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Donnerstag, 6. Februar 2014

Mo' Fo' Festival, Saint Ouen, 24 und 26.01.

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Konzert: Mo' Fo' Festival
Ort: Mains D'Oeuvres, Saint Ouen bei Paris
Datum: 24 und 26.01.2014
Zuschauer: ausverkauft

Ist auch schon wieder mehr eine Woche her, verdient aber unbedingt eine kurze Nachlese! Die Rede ist vom schönen Mo'Fo' Festival (Abkürzung für More Folk), das seit einigen Jahren gleich vor den Toren von Paris in Saint Ouen stattfindet. Ich gehe da unglaublich gerne hin, weil man dort wirklich auf viele nette musikbegeisterte Menschen trifft, die sich bestens auskennen und nicht wie beispielsweise beim Pitchfork nur kommen, um gesehen zu werden. Ein Festival von Kennern für Kenner, eines bei dem es nicht um die großen Namen, sondern die künstlerische Qualität geht. Hier müssen keine teuren Headliner aufgeboten werden um die Leute anzulocken, hier reichen Bands, die Insidern bekannt sind, um den Laden voll zu kriegen. So war dann auch bei allen drei Tagen das Mains D'Oeuvres in dessen Räumen die Sache stattfand, ausverkauft bzw fast ausverkauft (Freitag).

Am Freitag gab es gleich zum Auftakt einen Leckerbissen. Die Singer/ Songwriterin Jessica Pratt stand auf einer der beiden Bühnen  bereit. Ich hätte sie bereits beim von mir und Christoph besuchten End Of The Road Festival in England 2013 sehen können, verpasste sie aber weil sie sehr früh angesetzt war. Auch bei diesem Festival ging sie früh ins Rennen, aber früh bedeutete beim Mo'Fo' eben 19 Uhr 45 und nicht 12 Uhr mittags wie beim End Of The Road.

Der Saal war noch nicht proppenvoll wie bei späteren Acts, aber dennoch bereits recht gut gefüllt. Ruhige, kontemplative Musik wartete auf uns, das ist nicht Jedermans Sache. Nicht wenige äußern Langeweile, wenn Musiker nur mit Stimme und Gitarre operieren. Unverständlich für mich, denn ich kann mir Musik kaum purer und naturreiner vorstellen. So konnte mich Jessica Pratt dann auch recht bald in ihren Bann ziehen. Von ihren in moll gehaltenen Liedern ging ein starkes 60ies Feeling aus. Die Atmosphäre erinnerte an britischen Folk der Hippie Ära um Sandy Denny. Ein Stil, den ich aufrichtig liebe, weil von ihm so viel Zärtlichkeit, Geborgenheit und Weltklugheit ausgeht. Vor allem aber Trost. So viel Trost.

Bemerkenswert die Stimme von Jessia. Gleichzeitig reif und besonnen, aber auch kindlich und unschuldig klingend. Das leicht Infantile ist aber auch nur zu verständlich, wenn man weiß, daß die Sängerin erst 26 Jahre alt ist. Sie wirkte schüchtern und in sich gekehrt und auf grund ihrer langen rötlichen Haare und des recht dunklen Lichts konnte man ihr Gesicht selten richtig sehen.

Die gespielten Lieder waren wirklich wundervoll, so anmutig und beruhigend, so sanft und so verwunschen, wie beispielsweise Night Faces oder auch das psychdelisch- düster beginnenden I've Got A Feeling, welches aber im Verlaufe lieblicher wurde.

Sehr schön auch Wrong Hand, zu dem ich die Augen schloß und meditierte.

Eine gute halbe Stunde gönnte uns Jessica Pratt, dann war leider schon Schluß, aber es war nun einmal ein früher Festivalautritt, da ist selten mehr Zeit.

Setlist

01: Wrong Hand
02: Game That I Play
03: Dreams
04: Night Faces
05: Back
06: Hurting
07: I've Got That Feeling 


Später gingen dann auf der anderen Bühne die Kanadier The Burning Hell ins Rennen. Eine Band um den bärtigen Gitarristen Mathias Kom, an jenem Tage verstärkt durch Ariel Sharat an der Klarinette, Ben Lupus  am Bass und Leo Bear Creek am Schlagzeug, beide Letztgenannten von der französischen Band Coming Soon.

Die vier Musiker kredenzten einen flotten Folkrock voller Selbstironie und Natürlichkeit und amüsierten sich köstlich. Allein die Dialoge zwischen Mathias und Ariel waren Gold wert, denn die beiden nahmen sich gegenseitig auf liebevolle Weise immer wieder hoch. ("but I'm always right" meinte Ariel dazu)

Der Gesang von Mathias erinnerte mich mitunter an den von Bill Callahan, ein tiefer Bariton, teilweise im Sprechgesang. Spaßeshalber meinte Mathias dann auch er sei eigentlich ein Rapper und würde sich freuen, wenn Jay-Z ihn einladen würde, auf einem neuem Blue Print Album zu rappen. Er habe da einen diesbezüglichen Traum gehabt, ihn dem auch Klarinettistin Ariel vorkam, die sich mit Beyoncé glänzend verstand. Alle schmunzelten...

Stark das gespielte Songmaterial. Grown-Ups, Realists oder das fast Klezmer angehauchte I Love The Things That People Make, hier klang jeder gespielte Titel charmant, frisch und ungekünstelt.



Super Band, tolle Stimmung, zufriedene Zuschauer, was wollte man mehr?

Setlist

01: My Name Is Mathias
02: Grown-Ups
03: Realists
04: Last Winter
05: Barcade Song
06: Everything Will Probably Be OK
07: (intro: In The Air Tonight (Phil Collins)The Things That People Make
08: Nostalgia
09: It Happens In Florida
10: Dance Dance Dance
11: Amateur Rappers


Etwas später spielten dann die Russen Messer Chups eine Mischung aus Rockabilly und Surfpop, in den allermeisten Fällen instrumental gehalten. Nur bei zwei Stücken sang die wie ein Pin Up Girl der 1950er Jahre aussehende Bassistin (was für ein herrlich heißes Weib!) ein wenig, da dachte ich dann an die B-52s. Ansonten erinnerte mich das immer wieder an ein Lied von Pulp Fiction. Der Sound war fraglos cool und sehr lässig, aber nach etwa 20 Minuten machte sich eine gewisse Monotonie breit, weil sich die Lieder untereinander arg ähnelten und nicht viele Varianten aufwiesen.

Musikalisch spannender da die Franzosen Orval Carlos Sibelius, die auf der Bühne Mo den ersten Festivaltag beendeten. Eine Band um Sänger, die mit ihrem letztjährigen Album viel Staub in der Pariser Indie Szene aufgewirbelt hatten. Ihre Mixtur aus Krautrock und Psych Pop klang in der Tat innovativ und spacig und vor allem der äußest charismatische Trompeter Dick Turner bereicherte den Sound ungemein. Nur das Hemd des Sänges fand ich abscheulich, aber es passte stilistisch natürlich gut zur Musik vom anderen Stern. Die Band werde ich mir 2014 noch einmal ansehen und dann auch hoffentlich auführlicher berichten. Sie verdient eine intensive Auseinandersetzung.

Das Festival ging am Samstag weiter, aber ich gönnte mir eine Ruhepause und kam erst am Sonntag wieder.

Am letzten Tag der Veranstaltung spielte zunächst die Französin Alice Lewis, die ich auf Grund ihres Namens immer für eine Britin oder Amerikanerin gehalten hatte. Auch ihr Akzent im Englischen ist einwandfrei, so daß ich bislang wirklich keine Indizen dafür hatte, daß sie aus Frankreich stammt.* Ihr Stil ist der lupenreine Elektropop mit wavigem Einschlag im Stile der 1980 er Jahre. Kate Bush war sicherlich ein Vorbild, auch gesanglich, Siouxsie and The Banshees möglicherweise auch.

Alice spielte zusammen mit einem neu engagierten Keyboarder (ihr erstes gemeinsames Konzert) einige Lieder von einer am 21 März erhältlichen neuen EP namens Ignorance Is Bliss, aber mit Night's End und To The Magical Mountain auch ältere Sachen von ihrem 2010 veröffentlichten Longplayer  No One Knows We Are Here, der von Ian Caple produziert wurde. Ein Bursche, der auch schon bei Stina Nordenstamm an den Reglern saß und dies ist wohl kein Zufall, denn der Sound von Alice Lewis könnte durchaus auch aus Schweden oder Island stammen, der Name Björk wird in ihrem Zusammenhang  oft und nicht zu unrecht im Munde geführt.

Ich denke aber, daß Lewis keinesfalls nur ein Klon ist, man findet bei ihr viel Eigenständiges (allein die Instrumente Omnichord, alte Orgeln, Vintage Synthesizer, wer hat so was?) und ihre liebliche und glockenklare Stimme stechen heraus. Zudem ist ihr Songmaterial wirklich gut. Viele der gespielten Lieder findet man leider aber im Internet (bzw. auf Platte) noch nicht.

Man muss sich also noch ein wenig gedulden. Die neue EP Ignorance Is Bliss werde ich nach ihrem starken Autritt beim Mo' Fo' sicherlich kaufen!


Setlist:

01: Intro/instrumental Crossing The River
02: The Drought
03: Let It Fall
04: Night's End
05: To The Magical Mountain
06: Where Do We Go Now
07: Bellboy
08: Ignorance Is Bliss
09: Perfect Stranger
10: Nothing I Could Say 
11: The Statue
12: Haunted Reveries

Tja und dann wurde es immer voller in den Räume des Mains d'Oeuvres. Normal, es war schließlich eine ausverkaufte Veranstaltung. Eher nicht normal aber, daß es so derart überlaufen war, daß man nur unter Mühen zum Konzert des gehypten Son Lux reinkam. Drinnen wurde man aber so unglaublich stark an seinen jeweiligen Nachbarn gepresst, daß man kaum von einem Genuß reden konnte. Ich entschied mich deshalb, wieder nach oben in den Empfangsbereich zu gehen, wo CD Händler ihre Stände hatten und man auch etwas essen und trinken konnte. Meiner optimistischen Einschätzung zu Folge würde sich der Raum unten etwas leeren, so daß ich es 10 Minuten später noch einmal versuchen wollte. In der Zwischenzeit hatte ich mich aber mit den Plattenverkäufern festgequatscht und als ich dann etwa 25 Minuten später wieder mal nachsehen wollte, ob es bei Son Lux leerer geworden war, ließ mich der Security Mensch noch nicht einmal mehr durch. Es sei zu voll, sagte er lapidar und ließ auch nicht mit sich handeln. Dummerweise kam ich auch nicht auf die Idee, hintenrum quer durchs Gebäude zu laufen, um wenigstens auf die andere, die zweite Bühne zu gelangen, wo  The New Mendicants, ein kultiges Duo aus den Sängern von Teenage Fan Club und den Pernice Brothers spielten. Kurzum: ich verpasste die laut Zeugenaussagen besten Konzerte! God damn! Schon kurios, aber so sind Festivals manchmal. Wenn man sich nicht frühzeitig an den jeweiligen Bühnen anstellt, läuft man Gefahr, in die Röhre zu gucken.


Ich ließ mich dennoch nicht deprimieren, schließlich ist das Mo' Fo' auch ein Ort, wo man viele nette Leute treffen kann und ich begegnete wirklich vielen Sympathen an diesem Wochenende.

Außerdem gab es zum Ende überdies noch ein wirklich starkes Konzert. Jeffrey Lewis   spielten auf der Scène Mo und begeisterten schon mit dem ersten Lied You're Invited. Es geht um die Einladung zu einer Geburtstagsparty und der Song versprühte wahnsinnig viel Charme, Wehmut und Zärtlichkeit. Er klang fast wie eine der wundervollen Balladen von Yo La Tengo, so dezent und feinfühlig. Es war wundervoll.

In der Folge wurden Tempo und Laustärke aber teilweise massiv verschärft. Jeffrey Lewis bewies, daß er musikalisch in vielen Stilen zu Hause ist. Indiepop, Anti-Folk, Indierock, Punk, Rap. Ja richtig gelesen, Rap. Zu den russischen Protestlerinnen Pussy Riot hatte er seinen ganz eigenen Song parat, in dem er in schnellen Sprechgesang verfiel, die Mädels als Heldinnen der Punkkultur pries und immer wieder die Fragestellung aufwarf: "what would Pussy Riot do?" Es ging aber nicht nur um russische Politik, sondern auch den Einfluß von Marken auf Bands, den Jeffrey Lewis anprangerte. In einer Songzeile attackierte er Best Coast weil sie ihren Namen für Schuhe hergebe, aber auch Bands die in gesponserten Ray Ban Brillen bei Sout By Southwest spielen. Er warnte vor dem Ausverkauf, betonte, daß Künstler sich nicht vor den Karren von Firmen spannen lassen sollten ("you wanna bands that sell you things, or bands that tell you things?"), selbst wenn es schwierig sei, sich heutzutage über Wasser zu halten. In einem späteren Song stieß er in das gleiche Horn, gab Musikern den Rat, sich nicht von ihrem Label zum Lunch einladen zu lassen. Ihnen würde der Betrag später in Rechnung gestellt.

Offener Protest gegen die Musikindustrie also, aber im Grunde genommen keine Lästerei gegen Musikerkollegen, die das teilweise tun. Eher der eindringliche Rat, nicht naiv zu sein und unabhängig zu bleiben und sich nicht korrumpieren zu lassen.

Jeffrey Lewis selbst scheint sich auch an seine eigenen Parolen zu halten, seine CDs und EPs sehen definitiv wie self releases aus, kamen ohne aufwändige Verpackung daher und waren höchtswahrscheinlich selbstgebrannt. Für lediglich 5 Euro pro Stück konnte man sie am Merch erwerben, seine tollen Comic-Hefte kosteten sogar nur läppische 2, 50 Euro.

Während der Show projezierte er auch in paar seiner Comics auf eine Leinwand und sang dazu. In einem dieser Stücke  ging es auch um den Vietnam, im Rahmen seiner Serie History Of Communism Part 6: Vietnam. Süß sauer das Ganze, gleichzeitig bissig und sehr witzig wie irgendwie alles bei Jeffrey.

War wirklich ein sehr gutes Konzert des Amerikaners und seiner beiden Mädels. Einzig das Daniel Johnston Cover True Love Will Find You In The End, bei dem er das Publikum aufforderte, den Text zu singen, war eher entbehrlich. Den muss ich mir wieder ansehen!

* die Erklärung: sie hat einige Jahre ihres Leben in Großbritannien verbracht.


Sonntag, 26. Mai 2013

The Burning Hell, Karlsruhe, 24.05.13

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Konzert: The Burning Hell mit support Jake Nicoll
Ort: Kohi in Karlsruhe
Datum: 24. Mai 2013
Zuschauer: etwa 50
Dauer: 35 min + 80 min




Das war einfach himmlisch mit The Burning Hell im Kohi. Klingt platt, stimmt aber zu 100%!!

Ich hatte die bunte Truppe um Mathias Kom und seine Ukulele im Sommer 2011 in Darmstadt getroffen und mich verliebt in diese selbstironisch schwarzhumorigen Texte und die mitreißende Musik, die so geerdet und gleichzeitig komplett jenseitig ist. Seitdem immer darauf gehofft, dass wir uns demnächst wieder sehen. My name is Mathias war auf meiner persönlichen Best-of-2011-Platte: where we’re born and when we die: we can’t control that. and life in between is just war and combat. there are targets you can shoot for and mines to circumvent, but most of life is an accident.

Dass sich die Band rar machen würde, kann man ihr nicht vorwerfen. Obwohl am Arsch von Kanada zu Hause, touren sie fleißigst Land-auf und Land-ab in Deutschland (und Resteuropa und Kanada) und manchmal stellen sie auch so verrückte Rekorde auf wie 10 Konzerte in 10 Ländern binnen 24 Stunden spielen...


Trotzdem dauerte es nun fast zwei Jahre. Seitdem der Termin im November abgemacht worden war, habe ich dem 24. Mai wie ein Kind dem Weihnachtsabend entgegengefiebert. Tatsächlich lief ich im Kohi angekommen Mathias und Ariel von der Band gleich als erstes in die Arme. Wahrscheinlich habe ich gegrinst wie ein Honigkuchenpferd... Ich war ein bisschen in Sorge, ob wohl genug Leute den Weg ins Kohi finden würden, denn es war noch ziemlich wenig los. So wollte ich sie wenigstens persönlich besonders nett willkommen heißen.



Aber die Band war ganz gelassen. Der Gitarrist nutzte die Zeit, um ein bisschen Mandoline zu üben und  als der Support Jack Nicoll gegen 21:30 Uhr sein Set begann, waren sicher 40 Leute da. Im Verlauf des Abends füllte es sich so gut, dass die Kapazität am Ende so ziemlich ausgeschöpft war.


Jack ist als Drummer von The Burning Hell mit von der Partie, hat darüber hinaus aber schon ganz schön viel eigene Musik veröffentlicht. Die akustische Darbietung im Kohi (sehr schön auf dem Bild zu sehen ist, dass er eine Mütze über das Mikro gelegt hatte...) unterschied sich stark von der Realisierung auf den verfügbaren Tonträgern. Meiner Meinung nach, war er so reduziert viel stärker und die Eigenart seiner Stimme kam besser zur Geltung. Mein Highlight: I miss you so, wo ich mich echt am Riemen reißen musste, ihm nicht stante pede meine mütterliche Schulter zum Trost anzubieten. Das Publikum im Kohi hat ihn jedenfalls ganz ins Herz geschlossen und war damit bestens aufgelegt, als es tatsächlich mit The burning Hell losging, die nichts umzubauen brauchten, sondern dem Schlagzeuger nur etwas verschnaufen ließen.


An diesem Abend waren sie zu fünft angekommen:

Mathias Kom: Ukulele
Ariel Sharratt : Klarinette
Nick Ferrio : Bass
Jake Nicoll : Schlagzeug
Darren Browne : Gitarre


Es wurden natürlich viele Songs der aktuellen (gerade im Mai erschienenen) Platte People gespielt, die noch komplett neu für mich sind. Aber ... aber ... das Set begann doch tatsächlich mit My name is Mathias als hätte ich es mir so wünschen können. Das rumste natürlich gleich erst einmal und es gab sehr viele spontane Lacher über den zum Teil sehr schwarzen Text zu der tänzerischen Musik.



Weitere ganz besondere Highlights für mich waren die Oldies: Everything you believe is a lie, I love the Things that People make und The Things that People make pt. 2. Das sind einfach erprobte Partykracher und auch in der Darbietung für Leute im Kohi, die die Texte nicht mitsingen konnten, erschlossen sich doch viele Textteile beim ersten hören und es gab viele spontane Lacher und Gejohle.



Zu vielen Liedern erzählte Mathias etwas zur Entstehung und sprach auch über das Konzept von People. Das machte offene Ohren auch für die Lieder, die nicht ganz so eingängig sind, oder das erst mit dem dritten hören werden. 



Bei dem letzten Stück der vorbereiteten Setlist Amateur Rappers schon stand Mathias im Publikum - eine Schranke zwischen Bühne und Hörern war sowieso nie so richtig dagewesen, aber nun gab es eine allgemeine Verbrüderung. 



Klar, dass es nicht ohne Zugaben abgehen würde, aber was dann im allerletzten dritten Zugabenteil folgte, war selbst für das Kohi etwas besonderes. Die Band kam in die Mitte, wurde von allen Seiten liebevoll eingeschlossen und ALLE sangen mit über die Liebe, die uns auch gern mal wie ein Laster überfährt oder nach anfänglichem Hochgefühl auf viele verschiedene Arten unsanft verlässt oder uns anders hart rannimmt. Was für ein Finale!

Die Musiker ließen den Abend im Kohi noch nett ausklingen mit Schwatzen und CDs verkaufen. Ich habe das Honigkuchengesicht auch heut (2 Tage später) noch nicht ganz abgelegt. Was für ein Fest das war!




Setlist:
1) My name is Mathias
2) Schoolyard
3) Realists
4) Wallflowers
5) Everything you believe is a lie
6) Last Winter
7) Industrialists
8) I love the Things that People make
9) Holidaymakers
10) Nostalgia
11) Pirates
12) The Things that People make pt. 2
13) Amateur rappers

14) Everybody needs a body (Z)
15) The Berlin Conference (Z)
16) It happens in Florida (akustisch) (Z)



Weitere Tourdaten:

25.05. Geislingen - Seemühle
27.05. Paris - Le Pop In
28.05. Nancy - Le Quai'son
29.05. Freiburg - Swamp
30.05. Mannheim - 7er Club
31.05. Crailsheim - Jugendzentrum
01.06. Nürtingen - Provisorium
02.06. Tübingen - Plattform Festival
04.06. Innsbruck - Café Galerie
05.06. Timelkam - Farm
06.06. Bratislava - LOFT Club
07.06. Wien - Haus der Musik
08.06. Zagreb - Zedno Uhu
09.06 - 15.06. Italy - tba
16.06. Munich - innen.außen.raum
18.06. Darmstadt - Zucker
19.06. Trier - Exhaus
20.06. Rees-Haldern - Haldern Pop Bar
21.06. Lauenau - Kesselhaus
22.06. Northeim - Alte Brauerei
23.06. Essen - Goldbar
24.06. Osnabrück - Café Mojo
25.06. Lübeck - Blauer Engel
28.06. Kiel - AStA-Festival  


Tourempfehlung vom klienicum
Die aktuelle Besetzung in Lauenau 2012 auf Video einfangen: 



Montag, 23. April 2012

Old Seed & Garda, Karlsruhe, 20.04.2012

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Konzert: Old Seed & Garda

Ort: Café Nun, Karlsruhe
Datum: 20.04.12
Zuschauer: etwa 60
Konzertdauer: 65 Minuten + 85 Minuten


Bericht von Gudrun aus Karlsruhe
Dieser Abend im Café Nun war magisch.

Ich bin mir mit mehr als einem Tag Abstand immer noch nicht sicher, den richtigen (angemessenen) Ton für einen Bericht treffen zu können. Aber wegen der noch ausstehenden Tourtermine (siehe unten) versuche hier mein bestes, die gute Nachricht in die Welt zu tragen.

Fein der Reihe nach:

Ich weiß nicht, was um Kanada ist, dass es diese eindrücklichen Barden
produziert. Der erste Mann an der Ukulele, den ich live erleben durfte war Mathias Kom von "The Burning Hell'' mit schwarzhumorigen und selbstironschen Texten voller Weisheit und Musik, die mir unmittelbarin die Beine geht. Ich fiebere der nächsten Gelegenheit entgegen, ihn live zuerleben (Möglichkeiten hierfür siehe unten!).

Dann erlebte ich Wax Mannequin, der allein mit Stimme und Gitarre sein Publikum in den Bann zieht und auch unverstärkt und ohne Distanz seine Musik unangefochten zelebriert. Nun war es Old Seed, der als support angekündigt war, aber wohl eher eine erste Konzerthälfte bestritt. Sicher mit sehr viel mehr Bühnenerfahrung als Garda. Ich zitiere hier die Einladung aus dem Café Nun :"Old Seed ist Craig Bjerring, der von

Winnipeg Canada in die Nähe von Kassel zog. Seine Musik wurde schon als gespenstisch, zerbrechlich und wunderschön bezeichnet. Seine Konzerte brachten mehr als ein paar Tränen hervor, und waren Anlass für große Flächen von Gänsehaut. Die unzähligen Konzerte, die Craig alleine bestritt, zahlen sich in seiner Gelassenheit auf der Bühne aus. Konzertbesucher können sich auf einen Künstler freuen, der gelernt hat zu unterscheiden wann es an der Zeit ist sich selbst ernst zu nehmen, und wann nicht.''

Und genauso war es. Obwohl als support
angekündigt, ließ ihn das euphorisch klatschende Publikum nicht ohne Zugabe von dannen ziehen. Fast unbegreiflich für mich war, dass er während der mehr als eine Stunde währenden Vorstellung kein einziges Mal seine Gitarre nachstimmen musste, obwohl die Saiten von ihm ordentlich rangenommen wurden. Die Gitarre durfte stets zum einen eine weitere Stimme spielen und die harmonische und rhythmische Grundlage der Lieder beisteuern (kurz gesagt: der Mann kann auch echt gut Gitarre spielen...). Man kann sich davon auch gern selbst ein Bild machen: Hauskonzert. 

Ich denke, ich wäre in jedem Fall der Einladung des Café Nuns für den Freitag Abend gefolgt. Aber im Vorfeld des Konzertes von Garda hier in Karlsruhe hatte ich lange mit dem Gedanken gespielt, zum Burning Eagle Festival nach Reutlingen zu fahren. Das musste ich mir leider aus mehreren Gründen aus dem Kopf schlagen. Jedoch glücklicherweise nicht ganz ungetröstet, denn Garda machten sozusagen auf dem Weg nach Reutlingen Station und damit ein Zipfelchen Festival doch für mich erreichbar (und Dan Mangan würde ich im Mai hoffentlich noch in Beverungen sehen). Im hören und rumklicken lieferte mir die Band noch mehr Gründe, auf diesen Abend sehr gespannt zu sein. Erstens: Meine Kaufentscheidung für die gerade neu erscheinende zweite CD "A heart of a pro'' war anhand des verfügbaren Materials schon vor dem Konzert getroffen und es war vom Label versprochen, dass die Band das neue Baby dabei haben würde. Die noch ungestillte Neugier galt natürlich den Menschen hinter dieser Musik, die zweitens aus der Heimat meiner Kinder anreisen würden, und drittens mit dem Label "Kumpels und Friends'' arbeiten, das mich letzten September mit dem SOB Festival komplett umgeblasen hat und auf meiner Sympathieskala ganz weit oben rangiert.

Garda sind (und waren auch auf der Bühne im Café Nun) sechs Personen. Ich musste spontan an Christophs Reaktion auf Dark Dark Dark denken: 6 Leute auf der Bühne und keine Gitarre (frei wiedergegeben). Obwohl es klar gewisse Parallelen gibt, die Musik beider Bands betreffend (rein äußerlich z.B. eine Klarinette und ein Akkordeon am Start, eine Frau am Keyboard mit fünf Jungs, der Schlagzeuger agierte sehr, sehr ähnlich) hier haben eindeutig Gitarren ein deutliches Wort mitzusprechen:


Kai Lehmann ~ Guitars, Vocals
Ronny Wunderwald ~ Drums, Percussions
Cornelia Mothes ~ Piano, Vocals
Frank Heim ~ Guitars, Pedal Steel
Lars Hiller ~ Guitars
Karsten Pretschner ~ Bass.


Sechs Leute auf der kleinen Bühne des Cafe Nuns ist wirklich keine einfache logistische Leistung (wahrscheinlich musste ich auch deshalb spontan durchzählen), aber die Bandaufstellung war sehr passend und wirkte schließlich logisch. Das Keyboard stand links vorn auf der Bühne mit der kurzen Seite zum Publikum, rechts vorn saß der Sänger mit akustischer Gitarre, dazwischen saßen (!) in etwa hintereinander die E-Gitarre und der Bass, das Schlagzeug hinter diesen vier im Winkel der Bühne und die Steelguitar war etwas versteckt hinter dem Keyboard (fast so wie sie - wenn überhaupt eingesetzt - auch im Sound nie sehr hervortrat). Warum ich diese Aufstellung als passend empfand liegt an der Musik. Sie ist einerseits durch die Stimme von Kai Lehmann getragen, der dem Publikum zugewandt und am nächsten saß. Hinzu trat die weibliche Stimme und das Piano als Spiegel, doch ohne die Leitstimme zu übernehmen. Und dann passierte es immer wieder, dass alle Instrumente einen wahren Klangteppich zu den zwischen diesen Polen verhandelten musikalischen Themen webten und in der Summe viel mehr waren als die Teile für sich genommen. Und dieses Fäden werfen und wirken war mit der Aufstellung fast genial umgesetzt.


Die Stimme und Musizierhaltung von Kai Lehmann erinnerten mich in vielem an den jungen Bright Eyes (live noch deutlicher als ich es auf der CD wahrnehme). Die Musik hat auch viel von der Melancholie und dem tief forschenden und etwas verwunderten Blick auf die Welt und das Leben. Doch wenn sich dann immer wieder spontan alle anderen Stimmen dazu erheben und die Musik laut und expressiv ausbricht, dann wird fast körperlich erfahrbar, dass hier keiner allein und auf sich gestellt ist im Sinne von "einsam'' sondern im Sinne von die Begabung haben für uns Dinge auszusprechen, die jeder mit etwas Lebenserfahrung schon selbst erspürt hat, aber nicht so hätte ausdrücken können.

Differenzierter und pointierter ausgedrückt wird dies in der Besprechung im Klienicum. Bemerkenswert und vieldeutig ist meiner Meinung nach auch das Cover-Artwork.


Was mir während des Konzerts viel Freude machte (über den Ohrenschmaus hinaus), war die Kommunikation der Bandmitglieder. Immer wieder fanden sich die Blicke und es gab ein Lächeln zu- und miteinander, das fast zu greifendes Glück war, zusammen hier zu sein und diese Musik zu erschaffen. Fast schauten sich die Musiker selbst noch verwundert die Augen reibend dabei zu, wie ihr Baby in der Welt steht und lebt und wunderschön ist.

Die Ansagen zur Überbrückung der Gitarrenstimmpausen waren unprätentiös und von freundlicher Offenheit für Karlsruhe gezeichnet. Die Band flaxte mehrfach locker
miteinander und mit dem Publikum. Lustig für mich ganz privat war der Moment, wo aus der Verlegenheit ein Thema zum reden zu finden, Fußball ins Spiel gebracht wurde, aber aus dem Publikum KEINER darauf einstieg... *inDeckunggeh*


Die Band spielte ein Set von etwa 70 min, in dem vorwiegend die Stücke aus dem neuen Album zu hören waren und ließ sich dann noch zu drei Zugaben überreden, die der Ansage nach vom ersten Album waren. Anschließend konnte man die Musik erwerben, ein Schwätzchen machen und ein Bierchen zusammen trinken. Im Gespräch waren alle sechs Leute von Garda ganz besonders nette Zeitgenossen und noch ein bisschen high davon, jetzt zusammen auf Tour zu sein. Karlsruhe war gerade der erste Konzertabend fern der Heimat (dort war erst am Samstag ein rauschende Releasekonzert gefeiert worden).


Als ich mit dem Fahrrad heimfuhr, schlug die Kirchtumruhr feierlich 16 mal zur Mitternacht.


Tourtermine Garda

04.5. Hamburg - Molotow
05.5. Rostock - Peter Weiss Haus
06.5. Berlin - Privatclub
12.5. Dresden - Festspielhaus Hellerau
28.5. Dresden - Scheune – Discorporate Festival
23.6. Dresden - Elbhangfest


Tour The burning hell

May 3 - Baron, Mainz DE (w/ Nick Ferrio and Ben Hermanski)
May 4 - Kesselhaus, Hanover DE (w/ Nick Ferrio)
May 5 - Marie Antoinette, Berlin DE (w/ Royalchord)
May 6 - Woodstock, Erfurt, DE (w/ Nick Ferrio)
May 7 - Franzis, Wetzlar DE (w/ Nick Ferrio)
May 8 - BarCelona, Siegen DE (w/ Nick Ferrio)
May 9 - Bahía de Cochinos, Castrop Rauxel, DE (w/ Nick Ferrio)
May 10 - King Georg, Köln DE
May 11 - Salon Noir, Frankfurt, DE (w/ Nick Ferrio)
May 12 - Wohnzimmerkonzert, Top-Secret (message for details)
May 13 - Nürtingen @ Provisorium (w/ Nick Ferrio)
May 14 - Portier, Winterthur CH (w/ MoreEats)
May 15 - Henrici, Zürich CH (w/ MoreEats)
May 16 - Brasserie du Chateau, Lausanne, CH (w/ MoreEats)
May 17 - Pantographe, Moutier, CH (w/ MoreEats)
May 18 - Trou Noir, Vaduz, LI (w/ Nick Ferrio)
May 19 - Viertel, Trogen CH (w/ MoreEats)
May 20 - Hotel Post, Schaan, LI (w/ Pilot to Bombardier)
May 21 - Crailsheimer Jugendzentrum, Crailsheim, DE (w/ Pilot to Bombardier)
May 22 - Zwölfzehn, Stuttgart DE (w/ Nick Ferrio)
May 23 - Wilhelma, Tübingen DE (w/ Nick Ferrio and Pilot to Bombardier)
May 24 - Hemdendienst, Nürnberg DE (w/ Nick Ferrio and Pilot to Bombardier)
May 25 - Hempels, Augsburg DE (w/ Nick Ferrio)
May 26 - Das Veilchen, Graz AU
May 27 - Rhiz, Vienna AU
May 29 - Hlava 22, Bratislava, SK (w/ Nick Ferrio)
May 30 - Troika, Brno, CZ (w/ Nick Ferrio, Urband and Chris Barickman)
May 31 - 007, Prague, CZ
June 1 - Stille Post, Görlitz, DE (w/ Nick Ferrio)
June 2 - Ostpol, Dresden DE (w/ Nick Ferrio)
June 3 - Hotel Wien, Bernburg, DE (w/ Nick Ferrio)
June 4 - Apex, Göttingen DE (w/ Nick Ferrio)
June 5 - BarCelona, Wuppertal DE (w/ Nick Ferrio)
June 6 - BarCelona, Oldenburg DE (w/ Nick Ferrio)
June 7 - Astra Stube, Hamburg DE (w/ Nick Ferrio)
June 8 - Des Geigers Rätsel, Leipzig, DE (w/ Nick Ferrio)
June 28/29/30 - Fusion Festival, Lärz DE


 

Konzerttagebuch © 2010

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