Sonntag, 5. Dezember 2010

Sarah Blasko, Paris, 04.12.10


Konzert: Sarah Blasko

Ort: Le Café de la Danse, Paris

Datum: 04.12.2010
Zuschauer: ausverkauft, also circa 450 Konzertdauer: 75 Minuten


Sarah Blasko hätte eigentlich perfekt ins Line-Up des zur Zeit in Paris stattfindenden schwedischen Festivals AÄÖ gepasst. Einziges Problem: In ihrem Pass steht bei Nationalität: Australierin. Musikalisch aber geht sie 100%ig als Schwedin durch. Ihr letztes Album As Day Follows Night wurde von Björn Ytlling (Peter, Björn and John) produziert und ihre Begleitmusiker stammen auch aus dem Land der hübschen blonden Frauen und der großartigen Tennisspieler (Björn Borg war meine erstes Idol!). Logischerweise klingt sie ziemlich stark nach Anna Ternheim oder A Camp. Sarah Blasko ist also eine der schwedischsten Australierinnen der Welt. Oder so.



Die Schwedenpop-Fans aus Paris waren jedenfalls zu Stelle. An vorderster Front meine gute bekannte Valerie Toumayan, die den ganzen Kram filmte. Das Café de la Danse platzte aus allen Nähten. Schon wieder ein ausverkauftes Konzert, wie so oft in den letzten Tagen und Wochen. Falls es eine Krise in der Musikbranche geben sollte, will ich nicht wissen, wie es bei einem Boom zugehen würde. Vermutlich müssten dann alle Mitbürger ihre Wohnzimmer für Konzerte zur Verfügung stellen...

Nachdem Yoav gepflegt gelangweilt hatte, ging es gegen 21 Ihr mit Sarah los. Sie betrat die Bühne, aber ein großer Teil meiner Mitbürger blieb auf dem Boden sitzen. Eine Unsitte, die immer stärker grassiert. Sarko sollte mal Bullen vorbeischicken (ganz scharfe Hunde bitte!) und die Sitzblockierer raustragen lassen, damit hier mal wieder Zucht und Ordnung herrscht! Waren wir hier etwa in einer marokkanischen Teestube? Nein, der Laden nennt sich doch schon dem Namen nach Tanzkaffee, verflucht noch mal!



Sarah Blasko hatte ich dieses Jahr schon einmal gesehen und zwar in der Maroquinerie. Damals war ich hinterher aber nicht unbedingt aus dem Häuschen. Die Gründe hierfür waren schnell gefunden. Die Australierin wirkte ein wenig streng, kühl und unnahbar. Das war auch heute über weite Strecken nicht großartig anders, aber dennoch fand ich deutlich mehr Gefallen an ihrem Set als noch vor 8 Monaten. Von Stück zu Stück ließ ich mich mehr auf die feste, rauchige Stimme der Australierin ein und konnte auch den perfekt ausgeklügelten Arrangements so einiges abgewinnen. Man muss einfach neidlos anerkennen, daß diese Skandavier hervorragende Musiker sind. Sie verspielen sich selten bis nie, kommen nicht aus dem Takt und sind in der Lage, live das Album fast wie auf Platte nachzuspielen. Eine besonders gute Figur machte der Gitarrist, der spielend und scheinbar mühelos von der Akustischen zur Elektrischen wechselte, sich dann auch mal ein Banjo umschnallte, im Stehen trommelte und auch in einer Szene am Piano zum Einsatz kam. Er lieferte eine tadellose Performance ab. Sarah Blasko selbst zeigte stimmlich ebenfalls keinerlei Schwächen. Ihr jazzig angehauchter Gesang bewegte sich durchweg auf sehr hohem Niveau, war jederzeit stabil und sicher und drohte ihr nie zu entgleiten. Eine Ausnahmesängerin, die auch starkes Songmaterial zu präsentieren hatte. Hits gab es reichlich, sie hießen All I Want, We Won't Run oder Bird On A Wire. No Turning Back gegen Ende klang volles Rohr nach My Man My Moon von Feist, aber das fiel nicht sonderlich ins Gewicht, weil es heutzutage kaum noch Künstler gibt, die einen nicht an irgendeinen anderen erinnern. Oder vielleicht höre ich einfach zu viel Musik, das kann auch sein.



Zumindest mit Olivia Newton-John hat Sarah Blasko nicht viel gemeinsam, lässt man mal die australische Herkunft bei Seite. Deshalb klang Blaskos Cover von Xanadu, das als erste Zugabe kam, auch (glücklicherweise ) nicht sonderlich stark nach dem Original, sondern eher nach einem Song aus dem Repertoire von Sarah. Anschließend dann noch ein gehauchtes Night and Day und die Schwedin....ähh, Australierin natürlich!, verließ sichtlich gerührt die Bühne. Wie schön ihre Augen dabei glänzten. Hach!

Aus unserem Archiv:

Sarah Blasko, Paris, 01.04.10

Setlist Sarah Blasko, Café de la Danse, Paris, klick!*

* @ Christoph: Keine Panik, wird morgen hier in ausgeschriebener Form aufgelistet!



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