Mittwoch, 9. November 2016

VAR, Reykjavik, 05.11.16


Konzert: VAR
Ort: Hitt húsið
Datum: 05.11.2016
Dauer: knapp 25 min
Zuschauer: sicher 150 in vollgestopften Hitt húsið 



Wenn 25 Minuten Konzert bei einem fünftägigen Festival so einen bleibenden Eindruck machen, daß sie mir immer wieder in den Sinn kommen, wenn ich an die vergangene Woche denke, muß dieser Miniauftritt besonders gewesen sein. 

Ich glaube, die schwedisch-englische Gruppe hinter uns in der Warteschlange für PJ Harvey-Tickets hatte uns zum ersten Mal gesagt, wir dürften VAR unter keinen Umständen verpassen. Das hatten wir zu dem Zeitpunkt aber schon und die Gelegenheiten wurden weniger. Am Samstag schließlich passte es, das letzte Konzert der Isländer würden wir sehen können. Wir hatten vorher Wesen begutachtet, waren dann den kurzen Weg zum Hitt húsið gehetzt und hatten in dem knallvollen Café gerade noch Platz gefunden. VAR hatten noch nicht angefangen, obwohl es bereits fünf nach geplantem Start war. Diese Zeit fehlte der Band am Ende leider, die Zeitpläne wurden bezüglich des Endes der Shows perfekt eingehalten, wer später anfing, konnte eben weniger spielen.

Aber auch wenn wir nur ein Lied der Gruppe aus Reykjavik mitbekommen hätten, ich hätte es geliebt! 


VAR sind ursprünglich ein Projekt von Júlíus Óttar Björgvinsson und Myrra Rós, mittlerweile eine fünfköpfige Band. Ich stand aber so ungünstig hinter einer Säule, daß ich eigentlich nur Júlíus und den Schlagzeuger (Andri Freyr Þorgeirsson) sehen konnte. 

Das erste Stück (Back home) des Konzerts begann ruhig, fast getragen, hatte ein bewußt neben dem Takt gespieltes Schlagzeug und war spannend. Bis es plötzlich laut und krachig wurde - Mogwai mit isländischem Gesang (so ganz sicher war ich mir bei der Sprache aber nicht) oder Sigur Rós ohne Elfen. Es war wundervoll! Eine unerwartete Postrock- oder Shoegaze-Perle in dem kleinen Café am Hafen, irgendwann am frühen Nachmittag.

Varmá begann mit einer kleinen, immer wieder gespielten Klaviermelodie, in die Júliús hoher Gesang einsetzte, bis auch hier die Lautstärke immer mehr anstieg. Der Sänger stieg auf Stühle, stieß eine Lampe um, schmiß die langen Haare und sang dazu atemberaubend schön zu dem wundervollen Lärm, den seine Band erzeugte!

Spätestens beim letzten Stück (
Þórsmörk) ärgerte ich mich unendlich, nicht alle fünf VAR-Konzerte beim Airwaves gesehen zu haben. Ohne ein Wort von Þórsmörk verstanden zu haben, war das Lied so etwas wie der perfekte Soundtrack zum herbstlichen Island, umwerfend schön und herrlich wild. Þórsmörk ist ein Tal in der Nähe des unaussprechlichen Vulkans an der Südküste Islands.

Nach einem ewig langen ruhigen Einleitungsteil erzeugte einer der Musiker plötzlich (vermutlich mit einer singenden Säge) Geräusche eines verrosteten Gartentors, die einen deutlich Bruch zum fast lieblichen Gesang bis dahin darstellten. Das Törchen war das Startsignal zu einem Postrock-Geballere (keine Vulkanausbruch-Metaphern!).


Ich tue mich ein wenig schwer damit, mich auf das beste Konzert des Festival festzulegen (denn da waren ja auch noch PJ Harvey und Björk beispielsweise), VAR haben mich aber enorm beeindruckt! Wie das Land so die Band.

Setlist VAR, Hitt húsið, Reykjavik:

01: Back home 

02: Varmá 
03: Þórsmörk

Links:

- all unsere Berichte vom Iceland Airwaves 2016
 


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