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Freitag, 19. Juli 2013

1. Tag beim Phono Pop, Rüsselsheim, 12.07.13

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Konzert: Phono Pop Festival mit 
  Wyoming
  Dope
  Ewert and the two dragons
Ort: Altes Opelwerk in Rüsselsheim
Zuschauer:1500
Datum: 12. Juli 2013
Dauer: 30 min +30 min + 45 min 



Immer wieder einmal erwische ich mich bei dem Gedanken, es wäre diesmal echt lohnend einen Blogbeitrag darüber zu schreiben, wie es dazu kam, dass ich das Konzert NICHT besuchen konnte. Gemacht habe ich das aber noch nie.
Die Geschichte meines diesjährigen Phono-Pop Besuches wäre fast so eine unerzählte geworden. Und das obwohl nach dem tollen Vorjahres-Festival der Termin des Phono Pops im Jahr 2013 sofort als unumstößliches Datum in meinen Konzertkalender eingemeißelt war und ich wohl unter dem ersten Dutzend Ticketkäufern zu finden bin.


Dann hatte sich das Schlafdefizit in der Woche extrem summiert - durch drei wunderbare Konzertabende in vier Tagen, die mich nie vor ein Uhr ins Bett entließen. Damit war klar, dass ich am Samstag vernünftiger sein musste und zusammen mit dem Fahrplan der DB ergab sich daraus der Zwang einen frühen Schnitt in der Mitte von SUUNS zu legen. Dazu kam noch zweifacher unerwarteter aber zu seltener Besuch und schwupps, war auf einmal am Freitag Abend auch der Plan für Samstag (nämlich rings um Dear Reader dabei zu sein) perdü.


Aber was soll's. Ich war da und das war wunderbar. Den Rest musste ich mir dann anhand der Berichte von Christoph und der schönen Fotos vorstellen und zusammenreimen. Erste Besucherin auf dem Gelände und Beta-Testerin mit dem Festival-Bändchenverschluss hatte ich diesmal eine Stunde Zeit auf einer Bierzeltgarnitur auch mental beim Phono Pop anzukommen. 


Der Tag war bis dahin mit ziemlich viel wichtigen und dicht gepackten Terminen und Rennerei vollgestopft gewesen, den zum Bersten vollen Zug hatte ich gerade so erreicht. All die damit verbundenen Gedanken musste ich zur Seite schieben. Statt dessen lieber umschauen, wer noch alles der Einladung des Phono Pop gefolgt war und Hallo sagen oder auch nur ein Lächeln schicken. Flugzeugen im Landeanflug hinterherträumen, die Sonne genießen, die entspannte Stimmung in mir aufnehmen und der Bedroomdisco-Mannschaft beim kicken zuschauen.



Als es dann ziemlich pünktlich mit Wyoming losging, war alles bestens. Die Musik ganz mein Geschmack und sympathisch. Das Publikum dabei und die allgemeine Stimmung wie erhofft freudig erregt und doch entspannt. Die etwas verträumte Grundstimmung der Songs funktionierte dank der energetischen Beats sehr gut auf der großen  Bühne und im Sonnenschein.


Einziges Manko, ich kam nicht so fix in den Modus - ganz schnell die Bühnen zu tauschen zwischen Wyoming und The Dope. So verpasste ich bei The Dope den Anfang und verließ das Set dann lieber etwas vorzeitig, damit es mir mit Ewert and the two dragons nicht ähnlich ging. Im Vorhören schon waren mir The Dope recht interessant erschienen und das erwies sich auch live als zutreffend. Es war tanzbar, energetisch, interessant und ein echter Aufmerker, wenngleich es mir in Summe zu laut war. Die Kommunikation mit einer dort neben mir das Konzert genießenden Freundin war ein geschriebenes: Schöner Krach! Alles andere ging nur nonverbal.


Schönes live-Extra für mich zu verfolgen, wie die Haare des Drummers flogen... 
  
Mein im Vorfeld gewähltes persönliches Highlight des Tages in Rüsselsheim waren Ewert and the two dragons. Und tatsächlich waren allein schon die 45 Minuten mit den blonden Männern aus Estland es wert, dass ich mich gegen alle Vernunft entschieden hatte, wenigstens an einem Restprogramm Phono Pop für mich festzuhalten. Christoph hat es im Detail beschrieben. Mir war für die Zeit ein Dauergrinsen im Gesicht festgeklebt. Ringsum erlebte ich auch ein erstaunlich kundiges Publikum. Es wurde textsicher mitgesungen und bei Eingangsakkorden wissend losgejubelt. 



Meine persönlichen Highlights waren wohl Pictures mit dem lässig gespielten Xylophon (mir fielen schon beim hingucken die Arme ab) und Good man down, wo aus dem Publikum schon der geklatschte Takt kam, der erst später von der Band aufgenommen wurde. Die letzten beiden Songs waren schon fast so hymnisch, dass es kurz vor Kitsch war. War aber in dem Moment der schönste vorstellbare Zustand und gar nicht süßlich und damit Nummer 8 der Setlist vielleicht mein schönster persönlicher Moment auf dem diesjährigen Phono Pop.

01: Speechless
02: Jolene
03: Sailorman
04: The rabbit
05: Pictures
06: Good man down
07: Road to the hill
08: (In the end) There's only love

Ehrlich - auch wenn es für Christoph das Konzert des ersten Tages war - SUUNS hat es mir leichter gemacht als gedacht, mich auf den Heimweg zu machen. Nur beim Gedanken an HVOB da machte mein Herz einen kleinen traurigen Hops. Aber wat mutt dat mutt.

Und nächstes Jahr dann wieder! Und vielleicht ja auch mal wieder ein Set ohne Hörschutz?

Aus unserem Archiv:
Christophs Bericht über Ewert and the two Dragons 
Ewert and the two Dragons, Düsseldorf, 3. 10. 2012
Ewert and the two Dragons, Paris, 22. 07. 2012 
Mein Phono Pop 2012: Tag 1 & Tag 2


Mehr Fotos:




Montag, 17. Juni 2013

The Veils, Frankfurt, 14.06.13

3 Kommentare

Konzert: The Veils 
Datum: 14.06.2013
Ort: Das Bett, Frankfurt 
Zuschauer: ca. 200 
Dauer: The Veils ca. 75 Minuten, Wyoming ca. 40 Minuten 


von Ursula von neulich als ich dachte


The Veils also. Als mein Freund erwähnte, dass er uns dank seines Plattenblogs Gästelistenplätze fürs Konzert im Frankfurter Bett gesichert hatte, ging ich eigentlich davon aus, dass es sich um eine Band handeln würde, die noch ganz am Anfang ihrer Karriere steht. Erst kurz vor dem Konzert erkannte ich, dass The Veils bereits mehrere Alben veröffentlicht hatten, und soeben las ich auf Wikipedia, dass die Band (allerdings mit verschiedenen Wechseln im Line-up) bereits seit über zehn Jahren existiert und einst von Suedes Bernard Butler produziert wurde. Das aktuelle Album „Time Stays, We Go“ ist tatsächlich das vierte der Band. 

Am selben Abend konnte ich auch gleich eine weitere Bildungslücke schließen, denn im Bett war ich seit dem Wegzug des Lokals aus Sachsenhausen, der schon etliche Jahre her ist, bislang nie gewesen und erreicht bei der Anreise per Straßenbahn Tiefen des Gallusviertels, die ich in dreizehn Jahren Frankfurt nie kennen gelernt hatte – in direkter Nachbarschaft befindet sich ein Geflügelzuchtverein. 

Das „neue“ Bett entpuppte sich als recht einfache kleine Halle mit Bar und Bühne, das Publikum war etwas gemischter und älter, als ich es sonst bei Frankfurter Konzerten gewöhnt bin. Entweder The Veils haben ein sehr breites Fanspektrum oder die Nachbarschaft schaut hier auch mal rein. 

Einige waren sicher auch wegen der Vorband Wyoming da, einem dreiköpfigen
Trio aus Deutschland, bei dem ich mir nicht ganz sicher war, ob es die Schulzeit bereits hinter sich hatte und ob die Oberlippenbärte vielleicht nicht doch angeklebt waren. Wyoming sind die Brüder Manuel und Sascha Lukas sowie ihr Schulfreund – aha, also doch! - David Stieffenhofer aus Lorch am Rhein. Ihre Indiepoplieder gefielen mir aber eigentlich ganz gut, auch wenn der Auftritt für eine Vorband ungewöhnlich lang ausfiel. Wyoming mögen, da die Band erst im März 2012 gegründet wurde, noch nichts veröffentlicht haben, an Songmaterial mangelt es aber offenbar nicht. Für den gespielten Song „Man/Machine“ gibt es ein Video, das man hier sehen kann. 

Gegen diese Jungs wirkte die ebenfalls nicht alte Hauptband zunächst richtiggehend reif. Neben den eigentlichen Mitgliedern der Gruppe an Gitarre, Bass, Keyboards, Schlagzeug und Mikrophon traten auch ein Trompeter und ein Saxophonist mit auf die Bühne. Das Bett hatte während Wyomings Set sommerliche Temperaturen von beachtlicher Höhe erreicht, aber The Veils hatten keine Stylingkompromisse gemacht: Sänger Finn Andrews und Keyboarder Uberto Rapisardi behielten ihre Sakkos an, der Rest seine Westen – dabei müssen sie unheimlich geschwitzt haben, was man bei Andrews, der unter seinem ebenfalls fest installierten Hut regelrecht tropfte, auch gut sehen konnte. Lediglich Bassistin Sophia Burn hatte sich für eine durchsichtige Bluse entschieden und hatte es so etwas kühler. 

Das Set begann mit „Train With No Name“, die Reihenfolge der gespielten
Songs entsprach dabei der bei der aktuellen Tournee üblichen. Allzu groß scheinen die bespielten Hallen in den letzten zehn Jahren für die Veils nicht geworden zu sein, denn Finn Andrews, der als einziger mit dem Publikum sprach, war regelrecht begeistert über die große Zahl von Zuschauern. Sonst hatte auch er verbal nicht allzu viel beizusteuern und sagte sogar in einer Kurzpause, als jemand aus dem Publikum „Say something!“ forderte etwas wie „I do that sometimes, but it usually doesn’t turn out well.“ Und so erfuhren wir lediglich, dass er ein gewisses Interesse an der deutschen Sprache hat („Birds“ wurde auf Deutsch angekündigt) und, sehr viel später, dass er gerne einen Wodka hätte (den er auch bekam). 

Der Großteil des Sets bestand aus neuen Titeln, die Andrews inbrüstig vortrug. Aufgelockert wurden diese durch einzelne Songs aus den drei Vorgängerplatten, wie etwa „Calliope!“, „Vicious Traditions“ oder „Sit Down By The Fire“. 

Ich erwähnte ja, dass das Konzertpublikum etwas ungewöhnlich war. In unserer direkten Umgebung hatten sich drei junge Männer aufgestellt, die wirkten, als würden sie in einem Film über die Siebziger Jahre mitspielen (Schlagjeans über Cowboystiefeln, Leder- oder ärmellose Jeansjacke). Hauptsächlich tranken sie Bier, aber gerade bei den rockigeren Songs der Band wurde auch begeistert die Mähne geschüttelt, die Arme gereckt und abgerockt. Ein ziemlich seltsamer Anblick, offenbar auch von der Bühne aus, denn Finn Andrews reagierte irgendwann auf einen unspezifischen Zwischenruf aus der Rockerecke mit „Sorry, I can’t understand you“ und fragte in die Umgebung „Is what they say funny?“, worauf mit allgemeinem heftigem Kopfschütteln reagiert wurde... 

Da der Hauptteil des Konzertes dem entsprach, was The Veils auch bei den vorherigen Auftritten präsentiert hatten, konnte man auf den Zugabenteil gespannt sein, denn hier variierte die Band zuletzt, vielleicht je nach Stimmung und Laune, zwischen einem und fünf Songs. Vielleicht lag es an den beschriebenen Kommunikationsproblemen oder der Hitze, wir bekamen nach Ende des Hauptteils jedenfalls nur zwei Songs als Zugabe, nämlich „The Tide That Left And Never Came Back“, den Andrews allein mit der Akustikgitarre vortrug, und das zur Freude unserer Nachbarn wieder sehr rockige „Jesus For The Jugular“. 

Setlist The Veils, Das Bett, Frankfurt:

01: Train With No Name 
02: Calliope! 
03: Turn From The Rain 
04: Birds 
05: Not Yet 
06: Vicious Traditions 
07: The Pearl 
08: Sign Of Your Love 
09: Sit Down By The Fire 
10: Out From The Valley & Into The Stars 
11: Through The Deep, Dark Wood 
12: Nux Vomica 

13: The Tide That Left And Never Came Back (Z)
14: Jesus For The Jugular (Z)

Links:

- The Veils, Köln, 12.10.06



 

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