Dienstag, 17. Januar 2012

We Were Promised Jetpacks, Paris, 16.01.12


Konzert: We Were Promised Jetpacks

Ort: Le Point Ephémère, Paris
Datum: 16.01.12
Zuschauer: etwa 250
Konzertdauer: 75-80 Minuten


Aus Schottland kommen glänzende Musiker. Arab Strap, Mogwai und die Delgados seien hier nur beispielshaft erwähnt. Seit zwei bis drei Jahren macht nun ein Trio junger Bands von sich reden. The Twilight Sad, Frightened Rabbit und We Were Promised Jetpacks. Formierungen, die musikalisch so einiges gemeinsam haben*, aber dennoch gewisse Unterscheide aufweisen. Gemeinsam ist ihnen vor allem das Hymnische, das immer mal wieder den Bombast streift, aber glücklicherweise selten diese Grenze überschreitet. Und alle setzen auf die Macht elektrischer Gitarren. The Twilight Sad setzen diese eher postrockig, Frightend Rabbit eher folkrockig und We Were Promised Jetpacks eher indierockig ein. Letzgennannte sind sicherlich die zackigste, hyperaktivste und hibbeligste Band der jungen schottischen Garde. Bei ihnen klingt die Elektrische oft mal kurz angerissen wie bei den Maccabees, den Good Shoes oder den Futureheads, der Bass poltert wieselflink durch die Stücke und auch das Schlagzeug wirbelt in diesem stakkatischen Rhytmus, den wir hier so lieben.



Und ob dieser euphorisierenden Ingredienzen kam es in Paris dann auch zu dem erwartet berauschenden Konzert der schottischen Bauernlümmel von We Were Promised Jetpacks. Nach einem intro und einer langen Instrumentalpassage, erklang nach etwa fünf Minuten zum ersten mal die herrlich brüchige, aber gleichzeitig auch urwüchsig feste und durch Mark und Bein gehende Stimme von Adam Thompson. Der gut im Futter stehende Bursche (ich fette Sau muss grad' reden!) schrie sich die Seele aus dem Leib, intonierte in schottischem Akzent und unterstrich, daß er sowohl Raubein als auch Heulseuse sein kann. Die Mischung aus Melancholie und heroischer, ungestümer Angriffslust war es, die das Konzert zu etwas Besonderem machte. Man wurde zwar permanent von lauten und melodischen Gitarren beschossen (ein Hauch Biffy Clyro?), bekam aber auch tröstende Seelenmassagen verabreicht und wusste am Ende gar nicht so recht, ob man jubeln oder weinen sollte. Die Schotten gaben es den Leuten süß-sauer. Alle kamen sie im Publikum auf ihre Kosten. Die Mitgröhler, die man bei Konzerten britischer Bands immer antrifft. Die Tänzer, die zu jedem zackigen Beat wild mitzappelten. Und die Melancholiker, die sentimental auf die Bühne glotzten und sich insbesondere an der viel Wehmut ausdrückenden Stimme von Adam das Herzelein erwärmten.



Schließlich kamen auch diejenigen nicht zu kurz, die auf eingängige Hits stehen. Roll Up Your Sleeves "(stay calm, stay calm", herrlich!), Medicine und natürlich der Knaller Quiet Little Voices (Adam: "that's the song you all came for, right?"), es mangelte nicht an Songmaterial mit hoher Catchyness und Ohrwurmigkeit. Und Männer, die sich darüber beklagten, daß das Verhältnis Männlein zu Weiblein bei etwa 70 : 30 lag, konnten sich damit trösten, daß die Mädchen, die da waren, ziemlich reizend, ja oft geradezu sahneschnittig aussahen. Warum allerdings nicht mehr junge Damen den Weg ins Point Ephémère gefunden haben, hatte vermutlich mit dem fehlenden Poster Boy Image der Band auf der Bühne zu tun. Stylish und lässig gekleidet wie damals die Libertines (bei den es immer vor trendigen Mädels wimmelte) waren sie nicht gerade und auf die Titelseite des NME werden sie es mit ihrer erdigen Erscheinung sicherlich auch nicht bringen. Aber das scheint eine schottische Tradition zu sein, denn Mogwai oder Arab Strap wirkten ähnlich bodenständig und modetechnisch schwer zu vermarkten. Glänzend war ihre Musik dennoch (oder vielmehr gerade deshalb). Wer weniger Zeit damit verliert, über die perfekte Skinny Jeans und das lässigste Hütchen nachzudenken, hat eben mehr vom Tag und kann sich mit dem Songwriting und dem Musizieren beschäftigen. Diesbezüglich sehe ich keine Gefahr bei We Were Promised Jetpacks, die werden sicherlich nicht so durchgestylt werden wie die Roboter von Franz Ferdinand.

Eine Sorge habe ich für die Zukunft dennoch. Sie müssen aufpassen, daß die Bombastkeule nicht zu heftig geschwungen wird, daß die ohohoh-Gesänge nicht überhand nehmen und das man nicht auf die Idee kommt, Bono zu kopieren. Denn seien wir mal ehrlich: We Were Promised Jetpacks und auch Frightened Rabbit klingen jetzt schon ziemlich stark nach den verfluchten U2.

Aber lassen wir am besten diese unheilvollen Assoziationen und konstatieren: das Konzert war toll, die Stimmung prima und die Band sympatisch!

Setlist We Were Promised Jetpacks, Le Point Ephémère, Paris

01: Keeping Warm
02: Medicine
03: Ships With Holes Will Sink
04: Through The Dirt And The Gravel
05: Pear Tree
06: Picture of Health
07: Roll Up Your Sleeves
08: Sore Thumb
09: Boy In The Backseat
10: Quit Little Voices
11: Circles And Squares

* z. B. das Label FatCat Records im Falle von The Twillight Sad und We Were Promised Jetpacks



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