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Mittwoch, 21. September 2011

Man Man & The Wave Pictures & Little Scream, Paris, 16.09.11

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Konzert: Man Man & The Wave Pictures & Little Scream
Ort: Le Café de la Danse, Paris
Datum: 16.09.11
Zuschauer: relativ voll, etwa 350
Konzertdauer: Man Man 75 Minuten, The Wave Pictures etwa 40-45 Minuten, Little Scream 30 Minuten


Oft weckt ja schon der Blick auf das Label die Neugierde auf einen Musiker. So geschehen im Falle von Little Scream, die auf Secretly Canadian (Damien Jurado, The War On Drugs, Antony And The Johnsons und und und) veröffentlicht und deshalb in den Fokus meines Interesses gerückt war. Als ich sah, daß sie im Pariser Café de la Danse spielen würde, war klar, daß ich da dabei sein musste.

Allerdings war die Zeitansetzung schon wieder so enorm ungünstig, daß ich ein paar Titel verpasste. Bereits um 19 Uhr 30 hatte man Laurel Sprengelmeyer, die Musikerin die hinter dem Pseudonym steckt, auf die noch nicht sehr zahlreich versammelten Leute gehetzt. Zusammen mit zwei männlichen Mitmusikern an Gitarre und Schlagzeug zog sie eine ungemein rockige Show ab. Darauf war ich nach Anhören ihrer Titel im Internet nicht gefasst. Ich erwartete eher ruhigen, melancholischen Folk und keine Rockröhre, die einem den verpoppten Arsch versohlt. Das klang mehr nach Hole als nach Cat Power und schepperte und schrammelte mir ehrlich gesagt ein wenig zuviel. Von herzerwärmenden Balladen im Stile von Heron And The Fox (ein famoses Lied!) war weit und breit nichts zu hören. Stattdessen fetzte sie auf Zehenspitzen stehend durch ihr explosives Set und wirkte dabei wie eine agressive Tennispielerin im Stile von Serena Williams, die permanent wie eine Gestörte auf die Kugel hämmert, scheißegal ob der Ball reingeht oder zehn Meter ins Aus fliegt. Der Tennisspielerinnen- Look wurde noch unterstrichen durch ihre roten Nike Turnschuhe und ihre kurze Short. Ein sympathisches Mädel, das mit der gesamten Musikelite von Montreal (Mitglieder von Arcade Fire, den Stars, Snailhouse, etc) für ihr Album The Golden Record zusammengearbeitet hat.

Hinterher habe ich mich geärgert, diese CD nicht gekauft zu haben, denn ich bin sicher, daß sie sehr gelungen ist. Ihr Konzert war mir allerdings zu wild, schließlich bin ich in den letzten Jahren zum Weichei mutiert und stehe eher auf Musikerinnen die winseln, anstatt rumzuschreien. Nun ja, der Schrei (Scream) steckt ja schon im Bandnamen...



Danach traten die britischen The Wave Pictures an. Der Dreier um Frontmann Dave Tattersaal spielt wundervollen Retropop, konnte mich aber an jenem 16. September nicht wirklich begeistern. Den drei wahnsinnig netten Jungs fehlt es einfach ein wenig an Charisma und Bühnenpräsenz, das muss man mal so deutlich sagen. Bassist Franic steht nur steif rum, Dave selbst wirkt immer unglaublich verträumt und ist einfach viel zu zahm für einen echten Rockstar und nur Drummer Jonny Helm sorgte immer mal wieder für etwas Pfeffer, vor allem dann, wenn er wie dies in zwei Fallen gegeben war, selbst sang. Gepflegte Langeweile war also die vorherrschende Emotion. Leider.

Dass Man Man aus Philadelphia, die als Letzte auftraten, langweilig waren, konnte man wahrlich nicht sagen. Vor allem der Sänger mit dem unsagbar häßlichen Pornobalken und den tuntigen Klamotten und der Drummer gaben Gas ohne Ende. Das Problem war bloß, das ich das Ganze musikalisch grauenvoll fand (ein kruder Mix aus Balkanfolk und trashigen Pop mit Saxofon, auf den Bloggerlemminge sicherlich fliegen) und mich das Rumgehampel ziemlich bald nervte. Ich habe wenig Sinn für Musiker, die sich einen Spaß daraus machen, doof auszusehen und sich dabei noch unglaublich cool und witzig vorkommen. Ich langweilte mich nun nicht mehr gepflegt, sondern gräßlich. Ich wollte weg hier und dies obwohl um mich herum alle saumäßig Spaß hatten und tanzten. Sogar einen Crowdsurfer gab es, ein absolutes Novum im sonst so gesitteten (und gesetzten) Café de la Danse. Nach etwa 75 Minuten war aber die Tortur glücklicherweise vorbei und ich um die Erkenntnis reicher, daß Man Man nicht mein Wetter sind. Sollen sich andere mit ihnen wie Bolle amüsieren, über das Geklimper mit den Schlüsseln kichern und sich über das seltsame Outfit des Sängers beömmeln.




Hervorragende Fotos hat Sarah Bastin. Klick!



Sonntag, 15. Februar 2009

Malcolm Middleton, Saint Ouen, 31.01.09

3 Kommentare

Konzert:
Malcolm Middleton beim Mo'Fo' Festival.
Ort: Mais d'Ouevres, Saint Ouen bei Paris
Datum: 31.01.2009
Zuschauer: so einige




An dieser Stelle muß trotz der inzwischen verstrichenen Zeit noch einmal gesagt werden, daß Malcolm Middleton mein ganz großer Held des wundervollen Mo' Fo Festivals in Saint Ouen bei Paris war! Der blass-blonde Schotte erschien alleine mit seiner Akustikgitarre und bestach durch sein äußerst feines, gefühlvolles und hochpräzises Spiel. Selten hat mich ein Singer/Songwriter so berührt und geradezu benommen gemacht vor Glück wie der Ex Arab Strap Musiker. Es war einfach wunderwunderschön und dies trotz all dieser deprimierenden Texte! Mit Four Cigarettes vom dritten Album A Brighter Beat hatte er mich erstmals angeknockt. In einer im Vergleich zum recht rockigen und reichhaltig instrumentierten Album reduzierteren Version, setzte er mit seinen typisch niederschmetternden Lyrics erste Wirkungstreffer: "You know I'm trying to find my way, I don't remember luck, I don't remember luck, I remember failure, after failure, I'm drinking too much, I'm running away." So ganz abgespeckt auf der Gitarre vorgetragen, wurden die Texte noch eindringlicher, noch berührender.

Kurze Zeit später traf der Schotte erneut wunde Punkte, als er nämlich Cold Winter vom ersten Album 5:14 Fluoxytine Seagull Alcohol John Nicotine intonierte. Wie er auf herzzereißende Art und Weise Sätze wie I'm to cold to be alone this winter oder vor allem I think I need professional help to get better this may take some time ", sang, daß war schon zum Schluchzen und manchmal hatte ich fast das Bedürfnis, mich an den Schultern meines Konzertnachbarn auszuweinen. Aber es galt Fassung zu bewahren, schließlich verzog auch Malcolm selbst kaum eine Miene. Wenn er seine depressiven Songs beendet hatte, bedankte er sich jeweils nur kurz, griff zu seinem Bierbecher, nahm einen kurzen Schluck und machte weiter. Anekdoten zu erzählen, ist wahrlich nicht seine Stärke, alles was er mitzuteilen hat, äußert er in seinen Liedern, großartige Erläuterungen braucht es da aus seiner Sicht anscheinend nicht mehr. Diese Zurückhaltung macht ihn sehr sympatisch, man merkt, daß er niemand ist, der eine große Show abziehen will und daß es ihm fast peinlich ist, für die Dauer seines Auftritts imMittelpunkt zu stehen. Ein Stoiker, dieser Malcolm, aber eben ein unglaublich liebenswürdiger, weil man merkt, daß er sein Publikum liebt und sich größte Mühe gibt, sein bestmögliches Konzert abzuliefern. Er ist einfach sehr konzentriert bei der Sache und spielt traumwandlerisch sicher, feinfühlig und präzise auf seiner Gitarre, wie man es ansonsten nur ganz selten erlebt. Er hat's einfach drauf, das wird einem schnell bewußt! Und wer verfügt schon über ein solch ungewöhnliches Songwriting, daß einem geradezu Lust darauf gibt, traurig und dpressiv zu sein.? Ja, die Depression wird hier regelrecht zelebriert und abgefeiert, bei dem wunderbaren Crappo The Clown, ebenfalls vom Debütalbum 5:14 Fluoxytine Seagull Alcohol John Nicotine stammend, wird das noch einmal ganz deutlich: "I can guarantee bad time and yes I can promise tears. I can destroy hope." Geht es niederschmetternder? Seltsamerweise führt aber gerade dieser Pessimismus zum Aufkeimen von Hoffnung, weil er mit einem solch lässigen Schulterzucken gegenüber den Unwägbarkeiten und Grausamkeiten des Lebens gespielt wird, daß man unweigerlich denkt: Schlimmer kann es ja wirklich nicht mehr kommen und überhaupt: Wer sagt denn, daß Leiden immer nur schrecklich sein muß? Hat uns Thomas Mann in seinem Zauberberg nicht gezeigt, daß im Leiden und der Krankheit auch eine bestechende Ästhetik liegen kann?

Ganz besonders aufhorchen ließ mich schließlich auch noch das abschließende The Devil and the Angel. "Last night when I was sleeping a devil came to me. She said Malcolm , Malcolm , your soul belongs to me. And you'll never amount to anything, you'll never achieve anything, you'll never be good at anything... and your songs are shite."

Kurze Zeit später begegnet Malcky aber im Traum ein Engel, der genau das Gegenteil von dem Teufel sagt und mit dem zutreffenden Satz : "And your songs are alright" abschließt. Am Ende muss sich Malcky für einen Weg entscheiden und ich empfehle jedem einmal das Ende des Songtextes zu lesen.

Das spielte aber für mich für die Beurteilung des Konzertes keine Rolle mehr, denn ich hatte es bereits Im Laufe des Sets getroffen: Die Lieder von Malcky sind mehr als nur "alright", die sind grandios! Und Malcolm Middleton ist in eine Reihe mit Helden wie Bonnie "Prince" Billy oder Elliott Smith zu stellen. Nichts weniger als das, jawohl! Cheers!

Malcolm, Malcolm , Malcolm!!!

Setlist Malcolm Middleton, Mo'Fo Festival, Mains d'ouvres Saint Ouen (der Künstler überreichte sie mir persönlich: cheers again!):


01: D&A
02: The Loneliest Night Of My Life Came Calling
03: Break My Heart
04: Devastation
05: Monday Night Nothing
06: A Brighter Beat
07: Four Cigarettes
08: Cheer Down
09: Pick Me Up
10: Week Off
11: Total Belief
12: Just Like Anything
13: Red Travellin' Socks
14: Shadows
15: Made Up Your Mind
16: The Devil & The Angel

Zusätzlich wurden auch Follow Robin Down, Cold Winter und Crappo The Clown gespielt, so ziemlich in der Mitte. M. Middleton hat sie erst später hinzugefügt, nachdem er Somebody Loves You und Ballad Of Fuck All kurzfristig aus dem Programm genommen hatte.

Links:

- Malcolm Middleton Videoclip Cold Winter
- Malcolm Middleton Videoclip Crappo The Clown
- Week Off live @ Santiago Alquimista





Mittwoch, 4. Februar 2009

The Wave Pictures, Laetitia Sheriff, The Fishermen Three, u.v.a., Saint Ouen, 31.01.09

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Konzert: Mo'Fo' Festival. Mit: Malcolm Middleton, The Wave Pictures, Laetitia Sheriff, Damon & Naomi, Jason Edwards, Arrigton de Dionyso, The Fishermen Three, Bob Robot

Ort: Mais d'Oeuvres, Saint Ouen bei Paris
Datum: 31.01.2009
Zuschauer: so einige, verteilt auf zwei Konzerträume



Eigentlich hatte ich nicht vorgesehen, auch beim zweiten Tag des feinen Mo' Fo Festivals in Saint Ouen, vor den Toren von Paris, mit dabei zu sein. Zu kräftezehrend sind nämlich solche Events für Konzertblogger, weil man dann Informationen über ein halbes Dutzend Bands zusammentragen und auswerten muß. Und darüber hinaus halte ich mir eigentlich gerne den Samstag für andere Dinge frei.

Das heutige Programm war dann aber doch zu verlockend und letztlich sollte ich mein Erscheinen keineswegs bereuen, im Gegenteil!

Ich kam sehr pünktlich an, schon zur ersten Band, den Franzosen Bob Robot, die einen melodiösen Powerpop boten. Es waren noch nicht sehr viele Zuschauer da und so hielt sich auch die Stimmung noch in Grenzen. Ich sah mir ein wenig den Vortrag an, war aber noch nicht richtig aufnahmefähig und wollte zudem ein wenig Kraft und Aufmerksamkeit für meine Lieblinge des Abends, Malcolm Middleton und The Wave Pictures, aufheben.

Ein wenig planlos schlenderte ich durch die weiträumigen Flure des Musikzentrums und beschloß, erst einmal etwas zu mampfen. Erstaunlicherweise war für Verpflegung gesorgt, eigentlich eine Seltenheit bei französischen Festivals, da die Fast Food - Kultur im Mutterland der guten Küche nach wie vor verpönt ist. Man ißt am Tisch oder gar nicht, so in etwa lautet die Devise der meisten Franzosen auch noch heute. Fresserei zwischen den Hauptmahlzeiten gilt als verpönt und unkultiviert. Oft schon haben sich Franzosen in meiner Umgebung über die deutsche Unsitte, auf der Straße Brat- oder Currywürste in sich reinzustopfen, belustigt. Wenn die Froschfresser dann aber mal im Kastanienalle-Viertel in Berlin sind, gehen sie auch gerne mal zu Konopke. Die sollen sich also mal gar nicht so aufspielen!

Mit gestärktem Magen ging ich zum nächsten Konzert über. Wobei ich mich im Falle von Arrington de Dionyso mit dem Ausdruck Konzert schwer tue. Was der schnauzbärtige Ami da auf der Bühne zeigte, hatte irgendwie mit einer stark improvisierten Performance- Kunst zu tun. Es war teilweise nicht alles andere als gruselig zu nennen, was der Bursche da so alles abzog! In einer besonders seltsamen Szene kniete er sich mitsamt einem Tambourin in der Hand auf den Boden und greinte sein Instrument an. Die Laute, die er dabei ausstieß, hatten etwas Schamanisches. Betrieb er da etwa eine Teufelsasusreibung, oder irgend etwas in der Art? Als hätte er Zahnschmerzen, greinte, stöhnte und ächzte er und ich bekam es fast mit der Angst zu tun! In einem anderen seltsamen Moment stieß er hingegen Laute hervor, die man so ähnlich von einem Muezzin in islamischen Ländern kennt. "Allah Ekber", ihr kennt das ja, wenn ihr schon einmal in Marokko, oder der Türkei wart...

Kraß, das Ganze!

Wer so etwas spannend findet, bekommt in Deutschland schon sehr bald die Gelegenheit, Arrington de Dinoysos Spektakel live zu sehen. Er spielt am 23.02. bei Madame Claude in Berlin, am 24.02. ist er in der Friese in Bremen, 25.02. irgendwo im hessischen Wetzlar und am 26.02. in der Ottinger Villa in Darmstadt. Viel Spaß und gute Nerven wünsche ich allen Zusehern!

Schließlich ging es aber wieder mit "richtiger" Musik weiter. Jason Edwards und seine mehrköpfige Begleitband waren an der Reihe. Und was der Amerikaner mit Wohnsitz Paris bot, war wirklich gut und hochklassig! Er selbst spielte Gitarre, aber seine Gruppe sorgte für eine abwechslungsreiche und originelle Instrumentierung. Es gab phasenweise zwei Saxophone gleichzeitig, dann ab und zu eine Querflöte, einen Kontrabaß und eine Backgroundsängerin, die mit ihrer lieblichen Stimme einen interessanten Kontrast zu der rauchigen und tiefen Stimme von Jason bildete. Auch die gespielten Songs waren gut, an ihnen klebte jede Menge heißer, trockener Wüstensand und man fühlte sich ziemlich bald nicht mehr in der Näge von Paris, sondern war irgendwo im Mittleren Westen der Vereinigten Staaten. Musikalische Ähnlichkeiten sah ich zu Künstlern und Gruppen wie Tom Waits, Bob Dylan Devotchka, Moriarty, Beirut und John Shannon. Obwohl ich vorher kein einziges Lied kannte, war ich von dem bluesigen und phasenweise psychedelischen Sound keine Sekunde gelangweilt. Eine wahre Entdeckung also. Ich habe mir fest vorgenommen, mich einmal näher mit dem Werk des Künstlers auseinanderzusetzen.

Das Gleiche gilt auch bezüglich der auf der anderen Bühne startenden Amerikaner The Fishermen Three. Das Trio, bestehend aus Simon Beins, Raphi Gottesman und Jack Lewis, bezeichnet seinen Stil schlicht als Country. Ganz so rustikal klingen sie aber freilich nicht, was vielleicht damit zu tun hat, daß sie auch Morrissey als Einfluss nennen. Eine richtige feine Band mit guten Songs sind diese Fishermen Three, erstaunlich, daß sie so dermaßen unbekannt sind! Aber das scheint sich schon dieses Jahr zu ändern, denn die drei Kerle touren in England mit den Cribs und das dürfte ihnen doch deutlich Auftrieb verleihen. Auch in Paris kamen sie ziemlich gut an, was auch daran lag, daß sie immer für einen Joke zu haben waren und bereitwillig Anekdötchen von ihrem Touralltag erzählten. Auffällig vor allem der Bassist: Der sah irgendwie wie Dave Grohl aus, trug aber keine engen Jeans, sondern eine Bermuda-Short und dazu ein Hawaii- Hemd.

Beschäftigt euch ruhig mal mit ihnen, es könnte sich als lohnend herausstellen!

Mit sehr sanften und harmonischen Klängen ging es weiter im Programm. Sie stammten von dem gemischten amerikanischen Duo Damon & Naomi, die früher auch einmal bei der Band Galaxy 500 aktiv waren. Er spielte damals Schlagzeug, sie Baß. Dies hat sich mit ihrem eigenen Projekt geändert, denn Damon ist nun Akustikgitarrist und Naomi Keyboarderin. Und noch etwas hat sich verändert. Waren sie früher von (Post)- Punk Bands wie Velvet Undeground, Joy Division und The Clash beeinflußt, sind sie im Laufe der Jahre immer folkiger geworden. Nicht weiter verwunderlich also, daß sie mit einer Coverversion von Tim Buckley in ihr Set starteten.

Alles klang fein und ausgewogen und die beiden strahlten eine unglaubliche Ruhe aus, die auch in ihrer Musik zum Ausdruck kam. Das Pärchen aus New York scheint keinen besondern Moden zu folgen und vielleicht werden sie auch deshalb von den Medien nicht wirklich wahrgenommen, auch ich persönlich hörte heute zum ersten Mal von ihnen. Dabei sind sie schon seit 1992 aktiv und haben mehr als ein halbes Dutzend Alben hervorgebracht, darunter auch ein Werk, welches sie zusammen mit der japanischen Band Ghost gemacht haben. Auch davon stammte ein Titel des heutigen Abends. Den Song New York City haben sie geschrieben, weil sie - wenn ich das richtig verstanden habe - in Boston leben und oft Sehnsucht nach ihrer alten Stadt haben. Es geht da auch um die Gefühle, die sie überkommen, wenn sie die Autofahrt von Boston nach New York antreten. Gute Musiker diese beiden Ostkünstler, aber - und hier kommt eine kleine Kritik - trotz der Wohlklänge, die sie verbreiten, eine Spur eintönig. Manchmal fehlte mir einfach ein wenig Feuer, ein Ausbrechen aus der Ruhe und Sanftheit. Deshalb wurde es mir irgendwann auch ein wenig zäh.

Dennoch: Damon & Naomi hätten durchaus mehr Aufmerksamkeit verdient!

Gleiches gilt auch für die jetzt antretenden The Wave Pictures. Die sind nämlich trotz ihres knabenhaften Aussehens schon eine routinierte und langgediente Band, was auch durch die Tatsache belegt wird, daß sie bereits 2002 beim Mo' Fo Festivals in Saint Ouen bei Paris angetreten waren. "Hey, uns gibt es schon länger als die Beatles!", rief dann auch treffenderweise der semmelblonde Sänger und Gitarrist David Tattersall aus. Und der Kerl hat recht, die Wave Pictures gibt es seit 1998 (damals nannten sie sich allerdings noch Blind Summit) und somit seit 11 Jahren, die legendären Beatles bestanden nur ganze 10 Jahre! David Tattersall amüsierte sich ohnehin köstlich darüber, daß seine Band in dem Programmheft als "Hoffnung und Geheimtip" für das Musikjahr 2009 bezeichnet wurde. "Ja haben wir denn die ganzen Jahre vorher etwa nichts gemacht?", wunderte er sich grinsend.

Nun, das natürlich nicht, aber vielleicht haben sie einfach mit dem aktuellen Werk Instant Coffe Baby ihr bisher bestes Album vorgelegt. Wie auch immer, Fakt ist, daß das Trio (neben David spielt der pausbäckige Franic Baß und Jonny Schlagzeug)) starke Lieder zu bieten hat! Strange Fruit For David z.B., das schon sehr früh kam, ist ein Hammer, den auch die musikalisch vergleichbaren The Coral nicht besser hinbekommen hätten! Auch der Text dazu ist ziemlich cool, Sätze wie "a scuplture is a sculpture/ marmelade is marmelade and a sculpture of marmelade is a scuplture but not marmelade", muß man sich erst einmal ausdenken!

Ihr unverschämter Retro-Charme und ihre Nonchalance kamen auf jeden Fall beim Pariser Publikum, darunter ihr Freund und Wegbegleiter David-Ivar aka Yaya Düne, der auch Schirmherr dieses Festivals ist, blendend an. Man nahm es ihnen auch nicht übel, daß Drummer Jonny Helm schon nach dem ersten Lied nichts besseres einfiel, als darauf hinzuweisen, daß man im Obergeschoß CDs verkaufe. Sänger David rettete die Situation, in dem er seinen Schlagzeuger anpflaumte: Hey why are you talking about money now? You have to charme the audience first and then you can talk about the business!"

Jonny rehabilierte sich ohnehin dadurch, daß er in der Mitte des Programms wie ein schüchterner Schuljunge, Now You Are Pregnant vortrug, nachdem er erläuternd vorausgeschickt hatte, daß es inhaltlich darum ginge, daß man sich in ein Mädchen verknallt habe und dann feststellen muß, daß sie von einem anderen schwanger ist. Tja, scheiße gelaufen!

Aber für die Wave Pictures selbst läuft es ja blendend, schließlich haben sie Hitsongs wie Kiss Me oder I Love You Like A Madman im Gepäck und somit endgültig das Potential, den Durchbruch zu schaffen. Zu wünschen wäre es ihnen, denn neben ihrer natürlich- sympathischen Art, begeisterten sie mit einem Sound im Stile eines Jonathan Richman und verblüfften das Publikum auch immer wieder mit ihren überraschenden Tempowechseln.

Ein klasse Auftritt war das! Daumen hoch für die Wave Pictures!

Es war schon weit nach Mitternacht, als die rassige Bassistin und Sängerin Laetitia Sheriff zusammen mit ihren beiden männlichen Kollegen an Gitarre und Schlagzeug auf der kleineren der beiden Bühnen an den Start ging. Einige Zuschauer hatten schon die Heimreise angetreten und so befand ich mich schließlich in Gesellschaft von richtigen Fans und Nachteulen. Das Konzert von Laetitia war ohnehin ein besonderer Bonus, denn es war ursprünglich nicht für diesen Samstag, sondern bereits für den Donnerstag vorgesehen. Da aber an jenem Donnerstag der ganze Festivaltag wegen der unsäglichen Streiks der Verkehrsbetriebe abgesagt wurde, kam man neben dem ursprünglichen Line-Up noch in den Genuß von Laetitia Sheriff, deren Konzert nachgeholt wurde. Wenigstens ein positiver Nebeneffekt der blöden Streikerei also!

Leatitia selbst war ohnehin alles andere als zum Streiken zu Mute, sie steckte ihre ganze Energie vielmehr in etwas Sinnvolles und Positives: In ihre höllisch rockende, düstere Musik nämlich! Nicht umsonst wurde sie schon des öfteren mit PJ Harvey verglichen und selbst wenn der Schatten der großartigen Engländerin noch viel zu lang sein dürfte, kann man die Französin, die in Paris und Lille aufgewachsen ist, getrost als eine der ganz großen Hoffnungen des französischen Indierocks bezeichnen! Würde sie ihr Akzent nicht ab und zu verraten, man könnte ihre Kompositionen für amerikanisch oder englisch halten. Hier wird nicht auf Teufel komm raus versucht, einen Hit für die Mainstreamcharts zu landen, sondern man geht bewußt den steinigen Weg, mit den Songs Leute aus der Indieszene für sich zu begeistern und über Mundpropaganda und gute Liveautritte bekannter zu werden. Nicht umsonst ist Laetitia bei dem feinen Pariser Label Fargo gesignt, das ansonsten eigentlich Größtenteils amerikanische Folkmusiker wie z. B. Alela Diane beherbergt. Zwei Alben stehen auf dem Guthabenkonto, darunter das aktuelle Games Over (2008), das von Kritikern besonders gelobt wurde. Hiervon stammten dann logischerweise auch die meisten Titel des circa. einstündigen, explosiven Sets. Highlights darunter hervorzuheben fällt mir nicht leicht, sicherlich gehörte aber Hullabaloo mit seinem markanten Baßlauf zu den auffälligsten Tracks. Auch Let's Party wirbelte Staub auf und brachte das wild abrockende Publikum zum Kochen. Mir war sowieso heiß, weil ich die glutäugige Sängerin enorm hübsch und attraktiv fand. Ich war anscheinend nicht der Einzige dem es so erging, denn mehrfach gab es von den Männern im Raume anerkennende Pfiffe, die die Umgarnte witzig und schlagfertig konterte, indem sie neckische Blicke in die Runde warf, ansonsten aber nicht weiter auf die Anmache reagierte, sondern anmerkte, daß dafür heute keine Zeit sei.

Ich werde Laetitia nicht nur wegen ihres attraktiven Äußeren im Auge behalten!

Setlist Laetitia Sheriff, Mo' Fo Festival Saint Ouen:

01: The Story Won't Persist
02: Solitary Play
03: Roses
04: Aquarius
05: Let's Party
06: Black Dog
07: Memento, Put Her In The Picture
08; Hullabaloo
09: Codification
10: Lockless

11: The Evil Eye

Anmerkung: Das Konzert des ebenfalls spielenden Malcolm Middleton werde ich ausgliedern und gesondert beleuchten, Malcey hat das verdient!

Links:

- Charmante Session von Le Cargo.org:

Laetitia Sheriff - Let's Party
Laetitia Sheriff -
Hullabaloo




Dienstag, 28. Oktober 2008

Coming Soon, Paris, 27.10.08

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Konzert: Coming Soon (The Wave Pictures)
Ort: Café de la danse
Datum: 27.10.2008
Zuschauer: viele
Konzertdauer: Wave Pictures gut 30 Minuten, Coming Soon gut 70 Minuten



Und weil es so schön war gestern, heute noch einmal Coming Soon!

Ein wichtiger Grund heute erneut im Café de la Danse zu erscheinen, war allerdings auch die Vorgruppe. The Wave Pictures wurden unlängst von Lisa Li Lund als die beste Band der Welt bezeichnet und wenn Lisa das sagt muß das doch stimmen, oder?

Aber halt! Wer ist denn überhaupt Lisa Li Lund ? Nun, wenn ich sage, daß es sich um die Schwester von David-Ivar und André Herman Düne handelt, stimmt das zwar, reduziert die Künstlerin aber auf die ungeliebte Rolle der kleinen Schwester von bereits bekannten Musikern.

Also, sagen wir es lieber so, Lisa Li Lund ist eine junge aufstrebende Künstlerin mit einer sehr hübschen Stimme, die ihren eigenen Weg verfolgt und erst kürzlich ein Album zusammen mit der französischen Band French Cowboy auf den Markt gebracht hat.

Und da Lisa eine Freundin von den Wave Pictures ist und schon mit dem Trio auf Tour war, durfte sie auch zusammen mit den Londonern bei ein paar Liedern mitzwitschern.

The Wave Pictures waren erst vor ein paar Wochen in Paris, als sie nämlich am gleichen Abend wie die Rascals in der Flèche d'or auftraten. Ich hatte ihr kurzes Set aber nicht mehr mitbekommen, weil mich damals meine Müdigkeit und das unglaubliche Gedränge in dem Laden nach Hause getrieben hatten.

Heute also die Chance, Versäumtes nachzuholen und mein frühes Erscheinen im Café de la Danse sollte sich als lohnend herausstellen! Die dreiköpfige Band um den semmelblonden Sänger und Gitarristen David Tattersall bot nämlich sehr charmanten englischen Indierock, der an tolle Gruppen wie The Coral, The Smiths, Suede und auch an Richard Hawley und Findlay Brown erinnerte. Zudem hatte der Sänger ein Timbre in der Stimme, das nicht weit von legendären Größen wie Roy Orbison oder Jonathan Richman entfernt war. Schließlich haben die Jungs auch schon mit Jeffrey Lewis, Herman Düne und den Mountain Ghosts zusammengearbeitet und Platten aufgenommen, was man an der ein oder anderen Stelle heraushören konnte.

Vor kurzem ist nun das Album Instant Coffee Baby herausgekommen und davon stammten dann logischerweise die meisten Lieder des heutigen Sets. I Love You Like A Madman begeisterte mit unverschämt melodischem Retro-Sound, wie überhaupt alles einen herrlich altmodischen Charme hatte. Sänger David Tattersall besitzt eine Stimme, die aus einem anderen Jahrzehnt zu stammen scheint, sieht aber eigentlich noch sehr jung aus, obwohl er schon seit 1998 aktiv ist. Wenn er Balladen sang, guckte er mit seinen verträumten Augen immer Löcher in die Luft und wirkte ein wenig wie ein braves Kommunionskind. Aber er kann mit seiner Band auch Dampf machen und dann wurde es besonders gut. Strange Fruit For David ist dafür ein hervorragendes Beispiel. Hier wurden die Zügel losgelassen und ich und ein paar andere Leute wippten beschwingt zu den flotten Rhytmen und den tollen Texten ("I'm a tennis player, playing on both sides of the net") mit.

Als dann noch Lisa Li Lund hinzustieß und ihr bezaubernstes Lächeln aufsetzte, war meine Begeisterung perfekt. Es kam eine richtige kleine Party in Gang, zu der auch noch die Mitglieder von Coming Soon und die Französin Freschard geladen wurden. Selten hat eine Vorgruppe soviel Schwung und gute Laune verbreitet!

Es war also genau richtig, Karten für beide Konzert-Abende von Coming Soon zu buchen!

Und die blutjungen Headliner waren auch heute in Form! Aber was war eigentlich anders als gestern? Nun, abgesehen davon daß der baumlange Sänger Howard Hughes heute einen weißen Cowboy-Hut trug (am Vortag war es ein schwarzer) und auch die bildhübsche Klarinettistin etwas anderes anhatt, gab es heute die zusätzliche Unterstützung von der oben zitierten Lisa Li Lund, die neben den bereits am Sonntag anwesenden Freschard und Stanley Brinks, im Background mitsang-und tanzte. Bei Stanley hatte sich allerdings nicht viel geändert, auch heute rauchte er auf der Bühne wieder wie ein Schlot und wenn er einmal ein Zigarettenpäuschen einlegte, blies er neben Mary Salomé in sein Klezmer-Teil. Ein witziger Kerl, dieser Ex-Herman Düne, der alles sehr locker zu nehmen scheint! In einer besonders witzigen Szene tanzte er zusammen mit Howard Hughes und die beiden schnitten urkomische Gesichter.

Die süße Französin Clémence Freschard trug ihrerseits auch heute wieder einen Teil zum Gelingen der Veranstaltung bei, mit einem Rotweinbecher in der Hand und einem charmanten Lächeln auf den Lippen, tanzte sie ausgelassen mit den Teenagern von Coming Soon.

Auch das Publikum war heute jünger als am Vortage und das tat dem Konzert sehr gut, denn endlich wurde auch einmal ein wenig getanzt, in dieser ansonsten doch immer recht steifen Location eher eine Seltenheit.

Hinsichtlich der Setlist wurde die Reihenfolge bei einzelnen Liedern abgewandelt, aber es gab auch Songs, die am Vortage gar nicht vorkamen. Fishes, zum Beispiel, ein Non-Album Track, der schon Vorfreude auf das zweite Machwerk von Coming Soon aufkommen lässt. New Territories hingegen ist auf dem Album New Grids enthalten, fehlte aber am ersten Tag. Dabei handelt es sich bei dem Track um alles andere als Ausschussware, denn es ist ein wirklich schönes, balladenhaftes Lied ,durchzogen von einer sanften Melancholie, hübschen Chorgesängen und reduzierten Gitarrenklängen.

Alles in allem wurde dem Publikum also auch heute ein toller Konzertabend bereitet und von Coming Soon, aber auch Freschard, Lisa Li Lund, den Wave Pictures und Stanley Brinks wird man in Zunkunft noch viel hören und lesen!

Setlist Coming Soon, Café de la danse, 27/10/2008:

01: Devil
02: Private Tortures
03: Broken Heart
04: Moon Child
05: Jack Nicholson Style
06: New Territories
07: Home From The Blues
08: Fishes
09: Backseat
10: Time Bombs
11: Wolves In The City
12: A Cap
13: Big Boy
14: 2 Dogs
15: Lucy's Back
16: Indian Times
17: War Song
18: Howard Mood

19: School Trip (Z)
20: Don't Sell Me (Z)

Links:

- Video Fishes in einer charmanten Session von Les Inrocks
- Video: Le Cargo Session # 81: Fishes
- Fernsehauftritt bei der TNT Show, Time Bomb
- mehr Fotos von den Wave Pictures hier
- mehr Fotos von Coming Soon hier




 

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