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Freitag, 2. Mai 2014

Moddi, Freiburg, 01.05.14

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Konzert: Moddi
Ort: RängTengTeng in Freiburg i.Br.
Datum: 1. Mai 2014
Dauer: über 90 min
Zuschauer: knapp 100


Schon sehr lange war der norwegische Musiker Moddi auf meinem musikalischen Radar. Die herben und expressiven Lieder mit dem mal jammernden und schreienden und mal jauchzenden Akkordeon hatten mich im Sturm erobert - aber die jeweils nur sehr kurzen Touren ließen zu große Bögen um Karlsruhe, als dass es mit einem kennenlernen bisher geklappt hätte. Letztes Jahr hätte ich sogar die Chance gehabt, ihn noch ganz kurzfristig in mein Wohnzimmer zu holen, musste ihn aber (sehr traurig) vorbeiziehen lassen. 


Nun endlich würde es klappen! Oder doch nicht? Meine Freiburger Kollegen hatten mich vorgewarnt: Das RängTengTeng ist eine Raucherkneipe... the air is too heavy to breath...  Als ich ankam, war ich deshalb sehr erleichtert zu sehen, dass Schilder aufgehängt worden waren, die darum baten, dass während des Konzerts bitte nicht geraucht werden soll und entlasteten mich von der Sorge, dass es nun mit dem live-Zusammentreffen doch wieder nichts würde (*).


Ein bisschen warten musste ich aber noch, bis gegen 21:30 Uhr Pål Moddi Knutsen und Katrine Schiøtt (Cello und Gesang) die Bühne betraten. Das Konzert war geprägt von einem super-expressiven Moddi auf der Bühne, der seine Stimme manchmal bis zur Grenze belastete, zwischendurch den Rhythmus so stampfte, dass er ganz aus der Puste kam und sehr ausführlichen Zwischenansagen, die alles waren, nur nicht oberflächlich oder gefällig (wenngleich sehr sympathisch).


Die Kellerkneipe hatte sich gut gefüllt und ich war sehr angenehm überrascht davon, wie aufmerksam das Publikum war. Es gab keine Schwätzer und fast keine Geräusche von der Bar. Statt dessen andächtige Stille während der Songs, enthusiastischen Applaus dazwischen und diverse Moddi-kundigen Rufe, als es um gewünschte Songs ging oder auch um Assoziationen zu Norwegen und den Norwegern.


Das war keine Laufkundschaft, die hier nur war, um den Feiertag fröhlich ausklingen zu lassen, sondern ein Publikum, das eine sehr aufgeschlossene und angenehme Atmosphäre schuf, in der sich auch beide Musiker offensichtlich sehr wohl gefühlt haben.


Moddis Bühnenpräsenz war manchmal schon fast etwas zappelig und in der ganzkörperlichen Hingabe erinnerte es mich manchmal an einen anderen norwegischen Musiker den ich sehr schätze und der auch seinen Körper im Konzert sehr speziell einzusetzen weiß: Einar Stray. Er wechselte mehrfach zwischen akustischer Gitarre und Akkordeon als Begleitinstrument und damit auch zwischen sitzen und stehen. Daneben war Katrine am Cello ein Ruhepol und ganz und gar geerdet. Auch ergänzten sich die beide Stimmen für meine Ohren ganz hervorragend und besonders wohlklingend. 


Musikalisch waren die nachdenklichen Songs an diesem Abend deutlich in der Überzahl. Und auch bei den länger diskutierten Themen nahmen Krieg und Umweltzerstörung und die Verantwortung, die jeder einzelne dafür übernehmen kann und könnte einen großen Teil der Zeit ein. Persönliche Erlebnisse kürzlich in Israel und den besetzten Gebieten und während seiner Teenagerzeit in Norwegen bildeten den Hintergrund für grundlegende Überlegungen. Dabei wirkte Moddi jedoch stets optimistisch und vor Energie nur so sprühend. Bange machen galt also nicht! Auch nicht vor 2 m langen norwegischen Otto-Normalverbrauchern.



Ein weiteres Thema des Abends waren Sprachen. Moddi sprach über weite Strecken Deutsch, wechselte dann immer mal wieder ins wohl gewohntere Englisch und versuchte zu erklären, wieso manche Lieder einfach schwer in der Heimatsprache zu singen sind - und zwar nicht nur wegen gewisser Gewohnheiten der Pop-Industrie.



Wenn ich für mich besondere Lieder des Abends in Freiburg hervorheben soll, dann waren es Tog sang (bei dem wir uns die Sprache wünschen durften und das mir schon seit dem Cover durch Portishead ein Lieblingslied ist), House by the sea (ein vom Publikum gewünschtes Lied) und Rubbles (das Lied, mit dem ich ihn kennenlernte).


Leider musste ich 23 Uhr meinen Heimweg antreten, als noch das als letztes Lied angekündigte En sang om fly lief. Nach der Stimmung im Raum und auf der Bühne zu urteilen, gab es anschließend sicher noch Zugaben, die mir leider entgangen sind. Aber ich hatte noch 2 Stunden Heimweg vor mir und nur diese Mitfahrgelegenheit.



Moddi wird am 2. und 3. Mai noch zweimal an deutschen Bahnhöfen aussteigen. Geplant sind Reutlingen und Marburg. Im Sommer kann man ihn voraussichtlich auf einigen Festivals erleben. Dicke Empfehlung meinerseits!


Setlist: 
01: Magpie eggs 
02: Soon you will be somebody else
03: Poetry
04: Run to the water
05: Tog sang 
06: Bridges and Balloons (Joanna Newsome cover)
07: Krokstav-emne (mit Akkordeon als Schlagzeug)
08: House by the sea
09: Eli Geva
10: The Architect
11: Rubbles

12: En sang om fly

+ evt. Zugaben 


(*) mein Ausweichplan war, im Falle von zu viel Qualm, in das 10 min entfernte White Rabbit zu gehen und dort Diane Cluck zu sehen. Man kann ja nicht 150 km fahren und sich dann von Rauchern den Abend total verderben lassen...

Tourdaten:
02.05. Franz K. Reutlingen
03.05. KFZ, Marburg



Donnerstag, 23. Mai 2013

Dear Reader, Freiburg, 21.05.13

2 Kommentare

Konzert: Dear Reader mit Support Mine
Datum:  21. Mai 2013
Ort: Schmitz Katze in Freiburg (i. Br.)
Dauer: 40 min + 80 min
Zuschauer: etwa 150


Gestern ertappte ich mich etwas verwundert dabei, wie ich nach viel zu wenigen Stunden Nachtschlaf durch den (inzwischen intensiv verhassten) Regen zur Arbeit radelte und dabei still vergnügt (!) vor mich hinsang: Will you be my giding star...

Was war denn da passiert?
 
Dear Reader verfolge ich nun schon einige Jahre. Die erste CD - ein grandioses Überraschungsdebut hatte mich 2009 zum Livererlebnis im Weinheimer Cafe Central verführt (das war in dem Teil meines Lebens, wo es nur 1-2 Indie-Konzerte pro Jahr in meinem Abendprogramm gab). Danach gab es ein beglückendes Wiedersehen zwei Jahre später am gleichen Ort. Im vergangenen Jahr trafen wir uns in Düsseldorf zum New Fall Festival und im Rahmen der TVNoir Tour mit Herrenmagazin in Freiburger Jazzhaus. Jedes Mal war die bunte Truppe um Cherilyn MacNeil neu gemischt, aber die ansteckend gut gelaunte und temperamentvolle Musikerin aus Südafrika im Zentrum Garant für beste Unterhaltung.


Da die Rivonia-Tour (wieder!) einen Bogen um Karlsruhe macht, stand ich erneut vor der Entscheidung, wohin ich mich wenden sollte. Freiburg kam mir schon zeitig als geeignet vor, dann sah es für Pfingstsonntag und Saarbrücken sehr gut aus, aber schließlich wurde es doch der Ausflug nach Freiburg.

Schmitz Katze besuchte ich bei dieser Gelegenheit zum ersten Mal und vergebe volle Punktzahl: Genutzt wird hier die Werkstatt einer ehemaligen Tankstelle. Der Hof lud mit improvisierten Sitzgelegenheiten zum verweilen ein, Einlass und Bar waren mit sehr zuvorkommenden Personen besetzt, die Größe des Clubs passte mir gut und schon vor dem Konzert gab es Gelegenheit, "alle" persönlich zu treffen. Nämlich 


1)  Mine, die ich für den Abend gar nicht erwartet hatte (wohl aber für Sonntag in der Guten Stube in Darmstadt)  und der ich ein persönliches Toi Toi Toi mitgeben konnte,

2) Cherilyn MacNeil herself und Emma Greenfield beim zurechtzupfen vor dem Spiegel - wir konnten ein bisschen unsere Vorfreude teilen,

3) den freundlichen Tourmanager, dem ich noch ein extra Dankeschön schuldig war und 

4) Sam Vance-Law  (der Mann mit diesem samtigen Bariton auf der aktuellen Dear Reader Scheibe) im Venue mit seinem Laptop auf dem Schoß. 


Überdies hatte ich nette und überraschende Begleitung. Was will man mehr?

Es sollte laut Venue um 20 Uhr mit Musik losgehen. Zu diesem Zeitpunkt nutzten aber die meisten noch das verhältnismäßig schöne Wetter zum draußen sitzen und schwatzen. Als Beginn wurde am Einlass 20:30 Uhr gehandelt. Jedoch schon 20:20 Uhr betrat Mine ganz unprätentiös die Bühne, begann mit Hinterher ziemlich rasant ihr Set und hatte - obwohl sicher kaum jemandem bekannt - damit das Publikum sofort und 100% auf ihrer Seite.  Das allgemeine Gefühl der positiven Überraschung war förmlich mit Händen zu greifen!


Im unvermeidlichen Vergleich mit dem Karlsruher Auftritt vor 10 Tagen war das Set etwas umfangreicher und die Künstlerin wirkte noch souveräner auf der Bühne. Ich stand diesmal viel näher und hatte sehr viel Spaß daran, ihre Spielfreude und die musikalische Begeisterung hautnah zu erleben. Meine Vorfreude auf das Konzert am 15. Juni in Mannheim ist damit noch ein Stück weit gestiegen. Es fällt mir schwer, besondere Momente ihres Programms herauszupicken, weil jedes Stück seine eigenen Stärken hatte. Großen Spaß gab es wieder mit dem Synthesizer. Trotz der Warnung dass es etwas gewöhnungsbedürftig klingen wird, ging mit den ersten Akkorden kaum unterdrücktes hysterisches Gekicher durch die Reihen, bis man sich auf den Song eingelassen hatte. Natürlich gab es auch hier am Schluss tosenden Applaus.


Für Dear Reader wurde in der Pause einiges auf der Bühne neu sortiert bevor es 21:30 Uhr weitergehen konnte. Der Zuschauerraum war inzwischen richtig gut gefüllt und die Spannung mit Händen zu greifen. Auch ich war sehr gespannt. Die ersten Proben vom Album Rivonia hatte ich schon 2012 in Düsseldorf und dann in Freiburg in sehr akustischer Besetzung gehört - zusammen mit den zugehörigen Geschichten. Inzwischen ist die CD erschienen und hat bei mir voll eingeschlagen. 


Nun würde ich also die live-Umsetzung erleben. Auf die Bühne kamen neben Cherilyn und Sam (die Besetzung, die ich zuletzt zweimal gesehen hatte) noch Emma und zwei Herren an Schlagzeug und Bass. Eine richtig "normale" Bandbesetzung. Cherilyn begann das Set mit einer überschwänglichen Begrüßung und der Geschichte zu Man of the Book. Später streute sie ebenfalls immer wieder Geschichten ein, wobei ihre Augen eigentlich am meisten erzählt haben: von Freude über das Publikum, Freude, die Musik zu teilen und Freude am Zusammenspiel mit den anderen Musikern. Ihr Enthusiasmus ist einfach ansteckend! 


Das Programm würde erwartungsgemäß natürlich vor allem Rivonia-Stücke umfassen, aber die gewohnten und ja auch lieb gehaltenen Stücken würden gewiss nicht ganz fehlen. Die vorab photographisch stibitzte Setliste bestätigte diese Erwartung. Als schließlich die Basslinie von Dearheart einsetzte, merkte man wie eine Welle durch das Publikum lief. Bisher waren alle freundlich mitgegangen und hatten auch die Ansagen beschmunzelt. Aber nun lochte Cherilyn final ein. Ähnlich euphorisch reagierte das Publikum auch auf Man und Whale vom Album Idealistic Animals und Great White Bear vom Debutalbum.


Aber natürlich fanden auch die Rivonia Stücke ihr Publikum. Nur war hier nicht die Vertrautheit und die "ich weiß was jetzt schönes kommt" Stimmung zu erwarten. Musikalisch war es rund und erfrischend. Die Stimmen von Emma und Sam mischten sich ganz wunderbar mit Cherilyns, die Trompete setzte immer wieder glänzende Akzente und als großes und sehr anrührendes Finale gab es (wie auf der CD) das a-capella Stück Victory, wo auch der Mann am Bass als Bass einstimmte und das Gesangsquartett professionell vervollständigte. Mir standen Tränen in den Augen.


Freilich kam die Band nicht um Zugaben herum. Cherilyn flaxte ein bisschen, ob man sich vielleicht mit nur zwei Stücken zufrieden geben könnte, da es inzwischen unglaublich warm geworden war und wir alle zusammen schon seit einer halben Stunde wie in der Sauna schwitzten. Klar, dass die Wärme kein Argument war, um auch nur fünf Minuten eines solchen Konzertes zu verpassen. So gab es noch ein Stück von Rivonia und anschließend Bend und den unnachahmlichen Monkey als Rausschmeißer.


Im Vergleich aller fünf Konzerte war dies tatsächlich der rundeste Abend für mich. Wieder gab es sehr viel zu lachen und zu schmunzeln und die gute Atmosphäre in der Band war förmlich mit Händen zu greifen. Aber es war auch alles in allem reifer und fertiger und tief anrührend. 

Wie es sich wohl anfühlt als Südafrikanerin in Berlin ein neues zu Hause zu finden? Ein Stück weit erzählen dies das neue Album und die Konzerte von  Dear Reader.

Für uns in jedem Fall ein großes Glück, sie so nah und unter uns zu haben - ich bin nach dem Konzert so beschwingt nach Hause gefahren, dass ich noch am nächsten Morgen die Euphorie nicht ganz abgelegt hatte.


Setlist, Mine in Freiburg:

01: Hinterher
02: Nicht für mich
03: Du scheinst
04: Mein Freund
05: Raus Raus Raus
06: Herzverleih
07: Kann sie es tragen
08: Lauter
09: Der Mond lacht


Setlist, Dear Reader in Freiburg:

01: Man Of The Book
02: Took Them Away
03: Dearheart
04: Good Hope
05: 27.04.1994
06: Down Under, Mining
07: Whale (BooHoo)
08: Cruelty On Beauty On
09: From Now On
10: Man (Idealistic Animal)
11: Back From The Dead
12: Already Are
13: Great White Bear
14: Victory

15: Teller Of Truths (Z)
16: Bend (Z)
17: Monkey (Go Home Now) (Z)

 
Multimediafutter:

Mehr Fotos aus Freiburg auf flickr
Bericht Dear Reader Mai 2013 in Stuttgart mit allen Archivlinks 

Bericht Mine  in Karlsruhe 

Das GANZE Konzert in München als Videomitschnitt
(alle links zu Videos oben von dort - Danke MissMoreMusic)


Weitere Tourtermine Dear Reader 2013:

23.05 Paris, Le Nouveau Casino
24.05 Köln, Gebäude 9
26.05 Münster, Gleis 22
27.05 Hamburg, Uebel & Gefährlich
28.05 Berlin, Lido
13.07. Rüsselsheim, Phono Pop Festival
02.08. Jena, Kulturarena



Dienstag, 13. November 2012

Dear Reader & Herrenmagazin, 13.11.12, Freiburg

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Konzert: TVNoir #7 mit Dear Reader & Herrenmagazin
Ort: Jazzhaus Freiburg
Datum: 13.11.2012
Zuschauer: etwa 250 - 300
Dauer: 135 min 


Dies war mein zweiter Besuch im Jazzhaus in Freiburg aus Anlass eines TVNoir Konzertes. Dreimal hatte die Tour dazwischen in Karlsruhe Station gemacht. Aber diesmal nicht. Damit stand wieder so eine Entscheidung an: lohnt sich der Aufwand extra zu fahren? Und wenn ja, welches der Konzerte in den umliegenden Städten ist am besten geeignet? Die Reise nach Freiburg wurde versüßt durch eine so frühe Anfangszeit, dass ich mich nicht sorgen musste, ob ich wohl den letzten Zug gegen 23 Uhr noch kriege (bzw. wie viel ich verpasse, wenn ich dann notgedrungen zum Bahnhof hinübergehen muss).



Der erste Eindruck diesmal: Lampe und Bild sind da, ebenso das gewohnte Bild, aber wo ist das Sofa? Die Bühne ist voller  Instrumente (fünf Gitarren, ein E-Bass, Xylophon, Schlagzeug, Geige, Flügel, diverse Mikrophone). Ob es ein fataler Fehler war, dass ich meinen Hörschutz zu Hause vergessen habe?

Ich rede mir selbst gut zu: das ist doch ein TVNoir Konzert. Das brüllt nicht. Das wiegt sich und tänzelt und falls es laut wird, dann weil dem Sänger/der Sängerin das Temperament durchgeht. Was auch zu diesen Konzerten gehört: die Künstler sind zu sprechen. Schon vorher schlüpft Cherilyn MacNeil an mir vorbei, der Sänger von Herrenmagazin schwatzt mit Mädchen auf der Treppe und Sam sitzt auf der Bühne und skypt während die ersten Zuschauer ankommen.



Dear Reader hatte ich erst Anfang Oktober in Düsseldorf für Get well soon eröffnen sehen. Die Besetzung heut war dieselbe. Cherilyn am Flügel bzw. an der akustischen Gitarre und Sam aus Kanada an der Geige und mit einer wunderbar warmen und tiefen Stimme. Im Vergleich zu Düsseldorf fällt auf, dass sie sich inzwischen richtig gefunden haben. Es wirkt durch eine gewisse Routine souveräner und damit noch ausdrucksstärker (dafür hatte man in Düsseldorf das Gefühl einem sympatischen einmaligen Experiment beizuwohnen, was auch seinen Zauber hatte). Die Setliste bestand auch heute aus Titeln beider Alben und neuen Liedern von der Platte, die im nächsten März erscheinen soll - ein bisschen mehr neues Material als in Düsseldorf - juchuh!

Die zwei Bands wechselten sich auf der Bühne ab und unterstützten sich zwischendurch auch gegenseitig. Höhepunkte für mich waren "Gespenster" von Herrenmagazin vor der Pause und das letzte Lied "Under the african skies" (ein Paul Simon Cover), wo endlich alle vier Sänger des Abends gleichberechtigt ihr bestes zeigen konnten. Ein echter Gänsehaut-Moment. Dazwischen nur sehr gute Stücke und supergutes. Viele sehr nette und lustige Ansagen. Und ein aufmerksames Publikum, das den Sängern förmlich an den Lippen hängt.


 
Nach dem ausgiebigen Konzert wurden CDs signiert und Lob eingesammelt, Fotos gemacht und sehr glücklich gelacht. Auf der Bühne war die Rede davon, es wäre auf dieser Tour so hippiemäßig. Ja, so fühlte es sich auch aus dem Zuschauerraum heraus an!
Die Setliste und all meine Notizen hat leider der elektronische Orkus geschluckt oder wie auch immer der Ort heißt, wo solche Sachen hingehen, die nicht dort ankommen, wo man sie eigentlich hingeschickt hatte. 
Und jetzt muss ich doch einmal herausfinden, was es mit dem Superhero Shaka Zulu auf sich hat! 

Es gibt noch viele Möglichkeiten, die Konzerte selbst zu erleben:

20.11.2012 Bochum  
21.11.2012 Münster  
22.11.2012 Osnabrück  
23.11.2012 Hamburg  
24.11.2012 Bremen  
25.11.2012 Hannover  
27.11.2012 Köln  
29.11.2012 Dresden  
30.11.2012 Magdeburg  
01.12.2012 Rostock 
03.12.2012 Berlin 

 
 

Freitag, 4. Mai 2012

Amy Schmidt, Freiburg, 30.04.12

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Konzert: Amy Schmidt (Nebraska)

Ort: Wohnzimmerkonzert Freiburg
Datum: 30.04.2012
Zuschauer: zwischen 40 und 50 Dauer: 90 min


Bericht und Foto von Gudrun aus Karlsruhe


Wer kann schon einer freundlichen Einladung zu einem Wohnzimmerkonzert widerstehen - auch wenn dafür einige Kilometer zurückzulegen sind?! Hinzu kam, dass eine spontane Kettenreaktion einsetzte und wir schließlich zu sechst im Auto unterwegs waren (Altersspanne von 25 bis 75 Jahren). Es wurde also auch noch ein nettes Gruppenerlebnis. In Freiburg hatte sich Amy Schmidt mit dem wackeren Christoph als Führer durch deutschsprachige Lande über Couchsurfing nach einem geeigneten Wohnzimmer umgesehen und es gefunden. Ich war doch etwas überrascht, wie viele am Ende hineinpassten und auch fast alle bequem saßen, was insgesamt eine freundliche und entspannte Atmosphäre schuf. Überdies war es ein auffällig internationales Publikum.

Kurz nach 20 Uhr begann das Set und mit einer kleinen Pause von etwa 20 min gab es bis 22 Uhr eher getragene Gitarrenmusik auf eine fünfsaitigen Gitarre (hab ich noch nie gesehen).

Ich hatte mich im Vorfeld nicht sehr kundig gemacht, da ich einfach dem Geschmack der Gastgeber vertraute und auch sonst alles so gut passte. Trotzdem fühlte es sich schon irgendwie bemerkenswert an, dass eine junge Frau aus Nebraska in Deutschland und der Schweiz durch die Wohnzimmer tingelt (anschließend geht es noch weiter durch kleine Clubs - die Termine folgen unten) und uns so der Zufall (oder das Schicksal) zusammengeführt hat.

Sehr schön war, dass sie zu jedem Lied auch etwas zu erzählen hatte, was die Musik in einen Zusammenhang stellte und mir als Hörer auch das Gefühl gab, sie besser kennen zu lernen. Viele Geschichten waren nicht so fröhlich, aber so ist das Leben halt. Und besonders, wenn man in einem eng geknüpften Gemeinwesen nicht so lebt, wie "alle", sich andere Ziele setzt und in der großen Welt da draußen seinen eigenen Weg finden muss. Wenn die Erfahrungen im Lied verarbeitet sind, ist das ja häufig genug ein Beispiel für die Hörer: Ist auch für die Sängerin alles nicht so einfach, aber schön ist das Leben ja doch irgendwie. Eine junge Dame war so ergriffen, dass sie über lange Teile des Sets zum Taschentuch greifen musste. Da wurde wohl sehr direkt eigenes Erleben angerührt.

Alles in allem also ein rundum gelungener Abend der uns noch länger Gesprächsstoff liefern wird.

Nach dem Konzert wurde noch in Gruppen geschwatzt und in der Küche abgehangen und Amy genoss es, in der Gruppe einzutauchen und einfach da zu sein. Ihr Bericht (siehe http://amyschmidtmusic.com/ auch für Videos) liest sich so:


``Freiburg was a treat. I played in a lively flat with several residents and lots of personality. Nearly 50 people packed into the living room, sitting on sofas, tables, and a spiral staircase. It was a little overwhelming, but in a good way. During the break and after the show, I hunkered down in the kitchen and met a good variety of people. I met someone from nearly every continent. As the big party wound down, I climbed into my sleeping bag and crashed on the couch. I felt someone cover my sleeping bag cocoon with a blanket and tuck me in. Sweet way to end the night.

I woke up to a beautiful breakfast laid out on the table. I was up a bit earlier than usual because today was laundry day! We hung out with our hosts while my really dirty clothes swirled around in the laundromat. Even though I really dislike games, I played some games in a cafe. And I did not hate it. After arranging a carpool ride to Stuttgart, we packed up the clean clothes and took off through the black forest.''

Die weiteren Tourdaten sind im Mai
5: Röhrsdorf/Blütenfest
8: Hannover/ Saiku
10: Tübingen/ Cafe Haag
11: Heidelberg/actionhouse
12: Leipzig
13: Braunschweig/ Die Scheune
15: Stuttgart/speakeasy
16: Kirchheim/Wunderbar
17: Borgentreich
18: Dresden/ Katys Garage
20: Berlin/Berlinprojekt



Donnerstag, 23. Februar 2012

Anna Ternheim, Freiburg, 21.02.12

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Konzert: Anna Ternheim
Ort: Jazzhaus Freiburg i. Breisgau

Datum: 21. 02. 2012

Zuschauer: voll aber wohl nicht ganz ausverkauft, etwa 400

Dauer: 95 min

Bericht von Gudrun Thäter


Eins vorneweg, ich finde Anna Ternheims Musik schon gut. Vor allem ihre Stimme kriegt mich, ich habe die Separation Road CD im Regal und die darf auch bleiben (ich bin eine radikale CD-Regal Ausräumerin). Mehr aber auch nicht.

Anders gesagt: Ohne die Berichte über die Konzerte in Köln und Frankfurt hier im Konzerttagebuch hätte ich mir den Weg nach Freiburg gespart.


Ja ich weiß, ich bin hier unter Konzertverrückten und fühle mich deshalb schon fast verpflichtet, dies zu begründen, aber diese Woche stehen noch zwei Konzerte an, ich habe einen anstrengenden Job und so richtig günstig war der Abend gestern dann auch nicht zu haben. Ich habe mich erst im Laufe des Nachmittags vom schönen Wetter verführt endgültig entschieden.


Die Frage nach dem Konzert war folglich: Haben sich die kurze Nacht und die Fahrt gelohnt?


Christoph weiß die Antwort schon - sie lautet JA, unbedingt!


Aber der Reihe nach. Ich war pünktlich 19:00 Uhr zum Einlaß da. Die Eintrittskarte sprach davon, dass kein Sitzplatz garantiert wird. Bisher kannte ich das Jazzhaus bestuhlt und ich dachte mir, frühes Kommen sichert einen Sitzplatz vorn, hinten können dann die Spätkommer dicht an dicht stehen, damit alle hineinkommen, die Anna Ternheim hören wollen. Das hatte ich mir so gedacht: es war aber überhaupt kein Sitzplatz da. Ein Indiz dafür, dass wohl viele Karten verkauft worden waren und wir uns alle ein bißchen drängeln sollten.


Ich war nicht die einzige, die sich darüber verwundert den Kopf kratzte. Das frühe Publikum war nämlich deutlich fortgeschrittenen Alters und die Aussicht darauf,
drei Stunden zu stehen, nicht so verlockend.

Auf der Bühne war das gemütliche Wohnzimmer aufgebaut, von dem ich hätte wissen können, wenn ich mir die ausführliche Fassung des Konzertberichtes aus Frankfurt angesehen hätte (die mir irgendwie durch die Lappen gegangen ist). Witzig besonders ein ausgestopfter Schäferhund. Humor müssen sie ja haben... Ich habe mich tapfer am Bühnenrand platziert und mir einen Sitzplatz für die Zeit bis zum Konzertbeginn improvisiert. Gegen 20:10 Uhr ging es recht pünktlich los.




Der Ablauf des Abends entsprach dem in Frankfurt geschilderten. Frau Ternheim betrat die dunkle Bühne, knipste eine Glühlampe an und bot uns zwei leise und traurige Lieder an einer charaktervollen alten Gitarre (inzwischen habe ich nachgelesen, was es mit der Gitarre auf sich hat). Es gab von Anfang an begeisterten Beifall - im Publikum waren viele Fans. Der Herr aus Nashville kam beim dritten Lied dazu und lauschte zunächst,
nahm später den Bass, die Gitarre oder die Mandoline zur Hand während Anna Ternheim an verschiedenen Gitarren und dem Klavier spielte. Wäre nicht immer mal ein Techniker mit der nächsten Gitarre "durchs Bild gelaufen", hätte man sich der Illusion hingeben können, dass wir wirklich einem Abend der beiden im Wohnzimmer beiwohnen. Die Choreographie des Abends gefiel mir deshalb sehr gut. Alles wirkte so natürlich. Auch die Stimmen ergänzten sich aufs schönste. Zwischendurch gab es Wortgeplänkel und Ansagen, die den Eindruck erweckten, dass es den beiden mit ihrem Publikum auch gut ging und es wurde viel gelacht.

Das besondere im Jazzhaus ist, dass der Raum deutlich breiter als tief ist. Es können also viele am
Bühnenrand stehen und die Entfernung zur Bühne ist nie mehr als 10m . Die beiden nutzten das ganz witzig, indem an insgesamt drei verschiedenen Orten auf der Bühne musiziert wurde und so jeder Teil des Publikums mal näher dran war. Für mich wurde es mit der Zeit künstlerisch immer spannender und Höhepunkte waren "Let it rain" und "Bow your head" als letzte Stücke vor den beiden Zugabenblöcken. Als Dankeschön bekamen wir am Ende des ersten Zugabeblock sogar eine Premiere geboten. Diese wurde von Dave Ferguson durch die aufmunternden Worte eingeleitet: heute wäre doch noch nix schief gegangen, man könnte also etwas Waghalsiges probieren.

Gegen 21:50 Uhr war dann auch der zweite Zugabenteil vorbei und auch das wildeste Klatschen lockte die beiden nicht mehr auf die Bühne.


Wie andere den gleichen Abend erlebt haben, kann man hier nachlesen:


http://www.badische-zeitung.de/wie-war-s-bei-anna-ternheim-im-jazzhaus


http://fudder.de/artikel/2012/02/22/anna-ternheim-im-jazzhaus-ein-abend-mit-der-stockholm-nashville-kooperation/

Fotos: By Oliver Peel, Paris, 22.02.2012, Café de la Danse



Mittwoch, 16. November 2011

Agnes Obel, Freiburg, 14.11.11

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Konzert: Agnes Obel (Evening Hymns)
Ort: Jazzhaus Freiburg
Datum: 14.11.20110

Zuschauer: 250

Konzertdauer: von 20-bis 22 Uhr 30


Von Gudrun Thäter, vielen herzlichen Dank!


Mir geht es öfter so, dass ich mich selbst dabei beobachte, wie ich mich für oder gegen einen Konzertbesuch entscheide. In Karlsruhe gibt es ein gutes Angebot für Indie-Konzertgeher (natürlich nicht wie in Köln oder Paris aber schon ganz ordentlich). Wieso soll man dann noch nach Weinheim, Darmstadt, Stuttgart oder Freiburg fahren, nur weil die interessante Band leider nicht in Karlsruhe Station macht? Kommt doch bald wieder was anderes Feines nah vorbei.... Dann wird es auch noch total spät, ehe man wieder zu Hause ist und man ist am nächsten Tag nur halb da. Dafür habe ich den falschen Job.

Diese Woche ist es besonders arg. Es geht um Blowzabella in Ettlingen (Samstag), Agnes Obel in Freiburg (Montag), Sea+Air-Release-Party in Stuttgart (Dienstag), Mire Kay in Darmstadt (Mittwoch), Sea+Air in Karlsruhe (Donnerstag). Das ist eindeutig zu viel für meinen Kräftevorrat.

Für Blowzabella sprechen genug Gründe: es reisen Freunden extra an, es ist am Samstag und quasi in Karlsruhe. Sea+Air in Karlsruhe ist auch felsenfest klar. Die anderen Sachen ziehen und zupfen und machen mich hibbelig. Es muss ein Auswahlkriterium her.

Ich schaue auf den Montag:

Die Jazzhalle in Freiburg hatte mir beim Ausnahmekonzert der ersten TV-Noir-Konzertreihe so gut gefallen ("Ausnahme" weil September Leaves spontan für den kranken Florian Ostertag eingesprungen war und sich dann aus der improvisierten Situation ein sehr intensiver Abend entwickelte). Man ist dort schön nah am Geschehen und das Publikum ist nett.

Agnes Obel habe ich am Gründonnerstag schon in Karlsruhe im Tollhaus gesehen und es war wunderbar. Ich glaube, ich kann unsere Freiburger Freunde dort hinlocken und es kann dabei musikalisch nix schief gehen. Dann können wir schwatzen und lauschen und ich kriege auch bestimmt noch den letzten Zug um 23 Uhr, weil Frau Obel nicht viel mehr Material hat als ihr Album.

Die Freunde fanden die Idee gut und es gab noch genug Karten. Ich war früh da und hatte Plätze in der ersten Reihe direkt vor Agnes Obel am Flügel. Was für ein geiler Platz!

Das Konzert begann 20:10 Uhr mit einem 35 min Set von Evening Hymns. Das ist eine junge Dame am Bass und ein Holzfällerhemd-Bursche an Gitarre und Synthies. Die beiden waren sympathisch und machten innige Musik nach meinem Geschmack. Lustig: er begann und beendete das Set vor seinen Geräten - damit aber auch vor dem Publikum - auf Knien. Mir war es zwischendurch ein bisschen zu viel rumgespiele an der Technik, aber die Musik fand in Summe meinen Zuspruch und hätte auch gern noch etwas länger laufen dürfen. Die beiden behalte ich jedenfalls auf dem Radar. Das Publikum zeigte sich auch nicht geizig mit Applaus und anfeuernden Rufen und der Saal war schon fast vollständig besetzt. Ein guter Auftakt.

Das Set von Agnes Obel mit Anne Müller an Cello (und manchmal Gitarre) und (als Neuheit im Vergleich zum Karlsruher Konzert) Gillian Fleetwood an einer Schottischen Harfe begann 21:00 Uhr direkt ohne einführende Worte mit Musik. Die Magie der drei Frauenstimmen und der drei Instrumente entfaltete sich mit dem ersten Akkord und das Publikum war sofort absolut gebannt. Der Beifall zwischendurch zeigte, dass es bekam, was es sich erhofft hatte. In Karlsruhe war es fast ausschließlich die deutsche Musikerin gewesen, die die Zwischenansagen übernahm. Diesmal teilten sich Anne und Agnes diese Arbeit etwas gerechter beide zwischen Deutsch und Englisch wechselnd. Es war zu spüren, dass das ausgiebige touren etwas für das Selbstbewusstsein von Agnes Obel getan hat. Sie kokettierte zwischendurch damit, dass sie dauernd das Gefühl habe, vom Klavierhocker zu rutschen, weil sie so einen glatten Rock anhat und auch sonst zu Missgeschicken neigt wie z.B. den Inhalt von Flaschen über die am Boden liegende Verkabelung zu kippen "which is disgusting". Zwei Songs nach dieser "Beichte" passierte genau das, aber die Flasche war zum Glück gut zugedreht... Das gab einen Extra-Lacher.

Schon nach etwa 70 min ist das Set leider zu Ende.
Frenetisch herbeigeklatscht werden die Damen dann noch zweimal für insgesamt drei weitere Stücke und 22:30 Uhr ist wirklich Schluss.

Mein Resume des Abends: es hat sich gelohnt zu fahren, die Harfe ist eine gute Ergänzung und auch die dritte Stimme macht die Besetzung noch besser. Agnes Obel live ist in jedem Fall keine Solodarbietung sondern eine Ensemble-Leistung.



Mal sehen wie es diese Woche weitergehen wird.
Dienstag in Stuttgart ist gestrichen, da ja der Donnerstag dafür als Ausgleich dienen wird. Was fällt mir noch für den Mittwoch in Darmstadt ein?

Fotos: Archiv by Oliver Peel.





 

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