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Freitag, 19. Juli 2013

1. Tag beim Phono Pop, Rüsselsheim, 12.07.13

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Konzert: Phono Pop Festival mit 
  Wyoming
  Dope
  Ewert and the two dragons
Ort: Altes Opelwerk in Rüsselsheim
Zuschauer:1500
Datum: 12. Juli 2013
Dauer: 30 min +30 min + 45 min 



Immer wieder einmal erwische ich mich bei dem Gedanken, es wäre diesmal echt lohnend einen Blogbeitrag darüber zu schreiben, wie es dazu kam, dass ich das Konzert NICHT besuchen konnte. Gemacht habe ich das aber noch nie.
Die Geschichte meines diesjährigen Phono-Pop Besuches wäre fast so eine unerzählte geworden. Und das obwohl nach dem tollen Vorjahres-Festival der Termin des Phono Pops im Jahr 2013 sofort als unumstößliches Datum in meinen Konzertkalender eingemeißelt war und ich wohl unter dem ersten Dutzend Ticketkäufern zu finden bin.


Dann hatte sich das Schlafdefizit in der Woche extrem summiert - durch drei wunderbare Konzertabende in vier Tagen, die mich nie vor ein Uhr ins Bett entließen. Damit war klar, dass ich am Samstag vernünftiger sein musste und zusammen mit dem Fahrplan der DB ergab sich daraus der Zwang einen frühen Schnitt in der Mitte von SUUNS zu legen. Dazu kam noch zweifacher unerwarteter aber zu seltener Besuch und schwupps, war auf einmal am Freitag Abend auch der Plan für Samstag (nämlich rings um Dear Reader dabei zu sein) perdü.


Aber was soll's. Ich war da und das war wunderbar. Den Rest musste ich mir dann anhand der Berichte von Christoph und der schönen Fotos vorstellen und zusammenreimen. Erste Besucherin auf dem Gelände und Beta-Testerin mit dem Festival-Bändchenverschluss hatte ich diesmal eine Stunde Zeit auf einer Bierzeltgarnitur auch mental beim Phono Pop anzukommen. 


Der Tag war bis dahin mit ziemlich viel wichtigen und dicht gepackten Terminen und Rennerei vollgestopft gewesen, den zum Bersten vollen Zug hatte ich gerade so erreicht. All die damit verbundenen Gedanken musste ich zur Seite schieben. Statt dessen lieber umschauen, wer noch alles der Einladung des Phono Pop gefolgt war und Hallo sagen oder auch nur ein Lächeln schicken. Flugzeugen im Landeanflug hinterherträumen, die Sonne genießen, die entspannte Stimmung in mir aufnehmen und der Bedroomdisco-Mannschaft beim kicken zuschauen.



Als es dann ziemlich pünktlich mit Wyoming losging, war alles bestens. Die Musik ganz mein Geschmack und sympathisch. Das Publikum dabei und die allgemeine Stimmung wie erhofft freudig erregt und doch entspannt. Die etwas verträumte Grundstimmung der Songs funktionierte dank der energetischen Beats sehr gut auf der großen  Bühne und im Sonnenschein.


Einziges Manko, ich kam nicht so fix in den Modus - ganz schnell die Bühnen zu tauschen zwischen Wyoming und The Dope. So verpasste ich bei The Dope den Anfang und verließ das Set dann lieber etwas vorzeitig, damit es mir mit Ewert and the two dragons nicht ähnlich ging. Im Vorhören schon waren mir The Dope recht interessant erschienen und das erwies sich auch live als zutreffend. Es war tanzbar, energetisch, interessant und ein echter Aufmerker, wenngleich es mir in Summe zu laut war. Die Kommunikation mit einer dort neben mir das Konzert genießenden Freundin war ein geschriebenes: Schöner Krach! Alles andere ging nur nonverbal.


Schönes live-Extra für mich zu verfolgen, wie die Haare des Drummers flogen... 
  
Mein im Vorfeld gewähltes persönliches Highlight des Tages in Rüsselsheim waren Ewert and the two dragons. Und tatsächlich waren allein schon die 45 Minuten mit den blonden Männern aus Estland es wert, dass ich mich gegen alle Vernunft entschieden hatte, wenigstens an einem Restprogramm Phono Pop für mich festzuhalten. Christoph hat es im Detail beschrieben. Mir war für die Zeit ein Dauergrinsen im Gesicht festgeklebt. Ringsum erlebte ich auch ein erstaunlich kundiges Publikum. Es wurde textsicher mitgesungen und bei Eingangsakkorden wissend losgejubelt. 



Meine persönlichen Highlights waren wohl Pictures mit dem lässig gespielten Xylophon (mir fielen schon beim hingucken die Arme ab) und Good man down, wo aus dem Publikum schon der geklatschte Takt kam, der erst später von der Band aufgenommen wurde. Die letzten beiden Songs waren schon fast so hymnisch, dass es kurz vor Kitsch war. War aber in dem Moment der schönste vorstellbare Zustand und gar nicht süßlich und damit Nummer 8 der Setlist vielleicht mein schönster persönlicher Moment auf dem diesjährigen Phono Pop.

01: Speechless
02: Jolene
03: Sailorman
04: The rabbit
05: Pictures
06: Good man down
07: Road to the hill
08: (In the end) There's only love

Ehrlich - auch wenn es für Christoph das Konzert des ersten Tages war - SUUNS hat es mir leichter gemacht als gedacht, mich auf den Heimweg zu machen. Nur beim Gedanken an HVOB da machte mein Herz einen kleinen traurigen Hops. Aber wat mutt dat mutt.

Und nächstes Jahr dann wieder! Und vielleicht ja auch mal wieder ein Set ohne Hörschutz?

Aus unserem Archiv:
Christophs Bericht über Ewert and the two Dragons 
Ewert and the two Dragons, Düsseldorf, 3. 10. 2012
Ewert and the two Dragons, Paris, 22. 07. 2012 
Mein Phono Pop 2012: Tag 1 & Tag 2


Mehr Fotos:




Samstag, 13. Juli 2013

Ewert and the Two Dragons, Rüsselsheim, 12.07.13

3 Kommentare

Konzert: Ewert and the Two Dragons
Ort:altes Opelwerk, Rüsselheim (Phono Pop Festival)
Datum: 12.07.2013
Dauer: knapp 45 min


 

Es dauerte eine Weile, bis ich musikalisch beim Phono Pop Festival angekommen war. Freitäglicher Streß, die gemeinsame Anreise mit holländischen PKW und LKW auf einer nur auf dem Papier dreispurigen Autobahn waren alles andere als entspannend. Wyoming spileten schon, als ich endlich in der alten Opel-Fabrik stand - und bekamen zu wenig Aufmerksamkeit ab. The Dope anschließend auf der kleineren Bühne waren ok, aber nicht weltbewegend.

Richtig in den Musikmodus versetzten mich dann Ewert and the Two Dragons auf der Hauptbühne. In Haldern (und auch sonstwo) hatte ich die Esten verpasst, heute waren sie einer der Höhepunkte. So hatte ich mir das jedenfalls vorgestellt, dabei aber ein wenig Angst, doch nur wieder einen weiteren der zahllosen Mumford and Sons Klone zu sehen, die in den letzten Jahren auftauchten, um ein Stück vom Erfolg der Briten abzubekommen. Bear's Den beispielsweise, die wie Ewert... einen fabelhaften Namen haben, schöne Musik machen, allerdings wie Mumford and Sons durch Butterbrotpapier abgepaust wirken.

Ewert and the Two Dragons entkräfteten meine blöden Vorurteile auf der Stelle. Natürlich steckt eine gehörige Portion "Folk" in ihren Stücken, sie haben aber eine andere Ausrichtung, etwas Frischeres, das ich - wie man merkt - nicht richtig beschreiben kann. Und meine Begeisterung lag nicht etwa an dem mehrmaligen Glockenspiel-Einsatz, mit dem mich die meisten Bands sofort haben, mein liebstes Instrument der Balten war das Piano von Sänger Ewert Sundja! Das klingt jetzt nicht sonderlich clever, aber das Keyboard ist ganz eindeutig das originelle Element der Band.

Beste Stücke der Show waren Pictures und (In the end) There's only love mit sehr viel Glockenspiel. Dabei saß Ewert ganz lässig mit übereinander geschlagenen Beinen hinter seinem Keyboard - toll!

Neben der Musik sorgte Gitarrist Erki Pärnoja für fröhliche Gesichter. Ewert hatte schon ein paar Ansagen auf Deutsch gemacht, als sich der Mann links einschaltete und in (in Hessen ungewöhnlich) akzentfreiem Deutsch ein wenig vor sich herplauderte, sich dann aber entschuldigte "das war eigentlich schon alles, was ich kann."

Ewert and the Two Dragons waren ohne Zweifel die perfekte Ansetzung für diesen sonnigen frühen Abend!

Bis ich musikalisch drin war, dauerte es etwas, das Wohlfühlen auf dem Festival war dagegen sofort da. Ich kenne mittlerweile viel mehr Festivals, als mir lieb ist, aber keines ist so angenehm wie das Phono Pop. Wenn ich mich für ein Festival pro Jahr entscheiden müsste, wäre es Rüsselsheim (auch wenn mir das um Maifeld Derby oder Primavera leid tun würde). Das Publikum ist besser als sonstwo (und komplett frei von betrunkenen Vollidioten), die Organisation top, der Ort mit den beiden Innenhöfen, in denen die Bühnen stehen und über die im Halbminutentakt Flugzeuge fliegen, beeindruckend, die Stimmung wundervoll unaufgeregt. Selbst die Bändchen sind schöner als anderswo! Und über die Stilsicherheit bei der Auswahl der Bands muß man bei den Lineups der letzten acht Jahre eh kein Wort verlieren. Bestes Festival, das ich kenne! 

Setlist Ewert and the Two Dragons, Phono Pop Festival:

01: Speechless
02: Jolene
03: Sailorman
04: The rabbit
05: Pictures
06: Good man down
07: Road to the hill
08: (In the end) There's only love
 


Sonntag, 7. Oktober 2012

The Notwist & Ewert & The Two Dragons, Düsseldorf, 03.10.12

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Eine runde Sache: The Notwist in der Düsseldorfer Tonhalle


Datum: 03.10.2012
Ort: Tonhalle, Düsseldorf
Dauer: Ewert and the Two Dragons ca. 30 Minuten, The Notwist ca. 100 Minuten


Von Ursula von Neulich-als-ich-dachte, Erstveröffentlichung hier


Als ehemalige (mittlerweile sehr ehemalige) Kölnerin habe ich eine natürliche Abneigung gegen alles, was mit Düsseldorf zu tun hat. Nichtsdestotrotz hatte ein Kurzbesuch beim hier stattfindenden New Fall Festival im letzten Jahr gezeigt, dass Düsseldorf im Herbst interessante Konzerte an schönen Veranstaltungsorten zu bieten hat. Also nahmen wir die Chance, dieses Mal das Konzerttagebuch zu repräsentieren, bereitwillig wahr. 


Dieses Jahr spielen insgesamt zwölf Bands (darunter so namhafte und unterschiedliche Künstler wie Ryuichi Sakamoto, Dillon, Why? oder Caligola) in der Tonhalle und im Robert-Schumann-Saal, und vorgestern ging es mit The Notwist und Ewert and the Two Dragons los.Unser erster Besuch in der Tonhalle, einem ehemaligen Planetarium, das 1926 von einem Architekten namens Kreis erbaut wurde und dementsprechend rund ist, bestätigte im Vorfeld angestellte Vermutungen: Anders, als man das bei Popkonzerten gewöhnt ist, wurde man angehalten, seine Jacke abzugeben, wurde von zahlreichen Platzanweisen sowohl bei der Sitzplatzfindung unterstützt als auch am Danebenbenehmen (eingeschmuggelte Jacken über Stuhllehnen hängen!) gehindert, und während eine Band spielte, mussten Zuspätkommer auf eine Unterbrechung warten, bevor sie eingelassen wurden. Nichtsdestotrotz entschädigten die erhabene Architektur der Halle, die wunderbare Akustik und die bequemen Sitzplätze für die etwas strengeren Verhaltensregeln.

Auf den bereitliegenden Feedback-Fragebögen zum Festival könnte man höchstens den Online-Kartenvorverkauf via tickets.de bemängeln, der einem wiederholt vorgaukelte, sich auf dem Saalplan einen Sitzplatz aussuchen zu dürfen, um einen dann im Buchungsprozess einfach per Zufallsgenerator irgendwohin zu platzieren, und zwar bei jedem erneuten Versuch auf denselben Platz. Wobei innerhalb von Sekunden auch ganze Sitzblöcke plötzlich nicht mehr zu buchen waren. Daher sollten sich wohl die Platzanweiser an diesem Abend auch darüber beschweren, dass teilweise Sitzplätze doppelt vergeben waren.
Die estische Band Ewert and the Two Dragons, die in ihrer baltischen Heimat anscheinend schon überaus erfolgreich ist, eröffnete den Konzertabend. Als Vorband konnten sie von der „anderen“ Konzertsituation, in der das Publikum nicht, wie sonst üblich, noch mit Bier holen, Freunde suchen und sich unterhalten beschäftigt war, sondern quasi erzwungenermaßen still auf seinen Plätzen blieb, besonders profitieren. Insofern wäre es interessant, zu wissen, ob der Auftritt des Supports auch unter „normalen“ Konzertbedingungen so gut angekommen wäre, wie das in der Tonhalle der Fall war. Die Band spielte in 30 Minuten nur sechs Titel, darunter an 3. Stelle das country-eske „The Rabbit“, außerdem „Good Man Down“ und als Abschluss „(In the end) There’s only love“. Mir hatte seit langer Zeit keine Vorband so gut gefallen wie diese, und dem Applaus nach sah es das restliche Publikum genauso, aber wie gesagt, Ewert and the Two Dragons hatten auch besonders gute Ausgangsbedingungen.



Nach eine halben Stunde Umbaupause, die zahlreiche Gäste dafür nutzten, sich einen besseren Sitzplatz zu sichern – reichlich Plätze waren frei geblieben – betraten The Notwist zu sechst die Bühne. Während das erste, sich langsam steigernde Lied namens „Hands“ noch brav angesagt wurde, begannen bereits mit dem folgenden, sich nahtlos anfügenden Song unsere Setlistenprobleme, die wir auch mit späterem „Nachhören“ einzelner Lieder nicht vollständig lösen konnten.Vom Rang aus hatte man aber immerhin eine gute Aussicht auf die teils recht spannenden Tätigkeiten der Band (Vibraphon mit dem Geigenbogen spielen, Martin Gretschmann nutzte Wii-Controller, um eine seiner Gerätschaften zu bedienen) und auch das Publikum. Kinder sah man in den letzten Jahren ja bereits öfter bei Konzerten, bei The Notwist sahen wir aber zum ersten Mal ein Baby. Dieses hatte sich Ewert and the Two Dragons geduldig angehört, wurde aber nach dem ersten Notwist-Lied schreiend aus dem Saal getragen und nicht wieder gesehen. Vermutlich waren Ewert and the Two Dragons für den kleinen Schreihals nicht der angekündigte „Geheimtipp“, sondern der Hauptgrund für den Konzertbesuch und ich hoffe, seine Eltern bestellen ihm die Konzerttagebuch-Tasche mit der Aufschrift „Ich bin nur wegen der Vorband hier“.


Auf der Bühne folgten nun die bekannten Lieder „Pick Up The Phone“ und „Where In This World“, die ebenfalls ineinander flossen. Beim anschließenden „This Room“, das in einer anderen, leicht jazzigeren Version als auf „Neon Golden“ gespielt wurde, gab es Szenenapplaus, bevor es vor allem Markus Acher, der auf einem bereit stehenden Plattenspieler scratchte, der Schlagzeuger sowie der Saxofonist (der Teil eines bei mehreren Liedern mitspielenden Bläsertrios war) kakophonisch enden ließen.Es folgte ein wiederum vom Bläsertrio unterstütztes Instrumentallied (oder sollte dieser Teil noch zu „This Room" gehören?), und später als Höhepunkt des Abends „Neon Golden“ und das ihm nahtlos folgende „Pilot“, die durch Samples von Achers Stimme mit der immer wiederkehrenden Textzeile „different cars and trains“ miteinander verwoben wurden. Viele Titel, gerade aus dem Album „Neon Golden“ wurden in neuen und spannenden Arrangements dargeboten.

Die Kommunikation mit dem Publikum fiel spärlich aus, außer „Tausend Dank“ wurde wenig gesprochen, immerhin das letzte Lied, „Gravity“, wurde aber für die zunehmend verzweifelten Setlistenmitschreiber angesagt und passte mit seiner Textzeile „I see the planets spinning faster“ auch sehr gut zum ehemaligen Planetarium, in dem wir unsbefanden. Wie beim letztjährigen Jens Lekmann-Konzert wurden auch jetzt Tausende von Seifenblasen in den Saal geweht – beim nächsten Konzert wird sich zeigen, ob dies Zufall war oder ein Markenzeichen von allen Konzerten des New Fall Festivals ist.

Das begeisterte Publikum holte The Notwist noch zweimal zurück auf die Bühne, im ersten Zugabenteil müssen wir leider nach „One With The Freaks“ und „Off The Rail“ den dritten Titel schuldig bleiben, anschließend wurden noch „Consequence“ und „Gone Gone Gone“ gespielt, wonach die Band mit stehenden Ovationen verabschiedet wurde.

Es war ein sowohl hinsichtlich Ambiente und Atmosphäre als auch der dargebotenen Liedversionen ausgesprochen schöner Konzertabend, so dass man dem New Fall Festival – das 2012 erst zum zweiten Mal stattfindet – nur eine lange Zukunft wünschen
kann. Selbst, wenn es in Düsseldorf stattfindet.

Setliste:

Hands On Us
?
Pick Up The Phone
Where In This World
This Room
Casino (?)
Boneless
On Planet Off
Gloomy Planets
Trashing Days
Neon Golden
Pilot
Gravity

One With The Freaks
Off The Rail
?

Consequence
Gone Gone Gone



Donnerstag, 4. Oktober 2012

The Notwist, Düsseldorf, 3.10.12

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Konzert: The Notwist, Support: Ewert and the two dragons
Ort: Tonhalle, Düsseldorf (New Fall Festival Tag 1)
Datum: 3.10.2012
Dauer: 35 min + 100 min
Zuschauer: etwa 1000



Selten war ich auf einen Konzertabend so gespannt. Die Tonhalle in Düsseldorf wollte ich sehr gern sehen. Und dazu in so einem wohlfühl-Ambiente ein Urgestein deutscher Independent Musik erleben. Hier kommen zwei Welten zusammen - der für die sogenannte Hochkultur gebaute Raum nimmt sich der Musik an, die nicht mal im Radio stattfindet. 

Rotunde in der Eingangshalle
Und beeindruckend fand ich die Tonhalle tatsächlich - innen wie außen ein Haus, das zum Eintreten und Verweilen einlädt. Mit freundlichen Menschen, die stets weiterhelfen. Das war auch gut so, denn ich hatte Mühe, mir all die Informationen zu merken, die mir helfen sollten, meinen Platz zu finden: 3. Parkett, C Links, Reihe 8, Platz 17...

Kaum hatte ich meinen Platz gefunden, stellte sich aber heraus, dass noch jemand die gleichen Koordinaten auf der Eintrittskarte bekommen hatte... Der Einweiser machte keine große Sache daraus. Das Paar sollte zusammen sitzen dürfen und ich könnte mir dann irgendeinen freien Sitz suchen, sobald das Konzert beginnen würde und könnte mich dadurch verbessern. Ich fand das einen fairen deal. So bekam ich Gelegenheit, mir mental Plätze zu suchen, die mir gut gefallen würden, was bei der kugelförmigen Gestalt der Konzerthalle gar nicht so einfach ist: es gibt zu viele gute Plätze! Einige erübrigten sich, weil sie nicht frei blieben, aber es blieben noch einige verlockende Varianten übrig. Der Einweiser lag allerdings auch etwas daneben mit seinem Gefühl, es würden im Parkett viele Plätze frei bleiben, weil es auch nach 19:30 Uhr noch fleißig strömte und das Konzert erst 19:45 Uhr begann. So war er es wohl nicht gewöhnt... 



Es zeigte sich außerdem, dass verschiedene Tickets 20:00 Uhr als Anfangszeit aufgedruckt hatten. Ich versuche ja meinen Studierenden immer einzuschärfen, dass das arithmetische Mittel nicht immer sinnvoll ist. Auch hier war es störend, dass 19:45 Uhr begonnen wurde, aber Nachkommer bis 20:15 Uhr eingelassen wurden und ihre Plätze einnahmen. Da dafür immer wieder halbe Besucherreihen aufstehen mussten, während das Konzert schon lief, war das doof.

Man hätte im Gang stehend die Umbaupause abwarten können, zumal die vier Esten von Ewert and the two dragons ohnehin nur 35 min (bis gegen 20:20 Uhr) spielten.

Ihr Set begann mit Paukenrhythmus und einer Männerstimme eher ruhig und ungewöhnlich. Für mich war es damit aber Liebe auf den ersten Paukenschlag. Die live-Variante strotze vor Energie und begeisterte mich. Damit war ich wohl nicht ganz allein, denn es gab von Anfang an die volle Gunst des Publikums mit enthusiastischem Applaus. Die Stücke stammten alle von ihrem Album "Good Man Down". Beim heutigen Nachhören der CD-Versionen erschien es mir aber auf den Tonträgern deutlich weniger mitreißend.

Besonders eindrücklich waren live für mich neben dem opener auch "The Rabbit", wo alle vier eine Pauke schlugen und "Good man down", das sehr sparsam beginnt und dann mit Händeklatschen sein Gefüge erhält. Ewert and the two dragons sind also meiner Meinung nach in jedem Fall ein Tipp für ein lohnendes Live-Erlebnis!

Setlist Ewert and the two dragons:
1. You had me at hello
2. The Rabbit
3. ??
4. Good man down
5. Road to the hill
6. In the end is only love


Nach doch recht langer Umbaupause ging es dann 21 Uhr mit insgesamt sechs Musikern und The Notwist auf der Bühne weiter.


Ich habe seit vielen Jahren den Klassiker "Neon Golden" in meinem CD-Regal. Und ich mag die Scheibe, habe sie aber schon ewig nicht mehr rausgeholt. Ich bin also bestimmt keine Expertin in Sachen The Notwist, eher eine wohlwollende Mitläuferin.



Aber es war sofort klar, dass hier ein großer Teil des Publikums Fans der Musik von The Notwist sind. Stets gab es tosenden Applaus und im Rundblick sah ich träumerisch mitwippende Köpfe und genießerisch geschlossene Augen. Während der Zugaben wurde dann auch vereinzelt euphorisch getanzt. Gute Stimmung, toller Saal und ganz besondere Musik. Für einzelne Stücke gab es auch noch Unterstützung durch eine dreiköpfige Bläserformation.

Trotzdem wird der Abend wohl nicht so weit oben in meiner persönlichen Wertung landen. Ich fand den Sound insgesamt nicht gut. In den ersten vier Stücken konnte ich z.B. das Vibraphon gar nicht hören, das aber weiß Gott nicht unwichtig ist. Es fiel dann auch in späteren Stücken immer mal wieder im Sound raus. Insgesamt war es mir zu laut und zu wenig differenziert. Außerdem wurde die Gesangsstimme ziemlich untergebuttert. Bei der Art elektronischer Frickelmusik, die hier live ausgelebt wurde, ist aber die Grenze zu nervigem und unstrukturiertem Lärm immer in Griffweite. Mit dem Sound muss deshalb einfach alles stimmen!

Außer der Begrüßung und vor letztem Lied gab es keine Ansagen und durch zusammenbinden der Stücke mit Rauschen und elektronischen Schnipseln wurde zum Teil Applaus unterbunden.



Am stärksten fand ich persönlich die sehr ruhigen Stücke wie "Trashing days", "Gloomy plants" und "Gravity" und den ganzen Zugabenteil. Erst im sortieren meiner Notizen wurde mir bewusst, dass ja fast das ganze Neon Golden Album gespielt worden war. Ich hätte also Chancen gehabt, bekanntes zu entdecken. 

Im Nachhören der Musik heute wurde aber meine Liebe zu "The Notwist" auf CD wieder aus dem Dornröschenschlaf geholt und lebhaft angefacht. Damit hatte das Konzert für mich persönlich doch noch eine richtig gute Pointe. Die meisten anderen schienen ohnehin mit der Live-Version rundum glücklich - immerhin bedurfte es einer zweiten Zugabe! Außerdem hatte ich trotz der angeführten Minuspunkte in Summe einen richtig guten Abend in der Tonhalle.

Setlist The Notwist (nach Abgleich mit Ursula)
1) Hands on us (You, the devil & me, 2008)
2) ??
3) Pick up the phone (Neon Golden, 2003)
4) Where In This World (You the devil & me, 2008)
5) This room (Neon Golden, 2003)
6) ??
7) Boneless (You, the devil & me, 2008)
8) On Planet off (You, The Devil & Me)
9) Gloomy planets (You, the devil & me, 2008)
10) Trashing days (Neon Golden, 2003)
11) Neon golden (Neon Golden, 2003)
12) Pilot (Neon Golden, 2003)
13) Gravity (You, the devil & me, 2008)
 

Zugabenteil

Z1) One with the freaks (Neon Golden, 2003)
Z2) Off the rail (Neon Golden, 2003)
Z3) One step inside doesn't mean you understand (Neon Golden, 2003) 



2te Zugabe
Z4) Consequence (Neon Golden, 2003)




Dienstag, 24. Juli 2012

Festival Fnac live, Paris 20, 21, 22.07.12

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Konzert: Festival Fnac live, mit Liz Green, Liza Manili, Alt-J, Balthazar, Mina Tindle u.v.a.

Ort: Parvis de l'Hôtel de Ville, Paris
Daten: 20, 21, 22.07.12
Zuschauer: ingesamt 75.000


Ich erzähle sicherlich nichts Überraschendes, wenn ich sage, daß große Massenfestivals wie das Gratis-Festival Fnac live in Paris eigentlich nichts für mich sind.

Allerdings hatten die Veranstalter zumindest auch ein wenig an uns Indienerds gedacht und uns ein paar schöne Namen beschert. Da ließen sich auch einige regelmäßige Klubkonzertbesucher nicht lange bitten und mischten sich unter das musikunwissende Volk.


Vier Tage lang steppte bei endlich gutem Wetter vor dem herrlichen Rathaus von Paris der Bär, gaben sich französische und internationale Künstler die Klinke, nein, die Mikros in die Hand.


Den ersten Tag am Donnerstag hatte ich komplett gestrichen, interessiert hätten mich da eh nur François and The Atlas Mountains. Am zweiten Tag, sah ich als Erstes Mina Tindle, die unseren Lesern hier schon seit Jahren wohlbekannt ist. Ihr Siegeszug in Frankreich setzt sich fort und im November wird sie die 1000 er Location Le Trianon bespielen, was wirklich famos ist. Aber auch deutsche Fans können sie in diesem Jahr noch sehen und zwar am 8. August im Hafensommer in Würzburg und 10. August auf der Sommerbühne in Detmold. Beim Fnac live spielten Mina und ihre beiden Mitstreiter Olivier und Guillaume ein stark verkürztes Set in dem so hübsche Stücke wie Sister (sehr beschwingt) Pan (melancholisch und auf französisch gesungen), To Carry Many Small Things (der Hit!) Lovely Day (der samtweiche Closer) ihren Platz hatten. Trotz unzähliger Konzerttermine in den letzten Wochen und Monaten wirkten die drei Musiker frisch und spielfreudig, lachten viel und spielten wie aus einem Guß. Das viele Training hat dazu geführt, daß allles prima flutschte und inzwischen sind sie auch in der Lage, ein solch großes Geläde wie hier zu beschallen, in dem sie das Songmaterial druckvoller spielen.


Ich bin jedenfalls sicher, daß der rasante Aufstieg der Mina Tindle noch nicht zu Ende ist. Bereits vor vier Jahren hatte ich ihr eine rosige Zukunft attestiert und recht behalten (freu' dich Oliver!).


Nach den Franzosen dann Belgier auf der Bühne. Balthazar nennen sie sich und spielen frischen, melodieverliebten und druckvollen Indierock/Pop. Das klang zwar nicht weltbewegend neu, war aber so tight, daß viele voll mitgingen. Im Grunde genommen hätte das jetzt auch eine amerikanische (z.B. Eels oder Beck) oder englische Band (z.B. Franz Ferdinand oder die Arctic Monkeys) sein können, ihre belgische Herkunft merkte man ihnen jedenfalls nicht an. Die vier Jungs und das eine fesche Mädel (Patricia) an der Geige spielten sich schnell in die Herzen der Pariser und jagten nur so durch ihr knackiges Set. Am Besten gefiel mir, daß die Geigerin ihr Instrument am Ende wie eine Gitarre behandelte und ohne Geigenbogen einfach mit den Fingern durch die Saiten strich. Aber nicht nur das, die Songs an sich waren auch sehr ansprechend. Ein Aufmerker!


Am nächsten Festivaltag interessierten mich zwei Namen. Alt-J (∆) und Dominique A. Letztgenannten habe ich aber verpasst, weil ich in einem Straßencafé in netter Begleitung Bier trinken war und in diesem Moment an ganz andere Dinge als ein Festival dachte. Alt-J ∆ hatte ich aber komplett gesehen. Wobei komplett heißt: dreißig Minuten, länger war ihr Set leider nicht. Musikalisch irgendwo zwischen der Beta Band, Django Django und Tunng angesiedelt, spulten die Jungs aus Leeds ihren rhythmischen Elektro-Folk mit düsterer Note ab und wussten mich vor allem mit dem wundervollen Stück Mathilda auf ihre Seite zu ziehen. Insgesamt gefiel vor allem die Unaufgeregtheit, das angenehm Unaffektierte der Songs, die aus vielen Puzzelteilen zusammengestellt waren und ihre wahre Größe sicherlich in einem Indie-Club entfalten. Cleverer Indie Pop mit vielen kleinen schönen Melodien und einem Sänger mit markanter Stimme, die mich mit ihrem leicht bluesigen Einschlag an Timber Timbre erinnerte. Ob Alt-J nun wirklich eine Sensation sind, mag ich freilich nach diesem kurzen Auftritt noch nicht zu sagen. Dranbleiben, abwarten und Tee trinken (und vielleicht ihr Album An Awesome Wave, von dem natürlich die meisten Stücke stammten, öfter mal hören).

Blieb der Sonntag, der letzte Tag des Fnac live Festivals. Es war heiß geworden in Paris, die Fahrer der Tour de France waren heute durch die Ziellinie an den Champs- Elysées geschossen und mit der Britin Liz Green stammte auch eine Künstlerin aus dem Land des Tour de France Siegers Bradley Wiggins, dem Green (wohl zu Scherzen aufgelegt) ein Lied widmete. Vor Liz ging aber noch Liza an den Start und zwar genauer gesagt Liza Manili aus Frankreich. Die hübsche Schauspielerin und Sängerin sorgte auch heute wieder für gute Laune mit ihrem Retro-Pop der teilweise in Richtung New Wave geht. Neben ihrem auffällig gemusterten Kleid und den grasgrünen Pumps sorgte der Überhit Le Petit Train für die größte Aufmerksamkeit, aber darüber hab ich mich ja schon in der Vergangenheit detailliert ausgelassen, insofern verweise ich auf meine alten Berichte.


Und dann endlich Liz Green und ihre Band. Ich hatte mir nach dem nur 20 minütigen Auftritt von Liza Manili Sorgen gemacht, daß auch der Gig von Miss Green verdammt kurz werden würde, wurde aber mit einem 40-45 minütigen Set positiv überrascht. Liz erschien mit grünem Tirolerhütchen und einem strahlenden Lächeln, das wohl auch dem sonnigen Wetter in Paris geschuldet war. In England habe es 6 Monate in Folge geregnet, berichtete die Britin und meinte schulterzuckend, daß sie jetzt dummerweise keinen sonnigen Song im Programm habe, der zu den Pariser Temperaturen passe. Aber egal. Denn schließlich entpuppten sich die tragisch- komischen Melancholienummern der Liz Green zu einer spannenden Sommermusik. Anstatt die Stück wie am Anfang ihrer Karriere üblich, in dunklen Spelunken oder Jazzcafés geboten zu bekommen, entwickelten Klassiker wie Bad Medecine und der Displacement Song auf dem sonnenüberfluteten Festivalgelände ihren ganz besonderen Reiz. Zwei Lieder schossen mir an diesem Tag die Lampen aus. Das war zum einen Louis. Hierbei dreht es sich um eine Mann in Mexiko, der seit 20 Jahren keine einzige Beerdigung in seiner Heimstastadt verpasst hat. Ist doch verrückt, oder? Ein Lied mit einem bedrohlichen Gitarrenintro, aber einer Passage mit einem lieblicheren Refrain: "I think we are better off here." Die Band spielte hierbei ihren Part perfekt, Saxofon und Kontrabass unterstrichen immer mal wieder die von der Akustikgitarre getragenen Erzählstränge und sorgten für noch mehr Dramatik und Gänsehaut.

Und zum anderen mein schon oft zitierter Liebling The Quiet, bei dem mich Liz Green an Antony and The Johnsons und seine herzergreifenden Ballade Hope There Is Someone erinnerte. Das Lied war wie immer wahnsinnig emotional und erstaunlicherweise blieb selbst das feierfreudige Festivalvolk, das Liz Green zum Großteil nicht kannte, bei ein paar stillen und sehr bewegenden Momenten ruhig und hörte gespannt zu. Mein Herz pochte wie verrückt und ich merkte wie eine kleine Träne höher und höher stieg. Dann aber war das Lied vorbei und Liz und ihre Band lachten in den Pausen immer so laut, daß man plötzlich von traurig zu heiter überging, nur um kurze Zeit später den Schalter wieder auf traurig zu stellen.

Auch zwei neue Lieder gab es, darunter das herrvorragende Penelope und ein Lied, das einen engen Zusammenhang zu der Beerdigung ihres Onkels hatte, der riesiger Fan von Tina Turner und Kylie Minogue war, wie Liz augenzwinkernd erzählte.


Nach diesem erneut hervorragenden Konzert von Green ging es mit Ewert and The Two Dragons aus Estland weiter. Eine ganz erstaunliche Band, die mit einem flotten Glockenspielpart das erste Lied In The End There's Only Love begann. Die Stimme des Sängers gefiel mir auf Anhieb, sie erinnerte mich an Paul McCartney, den Badly Drawn Boy, aber auch The Tallest Man On Earth, hatte ein warmes und melancholisches Timbre. Der Sound klang erfreulich fein, sehr rhythmisch und temporeich, war aber immer mit der typisch slawischen Schwermut überzogen. Eine Schwermut, die aber nie deprimierend war, sondern immer wieder die Sonne durchs Fenster blicken ließ und teilweise auch weitestgehend aufgehoben wurde, um in einen schwungvollen Schunkelrhtyhmus zu driften, der einen fast euphorisch stimmte. Genau wie Loney Dear verstanden es die Esten, Freude und Leid quasi zeitgelich in ihren absolut wundervollen Liedern zu vertonen. Und dann immer wieder diese feinperlende Melodien, hach Mensch wie großartig! Von Lied zu Lied verliebte ich mich mehr in dieser Gruppe, die obendrein noch wahnsinnig sympatisch rüberkam.

Eine spekatukläre Szne gab es, als bei einem Lied gleich drei Bandmitglieder trommelten, aber das war keine Effektheischerei, sondern lediglich eine schöne Abwechslung, die auch optisch was hermachte.


Noch besser war aber, daß ich hinter mir drei semmelblonde Lettinen bemerkte, die stolz die Landesfahne im Wind wedeln ließen und zu Sailor Man aus voller Kehle mitsangen

Ich könnte jetzt noch stundenlang weiterschwärmen, hebe mir aber noch ein paar Komplimente für die Haldern-Berichterstattung auf. Da werden Ewert and The Two Dragons in der kleinen Haldern Pop Bar spielen und da bin ich definitiv dabei!

Setlist Liz Green, Festival Fnac live, Paris

01: Midnight Blues
02: Louis
03: Displacement Song
04: neu
05: The Quiet
06: Penelope
07: Bad Medecine



 

Konzerttagebuch © 2010

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