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Dienstag, 6. September 2016

Sound of Bronkow Tag 2, Dresden, 03.09.16

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Sound of Bronkow Musik Festival  Tag 2
für mich mit Konzerten von
  St. Paul's within the Walls (35 min)
  Bergen (50 min)
  Gemma Ray (50 min)
  Rue Royale (60 min)
 Ort: Societaetstheater in Dresden
Datum: 3. September 2016
Zuschauer: zwischen 100 und 200


Am zweiten und dritten Tag des Sound of Bronkows finden ja traditionell die für alle offenen Konzerte im Garten des Societaetstheaters statt. Am Samstag war auch für bestes Wetter gesorgt. Es schien die Sonne als Colin Murphy und Sabine Zeissig (ehemals Vermont) mit dem neuen Projekt St Paul's within the Walls die Bühne einnahmen und bis zum letzten Akkord im Garten am Samstag Abend blieb es warm genug und wohlig. Alles passte also bestens.


Die Leute von den Kumpels & Friends hatten mich sehr neugierig gemacht auf ihren Opener am Samstag und es zeigte sich, dass der Verweis auf Belle and Sebastian berechtigt war, wenngleich nicht so viele Leute auf der Bühne versammelt waren ... Leider war es aber für mich nicht die reine Freude, denn die beiden Musiker wirkten doch sehr nervös und standen sich mitunter mit der zu lauten E-Gitarre selbst im Weg. Das wirkte alles in allem weder rund noch fertig genug um mein Herz zu erfreuen. Aber wahrscheinlich haben Christoph die Ohren geklingelt, als wir darüber geredet haben, dass das was für ihn gewesen wäre...


Setlist:
01: Click Click
02: Another Story
03: Fallout shelter
04: A gentle urge
05: Monkey
06: The man
07: The end of the affair
08: Mr. Alien green
09: The doubters


Weiter ging es mit Bergen und da war die Bühne voll. Ich habe es aufgegeben, die Namen alle zusammen zu suchen. Aber Mario Cetti mit einer akustischen Gitarre, Axel Spickenheuer am Bass, Stefan Reinert hinter den Drums noch ein weiterer Herr an der E-Gitarre, Diana Weilandt am Keyboard und ein Herr an einem unfotographierbar weiß gleißenden Piano brachten es in Summe auf sechs Leute. Das war ganz großes Kino wenngleich ohne Bläser und ohne Chor...
 


Geboten wurden vor allem die Song der aktuellen etwas kurzen Scheibe Zeiten für Kerle, als da wären Klötze, Zeiten für Kerle, Die laufenden Toten, Frau vom Fischer und Rennen. Leider habe ich nicht ordentlich genug mitgeschrieben, um die genaue Reihenfolge zu rekapitulieren. Die besondere Note des Konzertes waren jedoch die Geschichten und Geschichtchen rings um die Lieder, die mir ja inzwischen eigentlich vertraut sind, die aber so noch einmal in ein anderes Licht rückten. Ich weiß auch nicht, wie sie das machen, dass Alltag und Enttäuschungen, die ja nun mal nix glamouröses an sich haben, zu so etwas schönem und poetischen verdichtet werden ohne offensichtliche Kunstgriffe. Und - nun gut - dann mag ich eben deutschen Schlager (aber fast nur in der Ausprägung á la Bergen).

  

Im Saal ging es schließlich für mich weiter mit Gemma Ray, die ihren Schlagzeuger Andy Zammit  und Fredrik Kinbom am Bass (und Lap Guitar) mitgebracht hatte. Nach dem Konzert habe ich mir Christophs Bericht vom Bonner Konzert 2015 noch einmal angesehen und muss ihm in mehreren Aspekten rückhaltlos zustimmen: Frau Rays Live-Präsenz ist grandios und in ihrer selbstbewussten Ausstrahlung durchaus mit Anna Calvi vergleichbar. Ihr Mann für die Beats ist hervorragend und stiehlt ihr manchmal fast die Show (ganz aus Versehen, denn rein äußerlich oder in seiner Präsenz ist nichts was nach vorne drängt) und ich habe auch gestaunt, wie selbstverständlich er mit einer Hand das Piano spielt und mit der anderen die Drums wenn nötig.



In der knappen Stunde im Saal bot Gemma Ray vor allem Titel des aktuellen Albums The exodus suite. Gemma und ihre Gitarre waren absolute Hingucker und strahlten jeden Moment Intensität aus. In der E-Gitarre steckte ein Messer - ein ziemlicher Dolch. Wir hatten uns von hinten schon gefragt, ob wir unseren Augen trauen könnten, aber tatsächlich lag nach dem Konzert die Gitarre mit dem Messer auf der Bühne und daneben noch ein weiteres Messer mit dem sie in einem Stück die Saiten zum klingen gebracht hatte.
 


Mit dem ersten Stück We do war ging sofort ein wohliger Grusel-Impuls durch mein Herz. Vor meinem inneren Auge entfaltetet sich eine Tarantino - mäßig überzeichnete Wüste voller Weite und Verzweiflung. Wie eine unsere Sinne umgarnende Sirene streckte die warme und doch sehr intensive Stimme eine Hand nach meinem Herzen aus.  Das war der Intensität einer PJ Harvey verwandt, wenn auch eine Spur expressiver - vor allem in der Art, wie sie die E-Gitarre spielte. Es gab auch Drums-getriebenen und fast rockige Stücke - wie z.B. Motorbike oder Titel wie There must be more than this  wo auch die Besen auf den Drums die Dynamik übernahmen, während die Gitarre fast langweilig  gleiche Akkorde zu spielen hatte. Der dritte Mann gab häufig noch eine sehr eigene Farbe in die Mischung durch eigentümlich verzerrte Klänge die ich nicht immer gleich zuordnen konnte. Alles in allem also ein eindrückliches und wunderbares Konzert.


Setlist:
01: We do war
02: There must be more than this
03: The machine
04: Motorbike
05: If you want
06: Swamp Snake
07: Ifs & Buts
08: The original one
09: We are all wandering
10: Caldera, Caldera


Nachdem ich die Band in der Kleinen Bühne übergangen hatte, stand mein erhofftes Highlight des Samstags auf dem Programm: Der Auftritt von Rue Royale im Saal. Die beiden und ihre Musik sind mir über die Jahre doch sehr ans Herz gewachsen (über sie schrieb ich einst meinen ersten Bericht für das Konzerttagebuch). Und so sehr ihnen eine Zeit für Familie und Kind von Herzen gegönnt war, so sehr fieberte ich doch dem Moment entgegen, sie wieder live auf der Bühne zu sehen und etwas neues Material zu hören.


Sie selbst verwiesen im Laufe des Konzerts auf die Pause mit großen Anführungszeichen und drückten damit fast ohne Worte aus, dass auch für sie die nun ersten Schritte zurück auf die Bühne besonders bedeutungsvoll sind. Für ein sehr herbeigewünschtes Konzert besteht ja doch immer die Gefahr, dass auch schon ein gutes Niveau eher enttäuschend ist, weil man so große Erwartungen hat. Aber an diesem Abend hatte ich das Gefühl, eine ganz besondere Stunde mit allem im Saal zu teilen. Seien es welche die Rue Royale zum ersten Mal erlebten oder solche die wie ich mit großen Erwartungen gekommen waren.



Längere Zet gab es keine Ansagen, aber die vertrauten Zutaten der beiden so inniglich verschränkten Stimmen mit Gitarre und sehr pointitiert eingesetzten Drums und diesmal eher wenige Piano. Neu waren einige eingesetzte Soundschnipsel und auch die eigentlich altvertrauten Lieder hatten damit eine neue und eigene Dynamik und waren wie ganz neu zusammengesetzt. Ich hatte das Gefühl, die beiden wollten die knapp bemessene Zeit im Festivalprogramm nicht mit reden vertun. Aber nach einigen Stücken brach der der Bann und das Gefrotzel war wie eh und je das Salz in der Suppe der Konzerte. Mehr als einmal hatte ich Gänsehaut wegen vertrauter Lieder oder neuer Wendungen und Verkleidungen. Schließlich war das letzte Stück U.F.O. mein große Finale der Gefühle. Sie sind wieder da und so gut wie nie zuvor! Ich freue mich schon so auf ihre neue Platte!

Setlist:
01: Dark Cloud Canopies
02: Crater
03: Set out to discover
04: Tiny Parcels
05: Adhesive ? (neu)
06: Get me standing
07: Parachutes and Lifeboats
08: Guide to an escape
09: Shouldn't have closed my eyes
10: Every lot ? (neu)
11: U.F.O.

Alle Fotos


Tourdaten Gemma Ray
17.09.  Wredenhagen Scheune
18.09.  Hamburg Hafenklang
19.09.  Bremen Club Moments Radio Bremen Live
20.09.  Halle     Objekt 5
21.09.  Erfurt Museumskeller
22.09.  Schorndorf Manufaktur
23.09.  München Milla
24.09.  Rosenheim Asta
25.09.  Baden Royal
26.09.  Freiburg Jazzhaus
27.09.  Wetzlar Franzis
28.09.  Oberhausen Druckluft
30.09.  Luxemburg     Gudde Welen
01.10.  Köln King Georg
02.10. Haldern Haldern Pop Bar  

 

Tourdaten Rue Royale
06.11. Privatclub – Berlin
07.11. Musa – Göttingen
08.11. Feinkostlampe – Hannover
09.11. Kassette – Düsseldorf
10.11. Wohngemeinschaft – Cologne
11.11. Lindenberg Hotel – Frankfurt
13.11. Cafe Galao – Stuttgart
14.11. Pension Schmidt – Münster

 

Aus unserem Archiv:   
Sound of Bronkow 2016 Tag 1 3
Sound of Bronkow Berichte 2012-2015
Gemma Ray, Bonn, 05.03.15
Gemma Ray, Berlin, 01.01.13
Gemma Ray, Paris, 23.02.09

Rue Royale, Karlsruhe, 18.01.14
Rue Royale, Paris, 26.09.13
Rue Royale, Frankfurt, 17.09.13
Rue Royale, Berlin, 07.04.13
Rue Royale, Frankfurt, 06.04.13
Rue Royale, Rüsselsheim, 21.07.12
Rue Royale, Göttingen, 28.05.12
Rue Royale, Köln, 28.01.12
Rue Royale, Karlsruhe, 24.01.12
Rue Royale, Karlsruhe, 16.03.11
Rue Royale, Paris, 27.01.10




Samstag, 25. Januar 2014

Rue Royale, Karlsruhe, 18.01.14

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Konzert: Rue Royale
Ort: Cafe Nun in Karlsruhe
Datum: 18. Januar 2014
Dauer: 95 min
Zuschauer: knapp 100 (rappelvoll)


Jetzt  bin ich schon zum dritten Mal Augenzeugin geworden, wie Rue Royale erst das nuncafe fast zum bersten bringen, um dann die Massen mucksmäuschenstill und andächtig werden zu lassen. Die nuncafe-typische Umarmung der Bühne von allen Seiten durch das Publikum kennt die Band ja inzwischen schon, aber diesmal saßen Besucher sogar mit auf der Bühne. 



Das Phänomen lässt sich sicher mit gewissen Argumenten erhellen und begründen, aber es bleibt doch bezaubernd und magisch, wenn man es miterlebt. Und ich bin mir ziemlich sicher, dass es sowohl am nuncafe als auch an Ruth und Brookln liegt, die, wenn sie zueinander finden, allen anwesenden einen besonderen Abend schenken können und wollen.



Ich war diesmal für meine Verhältnisse erst kurz vor knapp da und im Ankommen noch etwas zerrissen. Wir hatten für den Abend schon im Frühherbst Karten für Ballett im Staatstheater besorgt. Als Familie hatten wir uns den ersten Teil angesehen und für gut gemacht befunden. In der Pause war ich ins nun gewechselt, weil ich auch das Konzert mit Rue Royale nicht verpassen wollte. Ein Kompromiss - würde er lohnen?

Ich landete gerade noch so drinnen. Es war schon ziemlich ausverkauft. Aber einen Fleck zum stehen hinter dem Keyboard fand ich noch. Was den netten Effekt hatte, dass ich nicht gar so arg eingeklemmt stand, die Show von ganz nah miterleben konnte und den Blick ins Gros des Publikums hatte.


Als uns Rue Royale mit Set out to discover auf ihre musikalische Entdeckungsreise einluden, war mancher mit dem Schwatzen noch nicht ganz fertig. Vorbildlich aufmerksam und ganz der Musik hingegeben saßen aber von Anfang an zwei Kinder in der ersten Reihe - meine Mutter hätte gesagt Wie die Lichtel. Aber dann wurden auch die Erwachsenen erst ruhig, um dann zum Applaus immer ordentlicher einzuheizen. Im zweiten Teil des Abends wurde es fast schon ein bisschen übermütig - es wurde ordentlich ge-Yehaa-t und brausend applaudiert. Meine ganz persönlichen Höhepunkte fanden sich im zweiten Teil konzertriert: U.F.O. (das frenetisch gefeiert wurde) und Pull me like a string ließen mich die Augen schließen und glücklich lächeln und die beiden Zugaben Parachutes and lifeboats bzw. Brought up somewhere else waren in der Version des Abends dicht und emotional. Sicher auch, weil Brian für einen wirklich vorbildlichen Sound gesorgt hatte.

Mein Fazit: Es hatte sich wieder mehr als gelohnt!





Setlist:
1: Set out to discover
2: Halfway blind
3: Tiny parcels
4: Guide to an escape
5: Changed my grip
6: Shouldn't have closed my eyes
7: Even in the darkness
8: Settle in, settle down
9: Dark cloud canopies

10: Get me standing
11: Pull me like a string
12: Flightline
13: We'll go on alright
14: Almost ghostly
15: These long roads
16: U.F.O.
17: Every little step

18: Parachutes & Lifeboats (Z)
19: Brought up somewhere else (Z)


Aus unserem Archiv:

Rue Royale, Paris, 26. September 2013 (Oliver)
Rue Royale, Frankfurt, 17. September 2013 (Gudrun)
Spectacular Spectacular Berlin am 7. April 2013 (Markus)  
Spectacular Spectacular Frankfurt am 6. April 2013 (Gudrun)
Rue Royale Phono Pop 2012 (Gudrun)
Rue Royale, Göttingen am 28. Mai 2012 (Gudrun)
Rue Royale, Köln am 28. Januar 2012 (Christoph)
Rue Royale + The Black Atlantic, Karlsruhe am 24. Januar 2012 (Gudrun)
Rue Royale, Karlsruhe am 16. März 2011 (Gudrun)
Rue Royale, Paris am 27. Januar 2010 (Oliver) 
 

Donnerstag, 3. Oktober 2013

Rue Royale, Paris, 26.09.13

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Konzert:Rue Royale
Ort: L'Espace B, Paris
Datum: 26.09.2013
Zuschauer: 23
Konzertdauer: 1 Stunde


Flugzeug verpasst! In Warschau! Wie schade, daß dieses Mißgeschick dem großen niederländischen Lautespieler Jozef van Wissem passierte. Das Konzert im Pariser Espace B am 26. September konnte er sich somit knicken und wir Fans, die wir sehnsüchtig auf den Auftritt des langhaarigen Saitenvirtuosen gewartet hatten, schauten in die Röhre.

Zum Glück war aber der zweite Act des Abends so gut, daß ich trotzdem ins Espace B fuhr. Rue Royale, dieses wundervolle anglo-amerikanische Duo und Ehepaar standen ebenfalls auf dem Programmzettel und durch den Ausfall Jozefs wurden Brookln und Ruth Decker prompt zum uneingeschränkten Headliner. Ihre Spielzeit wurde auf nunmehr 1 Stunde erhöht. Da konnte man nicht meckern, zumal wir Pariser Rue Royale seit mindestens 2 Jahren nicht mehr auf einer Bühne genießen durften. In Deutschland touren sie regelmäßig und ausgiebig, in Frankreich sind sie sehr rar.

Da standen sie nun also da, der schnauzbärtige Bursche mit Gitarre unterm Arm und die Pedale der Drums mit dem Fuß bedienend, die am Arm tätowierte Dame hinterm Keyboard und oft mit Percussions in der Hand, manchmal aber auch einhändig und im Stehen Schlagzeug spielend. Schon toll, was man mit zwei Händen und Füßen so alles machen kann, vor allem wenn es so wundervoll klingt wie bei Rue Royale!

Allein die Stimmen der beiden. Seine männlich herb, rauh, ihre unglaublich lieblich und zuckersüß, was beim Übereinlanderlegen der Gesangesorgane einen absoluten Wohlklang ergab. Manchmal hatten sie auch jeweils ihre eigenen Gesangesparts und es fiel mir schwer mich zu entscheiden, was schöner war, ihr Gesang oder seiner.

Gespielt wurden überwiegend Stücke des fantastischen neuen Albums Remedies Ahead. Schon der Opener Set Out To Discover kam dufte rüber, mit seinem treibenden Ryhthmus, seiner sanften Melancholie und den Bildhübschgesängen und stand stellvertretend für die hohe Qualität des gesamten Sets. Da gab es nämlich keinen einzigen Langweiler, keine Rohrkrepierer, keine Füllmasse. Jedes einzelne Lied war brillant und wunderschön.

Ich fragte mich, an welche Bands ich erinnert wurde und dachte nur an die Allerbesten. An Syd Matters und seine intimen choralen Gesänge mit tiefer tröstender Stimme, an Low und ihre schwarzen Folkrockperlen, an Sparklhorse und seine depressiven Schmachtfetzen.

Der Sound war herrlich warm und dicht, passte perfekt in das kleine Espace B, das leider nicht besonders gut gefüllt war. Diejenigen, die nicht da waren, verpassten mit Parachutes And Lifeboats auch ein Highlight vom ersten Album und zudem Flightline, eine betörende Ballade vom zweiten Album Guido To An Escape, gesungen von ihr und ihrer butterweichen Stimme. Noch schöner, weil mysteriöser aber sogar Halfway Blind, ebenfalls vom Zweitling.

Die Spielzeit ratterte nur so runter und ehe man sich versah, war auch schon der Moment des letzten Songs gekomme. Brought Up Somewhere Else hieß er und entließ uns mit packenden Melodien und wunderschönen Harmoniegesängen im Kopf in die Pariser Nacht.

Was Jozef van Wissem wohl in dieser Zeit gemacht hat? Ob er wohl noch in Warschau festsaß? Man weiß es nicht so genau...

Setlist

01: Set Out To Discover
02: Guide To An Escape
03: Parachutes & Lifeboats
04: Tiny Parcels
05: Pull Me Like A String
06: Flightline
07: Halfway Blind
08: Almost Ghostly
09: Shouldn't Have Closed My Eyes
10: Meant to Roam
11: Dark Cloud Canopies
12: Brought Up Somewhere Else 

Tourdaten Rue Royale:

15.10.  Morph Club – Bamberg
16.10.  Tuchlaube - Aarau
17.10.  Amboss Rampe - Zürich
18.10.  Portier - Winterthur
19.10.  Franz Mehlhose – Erfurt
22.10.  Stille Post - Görlitz
23.10.  Junges Theater – Göttingen
24.10.  Feinkostlampe – Hannover 

28.10.  Café Muffat - München
29.10. Stickerei, St. Gallen
31.10. Uebel & Gefährlich, Hamburg
01.11. Kassablanca, Jena
02.11. UT Connewitz, Leipzig
07.11. Heimathafen Neukölln, Berlin  

Rue Royale, Rüsselsheim, 21.07.12
Rue Royale, Göttingen, 28.05.12
Rue Royale, Karlsruhe, 24.01.13
Rue Royale, Köln, 28.01.12
Rue Royale, Karlsruhe, 16.03.11
Rue Royale, Paris, 27.01.10






Sonntag, 22. September 2013

Rue Royale, Frankfurt, 17.09.13

4 Kommentare
Konzert: Rue Royale mit support Courtney Marie Andrews
Ort: Ponyhof in Frankfurt
Datum: 17.09.2013
Dauer: 40 Minuten + 70 Minuten
Zuschauer: etwa 60




Rue Royale touren ausgiebig und damit irgendwann auch fast überall einmal. Diesmal sahen wir uns zweimal hintereinander in Frankurt und mich führte der Weg erstmals in den Ponyhof. Als Draufgabe des Abends war die von Oliver heiß empfohlene Courtney Marie Andrews als Support auf dem Programm. Gründe genug, einigermaßen gespannt zu sein!

Als ich im Ponyhof ankam, war es schon kurz vor knapp, laut Programm würde es in 5 min beginnen und im Bereich vor der Bühne hatten es sich schon so etwa 30 Leute bequem gemacht. Als ich mir gerade einen Platz gesucht hatte, kam mit einem Wasserglas in der Hand ein weitere junge Frau, von hinten und bat darum, durchgelassen zu werden. Statt sich jedoch auch einen Platz zu suchen, ging sie stracks durch zur Bühne, holte eine Gitarre aus dem Instrumentenkoffer und begann mit ihrem Set. Es spricht für das Publikum, dass sich sofort eine ganz gespannte Aufmerksamkeit einstellte. 


Die Lieder waren in der Grundstimmung alle sehr nachdenklich. Die Beschreibung eines regnerischen kalten Tages in San Francisco verfing bei mir besonders. Durch so ein kaltes Regen-Sauwetter war ich auch gerade 2 Stunden unterwegs gewesen... Im Gegensatz zu den melancholischen Liedern waren aber die Zwischansagen meist sehr witzig und schlagfertig mit abseitigem Humor gewürzt. Es konnte viel gelacht werden. Die Kommunikation mit anfeuernden Woooo's sei wohl international hilfreich, aber sie würde zu gern mal wissen ob das wohl auch in China so funktionierte? Leider konnte keiner im Publikum diese Frage mit eigenen Erfahrungen beantworten. Mit sehr herzlichem Applaus wurde die junge Frau nach 40 Minuten entlassen und am Merchtisch belagert, wo sie entzückende selbstgebastelte CDs (wohl als Notlösung) dabei hatte.
 

Setlist Courtney Marie Andrews

1) It keeps going
2) Woman of many colors
3) Roses of the city
4) Pomegranate
5) Near you
6) Left-handed angel
7) Light on
8) Songs for tourists



Die Pause bis zu Rue Royale war sehr kurz und diente nur einem nötigen letzten Soundcheck. Die Instrumente  waren alle schon aufgebaut. Auch Ruth und Brokln kamen etwas unprätentiös von hinten durch ihr Publikum auf die Bühne und in gewohnt selbstironischer Art schalten sie sich gleich selbst dafür, ausgerechnet mit einem Brummer-Soundproblem zu starten: Very professional. Zumal sie erstmals einen eigenen Soundmann, nämlich Brian aus den Niederlanden dabei haben.


Das Set begann schließlich mit dem ersten Song des gerade erschienen Albums Remedies ahead. Die warme Stimme von Brokln dominierte zunächst - begleitet von seiner E-Gitarre. Aber diese Ruhe täuschte und eine ordentliche Schlagzeugeinlage an den zahlreicheren Trommeln wirbelte ordentlich emotionalen Staub auf. Weiter ging es mit dem zweiten Song des Albums, wo Ruth eingangs trommelte und das Continuo mit Ruths Stimme im Zwischenteil sehr intensiv klang. Überhaupt schien mir an dem Abend ein etwa im Tempo des eigenen Herzens schlagender Beat durch das ganze Set zu pulsieren. Irgendwie antreibend und vorwärts drängend. 



Ruhigere Momente wie ein fast wiegendes Pull me like a string  oder das zum Sterben schöne Intro von These long roads wechselten mit dieser treibenden Komponente ab. In Guide to an escape fanden sich alle diese Aspekte sogar vereint, weil es so emotional ruhig und fast besinnlich beginnt, bevor es in eine hoffnungsfrohe Flucht umschlägt, die durch die sich umschlängelnden Stimmen nur als gemeinsame gemeint sein kann.  Mein persönlicher Höhepunkt ist an diesem Abend wieder U.F.O. Die Zeile Lift up my eyes ist mit fast schon religiösem Pathos gesättigt aber nicht schmalzig. 





Das eigentliche Set endet sehr ruhig mit Brought up somewhere else. Aber natürlich ist das Publikum begierig auf mehr und erhält noch eine Zugabe. Es darf etwas gewünscht werden und es gewinnt das wunderbar tröstliche Well go on allright. 

Es gibt noch einige Konzerttermine mit Rue Royale in diesem Herbst in Deutschland, die hiermit ausdrücklich ans Herz gelegt sein sollen!

Setlist Rue Royale:

1) Changed my grip 
2) Set out to discover
3) Tiny parcels
4) Flightline
5) Parachutes and Lifeboats
6) Guide to an escape
7) Pull me like a string
8) These long roads
9) Almost ghostly
10) Shouldn't have closed my eyes
11) ??
12) UFO
13) Dark clouds canopy
14) Brought up somewhere else

15) Well go on alright (Z) 

 

Tourdaten Rue Royale:

23.09.  Club Stereo – Nürnberg
24.09.  Autre Part - Differdange
26.09.  Espace B. - Paris
15.10.  Morph Club – Bamberg
16.10.  Tuchlaube - Aarau
17.10.  Amboss Rampe - Zürich
18.10.  Portier - Winterthur
19.10.  Franz Mehlhose – Erfurt
22.10.  Stille Post - Görlitz
23.10.  Junges Theater – Göttingen
24.10.  Feinkostlampe – Hannover 

28.10.  Café Muffat - München






Aus unserem Archiv:

Konzertankündigung Courtney Marie Andrews (Oliver)
Spectacular Spectacular Berlin am 7. April 2013 (Markus)  
Spectacular Spectacular Frankfurt am 6. April 2013 (Gudrun)
Rue Royale Phono Pop 2012 (Gudrun)
Rue Royale, Göttingen am 28. Mai 2012 (Gudrun)
Rue Royale, Köln am 28. Januar 2012 (Christoph)
Rue Royale, Karlsruhe am 24. Januar 2012 (Gudrun)
Rue Royale, Karlsruhe am 16. März 2011 (Gudrun)
Rue Royale, Paris am 27. Januar 2010 (Oliver) 

Konzert in München aufgezeichnet von Missmoremusic:


Mehr Fotos



Samstag, 13. April 2013

Spectacular, Spectacular, 7.4.13, Berlin

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Konzert: Jonas David, Josh Beech, Rue Royale
Ort: Privatclub Berlin
Datum: 7.4.13
Zuschauer: ca. 150

von Julia von ZeitZuBleiben.net


Schon vor Monaten lese ich von einer neuen Veranstaltungsreihe namens Spectacular! Spectacular!. Soso. Der Veranstaltungstitel verspricht nicht gerade wenig. Ich bin gespannt. Nach und nach werden die teilnehmenden Acts der ersten Ausgabe bekannt gegeben. Unter ihnen Jonas David, dessen Musik ich seit gefühlten zehn Jahren, in Wirklichkeit seit erst drei Jahren verfolge. Ich habe ihn in Köln gemeinsam mit Florian Ostertag spielen hören damals. Ein ganz kleines Café. Aufnahmen habe ich mit meinem uralt-Handy gemacht. Eine lächerliche Qualität. Nicht anhörbar, sogar für mich nicht, der es normalerweise um den Kern der Musik geht und der die exakte Klangqualität nur halb so wichtig ist. Aufnahmen zum Mitnehmen gab es noch nicht. Mittlerweile gibt es seine Lieder auf silberne Scheiben gepresst und ich habe alle fleißig gesammelt. Ich mag Jonas David. Ich mag ihn so, dass klar ist, dass ich dabei sein werde - unabhängig davon, dass ich die anderen beiden Künstler noch nicht kenne und auch, falls er nur wenige Minuten spielen sollte. Von Rue Royale habe ich bereits gehört. Menschen mit gutem Musikgeschmack hören sie und das heißt oftmals Gutes. Wieder bin ich also gespannt.
Rund 150 Leute sind im gemütlichen Privatclub zusammengekommen. Das passt, der Raum ist gut gefüllt. Die Location passt, die Bühne passt, das Ambiente passt. Ursprünglich hätte das Konzert im Heimathafen Neukölln stattfinden sollen. Mir wird unwohl bei dem Gedanken, wie verloren die Zuschauer im doch recht großen Heimathafen gewirkt hätten. Ich atme auf beim Gedanken, dass wir im Privatclub sind. Stolz bin ich, dass ich mich und meine Begleitung ausnahmsweise einmal nicht irrsinnig früh zum Ort des Geschehens gelotst habe, denn es ist fast wie ein Zwang: Ich weiß, dass die meisten Clubs und Bars, in die ich gehe, nicht erfordern, bereits zum Einlass vor Ort zu sein, um ganz vorn stehen zu können - dennoch bekomme ich Platzangst, wenn ich daran denke, dass Menschen vor mir stehen, mir die Sicht versperren, reden, laut reden, nervtötend laut reden, während ich die Sekunden in mich aufsauge wie ein Schwamm, während ich jede Sekunde speichere und sorgfältig in die verschiedenen Schubladen des musikalischen Gedächtnis sortiere. Ich muss die Mimik der Künstler mitverfolgen. Und die Gesten. Jede kleinste Regung. Vor allem aber die Mimik. Das war schon immer so.
Um 20:45 betritt Josh Beech die Bühne. Der Spectacular-Flyer verrät mir, dass es sich hierbei um ein männliches Model handelt, dem Fashion Weeks irgendwann zu wenig wurden. In meinem Kopf baut sich für den Bruchteil einer Sekunde das Bild eines Laufstegs auf, der mit dürren Models bestückt ist, die Dinge tragen, die kein Mensch im echten Leben trägt. Für den weiteren Bruchteil einer Sekunde stelle ich mir Beech vor, wie er mit leerem Blick gelangweilt auf seinen Laufsteg-Moment wartet. Ich nicke kurz, als wolle ich Beechs Entscheidung, doch lieber Musiker zu werden, absegnen. Beech ist zum ersten Mal in Berlin, sagt er. Beechs Stimme fällt auf. Charakteristisch. Eindringlich. Kraftvoll. Häufig mag ich Stimmen, die ich genau so umschreiben kann; bei Josh Beech will der Funke jedoch nicht überspringen. Stellenweise gefällt mir, was ich höre, wenn der vor Kraft nur so strotzende Beat mitreißt und meine Füße wippen lässt. Wie Gudrun bereits in ihrem Bericht aus Frankfurt schrieb, istBeech ein Mann der Animation. Immerzu wird zum Klatschen und Mitmachen aufgerufen. Und dann wieder zum Klatschen. Und zum Mitmachen. Und noch einmal, alle zusammen. Wirklich alle, bittet er. Einige Menschen vor der Bühne tauschen Blicke aus, die wie eine Entschuldigung wirken: „Ich würd ja, klar, aber ich kann ja nich. Bier in der Hand, kennste ja...“. Beech fragt, wie viele der Zuhörer ihn bereits zuvor haben spielen sehen - ein, dann zwei, drei, vier Arme bewegen sich zögerlich in die Luft. Im Augenwinkel sehe ich ein Mädchen, das jedes Wort, das er singt, auswendig kann. Während ich sie fasziniert und lächelnd beobachte, weil ich es mag, wenn Menschen die Texte kennen, ruft Beech ganz plötzlich: „People are talking – that’s rude! There are people who want to listen!“ Mir gefällt der Einwurf. Endlich mal Entrüstung von Seiten der Musiker. Quatschen könnt ihr in Berlins Millionen von Kneipen, wo Musik bewusst nur die Nebenrolle spielt. Olé und richtig so. Ich mag auch den Musiker, der neben Beech auf der Bühne steht, weil man ihm so viele Emotionen und Klänge im Gesicht ansieht. Leider bemerke ich es ein wenig zu spät.
Der nächste ist er, Jonas David. Er sitzt auf einer Art Schreibtischstuhl, der ein wenig niedrig und eigentlich zu klein wirkt für ihn, und dreht sich einige Male um die eigene Achse. Unprätentiös und bodenständig. Ehrlich. Irgendetwas in mir fühlt sich an einen kleinen Jungen erinnert, der sich mit seiner Gitarre an seinen Schreibtischstuhl mit dem Fußballmotiv gesetzt hat, um ein wenig herumzuklimpern. Aber das Bild funktioniert nicht lange: Ich habe kaum Zeit zum Schmunzeln, als mich die Klänge, die David dem Instrument entlockt, in den Privatclub zurückreißen. Das, was ich höre, gehört nicht dem kleinen Jungen im Kinderzimmer. Ineinander verwoben sind die Klänge, die David zaubert. Zaubern ist ein großes Wort, das man in diesem Fall jedoch getrost verwenden darf. Klangteppiche. Davids Stücke bauen sich Stück für Stück auf, um schließlich in einem gefühlten Feuerwerk zu münden. Ich muss staunen, als ich die Beschreibung Davids auf dem Flyer lese: „Jonas David macht Gitarrenmusik [...], die gern ausufert und Grenzen überschreitet, aber dennoch nie verpasst, auf den Punkt zu kommen.“ Mein Herz tut einen kleinen Satz, weil ich gute Formulierungen so liebe. Richtig gute Formulierungen. So wie diese hier. Der Spannungsbogen, den David in seinen Stücken spannt und das letztendliche „auf den Punkt kommen“ ist tatsächlich einer der zentralen Punkte, weshalb ich seine Musik so schätze. „Wie geht’s euch?“ Pause. „Mir geht’s nich so gut. Bin voll auf Meditonsin – hartes Zeug!“, flüstert David und grinst dabei sein kleiner-Junge-Grinsen. Dann lauschen wir „Shield“; dem einzigen Song des Abends, den ich bereits kenne. David gewährt viele Einblicke in neues Material, probiert herum, nutzt Berlin quasi als Versuchskaninchen: „Wenn’s ganz schlimm ist, müsst ihr‘s sagen, seid bitte ehrlich...“. David erzählt von Konzerten in Italien und davon, dass Konzerte in italienischen Restaurants ziemlich anders funktionieren als das, was hier gerade passiert. Davon, wie schwer es ist, sich gegen 80 schmatzende Italiener durchzusetzen und vor allem davon, wie eine temperamentvolle ältere Dame eine provisorisch im Restaurant errichtete „Bühne“ stürmt, ihm die Gitarre entreißt und beherzt ins Mikrofon singt. Sie stimmt ihr eigenes Lied an und wir dürfen einige Momente lang diesen bizarren Moment miterleben. David hat ihn aufgenommen. Begeisterte Gesichter. Lächeln. Geglücktes Geschichtenerzählen. Geglückter Humor. David stellt neue Stücke vor, bei denen seine Stimme bemerkenswert verzerrt ertönt. Erneut grinsende Gesichter im Publikum. Kichern neben mir. „Muss man nicht mögen“, sagt David schließlich und ich bin etwas verwundert. Ich mag die Stimme, die man nicht mögen muss, die er da eben geschaffen hat. Dennoch hoffe ich insgeheim, sie möge künftig nicht Davids natürliche Stimme ersetzen. David fordert dazu auf, am Ende des Konzerts seine Meinung kundzutun und auf kleine Zettel zu schreiben, die in einen Briefkasten geworfen werden sollen. Ich werde schreiben, dass ich die „muss-man-nicht- mögen-Stimme“ mag, aber dass ich mir wünsche, dass sie sparsam eingesetzt werden möge. So werde ich es machen. „The ice we walk is very thin [...]. Hearts may change but mine won’t.” 
Davids Texte wirken nicht selten pathetisch, vielleicht auf den ein oder anderen gar übertrieben, kitschig, zu groß, zu dick, zu wie-auch-immer. Ich bin ein Freund großer Worte, sobald ich sie als ehrlich empfinde. David weiß, wie er es machen muss, dass Text und Instrumentierung ein stimmiges Ganzes ergeben. Es passt. David nimmt man es ab. David nehme ich es ab. Sein Mitstreiter und er haben ein selbstgebautes Instrument dabei. Ob es tatsächlich selbstgebaut ist, weiß niemand, aber das macht nichts. Es klingt gut, erzeugt interessante Facetten, die Davids Stücke bereichern. Auch hier wünsche ich mir, dass es in Zukunft Einsatz findet, aber nicht die David-typische Instrumentierung ersetzt.
Rue Royale. Die Gelobten, Empfohlenen. Mehrere mir bekannte Gesichter, die ich am Abend treffe, sind ihretwegen hier. Mir gefällt auf Anhieb, wie natürlich sie auftreten. Ihre Stimmen harmonieren hervorragend miteinander. Rue Royale wissen, was sie tun. Sie sind dabei ganz sie selbst, hoch konzentriert und professionell. Letzteres möchte ich wirklich betonen. So viel Konzentration. Brookln Dekker hat seine Stimme im Griff. Ständig unter Kontrolle. Ehefrau Ruth Dekker, die neben ihm auf der Bühne steht, ebenso. Hin und wieder schaut sie zaghaft zu ihm rüber. Mir gefallen die Arrangements. Mir gefallen die Stimmen. Dennoch: Der Knoten platzt nicht. Empfinde ich sie als ein wenig zu „glatt“, quasi „perfekt“? Ich weiß es nicht. Ich muss mich immer wieder über dieses „Phänomen“ wundern: Da gibt es eine ganze Reihe von Bands, deren Musik ich wirklich als ausgesprochen gut gemacht erachte. Wäre ich „zertifizierter Musikprüfer“ oder irgendso ein Quatsch, sie würden von mir den Stempel „qualitativ hochwertig und einwandfrei“ erhalten. Doch das fesselnde Element fehlt. Das letzte was-auch-immer-es-sein-mag, das mich staunen und innehalten lässt. 
Das, was sie für mich auf der Bühne glänzen lässt und mich bitten lässt, sie mögen nicht mehr aufhören. Der Zauber, sozusagen. Man kann es nicht greifen und beschreiben; nicht benennen, was fehlt. Rue Royale gehörten für mich am gestrigen Abend zu diesen Bands. Dabei komme ich immer wieder nicht drum herum, mich einen Moment lang über mich selbst zu ärgern. Zu wundern, warum man sich da jetzt nicht doch verlieben kann. Es ist schon so oft passiert. Es enttäuscht mich immer ein wenig, wenn es passiert. Doch dann denke ich, dass es doch vielleicht genau das ist, was Musik und unsere Liebe zu ihr ausmacht: Dass wir oft nicht genau greifen können, was und warum es uns berührt oder warum nicht. Ich nicke. Das ist ok so. In dem Augenblick wird Brookln Dekkers Stimme völlig unerwartet lauter. Richtig laut. Er schreit fast. Meine Augen werden groß und ich habe einen „wow, das war verdammt gut“-Moment. 
Als der Song „Guide to an escape“ vorbei ist, drehe ich mich zu meinem Nachbarn und sage, dass er das häufiger machen sollte. Schreien. Es steht ihm großartig. Es ist einer der ganz wenigen Momente während Rue Royale auf der Bühne stehen, in denen ihnen etwas zu „entgleisen“ scheint, etwas Unvorbereitetes, Ungeplantes passiert. Es steht ihnen wirklich gut. Und dann diese Zeile: „We got an awful lot of history in our skin.“ Ich hoffe, dass ich den Text richtig verstanden habe. Ein sagenhaft guter Text. Ich beschließe, dass man Rue Royale im Auge behalten sollte. Vielleicht gehören sie für mich zu den Bands, die man längere Zeit hören muss, um sie wirklich zu entdecken.

(Fotos von Christoph vom Kölner Konzert)

Aus unserem Archiv:
Spectacular Spectacular (Frankfurt)



Sonntag, 7. April 2013

Spectacular, Spectacular, 06.04.13, Frankfurt

3 Kommentare

Konzert: Jonas David, Josh Beech und Rue Royale
Ort: Zoom in Frankfurt
Datum: 6. April 2013 
Zuschauer: etwa 100
Dauer: 35 min + 25 min + 50 min


Fast wäre ich an der Tür des Zoom vorbeigelaufen. Eine unscheinbare Stahltür, mehr wie ein Personaleingang, dahinter nur Treppen und nach zwei Etagen hinaufsteigen war ich tatsächlich richtig, wenngleich kurz vor 20 Uhr noch kaum jemand außer mir und den Ordnern da war. Etwa 50 Stühle standen im Raum direkt vor der Bühne und jede Menge Plätze waren frei - zum Beginn des Sets von Jonas David gegen 20:15 Uhr waren wir etwa 30 Zuhörer.




Die aber allesamt gespannt und aufmerksam. Im Laufe das Abends wurden es dann noch etwa 100 Leute und damit wirkte der Raum gut gefüllt, aber es waren dann leider auch diverse Schwatzer dabei. 

Das Programm des Abends sah drei Acts vor. Josh Beech kannte ich nicht, aber auf Jonas David und Rue Royale hatte ich mich schon sehr gefreut und deshalb die Fahrt nach Frankfurt gern auf mich genommen. 

Ich wurde auch nicht enttäuscht. Das Set von Jonas David war ab dem zweiten Song mit dem Schlagzeuger überraschend druckvoll. Aber auch in gewohnter Weise abwechslungsreich und in den Ansagen von trockenem Humor und einer gewissen selbstironischen Abgeklärtheit geprägt, die ich sehr mag. Wenn man diesen Ansagen trauen darf, probierte er mit uns diverse neue Songs aus. Im Gedächtnis geblieben ist mir vor allem die Zeile The ice we walk is very thin mit aller Zerbrechlichkeit aber auch dem Mut und der Hoffnung, die darin mitschwingen durfte. Blöd war, dass es auf die tiefsten Töne der Gitarre ein brutales metallenes Resonanzgeschepper aus mehreren Richtungen gab. Und ich hätte ihm gern noch länger zugehört.


Die Umbaupause zum zweiten Act wollte ich für einen Ausflug zur Bar nutzen. Daraus wurde aber nichts. Statt dessen traf ich auf Ruth und Brookln Decker, die sich hinten das Set von Jonas David angesehen hatten und die Atmopshäre des Club in sich aufnahmen. Aufs schönste verschwatzten wir die mit 30 Minuten doch recht lange Umbaupause zu Josh Beech und mussten feststellen, dass wir uns schon viel zu lange nicht getroffen hatten und es Zeit für ein Konzert im Café Nun sei. Aus dem Gespräch erfuhr ich auch, dass 23 Uhr die Bühne geräumt sein müsste für eine Disco-Veranstaltung im Anschluss an das Konzert. Es war damit schon abzusehen, dass das Set von Rue Royale wohl gerade so eine Stunde sein würde. Schade!

Josh Beech begann seinen Auftritt mit der Aufforderung doch aufzustehen. Überhaupt wurde sehr viel zum choreographierten mitmachen gedrängt und mir war das irgendwie zu viel Anbiederei. So professionell aufgesetzt, als müssten wir zum Zeitvertreib animiert werden. Bei den anderen kam es zum Teil gut an und manche sangen textsicher mit. Er beendete dann sein Set mit den Worten "Thank you Germany" (bei 100 Leuten doch ein bisschen viel der Ehre...).



Endlich 22:05 Uhr begannen Rue Royale, wo ich vor allem auf die neuen Lieder gespannt wie ein Flitzebogen war. Das Set war sehr intensiv. Die vertrauten Lieder häufig druckvoller als gewohnt und mit einigen elektronischen Schnipseln verfremdet. Und die neuen Lieder fanden allesamt sofort den Weg in mein Herz, also jetzt große Vorfreude auf das Album (das gerade gemastert wird). Zwischen den Liedern gab es zunächst keine Ansagen und nichts von dem sonst so typischen liebevollen Geplänkel der beiden. Statt dessen versuchten sie wohl so viel wie möglich von ihrer Setlist in die verbleibende Zeit zu quetschen.



Höhepunkte wieder: U.F.O. und neu Brought up somewhere else. Als es Brookln dann bewusst wurde, dass sie sich durch die Setlist hasteten, erklärte er: The Disco stresses me out.

 

Leider war dann 22:55 Uhr wirklich Schluss und es gab auch keine Zugabe mehr. Statt dessen wurde die Bühne blitzartig geräumt. Wenigstens am Merchstand konnte man aber noch alle Künstler antreffen und sprechen und den Abend ein bisschen ausklingen lassen. Und ich wurde noch Grüße aus Karlsruhe los, die mir elektronisch aufgetragen worden waren. 

Ein Abend mit schöner Musik und intensiven Momenten. Aber es bleibt schon die Frage, wieso in den zur Verfügung stehenden drei Stunden nur 100 Minuten Musik Platz hatten. 

Setlist Rue Royale:
Pull me like a string
Tiny parcels
Parachutes and lifeboats
Guide to an escape
Dark cloud canopies
U.F.O.
Get me standing
Shouldn't have closed my eyes
Brought up somewhere else
Blame 

Aus unsererm Archiv:

Rue Royale Phono Pop 2012 (Gudrun)
Rue Royale, Göttingen am 28. Mai 2012 (Gudrun)
Rue Royale, Köln am 28. Januar 2012 (Christoph)
Rue Royale, Karlsruhe am 24. Januar 2012 (Gudrun)
Rue Royale, Karlsruhe am 16. März 2011 (Gudrun)
Rue Royale, Paris am 27. Januar 2010 (Oliver)


Sonntag, 22. Juli 2012

Phono Pop Festival, 2. Tag, Rüsselsheim, 21.07.12

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Festival: Phono Pop
Ort: Altes Opelwerk, Rüsselsheim
Datum: 21.07.2012 (Tag 2)


von Gudrun aus Karlsruhe

Es ist immer wieder lustig: Sobald man (bewußt oder unbewußt) ein Bild davon hat, wie ein Tag wird, kommt es meist ganz anders. Zum Beispiel ein zweiter Festivaltag, wo man sich doch nach dem ersten Tag wie ein alter Hase fühlt...

Immerhin - meine im ersten Bericht geäußerten Wünsche wurden am zweiten Tag des Phono Pops aufs schönste erfüllt:
1) die Stimmung war weiter so gut und
2) das Wetter hielt sich nicht nur,
es wurde über Nachmittag und Abend immer besser. Ab dem Set von Talking to Turtles schien fast die ganze Zeit die Sonne. Wirklich ein Geschenk des Himmels für dieses wunderbare Festival!

Selbstverständlich war musikalisch alles top (wie erwartet und besser).

Aber an diesem Tag lag das Opel Werksgelände in der Einflugschneise des Frankfurter Flughafens. Die Anlage ließ dem damit verbundenen Fluglärm nicht wirklich eine Chance, sich störend auszuwirken, aber mein inneres Kind musste immer wieder fasziniert auf die zum greifen nahen Riesenvögel zeigen und sich daran ergötzen: Schau mal noch eins und noch eins und wie groß DAS ist... Und wenn dann zu den ersten Akkorden von U.F.O so eine richtig fette Boeing den Adamshof überfliegt und sich auch das Brummen in die Musik einfügt ist das ein ziemlich abgefahrenes Gefühl.

Waren am ersten Tag für mich die musikalischen Highlights wirklich dicht an dicht gesetzt (und dass ich ein Set ausgelassen hatte, um wenigstens etwas zu trinken und zu essen bereute ich dann schon fast nach begeisterten Berichten über das entgangene Konzert), lief der zweite Tag überhaupt nicht so perfekt durchgetaktet. Es ging schon mit etwas Verspätung auf der Hauptbühne los und damit klappte es ohnehin nicht mit dem fliegenden Wechsel.

Vielleicht lag es aber auch ein Stück weit daran, dass schon so viel Musikerlebnisse ''im Sack'' waren, dass ich an diesem zweiten Tag einiges entspannter unterwegs war. Ich habe mir mehr Zeit genommen, um mit Leuten zu reden und zu essen und zu trinken und hatte mit den vollständig erlebten Sets von Yesterday Shop, Talking to Turtles und Rue Royale drei wunderschöne Konzerte obenauf zu zu legen, ohne mich so abzuhetzen wie am ersten Tag. Dazu ein paar Eindrücke von anderen Konzerten, die zwar nicht zählen als Konzerterlebnis, aber für die positive Grundstimmung des Festivalerlebnisses.

Drittens war es die Rücksicht auf die eigenen Kraftreserven. Ich hatte mich frühzeitig entschieden, auf die letzten Sets zu verzichten, um noch eine vernünftige Zugverbindung nach Hause nutzen zu können und nicht nachts Wartezeit auf obskuren Bahnhöfen zu haben (immer wieder gern genommen: Bruchsal um 1:39 Uhr). Somit kann ich hier nicht vom grandiosen Abschied mit Nada Surf berichten. Aber wenn ich sage, dass auch ganz ohne dies der zweite Tag rundum einfach nur toll und gelungen war, sagt dies doch auch etwas aus über das Festival: denn hier gab es einfach keine zum aufwärmen benutzten acts, die mal bißchen üben sollten, sondern hier ging es gegen 16:15 Uhr gleich richtig zur Sache und das Prinzip wurde facettenreich durchgezogen bis zum Höhepunkt gegen Mitternacht (den Höhepunkt glaube ich hier Christoph einfach mal unbesehen!).

Die jungen Männer von Yesterday Shop spielten ein zugleich energetisches wie inniges Set. Die Musik gefiel mir so gut, dass ich mir die verfügbare EP mit nach Hause genommen habe. Es war sehr Gitarren-bestimmt aber zwischendurch immer wieder mit diesen Wendungen ins Euphorische die einerseits für so ein Sommerkonzert schön sind, aber auch von CD im Wohnzimmer gut bei mir funktionieren. Dies war also ein klarer Aufmerker für mich und eine Liveempfehlung an die werte Leserschaft.

Richtig toll fand ich dann das Set von Talking to Turtles. Ich verstieg mich gleich anschließend zu der Behauptung: Besseres wird kaum noch nachkommen können (natürlich rein subjektiv, wie immer hier).

Auch mit etwas Abstand betrachtet, stimmte dies. Zwischen Claudia Göhler am Keyboard (Akkordeon, Xylophon und ein paar Knöpfen) und Florian Sievers an den Gitarren entstand während der musikalischen Darbietung sozusagen deutlich sichtbar ein Geflecht an hin und her fließender Energie. Sie erzählten eine gemeinsam verarbeitete Lebensgeschichte als Musik für das Publikum nachvollziehbar. Dargereicht um sich darin zu spiegeln und daraus sinnvolle Schlüsse zu ziehen (sicher mehr mit dem Bauch als dem Kopf, aber ich weiß nicht, wie der Bauch redet), um darüber zu lächeln, wie sehr sich manches gleicht und was man für schöne Worte dazu finden kann. Irgendwie gestärkt kam ich mir im Anschluss vor.

Und Claudia Göhler strahlte und strahlte und machte uns alle glücklich. Die Frau am E-Bass stand ein bißchen wie daneben und ließ sich auch vom freundlichen Lächeln nicht anstecken. So macht halt jede/r ihrs/seins...

Was mir übrigens auch ein besonderer Genuss war: das war das erste
Konzert auf dem Phono Pop das ich ohne Gehörschutz geniessen konnte.

Ein Programmpunkt, der mich sofort für das Lineup des Phono Pop eingenommen hatte, war dass Rue Royale dort spielen würden. Als wir uns zuletzt in Göttingen sahen, hatte ich noch das Werbematerial ausgehängt, nun war es tatsächlich so weit, dass wir uns auf dem Festival wieder sehen und hören würden.

Es war nett, Rue Royale schon vorher im Festivalgetümmel zu treffen und kurz zu sprechen. Dies war zu einem frühen Zeitpunkt, als es wirklich noch sehr ruhig war und die Geschichte mit dem Wetter noch etwas unentschieden. Trotzdem schienen sie sich wohl zu fühlen.

Ich habe sie ja im laufenden Jahr schon mehrfach erleben dürfen. Nie ist ein Konzert wie ein anderes, aber hier in Festivalathmosphäre haben sie mich doch noch einmal richtig überrascht. Die bekannten Lieder waren hier noch eine Spur energetischer und für das viel größere Publikum mit passendem Druck präsentiert. U.F.O wurde direkt zur Stadionhymne und Crater in den Wechseln zwischen sehr leise und intim zu herausrufend esktatisch ein Abschluss, nach dem es dem Publikum
sichtlich schwer fiel, nun ohne Zugabe gehen zu müssen.

Im Publikum sah ich einige Fans mitsingen, aber auch alle anderen, denen der Name bis dahin nicht viel gesagt hatte, ließen sich mitnehmen und schließlich mitreißen und Rue Royale wurden wirklich abgefeiert. Alle die dabei waren können bezeugen, dass diese zarte Frau am Keyboard und der Mann mit Gitarre und Fußtrommel das Phono Pop zu ihren Füßen liegen hatten und im Energielevel den Jungs-Gitarren-Bands nichts schuldig blieben.

Hinterher bildete sich am Merch eine richtige Schlange und es gab viele glückliche Gesichter - nicht zuletzt das von Ruth. Was diesmal etwas fehlte war das Wortgeplänkel zwischen den Liedern. Beide wirkten sehr konzentriert und wollten den Zeitrahmen wohl auch möglichst genau einhalten. Neben Talking to Turtles war dies das einzige Set, was ich ohne Ohrschutz genießen konnte. Das geht also auch auf einem Festival!

Fazit der zwei Tage in Rüsselsheim:
Einen großen Dank an die Organisatoren!
Ein großer Dank an alle Bands und Mitkonzertbesucher für die schöne Zeit zusammen! Schön auch, dass die Bahnfahrer gut dran waren.

Ich fühle mich noch Glücks-trunken und werde wohl eine Weile brauchen, um alles gut weg zu sortieren als Vorrat für schlechtere Zeiten und ich würde gern wiederkommen.

Offene Wünsche gibt es nur wenige:
Weniger Lautstärke, mehr Damentoiletten und ein klein bisschen Verschnaufpause eingebaut, damit man auch mal am Merch schauen kann und sich nicht sorgen muss, ob es an der anderen Bühne vielleicht schon losgegangen ist.

Setlist Rue Royale, Phono Pop Festival, Rüsselsheim:

01: Get me Standing
02: Parachutes
03: Guide to an escape
04: Even in the darkness
05: Halfway blind
06: We'll go on alright
07: U.F.O.
08: Crater

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