Dienstag, 8. November 2016

The Wedding Present, Paris, 05.11.16


Konzert: The Wedding Present
Ort: Le Batofar, Paris
Zuschauer/ etwa 250, so gut wie ausverkauft
Konzertdauer: etwa 85 Minuten

The Wedding Present scheinen Gefallen an Konzerten auf Pariser Hausbooten gefunden zu haben ! Knapp 1 1/2 Jahre nach ihrem 2015er Gig auf dem modernen Petit Bain war die Band um Dave Gedge nun auf dem älteren, rustikaleren, aber auch technisch weniger guten Batofar zu Gast. Dabei hat die Musik der Weddos an sich wenig mit Seefahrermelancholie zu tun, wenngleich ein paar Stücke von Cinerama durchaus ein wenig in diese Richtung gehen. Hier und heute gab es aber nicht wie 2015 die Weddos und Cinerama im Doppelpack, sondern lediglich einen Gig von Daves bekannterer Band. Vorgruppe war irgendein (anscheinend nicht wirklich guter) Act aus Frankreich, den ich bewusst ausgelasen hatte, um genug Kraft und Ausdauer für das etwa 85 minütige Set von The Wedding Present zu haben.


Die Band liess erst ein Intro zum neuen Album Going Going vom Band laufen, bevor sie unter laten Jubelrufen die Bühne betrat. Das Line up hatte sich im Vergleich zum vergangenen Jahr erneut geändert. neuer Gitarrist (namens Marcus Kain) neue Bassistin (Danielle Waddey), die die attraktive Katharina Wallinger abgelöst hatte. 


Im Mittelpunkt aber wie immer der Chef David Gedge, der guter Laune zu sein schien, selbst wenn er wie immer etwas stoisch war und eher selten lächelte. Seine Art von Humor ist ziemlich schwarz, leicht zynisch, aber nie wirklich böse und mit Komplimenten an sein eigenes Projekt sparte er wie üblich auch nicht ("oh, this was a great version of this song", rief er einmal entzückt aus, "sorry we only have time for two more songs, I know, there are way too many classics that we could play", lobte er an einer anderen Stelle den Backkatalog). 



Witzig auch seine Anmerkung dass Paris zwar die grösste Stadt Frankreichs sei, aber es hier die kleinsten Handtücher zum Abtrocknen gäbe (was stimmte, sie waren nicht viel grösser als Waschlappen!). Beim körperlichen Einsatz von Gedge sind Handtücher sehr wichtig, der drahtig kräftige Mann mit dem Kurzhaarschnitt schont sich nie und fetzt trotz seines inzwischen etwas gehobenen Alters gnadenlos über die Bühne. Aber es war auch wirklich viel zu warm auf dem Batofar, gerade in meiner Ecke, wo die Heizung auf Hochtouren bollerte, obwohl 250 eng an eng stehende Körper eigentlich für dicke genug Wärme sorgten. Und dann war es auch noch zu laut ! Viel zu laut! Sorry dass ich mit den negativen Aspekten anfange, aber die Lautstärke in meiner Ecke war auf jeden Fall mehr als grenzwertig, die Dröhnung die aus den Boxen kam war höllisch und sorgte bei mir für einen nachhaltigen Tinnitus. Wobei der Fehler diesbezüglich alleine bei mir liegt, zu einem Rockkonzert sollte man eben mit vernünftigen Ohrenstöpseln auflaufen und nicht ungeschüzt daherkommen wie ich.


Am Set gab es nichts auszusetzen, im Gegenteil, alles kam druckvoll und mit viel Spielfreude rüber, die Setlist war eine gelungene Mischung aus alten Klassikern wie dem Opener Give My Love To Kevin, dem sehr direkten Hit Brassneck, dem  grungig-punkigen Dalliance (welch ein  rasanter Gitarrenwirbel im Mittelteil!) , meinem alten Liebling My Favourite Dress. und Stücken des Neulings Going Going. Ein neues Album, dass die ersten vier experimentellen, dreamigen Lieder lang die Altfans überraschte, mit Two Bridges dann aber gewohntere Pfade einschlug. Und Two Bridges war auch in der Liveversion ählich gut wie das alte Material. Es bestach durch ein paar wirklich gelungene Gitarrenparts und auch ein sehr explosives Schlagzeugspiel. Am Ende schrammelte Gedge wie ein Besessener auf seiner Gitarre rum. Klasse von den neuen Songs war auch das dröhnende und rifflastige Birdsnest und das zart-melancholsiche Bear, zu dem Danielle sehr sanfte Gesänge beisteuerte.


Die Schlussphase auch noch mal sehr stark. Das bereits erwähnte alte My Favourite Dress, dann das fulminante Flying Saucer und der sehr langsam und verträumt startende Neuling Santa Monica, der logischerweise phasenweise auch sehr lautstark und schnell wurde, wie das eben bei The Wedding Present so ist. Langsame Phasen dienen in der Regel nur zum kurzen Luftholen, bevor wieder ungestüm losgeballert wird.


Und noch etwas ist bei den Weddos immer gleich. Es gibt keine Zugaben. So auch diesmal nicht. Gegdge verliess bereits die Bühne während seine Musiker noch eine Weile instrumental weiterspielten.

Erneut duftes Konzert von The Wedding Present! See you next time! Vielleicht dann ja wieder auf einem Hausboot ?

P.S.: Unnötiges Wissen: wie viele Stoppschilder gibt es in Paris ? Laut David nur ein einziges, das behauptete er auf jeden Fall. Wo genau es zu finden ist ? "Google it" so die Empfehlung von Gedge.


1) Give My Love To Kevin 
2) Come Play With Me
3) Brassneck
4) Always The Quiet One
5) Rachel
6) Mothers (Jean Paul Sartre Experience Cover)
7) Two Bridges
8) Go OutAnd Get' Em Boy
9) What Have I Said Now
10)Little Silver
11) Birdsnest
12) Drive
13) End Credits
14) Dalliance
15) Dare
16) Bear
17) My Favourite Dress
18) Flying Saucer
19) Santa Monica



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