Mittwoch, 25. Januar 2012

Craig Finn, Paris, 24.01.12


Konzert: Craig Finn

Ort: Fargo Store, Paris
Datum: 24.01.2012

Zuschauer: etwa 25

Konzertdauer. etwa 35 Minuten



Wenn Menschen aus nichtkünstlerischen Berufen ein schweres Herz haben, vertrauen sie sich in der Regel einem Psychologen an. Wenn an Musikern die Seelenpain nagt, schreiben sie traurige Songs, um sich zu erleichtern. So geschehen im Falle von Craig Finn, der hinsichtlich der Lieder seines ersten Solalbums Clear Heart Full Eyes dem angesehenen Uncut Magazin folgends sagte: "I turned 40 in August and wanted to reflect the quieter moments, those softer fears and anxieties."

Aha, die sanfteren Sorgen und Ängste also, wohl in Abgrenzung zu seiner Arbeit mit seiner rockigeren Band The Hold Steady, wo er dann sicherlich die aggressiveren Ängste bekämpft, in dem er sie durch scheppernde, ordentlich rumpelnde Songs verarbeitet.

Heute in Paris zeigte sich Craig von seiner besinnlicheren, intimeren Seite und zog vor etwa 20- 25 Leuten im schönen Fargo Record Store akustisch vom Leder. Ich war zu spät gekommen, weil ich vorher noch zu lange mit meiner Psychologin geplappert hatte (ich sollte Singer/Songwriter werden, dann kann ich mir die Sitzungen vielleicht sparen) und verpasste etwa 10 Minuten des feinen Sets. Dennoch sollte ich es nicht bereuen, nach Oberkampf gefahren zu sein, denn Craig, der zusammen mit einem Pedal Steel Gitarristen erschienen war, bot wirklich ein sehr nahegehendes Konzert, daß er mit knarzig-warmer, whiskeygetränkter (obwohl er hinterher statt Whiskey Bier aus einem Humpen trank) Stimme vortrug. Er klang fast wie Tom Petty,Bruce Springsteen, oder John Cougar Mellencamp, auf jeden Fall wie einer dieser alten Haudegen, bloß daß Craig Finn im Gegensatz zu den Genannten fast niemand kennt.

Auf solche Mainstream-Acts wollte sich Craig Finn hinsichtlich seiner Einflüsse auch nicht berufen, sondern nannte (gegenüber Uncut) stattdessen geschmackssicherere Americana- Legenden wie Townes Van Zandt, Warren Zevon und Neil Young. Aber das hier heute war letztlich vor allem sein eigenes Ding. Es waren seine persönlichen Geschichten die er da singenderweise beschrieb, auch wenn die Texte nicht immer unbedingt autobiografisch gewesen sein mögen. Es ging oft um Einsamkeit, Entfremdung, Selbstfindung, aber auch um Gott. Jesus kam gleich mehrfach vor, nicht nur in dem gelungenen Stück New Friend Jesus. Mit einem schelmischen Lächeln kommentierte Finn anschließend, daß er gestern beim Gig im Ramones Museum in Berlin auf die Idee gekommen sei, statt Jesus vielleicht lieber Jay-Z zu singen, daß hätte mehr Pfeffer.

Sehr schön waren auch Western Pier und Honolulu Blues und die meisten Zuschauer hätten deshalb auch noch deutlich länger zuhören können. Aber Craig Finn hatte nicht ewig Zeit, schließlich befand er sich mitten in einer kleinen Promotour, die ihn am darauffolgenden Tag auch noch nach London führte.





Wer wie ich den Hold Steady Sänger mit seinem Soloalbum live erleben will, hatt am 26. März in Berlin die Gelegenheit dazu. Da wird der in Minnesota groß gewordene Mann die Felice Brothers supporten. Sicherlich ein stimmungsvolles Konzert, auf daß man sich freuen kann!

Craig Finn, Konzerttermine

23.02.2012: Doornroosje, Nijmegen
26.03.2012: Postbahnhof, Berlin
27.03.2012: Tivoli de Helling


Fotos: Archiv




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