Posts mit dem Label Talking To Turtles werden angezeigt. Alle Posts anzeigen
Posts mit dem Label Talking To Turtles werden angezeigt. Alle Posts anzeigen

Samstag, 13. September 2014

Sound of Bronkow, Tag 1, Dresden, 05.09.14

0 Kommentare

Sound of Bronkow Music Festival 
Tag 1 mit den Konzerten von
  Warm Graves (35 min)
  Talking to Turtles (50 min)
  Bad Braids (45 min)
Ort: Societaetstheater Dresden
Datum: 5. September
Zuschauer: knapp 300


Es gibt viele Aspekte, die ich am Sound of Bronkow Festival liebe. Z.B. fällt man aus der Flaniermeile unversehens in einen Ort der Ruhe und Kontemplation. An diesem ersten Abend war es aber ganz besonders jenseitig, als wäre ich in ein Raumschiff gestiegen, das am Abend in extrem entfernten Orten der Welt andockte. Der erste Eindruck - ganz besonders surreal und andersweltig waren Warm Graves aus Leipzig. 


Was sie lieferten war sich ostinato-mäßig wiederholend mit eine Prise Psychedelik und etablierten Rockschemen. Zu dritt standen sie auf der Bühne mit vielen Tasten, einer E-Gitarre und einem wummernden und treibenden Schlagzeug. Der Gesang kam wie aus dem Jenseits unwirklich und auch etwas unheimlich - jedenfalls ganz und gar nicht von dieser Welt. Deshalb wohl auch bei mir die Assoziation des Raumschifffluges gleich zu Beginn. Es wurde keine Pause (z.B. zum klatschen) gemacht, sondern Stück an Stück gereiht, aneinandergewebt. Ein interessanter Beginn - leider war es zu laut (blieb damit aber für die nächsten Tage der einzige Act bei dem ich im Konzert Hörschutz nötig hatte).



Mit Spannung und Vorfreude hatte ich auf Talking to Turtles gewartet. Ganz anders als der Auftakt im Keller tupften sie ihre Welt in den großen Saal. Es startete als Sitzkonzert, aber schnell wurde es voll und noch voller und dann irgendwann klar, dass der Andrang so groß war, dass nur im Stehen des Publikums Platz für alle wurde.

 

Die beiden auf der Bühne nahmen die damit einhergehenden Gymnastikübungen im Publikum und die Unruhe gelassen und strömten zwar Konzentration auf ihre neuen Lieder, aber gleichzeitig gute Stimmung aus. Für Beam me up Scotty durften wir die Bühne virtuell einebnen und ein bisschen mittun. Und zu Boys gab es eine lange schöne Geschichte. Überhaupt wurde viel geredet und das Publikum nahm Musik und drumrum mit viel Liebe und Applaus auf. Das Konzert war wohl mein privater Höhepunkt des Abends - beglückend und wunderschön! Wunderschön waren auch die Projektionen auf die Spitzendeckchen über die Bühne. Sie nahmen stets ein Stück weit die Stimmung der Stücke auf und überhöhten damit die Wirkung ein Stück weit.



Setlist Talking to Turtles:
01. Gravity
02. Gold
03. Passenger Seat
04. A car, a beer, cigarettes
05. Green
06. Beam me up, Scotty
07. Waves
08. Boys
09. Fling
10. Shoelaces


Tourdaten
11.09. Leipzig - Conne Island
12.09. München - Milla - Live Club
13.09. Wiesbaden - Schlachthof Wiesbaden
14.09. Berlin - Privatclub Berlin
16.09. Bochum - Bahnhof Langendreer Bochum Kulturzentrum
18.09. Jena - Café Wagner Jena e.V.
19.09. Freiburg - The Great Räng teng teng
20.09. Düsseldorf - FFT Düsseldorf 



Bad Braids ist ein Projekt von Megan Biscieglia aus Philadelphia. Angekündigt war ihre Musik als qualvoll und verstörend und mit Anklängen an Joanna Newsome. Sie begann das Konzert mit schräger Musik vom Band und stellte sich allein mit ihrer E-Gitarre auf die Bühne. Man hatte schon das Gefühl, dass die Mehrheit aus dem Saal im Vestibül bei Marble Man blieb (vielleicht auch draußen quatschte oder rauchte). Das Publikum im kleinen Saal war jedenfalls im Vergleich zum gerade erlebten übervollen Saal recht übersichtlich. Aber die da waren ließen sich ein auf herbe Musik mit sehr präsenter E-Gitarre zu einer eindrücklichen Frauenstimme, die uns etwas zu sagen hatte.  Es waren sehr intensive 40 min, die aber wieder so aus einer ganz anderen Sphäre der Galaxien zu kommen schienen. Sweet sweet devil ging mir noch eine ganze Weile nach. Und dass es dem Publikum - so wie mir - wirklich gut gefallen hat, ließ sich daran ablesen, dass Megan für eine Zugabe zurückgerufen wurde.


Setlist Bad Braids:
01. Our Course
02. Mara
03. Oh Righteous one
04. Grey sky
05. Jackal
06. Wonder
07. Glory, Glory 

08. ?? (Z)


Tourdaten Bad Braids:
11.09. Schwarzenberg, Galerie Rademann
13.09. Karlsruhe, Wohnzimmerkonzert
15.09. Paris, Le Pop In
18.09. Brussels, Cafe Central
19.09. Tilburg, Incubate Off Festival (day show)
20.09. Kiel, Prinz Willy
22.09. Hamburg, Hasenschaukel


Alle Fotos:


Aus unserem Archiv:
Abschlussabend Sound of Bronkow 2014

Sound of Bronkow 2014 Tag 3
Sound of Bronkow 2014 Tag 2 
 
Sound of Bronkow 2013 Tag 3
Sound of Bronkow 2013 Tag 2
Sound of Bronkow 2013 Tag 1
Sound of Bronkow 2012 Tag 3
Sound of Bronkow 2012 Tag 2
Sound of Bronkow 2012 Tag 1
Die höchste Eisenbahn, Stuttgart, 11.01.14 
Talking to Turtles, Reutlingen, 25.07.14
Talking To Turtles, Rüsselsheim, 21.07.12
Talking To Turtles, Rüsselsheim, 21.07.12
Talking To Turtles, Wiesbaden, 13.12.11




Sonntag, 27. Juli 2014

Burning Eagle Tag 1, Reutlingen, 25.07.14

0 Kommentare

Burning Eagle Festival Tag 1 mit
  The Gentle Lurch (45 min)
  Talking to Turtles (45 min)
  Kalle Mattson (45 min)
Ort: Listhof bei Reutlingen
Datum: 25. Juli 2014



Was hoffe ich auf Festivals zu finden? Natürlich das besondere musikalische Livererlebnis, aber - ehrlich gesagt - auch eine Umgebung, die etwas mit mir macht und evt. auch mit den Künstlern. Nach meiner Erfahrung ist das gar nicht so einfach. Aber wenn es gelingt - was für eine Zaubermacht so ein Ausflug entfalten kann!


Im letzten Jahr war es mit dem Burning Eagle und mir so eine Liebe auf den ersten Blick und auch beim Eintreffen 2014 gab es wieder diesen Flash: Was für ein wunderhübsches Fleckchen Erde wurde hier entdeckt und wie wurde es für das Festival mit Liebe, Rücksicht und Witz herausgeputzt. Und dieses freudige Augenblitzen sah ich in ganz vielen Gesichtern beim Eintauchen in das Gelände. Ein Stückchen Paradies!


Mein Festival hatte dieses Jahr schon auf dem Bahnhof in Karlrsuhe angefangen. Zu fünft waren wir auf dem Weg nach Reutlingen und vier von uns freuten sich schon auf die Musik am Listhof. Bei unserer Ankunft am Berg trafen dicke Tropfen das Taxi (die Busse streikten) und es ging kurz danach ein ordentlicher Gewitterguss auf das Gelände nieder. Aber noch unter meinem Schirm gebeugt und auf die Pfützen schauend war das Gefühl schon da: Wie schön es hier ist! 


Nachdem ich im eigentlichen Festivalgelände angekommen war, war der Guß zum Glück schon am Ende und die Bühnen wurden gerade von den größten Pfützen befreit. Wieder war es einfach nur wunderschön zu sehen, wie das Gelände zurechtgemacht war und nur ein kleiner Dämpfer, dass das erste Konzert ausfiel (auf den nächsten Tag verschoben war). Ein wenig Hallo und Wie geht es? und umschauen, welche Essensoptionen ich später nutzen würde und dann war es so weit, dass The Gentle Lurch (aus Dresden) den musikalischen Teil eröffneten.


Die Personen auf der Bühne waren mir größtenteils bekannt, aber mit dem Projekt hatte ich sie noch nicht live erlebt. Es war großartig, überraschend, vielfältig und ließ niemanden kalt. Es gab viel Applaus und Anfeuerungen. Die Aufgaben waren in jedem Stück wieder ein bisschen anders verteilt Neli Mothes, Lars Hiller und Frank Heim sangen abwechselnd und zusammen, Timo Lippold am Bass und Ronny Wunderwald in seiner unnachahmlichen Art am Schlagzeug gaben das Fundament.  Just an diesem Freitag war das dritte Album der Band in das Licht der Öffentlichkeit getreten.


In manchen Stücken fühlte ich mich an Lambchop erinnert, vieles war auch ganz ohne Vergleich für mich. Die einzelnen Stimmen drückten jeweils ihren ganz eigenen Stempel auf die Songs. Ein bisschen Wüstenluft wehte durch das Set manches würde als Abspann zu einem Clint Eastwood Film passen mit einer verhalten positiven Auflösung aber ohne Hollywood-Zuckerguss. 



Talking to Turtles hatte ich zuletzt vor zwei Jahren gesehen und ich war sehr gespannt auf neues Material. Am 15. August soll ja das neue Album Split erscheinen. Diesmal standen sie zu zweit auf der kleineren Bühne und hatten offensichtlich so richtig Lust auf den Auftritt. Die Heiterkeit liegt ja wohl zum einen in der Natur der beiden und auch ein bisschen in der Musik und das wurde natürlich bereitwillig vom Publikum gespiegelt.


Es wurde fleißig mitgesungen und geklatscht. Neues Material gab es leider nicht so viel wie ich gehofft hatte - nur drei Stücke. Aber auch die vertrauten Stücke sind ja noch immer so schön wie beim ersten hören. 


Kalle Mattson stand mit zwei Mitmusikern auf der großen Bühne. So ein junger Kerl dachte ich bei mir - aber er füllte mit seinem Charme, seiner Musik und seiner Präsenz auch den Raum vor der Bühne. Obwohl er "nur" mit Gitarre, Bass und Tasten (also z.B. ohne Schlagzeugdruck) seine Musik präsentierte. Und auch der eine Weile einsetztende Regen konnte die Begeisterung nicht dämpfen. Die von der Trompete gesetzten Glanzlichter passten wunderbar und es war hoffentlich auch für ihn ein stimmungsvoller Abschied von Europa für das laufende Jahr. Auch wenn er wohl mit seiner Frisur, die von der nassen Luft geformt wurde, nicht ganz zufrieden war.


Nach dem Set blieb mir noch eine Abschiedsrunde über das Gelände, ein Abstecher zum Albgold und dann eine zuckelige Fahrt zurück nach Karlsruhe. In Erinnerung bleiben von dem Tag die vielen glücklichen Gesichter, die Gelassenheit, das mit Händen fassbare Glück in der Luft.

Mehr Bilder: 




Tourdaten Talking to Turtles:

06.09. Rostock // Peter Weiss Haus
11.09. Leipzig // Conne Island
12.09. München // Milla
13.09. Wiesbaden // Schlachthof
14.09. Berlin // Privatclub
16.09. Bochum // BHF Langendreer
18.09. Jena // Cafe Wagner 
19.09. Freiburg // The Great Räng Teng Teng
20.09. Düsseldorf // FFT

 

Aus unserem Archiv:
Talking To Turtles, Rüsselsheim, 21.07.12
Talking To Turtles, Rüsselsheim, 21.07.12
Talking To Turtles, Wiesbaden, 13.12.11

David Lemaitre, Mannheim, 02.06.13  
Burning Eagle, Tag 2, 2013
Burning Eagle, Tag 1, 2013




Sonntag, 22. Juli 2012

Talking To Turtles, Rüsselsheim, 21.07.12

0 Kommentare

Konzert: Talking To Turtles
Ort: Altes Opelwerk (Phono Pop Festival)
Datum: 21.07.2012
Dauer: 40 min



Am Morgen des Festival-Samstags ist mir etwas Blödes passiert: ich musste nachlesen, wie ich ein Konzert fand, das vor gerade mal sechs Monaten stattgefunden hatte. Die Idee hinter diesem Konzerttagebuch war zwar usprünglich genau dies, sich an Auftritte zu erinnern, die man irgendwann gesehen hat. Nötig ist das aber eigentlich nicht. Denn wie bei Fuschzetteln ist es auch bei Konzertberichten so, daß mit dem Schreiben der eigentliche Zweck hinfällig wird, weil das den Gig schon fest im Gedächtnis verankert. Ich weiß bei den meisten Konzerten noch, wo ich stand oder saß (und nicht nur deshalb, weil ich im Gebäude 9 gerne an immer der gleichen Stelle stehe). Nach einem halben Jahr nicht mehr zu wissen, wie ich eine Band fand, erschreckt mich. Fast hätte ich dadurch Yesterday Shop verpasst, dazu aber da mehr.

Damit ich mich an ein Konzert lange gut erinnere, reicht eigentlich schon eine Kleinigkeit. I Like Trains und ihre Setlist auf einem Brötchen (!) in der Frankfurter (na?) Brotfabrik, das Konzert werde ich nie vergessen. Bei Talking To Turtles war es ein Zwischenruf, der den besonderen Moment darstellte. "Lach doch mal!" zur grimmig guckenden Bassistin und ihr verweifelter Kampf anschließend, den großen Lachanfall zu verhindern, waren großartig!

Talking To Turtles sind eigentlich Claudia Göhler und Florian Sievers. Als ich sie im Dezember in Wiesbaden bei einem wundervollen Adventskonzert gesehen habe, standen sie mit Björn Kleinhenz und Sir Simon auf der Bühne, heute begleitete sie die innerlich lachende Bassistin, deren Namen ich leider nicht weiß.

Mit der Musik der Band geht es mir ähnlich wie mit Me And My Drummer. Im Prinzip finde ich sie toll, ich möchte das auch, die ganz tiefe Begeisterung hat sich leider aber noch nicht eingestellt. Auch Talking To Turtles sind mir manchmal zu brav. Daher hatte ich mich zwar auf den Auftritt am Samstagnachmittag gefreut, furchtbar viel hatte ich aber nicht erwartet.

Ob es an der fröhlichen Bassistin oder dem plötzlichen Sonnenschein lag, daß mich das Konzert viel mehr begeisterte, bezweifele ich. Das Konzert war einfach gut, die Musik passend, der fehlende Biss hier und da (zum Beispiel beim wunderbaren Beam me up Scotty) egal. Also höchste Zeit, über das Tolle an Talking To Turtles zu sprechen, davon gibt es reichlich. Die beiden festen Bandmitglieder passen in jeder Hinsicht perfekt zu einander. Während Florian meist mit geschlossenen Augen sang und in sich gekehrt wirkte, strahlte Claudia übers ganze Gesicht. Daß ihr großartiges gelbes Akkordeon dann auch noch von einer Firma Fröhlich stammte, war nur konsequent.

Auch die Stimmen der beiden harmonieren toll. Der etwas quäkende Gesang von Florian wird von Claudias klarem aber nicht unähnlichen perfekt ergänzt. Dazu kommen Keyboard, Gitarre, Glockenspiel, Mundharmonika und eine einzelne Bassdrum.

Talking To Turtles spielten Lieder von beiden Platten. Neben der fabelhaften Single Grizzly hugging gefielen mir bsonders Stones through thin glass vom Debüt Monologue und Wonky cradle.

Auch wenn das hier alles überkritisch klingt, hatte ich eine sehr gute Zeit mit Talking To Turtles. Ich will die Band schon lange richtig gut finden, und genau das habe ich Samstag in der Herbstsonne von Rüsselsheim erlebt! An das Konzert werde ich mich also nicht nur wegen des Lachaufrufs erinnern! Der war trotzdem großartig...

Setlist Talking To Turtles, Phono Pop Festival, Rüsselsheim:

01: In the future
02: Stones through thin glass
03: Wonky cradle
04: Grizzly hugging
05: Too rough
06: Short stories long
07: Crumbs
08: Beam me up Scotty
09: Monster's teeth
10: Fingers crossed

Links:

- Talking To Turtles, Wiesbaden, 13.12.11



Phono Pop Festival, 2. Tag, Rüsselsheim, 21.07.12

0 Kommentare
Festival: Phono Pop
Ort: Altes Opelwerk, Rüsselsheim
Datum: 21.07.2012 (Tag 2)


von Gudrun aus Karlsruhe

Es ist immer wieder lustig: Sobald man (bewußt oder unbewußt) ein Bild davon hat, wie ein Tag wird, kommt es meist ganz anders. Zum Beispiel ein zweiter Festivaltag, wo man sich doch nach dem ersten Tag wie ein alter Hase fühlt...

Immerhin - meine im ersten Bericht geäußerten Wünsche wurden am zweiten Tag des Phono Pops aufs schönste erfüllt:
1) die Stimmung war weiter so gut und
2) das Wetter hielt sich nicht nur,
es wurde über Nachmittag und Abend immer besser. Ab dem Set von Talking to Turtles schien fast die ganze Zeit die Sonne. Wirklich ein Geschenk des Himmels für dieses wunderbare Festival!

Selbstverständlich war musikalisch alles top (wie erwartet und besser).

Aber an diesem Tag lag das Opel Werksgelände in der Einflugschneise des Frankfurter Flughafens. Die Anlage ließ dem damit verbundenen Fluglärm nicht wirklich eine Chance, sich störend auszuwirken, aber mein inneres Kind musste immer wieder fasziniert auf die zum greifen nahen Riesenvögel zeigen und sich daran ergötzen: Schau mal noch eins und noch eins und wie groß DAS ist... Und wenn dann zu den ersten Akkorden von U.F.O so eine richtig fette Boeing den Adamshof überfliegt und sich auch das Brummen in die Musik einfügt ist das ein ziemlich abgefahrenes Gefühl.

Waren am ersten Tag für mich die musikalischen Highlights wirklich dicht an dicht gesetzt (und dass ich ein Set ausgelassen hatte, um wenigstens etwas zu trinken und zu essen bereute ich dann schon fast nach begeisterten Berichten über das entgangene Konzert), lief der zweite Tag überhaupt nicht so perfekt durchgetaktet. Es ging schon mit etwas Verspätung auf der Hauptbühne los und damit klappte es ohnehin nicht mit dem fliegenden Wechsel.

Vielleicht lag es aber auch ein Stück weit daran, dass schon so viel Musikerlebnisse ''im Sack'' waren, dass ich an diesem zweiten Tag einiges entspannter unterwegs war. Ich habe mir mehr Zeit genommen, um mit Leuten zu reden und zu essen und zu trinken und hatte mit den vollständig erlebten Sets von Yesterday Shop, Talking to Turtles und Rue Royale drei wunderschöne Konzerte obenauf zu zu legen, ohne mich so abzuhetzen wie am ersten Tag. Dazu ein paar Eindrücke von anderen Konzerten, die zwar nicht zählen als Konzerterlebnis, aber für die positive Grundstimmung des Festivalerlebnisses.

Drittens war es die Rücksicht auf die eigenen Kraftreserven. Ich hatte mich frühzeitig entschieden, auf die letzten Sets zu verzichten, um noch eine vernünftige Zugverbindung nach Hause nutzen zu können und nicht nachts Wartezeit auf obskuren Bahnhöfen zu haben (immer wieder gern genommen: Bruchsal um 1:39 Uhr). Somit kann ich hier nicht vom grandiosen Abschied mit Nada Surf berichten. Aber wenn ich sage, dass auch ganz ohne dies der zweite Tag rundum einfach nur toll und gelungen war, sagt dies doch auch etwas aus über das Festival: denn hier gab es einfach keine zum aufwärmen benutzten acts, die mal bißchen üben sollten, sondern hier ging es gegen 16:15 Uhr gleich richtig zur Sache und das Prinzip wurde facettenreich durchgezogen bis zum Höhepunkt gegen Mitternacht (den Höhepunkt glaube ich hier Christoph einfach mal unbesehen!).

Die jungen Männer von Yesterday Shop spielten ein zugleich energetisches wie inniges Set. Die Musik gefiel mir so gut, dass ich mir die verfügbare EP mit nach Hause genommen habe. Es war sehr Gitarren-bestimmt aber zwischendurch immer wieder mit diesen Wendungen ins Euphorische die einerseits für so ein Sommerkonzert schön sind, aber auch von CD im Wohnzimmer gut bei mir funktionieren. Dies war also ein klarer Aufmerker für mich und eine Liveempfehlung an die werte Leserschaft.

Richtig toll fand ich dann das Set von Talking to Turtles. Ich verstieg mich gleich anschließend zu der Behauptung: Besseres wird kaum noch nachkommen können (natürlich rein subjektiv, wie immer hier).

Auch mit etwas Abstand betrachtet, stimmte dies. Zwischen Claudia Göhler am Keyboard (Akkordeon, Xylophon und ein paar Knöpfen) und Florian Sievers an den Gitarren entstand während der musikalischen Darbietung sozusagen deutlich sichtbar ein Geflecht an hin und her fließender Energie. Sie erzählten eine gemeinsam verarbeitete Lebensgeschichte als Musik für das Publikum nachvollziehbar. Dargereicht um sich darin zu spiegeln und daraus sinnvolle Schlüsse zu ziehen (sicher mehr mit dem Bauch als dem Kopf, aber ich weiß nicht, wie der Bauch redet), um darüber zu lächeln, wie sehr sich manches gleicht und was man für schöne Worte dazu finden kann. Irgendwie gestärkt kam ich mir im Anschluss vor.

Und Claudia Göhler strahlte und strahlte und machte uns alle glücklich. Die Frau am E-Bass stand ein bißchen wie daneben und ließ sich auch vom freundlichen Lächeln nicht anstecken. So macht halt jede/r ihrs/seins...

Was mir übrigens auch ein besonderer Genuss war: das war das erste
Konzert auf dem Phono Pop das ich ohne Gehörschutz geniessen konnte.

Ein Programmpunkt, der mich sofort für das Lineup des Phono Pop eingenommen hatte, war dass Rue Royale dort spielen würden. Als wir uns zuletzt in Göttingen sahen, hatte ich noch das Werbematerial ausgehängt, nun war es tatsächlich so weit, dass wir uns auf dem Festival wieder sehen und hören würden.

Es war nett, Rue Royale schon vorher im Festivalgetümmel zu treffen und kurz zu sprechen. Dies war zu einem frühen Zeitpunkt, als es wirklich noch sehr ruhig war und die Geschichte mit dem Wetter noch etwas unentschieden. Trotzdem schienen sie sich wohl zu fühlen.

Ich habe sie ja im laufenden Jahr schon mehrfach erleben dürfen. Nie ist ein Konzert wie ein anderes, aber hier in Festivalathmosphäre haben sie mich doch noch einmal richtig überrascht. Die bekannten Lieder waren hier noch eine Spur energetischer und für das viel größere Publikum mit passendem Druck präsentiert. U.F.O wurde direkt zur Stadionhymne und Crater in den Wechseln zwischen sehr leise und intim zu herausrufend esktatisch ein Abschluss, nach dem es dem Publikum
sichtlich schwer fiel, nun ohne Zugabe gehen zu müssen.

Im Publikum sah ich einige Fans mitsingen, aber auch alle anderen, denen der Name bis dahin nicht viel gesagt hatte, ließen sich mitnehmen und schließlich mitreißen und Rue Royale wurden wirklich abgefeiert. Alle die dabei waren können bezeugen, dass diese zarte Frau am Keyboard und der Mann mit Gitarre und Fußtrommel das Phono Pop zu ihren Füßen liegen hatten und im Energielevel den Jungs-Gitarren-Bands nichts schuldig blieben.

Hinterher bildete sich am Merch eine richtige Schlange und es gab viele glückliche Gesichter - nicht zuletzt das von Ruth. Was diesmal etwas fehlte war das Wortgeplänkel zwischen den Liedern. Beide wirkten sehr konzentriert und wollten den Zeitrahmen wohl auch möglichst genau einhalten. Neben Talking to Turtles war dies das einzige Set, was ich ohne Ohrschutz genießen konnte. Das geht also auch auf einem Festival!

Fazit der zwei Tage in Rüsselsheim:
Einen großen Dank an die Organisatoren!
Ein großer Dank an alle Bands und Mitkonzertbesucher für die schöne Zeit zusammen! Schön auch, dass die Bahnfahrer gut dran waren.

Ich fühle mich noch Glücks-trunken und werde wohl eine Weile brauchen, um alles gut weg zu sortieren als Vorrat für schlechtere Zeiten und ich würde gern wiederkommen.

Offene Wünsche gibt es nur wenige:
Weniger Lautstärke, mehr Damentoiletten und ein klein bisschen Verschnaufpause eingebaut, damit man auch mal am Merch schauen kann und sich nicht sorgen muss, ob es an der anderen Bühne vielleicht schon losgegangen ist.

Setlist Rue Royale, Phono Pop Festival, Rüsselsheim:

01: Get me Standing
02: Parachutes
03: Guide to an escape
04: Even in the darkness
05: Halfway blind
06: We'll go on alright
07: U.F.O.
08: Crater

Links folgen!

Mittwoch, 14. Dezember 2011

Björn Kleinhenz, Talking To Turtles, Sir Simon, Wiesbaden, 13.12.11

4 Kommentare

Konzert: Björn Kleinhenz, Talking To Turtles, Sir Simon (About Songs Christmas Tour)
Ort: Spiegelsaal, Walhalla, Wiesbaden
Datum: 13.12.2011
Zuschauer: rund 50
Dauer: gut 110 min


Weihnachten und Musik passen nicht zusammen. Ab November ist Radiohören noch tabuer als im restlichen Jahr*. Das Gedudel, das uns (bzw. den anderen) dann als weihnachtlich verkauft wird, ist noch deutlich unerträglicher als der gewöhnliche Popabfall und hat wirklich gar nichts mit Musik zu tun. Geht weg, ihr fiesen Para-Musiker und Radiomusikredakteure! Möge eure Weihnachtsgans** widerlich tranig schmecken für das alljährliche akustische Waterboarding!

Zur "About Songs Christmas Tour" zu gehen, barg also ein gewisses Kitsch- und Schmalzrisiko, dem ich mich eigentlich nicht aussetzen wollte. Die drei Künstler, die
diese Tour gemeinsam bestreiten sollten, ließen meine Neugierde größer als meine Angst werden, ich fuhr also kurzentschlossen nach Wiesbaden.

In der hessischen Kurstadt kenne ich nur den Schlachthof als Konzertort. Der wird allerdings gerade umgebaut, also kam ich in den Genuß, in einen spektakulären mir neuen Veranstaltungsort zu gehen. Das Walhalla scheint ein ehemaliges Theater oder Lichtspielhaus (nicht Kino) zu sein, das heute einen etwas runtergekommenen aber deutlich spürbaren Charme hat und als Kino und Konzert- und Theaterstätte genutzt wird. Der Spiegelsaal mit bröckeligem Stuck und
einem eindrucksvollen Kronleuchter bietet eine fabelhafte Kulisse für Konzerte. Der kleine foyerartige Raum war bestuhlt und bot etwa 50 Zuschauern Sitzplätze. Auf der Bühne befand sich zwar allerlei weihnachtlicher Lichterkram (u.a. ein Rentier zweifelhaften Ursprungs), aber das passte durchaus.

Um halb neun betrat der Chef des Hamburger Labels DevilDuck Records ans Mikro und stellte die beteiligten Musiker vor. Jörg Tresp ist Urheber einer About Songs Veranstaltungsreihe und der daraus hervorgegangenen Tourneeidee.

Sir Simon, die Band von Simon Frontzek, der wiederum Keyboarder bei Tomte ist, habe ich noch nicht gesehen. Simon alleine hatte in Köln vor ein paar Jahren das Vorprogramm von British Sea Power bestritten und mir dabei gut gefallen. Heute war
Sir Simon aber die Bandversion, gemeinsam mit Laury Reichart, der ein wunderbares Luke und Leia T-Shirt trug. Talking To Turtles haben mich vor einiger Zeit für sich gewonnen, gesehen habe ich das Duo aber noch nicht. Claudia Göhler und Florian Sievers haben 2011 ihr zweites Album veröffentlicht, das enorm charmante, kanadisch klingende Indiepop-Songs enthält. Vervollständigt wurde das Lineup von Björn Kleinhenz, dem in Deutschland geborenen Schweden, der für mich in die Kategorie schwedischer Singer/Songwriter gehört, die ich wahnsinnig schätze (mit Pelle Carlberg und Jens Lekman).

Was macht man dann mit fünf Musikern an einem solchen Abend? Sie spielten gemeinsam, so als wäre nichts natürlicher! Zum ersten Stück (Nine to five) stellte
sich Simon ans Mikro, Björn ans Schlagzeug, Laury an die Gitarre, Florian an den Bass und Claudia ans Keyboard. Sänger des zweiten Lieds war Björn, Simon wurde Bassist, Florian spielte Banjo und Laury Schlagzeug. Es folgte Grizzly hugging von Talking To Turtles, bei dem Simon die Drums spielte und Björn den Bass.

Die Bands hatten die Lieder der anderen in drei Tagen einstudiert. Und es ging hier nicht um zwei, drei Stücke, die gemeinsam einzuproben waren. Das Konzert dauerte fast zwei Stunden und enthielt immerhin sieben Songs jedes Künstlers! Von Unsicherheiten war trotzdem so wirklich gar nichts zu spüren. Es war, als spielten die fünf seit Jahren gemeinsam ihr Repertoire - großartig!

Ein einziges Mal gab es eine kleinere Unsicherheit, aber auch die war äußerst charmant. Laury stimmte vor einem (Talking To Turtles) Lied das
Gemeinschaftsbanjo. Er wurde und wurde nicht mit dem Klang zufrieden (auch der Gurt des Instruments passte ihm kaum - Björn hatte ihm irgendwann ein Kissen als Polster angeboten). "Die klingen ja nie gut, aber so beschissen..." Bis sich plötzlich Björn Kleinhenz einmischte (wohlgemerkt bei einem ihm fremden Lied): "Laury, brauchst du nicht eher die Klarinette?"

[Wieder einmal Gelegenheit, meinen Lieblings-Musikwitz unterzubringen. "Wie klingt eine Klarinette am besten? Leise knisternd in einem Kaminfeuer!"]


Trotz des vielen Wechselns war es ein Konzert aus einem Guß. Es gab keinerlei Hänger, keine schwächere Phasen. Die meisten Lieder wurden gemeinsam bestritten, ab und zu verließen die "songfremden" Musiker aber auch die Bühne und setzten sich an den Rand oder in die erste Stuhlreihe.

Besonders spannend fand ich heute Talking To Turtles, weil ich gehofft hatte, die Band dieses Jahr live zu erleben. Die Lieder des Duos leben zum einen von den fragil
klingenden Stimmen der beiden, zum anderen von den sich steigernden Melodien. Neben Grizzly hugging gefiel mir Monster's teeth besonders gut. Aber auch der Rest war überaus hörenswert!

Sir Simons neue Platte kenne ich noch nicht. Aber auch deren Stücke machten Lust darauf, das zu ändern. Goodnight, dear mind und
Birthday, Christmas, New Year waren hier die Höhepunkte! Bei Björn Kleinhenz schließlich begeisterte mich ein alter Liebling besondes: Tredje Långgatan 26 von Quietly happy and deep inside.

Nach knapp vierzig Minuten verabschiedeten sich die Bands in eine kleine Pause. Es
sei schließlich ein Theater, in dem sie spielten. Björn kam als erster schnell zurück. "Ich will weiterspielen. Hier ist schließlich eine Bühne."

Diese Spielfreude merkte man in jedem kleinen Stückchen. Auch das Publikum hatte reichlich Spaß! Auch als die drei Zugaben vorbei waren (es endete mit dem grandiosen Cindy Lauper Cover Girls just wanna have fun durch Simon alleine), ließ der Applaus nicht nach und konnte nur durch Musik vom Band gebremst werden.

Geht also doch, Weihnachten und Popmusik zu verbinden. So ganz ohne Mariah Carey oder Chris Rea. Bitte alle Jahre wieder!

Setlist About Songs Christmas Tour, Walhalla, Wiesbaden:

01: Nine to five (Sir Simon)
02: The king of rock'n'roll (Björn Kleinhenz)
03: Grizzly hugging (Talking To Turtles)
04: I am in numbers (Talking To Turtles)
05: Monster's teeth (Talking To Turtles)
06: 16 degrees C (Sir Simon)
07: Goodnight, dear mind... (Sir Simon)
08: Mellow my mind (Neal Young Cover) (Björn Kleinhenz solo)
09: Head held high on fearsome pride (Björn Kleinhenz solo)

[Pause]

10: Starlet Queen (Björn Kleinhenz solo)
11: Can't make my day (Talking To Turtles)
12: Betong (Björn Kleinhenz)
13: The last year (Sir Simon solo)
14: Comfort noise (Sir Simon)
15: Fingers crossed (Talking To Turtles)
16: Wonky cradle (Talking To Turtles)
17: Birthday, Christmas, New Year (Sir Simon)
18: Tredje Långgatan 26 (Björn Kleinhenz)

19: China blue (Björn Kleinhenz solo) (Z)
20: Short stories long (Talking To Turtles solo) (Z)
21: Girls just wanna have fun (Cindy Lauper Cover) (Sir Simon Battle solo) (Z)

Tourdaten About Songs Christmas Tour:

14.12.: Oberhausen - Druckluft
15.12.: Bielefeld - Forum
16.12.: Bremen - Zollkantine
17.12.: Hannover - Feinkost Lampe
18.12.: Hamburg - Hasenschaukel


* außer dem Indie-DLF, der geht natürlich immer
** oder die Würstchen



 

Konzerttagebuch © 2010

Blogger Templates by Splashy Templates