Konzert: Mine mit Support Haller Ort: das CANN in Stuttgart Datum: 21. Dezember 2015 Dauer: 100 min Zuschauer: knapp 300
Was soll ich sagen... Die Chance, 2015 mit einem speziellen Konzert von Mine zu beschließen, konnte ich nicht ungenutzt verstreichen lassen. Im Gegenteil - mit freudiger Erwartung waren wir zu viert angereist und wurden nicht enttäuscht. Ein Konzert, das mein Herz ganz und gar anrührte mit dem besonderen Zauber, der von Mines Musik immer für mich ausgeht, aber auch mit einer besonderen Atmosphäre am Ausklang des Jahres, wo dankbar eine gute Bilanz mit einem stimmigen Abschluss gekrönt wurde.
Mine stand hinter ihrem Piano und hatte Autoharp und Omnichord mitgebracht und natürlich ihre wunderbare Band, d.h. Martin Haller - Gitarre, Gesang Johannes Reinig - Violine, Viola, Vibraphon, Gesang Vroni Frisch - Bass, Gesang Sebastian Kraus - Drums, Akkordeon
An diesem (und dem Abend davor) hatten sie als Extra ein Streichquartett dabei, nämlich Magdalena Adugna - Violine 1 Sebastian Gramling - Violine 2 Nadja Benk - Viola Marion Feichter - Cello.
Das Set begann mit zwei noch unveröffentlichten Songs am Stück (ohne Klatschpause), und machte es sich damit nicht allzu leicht. Aber diese Lieder ließen ahnen, dass ich wohl auch mit dem gerade entstehenden Album mehr als glücklich sein werde. Sie fangen etwas Besonderes ein und wirken dabei doch so einfach und leicht. Das, was ich bei Mines Liedern so schätze.
Außerdem finde ich es immer neu eindrucksvoll, wie sehr die Lieder funkeln sowohl in reduzierten Versionen als auch mit Band oder - wie an diesem Abend mit Streichern - und ihren Charakter in großer Besetzung noch klarer zeigen können. Sehr starke Momente entstanden sowohl im aufhäufen von vielen zur Verfügung stehenden Schichten und regelrechtem Rock-Krach (z.B. bei Katzen) aber auch in den ganz leisen Phasen wie z.B. bei meinem immer wieder mit Spannung erwarteten Lauter. Größte Überraschung für mich vielleicht der Song Findelkind, der schwirrte und hüpfte und alle ganz verwirrt machte und wo ich gern ein wenig Text für später notiert hätte.
Das Publikum zog vom ersten Moment an mit und ließ sich mit Applaus nicht lumpen. Es war als Heimspiel an vielen anwesenden Kindern zu erkennen, die ja häufig am direktesten spiegeln, ob das was auf der Bühne geboten wird, auch davor ankommt. Herzensmomente für mich waren zahlreich und fanden den Höhepunkt in den beiden letzten Songs des Sets - die mir so lieb und vertraut gewordenen Lauter und Der Mond lacht. Aber auch das Ohrwurm-Gitarrenmotiv bei Katzen hing mir auf der Heimfahrt noch lang fest.
Es hatte sich im Vorfeld schon angedeutet, dass auch diesmal wieder ein Rapper mit von der Partie sein würde. Mine präsentierte es als einmalige Gelegenheit, eine Zusammenarbeit der beiden live aufgeführt zu erleben.
Ganz für mich war auch wieder das Nicht für mich - der Walzerrhythmus der Melodie und der sparsam trickernde Beat dazu. Es steigerte sich so herrlich emotional und gab dabei den Streichern ein rechtes Bravourstück auf.
Selbstverständlich war nach dem grandiosen Finale noch Bedarf nach Zugaben, die in klassischer Mine-Weise geliefert wurden: B-Seite und das Itemissaest mit dem Schunkelwalzer Mein Freund. Beim hinauströpfen schaute ich nur in zufrieden lächelnde Gesichter und fand eine Schlange am Merchstand vor, die mich davon abhielt noch ein ganz persönliches Danke für diesen wunderbaren Abend zu sagen - was hiermit nachgeholt sein soll!
Setlist: 01: Anker 02: Pusteblumenfeld 03: Kann Sie es tragen 04: Raus Raus Raus 05: Ziehst du mit 06: In meinem Kopf 07: Nicht für mich 08: Blätter 09: Du scheinst 10: Hinterher 11: Findelkind 12: Wasserburgen 13: Katzen 14: Lauter 15: Der Mond lacht
Konzert: Mine im Duo mit Veronica Frisch und Lilabungalow Ort: Schloßgarten in Karlsruhe Datum: 8. August 2015 Dauer: 55 min + 65 min Zuschauer: zu Beginn etwa 500 später vielleicht 1000
Ich hatte hier schon berichtet, dass wir Karlsruher uns gerade ein wenig selbst feiern. Aus dem umfangreichen Kulturprogramm (das z.B. jeden Morgen mit Frühsport beginnt - am 8.8. sogar unter Anleitung von Karlsruherin Heike Drechsler) - hatte es aber nur ein einzige Veranstaltung in meinen Kalender geschafft (*) Mine am 8. August. Aber dafür freute ich mich auf diesen Abend umso doller. Am Vorabend hatten wir ja schon einmal ausbaldovert, wie das mit den Open Air Konzerten am Pavillion funktioniert und die Temperaturen waren an diesem Abend erfreulicherweise auch schon um 20 Uhr im freundlichen Bereich.
Ich habe Mine schon Solo, mit Band und mit großem Ensemble erlebt. Für den Abend in Karlsruhe war diesmal die Frau am Bass dabei: Vroni Frisch. Klang nach einer richtig guten Idee für mich. Das Konzert eröffnete Jasmin Stocker aber zunächst allein von ihrem Plastikufo (dem Omnichord) begleitet mit Raus, raus, raus. Und schon in diesem Moment erinnerte ich mich auch nach über einem Jahr Pause wieder daran, wieso ich die Konzerte von Mine so unfassbar gut finde: diese Stimme, diese Songs, diese schnoddrige und zugleich herzliche Selbstironie - das gibt es nur einmal.
Die Zwischenansagen waren gewohnt schlagfertig und überbrückten auch die 20 m zur ersten Reihe auf dem Rasen locker. Nur auf meinen Fotos sieht es aus, als wäre es ein Kinderkonzert gewesen... Auch mal verkacken beim einsingen des loops durfte korrigiert werden und sogar schlagfertig pariert als jemand im Publikum schnoddrig auf ihre Frage, dass sie das wohl lieber verbessern sollte zurückrief "Nein".
Die Fotografin, die sich bemüht hatte, nur bei den ersten Songs Fotos zu machen und danach nicht zu stören, hatte aber keine Ruhe, weil Mine alle möglichen Spielzeuge mitgebracht hatte, die natürlich auch auf's Bild mussten. Z.B. ein Gitarett von Hohner, das sich beim sehr traurigen Song Rot (hoffentlich bald auf dem gerade entstehenden Album) nützlich zeigen durfte. Oder die schon vertraute Autoharp bei Du scheinst.
Im Finale kamen dann wieder diese ganzen Gassenhauer - Mein Freund richtiggehend ekstatisch am Keyboard gefeiert und als Backvocals mit einer Opernarie verziert und Lauter nahm ein Ausdrucks-Tänzer wörtlich und schmiss sich zum Jubel der Dreikäsehochs vor der Bühne mit Schmackes in den Sand. Ich selbst freute mir ein Loch in den Bauch, dass es als Grand Finale auch noch das Mondlied gab, was mir natürlich prompt ein paar Tage noch im Ohr hing...
Ich würde sagen, die lange Schlange am Merchtisch hinterher war ein deutliches Indiz dafür, dass sich Mine hier ein paar neue Herzen erobert hatte (was mich natürlich kein bisschen verwundert).
Weiter im Programm ging es erfreulich
wenig später mit Lilabungalow, auf die ich sehr neugierig war. Auch wenn
es vielleicht ein bisschen seltsam scheinen mag, fühle ich mich allen
Künstlern des labels analogsoul irgendwie persönlich verbunden seit wir die herzigen Jungs von Me and oceans im Wohnzimmer begrüßen durften und ich seitdem dort als Blättchen selbst aktiv werden durfte. All diese Bands ticken einfach anders und für mich sympatisch.
Das "anders ticken" zeigte sich dann auch im ziemlich abgedrehten und doch irgendwie selbstironischen Retroset der drei Musiker von Lilabungalow. Schon dieses Bühnenoutfit! Und diese Inbrunst. Das passte in den Sommer und das Karlsruher Publikum nahm die gebotene Performance in den Arm und tanzte ordentlich ab.
(*) was aber auch an unserer Urlaubsplanung liegt!
Alle Bilder aus dem Schlossgarten:
Lilabungalow live:
08.08.15 Stadtgeburtstag // Karlsruhe
09.08.15 Waldbühne // Benneckenstein
21.08.15 Kulturarena Klub // Kassablanca // Jena Mehr Termine dann im Oktober u.a. am 15.10. im Tempel in Karlsruhe & 29.10. im Gloria in Landau
Konzert: Mine und Band (support: Curlyman) Ort: Tempel in Karlsruhe Datum: 8. Mai 2014 Dauer: 85 min Zuschauer: etwa 150 (recht voll)
Mine mit Band. Für mich eine neue Erfahrung, denn bisher hatte ich sie nur Solo und mit ganz großer Besetzung gesehen. So besonders Band-affin bin ich nicht, da stets die Gefahr besteht, dass das Schlagzeug alles zudeckt (leidvolle Erfahrung...). Insofern war meine Erwartung an den Abend im Tempel etwas gemischt. Natürlich war es höchste Zeit für ein Wiedersehen und der Tempel ein prima Ort dafür. Aber würde die Bandfassung den wunderbaren Erinnerungen an das Masterkonzert nicht an den Kragen gehen?
Ich muss diese Sorge hier aussprechen, aber die Antwort wohl auch nicht zu spannend machen, denn Mine mit Band erwies sich als gnadenlos grandios! Das hat sicher seinen Grund in den tollen Bandmitgliedern: Martin Haller – Gitarre, Synthies und Gesang Vroni Frisch – Bass, Gesang Sebastian Kraus – Drums, Akkordeon, Metallophon Sarah Inanc – Gesang, Geige, Metallophon
aber auch an der Art, wie Mine ihre Lieder je nach Besetzung immer neu kleidet und schmückt. Mit Band ging vieles mehr nach vorn, aber für jedes der Lieder genauso, wie es seiner inneren Natur entsprach.
Die so geliebten innigen Stücke gab es mit Geige und Metallophon und rhythmischer Akzentierung. Sie waren auch so sehr innig und filigran. Und etwas herrlicheres als das rotzig rockige und doch auch Abgründe und das darüber springen einfangende Findelkind kann es nicht geben - was war das für ein Fest und was war das für ein Spielfreude auf der Bühne. Wunderbarer Moment des Abends.
Das Publikum hatte die Band eigentlich schon im Moment des Betretens der Bühne gewonnen. Von da an waren alle sehr ruhig und aufmerksam - ganz wenige Bargeräusche ab und zu oder Flaschen-Kegeln. Und der Applaus war wohlwollend und zunehmend enthusiastisch. Und eigentlich schon bei Rot das erste mal total euphorisch.
Überhaupt - auf neue Lieder hatte ich ja schon so ein bisschen gehofft - aber auch gebangt. In welche Richtung würde es weitergehen mit Mine? Würden wir musikalisch "Freunde bleiben"? Vorgestellt wurden uns an dem Abend vier Neulinge, die alle nur das tollste erwarten lassen für den Tonträger. Schon das erste - Pusteblumenfeld - war so sehr Mine, wie ich nur hoffen konnte, dann ein expressivstes Rot mit ganz minimalen Stilmitteln (und einer grandios performenden Mine) - das explodierende Findelkind. Da bleibt mir nur ein anerkennendes und um Atem ringendes WOW.
Natürlich machte Mine von der Chance Gebrauch, sich den Rapper of the day auf die Bühne zu holen - Curlyman hatte eröffnet (da war ich noch japsend unterwegs, um wenigstens rechtzeitig zu Mine im Tempel anzukommen) und konnte im Set einige schöne Akzente setzen.
Dass das Publikum Mine zunehmend regelrecht feierte, zeigte sich auch daran, dass sie erst nach einer zweiten Zugabe gehen durfte und anschließend eine sehr lange Schlange glücklicher Menschen am Merchstand wartete. Es sah schon so aus, als hätte sie daran auch ein bisschen Freude gehabt. Und wer nun neugierig geworden ist auf das neue Material - unbedingt selbst live ansehen! Und alle Freunde einpacken...
Konzert mit dem Trio Mine aus Darmstadt Datum: 28. Oktober 2013 Dauer: 70 min Zuschauer: 12
Welche Schublade ich für die Musik von Mine finden soll, weiß ich immer noch nicht. Wahrscheinlich muss man da vorsichtig hantieren, um nicht mehr Verwirrung zu stiften als Einsicht. Ich weiß aber, dass ich in dem Moment, wo ich die ersten Songs gehört hatte, gleich angefixt war und sie kurz darauf in der Kategorie von mir heiß geliebt gelandet ist. Aber wie ich mit anderen darüber reden soll, das ist mir auch nach dem wunderbaren Abend noch nicht klarer.
Da ist eine ausdrucksstarke, meist tiefe Frauenstimme. Sie ist im Verlaufe des Abends warm, rauh, zerbrechlich, umwerbend und böse hinterherschreiend und viele der Nuancen dazwischen. Meist rhythmisch und melodisch unübersichtlichen Strukturen von allerlei elektronischem "Spielzeug" geben dazu andere Stimmen und ein musikalisches Fundament. Dann gibt es mitunter so eindrückliche Basslinien. Solche, wo man drin zerschmelzen kann oder Energie aufladen und die im Ohr hängen bleiben. Und ausdrucksstarke E-Gitarren, die näher am Ton als am verzerrten Krach sind. Verspieltes Glockenspiel als naive Tupfer. All das löst bei mir eine gewisse Sehnsucht aus und ein ziehen am Herzen - manchmal ganz zart, mitunter eher ein derbes zerren.
Die Band sagte später, es sei das leiseste Konzert ihrer Laufbahn bisher gewesen - sehr wahrscheinlich auch für die absehbare Zukunft. Aber wir alle hatten Freude daran, dieses teils unnahbare und teils so lockend werbende Tier zu holen und bei Laune zu halten für einen Abend. Denn es spricht auch in der Reduzierung der Zimmerlautstärke. Manches tritt so genauer hervor, manches wirkt weniger exzessiv, manches dafür eher noch verstörender.
Außer uns waren alle am Abend zum ersten Mal der Musik von Mine ausgesetzt. Die Wirkung war andächtige Stille und enthusiastischer Applaus und keiner ging nach Hause ohne beide Alben erworben zu haben. Das i-Tüpfelchen für mich war es, die Stücke mit Theremin live aufgeführt zu sehen.
Es gibt bald die Gelegenheit, sich selbst ein Bild zu machen und nach einer guten Schublade für Mines Musik zu suchen. Im Vorprogramm von Schwervon in Offenbach und Darmstadt werden Mine zu hören sein. Setlist: Plastic Rosered and Blue Sister Burn Baby Jill Blooming Lefthanded Coney Island Babe Braking News Tape it down White/Black Nightshift Endless
Vereinsheim Baldu #5 mit den Gästen Saint Lu, Mine und Matteo Capreoli Ort: Tempel in Karlsruhe Datum: 19. September 2013 Dauer: 120 min Zuschauer: etwa 300
Schon seit Juni 2012 gibt es die Veranstaltungsreihe Vereinsheim Baldu. Erstmals aufmerksam wurde ich aber darauf erst mit Ausgabe 4 im Mai 2013 (mit Kat Frankie und Francesco Wilking) und das auch erst im Nachgang. Veranstaltet wird diese besondere Konzertreihe im Tempel in Karlsruhe von
Tommy Baldu | David Maier | Nico Schnepf | Rouven Eller | Haegar
und wird von ihnen beschrieben als Wohnzimmer für die Sinne.
Als ich im Tempel ankam, wurde mir schnell klar, dass dieses Angebot von den Karlsruhern sehr gut angenommen wird, denn bis auf den letzten Platz war alles besetzt und es standen noch viele Leute in den Ecken. Aus den Gesprächen entnahm ich, dass es das letzte Mal sogar noch voller gewesen sei.
Die Bühne befindet sich für diese Konzerte stets in der Mitte des Raumes und besteht aus einem Kreis der Künstler mit Musikern und den Visuals. Der Soundmann saß etwas abseits. Das Publikum sitzt ringsum, auch auf dem erhöhten Teil des Raumes der sonst als Bühne dient. Das schafft eine ganz eigene Athmosphäre, die mir sehr gut gefiel. Die singenden Gäste der fünften Ausgabe waren
Saint Lu, Mine und Matteo Capreoli
und die gewissermaßen traditionellen Gäste Dominik Krämer und Arthur Braitsch an Bass und Gitarre.
Der prinzipielle Ablauf des Abends war so, dass nacheinander die drei singenden Gäste das Mikro erhielten und diese Darbietungen vom Gastgeber David Maier umrahmt wurden. Alles sehr freundlich und stets in wechselnden Konstellationen einander unterstützend.
Es spricht für die besondere Atmosphäre, dass ich mich sehr wohl gefühlt habe, obwohl die Musik von Saint Lu und Matteo Capreoli sonst eher nicht meine volle Zustimmung erhielte. Die beiden haben tolle Entertainerqualitäten und ordentlich beeindruckende Stimmen. Aber ihre jeweilige Art Musik holt mich normalerweise nicht ab (Geschmäcker sind halt verschieden). Die Stücke von Mine waren in dieser intimen Atmosphäre wieder wunderbar und Gänsehaut pur, zumal die vier ausgewählten Stücken sowieso zu meinen liebsten gehören. Der Einstieg mit Der Mond war einfach nur grandios. Gleichzeitig schaute uns der Mond von allen vier Wänden in eindrucksvoller Projektion an.
Mein Freund im besoffenen Dreiertakt... Herrlich. Und Hinterher sehr tänzerisch verfremdet. Das heizte im Publikum ordentlich zum klatschen an. Besonders gefallen hat mir auch die Duettzugabe und ich habe mich in dem Moment gefragt, warum dieses gemeinsame Musizieren nicht noch mehr praktiziert worden war.
Tatsächlich schaffte es aber auch Saint Lu mit Lady of the Legend mich komplett zu beeindrucken. In meinen Notizen stehen hier zwei Ausrufezeichen, die ich nur für ganz besondere Momente reserviere.
Alles in allem also ein besonderer Abend und es war mir eine Freude, ihn miterlerbt zu haben. Die nächste Ausgabe des Vereinsheims ist für Januar 2014 geplant. Darauf freue ich mich schon.
Setlist:
1: David (Da) - ?? 2: Saint Lu (SL) - I keep falling from your love 3: SL - Why do I need 4: Matteo Capreoli (Ma) - Hut auf 5: Ma - Plan B. 6: Mine (Mi) - Der Mond lacht 7: Mi - Mein Freund 8: Da - Zu Besuch bei mir
Pause
09: Da - Weil du brennst 10: Mi - Nicht für mich 11: Ma - Kinder des Lichts 12: SL - ?? 13: SL - Lady of the Legend 14: Mi - Hinterher 15: Ma - Laß das Werden einfach sein 16: Da - Wir tanzen
Konzert: Mine mit großer Besetzung Ort: Capitol in Mannheim Datum: 15.06.2013 Zuschauer: etwa 500 Konzertdauer: 15 min Film + 75 min Konzert
Borg mir dein Herz - diese Bitte schillert zwischenschönster Intimität und einem gewissen Grad an Naivität. Als die Zeile im Mannheimer Konzert von Mine in der Zugabe gesungen wurde, hörte ich den Song schon zum dritten Mal live. Immerhin hatte ich die Künstlerin im Mai schon in Karlsruhe und Freiburg erlebt und bewundert. Aber in diesem Moment kurz vor 22 Uhr an einem Samstag Abend, der mir funkelnd im Gedächtnis bleiben wird, dachte ich tatsächlich: Gern borge ich Dir mein Herz und verlasse mich darauf, dass Du nix kaputt machst.
Ich glaube, ziemlich vielen Leuten im Saal des Capitol ging es in diesem Moment ähnlich. Obwohl aus dem gerade erlebten Konzert wohl deutlich klar geworden war, dass diese Frau nicht einfach ist und das Angebot nicht ganz risikofrei.
Man könnte sagen: Lass mal die großen Register bisschen raus. Schließlich war das ein Konzert für den Masterabschluss von Mine und das heißt
1) das passiert ja nun öfter mal so ein Abschlusskonzert,
2) ist ja noch so jung die Frau - lass sie erst noch etwas werden.
Aber beides stimmt nur so halb. Dieses Abschlusskonzert war sicher auch im Rahmen der Popakademie ein Experiment: Sammle 10 000 Euro (angegangen per Plattform Startnext) - nicht um die vielen Musiker (siehe unten) der großen Besetzung zu bezahlen, wohl aber den Raum und die Technik zur Verfügung zu haben und die Möglichkeit, den Moment angemessen auf DVD zu bannen. Und das ja zusätzlich zu dem riesigen Experiment die Musik, die sie allein auf die Bühne bringen kann und per 4-Mann-Band schon unter die Leute gebracht hat nun ganz neu zu malen mit den Stimmen und Farben von verschiedenen Instrumenten und der Nutzung verschiedener Musikfacetten.
Was man von außen vorher sehen konnte - tatsächlich hat das Funding funktioniert. Das Netz um Mine und ihre eigene Konzerttätigkeit zu der Zeit haben verdiente Früchte getragen. Was ich nach den Begegnungen vorher nur ahnen konnte: Musikalisch wird es lohnend, an diesem besonderen Abend dabei zu sein. Nun ist der Aufwand nicht so groß nach Mannheim zu fahren und wir hatten es aus verschiedenen Gründen zu einem richtigen Gruppen-Event machen können: Zu siebent saßen wir im Capitol. Dreimal Mines Altersgenossen, vier aus der Elterngeneration. Wir alle schauten uns hinterher an und hatten dieses Strahlen in den Augen: Dass wir das gerade miterlebt hatten! Wir waren uns einig - es war ein bewegendes und musikalisch komplett überzeugendes Konzert mit erstaunlich wenigen und eigentlich in Summe unerheblichen Abstrichen.
Es begann gegen 20:15 Uhr - der Zuschauerraum war sehr gut gefüllt - mit einem 15min-Film, der die Tour der Band Mine im Winter begleitete. Er zeigte die Protagonisten einerseits beim lernen (Organisation einer Tour ohne Unterstützung) andererseits aber auch an Orten, die der Musik ein schönes Zuhause gaben. Sehr viel Schnee und Kälte. Er zeigte aber auch, wie die Musik, die an dem Abend erklingen würde, mit der Band umgesetzt wird.
Nach dem Film und eine weiteren Viertelstunde Pause begann dann tatsächlich das Konzert. Zunächst mit dem Einmarsch von vielen Musikern und schließlich Jasmin Stocker. Das erste Stück Hinterher begann mit einem langen Teil Geräuschkulisse und Spannung aufladenender Percussion und Soundelementen bevor Gesang und weitere Instrumente einsetzten. Ein richtiges Warm-up für die Show und schon der erste Gänsehautmoment. Auch ein Streicher-Zwischenspiel war ganz und gar Herz-ergreifend. Ähnlich emotional stimmig kam Raus Raus Raus mit Chor und Streichern ganz nah an mich heran. Für Kann sie es tragen durfte der Schlagzeuger Sebastian Kraus ans Akkordeon, die Schlagzeugmafia an die Trommelbatterie und das ganze Stück wandelte sich in eine schlingernde und stampfende Rumba. Du scheinst zeigte dann Mine an der Autoharp und protzte mit leuchtenden Bläserakzenten. Dieses Lied hängt mir seitdem fest im Gehörgang.
Zu Ziehst Du mit wurde schließlich der auf der Bühne praktizierte Bogen zwischen klassischer und poppiger Musiziergeste noch ein wenig weiter gespannt. Als Rapper mit deutschem Text stand MOC neben Mine und fiel mit Körperhaltung und Farbe krass auf. Für den Song aber, passte sich alles perfekt ein. In meinen Augen aber stahl im ausgerechnet ein Vibraphon-Solo im Stück die Show, für das es auch verdient Zwischenapplaus gab. Bleibt die Zeit glänzte mit einem treibenden Schlagzeug und euphorisierend verzerrter Stimme (man denke hier ruhig Richtung Muse). Probierte damit wieder eine neue musikalische Ecke gekonnt und zum Stück passend aus. Mein Freund schenkte uns ein Cellosolo (ich liebe doch Frauen am Cello).
Ein besonderes Stück im Set der großen Gesten war sicher Lauter, das Mine mit Gesang und Tasten bestritt. Und sie war damit zwar ruhig und intensiv, aber doch zugleich so expressiv im Teil, wo sie mit sich selbst in mehreren Stimmen spricht/singt, dass viele von uns hinterher der Meinung waren, dies war vielleicht der größte Moment des Abends. Unvergessen das finale flehende Hörst du's nicht?
Wobei auf diesen ruhigen, sehr auf den Gesang fokussierten Teil mit dem letzten Stück des regulären Sets Der Mond lacht auch in punkto Emotionalität (nur mit anderen Mitteln) noch einmal ordentlich eins drauf gesetzt wurde. Es gab eine wahnsinnige Trommeleinlage der Mafia, MOC kam für eine Strophe auf die Bühne und in mein Buch habe ich mir notiert: WOW!!!.
Natürlich ließen wir nicht ohne Zugabe ab. Gerade war es doch so schön gewesen!! Und darauf war die Choreographie des Abends auch eingestellt. Setzte an den Schluss einen weiteren Höhepunkt, der nicht hinter den letzten sehr intensiven Songs zurückblieb, aber ein bisschen das Bewegungsmoment herausnahm (und uns im Publikum ein wenig zur Ruhe brachte). Mit wenigen Instrumenten (Cello und Vibraphon tragend) und Mine an den Tasten schaffte das Titellied des aktuellen Albums Herzverleih diese Rolle prima.
Wie schon nach dem eigentlichen Set ließen die Zuschauer keinen Zweifel daran, wo ihre Herzen in dem Moment waren. Umjubelt und gefeiert stand die junge Frau inmitten der anderen Musiker auf der Bühne und alle zusammen waren wir doch auch ein bisschen stolz darauf, was sie mit unserer Unterstützung auf die Beine gestellt hatten. Und wie die kleine Geste des Vertrauens (ich kaufe die Eintrittskarte, ich kaufe die CD, ich bestelle die DVD vor) dazu geführt hat, so einen besonderen Abend möglich zu machen.
Passend zu dem Gefühl, hier zu einem Guten etwas beigetragen zu haben und dafür überreichlich belohnt worden zu sein, wurde in der Danksagung eingeladen, der Band I am Poet unter die Arme zu greifen, der das Rheinhochwasser das Studio geflutet hat und damit die Existenzgrundlage entzogen. Elias Förster hatte hinter Mine gestanden und für den guten Klang gesorgt. Hier spricht er darüber, was Anfang Mai passiert ist:
Setlist:
01: Hinterher 02: Raus Raus Raus 03 Kann sie es tragen 04: Nicht für mich 05: Du scheinst 06: Ziehst du mit 07: Bleibt die Zeit 08: Mein Freund 09: Lauter 10: Der Mond lacht 11: Herzverleih (Z)
Auf und um die Bühne agierten:
Mine - Komposition & Arrangement, Gesang, Autoharp, Piano Benedikt Stumpf - Dirigent Michael Geldreich - Piano Tobias Frohnhöfer - Vibrafon & Percussion Florian Luig - Gitarre Vronie Frisch - Bass Sebastian Kraus - Drums
Magdalena Adugna, Lena Werner, Sebastian Gramling - Violine I Diana Skripkina, Roman Maier, Esther Owusu - Vionline II Sarah Krebs, Franziska Goldschmidt, Katharina Fojtzik - Viola Emiliy Härtel, Marion Feichter, Annelie Ewerbeck - Cello Marko Mebus, Andre Becker - Trompete Andreas Haller, Michael Pausch - Posaune Daniel Rost - Tuba
Sarah Inanc, Katja Aujesky - Backing vocals Franziska Plückhan, Janina Klabes, Maria Pentschev, Lisa Marie Neumann, Katharina Münz, Irene Gomez, Martin Haller, Ziggy Has Ardeur, Jonas Knopf, Benne Ruchay, Rainer Ammann, Jorsi Buchholz - Chor
Elias Förster - live Sounddesign Denis Kopacz - Ton Flo Kuster - Licht MOC - Rap Ben Jost, Felix Heinicke, Jonny König, Lorzen Schimpf, Ray Gattner - Schlagzeugmafia
Mein Zuhause. Mein Blog. ist als kleines privates Konzert- Tagebuch entstanden. Und weil es zur Zeit musikalisch so spannend ist, wächst unsere Sammlung schnell. Wir schreiben die Berichte spontan, unüberarbeitet und so zeitnah wie möglich. Die Reviews stehen meist noch in der gleichen Nacht online, spätestens jedoch am nächsten Tag. Musik ist für uns vor allem Spaß und keine Wissenschaft.
Wir sind: Oliver Peel aus Paris Christoph aus nicht weit von Köln Julius aus Wien Gudrun aus Karlsruhe Tanita aus Mainz Jens aus Stuttgart Ursula aus Frankfurt Michael aus Chemnitz Dirk aus Mönchengladbach Vielen Dank unseren Gastautoren!
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