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Donnerstag, 6. Februar 2014

Mo' Fo' Festival, Saint Ouen, 24 und 26.01.

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Konzert: Mo' Fo' Festival
Ort: Mains D'Oeuvres, Saint Ouen bei Paris
Datum: 24 und 26.01.2014
Zuschauer: ausverkauft

Ist auch schon wieder mehr eine Woche her, verdient aber unbedingt eine kurze Nachlese! Die Rede ist vom schönen Mo'Fo' Festival (Abkürzung für More Folk), das seit einigen Jahren gleich vor den Toren von Paris in Saint Ouen stattfindet. Ich gehe da unglaublich gerne hin, weil man dort wirklich auf viele nette musikbegeisterte Menschen trifft, die sich bestens auskennen und nicht wie beispielsweise beim Pitchfork nur kommen, um gesehen zu werden. Ein Festival von Kennern für Kenner, eines bei dem es nicht um die großen Namen, sondern die künstlerische Qualität geht. Hier müssen keine teuren Headliner aufgeboten werden um die Leute anzulocken, hier reichen Bands, die Insidern bekannt sind, um den Laden voll zu kriegen. So war dann auch bei allen drei Tagen das Mains D'Oeuvres in dessen Räumen die Sache stattfand, ausverkauft bzw fast ausverkauft (Freitag).

Am Freitag gab es gleich zum Auftakt einen Leckerbissen. Die Singer/ Songwriterin Jessica Pratt stand auf einer der beiden Bühnen  bereit. Ich hätte sie bereits beim von mir und Christoph besuchten End Of The Road Festival in England 2013 sehen können, verpasste sie aber weil sie sehr früh angesetzt war. Auch bei diesem Festival ging sie früh ins Rennen, aber früh bedeutete beim Mo'Fo' eben 19 Uhr 45 und nicht 12 Uhr mittags wie beim End Of The Road.

Der Saal war noch nicht proppenvoll wie bei späteren Acts, aber dennoch bereits recht gut gefüllt. Ruhige, kontemplative Musik wartete auf uns, das ist nicht Jedermans Sache. Nicht wenige äußern Langeweile, wenn Musiker nur mit Stimme und Gitarre operieren. Unverständlich für mich, denn ich kann mir Musik kaum purer und naturreiner vorstellen. So konnte mich Jessica Pratt dann auch recht bald in ihren Bann ziehen. Von ihren in moll gehaltenen Liedern ging ein starkes 60ies Feeling aus. Die Atmosphäre erinnerte an britischen Folk der Hippie Ära um Sandy Denny. Ein Stil, den ich aufrichtig liebe, weil von ihm so viel Zärtlichkeit, Geborgenheit und Weltklugheit ausgeht. Vor allem aber Trost. So viel Trost.

Bemerkenswert die Stimme von Jessia. Gleichzeitig reif und besonnen, aber auch kindlich und unschuldig klingend. Das leicht Infantile ist aber auch nur zu verständlich, wenn man weiß, daß die Sängerin erst 26 Jahre alt ist. Sie wirkte schüchtern und in sich gekehrt und auf grund ihrer langen rötlichen Haare und des recht dunklen Lichts konnte man ihr Gesicht selten richtig sehen.

Die gespielten Lieder waren wirklich wundervoll, so anmutig und beruhigend, so sanft und so verwunschen, wie beispielsweise Night Faces oder auch das psychdelisch- düster beginnenden I've Got A Feeling, welches aber im Verlaufe lieblicher wurde.

Sehr schön auch Wrong Hand, zu dem ich die Augen schloß und meditierte.

Eine gute halbe Stunde gönnte uns Jessica Pratt, dann war leider schon Schluß, aber es war nun einmal ein früher Festivalautritt, da ist selten mehr Zeit.

Setlist

01: Wrong Hand
02: Game That I Play
03: Dreams
04: Night Faces
05: Back
06: Hurting
07: I've Got That Feeling 


Später gingen dann auf der anderen Bühne die Kanadier The Burning Hell ins Rennen. Eine Band um den bärtigen Gitarristen Mathias Kom, an jenem Tage verstärkt durch Ariel Sharat an der Klarinette, Ben Lupus  am Bass und Leo Bear Creek am Schlagzeug, beide Letztgenannten von der französischen Band Coming Soon.

Die vier Musiker kredenzten einen flotten Folkrock voller Selbstironie und Natürlichkeit und amüsierten sich köstlich. Allein die Dialoge zwischen Mathias und Ariel waren Gold wert, denn die beiden nahmen sich gegenseitig auf liebevolle Weise immer wieder hoch. ("but I'm always right" meinte Ariel dazu)

Der Gesang von Mathias erinnerte mich mitunter an den von Bill Callahan, ein tiefer Bariton, teilweise im Sprechgesang. Spaßeshalber meinte Mathias dann auch er sei eigentlich ein Rapper und würde sich freuen, wenn Jay-Z ihn einladen würde, auf einem neuem Blue Print Album zu rappen. Er habe da einen diesbezüglichen Traum gehabt, ihn dem auch Klarinettistin Ariel vorkam, die sich mit Beyoncé glänzend verstand. Alle schmunzelten...

Stark das gespielte Songmaterial. Grown-Ups, Realists oder das fast Klezmer angehauchte I Love The Things That People Make, hier klang jeder gespielte Titel charmant, frisch und ungekünstelt.



Super Band, tolle Stimmung, zufriedene Zuschauer, was wollte man mehr?

Setlist

01: My Name Is Mathias
02: Grown-Ups
03: Realists
04: Last Winter
05: Barcade Song
06: Everything Will Probably Be OK
07: (intro: In The Air Tonight (Phil Collins)The Things That People Make
08: Nostalgia
09: It Happens In Florida
10: Dance Dance Dance
11: Amateur Rappers


Etwas später spielten dann die Russen Messer Chups eine Mischung aus Rockabilly und Surfpop, in den allermeisten Fällen instrumental gehalten. Nur bei zwei Stücken sang die wie ein Pin Up Girl der 1950er Jahre aussehende Bassistin (was für ein herrlich heißes Weib!) ein wenig, da dachte ich dann an die B-52s. Ansonten erinnerte mich das immer wieder an ein Lied von Pulp Fiction. Der Sound war fraglos cool und sehr lässig, aber nach etwa 20 Minuten machte sich eine gewisse Monotonie breit, weil sich die Lieder untereinander arg ähnelten und nicht viele Varianten aufwiesen.

Musikalisch spannender da die Franzosen Orval Carlos Sibelius, die auf der Bühne Mo den ersten Festivaltag beendeten. Eine Band um Sänger, die mit ihrem letztjährigen Album viel Staub in der Pariser Indie Szene aufgewirbelt hatten. Ihre Mixtur aus Krautrock und Psych Pop klang in der Tat innovativ und spacig und vor allem der äußest charismatische Trompeter Dick Turner bereicherte den Sound ungemein. Nur das Hemd des Sänges fand ich abscheulich, aber es passte stilistisch natürlich gut zur Musik vom anderen Stern. Die Band werde ich mir 2014 noch einmal ansehen und dann auch hoffentlich auführlicher berichten. Sie verdient eine intensive Auseinandersetzung.

Das Festival ging am Samstag weiter, aber ich gönnte mir eine Ruhepause und kam erst am Sonntag wieder.

Am letzten Tag der Veranstaltung spielte zunächst die Französin Alice Lewis, die ich auf Grund ihres Namens immer für eine Britin oder Amerikanerin gehalten hatte. Auch ihr Akzent im Englischen ist einwandfrei, so daß ich bislang wirklich keine Indizen dafür hatte, daß sie aus Frankreich stammt.* Ihr Stil ist der lupenreine Elektropop mit wavigem Einschlag im Stile der 1980 er Jahre. Kate Bush war sicherlich ein Vorbild, auch gesanglich, Siouxsie and The Banshees möglicherweise auch.

Alice spielte zusammen mit einem neu engagierten Keyboarder (ihr erstes gemeinsames Konzert) einige Lieder von einer am 21 März erhältlichen neuen EP namens Ignorance Is Bliss, aber mit Night's End und To The Magical Mountain auch ältere Sachen von ihrem 2010 veröffentlichten Longplayer  No One Knows We Are Here, der von Ian Caple produziert wurde. Ein Bursche, der auch schon bei Stina Nordenstamm an den Reglern saß und dies ist wohl kein Zufall, denn der Sound von Alice Lewis könnte durchaus auch aus Schweden oder Island stammen, der Name Björk wird in ihrem Zusammenhang  oft und nicht zu unrecht im Munde geführt.

Ich denke aber, daß Lewis keinesfalls nur ein Klon ist, man findet bei ihr viel Eigenständiges (allein die Instrumente Omnichord, alte Orgeln, Vintage Synthesizer, wer hat so was?) und ihre liebliche und glockenklare Stimme stechen heraus. Zudem ist ihr Songmaterial wirklich gut. Viele der gespielten Lieder findet man leider aber im Internet (bzw. auf Platte) noch nicht.

Man muss sich also noch ein wenig gedulden. Die neue EP Ignorance Is Bliss werde ich nach ihrem starken Autritt beim Mo' Fo' sicherlich kaufen!


Setlist:

01: Intro/instrumental Crossing The River
02: The Drought
03: Let It Fall
04: Night's End
05: To The Magical Mountain
06: Where Do We Go Now
07: Bellboy
08: Ignorance Is Bliss
09: Perfect Stranger
10: Nothing I Could Say 
11: The Statue
12: Haunted Reveries

Tja und dann wurde es immer voller in den Räume des Mains d'Oeuvres. Normal, es war schließlich eine ausverkaufte Veranstaltung. Eher nicht normal aber, daß es so derart überlaufen war, daß man nur unter Mühen zum Konzert des gehypten Son Lux reinkam. Drinnen wurde man aber so unglaublich stark an seinen jeweiligen Nachbarn gepresst, daß man kaum von einem Genuß reden konnte. Ich entschied mich deshalb, wieder nach oben in den Empfangsbereich zu gehen, wo CD Händler ihre Stände hatten und man auch etwas essen und trinken konnte. Meiner optimistischen Einschätzung zu Folge würde sich der Raum unten etwas leeren, so daß ich es 10 Minuten später noch einmal versuchen wollte. In der Zwischenzeit hatte ich mich aber mit den Plattenverkäufern festgequatscht und als ich dann etwa 25 Minuten später wieder mal nachsehen wollte, ob es bei Son Lux leerer geworden war, ließ mich der Security Mensch noch nicht einmal mehr durch. Es sei zu voll, sagte er lapidar und ließ auch nicht mit sich handeln. Dummerweise kam ich auch nicht auf die Idee, hintenrum quer durchs Gebäude zu laufen, um wenigstens auf die andere, die zweite Bühne zu gelangen, wo  The New Mendicants, ein kultiges Duo aus den Sängern von Teenage Fan Club und den Pernice Brothers spielten. Kurzum: ich verpasste die laut Zeugenaussagen besten Konzerte! God damn! Schon kurios, aber so sind Festivals manchmal. Wenn man sich nicht frühzeitig an den jeweiligen Bühnen anstellt, läuft man Gefahr, in die Röhre zu gucken.


Ich ließ mich dennoch nicht deprimieren, schließlich ist das Mo' Fo' auch ein Ort, wo man viele nette Leute treffen kann und ich begegnete wirklich vielen Sympathen an diesem Wochenende.

Außerdem gab es zum Ende überdies noch ein wirklich starkes Konzert. Jeffrey Lewis   spielten auf der Scène Mo und begeisterten schon mit dem ersten Lied You're Invited. Es geht um die Einladung zu einer Geburtstagsparty und der Song versprühte wahnsinnig viel Charme, Wehmut und Zärtlichkeit. Er klang fast wie eine der wundervollen Balladen von Yo La Tengo, so dezent und feinfühlig. Es war wundervoll.

In der Folge wurden Tempo und Laustärke aber teilweise massiv verschärft. Jeffrey Lewis bewies, daß er musikalisch in vielen Stilen zu Hause ist. Indiepop, Anti-Folk, Indierock, Punk, Rap. Ja richtig gelesen, Rap. Zu den russischen Protestlerinnen Pussy Riot hatte er seinen ganz eigenen Song parat, in dem er in schnellen Sprechgesang verfiel, die Mädels als Heldinnen der Punkkultur pries und immer wieder die Fragestellung aufwarf: "what would Pussy Riot do?" Es ging aber nicht nur um russische Politik, sondern auch den Einfluß von Marken auf Bands, den Jeffrey Lewis anprangerte. In einer Songzeile attackierte er Best Coast weil sie ihren Namen für Schuhe hergebe, aber auch Bands die in gesponserten Ray Ban Brillen bei Sout By Southwest spielen. Er warnte vor dem Ausverkauf, betonte, daß Künstler sich nicht vor den Karren von Firmen spannen lassen sollten ("you wanna bands that sell you things, or bands that tell you things?"), selbst wenn es schwierig sei, sich heutzutage über Wasser zu halten. In einem späteren Song stieß er in das gleiche Horn, gab Musikern den Rat, sich nicht von ihrem Label zum Lunch einladen zu lassen. Ihnen würde der Betrag später in Rechnung gestellt.

Offener Protest gegen die Musikindustrie also, aber im Grunde genommen keine Lästerei gegen Musikerkollegen, die das teilweise tun. Eher der eindringliche Rat, nicht naiv zu sein und unabhängig zu bleiben und sich nicht korrumpieren zu lassen.

Jeffrey Lewis selbst scheint sich auch an seine eigenen Parolen zu halten, seine CDs und EPs sehen definitiv wie self releases aus, kamen ohne aufwändige Verpackung daher und waren höchtswahrscheinlich selbstgebrannt. Für lediglich 5 Euro pro Stück konnte man sie am Merch erwerben, seine tollen Comic-Hefte kosteten sogar nur läppische 2, 50 Euro.

Während der Show projezierte er auch in paar seiner Comics auf eine Leinwand und sang dazu. In einem dieser Stücke  ging es auch um den Vietnam, im Rahmen seiner Serie History Of Communism Part 6: Vietnam. Süß sauer das Ganze, gleichzeitig bissig und sehr witzig wie irgendwie alles bei Jeffrey.

War wirklich ein sehr gutes Konzert des Amerikaners und seiner beiden Mädels. Einzig das Daniel Johnston Cover True Love Will Find You In The End, bei dem er das Publikum aufforderte, den Text zu singen, war eher entbehrlich. Den muss ich mir wieder ansehen!

* die Erklärung: sie hat einige Jahre ihres Leben in Großbritannien verbracht.


Donnerstag, 31. Januar 2013

Mo' Fo' Festival, Saint Ouen, 27.10.13

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Concert: Mo'Fo' Festival 2013 avec entres autres: Liesa van Aa, Anika et Trust
Lieu: Mains d'oeuvres, Saint Ouen 
Date: 27.01.2013


Dimanche 27 janvier. Journée pop germanique (new wave et autres curiosités) au Mo' Fo Festival 2013 à Saint Ouen.  En tant qu'allemand vivant depuis 10 ans a Paris, j'étais forcément attiré par cette affiche.


 
Mais la veille,  le couple franco-allemand Stereo Total avait annulé en dernière minute sa participation pour raison de santé. Remplacé par le canadien Trust, l'affiche était déjà moins germanique.

Mais peu importe, j'aime des artistes du monde entier et je ne suis pas du tout uniquement focalisé sur la musique allemande, même si j'avoue que le concert de Kraftwerk que j'avais vu récemment à Düsseldorf était une grosse claque!!!

Ma journée musicale au Mo'Fo' débutait avec le concert de la flammande Liesa Van der Aa sur la plus petite des deux scènes.





Je me suis demandé si les belges flammandes comptaient comme allemandes (on nous avait promis pop germanique, non?), à cause de leur langue, qui est plus proche de l'allemand que du français c'est vrai. Mais c'était simplement avant le début du concert, puisque après c'était juste une question de violon hypnotique, de boucles, d'ambiance à la PJ Harvey et d'une fille blonde très naturelle, mais dotée d'un feu et un charisme sur scène remarquables. Il ne faut surtout pas croire qu'elle sonne comme Owen Pallett qui lui aussi fait des choses épatantes avec son violon à l'aide des boucles. Les voix ne sont pas du tout comparables (lui avec sa voix enchanteresse et pure, elle avec sa voix très forte et chargée d'émotions) et l'ambiance crée est tout à fait différente.

Chez lui c'est aérien, doux, planant. Chez elle c'est sombre, lourd, dramatique. Le ciel est menaçant et le tonnerre pas loin. C'est une sorte d'Anna Calvi avec un violon.




Pour moi son premier titre était déjà le meilleur. Il s'appellait Birds In Berlin (et bien voila la pop germanique!) et montrait déjà toutes les qualités de la jeune belge. Ce talent de mettre couche sur couche pour se créer son propre "One woman choir", cette capacité à monter l'intensité au cours d'une chanson, de gonfler le ballon jusqu'à ce qu'il explose presque.


J'étais happé par cette prestation et restait très concentré pendant les 20 premières minutes. Après le concert ne s'est pas dégradé, mais parfois j'aurais souhaité juste un peu plus de légerté. C'était un brin too much, too heavy, too much drama. Que l'on écoute Lou ou Lost Souvenir jusqu'à la fin pour comprendre ce que je veux dire. L'ambiance était parfois proche d'une Dessert Session de Josh Homme, qui lui, fait du rock stoner. Si on veut, on pourrait qualifier la musique de Liesa comme du pop de chambre à violon stoner. Lourd comme une pierre. Chaud  comme le feu. Sensuel comme ...! Et en plus Liesa utilisait son violon presque comme une guitare, un effet bluffant!

Je n'ai pas trop aimé la reprise de Nightclubbing d'Iggy Pop, mais c'est pas forcément la faute de Liesa, je ne suis pas grand fan d'Iggy, c'est tout.

La musique de Van der Aa te coupe le souffle, te prend aux tripes, mais il faut que tu sois prêt à  tenir 45 minutes. C'était pas toujours mon cas, j'ai un peu décroché vers la fin.

Manque de concentration ou "faute" de l'artiste, qui sait? En tout cas, il est évident que Liesa est un immense talent. Elle a "le truc" c'est sûr. Mais j'ai peut-être besoin d'un peu plus de temps pour être tout feu tout flamme et me familiariser avec son univers beau mais étrange.

Après le concert j'ai appris que Liesa van der Aa avait enregistré son premier album dans le studio des "Einstürzende Neubauten". Vu comme ça ce n'est pas exclu de la compter un peu comme artiste allemande.


 


Sur l'autre scène il y avait finalement "une vraie allemande". Ou toujours pas. La très grande et très blonde Anika est allemande, mais aussi anglaise et parfaitement bilingue. Elle vit entre Bristol et Berlin et sa musique est un peu un mélange de ces deux cultures musicales. De Bristol elle a l'influence de Portishead et surtout du projet de Geoff Barrow qui s'appelle Beak. Elle publie ces disques sur le label de Beak d'ailleurs. De Berlin elle a ce goût pour la new wave, cette noirceur, cette vraisemblance avec Nico (qui venait de Cologne, mais peu importe).


Comme à son habitude elle ne parlait pas du tout entre ses morceaux. Soit elle estime que ce n'est pas cool, soit elle est vraiment timide. Mais j'avoue que cette froideur passe parfaitement bien avec sa musique monotone et glauque, qui est pourtant si excitante. Elle reprend des classiques et les révisite à sa propre manière. Après c'est difficile de reconnaitre l'original tellement c'est différent. Entouré d'un groupe de mecs efficace mais sans visages, elle donnait peut être son meilleur concert à Paris (oups, Saint Ouen, ce n'est pas à Paris, pardon!) à ce jour, puisque il y avait plus de punch qu'auparavant. Le tout semblait mieux rodé, plus pro, plus carré, même si le début avec Terry était un peu laborieux et poussif. Etonnant qu'elle ne jouait quasiment que de vieux titres. Depuis la sortie de son premier album sont passés quand même deux ans au moins. Mais bon I Go To Sleep (Ray Davies) ou Masters Of War (Bob Dylan) restent des morceaux très classes, même si la fin avec In The City (Chromatics) et Officer Officer (seule chanson vraiment rapide dans le set) était encore meilleur.



Une fin vraiment convaincante, mais un manque assez déçevant de nouveaux titres  et une chanteuse très froide confirmant l'image cliché des français sur les Allemandes. Le truc le plus fou qu'elle a fait pendant son concert? Ben elle s'est positionné avec son pied de micro à trois reprises très près du bord de la scène, quasiment en contact direct avec les fans, mais jamais pour longtemps.

Anika reste un mystère. 


 




Après c'était la grande  fête pour les clubbeurs avec les beats électriques du canadien Trust qui a fait bouger les filles pendant presque une heure ultra dynamique. C'était super rentre dedans, puissant et hypnotique avec un son proche d'un  jeux de vidéo. On voyait le chanteur avec la voix nasale à peine, mais c'était pas important. Ses morceaux étaient addictifs et j'ai passé un très bon moment, même si je ne suis pas grand fan de la musique électronique.



Dans l'ensemble une très belle journée (germanique ou pas, on s'en fout) d'un festival que j'adore! Mias le plat ud jour était un peu cher. 7, 50 Euro pour un peu de riz et du poulet, c'est abusé.

à l'année prochaine, Mo' Fo'!




Montag, 1. Februar 2010

Liz Green & Shugo Tokumaru & Television Personalities, Saint Ouen, 31.01.2010

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Konzert: Liz Green & Shugo Tokumaru & Television Personalities (u.a.), Mo'Fo' Festival 2010, 3. und letzter Tag

Ort: Mains d'Oeuvres, Saint Ouen bei Paris
Datum: 310.01.2010

Zuschauer: ausverkauft!



3. und letzter Festivaltag in Saint Ouen bei Paris. Erfreulicherweise war das Zuschauerinteresse riesig und die Veranstaltung ausverkauft. Nachteil: man stand eng aneinander und sah nicht immer gut auf die Bühne. Manchmal war es so voll, daß die Leute im Türrahmen hingen!

Die von mir gesehenen Konzerte im Einzelnen:

Liz Green: Was für ein Talent! Die 26 jährige Engländerin hat eine solch herrlich altmodische Folk/Bluesstimme, daß man sich fragt, ob das Ganze nicht von einem Grammofon kommt, auf dem eine Platte einer schwarzen Soul-Diva aus den 30 er Jahren läuft. In einer gerammelt vollen Bude spielte sie zusammen mit einem Saxofonisten, einem Kontrabassisten und einem Drummer Stücke ihrer Crow Cries EP. Ihre Ausstrahlung war angenehm natürlich und obwohl ihre Songs eher in moll gehalten sind, bewies sie auch viel Humor und lächelte oft. In der witzigsten Szene des wunderschönen Sets setzte sie sich eine Vogelmaske auf und trug aus einem Büchlein vor. Schade, daß in meiner Ecke so viel gequasselt wurde, denn die rotblonde Frau aus Manchester verdient unbedingt absolute Aufmerksamkeit und Stille! In der englischen Fachpresse wird sie schon seit 2007 mit Lob überschüttet, da sollte man doch froh (und still) sein, wenn man sie in Paris zu Gast hat. Schließlich hat sie schon größere Festivals als das Mo'Fo' bespielt. Glastonbury nämlich, wo sie schon zweimal war. Die Künstlerin kam übrigens gerade von ihrer Deutschland Tournee nach Frankreich und erzählte mir von schönen Konzerten und sehr netten Leuten in Germany. Das hört man gerne. Verhandlungen über eine Oliver Peel Session laufen. Liz schien überhaupt nicht abgeneigt. Schau' mer mal!

Shugo Tokumaru: Der Japaner kam von Brüssel zum Mo'Fo' Festival, wo er am Vortag zusammen mit der aufstrebenden Thao gespielt hatte. Vor ein paar Jahren hatte ich seine CD L.S.T. auf einem Konzert von The Konki Duet gekauft, da beide auf dem französischen Label Active Suspension veröffentlich hatten. Unmittelbar war ich von seinen ungewöhnlichen, auf japanisch (und englisch) gesungenen Folk/Popsongs eingenommen, die so heiter klangen, als seien sie unter der Sonne Hawaiis entstanden. Liebliche, spährische Klänge, ein verhuschter Gesang und ein paar kuriose Geräusche prägten das Soundbild. Stilitisch hat sich das Ganze mit dem neuen Album Exit nicht geändert, bloß daß das alles heute etwas konventioneller klang, weil er alleine mit der Akustikgitarre auftrat und mit den Samples und Loops eher sparsam umging. Ich liebe sein Lied Mist, das ist wirklich kein Mist, sondern eine Perle! Aber auch der Rest war richtig gut und gegen Ende coverte er sogar Video Killed The Radio Star von den Buggles auf der Ukulele. Bekanntlich das erste Video, daß von MTV gesendet wurde. Shugo ist klasse, man höre nur das quirlige Parachute, um zu verstehen, was ich meine!

Take It Easy Hospital: Ein Konzert, in das ich nicht rein kam, weil es viel zu voll war. Take It Easy Hospital sind ein gemischtes Pop-Duo aus Teheran, die durch den Film Les Chats Persans In Frankreich in Indiekreisen bekannt geworden sind. In dem Streifen geht es um die enormen Probleme, die Musiker im Iran haben, um sich künstlerisch auszudrücken. Negar und Ash Koosha von Take It Easy Hospital spielen darin die Hauptrollen. Ein Coup, das man die inzwischen In London lebenden Künstler für das Mo'Fo' Festival gewinnen konnte! Ich finde ihre Musik sehr frisch und catchy und bedaure, daß ich ihr Konzert nur auf der Leinwand verfolgen konnte. Ämusant: die beiden coverten Lies von Aracde Fire!

Television Personalities: Nach den ersten zwei Liedern der englischen Punklegenden Television Personalities hatte ich das Gefühl, Zeuge eines legendären Konzertes zu werden, denn zu Beginn spielten die alten Haudegen richtig gut. Dabei hatte der mit obligatorischer Mütze erschienene Sänger Dan Treacy schon gleich zu Beginn skeptisch angekündigt: "I don't know if we'll be good. Let's see what's gonna happen" und ein französsicher Fan rief ihm daraufhin frech zu: "Please play better than at the Flèche d'or." In der Flèche d'or hatten Television Personalities vor genau einem Jahr ein Konzert gegeben, von dem Unterschiedliches berichtet wurde. Das Internetmagazin Popnews fand's toll, andere gruselten sich regelrecht. Angeblich hatten die alten Säcke bis 1 Uhr in der Nacht gespielt und wollten zugedröhnt wie sie waren, gar nicht mehr aufhören. Wie lange sie heute zu Werke gingen, weiß ich gar nicht, denn ich bin vor dem Ende abgehauen. Mir wurde es einfach irgendwann zu chaotisch, Dan Treacy traf zur Mitte hin kaum noch einen Ton und das Ganze wurde trashig. Dabei haben die Burschen natürlich eigentlich ein tolles Songmaterial, A Picture Of Dorian Gray, Silly Girl, I Know Where Syd Barret Lives und und und, da war vieles dabei, von dem sich aktuelle britische Bands wie die Babyshambles, die Futureheads (die A Picture Of Dorian Gray gecovert haben) The View und Art Brut eine Menge abgeschaut haben. Man sollte allerdings aufhören, wenn es am schönsten ist...

Setlist Liz Green Mo' Fo' Festival, Saint Ouen:

01: Grinnin' In Your Face (a capella)
02: Dying Crapshooter's Blues
03: Where The River Don't Flow (Piano)
04: Bad Lucky Boy
05: Midnight Blues
06: Penelope
07: Joe's Bird Blues (acoustic)
08: Hey Joe
09: Bad Medicine



Sonntag, 31. Januar 2010

Le Prince Miiaou, H-Burns, u.a., Paris, 30.01.10

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Konzert: Mo' Fo' Festival, 2. Tag. Mit: Le Prince Miiaou, H-Burns, Coming Soon und vielen anderen

Ort: Mains d'Oeuvres, Saint Ouen
Datum: 30.01.2010
Zuschauer: überraschend viele



Ein Freund von mir hat mich neulich gefragt, ob es bekannte Bands auf diesem Mo' Fo' Festival gäbe. Ich überlegte kurz und verneinte schließlich. " Dann interessiert mich das nicht", sagte er mit abwertender Geste. Das sehe ich natürlich komplett anders. Ich gebe einen verdammten Scheißdreck darauf, ob Bands einem Massenpublikum bekannt sind oder nicht! Das einzige, was mich interessiert ist, ob die Kapellen gut sind. Darauf kommt es mir an. Und das Mo'Fo Festival verpflichtet Jahr für Jahr wahrlich glänzende Künstler. Die Liste derjenigen, die schon da waren ist lang, sie liest sich fast wie ein Who is Who der internationalen Folk- und Indieszene: Bonnie Prince Billy, Daniel Johnston, The Zombies, Silver Jews, Gossip, The Pastels, Herman Dune, Malcolm Middleton, The Mountain Ghosts, The Black Heart Procession, The Wave Pictures und und und. Hinzu kommen die besten französischen Künstler in dieser Kategorie.

In diesem Jahr hat man auf internationaler Seite mit dem ex-Arab Strap Aidan Moffat (trat am Freitag auf), der englischen Folksängerin Liz Green (am Sonntag am Start), dem Japaner Shugo Tokumaru (Sonntag) und den kultigen Engländern Television Personalities (Sonntag) auch wieder illustre Namen gewinnen können. Wer sagt da noch, daß das Festival schlecht besetzt sei?

Der heutige zweite Festivaltag war übrigens fest in französicher Hand. Aber auch da gab es Perlen, die keineswegs vor die Säue geworfen waren, denn das Publikum in Saint Ouen ist wunderbar fachkundig.

Im Einzelnen:

Le Prince Miiaou: Die junge Frau hinter dem bizarren Pseudonym ist ein Vulkan! Mit ihrem energiegeladenen Set elektrisierte sie mich von der ersten bis zur letzten Minute. Mit wasserstoffblond gefärbten Haaren hüpfte sie wie entfesselt über die Bühne schrie sich die Seele aus dem Leib und raubte mir damit die Sinne! Wow, war das intensiv! Und dann gab es auch noch sehr sinnliche Passage, wo Maud-Elisa fast wie Cat Power klang und mir eine wohlige Gänsehaut bereitete. Für mich ist sie jetzt schon der größte weibliche Rockstar, den es in Frankreich je gegeben hat! Ich weiß das schon eine Weile, aber jetzt merken das immer mehr andere und der Stern von Le Prince Miiaou steigt höher und höher und höher....

H-Burns: Der Mann mit der whiskygetränkten Folkstimme kommt nicht aus Nashville, Tennessee, sondern aus Valence, Südfrankreich. Zusammen mit seiner Begleitband spielte er ein hochkarätiges, folkrockiges Set, gespickt mit tollen neuen Songs vom aktuellen Album We Go Way Back. Schwer in Worte zu fassen, wie sehr ich die Musik von H-Burns liebe. Renaud Brustlein (der Mann hinter dem Moniker) ist so authentisch und geerdet, wie man es sich von einem Folkrocker nur wünschen kann. Keine großen Gesten, Ansagen, oder Ähnliches sondern einfach nur jede Menge fantastische Lieder. No bullshit, just good music.

Coming Soon: Die sechsköpfige Band aus Annecy ist so dermaßen jung, daß man sich verwundert die Augen reibt, daß man sie schon seit 2 bis 3 Jahren kennt und sie schon zwei richtige Alben auf den Markt gebracht haben. Der Schlagzeuger dürfte also inzwischen 15 sein. Oder ist er doch schon 16? Wie auch immer, diese Grünspechte wirbeln in Frankreich die Folkpop Szene gewaltig auf und auch Herman Düne und sein Bruder Stanley Brinks sind große Fans. Die 5 Jungs und das eine Mädel brachten auch heute wieder den Saal zum Kochen und sorgten für jede Menge glücklicher Zuschauer. Stilistisch sind sie eine Kreuzung aus Nick Cave, Lou Reed (den sie gecovert haben) und, nun ja, Herman Düne. Logisch, oder? Gut möglich, daß sie heute den größten Scheck aller Bands bekommen haben*, denn ihr Set dauerte mit Abstand am längsten. Während andere mit 30-45 Minuten Spielzeit Vorlieb nehmen mussten, durften sie mindestens eine ganze Stunde lang zeigen, was sie drauf haben.


Setlist Le Prince Miiaou, Mo'FO' Festival 2010:

01: Blabla
02: Our Tale
03: This Is Not A Map
04: Hawaiian Tree
05: Frénésies Horzontales
06: Intermède
07: Starfish Position
08: No Compassion Available
09: Football Team


Setlist H-Burns, Mo' Fo' Festival 2010:

01: We Go Way Back
02: You Weren't
03: Sail On
04: Half A Man/ Half A Freak
05: Tom Waits
06: Images Are Getting Hard To See
07: Horses With No Medals
08: A Part Of The Film
09: Fires In Empty Buildings
10: Are You Scared Of The Dawn

Aus unserem Archiv:

Le Prince Miaou, Paris, 03.10.2009:
Le Prince Miiaou, Paris, 28.03.09
H-Burns, Paris, 03.09.08
H-Burns, Paris, 13.02.08
Coming Soon, Paris, 12.11.08
Coming Soon, Paris, 27.10.08
Coming Soon, Paris, 26.10.08
Coming Soon, Paris, 11.04.08


* wobei wir hier sicherlich nicht von hohen Summen sprechen, das versteht sich von selbst.

Links:

- Selbst Blogger-Mozart Eike vom Klienicum hat (hier!) bereits über H-Burns geschrieben.
- Das Klienicum zu Shugo Tokumaru, klick!
- Das Klienicum hat Liz Green schon einmal live gesehen. Hier der Bericht.
- Tolle Fotos vom Konzert von Le Prince Miiaou gibt es bei le-Hiboo.com




Samstag, 9. Mai 2009

Ora Cogan, Au, Morningstar, Paris, 07.05.09

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Konzert: Ora Cogan & Morningstar & Au

Ort: Mains D'Oeuvres, Saint Ouen bei Paris
Datum: 07.05.2009
Zuschauer: ca 30
Konzertdauer: ca 35-40 Minuten



Setlist Ora Cogan, Mains D'Oeuvres, Paris:


01: Old Black Swan
02: The Way
03: Vultures/Blood Debt
04: My Belle
05: Shine
06: Great Gran Pappy
07: Your Not Free
08: Daughter
09: In The Pins
10: Destroyer
11: Vatican City

Links:

Videos von Ora Cogan, Mains D'Oeuvres:

- Old Black Swan
- The Way
- My Belle
- Shine
- Great Gran Pappy (Bo Diddley Cover)
- Daughter

Videos von Au, Mains D'Oeuvres:

Video 1
Video 2
Video 3
Video 4

Videos von Morningstar, Mains D'Oeuvres:

Video 1
Video 2
Video 3
Video 4




Dienstag, 5. Mai 2009

Toy Fight & Anathallo, Paris, 04.05.09

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Konzert: Toy Fight & Anathallo (Spasmodic Joy)
Ort: Mains d'Oeuvres, Saint Ouen bei Paris
Datum: 04.05.2009
Zuschauer: angesichts des hochkarätigen LineUps zu wenige



Der Prophet gilt nichts im eigenen Lande, das ist nicht nur In Deutschland so , sondern auch in Frankreich, wenn es um heimische Indiebands geht. Man ist immer ein wenig skeptisch und fragt sich, ob die Landsleute genauso gut sind, wie britische oder amerikanische Formationen.


Obwohl bei Toy Fight die Vorraussetzungen hervorragend sind, daß sich dieser Zustand sehr bald ändert und sie auch in Paris und ganz Frankreich kräftig durchstarten werden! Und es ist ja schon bemerkenswert, daß ausgerechnet ein Berliner Label schneller hellhörig wurde, als ein Pariser. Der hochangesehene Laden City Slang zögerte mit dem Signing nicht lange, als sie über MySpace auf die unglaublich frischen, ansteckend heiteren und ohrwurmigen Songs der Franzosen stießen. Die Begeisterung in Berlin muß wohl riesig gewesen sein und eines schönen Tages hatten Toy Fight der Sage nach dann eine Mail aus Deutschland in ihrem virtuellen Brifekasten: "Sucht ihr ein Label?" Wahrscheinlich haben Sebastien, Maxime und David (die Gründungsmitglieder) zunächst an einen Scherz geglaubt, denn bis dahin waren sie überwiegend in kleinen Pariser Bars unterwegs, unter anderem im Motel. "Hey, kneif' mich mal, City Slang will uns unter Vetrag nehmen" haben sie sich wahrscheinlich gegenseitig zugeflaxt. Geschichten wie sie das Leben schreibt. Eine wunderschöne Geschichte wie ich finde, Happy End, sprich internationaler Erfolg, nicht unwahrscheinlich und ich würde es ihnen sowas von gönnen!

Vor Toy Fight, die ich bereits draußen vor der Tür getroffen hatte, wurde ein junger französischer Künstler platziert. Gestern hatte ich Spasmodic Joy noch als Gruppe angekündigt, weil auf der MySpace Seite Folgendes stand: "We are two, maybe four, probably six." War dann aber nicht so, denn beim Blick auf die Bühne erspähte ich nur einen einzigen Musiker mit Akustikgitarre. Um ihn doppelt zu sehen, hätte ich wohl schon ein paar Schnäpse intus haben müssen. Der zwischen den Liedern äußerst stille Bursche stellte sich irgendwann einmal als Geoff Mendelson vor und erklärte, daß er trotz des englisch klingenden Namens Franzose sei. Er sei extrem dankbar , heute hier zu sein und lobte vor allem die später startende Band Anathallo über den grünen Klee. In den letzten Jahren hätten ihn zwei Acts umgehauen, zum einen Grizzly Bear und nun Anathallo. Es sei für ihn eine große Ehre, vor ihnen auftzutreten.

Meine Befürchtungen, daß der Vortrag von Geoff etwas zäh werden könnte, zerschlugen sich ziemlich bald. Er hatte einen wunderbare, an Elliott Smith erinnernde Stimme, ein sehr energisches Gitarrenspiel und eine hochinteressante Mimik. Beim Singen bebte sein Gesicht vor Erregung, was darauf hinwies, daß er seine Musik voll und ganz lebte, denn schauspielerisches Talent sah ich bei dem so ruhigen Mann nicht. Das packte mich und ich hatte eine wundervolle halbe Stunde, die bestückt war mit melancholischen und betörenden Folksongs. Ich werde den Mann auf jeden Fall weiter im Auge behalten!

Nun aber machten sich Toy Fight bereit. Eine ursprünglich dreiköpfige Band, die bereits im Jahre 2006 eine im Selbstversuch verlegte Scheibe veröffentlich hatte und es dann eigentlich damit bewenden lassen wollte. In der Zwischenzeit sind zu den Stammitgliedern Maxime, Sebastien und David drei neue Mitglieder hinzugestoßen: Mina Tindle, die einzige Frau in der Männerunde, singt im Background und hat bei ein bis zwei Lieder auch einen ausgeprägteren Gesangespart. Zudem spielt sie wundervoll Melodica und versprüht mit ihrem herzlichen Lächeln jede Menge Charme, dem man(n) sich nur schwer entziehen kann. Sie ist auch Solokünstlerin und tritt am Mittwoch im Vorprogramm von Beirut in Brüssel auf. Jean "Jaune!" Thévenin ist der Drummer der Band und der meisteingesetzte Schlagzeuger von Paris überhaupt. Die Liste der Gruppen, in denen er mit viel Körpereinsatz trommelt, würde den Rahmen sprengen, ich beschränke mich deshalb darauf, fünf seiner Bands zu nennen: Tahiti Boy & The Palmtree Family (mit denen war er kürzlich in Austin, Texas bei South By Soutwest), Soko, The Rodeo, My Girlfriend Is Better Than Yours, Cocosuma. Ein unglaubliches Pensum, oder? Und schließlich der Bassist Bertrand Faure-Brac, der aber eher im Hintergrund agiert.

Fünf Männer und eine Frau also, die sich blendend verstehen. Man merkt ihnen an, daß es sich um keine Zwangsgemeinschaft handelt, sondern man sehr gerne Zeit zusammen verbringt. Eigentlich sollte man ja meinen, daß dies eine Selbstverständlichkeit ist, seitdem man aber weiß, daß viele Musiker eigentlich privat nichts miteinander zu tun haben und bloße "Arbeitskollegen" sind, dennoch hervorhebenswert. Und diese Freundschaft und Sympathie füreinander strahlen die Pariser auch aus. Das ist niemand , der sich besonders in den Vordergrund drängt, Gesangesparts wechseln demokratisch und auch an den Instrumenten wird an ein paar Positionen mal rotiert. Ein Truppe zum Liebhaben und Knuddeln, die wunderbar den Draht zum Publikum herstellt. Schon nach ein paar ihrer ungemein schwungvollen und euphorisierenden Liedern tanzte der ganze Saal und selbst Tanzmuffel mussten zumindest mit einem energischen Fußwippen ihrer Begeisterung Ausdruck verleihen. Ansteckende, fast kariös zu nennende Popsongs mit hohem Sucht-und Charmefaktor, die bald die gesamte Indiewelt verzaubern werden, dessen bin ich mir sicher! Auf dem heute erschienenen Album Peplum sind mindestens, na sagen wir mal vorsichtig, ...5 Tophits! Wahrscheinlich bin ich mit dieser Aussage aber noch viel zu konservativ, denn eigentlich habe ich heute nur Knüller gehört! Ich persönlich bin jedensfalls jetzt schon hochgradig süchtig nach Gassenhauern wie Your Own Fireworks, Trucmuche oder Victims Hairdo, auf dem auch die großartige Mina Tindle mitsingt. Schon nach zwanzig Minuten war ich regelrecht beschwipst von dem famosen Indie Pop von Toy Fight, der in bester Tradtition von Bands wie Belle & Sebastian, Neutral Milk Hotel oder XTC steht. Und der französische Akzent bei den englischen Texten ist das Tüpfelchen auf dem I. Schlecht gelaunt? Depressiv? Nun einfach in voller Lautstärke Toy Fight hören, dann kommt man schnell über diesen Hänger hinweg!

Also, was soll ich noch lange erzählen, Toy Fight sind jetzt schon eine der Bands des Jahres, ich bin sicher Peplum wird auf meiner Anlage etliche Runde drehen! Der Wahnsinn!

Setlist Toy Fight, Mains D'Oeuvres, Saint Ouen:

01: Avalanches
02: Your Own Private Fireworks
03: Minute Song
04: Trucmuche
05: Golden Make Up
06: Bob
07: Victims Hairdo
08: Les Indes Noires
09: High Noon
10: Drum Drum

Danach passierte etwas sehr Bedauerliches: Zum Konzert von Anathallo verließen schon ein paar Leute das ohnehin schon nicht sehr gut gefüllte Mains D'Oeuvres. Einige gingen endgültig, andere lungerten draußen im Sitzbereich außerhalb des Konzertsaales herum. Da kommen sieben hochsympathische Leute extra den langen Weg aus Chicago, um durch Frankreich und demnächst auch Deutschland zu touren, machen sensationell gute und hochinnovative Musik und werden nicht entsprechend gewürdigt! Das machte mich wirklich traurig und ich überlegte, woran das liegen konnte. Als mögliche Gründe könnte man anführen, daß das Mains D'Oeuvres außerhalb von Paris in Saint Ouen liegt und deshalb viele Pariser eine psychologische Hemmschwelle haben, den Weg auf sich zu nehmen, obwohl es von den Champs-Elysées eigentlich nur 7 U-Bahnstationen entfernt ist. Zum anderen spielte es auch eine gewisse Rolle, daß am gleichen Abend mit Metric und den Von Bondies zwei Publikumsmagneten in der französischen Metropole auftraten, die viele Leute anzogen. Trotzdem: Es gab eigentlich keinen vernünftigen Grund hier und heute nicht auf der Matte zu stehen!

Anathallo entpuppten sich nämlich nicht nur als famose und extrem kreative Musiker, sondern auch als äußerst liebenswürdige und umgängliche Zeitgenossen, die sich keinswegs von dem dürftigen Zuschauerinteresse von ihrer Spiel-und Einsatzfreude abbringen ließen. Im Gegenteil, sie machten verbal mehrfach deutlich, was für eine große Ehre es für sie sei, hier spielen zu dürfen. So lob' ich mir das, musikalisch glänzen und dennoch freundlich und zugänglich bleiben! Keine abgehobenen Spinner, sondern experimentierfreudige Leute, die alle möglichen Tricks ausprobieren, um spannende Sounds zu erzeugen, dabei aber keineswegs wunderschöne Melodien und Harmoniegesänge vernachlässigen. Schon erstaunlich, Anathallo schaffen es wirklich, experimentelle Elemente einzubinden und dennoch catchy und eingängig zu bleiben. Große Kunst, bei der neben den eingesetzten Trommeln (die standen wirklich an allen Seiten!), Trompeten und unzähligen Glöckchen und anderen Percussioninstrumenten die wunderschönen Stimmen von Matt und Erica besonders begeisterten. Es war durchgängig herlich, performancetechnisch brilliant, euphorisierend, mitreißend! Ein Fest für alle Sinne!

Einzelne Highlights besonders hervorzuheben, fällt mir deshalb nicht leicht. Sicherlich könnte man das an Efterklang erinnernde Italo nennen (diese wundervollen Gesänge von Matt Joynt und Erica Froman, der einzigen Dame!), oder auch The River (tolles Piano!), beide von dem aktuellen Album Canopy Glow. Aber auch von dem Vorgängerwerk Floating World kamen Perlen, so z. B. das fantastische Dokkoise House.

Insofern gilt: Von Anathallo muss man alles haben! Es müsste schon mit dem Teufel zugehen
, wenn die siebenköpfige Band aus Chicago, die ein wenig an Sufjan Stevens, Efterklang, die Broken Social Scene oder The Manchester Orchestra erinnert, nicht den Durchbruch schafft!

Eine der Bands des Jahres, genau wie Toy Fight. Was für ein Konzertabend!

Setlist Anathallo, Mains D'Oeuvres, Paris:

01: Italo
02: John J. Audubon
03: Cafetorium
04: Hanasakajijii Four
05: Hanasakajijii Two
06: Hanasakajijii One
07: Northern Lights
08: Holiday At The Sea
09: Dokkoise House (with face covered)
10: All The First Pages

- Mehr Fotos von Toy Fight hier
- Mehr Fotos von Anathallo hier
- Video mit interessanten Studioaufnahmen von Toy Fight, Minute Song live im International und im heimischen Wohnzimmer. Jeweils im Wechsel. Cool!




 

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