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Sonntag, 15. Februar 2009

Malcolm Middleton, Saint Ouen, 31.01.09

3 Kommentare

Konzert:
Malcolm Middleton beim Mo'Fo' Festival.
Ort: Mais d'Ouevres, Saint Ouen bei Paris
Datum: 31.01.2009
Zuschauer: so einige




An dieser Stelle muß trotz der inzwischen verstrichenen Zeit noch einmal gesagt werden, daß Malcolm Middleton mein ganz großer Held des wundervollen Mo' Fo Festivals in Saint Ouen bei Paris war! Der blass-blonde Schotte erschien alleine mit seiner Akustikgitarre und bestach durch sein äußerst feines, gefühlvolles und hochpräzises Spiel. Selten hat mich ein Singer/Songwriter so berührt und geradezu benommen gemacht vor Glück wie der Ex Arab Strap Musiker. Es war einfach wunderwunderschön und dies trotz all dieser deprimierenden Texte! Mit Four Cigarettes vom dritten Album A Brighter Beat hatte er mich erstmals angeknockt. In einer im Vergleich zum recht rockigen und reichhaltig instrumentierten Album reduzierteren Version, setzte er mit seinen typisch niederschmetternden Lyrics erste Wirkungstreffer: "You know I'm trying to find my way, I don't remember luck, I don't remember luck, I remember failure, after failure, I'm drinking too much, I'm running away." So ganz abgespeckt auf der Gitarre vorgetragen, wurden die Texte noch eindringlicher, noch berührender.

Kurze Zeit später traf der Schotte erneut wunde Punkte, als er nämlich Cold Winter vom ersten Album 5:14 Fluoxytine Seagull Alcohol John Nicotine intonierte. Wie er auf herzzereißende Art und Weise Sätze wie I'm to cold to be alone this winter oder vor allem I think I need professional help to get better this may take some time ", sang, daß war schon zum Schluchzen und manchmal hatte ich fast das Bedürfnis, mich an den Schultern meines Konzertnachbarn auszuweinen. Aber es galt Fassung zu bewahren, schließlich verzog auch Malcolm selbst kaum eine Miene. Wenn er seine depressiven Songs beendet hatte, bedankte er sich jeweils nur kurz, griff zu seinem Bierbecher, nahm einen kurzen Schluck und machte weiter. Anekdoten zu erzählen, ist wahrlich nicht seine Stärke, alles was er mitzuteilen hat, äußert er in seinen Liedern, großartige Erläuterungen braucht es da aus seiner Sicht anscheinend nicht mehr. Diese Zurückhaltung macht ihn sehr sympatisch, man merkt, daß er niemand ist, der eine große Show abziehen will und daß es ihm fast peinlich ist, für die Dauer seines Auftritts imMittelpunkt zu stehen. Ein Stoiker, dieser Malcolm, aber eben ein unglaublich liebenswürdiger, weil man merkt, daß er sein Publikum liebt und sich größte Mühe gibt, sein bestmögliches Konzert abzuliefern. Er ist einfach sehr konzentriert bei der Sache und spielt traumwandlerisch sicher, feinfühlig und präzise auf seiner Gitarre, wie man es ansonsten nur ganz selten erlebt. Er hat's einfach drauf, das wird einem schnell bewußt! Und wer verfügt schon über ein solch ungewöhnliches Songwriting, daß einem geradezu Lust darauf gibt, traurig und dpressiv zu sein.? Ja, die Depression wird hier regelrecht zelebriert und abgefeiert, bei dem wunderbaren Crappo The Clown, ebenfalls vom Debütalbum 5:14 Fluoxytine Seagull Alcohol John Nicotine stammend, wird das noch einmal ganz deutlich: "I can guarantee bad time and yes I can promise tears. I can destroy hope." Geht es niederschmetternder? Seltsamerweise führt aber gerade dieser Pessimismus zum Aufkeimen von Hoffnung, weil er mit einem solch lässigen Schulterzucken gegenüber den Unwägbarkeiten und Grausamkeiten des Lebens gespielt wird, daß man unweigerlich denkt: Schlimmer kann es ja wirklich nicht mehr kommen und überhaupt: Wer sagt denn, daß Leiden immer nur schrecklich sein muß? Hat uns Thomas Mann in seinem Zauberberg nicht gezeigt, daß im Leiden und der Krankheit auch eine bestechende Ästhetik liegen kann?

Ganz besonders aufhorchen ließ mich schließlich auch noch das abschließende The Devil and the Angel. "Last night when I was sleeping a devil came to me. She said Malcolm , Malcolm , your soul belongs to me. And you'll never amount to anything, you'll never achieve anything, you'll never be good at anything... and your songs are shite."

Kurze Zeit später begegnet Malcky aber im Traum ein Engel, der genau das Gegenteil von dem Teufel sagt und mit dem zutreffenden Satz : "And your songs are alright" abschließt. Am Ende muss sich Malcky für einen Weg entscheiden und ich empfehle jedem einmal das Ende des Songtextes zu lesen.

Das spielte aber für mich für die Beurteilung des Konzertes keine Rolle mehr, denn ich hatte es bereits Im Laufe des Sets getroffen: Die Lieder von Malcky sind mehr als nur "alright", die sind grandios! Und Malcolm Middleton ist in eine Reihe mit Helden wie Bonnie "Prince" Billy oder Elliott Smith zu stellen. Nichts weniger als das, jawohl! Cheers!

Malcolm, Malcolm , Malcolm!!!

Setlist Malcolm Middleton, Mo'Fo Festival, Mains d'ouvres Saint Ouen (der Künstler überreichte sie mir persönlich: cheers again!):


01: D&A
02: The Loneliest Night Of My Life Came Calling
03: Break My Heart
04: Devastation
05: Monday Night Nothing
06: A Brighter Beat
07: Four Cigarettes
08: Cheer Down
09: Pick Me Up
10: Week Off
11: Total Belief
12: Just Like Anything
13: Red Travellin' Socks
14: Shadows
15: Made Up Your Mind
16: The Devil & The Angel

Zusätzlich wurden auch Follow Robin Down, Cold Winter und Crappo The Clown gespielt, so ziemlich in der Mitte. M. Middleton hat sie erst später hinzugefügt, nachdem er Somebody Loves You und Ballad Of Fuck All kurzfristig aus dem Programm genommen hatte.

Links:

- Malcolm Middleton Videoclip Cold Winter
- Malcolm Middleton Videoclip Crappo The Clown
- Week Off live @ Santiago Alquimista





Sonntag, 16. Dezember 2007

The Verve & Malcolm Middleton, Glasgow, 15.12.07

2 Kommentare

Konzert: The Verve & Malcolm Middleton
Ort: SECC Glasgow
Datum: 15.12.2007
Zuschauer: ausverkauft (10.000)


Auf meinem Rückflug von Glasgow habe ich mir mal den Spaß gemacht, nachzulesen, was an einem normalen Wochenende in London an Bands auftritt. Und das ist gar nicht so schlecht: diesen Freitag spielten u.a. Bloc Party, die Cribs, Foal, Charlotte Hatherley, die Chemical Brothers, Simian Mobile Disco, The Enemy, Madness oder die Kaiser Chiefs, Samstag Kaiser Chiefs, Chemical Brothers und Bloc Party wieder, dazu die Spice Girls und CSS. Und die unzähligen tollen noch namenlosen Bands.

Daher war es auch kein großes Wunder, daß ich, als ich nur mal eben gerade nachgesehen hatte, ob vielleicht auch an meinem zweiten Abend in Glasgow etwas Interessantes spielen würde, sofort fündig wurde... Und wie! Denn es spielten The Verve und ich bekam noch ein Ticket für die zweite Runde der Wiedervereinigungstour der Band aus Wigan. Im November hatte die Gruppe um Richard Ashcroft zum ersten Mal seit ihrer (letzten) Auflösung Konzerte in Großbritannien gespielt, die ein riesiger Erfolg waren. Für Dezember wurden sechs weitere Termine angekündigt, u.a. in London und Manchester und eben im SECC in Glasgow, dem nationalen schottischen Platz für Ausstellungen und Großveranstaltungen.

Der eindrucksvolle Bau des SECC (ok, der Bau selbst ist funktional, das Schmuckstück ist das von Sir Norman Foster geplante Clyde Auditorium) liegt direkt am Fluß Clyde und ist von der Innenstadt bequem mit Gig-Busses oder Taxen erreichbar. Mit mir kamen viele sehr aufgebretzelte Frauen mittleren Alters an (ich habe Leggingfarben gesehen, die ich so schnell nicht mehr vergessen werde), die allerdings (puh!) zu Mamma Mia! oder Snow White. Rechts und links des an eine Einkaufspassage erinnernden Gangs durch das SECC gehen die Säle bzw. Hallen ab,
in denen die Veranstaltungen stattfinden. "Meine" Halle war Nummer vier, mit einem Fassungsvermögen von 10.000 und vielen Tribünen ein großer und mächtig eindrucksvoller Ort für ein Konzert - angemessen also für ein großes Comeback. Die Smiths werden da sicher dann auch spielen.

Spannend war für mich zunächst einmal, wer The Verve supporten würde. Gelesen hatte ich alles Mögliche, da
waren von Annie Lennox über The Coral, Reverend and the Makers bis zu bloß einem DJ Set viele Namen genannt worden. Als dann ein DJ damit anfing, langweilige funkige Lieder aufzulegen, fürchtete ich also, den Trostpreis gezogen zu haben. Nach viel zu langer Zeit verschwand der Plattenwender aber und ein Knüller kam auf die wahnwitzig große Bühne. Es war zwar "nur", wie so oft in Köln, eine lokale Vorgruppe, im Falle von Glasgow war das aber eben Malcolm Middleton, den ich im Gebäude 9 schon gesehen hatte.

Der Ex-Arab Strap Mann hatte nur eine akustische Gitarre dabei und spielte acht Lieder. Das kam es geht so an. Mir gefiel das kurze Konzert ausgezeichnet. Der Sänger schreibt wundervoll melancholische Stücke. Sicher ist seine Musik nicht für eine gigantische Halle wie im SECC gemacht. Für mich war es aber genau das richtige Rahmenprogramm.

Neben den großen Hits "
A brighter beat" oder "Loneliness shines" spielte Malcolm auch Stücke, die ich nicht erwartet hätte, "Choir" oder "Burst noel". Weihnachten war bzw. ist bei dem Glasgower ohnehin ein großes Thema, da er versucht, sein "We're all going to die" zum Nummer eins Weihnachtshit zu machen. Als er das auch vor dem Lied noch einmal erzählte, brüllte ein angetrunkener Schotte neben mir "you'll fucking never be number one." Vermutlich ist der Song auch nicht weihnachtlich genug, ich wünschte es Malcolm allerdings sehr, Erfolg mit seinem Vorhaben zu haben, weil ich seine Musik sehr schätze!

Anfang des Jahres erscheint ein Akustikalbum. Mindestens eines der gespielten Lieder ("Blue plastic bag") wird auf dieser Platte erscheinen. Bei den anderen beiden mir unbekannten Liedern bin ich unsicher, ob sie neu sind.

Setlist Malcolm Middleton SECC Glasgow:

01: Follow Robin down

02: Choir
03: Blue plastic bag (neu)
04: We're all going to die
05: A brighter beat
06: Burst noel
07: Total belief

08: Loneliness shines

Seit ich zumindest Richard Ashroft live gesehen habe (er trat da mit Kettcar und Coldplay in Köln auf), hat sich der Sänger ziemlich verändert. Wieder-Verve-Ashcroft hat die Haare kurz und blondiert (er sieht aus wie Eminem!), trägt Sonnenbrille (weil nach seiner Aussage die Leute in Glasgow gerne mit Bier schmeißen, was ich bestätigen kann, das machen sie) und raucht weiterhin. Er war damit (also mit dem Rauchen) die Ausnahme, denn in der Halle herrschte striktes Qualmverbot. Sobald sich jemand eine Kippe ansteckte, leuchteten die Ordner teils mit riesigen Lampen auf den Raucher und drohten Hallenverbot an. Die Securities hatten den Saal perfekt im Griff, obwohl viele Besucher sehr alkoholisiert waren, unterbanden sie jeden Versuch von Prügeleien im Ansatz (die gab es reichlich). Die Stimmung war sehr ausgelassen, es war aber eben trotzdem sehr angenehm, man hielt es bequem vorne aus, ohne irgendwann flüchten zu müssen, wie mir das bei einigen Palladium Konzerten ergangen ist.

The Verve spielen in Besetzung Richard Ashcroft (Gesang und ab und an Gitarre), Nick McCabe (Gitarre), Peter Salisbury (Schlagzeug) und Simon Jones (Bass). Während natürlich Ashcroft im Mittelpunkt steht, weil er, wenn er nicht Gitarre spielt, sehr gestenreich singt (aber dabei nicht albern aussieht, wie der Sänger der Rakes) oder sich hinhockt und sitzend weitermacht, macht gerade Simon Jones eine riesige Show. Nach jedem Song streckte er die Fäuste aus, als habe er ein Tor geschossen, feuerte uns an (was unnötig war) und gab alles. Als Bittersweet Symphony verklungen war, gingen er und Nick McCabe Arm in Arm von der Bühne.
Es scheint also wirklich so zu sein, wie es die Band in einem Interview zur Wiedervereinigung gesagt hatte, sie spielen des Spaßes wegen, nicht wegen großer Gelder (die sie alle ohnehin bereits lange verdient hätten).

Der Sound anderer Konzerte der aktuellen Tour war teilweise heftig kritisiert worden. Hier klangen einige sehr laute Töne, als kippten sie weg. Das gab sich aber schnell, danach klang die Band für eine solch große Halle prima.

Auch wenn The Verve ein neues Album planen (und bereits einige neue Lieder haben), standen bekannte Stücke im Mittelpunkt. Vom neuen Material spielte die Band nur "Sit and wonder". Und obwohl sie die beiden Vor-LP Songs "Gravity graves" und ""Man called sun" im Programm hatten, kam nichts vom ersten Album "A storm
in heaven", merkwürdig... Ich weiß nicht, ob das üblich ist, es war mein erstes Verve Konzert. Ein ganz anderes Konzept verfolgen gerade die Sparks, die von 16. Mai an an 21 Tagen all ihre 21 Alben (das neue hat am letzten Abend Premiere) in London spielen werden - aber das ist ein anderes Thema.

Bei Liedern wie "Velvet morning", "Lucky man", "Drugs don't work" und "Bittersweet symphony" wurde es besonders feierlich - und ein großes Singalong. Es ist schon verflucht beeindruckend, wenn 10.000 Leute einen
(guten) Song mitsingen. Das war Stadionrock der guten Sorte und ein Erlebnis, das ich nicht missen möchte!

Nach anderthalb Stunden (und B.S.S.) war Teil eins beendet. Die Vier erschienen dann nach ein paar Minuten (und sicher dem ein oder anderen Drink) wieder und spielten 15 Minuten Zugaben, die mit "Come on" endeten.

Schön, daß The Verve zurück sind! Ganz sicher demontiert die Band damit nicht den Ruf, den sie sich mit ihren drei Alben vor Jahren gemacht hat. Also ein gutes Comeback!

Setlist The Verve SECC Glasgow:

01: A new decade
02: This is music
03: Space and time
04: Gravity grave
05: Weeping willow
06: Life's an ocean
07: Sonnet
08: Sit and wonder
09: Velvet morning
10: Lucky man
11: Stormy clouds
12: On your own
13: Rolling people
14: Drugs don't work
15: Bitter sweet symphony

16: Man called sun (Z)
17: History (Z)
18: Come on (Z)

Links:

- Mehr Fotos sind hier.




Donnerstag, 3. Mai 2007

Malcolm Middleton, Köln, 02.05.07

6 Kommentare
Konzert: Malcolm Middleton
Ort: Gebäude 9, Köln
Datum: 02.05.2007
Zuschauer: sehr wohlwollende 70


In der Kölnarena findet Donnerstag die Hauptversammlung der Deutschen Telekom AG statt. Im Messebereich hingen überall magentane Schilder, Parkhinweise und Fahnen, während die Krawattenfarbe der Telekom-Aufbauhelferlein hellgrün war, denn von der Sorte liefen einige Richtung Gebäude 9, als ich an der Ampel eine Kreuzung vorher stand. Da Malcolm Middleton aus den Handy Charts aber nicht bekannt ist, gingen die Telekom-Mitarbeiter an der Einfahrt des richtigen Hinterhofs vorbei und werden wahrscheinlich nie erfahren, was sie damit verpaßt haben. Im Hinterhof saßen dann ein paar Leute, die nicht nach Telekom aussahen, und genossen den Frühlingsabend. Vor der Kasse fragte dann einer von denen den Einlasser, ob es eine Vorgruppe gebe, was der verneinte. Sollte das Konzert also eben früher fertig sein. Auf den Bierbänken draußen konnte man dann aber doch eine Art Vorgruppe hören, denn offenbar bereitete sich Malcolms Mitsängerin Jenny Reeve auf den Auftritt vor.

Um zwanzig nach neun, als es dann losgehen sollte, waren nur eine handvoll Zuschauer in Saal, während auf der Bühne eine junge Frau (Jenny vermutlich) und ein polohemdtragender Mann ein paar Instrumente stimmten. Die beiden schienen sehr gut gelaunt, setzten sich und fingen an, ein wundervolles Lied zu spielen - vor zehn Leuten, schätze ich. Jenny spielte dabei Geige, ihr Begleiter Gitarre. Nach dem Stück stellte sie sich als Teil der Band Strike the colours aus Glasgow vor. Leider spielte Jenny nur fünf Stücke, spielte dabei mal Gitarre, mal Geige und wurde ab und zu von dem zweiten Gitarristen begleitet. Die fünf Lieder waren tollster Pop, unverkennbar nicht nur freundschaftlich nah an Glasgower Bands wie Belle & Sebastian oder den Delgados. Von keine Vorgruppe zu diesem Auftritt war das also ein himmelweiter Unterschied! Wenn Teile der Hauptband bereits als Vorgruppe auftraten, war das bisher immer grandios (St. Vincent bei Sufjan Stevens und Final Fantasy bei Arcade Fire). Vielleicht erlebe ich ja mal ein Strokes-Konzert mit Albert Hammond jr. vorab. Jenny als Rumpf-Strike the colours erhielt jedenfalls lang anhaltenden Applaus, absolut berechtigt!

Gottseidank waren mittlerweile 50 Leute im Raum (ich bin Optimist!). Malcolm Middleton hatte vier Musiker als Begleitung mitgebracht: neben Jenny Reeve und ihrem Begleiter, der am Keyboard Platz nahm, waren das ein Schlagzeuger und ein Bassist, dessen Frisur eine Kopie der Frisur meines Mitbloggers war. Das Konzert begann mit "Four cigarettes" von der aktuellen CD des Schotten und faszinierte mich vom ersten Ton an. Daß "A brighter beat" ein tolles Album ist, steht außer Frage. Aber wie so oft enfaltetet sich die Großartigkeit der Lieder live besonders. Das war für mich Belle & Sebastian-Methadon. Malcolm Middleton schreibt und spielt Popsongs, wie sie sein sollen. Zumindest für mich - und die 69 anderen im Saal, denn die Begeisterung war von Beginn an riesig.

Und dann begannen die Pannen.

Beim dritten Lied ("Break my heart") versagte irgendwas an Malcolms Gitarre. Die
restliche Band überbrückte seine Bemühungen und seine Suche nach einem Ersatzinstrument mit Improvisationen (ich hätte gerne die Long Blondes mal in einer solchen Situation erlebt). Als er die neue Gitarre gestimmt hatte und mitgeteilt hatte, daß er bei "Gebäude 9" schon geahnt hätte, daß heute etwas schiefgeht, sagte er an, es gehe mit der "third line, first verse" weiter, was entsetzte und ratlose Blicke seiner Band erzeugte. Herrlich! Man spielte dann von Anfang an und es ging glatt. Daß die Musiker etwas von ihrem Job verstehen, merkte man auch an den dauernden Anweisungen an den Ton, Regler hoch oder runter zu fahren.

Etwas später bat Jenny, die da gerade am Keyboard saß (auch die Instrumentenwechsel erinnerten an Belle & Sebastian): "Can I get less Malcolm on the monitor?" Das habe ich notiert, was Malcolm bemerkte. Dadurch verpaßte bzw. verpatzte er den Einsatz zum nächsten Lied, um sich beim Schlagzeuger mit "I was looking what he was writing" zu entschuldigen. Ich habe mich zwar auch entschuldigt, hatte aber doch ein schlechtes Gewissen...

Das Set war sehr abwechslungsreich, auch für die Band, denn man spielte auf
Ansage. Malcolm nannte den nächsten Titel (es gab keine Setlists) und die Band spielte. In der Mitte des Konzerts schickte er seine Begleiter von der Bühne, um zwei Solo-Lieder zu spielen, "Cool winter" (ich vermute, der Text war Grund dafür, das alleine spielen zu wollen, es klingt sehr nach der Verarbeitung einer Beziehung - ein traumhaftes Lied) und "Cheer down", das auf der limitierten Ausgabe von "A brighter beat" veröffentlicht ist (und auch fabelhaft ist). Danach pfiff er, um die Band wieder auf die Bühne zu bekommen.

Um halb zwölf war nach zwei Zugaben (und einer weiteren kaputten Gitarre) leider viel zu früh Schluß. Ich hätte noch stundenlang der Stimme des Glasgowers (und der von Jenny natürlich) zuhören können. Jenny sollte ursprünglich auf dem Album nur im Hintergrund singen, hat Malcolm wohl aber im Studio so fasziniert, daß er ihr größere Parts schrieb. Eine gute Entscheidung, denn die Duette der beiden sind ganz große Meisterwerke. Hach, war das schön.

Wenn Ihr Gelegenheit habt, Malcolm ist in den nächsten Tagen noch im deutschsprachigen Raum unterwegs:

03.05.07: Luzern
04.05.07: Aarau
05.05.07: Dresden
06.05.07: Stuttgart


Setlist Malcolm Middleton:

01: Four cigarettes
02: Devastation
03: Break my heart
04: Fuck it, I love you
05: A brighter beat
06: Death love depression love death
07: Loneliness shines

08: King of bring
09:
Autumn
10: Cold winter
11: Cheer down
12: Fight like the night
13: Superhero songwriter
14: Best in me

15: We're all going to die (Z)
16: Happy medium (Z)



Samstag, 31. März 2007

Bright Eyes & Malcolm Middleton, Paris, 30.03.07

1 Kommentare
Konzert: Bright Eyes & Malcolm Middleton
Datum: 30.03.2007
Ort: Café de la danse, Paris
Zuschauer: ausverkauft

Ein erlesenes Programm stand heute an, auf das ich mich schon seit langem gefreut hatte. Nach zwei Jahren Pause gab es nämlich endlich ein Wiedersehen mit Conor Oberst aka Bright Eyes. Damals hatte er mich mit dem unglaublichen Doppelschlag, den beiden gleichzeitig veröffentlichten Alben "Digital ash in a digital urn" und vor allem "I'm wide awake it's morning" völlig in seinen Bann gezogen. Schmachtliedern wie "First day of my life" oder "Lua" war ich schlichtweg verfallen. Köstlich diese unwiderstehliche Mischung aus Indierock, Country und Folk! Seitdem sich der junge Amerikaner aber zurückgezogen hat, um an seinem neuen Album zu arbeiten, hatte ich die beiden tollen Werke jedoch erst einmal zur Seite gelegt, um mich nicht zu satt an ihnen zu hören. Heute war ich besonders darauf gespannt, wie die alten Stücke jetzt auf mich wirken und natürlich, was die neuen so können...

Vorher hatte aber der fabelhafte Ex-Arab Strap Mann Malcolm Middleton seinen (zu) kurzen Auftritt. Auch hier handelte es sich um ein Wiedersehen, allerdings um ein unverhofft schnelles. Am 28.11.2006 hatte ich den Rotschopf zusammen mit seinem Partner Aidan nämlich das letzte Mal gesehen, als Arab Strap ihr viel beweintes Abschiedskonzert gaben. Kaum waren die Tränen getrocknet, zog es den Schotten also wieder auf die Bühne. Und ganz allein war er auch heute nicht, er hatte zur Unterstützung eine mehrköpfige Band mitgebracht, darunter eine blonde Streicherin, die auch bei einigen Stücken mitsang. Als ich - eigentlich pünktlich um 20 Uhr - das Café de la danse betrat, ertönte bereits "Break my heart", der Hit vom guten Vorgängeralbum "Into the woods". Der Rest stammte zum Großteil vom aktuellen Longplayer "A brighter beat", einem sehr vielversprechenden Werk, das in der Fachpresse häufig als poppiger und optimistischer als von dem Schotten gewohnt, beschrieben wird. Hmm, na ja, der Opener der neuen CD heißt "We're all gonna die", wenn der Titel Programm sein sollte, dann muß man den Optimismus wohl etwas zwischen den Zeilen suchen...

Leider bekam ich nur circa vier Lieder mit, die aber alle überzeugend klangen. Im Mai muß ich mir Malcolm noch einmal ganz alleine in Paris angucken, das dürfte sich auf jeden Fall lohnen!

In der Pause schaute ich mich ein wenig um und stellte fest, daß das Café de la Danse irgendetwas von einem Schultheater hat. Cécile verglich es eher mit einem Amphitheater, nur nicht rund angeordnet. Amüsanterweise gab Conor später Cécile Recht: "Der Raum erinnert mich irgendwie an einen Vorlesungssaal an der Uni, damals als ich noch an der University of Nebraska Biologie studiert habe." (Man muß wissen, daß die Franzosen die Vorlesungssäle Amphitheater nennen). Dafür erntete der Mann aus Omaha auch prompt das Gelächter "seiner Studenten".

Zuvor hatte der Amerikaner sein Set mit "Four winds" der ersten Single vom neuen Album "Cassadaga" begonnen. Der Song scheint mir ein guter Vorgeschmack auf den bald erscheinenden Longplayer zu sein, denn hier dominieren wieder einmal folkig-rockige Klänge, wie im übrigen bei den meisten der neuen Liedern, die gespielt wurden. Logischerweise kannte ich die leider noch nicht, aber ich bin mir sicher, daß mir auch das neue Album gefallen wird. Toll waren natürlich wieder die Kracher vom Album "I'm wide awake, it's morning", vor allem "Old soul song" und natürlich "First day of my life", das heute stärker instrumentiert vorgetragen wurde. Conor hatte eine fünfköpfige Band mitgebracht, darunter einen Streicher, einen Trompeter und eine junge Dame am Schlagzeug, die die witzige Eigenart hatte, die Schlagstöcke weit oben zu fassen. Das änderte aber nichts an ihrer tollen Peformance, sie gab so richtig Gas!

Wie man überhaupt sagen muß, daß Bright Eyes live immer wesentlich rockiger rüberkommen als auf den Alben. Die Konzerte der Band sind eben keine "Liederabende" sondern folkige Indie-Rock Gigs. Auffällig war, daß die meisten Songs in ziemlich langen Versionen gespielt wurden. So zählte ich nur 10 Lieder bei einer Spielzeit von immerhin 80 Minuten. Besonders witzig war, daß ein Lied mit der Songzeile "Lady please don't call me a fool" gleich mehrfach neu angestimmt wurde. Mit "Soulsinger in a session band" wurde das offizielle Set beschlossen, bevor es noch eine, allerdings ebenfalls lange, Zugabe gab.


Bright Eyes möchte ich dieses Jahr noch mehrfach sehen, um zu erfahren, was die neuen Titel so mit mir anstellen, wenn ich sie erst einmal richtig kenne!

Setlist Bright Eyes:

01: Four winds
02: We are nowhere and it's now
03: Old soul song
04: Black comedy
05: Middleman
06: First day of my life
07: Cartoon blues
08: Cleanse song
09: Yellow Datsun
10: Make war
11: Soul singer

12: June on the west coast (Z)

von Oliver


 

Konzerttagebuch © 2010

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