Konzert: H-Burns & Neal Casal Ort: Crêperie West Country Girl, Saint Ambroise, Paris Datum: 19.09.2011 Zuschauer: 30-35
Diese Konzerte sind mir die liebsten! Intimes Ambiente, sympathische, musikbegeisterte Zuhörer und exquisite Künstler, die ohne Netz und doppelten Boden akustisch vom Leder ziehen.
Der gute Erwan Le Floch hatte in seine urige Crêperie West Country Girl geladen und etwa 30 Insider folgten seinem Ruf. Die Shows sind halbwegs geheim, weil der Laden nicht sonderlich groß ist und Erwan nicht überrannt werden will. Es soll ja schließlich gemütlich bleiben. Eintritt kostet das Ganze nicht, Crêpes kann man am Tag der Konzerte alleridngs auch keine essen. Ist aber egal, denn man kommt ja wegen der Musik und nicht um sich die Wampe vollzuschlagen.
Anberaumter Konzertbeginn war 21 Uhr. Als ich um diese Zeit am Ort des Geschehens eintraf, war das West Country Girl noch nicht sonderlich stark bevölkert, der von mir erwartete Massenansturm blieb aus. Allerdings war der Amerikaner Neal Casal schon da. Ich erkannte ihn kaum wieder. Er trägt inzwischen einen grauen Bart, auf den er sehr stolz ist, wie er mir schmunzelnd erzählte. Als ich ihn 2007 solo und später mit Ryan Admas und den Cardinals auf der Bühne der Maroquinerie gesehen hatte, war er noch glattrasiert. Ich fragte ihn, ob die Weiber auf seinen Bart stehen würden. Er verneinte. Daraufhin riet ich ihm: "dann mach ihn sofort wieder weg!"
15 Minuten später kam mein eigenes Weib eingetrudelt, sie war mit Freunden noch essen gewesen. Während ich hungrig auf meinem Stühlchen saß, erzählte sie mir von ihrem vollen Bauch. Gemeinheit. Zum Trost kippte ich mir einen staubtrockenen Cidre die Kehle runter und verfolgte nun ganz leicht besäuselt das Akustikkonzert des Franzosen Renaud Brustlein aka H-Burns. Seit Jahren schon bin ich Fan des erdigen Folkrockers, der hier im West Country Girl gern gesehener Gast ist. Er gehört fast zum Establishment. Während er auf "richtigen" Bühnen mit seiner mehrköpfigen Band richtig Krach machen kann, besann er sich hier auf seine ruhige Seite. Seine whiskygetränkte Stimme klang wie immer sensationell. Würde ihn sein kleiner Akzent nicht verraten, man könnte ihn für einen waschechten Ami halten. Dabei stammt der kräftige Bursche aus Valence und nicht aus Nashville.
Inzwischen ist der gute Renaud schon bei Album vier angekommen, daß er zusammen mit dem australischen Kultmusiker Chris Bailey (The Saints) eingespielt hat. Und von diesem Album brachte er auch ein paar Songs (New Sidewalks, Postcards), freilich ohne Chris Bailey. Zudem gönnte er uns We Go Back von seinem gleichnamigen dritten Album und gegen Ende mit Death Of A Salesman auch ein gelungenes Cover von Low (Album The Great Destroyer).
Die Leute (unter ihnen Michel Pamplune, der Chef des famosen Labels Fargo) hörten aufmerksam zu, belohnten H-Burns mit verdientem Applaus und waren teilweise überrascht, daß es in Frankreich so tolle Countrysänger gibt.
Etwa zehn Minuten später war Neal Casal an der Reihe. Der smarte Womanizer steht bei Frago (damals war er bei Glitterhouse) unter Vertrag und hat zuletzt 2010 das nicht kleine Café de la Danse (Fassungsvermögen etwa 500) gefüllt. Er ist als kein Unbekannter hier in Frankreich und hat sich praktischerweise gleich auch noch eine französische Freundin angelacht (ein süßes Ding!). Es dürfte ihm allerdings schwer fallen, diese regelmäßig zu sehen, denn der Singer/Songwriter wohnt in L.A, also nicht gerade um die Ecke.
Aber schwierige Liebesbeziehungen sind ja meist der ideale Nährboden für verzweifelte Lovesongs und Neal bot uns allen wirklich ein paar sehr feine Kostproben seines umfangreiches Werkes. Je nach Zählweise stehen 11 bzw 13 Alben auf der Habenseite (eine Anthlogie und ein Coveralbum könnte man eventuell abziehen) und ich besitze offengestanden kein Einziges davon. Dennoch fiel mir heute auf Anhieb der Song Lost Satellite positiv auf. Fast im Stile eine Paul Mc Cartney trug er mit fabelhafter Stimme und gekonntem Fingerpicking diese Ballade vor und gefiel mir nicht nur in dieser Phase richtig gut. Im Vergleich zu H-Burns klang bei Neal Casal alles süffiger, süßlicher, weniger erdig und trocken, allerdings auch ein klein bißchen professioneller und routinierter. Aber man schaftt es nun einmal nicht in die Begleitband von Ryan Adams (den Cardinals), wenn man nicht exzellent spielen kann.
So genoßen wir Pariser Folkfans in intimer Atmosphäre also zwei hervorragende Musiker, die sich auch hinterher sympathisch und offen präsentierten und für Schwätzchen zur Verfügung standen.
Feine Sache das!
Obiges Video von H-Burns by Le Hiboo.com, copyright.Check out their other great videos with H-Burns, click!
Konzert:West Country Night mit: Josh T. Pearson & Bosque Brown & Thousand & H-Burns & Tom Cooney Ort: Le Nouveau Casino, Paris Datum: 24.06.10 Zuschauer: gut besuchte Veranstaltung Konzertdauer: insgesamt mindestens 2 1/2 Stunden
"Texas is bigger than France"
Der in Paris lebende Texaner Josh T. Pearson wußte genau wie er die Franzosen in ihrem Nationalstolz treffen kann. Aber er meinte das natürlich mit einem Augenzwinkern und keiner nahm ihm seinen (in der Sache zutreffenden) Spruch übel. Schließlich feierte man hier ja auch so eine Art französisch -amerikanischer Freundschaft, oder genauer gesagt ein texanisches Fest in Paris. Mit dem Film Paris, Texas hatte das Ganze aber nichts zu tun. Hier und heute ging es nicht um den Kultstreifen von Wim Wenders, sondern um das Zelebrieren von Countrymusik. Die ungemein netten Crêperie- Betreiber Sophie und Erwan (Bretonen wie sich das für Crêpesbäcker gehört!) hatten zur ersten West Country Night außerhalb ihrer eigenen vier Wänd geladen und ein Starensemble aus französischen und amerikanischen Folkmusikern aufgeboten, um das Nouveau Casino für fast drei Stunden in eine Wüstenlandschaft zu verwandeln. Die eingespielte Truppe, bestehend aus Bosque Brown (Forth Worth, Texas), Josh. T. Pearson (Texaner im Pariser Exil), Thousand (Paris), H-Burns (Valence, Frankreich) und Tom Cooney (Australien) betörte mit zauberhaft schönen Herzenswärmern, mit denen man die nächsten drei Winter die geschundene Großstadt-Seele trösten kann. Eigentlich war es im Nouveau Casino ja schon warm genug, aber vermutlich gehört die Schwitzerei zum Texas-Feeling einfach dazu.
Aber welcher Musiker hat mir am besten gefallen? Die Antwort gibt es in Kürze...
So, machen wir es nicht weiter spannend. Der Musiker, der mir in dieser wunderbaren West Country Night Session am besten gefallen hat, kommt nicht aus Texas, ja noch nicht einmal aus Paris. Nein, er stammt aus dem südfranzösischen Valence und wohnt (bzw. wohnte) in Grenoble. Ich rede von Renaud Brustlein aka H-Burns, der zusammen mit einer mehrköpfigen Band ein fulminantes Konzert ablieferte! Sein Auftritt verfügte über alle Ingredienzen eines gelungenen Sets. Es gab mehrere rockige und dennoch hochmelodische Stücke, aber auch betörende Balladen, die nie ins Kitschige abdrifteten und mir sehr nahe gingen. Are You Scared Of The Dawn, das den brillanten Gig abschloß, war allein das Kommen wert. So etwas von schön dieser Song! "Are you scared of the dawn, can I borrow your time?" croonte der kräftig gebaute Symphat und in meinen Herz ging die Sonne auf! Da war es zu verschmerzen, daß H-Burns nicht meinen Wunschsong Horses With No Medails vom Vorgängeralbum spielten, sondern sich stattdessen auf Material vom dritten Longplayer We Go Way Back konzentrierten. Und auf diesem Meisterwerk (das ist es wirklich!) an dem auch der geniale Jonathan Morali aka Syd Matters mitgewerkelt hat, finden sich ohne Zweifel zahlreiche Zungenschnalzer. Half A Man, Half A Freak, We Go Way Back oder das granatenhafte Fires In Empty Buildings, zu dem Organistor Erwan abging wie ein Wahsinniger, an starkem Material, das auch live prima zog, mangelt es wahrlich nicht!
H-Burns hat internationale Klasse, das hat er erneut bewiesen. Selbst Tony Dekker von den fabelhaften Great Lake Swimmers ist Fan und hat auf dem Album bei dem Titel Lonely Nights On Queens St mitgesungen. Wenn das kein Ritterschlag ist!
Zweitbester Künstler des Abends war für mich Josh T. Pearson. Endlich ein waschechter Texaner! Und dann spricht der Kerl auch ncoh deutsch! Er war (ist?) mit einer Bajuwarin verheiratet und da lernt man die Sprache der Teutonen natürlich um so schneller. Auch seine Französischkenntnisse sind berühmt berüchtigt: "Fermez la bouche!" ("haltet den Mund") zischte er augenzwinkernd das Publikum an und als immer noch Leute plapperten: "Ta geule!" (Schnautze!). Alle lachten, denn aus dem Munde dieses baumlangen Kerls mit dem schwarzen Cowboy-Hut und der extravaganten Gürtelschnalle wirkte das Ganze besonders komisch. Aber sein Vortrag brauchte in der Tat totale Ruhe, denn sein Gitarrenspiel ist so fein und leise, daß schon das kleinste Geräusch stören würde. Heute fesselte mich Josh. T Pearson von der ersten bis zur letzten Minute. Alles war so intim, so bewegend, so authentisch, da kam wirklich was rüber. Ohne großen Aufwand und ohne zu forcieren erreichte Josh die maximale Wirkung. Ein äußerst charismatischer Kerl, der eine Menge auf dem Kasten hat. Besonders gelungen war sein Cover von Thousand, The Singer To The Crowd. "You can have me now", sang er flehentlich und alle Augen waren auf ihn gerichtet. Da stand er da, dieser schöne und riesengroße Cowboy und schüttete sein Herz aus. Ein paar Leute waren von diesem betörenden Vortrag sehr ergriffen und schluchzten leise vor sich hin. Als Josh das letzte Lied des Abends vortrug, ring auch er selbst um Fassung. "This one is hard for me" gab er zu und trug Sweetheart I Ain't Your Christ vor, in dem es um den Trennungschmerz von seiner Frau ging. Etwa zehn Minuten lang streichelte er die Gitarre, sang hingebungsvoll und ließ ein entzücktes Publikum zurück. Ganz groß!
Schön auch die Auftritte von Bosque Brown, Thousand und Tom Cooney. Die einzige Frau in der Runde und die einzige, die extra aus Texas angereist kam, war Mara Lee Miller, die unter dem Pseudonym Bosque Brown agiert und eigentlich ein paar Begleitmusiker hat. Heute aber trug sie vier Lieder ganz alleine auf der Akustischen vor, darunter der fabelhafte Opener White Dove vom Album Baby. Natürlich spielte sie auch ein Duett ein und ihr Song Fine Lines vom ersten Album wurde durch die rauhe Stimme von H-Burns bestens neu interpretiert. Thousand hingegen hatte keine lange Anreise. Der wahnsinnig nette Pariser, der eigentlich Stephane Milochevitch heißt, spielte mit einer ausgewachsenen Band, in der auch eine sehr hübsche Backgroundsängerin stimmlich und optisch zu gefallen wusste. Tom Cooney schließlich kam sogar aus Australien eingeflogen, weilt aber schon seit ein paar Wochen in Paris und war somit bereits akklimatisiert. Mit Stephane versteht er sich prima und zusammen musizierten die beiden Freude sehr harmonisch und ausgewogen.
Letztlich hatte also jeder seinen Teil zum Gelingen dieser vorzüglichen Veranstaltung beigetragen, die Crêperiebetreiber Sophie und Erwan, das Nouveau Casino, die zahlreichen ehrenamtlichen Helfer, die bei der Promo der Platte mithalfen (West Country Night Session One), die Verkaüfer am Merch, die neben CDs und Vinyl auch T-Shirts mit Eulenaufdruck feilboten und natürlich die exquisiten Künstler. Tolll! Wann gibt es die nächste West Country Night??
Konzert: Bosque Brown, Josh T. Pearson, Tom Cooney, H-Burns, Thousand Ort: Fargo Store Paris Datum: 21.06.10 Zuschauer: etwa 25Konzertdauer: eine gute halbe Stunde
Eine Pariser Crêperie mausert sich zum Konzertveranstalter und Plattenlabel! In der Tat eine kuriose und spannende Geschichte, die sich gerade ereignet. Wie das Ganze in Gang kam? Nun, der Bretone Erwan und seine Frau Sophie führen ein schönes kleines Bistro namens West Country Girl im trubeligen Oberkampfviertel und bieten dort ihre mit viel Liebe zubereiteten Pfannküchlein feil. Einer ihrer Stammgäste ist der texanische Folksänger Josh T. Pearson, der im gleichen Haus lebt. Da kam ihnen spontan die Idee, Akustiksessions in der Crêperie zu organisieren, denn Josh kennt etliche musizierende Landsleute, die bei Konzerten in der französischen Metropole gerne mal bei Erwan und Sophie vorbeischauen, um bei Crêpes und Cidre über die Liebe, das Leben und die Musik zu plaudern. Künstler, die sich vor einem folkverliebten Publikum bereiterklärten, ohne Bezahlung auf der Klampfe zu kratzen, fanden sich sehr rasch. Die West Country Night Sessions waren geboren.* Aus Frankreich rekrutierte man Thousand und den grandiosen H-Burns, aus den USA neben dem Gastgeber Josh T.Pearson die ungemein talentierte Mara Lee Miller aka Bosque Brown und sogar Micah P. Hinson (Letztgenannten allerdings nur für einen Abend). Australien schickte zudem Tom Cooney ins Rennen.
Diese Fünfer- Truppe ist inzwischen so eng zusammengewachsen, daß man sich entschloss, ein ganzes Album von den Sessions aufzunehmen und dieses auch außerhalb der Crêperie zu promoten. Bei der Fête de la Musique am Montag (ich berichtete hier) war bereits die gesamte Mannschaft versammelt und heute war der Anfang 2010 eröffnete Recordstore des Labels Fargo an der Reihe. Am Donnerstag wird die Promotour dann mit einem Konzert im Nouveau Casino feierlich beschlossen.
Als ich gegen 18 Uhr 30 in den Plattenladen von Fargo eintrat, war die Truppe bereits seit ein paar Minuten zu Gange. Der Franzose Renaud Brustlein aka H-Burns sang gerade mit seiner whiskeygetränkten Stumme und die anderen saßen um ihn rum, steuerten bisweilen Backgroundvocals und Percussions hinzu. Stephane Milochevitch aka Thousand saß mit Sisters Of Mercy- T Shirt ganz links (vom Zuschauer aus), dann folgten Tom Cooney, H-Burns (T-Shirt The Saints), Josh T. Pearson mit seinem obligatorischen schwarzen Cowbyhut und Bosque Brown. Das Quintett gab den Staffelstab der Reihe nach weiter, jeder durfte einmal singen. Besonders erfreut war ich, als die einzige Frau in der Runde dran war. Sie sang ein Towns Van Zandt Cover namens Fort Worth Blues und legte wie immer jede Menge Inbrunst und Leidenschaft in ihren Gesang. Obercowboy Josh T. Pearson sorgte hingegen immer wieder für die richtige Vermarktung: "Kauft dieses schöne Album, für 20 kleine Euros habt ihr ein Werk, das euch das ganze Lebne begleitet. Ihr könnt es schon heute abend hören. Und wenn ihr keinen Plattenspieler habt, auch kein Problem, es ist eine CD beigefügt. Alle Smash Hits, die wir hier und heute spielen, sind da drauf." Dieses Werbesprüchlein wiederholte der rauschebärtige Mann, der mit einer deutschen Fotografin verheiratet ist (war?) gleich mehrfach und alle schmunzelten. Aber auch ohne Kaufdruck stand mein Entschluss zum Erwerb dieses schönen Machwerks schon vorher fest. Die knisternden und intimen Countrysongs, die darauf enthalten sind, sind nämlich wirklich zum mit der Zunge schnalzen und ungefähr 25 Zuschauer im Fargo Store waren in der glücklichen Lage, ein paar feine Kostproben davon geboten zu bekommen.Schön!
Aftershow: Nach dem Instore Gig inspizierte ich den Fargo Laden ganz genau. Es gibt eine ungemein gute Auswahl an exzellenten Folk-und Indierock CDs und auch Vinyliebhaber kommen auf ihre Kosten. Ich musste mich zusammenreißen, um nicht in einen Kaufrausch zu verfallen. Neben den Tonträgern (die nicht ausschließlich von ihrem Label stammen) bieten die Leute von Fargo ihr hauseigenes Fachmagazin namens Eldorado an und auch Rockbücher, DVDs und T-Shirts gibt es zu kaufen. Darüber hinaus kann man sich mit sehr hübsch gemachten Postern und kunstvollen Drucken eindecken und wer auf Nippes steht, wird mit Plastikfiguren von den Beatles, ZZ Top, Doors und Jimi Hendrix bedient. An den Wänden hängen bunt bemalte Gitarren, Bilder von Johnny Cash und June Carter Cash und Elvis. Ein Ambiente, da wirklich Lust aufs Verweilen, Stöbern, Kaufen und Fachsimpeln macht!Ich könnte hier gleich mehrere Stunden verbringen und wenn es einen Schwachpunkt gibt, dann ist es die Tatsache, daß ich Angst habe in einem solchen Laden in einen Kaufrausch zu verfallen und mit 27 CDs,3 Musikbüchern, sämtlichen Eldorado Magazinen und 5 Postern rauszugehen.
Und demnächst soll hier auch Alela Diane spielen. Der Termin ist aber noch "top secret".Mir werden die Leute von Fargo doch hoffentlich früh genug Bescheid sagen? Meine Güte, man kann sich jetzt schon vorstellen, wie eng und heiß es in dem Laden sein wird, denn schon heute schwitzte man sich fast zu Tode und war froh an die frische Luft zu kommen! ...
Boutique Fargo, 42 rue de la Folie Méricourt, Paris 11 ième, Metro Oberkampf, geöffnet von Dienstag bis Samstag 11-19 Uhr.
Mehr Fotos vom Fargo Store und dem Showcase, klick! * hier gibt es einen ausführlichen Konzertbericht davon.
Konzert: Mo' Fo' Festival, 2. Tag. Mit: Le Prince Miiaou, H-Burns, Coming Soon und vielen anderen Ort: Mains d'Oeuvres, Saint Ouen Datum: 30.01.2010 Zuschauer: überraschend viele
Ein Freund von mir hat mich neulich gefragt, ob es bekannte Bands auf diesem Mo' Fo' Festival gäbe. Ich überlegte kurz und verneinte schließlich. " Dann interessiert mich das nicht", sagte er mit abwertender Geste. Das sehe ich natürlich komplett anders. Ich gebe einen verdammten Scheißdreck darauf, ob Bands einem Massenpublikum bekannt sind oder nicht! Das einzige, was mich interessiert ist, ob die Kapellen gut sind. Darauf kommt es mir an. Und das Mo'Fo Festival verpflichtet Jahr für Jahr wahrlich glänzende Künstler. Die Liste derjenigen, die schon da waren ist lang, sie liest sich fast wie ein Who is Who der internationalen Folk- und Indieszene: Bonnie Prince Billy, Daniel Johnston, The Zombies, Silver Jews, Gossip, The Pastels, Herman Dune, Malcolm Middleton, The Mountain Ghosts, The Black Heart Procession, The Wave Pictures und und und. Hinzu kommen die besten französischen Künstler in dieser Kategorie.
In diesem Jahr hat man auf internationaler Seite mit dem ex-Arab Strap Aidan Moffat (trat am Freitag auf), der englischen Folksängerin Liz Green (am Sonntag am Start), dem Japaner Shugo Tokumaru (Sonntag) und den kultigen Engländern Television Personalities (Sonntag) auch wieder illustre Namen gewinnen können. Wer sagt da noch, daß das Festival schlecht besetzt sei?
Der heutige zweite Festivaltag war übrigens fest in französicher Hand. Aber auch da gab es Perlen, die keineswegs vor die Säue geworfen waren, denn das Publikum in Saint Ouen ist wunderbar fachkundig.
Im Einzelnen:
Le Prince Miiaou: Die junge Frau hinter dem bizarren Pseudonym ist ein Vulkan! Mit ihrem energiegeladenen Set elektrisierte sie mich von der ersten bis zur letzten Minute. Mit wasserstoffblond gefärbten Haaren hüpfte sie wie entfesselt über die Bühne schrie sich die Seele aus dem Leib und raubte mir damit die Sinne! Wow, war das intensiv! Und dann gab es auch noch sehr sinnliche Passage, wo Maud-Elisa fast wie Cat Power klang und mir eine wohlige Gänsehaut bereitete. Für mich ist sie jetzt schon der größte weibliche Rockstar, den es in Frankreich je gegeben hat! Ich weiß das schon eine Weile, aber jetzt merken das immer mehr andere und der Stern von Le Prince Miiaou steigt höher und höher und höher....
H-Burns: Der Mann mit der whiskygetränkten Folkstimme kommt nicht aus Nashville, Tennessee, sondern aus Valence, Südfrankreich. Zusammen mit seiner Begleitband spielte er ein hochkarätiges, folkrockiges Set, gespickt mit tollen neuen Songs vom aktuellen Album We Go Way Back. Schwer in Worte zu fassen, wie sehr ich die Musik von H-Burns liebe. Renaud Brustlein (der Mann hinter dem Moniker) ist so authentisch und geerdet, wie man es sich von einem Folkrocker nur wünschen kann. Keine großen Gesten, Ansagen, oder Ähnliches sondern einfach nur jede Menge fantastische Lieder. No bullshit, just good music.
Coming Soon: Die sechsköpfige Band aus Annecy ist so dermaßen jung, daß man sich verwundert die Augen reibt, daß man sie schon seit 2 bis 3 Jahren kennt und sie schon zwei richtige Alben auf den Markt gebracht haben. Der Schlagzeuger dürfte also inzwischen 15 sein. Oder ist er doch schon 16? Wie auch immer, diese Grünspechte wirbeln in Frankreich die Folkpop Szene gewaltig auf und auch Herman Düne und sein Bruder Stanley Brinks sind große Fans. Die 5 Jungs und das eine Mädel brachten auch heute wieder den Saal zum Kochen und sorgten für jede Menge glücklicher Zuschauer. Stilistisch sind sie eine Kreuzung aus Nick Cave, Lou Reed (den sie gecovert haben) und, nun ja, Herman Düne. Logisch, oder? Gut möglich, daß sie heute den größten Scheck aller Bands bekommen haben*, denn ihr Set dauerte mit Abstand am längsten. Während andere mit 30-45 Minuten Spielzeit Vorlieb nehmen mussten, durften sie mindestens eine ganze Stunde lang zeigen, was sie drauf haben.
Setlist Le Prince Miiaou, Mo'FO' Festival 2010:
01: Blabla 02: Our Tale 03: This Is Not A Map 04: Hawaiian Tree 05: Frénésies Horzontales 06: Intermède 07: Starfish Position 08: No Compassion Available 09: Football Team
Setlist H-Burns, Mo' Fo' Festival 2010:
01: We Go Way Back 02: You Weren't 03: Sail On 04: Half A Man/ Half A Freak 05: Tom Waits 06: Images Are Getting Hard To See 07: Horses With No Medals 08: A Part Of The Film 09: Fires In Empty Buildings 10: Are You Scared Of The Dawn
* wobei wir hier sicherlich nicht von hohen Summen sprechen, das versteht sich von selbst.
Links:
- Selbst Blogger-Mozart Eike vom Klienicum hat (hier!) bereits über H-Burns geschrieben. - Das Klienicum zu Shugo Tokumaru, klick! - Das Klienicum hat Liz Green schon einmal live gesehen. Hier der Bericht. - Tolle Fotos vom Konzert von Le Prince Miiaou gibt es bei le-Hiboo.com
Konzert: H-Burns (My Girlfriend Is Better Than Yours) Ort: Sunset Jazz Bar, Paris Datum:03.09.2008 Zuschauer: hmm, vielleicht 100-130
Zum ersten Male den Namen H-Burns hatte ich gehört, als ich mich mit Dorothée, der Sängerin der Band Hopper und ihres eigenen Projekts The Rodeo, unterhielt.
"Da gibt's so nen Typen aus Valence (Frankreich), der singt und spielt, als käme er aus Nashville, Tennessee! schwärmte sie mir vor und legte mir ans Herz, mich doch einmal mit H-Burns zu beschäftigen.
Kurze Zeit später bekam ich die Gelgenheit, den robust gebauten Sänger, der mit bürgerlichem Namen Renaud Brustlein heißt, live kennenzulernen. Er spielte vor meinen Augen im Café de la Danse, im Vorprogramm von Syd Matters. Schon damals fiel mir seine famose Country-Stimme auf, die so klingt, als würde er morgens mit Whiskey gurgeln.
Ich besorgte mir sein zweites Album How Strange It Is To Be Anything At All und war schon nach wenigen Hördurchgängen völlig begeistert. Wie wunderbar erdig und warm das alles klang! Und dann auch noch diese harmonischen Arrangements mit Mandoline und so. Hach, einfach toll! Mir war schnell klar: H-Burns müsste ich schnell wiedersehen!
Oben vor der Tür war schon so einiges los, Olivier Marguerit von My Girlfriend Is Better Than Yours (und Syd Matters) stand noch draussen rum, daneben sein lockenköpfiger Partner Rémie Alexandre (Gitarrist bei Syd Matters) und auch Renaud Brustlein aka H-Burns selbst.
Besonders freute ich mich aber meine Bekannten June et Jim wiederzutreffen, die ich bei Alina Simone kennengelernt hatte. Das reizende französisch, spanische Pärchen spielt selbst sehr hübsch gemachte Folkmusik und guckt sich auch gern Konzerte von Folk-Größen an, zuletzt sah ich sie bei Bill Callahan (Smog).
H-Burns kannten die beiden noch nicht, aber ich versprach ihnen, dass das ganz nach ihrem Geschmack sein würde.
Man trat ein und ich sah zu meiner Freude, dass auch Jonathan Morali, der sympathische Sänger von Syd Matters da war. Er sollte später aktiv ins Geschehen eingreifen.
Dann ging es mit der mir bestens bekannten Vorgruppe My Girlfriend Is Better Than Yours los. Olivier schnappte sich seine Gitarre und Lola (Name von der Redaktion geändert, da ich nicht weiß, ob sie ihren richtigen Namen nennen will) stellte sich hinter ihr Keyboard.
Olivier und Lola aka Dirty Holy und Bud Low startetem mit dem verträumten Stück From My Sofa, das man auch auf ihrer MySpace Seite anhören kann. Herrlicher French Pop mit psychedelischem Einschlag ist das, süß sauer angerichtet sozusagen!
Auch Girl From South danach war unterhaltsam, Lola spielte zu diesem indianischen Folksong die Squaw und imitierte witzigerweise auch die passenden Angriffsgeräusche (wie kleine Kinder, die Cowboy und Indianer spielen). Köstlich!
Schade, dass man das folgende Sahnestück Like A Rebirth nicht bei MySpace anhören kann, das schwungvolle Lied hat nämlich auf jeden Fall Hitqualitäten, genau wie die von mir bereits in anderen Reviews beschriebene Country-Ballade Winterfarmlands.
Und den Erlkönig kann man im Internet zwar nicht in der Version von My Girlfriend Is Better Than Yours anhören, dafür aber in seiner gut sortierten Bibliothek finden.
"Wer reitet so spät durch Nacht und Wind? Es ist der Vater mit seinem Kind"; Na wer weiss, wie das Gedicht weitergeht? Und von wem stammt es? Antwort a) Rilke b) Goethe c) Skorpion...
Gelehrte Mitmenschen schlagen bitte mal in einem Lexikon nach, wenn sie es nicht wissen, oder kaufen sich das Büchlein am besten.
Wie schon gesagt, ein höchst unterhaltsames Duo, das von Jonathan Morali von Syd Matters höchstpersönlich am Piano begleitet wurde und mit dem psychedelischen My Dictionary das tolle Konzert beschloss.
Setlist My Girlfriend Is Better Than Yours, Sunset, Paris:
01: From My Sofa 02: Girl From South 03: Like A Rebirth 04: Winterfarmland 05: Der Erlkönig (nach Goethe) 06: My Dictionary
Danach waren H-Burns und seine Band an der Reihe. Es wurde u.a. eine Pedalsteel-Gitarre, eine Mandoline und sogar eine sängende Säge aufgeboten, um die knisternden Songs, zum Großteil dem Album How Strange It Is To Be Anything At All entstammend, perfekt dazubieten.
Renaud aka H-Burns fing zunächst aber ganz alleine an und zwar mit einem Stück, das man auf seiner MySpace Seite finden kann. Nach dem mir unbekannten Invitation stieß dann Jonathan Morali aka Syd Matters bei Blame It On The Distance mit hinzu. Er spielte im Verlaufe des wundervollen Konzertes Piano, Gitarre und die singende Säge (!).
Blame It On The Distance ist eines der Sahnestücke des zweiten Albums von H-Burns, es ist im Gegensatz zu den anderen, teilweise recht stark reduzierten Stücken, ziemlich stark instrumentiert und begeisterte vor allem in der schwungvollen Liveversion. Auch Contrary Winds war gelungen, kam aber nicht an gegen das was danach kam. Horses With No Medals ist nämlich ein unverschämter Ohrwurm und heisser Kandidat für den besten Countrysong des Jahres! Olivier Marguerit kam zu diesem melodieseligen Schunkler mit hinzu und spielte Gitarre, während im Hintergrund die Pedalsteel auf das Schönste jaulte. Wir befanden uns in der besten Phase des ohnehin an Höhepunkten nicht armen Sets. Bei dem melancholischen Big City Blues spielte Jonathan die bereits erwähnte singende Säge, bevor gegen Ende mehere neue, noch unveröffentlichte Stücke erfolgreich getestet wurden. Innerhalb der Albumsongs ragte auch noch Daylight Vs You heraus, ein Lied mit einer himmlischen Melodie und einer entzückenden Mandoline. Ich liebe es, so wie ich ohnehin so einiges an H-Burns liebe. Seine rauchige Stimme, seine natürlich-bescheidenen Art, seine Poesie, sein Songwriting...
Sollte etwa ausgerechnet ein Franzose das Erbe Bob Dylans antreten? Warum nicht, die Nordamerikaner scheinen den Frenchie schon in ihr Herz geschlossen zu haben, im Sommer 2008 spielte er etliche Konzerte in Quebec (Kanada) und sogar in New York. Stark! Genau wie das Konzert heute.
Bis bald, Cowboy aus Valence!
01: So Long Dying Cities 02: Invitation 03: Blame It On The Distance 04: Contrary Winds 05: Horses With No Medals 06: Big City Blues 07: Two Headed Boy 08: Hogtown 09: Daylight vs You 10: Easter Everyday (neu) 11: Are You Scared Of The Dawn? (neu)
12: Lonely Nights On Queen St (Z) 13: I Can Haunt You (Z)
Mein Zuhause. Mein Blog. ist als kleines privates Konzert- Tagebuch entstanden. Und weil es zur Zeit musikalisch so spannend ist, wächst unsere Sammlung schnell. Wir schreiben die Berichte spontan, unüberarbeitet und so zeitnah wie möglich. Die Reviews stehen meist noch in der gleichen Nacht online, spätestens jedoch am nächsten Tag. Musik ist für uns vor allem Spaß und keine Wissenschaft.
Wir sind: Oliver Peel aus Paris Christoph aus nicht weit von Köln Julius aus Wien Gudrun aus Karlsruhe Tanita aus Mainz Jens aus Stuttgart Ursula aus Frankfurt Michael aus Chemnitz Dirk aus Mönchengladbach Vielen Dank unseren Gastautoren!
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