Sonntag, 6. November 2016

Iceland Airwaves Tag 3, Reykjavík, 04.11.16


Iceland Airwaves Tag 3 für mich mit den Konzerten
  The anatomy of Frank (35 min)
  Árstíðir (40 min)
  Mugison (40 min)
  Ólöf Arnalds (30 min)
Ort: Bókabúð Máls og menningar & Fríkirkjan in Reykjavík
Datum: 4. November 2016



Die tollen Bilder sind von Claudia - Vielen Dank! 

Der dritte Tag hatte durch die geplanten Kirchenkonzerte eine gewisse Planungsstruktur für mich. Dieser Teil des Konzerttages würde 20 Uhr beginnen. Eigentlich sollte ich mir noch ein klein wenig - aber nicht zu viel davor heraussuchen! Was gab es besseres als einen der vielen Gigs von The anatomy of Frank - diesmal in dem Buchladen Bókabúð Máls og menningar in der Haupteinkaufsstrasse Reykjavíks quasi auf dem Weg mitzunehmen! Da es während der deutschen Tourstationen nicht geklappt hatte, wäre doch ein Wiedersehen hier in Reykjavík ganz nett. Mit dem Sonnenuntergang machten wir uns am Wasser entlang auf den Weg in die Stadt. 


Der Laden war leicht zu finden und obwohl es ein großer Shop war, auch der Ort für das Konzert - einfach auf die Menschentraube zu! Zum Glück, denn wir waren wirklich auf den letzten Drücker erst da. Am Ende waren es mindestens 60 Leute, die sich zwischen den Regalen und auf den Emporen von dem US-amerikanischen Charmeur um den Finger wickeln ließen. Ich war sehr neugierig auf die Bandformation nach drei Solo-Set-Erfahrungen. Aber natürlich lebte auch die Bandperformance von Kyles Bühnenpräsenz. Als er diesmal auch zu isländischen Sprachschnipseln griff, war ich mir nicht sicher, wie viele Isländer im Publikum waren, und ob er da nicht Perlen vor die Säue geworfen hatte, denn es lachte so recht keiner.


Zum Einstieg gab es zwei ruhige Songs mit Tasten und sehr wenig Schlagzeug: Die Xylophon Klöppel reichten für alles an den Drums. Dann wurde es zum ersten Mal lauter mit A Bridge over Lake Champlain und das war mit bumms schon sehr toll! Auch Katia's song, da er sich mit Band so richtig schön steigern konnte. 


Es gab natürlich einen Werbeblock für die schöne CD, die eine Landkarte von Nordamerika ist auf der zwei CDs festgemacht werden können und ein großes Finale mit Vancouver und einem aus voller Kehle singenden und anschließend tobenden Buchladen. Er hatte sein Zauberkunststück wieder einmal vollbracht und schickte alle mit einem leichten Herzen und einem Ohrwurm zur nächsten Station.
 

 
Nach einem kleinen Spaziergang war ich an der Kirche, wo es zunächst mit Árstíðir weiter ging. Dafür hatte ich eine Erwartungshaltung und die wurde auch erfüllt. Wofür ich gar keine Vorstellung hatte, war das nächste Konzert in der Kirche. Von Mugison habe ich eine CD zu Hause, die ich sehr gut finde, aber weiß sonst nichts über die Band. Was dann passierte, war einfach nur herrlich zu nennen. Wir feierten eine regelrechte Satansmesse mit fettem Tenorsax, bis zu drei Gitarren, einem total krassen Drummer und Bass. Man könnte vielleicht rockiger Blues dazu sagen. Wobei der isländische Einschlag immer verhindert, dass er zu klebrig wurde. Das war schon auf halbem Weg zu Kaizers Orchestra sowohl musikalisch als auch theatralisch. Es wurde aber auch lustig dadurch, dass die Kirche für dieses Konzert wirklich zum bersten gefüllt war und es anscheinend eine große Anhängergemeinde in Island gibt, die sich hier versammelt hatte.
 


Die Ansagen waren göttlich. Z.B. der folgende Plan für das Konzert: First we get the hits out of the way to play some new stuff to return to some hits and other new songs. Man könnte sagen, dass während der angesagten Hits die Kirche eingerissen wurde, was unter einem Jesusbild mit offenen Armen irgendwie besonders komisch wirkte. Oder man könnte sagen, ich habe den Troll brüllen gehört und bei einem Gospelchor mit Wolfsgeheul mitgemacht.

 

In jedem Fall hat die Kirche gewackelt, unser Schweiß die Scheiben von innen beschlagen und keiner ist aus diesem Konzert herausgegangen ohne restlos Spaß gehabt zu haben - inklusive der Band.
 


Was mir bei allen Konzerten, wo ich für mehrere Bands hintereinander blieb auffiel, war der total professionelle Ablauf beim Umbau. Es waren stets sehr wenige Hände beschäftigt, die wenig Gewese machten, aber die Bühne in 15-20 min total umbauten und anschließend fast mit unbemerktem Soundcheck alles glatt laufen ließen. Diese 20 min Pause waren gerade recht, um erlebtes zu verdauen, ein paar Sachen aufzuschreiben oder kurz mal für die körperlichen Bedürfnisse zu sorgen. Aber sie unterbrachen den Musikabend nicht so sehr wie ich das aus Deutschland gewöhnt bin. Bitte nachmachen!

 

Nach Mugison wurde fast nur abgeräumt. Die letzte Sängerin des Abends brauchte nur ein Gesangsmikro, einen Stuhl für den Begleitmusiker und ein Mikro für dessen Baritongitarre. Olöf Arnald war musikalisch schon ein ziemlicher Gegenentwurf zum Troll-Rock'n-Roll davor. Zum Teil wirkte ihre Musik wie Kinderlieder mit vielen Strophen auf mich. Sie hatten isländische und englische (starker Akzent) Texte und waren im Ablauf Gesang mit Gitarre(n) sehr traditionell. Leider sang sie nicht immer sauber und war in den höheren Lagen nicht rund, aber der melancholische Einschlag einiger Lieder war schön. Das Publikum feierte sie enthusiastisch - ich hatte den Eindruck, das waren Hardcore-Fans, die genau für diese Art von Musik gekommen waren. 


Das klare Wetter des Tages hatte sich auch über die drei Kirchenkonzerte gehalten und wir freuten uns auf einen Heimweg unter klarem Sternenhimmel. Dagegen wurde allerdings einiges unternommen: Zunächst gab es ein Feuerwerk, dass ordentlich Dunst über die Innenstadt legte und leider war auch der Fußgängerweg am Meer so überfroren, dass ich nach einiger Zeit aufgeben musste und meinen Heimweg doch durch die etwas gesichtslosen Neubaublocks am Rande Reykjavíks nahm.
 
Aus unserem Archiv:
The Anatomy Of Frank, Karlsruhe, 15.09.16
The Anatomy Of Frank, Esslingen, 23.04.16
The Anatomy Of Frank, Karlsruhe, 12.03.15

Alle Konzertberichte vom Iceland Airwaves



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