Mittwoch, 15. Dezember 2010

SuperBravo & Tristan Poupee & Hausmann Tree, Paris, 13.12.10


Konzert: SuperBravo & Tristan Poupée & Hausmann Tree

Ort: La Loge, Paris

Datum: 13.12.10

Zuschauer: 40-50 oder so



Es ist schon ziemlich erstaunlich: wenn Franzosen auf englisch gesungene Popmusik machen, hört man immer sofort, daß die Autoren aus Frankreich kommen. Und ich meine jetzt nicht den niedlichen (schrecklichen?) Akzent, sondern die zarte Melancholie, die quasi allgegenwärtig ist.
Eine Melancholie, die sich von der schwermütigen russischen deutlich unterscheidet. Die Französische ist immer ein großes Stück leichter, sinnlicher, erotischer und klingt so wie Roséwein schmeckt. Ok, meine Vergleiche sind scheiße, aber ich glaube ihr wißt, worauf ich hinaus will, oder? Stilprägend in dieser Hinsicht waren ganz klar Serge Gainsbourg und Jane Birkin. Sie hauchte immer, als würde sie von Oliver Peel höchstpersönlich beglückt und er brummelte mit der Zigarette in der Schnüss so genüßlich als würde er gleich kommen. Ein in Musik vertonter Liebesakt. Natürlich denke ich insbesondere an den berühmten Chanson Je t'aime...moi non plus, den Gainsbourg 1967 zunächst zusammen mit Birgitte Bardot gestöhnt hatte,, bevor 1969 die aus England stammende Birkin den weiblichen Gesangespart übernahm.

Gut dreißig Jahre später singen die meisten Franzosen auf englisch, aber die Grundstimmung ist immer noch ähnlich. Man liebt nach wie vor sinnliche Frauenstimmen und tiefe Männerstimmen. Insofern kam man heute in der Loge voll auf seine Kosten. Armelle Pioline aka SuperBravo hauchte ihre Zeilen süßlich ins Mikro, während Jean Pierre Petit alias Tristan Poupée die Texte eher tief und rauchig brummelte. Der Begleitsound dazu melancholisch, traumversunken, sehnsüchtig. Amüsanterweise klingen heutzutage vor allem Blonde Redhead (sie Japanerin, die beiden Brüder Italiener) besonders französisch, so daß die abschließend auftretenden Haussmann Tree einen ständig an Kazu Makino und die Pace- Zwillinge denken ließen.



Aber mal der Reihe nach. Begonnen hatte den Konzertabend SuperBravo. Die Sängerin von Holden auf Solopfaden hatt erst kürzlich eine schöne Oliver Peel Session geliefert und spielt seitdem immer vor vollem Haus. Ha ha, schön wärs! In Wahrheit muss sie natürlich wie unzählige andere Indiemusiker weiterhin um jeden Fan und Plattenkäufer kämpfen, um irgendwie über die Runden zu kommen. Aber vielleicht hat sie ja heute ein paar neue Anhänger hinzugewonnen, denn die Stücke ihres ersten Albums A Space Without Corner wurden alles andere als übel zum Vortrage gebracht. Richtig begeistert bin ich von Pilgrim, einer Ballade, die sie auch bei unsere Session gespielt hatte (siehe Video) und die heute besonders schön interpretiert wurde. Man muss wissen, daß Armelle alle Instrumente (nun ja eigentlich sind das nur Akustikgitarre und Melodica) selbst spielt, einzelne Passagen dann aber sampelt und an der entsprechenden Stelle abruft (Ist ja modern heute sowas).

Trotzdem geht bei solchen Spielchen immer mal was daneben und so trat die Gute einmal zur falschen Zeit auf ihre Pedale. Aber halb so schlimm, denn selbst ein hochtalentierter Musiker wie Peter Broderick hat kürzlich in der Flèche d'or auch nicht immer ganz das richtige Timing erwischt. Die flotte Disconummer Cars kam trotzdem gut rüber und richtig stark war das Daniel Johnston Cover The Beatles, das Armelle ins Programm aufgenommen hatte, weil John Lennon bekanntlich vor 30 Jahre auf so gemeine Weise um sein Leben gebracht worden war.

Insgesamt ein schönes Konzert von SuperBravo.

Armelle hatte aber noch nicht fertig, denn sie kam auch in der nun auftretenden Band von Tristan Poupée zum Einsatz. Deren Chef Jeanne Pierre begann mit französischem Gesang und beendete das Set auch in der Sprache Molières, sang ansonsten aber alle Texte auf englisch. Sämtliche Lieder wurden von einem esoterischen Orgelsound begleitet, während Armelle im Stehen trommelte und Percussions spielte. Die Musiker (zwei davon, der Chef und der Orgler, sind auch bei der französischen Chansonsängerin Barbara Carlotti beschäftigt) schufen eine atmosphärisch dichte Klanglandschaft, die von der oben beschriebenen typisch französischen Melancholie durchzogen war und überzeugten mit einigen sehr gelungenen Stücken. Auch hier verfolge ich den weiteren Werdegang.

Hausmann Tree schließlich boten das vielleicht beste Konzert des Abends. Beatles meets Blonde Redhead, so in etwa könnte man vielleicht beschreiben, wie das Ganze klang. Ein Vierer aus Paris, der von einem extravaganten Orgler angeführt wurde und auch einen (für französische Verhältnisse) recht beleibten Gitarristen in seinen Reihen hatte, der ganz vorzügliche kleine Melodien aus seiner schönen schwarz-weißen Rickenbacker rauskitzelte. Der Pfundskerl sang auch ab und zu mit einer tollen Falsettstimme und ist im Übrigen auch Mitglied der Band Rover, die in diesem Jahr in französischen Indiekreisen von sich reden machte. Der Basser war wohl nicht etatmäßig. Ich glaube er hieß Esteban und ist ansonsten auch schon in anderen Gruppen zum Einsatz gekommen.



Ob eine Band wie Hausmann Tree (die in Paris bereits im legendären Olympia im Vorprogramm sielen durfte) mal irgendwann nach Deutschland kommt und dortige Bühnen beehrt, ist fraglich, aber zumindest wird Oliver Marguerit 2011 in Germany auftreten. Der famose Gitarrist von Syd Matters saß heute im Publikum, war wegen Hausmann Tree gekommen (ein Ritterschlag?!) und geht mit Syd Matters im Februar 2011 auf Tour durch deutsche Städte. Darauf darf man sich freuen und es wird sicherlich auch ein wenig von der typisch französischen Melancholie zu spüren sein...




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