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Freitag, 19. Juli 2013

1. Tag beim Phono Pop, Rüsselsheim, 12.07.13

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Konzert: Phono Pop Festival mit 
  Wyoming
  Dope
  Ewert and the two dragons
Ort: Altes Opelwerk in Rüsselsheim
Zuschauer:1500
Datum: 12. Juli 2013
Dauer: 30 min +30 min + 45 min 



Immer wieder einmal erwische ich mich bei dem Gedanken, es wäre diesmal echt lohnend einen Blogbeitrag darüber zu schreiben, wie es dazu kam, dass ich das Konzert NICHT besuchen konnte. Gemacht habe ich das aber noch nie.
Die Geschichte meines diesjährigen Phono-Pop Besuches wäre fast so eine unerzählte geworden. Und das obwohl nach dem tollen Vorjahres-Festival der Termin des Phono Pops im Jahr 2013 sofort als unumstößliches Datum in meinen Konzertkalender eingemeißelt war und ich wohl unter dem ersten Dutzend Ticketkäufern zu finden bin.


Dann hatte sich das Schlafdefizit in der Woche extrem summiert - durch drei wunderbare Konzertabende in vier Tagen, die mich nie vor ein Uhr ins Bett entließen. Damit war klar, dass ich am Samstag vernünftiger sein musste und zusammen mit dem Fahrplan der DB ergab sich daraus der Zwang einen frühen Schnitt in der Mitte von SUUNS zu legen. Dazu kam noch zweifacher unerwarteter aber zu seltener Besuch und schwupps, war auf einmal am Freitag Abend auch der Plan für Samstag (nämlich rings um Dear Reader dabei zu sein) perdü.


Aber was soll's. Ich war da und das war wunderbar. Den Rest musste ich mir dann anhand der Berichte von Christoph und der schönen Fotos vorstellen und zusammenreimen. Erste Besucherin auf dem Gelände und Beta-Testerin mit dem Festival-Bändchenverschluss hatte ich diesmal eine Stunde Zeit auf einer Bierzeltgarnitur auch mental beim Phono Pop anzukommen. 


Der Tag war bis dahin mit ziemlich viel wichtigen und dicht gepackten Terminen und Rennerei vollgestopft gewesen, den zum Bersten vollen Zug hatte ich gerade so erreicht. All die damit verbundenen Gedanken musste ich zur Seite schieben. Statt dessen lieber umschauen, wer noch alles der Einladung des Phono Pop gefolgt war und Hallo sagen oder auch nur ein Lächeln schicken. Flugzeugen im Landeanflug hinterherträumen, die Sonne genießen, die entspannte Stimmung in mir aufnehmen und der Bedroomdisco-Mannschaft beim kicken zuschauen.



Als es dann ziemlich pünktlich mit Wyoming losging, war alles bestens. Die Musik ganz mein Geschmack und sympathisch. Das Publikum dabei und die allgemeine Stimmung wie erhofft freudig erregt und doch entspannt. Die etwas verträumte Grundstimmung der Songs funktionierte dank der energetischen Beats sehr gut auf der großen  Bühne und im Sonnenschein.


Einziges Manko, ich kam nicht so fix in den Modus - ganz schnell die Bühnen zu tauschen zwischen Wyoming und The Dope. So verpasste ich bei The Dope den Anfang und verließ das Set dann lieber etwas vorzeitig, damit es mir mit Ewert and the two dragons nicht ähnlich ging. Im Vorhören schon waren mir The Dope recht interessant erschienen und das erwies sich auch live als zutreffend. Es war tanzbar, energetisch, interessant und ein echter Aufmerker, wenngleich es mir in Summe zu laut war. Die Kommunikation mit einer dort neben mir das Konzert genießenden Freundin war ein geschriebenes: Schöner Krach! Alles andere ging nur nonverbal.


Schönes live-Extra für mich zu verfolgen, wie die Haare des Drummers flogen... 
  
Mein im Vorfeld gewähltes persönliches Highlight des Tages in Rüsselsheim waren Ewert and the two dragons. Und tatsächlich waren allein schon die 45 Minuten mit den blonden Männern aus Estland es wert, dass ich mich gegen alle Vernunft entschieden hatte, wenigstens an einem Restprogramm Phono Pop für mich festzuhalten. Christoph hat es im Detail beschrieben. Mir war für die Zeit ein Dauergrinsen im Gesicht festgeklebt. Ringsum erlebte ich auch ein erstaunlich kundiges Publikum. Es wurde textsicher mitgesungen und bei Eingangsakkorden wissend losgejubelt. 



Meine persönlichen Highlights waren wohl Pictures mit dem lässig gespielten Xylophon (mir fielen schon beim hingucken die Arme ab) und Good man down, wo aus dem Publikum schon der geklatschte Takt kam, der erst später von der Band aufgenommen wurde. Die letzten beiden Songs waren schon fast so hymnisch, dass es kurz vor Kitsch war. War aber in dem Moment der schönste vorstellbare Zustand und gar nicht süßlich und damit Nummer 8 der Setlist vielleicht mein schönster persönlicher Moment auf dem diesjährigen Phono Pop.

01: Speechless
02: Jolene
03: Sailorman
04: The rabbit
05: Pictures
06: Good man down
07: Road to the hill
08: (In the end) There's only love

Ehrlich - auch wenn es für Christoph das Konzert des ersten Tages war - SUUNS hat es mir leichter gemacht als gedacht, mich auf den Heimweg zu machen. Nur beim Gedanken an HVOB da machte mein Herz einen kleinen traurigen Hops. Aber wat mutt dat mutt.

Und nächstes Jahr dann wieder! Und vielleicht ja auch mal wieder ein Set ohne Hörschutz?

Aus unserem Archiv:
Christophs Bericht über Ewert and the two Dragons 
Ewert and the two Dragons, Düsseldorf, 3. 10. 2012
Ewert and the two Dragons, Paris, 22. 07. 2012 
Mein Phono Pop 2012: Tag 1 & Tag 2


Mehr Fotos:




Mittwoch, 17. Juli 2013

Suuns, Rüsselsheim, 12.07.13

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Konzert: Suuns
Ort: altes Opelwerk, Rüsselsheim (Phono Pop Festival)
Datum: 12.07.2013
Dauer: 40 min




Manchmal brauche ich ein paar Anläufe, um eine Band toll zu finden. Suuns aus Montréal sind eine der Gruppen der vergangenen Monate. Ich hatte sie auch bereits zweimal vor dem Phono Pop gesehen, war beide Male zu einem gewissen Grade fasziniert, aber mehr eben auch nicht. Ich hatte die Musik der Kanadier vermutlich noch nicht kapiert und hätte Suuns als einen dieser vorschnell gelobten Hypes abgetan, von denen es mehr als genug gibt.


Beim Phono Pop gibt es aber diese beiden Bühnen, die immer abwechselnd bespielt werden. Und weil ich am frühen Freitagabend noch nicht viel gesehen hatte, gab es keinen Grund, Suuns auszulassen.


Und diesmal zündete der durchaus nervige experimentelle Elektro-Kram bei mir sofort und vollkommen. Wenn man sich auf die Stücke der Band einlässt, driftet man herrlich in ihnen weg. Die Stimme des Sängers Ben Shemie kann anstrengend sein, sie kann aber eben auch herrlich betörend werden. Und weil ich über all das nach und nicht während des kurzen Auftritts nachdachte, funktionierten Songs wie 2020, das an Alan Vega erinnernde Sunspot oder das überragende Arena diesmal so gut. Suuns zogen mich restlos in ihren Bann.


Das bedeutet nicht zwangsläufig, daß Suuns mir auch in fünf Jahren noch wichtig sein werden. Aber bei nächster Gelegenheit werde ich sie mir immer wieder ansehen. Alleine, um den Überhit Music won't save you zu hören.

Bestes Konzert des ersten Phono Pop Tages!

Setlist Suuns, Phono Pop Festival, Rüsselsheim:

01: Bambi
02: 2020
03: Arena
04: Edie's dream
05: Pie IX
06: Sunspot
07: Music won't save you



Dear Reader, Rüsselsheim, 13.07.13

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Konzert: Dear Reader
Ort: altes Opelwerk, Rüsselsheim (Phono Pop Festival)
Datum:13.07.2013
Dauer:gut 45 min



Weil ich vor ein paar Wochen ein schlimmes Konzert der Editors in Duisburg erlebt und beschrieben habe, wurde mir meine mangelnde Bereitschaft zu Veränderungen vorgeworfen. Die Editors seien nicht etwa schlecht geworden, mir fehle nur der Horizont, den neuen Stil zu würdigen. Da Musik eine sehr ernste Sache ist, habe ich mir diese Kritik zu Herzen genommen und nachgedacht. Die Arctic Monkeys und die Strokes sind also doch gar nicht doofer geworden und warten darauf, von mir neu entdeckt zu werden. Veränderung ist toll! 

Erstaunlicherweise galt mein engstirniger Frühwerkkonservativismus bei Dear Reader nie. Es ist kein Geheimnis, daß ich den ersten Konzerten als Trio bzw. Quartett nachtrauere, allerdings war auch keiner der Auftritte später reizlos - nur anders:


- bei meinem ersten Konzert als Support von Sophia im Februar 2009 bestand Dear Reader aus Sängerin Cherilyn, Keyboarder Darryl und Schlagzeuger Michael. Eines der wichtigsten Stilelemente waren geloopte Liedsequenzen

- ein paar Monate später im Gebäude 9 kam die südafrikanische Geigerin Jean-Louise dazu, die

- eine Woche später in Nijmegen wieder weg war. Dafür standen mehrere Mitglieder von Get Well Soon mit Dear Reader auf der Bühne

- beim Berlinfestival im gleichen Sommer spielte Jean-Louise wieder mit - mein viertes Mal Dear Reader war das zweite in gleicher Aufstellung


- genau wie in Haldern 2009 (nur die Frisuren waren neu)

- einen Monat später spielte ihr Produzent Brent Knopf zusätzlich Gitarre

- zwischen September 09 und September 11 haben Dear Reader und ich uns nicht gesehen

- trotzdem erkannten wir uns wieder. Allerdings begleiteten jetzt zwei Schweden (die als Marching Band in der Hauptsache auftreten), Jean-Louise und Calexico-Trompeter Martin Wenk die mittlerweile in Berlin lebende Cherilyn

- ein paar Monate später in Wiesbaden ersetzte ein Alex aus Südafrika Martin Wenk

- und ohne Martin oder Alex bestritt die Band das Maifeld Derby 2012

Ganz schön herausfordernd für einen Veränderungsmuffel wie mich.


Im Adamshof, dem Bereich gleich hinter dem Opel-Werkstor, in dem die kleine Bühne aufgebaut war, trat Dear Reader als Duo, bestehend aus Cherilyn und Geiger Sam Vance-Law auf und - um es nach der langen Einleitung nicht zu spannend zu machen - es war auch in dieser Form vorzüglich!

Cherilyn, deren auffälligste Eigenschaft neben ihren musikalischen Talenten ihr
unglaublich charmantes Lächeln ist, stellte sich ans Keyboard, Sam mit Geige auf die andere Seite.

Mich verblüffte, wie wunderbar die Stimmen der beiden zusammenpassen. Sam singt sehr tief, hatte aber bei den ersten Stücken meist nur kleinere Gesangspassagen. Zum ersten Mal richtig trumpfte er bei Whale (BooHoo) vom zweiten Album auf. Großartig klang das!

Gegen Ende des Sets kamen zwei "echte" Duette nacheinander (in denen jeweils Pferde vorkamen), das "Cowboy-Lied" Already are und sensationelle a cappella Stück Victory, das mich an Chumbawamba erinnerte. 


Das kurze Programm bestand hauptsächlich aus Stücken vom aktuellen Album Rivonia; der Platte, auf der Cherilyn Geschichten aus ihrer südafrikanischen Heimat erzählt. Durch die Kürze des Sets blieb wenig Raum für alte Lieblinge. Kein Eisbär, auch wenn er mehrfach gewünscht wurde, aber auch kein Bend. Das Konzert wurde dadurch jedoch keinen Deut schlechter. Die neuen Stücke, die mir zum Teil noch nicht sehr vertraut sind, waren in dieser komprimierten Instrumentierung ganz großartig. Machmal loopte die Sängerin ihre Stimme wieder, manchmal sang Sam bloß "ba da da"s, und es klang immer toll!

Ich habe wirklich nicht gedacht, daß mich Dear Reader immer noch so begeistern können. Daß ich keines der Konzerte der aktuellen Tour gesehen hatte, hatte mir bis Samstag nicht gefehlt, jetzt schon!


Setlist Dear Reader, Phono Pop Festival, Rüsselsheim:

01: Man of the book
02: Took them away
03: Dearheart
04: Good hope
05: Down under, mining
06: Whale (BooHoo)
07: Camel (Not black nor white but camel)
08: From now on
09: Already are
10: Victory
11: What we wanted

Links:

- aus unserem Archiv:
Dear Reader, Freiburg, 21.05.13
Dear Reader, Stuttgart, 13.05.13
Dear Reader, Freiburg, 13.11.12
Dear Reader, Düsseldorf, 04.10.12
Dear Reader, Düsseldorf, 04.10.12
Dear Reader, Mannheim, 19.05.12
Dear Reader, Wiesbaden, 24.01.12
Dear Reader, Paris, 18.01.12
Dear Reader, Weinheim, 15.09.11
Dear Reader, Frankfurt, 11.09.11
Dear Reader, Wien, 08.10.09
Dear Reader, Marburg, 06.10.09
Dear Reader, Düsseldorf, 28.09.09
Dear Reader, Haldern, 15.08.09
Dear Reader, Berlin, 07.08.09
Dear Reader, Paris, 06.05.09
Dear Reader, Nijmegen, 25.04.09
Dear Reader, Köln, 18.04.09
Dear Reader, Paris, 19.02.09
Dear Reader, Köln, 12.02.09 




Sonntag, 14. Juli 2013

The Thermals, Rüsselsheim, 13.07.13

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Konzert: The Thermals
Ort: altes Opelwerk, Rüsselsheim (Phono Pop Festival)
Datum: 13.07.2013
Dauer: 68 min (für 25 Lieder)



"Und es kommen ja immer noch die Thermals," ging mir nach jedem der druchweg guten Konzerte des zweiten Phono Pop Tags durch den Kopf. David Lemaitre mit all den wunderbaren Instrumenten (Frischhaltefolie, Flaschen und Gläser, ein Pappkarton), Dear Reader für mich ganz ungewohnt als Duo und enorm schön, French Films, die lustig-lauten Finnen, Funeral Suits zu Beginn... alles toll und alles hatte meine Meinung bestärkt, daß mein Lieblingsfestival einfach alles richtig macht. Und immer wieder "es kommen ja noch die Thermals!"


In die Band aus Portland habe ich mich 2006 hoffungslos verliebt. 2007 spielten meine Lieblinge erstmals beim Phono Pop, in das ich mich bei dieser Gelegenheit auch verguckt habe. Natürlich wäre ich dieses Jahr auch ohne nach Rüsselsheim gefahren, als meine Lieblinge aber wieder als Headliner fürs Phono Pop bestätigt wurden, bestätigte das all meine Vorurteile über dieses Festival.

Und natürlich war ich mit meiner Vorfreude nicht alleine. Den ganzen Tag hatte ich Spaß, das selbstgemalte "It's Thermals Saturday!" Shirt auf dem Werksgelände zu sehen. Der Träger - und einige andere standen später während des Konzerts auf dem Fotograben-Gatter und hatten strahlende Gesichter - wie alle anderen, die ich sah, wenn ich meine Blicke von den grandiosen Musikern auf der Bühne lösen konnte.


Seit einigen Jahren haben Bassistin Kathy Foster und Sänger Hutch Harris mit Schlagzeuger Westin Glass eine stabile Bandformation gefunden. Bei meinen ersten (beiden, glaube ich) Konzerten gab es noch einen anderen Schlagzeuger, 2006 einen zusätzlichen Gitarristen. Ich weiß ehrlicherweise nicht mehr, wie die alten Musiker waren, Westin vermittelt aber genau die gleiche wilde Freude an den Auftritten, die seine beiden Kollegen vorne verbreiten. Schreihals Hutch (der ein sagenhaft netter Kerl ist), ist schon köstlich anzusehen, seine wippende und hüpfende Partnerin Kathy - die mit Abstand coolste Bassistin! - aber nicht minder! 

Es dauerte nicht lange, bis Hutch erstmals nach unten sprang. Das machen viele Musiker. Aber mit Gitarre im Anschlag? Habe ich noch nicht gesehen! Er machte mehrere Ausflüge nach unten und hätte sicher crowdgesurft, wenn wir vorne dichter gestanden hätten.


Das 2013er Album der Amerikaner, das beim Bright Eyes Label Saddle Creek erschienen ist, habe ich noch nicht oft gehört. Zum einen höre ich viel zu wenig Musik nicht-live, zum anderen bleibe ich bei den Thermals immer bei einer der alten Nur-Hits-Platten hängen. Wie die "neuen" (Desperate Ground ist im April erschienen) live funktionieren, war eine der spannenden Fragen vor dem Konzert. Die andere - viel wichtigere - war, ob ich mit meiner Vermutung richtig liegen würde, daß die großzügig angesetzte Auftrittszeit uns 25 Lieder bescheren könnte.


Die drei Amerikaner spielten viele der neuen Stücke. Bis auf eines der Lieder waren alle neuen Songs im Set enthalten. Und obwohl ich mich über solche Lieblinge wie Fade to gray, St. Rosa, It's trivia oder Returning to the fold am meisten gefreut habe, waren die Titel von Desperate Ground ausnahmslos toll! 

Die Thermals haben nur Hits, wer das bestreitet, hat kein Herz! Da die Band zwischen den Liedern selten überhaupt Pausen macht, ist das Haar in der Suppe, das ich meiner Glaubwürdigkeit zuliebe erwähnen will, daß 70 Minuten Lieblingslieder verflucht anstrengend sein können (also so eine Art Mallorca-Party-Mix des guten Geschmacks). Das Ende an St. Rosa erhöhte die Hitdichte noch einmal deutlich und schloss mit dem 22. Lied des Abends Overgrown, overblown! ab.

Es dauerte eine ganze Weile, bis die Band danach zurückkam. Da ich die Thermals für extrem sympathisch und den Gegenentwurf zu Starallüren halte, war mir aber klar, daß sie wiederkommen würden. Außerdem fehlte mir mein Liebling No culture icons noch. Natürlich kamen Kathy, Hutch und Westin zurück. Sie spielten das letzte der neuen Lieder (The sword by my side), eine der selten gespielten Perlen (Goddamn the light) und zum Abschluß meinen Liebling. 

Wie gut diese Band zu diesem Festival passt. Bescheiden und grandios. Und hoffentlich immer wieder gemeinsam!

Setlist The Thermals, Phono Pop, Rüsselsheim:

01: Where I stand
02: Returning to the fold
03: It's trivia
04: Born to kill
05: I might need for you to kill
06: An ear for baby
07: Faces stay with me
08: The howl of the winds
09: How we know
10: I don't believe you
11: We were sick
12: The sunset
13: My little machine
14: Back to gray
15: I go alone
16: You will be free
17: St. Rosa and the swallows
18: A pillar of salt
19: Now we can see
20: Here's your future
21: Born dead
22: Overgrown, overblown!

23: The sword by my side (Z)
24: Goddamn the light (Z)
25: No culture icons (Z)

Links:

- aus unserem viel zu kleinen Thermals-Archiv
- The Thermals, Dortmund, 30.07.11
- The Thermals, Frankfurt, 15.04.11
- The Thermals, Köln, 03.04.11
- The Thermals, Bochum, 23.10.09
- The Thermals, Haldern, 15.08.09
- The Thermals, Berlin, 08.08.09
- The Thermals, Rüsselsheim, 21.07.07
- The Thermals, Köln, 19.12.06
- The Thermals, Paris, 02.12.06

mehr Fotos kommen nachher noch!

Samstag, 13. Juli 2013

Ewert and the Two Dragons, Rüsselsheim, 12.07.13

3 Kommentare

Konzert: Ewert and the Two Dragons
Ort:altes Opelwerk, Rüsselheim (Phono Pop Festival)
Datum: 12.07.2013
Dauer: knapp 45 min


 

Es dauerte eine Weile, bis ich musikalisch beim Phono Pop Festival angekommen war. Freitäglicher Streß, die gemeinsame Anreise mit holländischen PKW und LKW auf einer nur auf dem Papier dreispurigen Autobahn waren alles andere als entspannend. Wyoming spileten schon, als ich endlich in der alten Opel-Fabrik stand - und bekamen zu wenig Aufmerksamkeit ab. The Dope anschließend auf der kleineren Bühne waren ok, aber nicht weltbewegend.

Richtig in den Musikmodus versetzten mich dann Ewert and the Two Dragons auf der Hauptbühne. In Haldern (und auch sonstwo) hatte ich die Esten verpasst, heute waren sie einer der Höhepunkte. So hatte ich mir das jedenfalls vorgestellt, dabei aber ein wenig Angst, doch nur wieder einen weiteren der zahllosen Mumford and Sons Klone zu sehen, die in den letzten Jahren auftauchten, um ein Stück vom Erfolg der Briten abzubekommen. Bear's Den beispielsweise, die wie Ewert... einen fabelhaften Namen haben, schöne Musik machen, allerdings wie Mumford and Sons durch Butterbrotpapier abgepaust wirken.

Ewert and the Two Dragons entkräfteten meine blöden Vorurteile auf der Stelle. Natürlich steckt eine gehörige Portion "Folk" in ihren Stücken, sie haben aber eine andere Ausrichtung, etwas Frischeres, das ich - wie man merkt - nicht richtig beschreiben kann. Und meine Begeisterung lag nicht etwa an dem mehrmaligen Glockenspiel-Einsatz, mit dem mich die meisten Bands sofort haben, mein liebstes Instrument der Balten war das Piano von Sänger Ewert Sundja! Das klingt jetzt nicht sonderlich clever, aber das Keyboard ist ganz eindeutig das originelle Element der Band.

Beste Stücke der Show waren Pictures und (In the end) There's only love mit sehr viel Glockenspiel. Dabei saß Ewert ganz lässig mit übereinander geschlagenen Beinen hinter seinem Keyboard - toll!

Neben der Musik sorgte Gitarrist Erki Pärnoja für fröhliche Gesichter. Ewert hatte schon ein paar Ansagen auf Deutsch gemacht, als sich der Mann links einschaltete und in (in Hessen ungewöhnlich) akzentfreiem Deutsch ein wenig vor sich herplauderte, sich dann aber entschuldigte "das war eigentlich schon alles, was ich kann."

Ewert and the Two Dragons waren ohne Zweifel die perfekte Ansetzung für diesen sonnigen frühen Abend!

Bis ich musikalisch drin war, dauerte es etwas, das Wohlfühlen auf dem Festival war dagegen sofort da. Ich kenne mittlerweile viel mehr Festivals, als mir lieb ist, aber keines ist so angenehm wie das Phono Pop. Wenn ich mich für ein Festival pro Jahr entscheiden müsste, wäre es Rüsselsheim (auch wenn mir das um Maifeld Derby oder Primavera leid tun würde). Das Publikum ist besser als sonstwo (und komplett frei von betrunkenen Vollidioten), die Organisation top, der Ort mit den beiden Innenhöfen, in denen die Bühnen stehen und über die im Halbminutentakt Flugzeuge fliegen, beeindruckend, die Stimmung wundervoll unaufgeregt. Selbst die Bändchen sind schöner als anderswo! Und über die Stilsicherheit bei der Auswahl der Bands muß man bei den Lineups der letzten acht Jahre eh kein Wort verlieren. Bestes Festival, das ich kenne! 

Setlist Ewert and the Two Dragons, Phono Pop Festival:

01: Speechless
02: Jolene
03: Sailorman
04: The rabbit
05: Pictures
06: Good man down
07: Road to the hill
08: (In the end) There's only love
 


Donnerstag, 26. Juli 2012

We Invented Paris, Rüsselsheim, 20.07.12

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Konzert: We Invented Paris
Ort: Altes Opelwerk, Rüsselsheim (Phono Pop Festival)
Datum: 20.07.2012
Dauer: 45 min


Obwohl die beiden Bühnen des Phono Pop Festivals nah beieinander liegen, kam Freitagabend Hetze auf. Bréton (meine Band der Saison) hatten ein paar Minuten überzogen, We Invented Paris auf der kleinen Bühne nahe dem Werkstor bereits begonnen. Es lief A view that almost killed, als ich vor der Bühne ankam - einer der Hits der Band um den Schweizer Frontmann Flavian Graber. Weil das Lied kurz danach schon vorbei war, gehe ich davon aus, daß ich nichts anderes verpasst habe.

Der melancholische aber doch in der Grundstimmung fröhliche Pop (fragt nicht, was das heißen soll!) von We Invented Paris, stellte einen schönen Kontrast zum hippen, elektrischen Gefrickel der Briten dar, aber auch eine Herausforderung. Unmittelbar nacheinander zwei recht verschiedene Musiken ohne Pause zu hören - und sich darauf einzulassen - ist nicht ganz einfach. Darunter kann dann eine der Bands gnadenlos scheitern in der eigenen Beurteilung, weil Kontraste besonders deutlich werden. Glücklicherweise kannte ich We Invented Paris schon und wußte, was für Musik auf mich zukam. Ich hatte WIP beim Maifeld Derby gesehen, wo sie mir sehr gut gefallen hatten.

Die Band strahlt trotz der melancholischen Zwischentöne durchgängig gute Laune aus. Man merkt in jedem Moment, wie viel Spaß es ihr macht, auf richtigen Bühnen vor vielen Zuschauern (die ihre Texte mitsingen) angekommen zu sein, nachdem sie ihre erste Tour über Couch-Surf Wohnzimmerkonzerte bestritten hat. Da sie dies aufs Publikum übertragen, bereiten mir ihre Konzerte auch sehr viel Freude. Und damit meine ich nicht nur die bewußt eingesetzten Mittel wie die zig Wasserbälle, die zu Bubbletrees (nicht Bubbleteas, ihr hippen Großstadtkids!) ins Publikum geworfen wurden. Wir sollten sie in der Luft lassen während des Stücks. Auch lange nachdem das Lied vorbei war, flogen die bunten Bälle noch hin und her. Toll war das! Eine der Frauen vor mir hatte besonderen Spaß daran und sammelte jeden, den sie in die Hände bekam, um sie weiterzuschmeißen. Mitmachnummern sind nicht meine Sache, diese hier war sehr nett und gefiel mir gut. Das passte gut! Besonders charmant wurde die Aktion aber durch Flavians wundervolle schweizerische Kommentierung. "Das nenne ich mal Sport am Openair!"

Beste Lieder des kurzen Sets waren The busker und A view that almost killed. Gut gefiel mir aber auch Sleeptalker, zu dem zwei der Musiker sich Holzkisten nahmen und auf deren Böden trommelten. Der eine übertrieb dies ein wenig und schlug den Boden aus der Box!

Setlist We Invented Paris, Phono Pop Festival, Rüsselsheim:

01: A view that almost killed
02: Treeless
03: Mont Blanc
04: Bubbletrees
05: The busker
06: Bohème
07: Iceberg
08: Sleeptalker
09: Nothing to say
10: More

Links:

- aus unserem Archiv:
- We Invented Paris, Mannheim, 19.05.12



Montag, 23. Juli 2012

PTTRNS, Rüsselsheim, 21.07.12

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Konzert: PTTRNS
Ort: Alte Opelfabrik, Rüsselsheim (Phono Pop Festival)
Datum: 21.07.2012
Dauer: 40 min


PTTRNS sind nun wirklich nichts für mich. Tanzmusik mit hohen Bee Gees Stimmen, Afrobeats und keine Vokale im Namen, da bin ich raus.

Dummerweise ist es nicht so einfach, das Konzert faszinierte mich nämlich von Beginn an so sehr, daß ich nicht nach ein, zwei Lieder wieder gegangen bin. So hatte ich das ursprünglich geplant. Das übliche "ich habe denen ja eine Chance gegeben, das war aber einfach nichts für mich" funktionierte nicht. Auch wenn ich mit We Were Promised Jetpacks vorher einen tollen Auftritt gesehen hatte, konnte PTTRNS aus Köln als komplettes Kontrastprogramm die Spannungskurve hoch halten, es wurde ein vierzigminütiges Konzert, das verflucht viel Spaß gemacht hat.

PTTRNS sind Daniel Mertens, Benjamin Riedl, Hendrik Frese und Patrick Hohlweck. Neben Bass und Schlagzeug kommen vor allem elektronische Klänge zum Einsatz.

Das Konzert begann damit, daß einer der Musiker im Halbdunkel auf die Bühne kam, sich auf den Boden hockte und da die ersten Klänge erzeugte. Dann kamen seine Kollegen dazu und stiegen ein. Der hohe Gesang von Keyboarder Patrick (dem vom Boden) erinnerte wirklich sehr an Robin Gibb. Der tiefere Gegenpart kam vom Bassisten (Daniel, denke ich). Ab und zu sang auch Schlagzeuger Benjamin; auch er mit Kopfstimme - Barry Gibb...

Die treibenden Rhythmen, vor allem der großartige Bass machten die Musik ungemein spannend. Ich war mir während des Konzerts zwar noch sicher, daß ich mir PTTRNS nie auf Platte anhören würde, obwohl es mir live so viel Spaß machte, bin da jetzt aber gar nicht mehr sicher.

Ich kann leider wieder nicht mit einer Setlist dienen, obwohl ich zu jedem Lied Textfetzen notiert habe. Powder Structures habe ich wiedererkannt. Und so war es dann auch in Rüsselsheim. Nur ohne die Wohnzimmerlampe. Tolles Konzert, alle Achtung!





Yesterday Shop, Rüsselsheim, 21.07.12

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Konzert: Yesterday Shop
Ort: Altes Opelwerk, Rüsselsheim (Phono Pop Festival)
Datum: 21.07.2012
Dauer: gut 35 min


Fast hätte ich Yesterday Shop, die den zweiten Festival-Tag eröffnet haben, verpasst. Am Vorabend hatte ich sehr viele Konzerte gesehen und war froh, eine vermeintlich unwichtige Band am Anfang des Samstags entdeckt zu haben, die mir eine spätere Anreise ermöglichen würde. Unwichtig deshalb, weil ich zwar wusste, daß ich eine Gruppe namens Yesterday Shop dieses Jahr schon gesehen hatte, ich meinte aber, die nicht gemocht zu haben. Ganz sicher war ich aber nicht mehr, also habe ich nachgelesen, wie ich den Auftritt damals (im Januar) fand. Reichlich peinlich, aber für irgendwas muß so ein Tagebuch ja gut sein. Verdammt, ich mochte die ja doch. Und ich hatte mir sogar gewünscht, Yesterday Shop bald wieder zu sehen. Die längere Pause wurde also gestrichen, ich stand pünktlich um vier vor der Hauptbühne, natürlich abgehetzt, die Band ließ sich aber noch etwas Zeit und erschien erst mit zehnminütiger Verspätung.

Warum ich Yesterday Shop als Vorgruppe von Cymbals Eat Guitars in Köln so mochte, erlebte ich schnell wieder. Diese hochmelodiösen Gitarren, die mal ruhig-verträumt sind, um dann auszubrechen, sind wundervoll. Der hohe Gesang, der mich immer wieder an Coldplay erinnerte - und in Köln zunächst gestört hatte, passt hervorragend zu den schnellen Gitarren.

Yesterday Shop sind zu fünft, Schlagzeug, Bass und zwei bis drei Gitarren, ab und zu ein Keyboard. Ich habe leider blöderweise ihre EP verpasst und kenne nur die drei Stücke, die auf ihrer Website veröffentlicht sind. Ich kann daher leider nichts zu den Liedern sagen, die die aus Hamburg/Berliner Band gespielt hat. Das ärgert mich sehr, weil einige der Titel ganz hervorragend waren.

Besonders gut gefiel mir das letzte Stück. Dabei wurde am Ende der Refrain geloopt, und die Band verließ nach und nach die Bühne.

Yesterday Shop waren ein verdammt guter Auftakt in den zweiten Festivaltag. Daß man selbst die Konzerte um vier Uhr nicht verpassen durfte, macht so ein Wochenende in Rüsselsheim zwar zu einer noch größeren Herausforderung für die Kondition, spricht aber vor allem für des famose Lineup des Festivals. Wie Yesterday Shop so sind, werde ich nicht noch einmal vergessen. Die werde ich ganz sicher wiedersehen.

Setlist Yesterday Shop, Phono Pop, Rüsselsheim:

01: Fat Man & Little Boy
02: Winter Act I.
03: Paris Syndrom
04: Execution
05: Goodbye my Friend
06: Modern Philosophy
07: Paralyzing
08: We like Chopin

Links:

- Yesterday Shop, Köln, 12.01.12



Sonntag, 22. Juli 2012

Talking To Turtles, Rüsselsheim, 21.07.12

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Konzert: Talking To Turtles
Ort: Altes Opelwerk (Phono Pop Festival)
Datum: 21.07.2012
Dauer: 40 min



Am Morgen des Festival-Samstags ist mir etwas Blödes passiert: ich musste nachlesen, wie ich ein Konzert fand, das vor gerade mal sechs Monaten stattgefunden hatte. Die Idee hinter diesem Konzerttagebuch war zwar usprünglich genau dies, sich an Auftritte zu erinnern, die man irgendwann gesehen hat. Nötig ist das aber eigentlich nicht. Denn wie bei Fuschzetteln ist es auch bei Konzertberichten so, daß mit dem Schreiben der eigentliche Zweck hinfällig wird, weil das den Gig schon fest im Gedächtnis verankert. Ich weiß bei den meisten Konzerten noch, wo ich stand oder saß (und nicht nur deshalb, weil ich im Gebäude 9 gerne an immer der gleichen Stelle stehe). Nach einem halben Jahr nicht mehr zu wissen, wie ich eine Band fand, erschreckt mich. Fast hätte ich dadurch Yesterday Shop verpasst, dazu aber da mehr.

Damit ich mich an ein Konzert lange gut erinnere, reicht eigentlich schon eine Kleinigkeit. I Like Trains und ihre Setlist auf einem Brötchen (!) in der Frankfurter (na?) Brotfabrik, das Konzert werde ich nie vergessen. Bei Talking To Turtles war es ein Zwischenruf, der den besonderen Moment darstellte. "Lach doch mal!" zur grimmig guckenden Bassistin und ihr verweifelter Kampf anschließend, den großen Lachanfall zu verhindern, waren großartig!

Talking To Turtles sind eigentlich Claudia Göhler und Florian Sievers. Als ich sie im Dezember in Wiesbaden bei einem wundervollen Adventskonzert gesehen habe, standen sie mit Björn Kleinhenz und Sir Simon auf der Bühne, heute begleitete sie die innerlich lachende Bassistin, deren Namen ich leider nicht weiß.

Mit der Musik der Band geht es mir ähnlich wie mit Me And My Drummer. Im Prinzip finde ich sie toll, ich möchte das auch, die ganz tiefe Begeisterung hat sich leider aber noch nicht eingestellt. Auch Talking To Turtles sind mir manchmal zu brav. Daher hatte ich mich zwar auf den Auftritt am Samstagnachmittag gefreut, furchtbar viel hatte ich aber nicht erwartet.

Ob es an der fröhlichen Bassistin oder dem plötzlichen Sonnenschein lag, daß mich das Konzert viel mehr begeisterte, bezweifele ich. Das Konzert war einfach gut, die Musik passend, der fehlende Biss hier und da (zum Beispiel beim wunderbaren Beam me up Scotty) egal. Also höchste Zeit, über das Tolle an Talking To Turtles zu sprechen, davon gibt es reichlich. Die beiden festen Bandmitglieder passen in jeder Hinsicht perfekt zu einander. Während Florian meist mit geschlossenen Augen sang und in sich gekehrt wirkte, strahlte Claudia übers ganze Gesicht. Daß ihr großartiges gelbes Akkordeon dann auch noch von einer Firma Fröhlich stammte, war nur konsequent.

Auch die Stimmen der beiden harmonieren toll. Der etwas quäkende Gesang von Florian wird von Claudias klarem aber nicht unähnlichen perfekt ergänzt. Dazu kommen Keyboard, Gitarre, Glockenspiel, Mundharmonika und eine einzelne Bassdrum.

Talking To Turtles spielten Lieder von beiden Platten. Neben der fabelhaften Single Grizzly hugging gefielen mir bsonders Stones through thin glass vom Debüt Monologue und Wonky cradle.

Auch wenn das hier alles überkritisch klingt, hatte ich eine sehr gute Zeit mit Talking To Turtles. Ich will die Band schon lange richtig gut finden, und genau das habe ich Samstag in der Herbstsonne von Rüsselsheim erlebt! An das Konzert werde ich mich also nicht nur wegen des Lachaufrufs erinnern! Der war trotzdem großartig...

Setlist Talking To Turtles, Phono Pop Festival, Rüsselsheim:

01: In the future
02: Stones through thin glass
03: Wonky cradle
04: Grizzly hugging
05: Too rough
06: Short stories long
07: Crumbs
08: Beam me up Scotty
09: Monster's teeth
10: Fingers crossed

Links:

- Talking To Turtles, Wiesbaden, 13.12.11



We Were Promised Jetpacks, Rüsselsheim, 21.07.12

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Konzert: We Were Promised Jetpacks
Ort: Altes Opelwerk, Rüsselsheim (Phono Pop Festival)
Datum: 21.07.2012
Dauer: gut 45 min



Sänger Adam Thompson lief schon beim ersten Stück der Schweiß in Strömen durchs Gesicht. We Were Promised Jetpacks sind keine Kammerpop-Band. Es ist schwer, Höhepunkte des Phono Pop Festivals auszumachen, das Programm war durchgängig zu gut, um große Abstufungen zu machen. We Were Promised Jetpacks fielen trotzdem auf, weil sie für die großen Gitarrenmomente standen.

Die Schotten sind eine dieser Bands, die immer wieder haarscharf an der Grenze vorbeischrappen, an der der eingesetzte Pathos eklig wird. Hymnische Gitarrenbands erliegen oft der Versuchung, große Stadionhymnen schreiben zu wollen. Die White Lies fallen mir da als Beispiel ein. Die Musik von We Were Promised Jetpacks bleibt glücklicherweise immer auf der richtigen Seite dieses Grats. It's thunder and it's lightning ist ein schönes Beispiel dafür. Glasvegas mögen das Stück ganz bestimmt, sie würden es aber eklig interpretieren.

An dem kalten aber klaren Sommerabend zwischen den hohen Wänden der alten Opelfabrik knallten die lauten, druckvollen Lieder grandios durch den Innenhof; es war eines dieser Konzert, das einen schnell in einen Rausch spielen. Das ist übrigens auch meine Ausrede, warum ich keine komplette Setlist notiert habe. Obwohl Adam mit sagenhaft breitem schottischen Akzent singt (er ist quasi der britische Wolfgang Niedecken), war er eigentlich perfekt verständlich. Meine Mitschrift gibt trotzdem nichts her; mein Gedächtnis nicht viel mehr als eine Handvoll Titel . Aber das ist auch egal, We Were Promised Jetpacks hätten jeden Titel ihrer beiden Platten spielen dürfen, es wäre perfekt gewesen!

Mich störten auch die Rockstar-Gesten nicht - Bühnenshows bei Rockbands sind ja genauso gefährlich wie Pathos. Man will, daß sich die Band bewegt, sobald aber Gitarren (oder Haare) für Dinge benutzt werden, die nicht ihr ursprünglicher Zweck sind, wird es schnell fies. Daß Gitarrist Michael Palmer sein Instrument gerne hochreckt, hat mich nicht weiter gestört, er konnte sich das erlauben.

45 Minuten dauerte der Dauerrausch. Vorher hatten Steaming Satellites aus Österreich das einzige Konzert des Tages gespielt, das nichts für mich war. We Were Promised Jetpacks waren dafür umso eindrucksvoller, und wenn es nicht so kühl gewesen wäre, wäre auch beim Publikum der Schweiß in Strömen geflossen.

Auszug aus der Setlist We Were Promised Jetpacks, Phono Pop Festival:

- Short burts
- Roll up your sleeves
- Sore thumb
- Boy in the backseat
- It's thunder and it's lightning


Me Succeeds, Rüsselsheim, 20.07.12

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Konzert: Me Succeeds
Ort: Altes Opelwerk, Rüsselsheim (Phono Pop Festival)
Datum: 20.07.2012
Dauer: gut 30 min



Die Vormittage* auf Festivals sind häufig eine Qual. Da werden örtliche Schülerbands, Gewinner von Nachwuchswettbewerben der zuständigen Brauerei oder andere Lückenfüller aufgeboten. Anders ist das beim Phono Pop Festival. Das eröffnete am Freitag mit Me Succeeds, deren letzte Platte ich mir (leider erst) kurz vorher angehört hatte. Leider, denn die minimalistische Musik des Hamburger Trios gefällt mir seitdem ganz ausgezeichnet! Definitiv eine Band, die ich nicht verpassen wollte - ach Unsinn, nicht verpassen durfte. Und definitiv ein Auftritt, der einen eigenen Bericht verlangt!

Es war leider noch nicht schrecklich viel los, als die drei Musiker die Bühne betraten, ein Bassist, eine Keyboarderin, die mir bekannt vorkam, die ich aber nicht einordnen konnte und ein Gitarrist. Keyboard, Bass, Gitarre klingt nicht schrecklich spannend. Es kamen eine Oboe, Glockenspiel und Melodica dazu, und es wurde alles andere als unspannend!

Das erste Stück Beneath kannte ich vom aktuellen Album Rongorongo. Der nebeneinander liegende Gesang der Keyboarderin und des Gitarristen, ihre ganz zarte Stimme, die unglaublich fesselnd ist, der getriebene elektronische Rhythmus... wow! Welch ein Knüller!

Nach dem zweiten Stück, das ich nicht (er)kannte, das aber besonders toll war, weil es immer schneller und treibender wurde!), fiel der Name Mohna. Natürlich, daher kannte ich die Sängerin! Die Hamburgerin hatte in Olivers Wohnzimmer gespielt. Dort wurde sie u.a. auch von Sebastian Kokus begleitet, dem Bassisten von Me Succeeds.

Die halbe Stunde Konzert verflog viel zu schnell. Ich kam kaum nach, alles in mir aufzunehmen, keinen der vielen hervorragenden Momente zu verpassen. Da war zum Beispiel das kurze Seventeen. Wenn mir das jemand als neues Notwist Stück vorgespielt hätte, ich hätte es sofort geglaubt! Oder dieses wundevolle Our charm, ein Lied, das gehetzt klingt, das durch Mohnas Gesang aber gleichzeitig beruhigt wird. Keine tolle Beschreibung, hört es euch bitte an, wie alles von Me Succeeds. Welch eine Perle gleich zu Beginn des Festivals!

"We have lost our charm," heißt es im Abschlußlied. Eine dreiste Lüge!

Setlist Me Succeeds, Phono Pop Festival, Rüsselsheim:

01: Beneath
02: neu (siehe hier)
03: Books
04: That's why I cast a shadow
05: Seventeen
06: The srews holding it together
07: Our charm

Links:

- Oliver Peel Session mit Mohna, Paris, 14.03.10



* "Vormittag" bedeutet, die ersten zwei, drei Bands

Danke an Gitarrist Lorin für den Link zum neuen Stück!


Phono Pop Festival, 2. Tag, Rüsselsheim, 21.07.12

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Festival: Phono Pop
Ort: Altes Opelwerk, Rüsselsheim
Datum: 21.07.2012 (Tag 2)


von Gudrun aus Karlsruhe

Es ist immer wieder lustig: Sobald man (bewußt oder unbewußt) ein Bild davon hat, wie ein Tag wird, kommt es meist ganz anders. Zum Beispiel ein zweiter Festivaltag, wo man sich doch nach dem ersten Tag wie ein alter Hase fühlt...

Immerhin - meine im ersten Bericht geäußerten Wünsche wurden am zweiten Tag des Phono Pops aufs schönste erfüllt:
1) die Stimmung war weiter so gut und
2) das Wetter hielt sich nicht nur,
es wurde über Nachmittag und Abend immer besser. Ab dem Set von Talking to Turtles schien fast die ganze Zeit die Sonne. Wirklich ein Geschenk des Himmels für dieses wunderbare Festival!

Selbstverständlich war musikalisch alles top (wie erwartet und besser).

Aber an diesem Tag lag das Opel Werksgelände in der Einflugschneise des Frankfurter Flughafens. Die Anlage ließ dem damit verbundenen Fluglärm nicht wirklich eine Chance, sich störend auszuwirken, aber mein inneres Kind musste immer wieder fasziniert auf die zum greifen nahen Riesenvögel zeigen und sich daran ergötzen: Schau mal noch eins und noch eins und wie groß DAS ist... Und wenn dann zu den ersten Akkorden von U.F.O so eine richtig fette Boeing den Adamshof überfliegt und sich auch das Brummen in die Musik einfügt ist das ein ziemlich abgefahrenes Gefühl.

Waren am ersten Tag für mich die musikalischen Highlights wirklich dicht an dicht gesetzt (und dass ich ein Set ausgelassen hatte, um wenigstens etwas zu trinken und zu essen bereute ich dann schon fast nach begeisterten Berichten über das entgangene Konzert), lief der zweite Tag überhaupt nicht so perfekt durchgetaktet. Es ging schon mit etwas Verspätung auf der Hauptbühne los und damit klappte es ohnehin nicht mit dem fliegenden Wechsel.

Vielleicht lag es aber auch ein Stück weit daran, dass schon so viel Musikerlebnisse ''im Sack'' waren, dass ich an diesem zweiten Tag einiges entspannter unterwegs war. Ich habe mir mehr Zeit genommen, um mit Leuten zu reden und zu essen und zu trinken und hatte mit den vollständig erlebten Sets von Yesterday Shop, Talking to Turtles und Rue Royale drei wunderschöne Konzerte obenauf zu zu legen, ohne mich so abzuhetzen wie am ersten Tag. Dazu ein paar Eindrücke von anderen Konzerten, die zwar nicht zählen als Konzerterlebnis, aber für die positive Grundstimmung des Festivalerlebnisses.

Drittens war es die Rücksicht auf die eigenen Kraftreserven. Ich hatte mich frühzeitig entschieden, auf die letzten Sets zu verzichten, um noch eine vernünftige Zugverbindung nach Hause nutzen zu können und nicht nachts Wartezeit auf obskuren Bahnhöfen zu haben (immer wieder gern genommen: Bruchsal um 1:39 Uhr). Somit kann ich hier nicht vom grandiosen Abschied mit Nada Surf berichten. Aber wenn ich sage, dass auch ganz ohne dies der zweite Tag rundum einfach nur toll und gelungen war, sagt dies doch auch etwas aus über das Festival: denn hier gab es einfach keine zum aufwärmen benutzten acts, die mal bißchen üben sollten, sondern hier ging es gegen 16:15 Uhr gleich richtig zur Sache und das Prinzip wurde facettenreich durchgezogen bis zum Höhepunkt gegen Mitternacht (den Höhepunkt glaube ich hier Christoph einfach mal unbesehen!).

Die jungen Männer von Yesterday Shop spielten ein zugleich energetisches wie inniges Set. Die Musik gefiel mir so gut, dass ich mir die verfügbare EP mit nach Hause genommen habe. Es war sehr Gitarren-bestimmt aber zwischendurch immer wieder mit diesen Wendungen ins Euphorische die einerseits für so ein Sommerkonzert schön sind, aber auch von CD im Wohnzimmer gut bei mir funktionieren. Dies war also ein klarer Aufmerker für mich und eine Liveempfehlung an die werte Leserschaft.

Richtig toll fand ich dann das Set von Talking to Turtles. Ich verstieg mich gleich anschließend zu der Behauptung: Besseres wird kaum noch nachkommen können (natürlich rein subjektiv, wie immer hier).

Auch mit etwas Abstand betrachtet, stimmte dies. Zwischen Claudia Göhler am Keyboard (Akkordeon, Xylophon und ein paar Knöpfen) und Florian Sievers an den Gitarren entstand während der musikalischen Darbietung sozusagen deutlich sichtbar ein Geflecht an hin und her fließender Energie. Sie erzählten eine gemeinsam verarbeitete Lebensgeschichte als Musik für das Publikum nachvollziehbar. Dargereicht um sich darin zu spiegeln und daraus sinnvolle Schlüsse zu ziehen (sicher mehr mit dem Bauch als dem Kopf, aber ich weiß nicht, wie der Bauch redet), um darüber zu lächeln, wie sehr sich manches gleicht und was man für schöne Worte dazu finden kann. Irgendwie gestärkt kam ich mir im Anschluss vor.

Und Claudia Göhler strahlte und strahlte und machte uns alle glücklich. Die Frau am E-Bass stand ein bißchen wie daneben und ließ sich auch vom freundlichen Lächeln nicht anstecken. So macht halt jede/r ihrs/seins...

Was mir übrigens auch ein besonderer Genuss war: das war das erste
Konzert auf dem Phono Pop das ich ohne Gehörschutz geniessen konnte.

Ein Programmpunkt, der mich sofort für das Lineup des Phono Pop eingenommen hatte, war dass Rue Royale dort spielen würden. Als wir uns zuletzt in Göttingen sahen, hatte ich noch das Werbematerial ausgehängt, nun war es tatsächlich so weit, dass wir uns auf dem Festival wieder sehen und hören würden.

Es war nett, Rue Royale schon vorher im Festivalgetümmel zu treffen und kurz zu sprechen. Dies war zu einem frühen Zeitpunkt, als es wirklich noch sehr ruhig war und die Geschichte mit dem Wetter noch etwas unentschieden. Trotzdem schienen sie sich wohl zu fühlen.

Ich habe sie ja im laufenden Jahr schon mehrfach erleben dürfen. Nie ist ein Konzert wie ein anderes, aber hier in Festivalathmosphäre haben sie mich doch noch einmal richtig überrascht. Die bekannten Lieder waren hier noch eine Spur energetischer und für das viel größere Publikum mit passendem Druck präsentiert. U.F.O wurde direkt zur Stadionhymne und Crater in den Wechseln zwischen sehr leise und intim zu herausrufend esktatisch ein Abschluss, nach dem es dem Publikum
sichtlich schwer fiel, nun ohne Zugabe gehen zu müssen.

Im Publikum sah ich einige Fans mitsingen, aber auch alle anderen, denen der Name bis dahin nicht viel gesagt hatte, ließen sich mitnehmen und schließlich mitreißen und Rue Royale wurden wirklich abgefeiert. Alle die dabei waren können bezeugen, dass diese zarte Frau am Keyboard und der Mann mit Gitarre und Fußtrommel das Phono Pop zu ihren Füßen liegen hatten und im Energielevel den Jungs-Gitarren-Bands nichts schuldig blieben.

Hinterher bildete sich am Merch eine richtige Schlange und es gab viele glückliche Gesichter - nicht zuletzt das von Ruth. Was diesmal etwas fehlte war das Wortgeplänkel zwischen den Liedern. Beide wirkten sehr konzentriert und wollten den Zeitrahmen wohl auch möglichst genau einhalten. Neben Talking to Turtles war dies das einzige Set, was ich ohne Ohrschutz genießen konnte. Das geht also auch auf einem Festival!

Fazit der zwei Tage in Rüsselsheim:
Einen großen Dank an die Organisatoren!
Ein großer Dank an alle Bands und Mitkonzertbesucher für die schöne Zeit zusammen! Schön auch, dass die Bahnfahrer gut dran waren.

Ich fühle mich noch Glücks-trunken und werde wohl eine Weile brauchen, um alles gut weg zu sortieren als Vorrat für schlechtere Zeiten und ich würde gern wiederkommen.

Offene Wünsche gibt es nur wenige:
Weniger Lautstärke, mehr Damentoiletten und ein klein bisschen Verschnaufpause eingebaut, damit man auch mal am Merch schauen kann und sich nicht sorgen muss, ob es an der anderen Bühne vielleicht schon losgegangen ist.

Setlist Rue Royale, Phono Pop Festival, Rüsselsheim:

01: Get me Standing
02: Parachutes
03: Guide to an escape
04: Even in the darkness
05: Halfway blind
06: We'll go on alright
07: U.F.O.
08: Crater

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