, und dieser Auftritt von Tu Fawning bot nun endlich die Gelegenheit. Joe Haege hatte ich ja schon bei Konzerten mit anderen Lieblingsbands (31knots, Menomena) kennen und z.T. auch fürchten gelernt. Bei Tu Fawning steht aber eher Hauptsängerin Corrina Repp im Mittelpunkt (selbst wenn sie dabei Schlagzeug spielt, ein beeindruckender Anblick!) Ich habe ja seit jeher ein große Schwäche für Bands, die eine Menge verschiedener Instrumente benutzen und diese auch wild hin und her tauschen, und in dieser Hinsicht bin ich hier voll auf meine Kosten gekommen. Der Auftritt einige Monate später im Blue Shell stand diesem übrigens in Nichts nach, nur ist es ja immer beeindruckender, wenn man eine Band zum ersten Mal live sieht, und noch nicht weiß, was auf einen zukommt.

2
John Maus (Week-End Fest in Köln, 2.12.2011)

Nach dem seltsamen Auftritt von Nicholas Krgovich einige Monate zuvor hatte ich endgültig beschlossen, dass Karaoke-"Konzerte" nichts für mich sind. Ich will Musiker auf der Bühne sehen, die ihre Instrumente benutzen. Fertig. Leider stammt mein Lieblingsalbum 2011 von John Maus, und nun sollte er in Köln spielen. Da konnte ich ja schlecht nicht hingehen, oder? Eine ausführliche Internetrecherche ergab allerdings, dass die Live-Auftritte von John Maus vermutlich so gar nicht mein Ding sein könnten. Mensch, der Musik inkl. Gesang vom Band abspielen lässt und sich dazu die Seele aus dem Leib brüllt? WTF? Die Kommentare gingen von "jetzt wo ich ihn live gesehen habe kann ich seine Platten nicht mehr genießen" bis hin zu "intensivster Liveauftritt meines Lebens". Ich kaufte mir eine Tageskarte für das Week-End Fest und hoffte sehr, diese Entscheidung nicht zu bereuen, zumal mir das Gesamtwerk mittlerweile viel zu wichtig war, als dass "Platten nicht mehr genießen können" eine in Frage kommende Option gewesen wäre.
Und wie war es nun? Zu einer Uhrzeit, wo ich normalerweise schon dreimal eingeschlafen bin (viertel nach zwei nachts) und nach einer ziemlich schrecklichen vorangegangenen Stunde (siehe oben bei den Ärgernissen) folgte nun vermutlich wirklich etwas, das einer der intensivsten Auftritte meines Lebens war. Wobei ich ja eigentlich schon die 5 Minuten vor dem Konzert sehr aufschlussreich fand, wo man John Maus neben der Bühne beobachten konnte, insgeheim hege ich eine große Bewunderung für Leute, die auf die Bühne gehen können und von Null auf Hundert so extrem extrovertiert sein können, was ich mir bei mir selbst unter Verwendung der richtigen Drogen niemals vorstellen könnte. Und dann ging es wirklich sehr schlagartig los, die Leute feierten, John brüllte, eine halbe Stunde lang, dann war alles wieder vorbei. Ich hätte wirklich vorher nie gedacht, dass es funktionieren würde, aber genau das tat es in diesem Moment für mich tatsächlich.


1
Owen Pallett (Philharmonie in Köln, 23.6.2011)

Meine persönliche Konzertographie ist eine lange Liste verpasster Gelegenheiten, Owen Pallett einmal live zu sehen. So war dieser Auftritt in der Philharmonie tatsächlich mein erster von ihm, was vermutlich dazu führte, dass er mich weit mehr beeindruckte als vielleicht jemanden, der ihn schon öfters mit unterschiedlichen Musikern oder alleine gesehen hat. Ich habe ja keine Vergleichsmöglichkeiten. Was ich allerdings weiß ist, dass ich noch nie so wenig in meinem Leben wollte, dass ein Konzert zu Ende geht, und dass ich mich noch nie so sehr über eine zweite, ungeplante Zugabe gefreut habe. Dass es dank mehreren Witzen über das 30 werden gar nicht so schlimm war, am nächsten Tag tatsächlich 30 zu werden (kann das ein Zufall sein?). Dass ich bis dahin dachte, die ganzen Bemerkungen in der Serie "How I Met Your Mother" über das kanadisch "ou" wären übertrieben, bis Owen sagte "Do you understand what I'm talking abOUt?" (hach!). Dass ich seit Jahren schon keinen Musiker, der vor mir auf der Bühne gestanden hat, so bewundernswert gefunden habe und nach dem Konzert das Bedürfnis hatte, einfach nur laut loszuschreien. . Dass ich seit sehr langer Zeit nicht mehr so beeindruckt von einem Live-Lied war, wie von "Scandal at the parkade" an diesem Abend. All das und noch viele Details mehr, die mir gerade entgangen sind, reichen auf jeden Fall für einen Platz 1 meiner Konzertjahrescharts 2011.



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