Samstag, 7. Januar 2012

My Year In Lists- die 20 besten Konzerte (Oliver Peel)


My Year In Lists- die 20 besten Konzerte

von: Oliver Peel



So, jetzt geht's ans Eingemachte! Meine Liste der besten Konzerte 2011, auf die schon ganz Musikdeutschland (warum nicht?, es gibt doch auch Fußballdeutschland?!) und Musikfrankreich seit Wochen wartet, wird nun endlich publik. Alle freuen sich, daß sie nun nicht mehr über den Herrn Wulff und den Herrn Strauß Kahn reden müssen, sondern ein viel spannenderes Gesprächsthema haben. Welche von insgesamt 227 Konzerten (oh Mann, ich muss wirklich 'ne Meise haben!) hat dieser komische Oliver Peel* (ich fange schon an wie Lodda Maddäus in der dritten Person von mir zu reden, schlimm!) ausgewählt?

Langer Rede, kurzer Sinn, hier ist die verdammte Liste:

20: Mohna, Théatre de la Cité Internationale, Paris

Die Hambuger Pianistin Mohna kam einem Jahr nach ihrer begeisternden Oliver Peel Session zurück nach Paris und spielte im Rahmen des Festivals les femmes s'en mêlent in einem schönen, bestuhlten Theater. Zusammen mit ihrer Schwester Marina und ihrem Begleitmusiker Sebastian performte sie nicht nur die wunderbar melancholischen Lieder ihres Debüts 1985-1994, sondern gab auch neue, noch unveröffentliche Lieder zum Besten. Ein berührendes Konzert. Mohna hat sicherlich in Paris wieder neue Fans hinzugewonnen, die Resonanz war durchweg positiv. Germany 12 points, l'Allemagne 12 points!




19: Julianna Barwick, Crypte de l'Église Notre-Dame de la Croix, Paris

"One Woman Choir", so nennt die Amerikanerin Juliana Barwick ihren Stil und die Bezeichnung passt. Nur mit ihrer Stimme und mittels moderner Looptechnik kreiert das junge Talent einen faszinierenden, hypnotischen Soundteppich, der in der Pariser Kirche Notre Dame de la Croix (20. Arrondissement) perfekt zur Geltung kam. Fast übersinnlich schön!

18: Guided By Voices, Pitchfork Festival, Chicago

Die alten Säcke feierten ein Comeback und bewiesen beim Chicagoer Pitchfork Festival, daß alte Besen noch saugut kehren. Die Musiker hatten ob der brutalen Hitze (40 Grad °!) und ihres vorgerückten Alters zwar allesamt knallrote Köppe, gaben aber trotzdem durchgängig Vollgas und hauten einen Lofi-Indiehit nach dem anderen raus. Well done!

17: British Sea Power, Nouveau Casino, Paris

Die Engländer waren mir anfänglich viel zu bombastisch, aber auf Dauer konnte ich ihrem Feuerwerk aus melodiösen und absolut euphorisierenden Gitarrensongs nicht stand halten. Sie spielten mit soviel Intensität und Inbrunst, daß der Vorwurf der Gekünstelheit abwegig wäre. Sieg in der zweiten Spielhälfte.

16: Okkervil River, Café de la Danse, Paris

Will Sheff und seine Truppe waren im Pariser Café de la Danse in glänzender Form und hielten ihr hohes Tempo durchgängig. Nicht nur die vielen Amis im Publikum hatten ihre helle Freude, auch ich war entzückt. Viel besser als beim Haldern Pop, wo sie leicht enttäuscht hatten.

15: Eleanor Friedberger, La Flèche d'or, Paris

Ein Beleg dafür, daß man auch ganz alleine und nur mit Akustikgitarre große Wirkung erzielen kann. Enormes Charisma & etliche auf Anhieb packende Lieder sorgten für ein ganz ausgezeichnets Konzert. Und Eleanor hatte natürlich auch ihre von Alex Kapranos besungenen Cowboyboots an!

14: Anna Calvi, Festival Rock en Seine, Paris

Anna Calvi ist geradezu beängstigend gut. Gitarrenspiel, Stimme, Styling, alles perfekt. Ihre Konzerte (Haldern toll! Rock en Seine noch besser!) hätten in dieser Wertung durchaus noch viel höher landen können, aber ich denke über kurz oder lang wird sie eh hier irgendwann mal auf Platz eins landen. Bis dahin kann sie warten, sie hat ja schon genug Erfolg...

13: The Black Heart Procession, Café de la Danse, Paris

Unendlich traurig, aber auch sehr tröstlich, dieses Konzert. Und die singende Säge war der Hammer. Famose Band, die noch viel bekannter sein müsste.

12: Alina Orlova, Alhambra, Paris

Hat Alina Orlova aus Litauen eigentlich schon einmal in Deutschland gespielt? Nein? Dann wird es aber Zeit, schließlich gönnen wir Pariser ihr internationalen Erfolg. An ihr mag ich einfach alles. Das gefühlvolle Pianospiel, die Stimme, das liebenswürdige Wesen. Alina Orlovski, ähem, Orlova, dürfte auch in Germany bald in aller Munde (Ohren) sein. Das Konzert im Alhambra, das sie zusammen mit ihrem Cellisten bestrit, war himmlisch!

11: PJ Harvey, Olympia, Paris, 2. Gig

Nur die spröde Kühle der Ausnahmekünstlerin aus England und die damit verbundene nüchterne Atmosphäre im Olympia, verhinderte eine noch höhere Platzierung. Polly Jean Harvey und ihre Band agierten nämlich nahezu perfekt und ließen neben den hochgelobten Stücken von Let England Shake auch ein paar Klassiker ertönen.

10: Chokebore, La Machine du Moulin Rouge

Chokebore aus Hawaii sind die Geilsten. Das wusste ja schon Kurt Cobain, der die Grunge/Sadcore Gruppe um den charismatischen Leader Troy von Balthazar als seine Lieblinsgband bezeichnete. In der knackvollen Machine du Moulin Rouge spielten die Sadcorler ein fulminantes Konzert, das eindrucksvoll unterstrich, daß es viel Sinn machte, 2010 ein Comeback zu starten.

09: Lana del Rey, Canal *, Saint Denis

Ein beeindruckender Auftritt. Famose, sehr wandelbare Stimme, viele Killersongs. Wer die Frau meidet, nur weil es zu viel Hype um sie gibt, verpasst was!

08: Bill Callahan, La Gaité Lyrique, Paris

Callahan ist ein ganz Großer und dieser Auftritt war sein noisigster bisher. Die Schönheit seiner Kompositionen blieb dabei trotzdem nicht auf der Strecke. Er war natürlich wie immer kühl wie eine Hundeschnauze, aber so ist er nun mal, der Bill. Spätestens in 20 Jahren wird man Bob Dylan, Neil Young, Leonard Cohen und Bill Callahan in einem Atemzug nennen, dessen bin ich mir sicher.

07: Laura Veirs, La Maroquinerie, Paris

Die junge Mutter bereitete mir einen ganz wunderbaren Konzertabend. So gut habe ich sie noch nie erlebt und ihre Mitmusiker waren auch ausgezeichnet. Auch sie schon jetzt eine ganz Große in der Folkszene und ich wüsste nicht, wer oder was sie künftig stoppen sollte. Obwohl schon seit einiger Zeit dabei, ist ihr Potential bei weitem noch nicht ausgereizt.

06: Wire, La Machine du Moulin Rouge, Paris

Postpunk-Helden, nach wie vor sensationell gut.

05: Gang Of Four, Le Trabendo, Paris

Postpunk-Helden, nach wie vor sensationell gut.

04: Band Of Horses, La Cigale, Paris

Pferde habe ich keine gesehen, dafür aber eine glänzend aufgelegte Band, die kurz nach ihren als enttäuschend beschriebenen Konzerten in Deutschland Paris mit einem exquisiten Gig beglückte. Es schien fast, als hätten sie die letzten Kraftreserven für diesen Gig in Frankreichs Metropole locker gemacht. Logisch eigentlich, schließlich war dies das letzte Konzert ihrer Europa Tour, da vergisst man dann noch einmal die Müdigkeit, den Tourstress und das Heimweh nach Amerika.

03: Le Prince Miiaou, La Café de la Danse, Paris

Ihr drittes Album Fill The Blank With Your Own Emptiness ist gut, ihre Livekonzerte noch tausendmal besser. Merkt euch diesen Namen (und schreibt ihn richtig, nicht wie die Leute im Olympia). Von Le Prince Miiaou wird man in den kommenden Jahren noch sehr viel hören und lesen. Anfang 2009 gab sie ihr allererstes Konzert in Paris und Ende 2011 war sie bereits Co-Headlinerin zusammen mit Anna Calvi im legendären Olympia vor über 2000 Leuten. Wenn das kein kometenhafter Austieg ist!

02: Syd Matters, Olympia Paris

Syd Matters sind im Olymp des Pariser Pops angekommen. Egal ob reduzierter Folk, melodischer Gitarrenrock oder Postrock, die Band beherrschte alle Stilrichtungen und zeigte eindrucksvoll, daß man es auch ganz ohen Fotomodels, Powerplay im Radio, Medienkampagnen und sonstigen Bullshit ganz nach oben bringen kann.

01: Farewell Poetry, Eglise Saint-Merry, Paris

Boahhh, eyyyyyy! Die Konzerte der experimentellen Rockband aus Paris waren allesamt absolute Knüller. Wer da nicht begeistert den Club/die Kirche verließ, hatte wohl Watte in den Ohren und einen Stein an der Stelle des Herzens. Konzert des Jahres, Album des Jahres, ich verneige mich vor diesen Musikern, die jede Minute in ihr ambitioniertes Projekt stecken, keinerlei Scheuklappen haben, mit etlichen anderen spannenden Musikern kommunizieren und kollaborieren (Gaspar Claus, Jozef van Wissem, Arborea) und einen super Geschmack beweisen. Auch die deutschen Pianisten Nils Frahm und Hauschka gehören zu ihren Favoriten.

* rechts auf dem Foto mit Troy von Balthazar.



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