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Samstag, 6. Januar 2018

miXmass Tag 1, Antwerpen, 05.01.18

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Festival des Ensembles Baroque Orchestration X
meine Konzerte:
      The Golden Glows (10 min)
      Liesa van der Aa & B.O.X. (15 min)
      Arne Leurenthrop & B.O.X. (15 min)
      Dez Mona & B.O.X. (15 min)
      Helga Davis, Shara Nova & B.O.X (20 min) 
      Pétur Ben (15min + 45 min)
      Mugison (10 min + 45 min)
      Anthony Romaniuk & Mads Brauer (30 min)
      DAAU & B.O.X. (40 min)
      Shara Nova (20 min)       
      Nocturnal (30 min)
Ort: Musiktheater deSingel in Antwerpen
Datum: 5. Januar 2018
Zuschauer: etwa 300


In meinem Jahresrückblick habe ich beklagt, dass mir einige Lieblingkünstler-Konzerte 2017 geplatzt sind. So habe ich nicht lange gezaudert: das Konzert von Shara Nova in Antwerpen werde ich sehen! Das Ensemble Baroque Orchestration X (B.O.X.) lädt für zwei Abende Mitstreiter (wie Shara) aus aller Welt in ein schönes Konzerthaus, um zusammen zu musizieren. Ganz mein Geschmack und dazu noch in der Weihnachtspause. Tatsächlich fühlte es sich wie ein unfassbar nettes Jahrgangsstufen-Treffen an... Zusätzliche Pluspunkte für mich waren, dass sich unter den "ehemaligen Klassenkameraden" auch einige Namen fanden, die mich ähnlich wie Shara anzogen: Efterklang, die Isländer Pétur Ben und Mugison, die ich 2016 in Reykjavík in Wahnsinnsform gesehen hatte und Valgeir Sigurðsson mit Liam Byrne, deren Auftritt 2015 in Island eine große positive Überraschung war.


Baroque heißt bei B.O.X., dass das Ensemble auf den Klang alter Musikinstrumente baut. Aber es führt Musik aller Epochen enthusiastisch und hoch professionell auf. Deshalb passt der Name miXmass auch so gut für das Festival. Leider passte er auch, weil es im Vorfeld schwer fiel, die verteilten Informationen zum Ablauf zusammen zu setzen. Oder die Orte im Programm mit den Orten, die es im Konzerthaus gab, in Deckung zu bringen. Da sich tatsächlich erst kurz vor 20 Uhr die Türen öffeneten, machte mich das etwas nervös. Aber mit Beginn löste sich das alles in Wohlgefallen auf. Die Besucher (alle Altersgruppen waren gekommen!) waren allesamt besonders freundlich und umsichtig und ich fand einen Platz, wo ich mir Notizen machen konnte und für die nächsten 6 Stunden auch so viel sitzen konnte, wie mir gut tat.


Der Abend begann mit einem Teil, der B.O.XXL genannt wurde: ein Estradenprogramm, wo die B.O.X. Ensemblemitglieder jeweils wenige Songs unterschiedlicher Projekte mit Künstlern präsentierten:
  A Folksongbook:  The Golden Glows
  White Chalk:  Liesa Van der Aa
  Amnesiac:  And They Spoke in Anthems

  Sága:  Dez Mona
  You Us We All.  Shara Nova  & Helga Davis  
  The Loom of Mind:  Pétur Ben & mugison


Was hier ein bissch verrückt und zerfasert klingt, ging als Konzept grandios auf. Die 90 min reihten sehr unterschiedliche Musikstile und Klangkosmen aneinander und bot mir diverse Höhepunkte. Es begann zunächst fast kammermusikalisch mit zwei Frauen- und einer Männerstimme. Dazu eine Gitarre. Schräger Folk, der dann im zweiten Stück durch B.O.X. unterstützt wurde und durch den Klang eines Blasinstrumentes etwas gespenstisches beigemischt bekam. Später lernte ich, dass es sich um ein Holzblasinstrument, das Cornetto handelte (das im Ansatz wie Blechblasinstrumente gespielt wird)


Für Liesa van der Aa wurde anschließend alles aufgeboten - ganz großes Kino - und auch die Sängerin war kraftvoll und fast rockig. Ich kann die Assoziation zu PJ Harvey, die Oliver in seinem Bericht schildert, sehr gut nachvollziehen. Ähnlich intensiv war auch das nachfolgende Projekt von Arne Leurentop, wenngleich die Intensität sich mehr als Innigkeit audrückte. Im ersten Stück schaffte es ein Geigentremolo über dem Gesangspart, mir die Tränen in die Augen zu drücken, während es im zweiten Stück die interessante Verknüpfung der altmusikalisch aufgefassten und instrumentierten Aria mit einer modernen Gesangsphrasierung war, die mich aufhorchen ließ.
 

Das nächste Projekt jagte das Publikum ganz schön durch die Lande. Es gab Anklänge an Tango - nicht zuletzt durch das benutzte Akkordeon (Roel Van Camp) schön gefärbt, aber auch Balkantöne klangen auf. Dann setzte gar ein schmachtender Kontertenor (Gregory Frateur grandios!) glanzvolle Akzente. Wiederum total anders, war schließlich die Barockoper You us we all. Die Musizierhaltung  war hier klar barock, aber die Texte sehr heutig und wirklich witzig: "Dear Britney Spears, we have a lot of commonalities.. " Das war wunderbar verspielt, aber traf dann doch ins Schwarze. Ganz herrlich war neben der hinreißenden Shara auch die Stimme von Helga Davis, die mich im Sturm erobert hat. Was für eine Ausstrahlung!
 

Anschließend wurde es wieder poppiger mit den schon oben genannten Isländern. Ein Höhepunkt hier war ein herrlich besoffener Walzer und der Schlusspunkt von mugison als Hallenabrißversuch mit Ankündigung. Das erinnerte mich dann doch sehr wohlig an das Wahnsinnskonzert von 2016. Ein klares Votum dafür, unbedingt noch bis 1 Uhr für das Konzert von mugison zu bleiben!


Der Übergang zum angekündigten Surprise-Act war etwas unglücklich. Den meisten war wohl nicht aufgefallen, dass in der hinteren Ecke des Theatersaales alles vorbereitet war und man verließ den Raum auf der Suche nach der VOX-Bühne... Aber die Efterklang-Kollegen Casper Clausen & Rasmus Stolberg wußten natürlich, dass nun Anthony Romaniuk (B.O.X. - Tastenmann) & Mads Brauer (Efterklang-Soundtüftler) hier etwas vorhatten. Was fast als Privatkonzert für uns Handvoll begonnen hatte, fand jedoch über die Zeit immer mehr Zuhörer (wahrscheinlich fanden uns die suchenden Zuschauer...). 
 

Die Idee war eigentlich denkbar einfach. Anthony nahm sich Repertoire-Stücke für Klavier (Bach, Bartok und Schostakovich konnte ich zuordnen) her und wandelte sie sich an bzw. verfremdete das mir so wohlvertraute. Dazu lieferte Mads sehr zurückhaltende elektronische Töne und es war wie eine Zwiesprache zwischen einem extrovertierten Pianisten und einen introvertierten Computernerd. Zum Teil war es wie zerfleddern, aber es war unfassbar interessant und für mich zum Teil sehr, sehr lustig.
 

Auf der großen Bühne hatten sich derweilen DAAU (Die Anarchistische Abendunterhaltung) alles aufgebaut, was sie so brauchte. Es gab wieder das ganze Ensemble und die Musik war zunächst sehr sphärisch. Im Vergleich zum Eingangskonzert fehlte der Gesang, aber auch hier fiel mir  wieder dieses Blasinstrument auf, das mit seinem Klang so sehnsuchtsvoll durchs Mark geht. Aber so "zahm" blieb es nicht. Es wurde sogar recht temperamentvoll mit Balkan-Anklängen und der im Programm "versprochene" Punk klang für mich ein wenig wie Musik für die Globolinks.


Inzwischen war es 23:00 Uhr und Zeit für meinen privaten Höhepunkt des Abend. Shara Nova ließ sich von vier Musikern des B.O.X. begleiteh: Harfe, Klavier, Cornetto(!) und Vioal da Gamba. Dafür hatte sie ein paar Tage zuvor Musik brandneu arrangiert. Zum Teil auch neue Musik mitgebracht - was für eine Freude! Man spürte während des ganzen Konzertes, dass alle einen totalen Spaß hatten. Schon das erste Stück beantwortete mir dann auch die Frage, ob ich mir vielleicht doch zu große Hoffnungen gemacht hatte: Sharas Stimme gepaart mit ihrer Ausstrahlung nahm das Publikum vom ersten Moment an total gefangen und entführte uns alle in den Himmel (ups, falsches Fest!). 


Anschließend hatte sie uns ein neues Lied Chance mitgebracht. Mir gefiel die filigrane Begleitung, die den Fokus sehr auf ihre Stimme legte, aber auch Platz für vielfältige Farben fand. Zuletzt hatte ich sie ja mit ordentlich Bums erlebt - das war nun etwas ganz anderes. Auch so ein wohlbekanntes Stück wie If I were queen von A tousand shark's teeth konnte so wunderbar neu glitzern und schillern. 
 

Nach dem ersten Stück war wohl das nächste neue und sehr melancholische Lied One million perls mein ganz privates Superhighlight - wirklich Gänsehaut pur. Wobei das Motto für das (leider kurze aber sehr, sehr intensive Set) vom letzten Stück ausgesprochen wurde: Love goes through and through. Anschließend schrieb ich eine Nachricht, dass ich wohl mein schönstes Konzerterlebnis für 2018 gerade schon erlebt hätte...


Nachdem sich auf der kleinen Bühne fünf Personen mit einer Harfe und einem Klavier etwas kuschlig gefühlt haben dürften, stand anschließend Pétur Ben (Pétur Þór Benediktsson) mit seiner Gitarre ganz allein auf der großen Bühne und das war ein so krasser Gegensatz, dass ich mich schon fragte, welche Gründe es dafür wohl gab. Der Isländer hatte sich mit seiner Platte Wine for my weekness (2008) in mein Herz gespielt und war anschließend von meinem musikalischen Horizont gekippt. Von mir unbemerkt hatte er 2012 ein Album veröffentlicht God's lonely man und Soundtracks für Ragnar Bragason's Filme gemacht (z.B. Metalhead). Beim 2016er Airwaves waren wir uns wieder begegnet und die druckvolle Livevorstellung dort hatte mich extrem kalt erwischt, aber mir auch sehr gefallen. 


In Antwerpen war er allerding nur auf sich und seine Gitarre angewiesen. Er spielte einige Stücke, die ich auch in Reykjavík gehört hatte, wie Painted Blue und Skinny Girl. Außerdem ist mir ein Klassiker von Iggy Pop Search & Destroy im Gedächtnis geblieben.  Selbst mit diesen sehr sparsamen musikalischen Mitteln riß er mir das Herz aus. Wie macht er das nur? Schließlich beantwortete sich auch die Frage nach der großen Bühne: Für die letzen 15 Minuten bat er die Sängerinnen des Kórus auf die Bühne. Wie in Reykjavík fand ich die zwei Stücke Warehouse in the sky und Lonesome like me sehr, sehr eindrucksvoll. Ich bin auf das Konzert von Kórus am zweiten Festivaltag nun sehr gespannt.


Bevor es mit mugison zum letzten Konzert auf der großen Bühne ging, war nach Pétur Ben noch eine halbe Stunde Raum, für die ich mich noch nicht zwischen unterschiedlichen Angeboten entschieden hatte. Im Vorbeigehen fing mich das Konzert Nocturnal ein mit Jon Birdsong am Kornett & Anthony Romaniuk am Flügel. Vielleicht war der Pianist tatsächlich der meistbeschäftigte Mann des ersten Tages... Jedenfalls boten die beiden sehr zauberhafte Nachtmusik. Zum Teil dezent und dunkel, zum Teil auch aufbegehrend und frech, aber alles mit einer wunderbaren Spielfreude. Besonderen Spaß machte es Anthony, als das Kornett durch Blasen kurz über den Flügelsaiten diese zum schwingen brachte. Dafür sollten wir alle unbedingt so nah wie möglich herankommen.


Der Abschluss mit mugison begann - wie alle Programmpunkte - pünktlich. Aber er wurde nicht ganz so, wie ich es mir nach dem XXL-Konzert erwartet hatte. Alle - inkl. mugison - waren doch etwas müde. Trotzdem war es ein toller Abschluss zunächst solo und später mit Pétur. Ich fand es irgendwie rührend zu sehen, wie die Spannung sichtbar von Pieter Theuns abfiel und er ein ganz inniges - dabei mehr oder weniger wortloses - Lob von Casper Clausen erhielt. Ja, das hier hatten sie echt toll hingekriegt.



B.O.X.:
Pieter Theuns (Theorbe), Anthony Romaniuk (Cembalo, Orgelpositiv), Bart Vroomen (Barockposaune), Ira Givol (Viola da gamba), Jon Birdsong (Cornetto, Trompete), Joshua Cheatham (Viola da gamba, Violone), Jutta Troch (Barockharfe), Lambert Colson (Cornetto), Liam Byrne (Viola da gamba, Soprangambe), Mattijs Vanderleen (Schlagwerk) en Pieter Vandeveire (Viola da gamba).  



Aus unserem Archiv:
Liesa van der Aa, Saint Ouen, 27.01.13
My Brightest Diamond, Paris, 13.02.15
My Brightest Diamond, Haldern, 08.08.14
My Brightest Diamond, Eindhoven, 07.02.14
My Brightest Diamond, Straßburg, 30.03.12
My Brightest Diamond, Paris, 28.03.12
My Brightest Diamond, Berlin, 24.11.11
My Brightest Diamond, Haldern, 13.08.11
My Brightest Diamond, Paris, 07.10.08
My Brightest Diamond, Haldern, 08.08.08
My Brightest Diamond, Evreux, 27.06.08
My Brightest Diamond, Paris, 22.04.08
My Brightest Diamond, Paris, 02.10.07
My Brightest Diamond, Paris, 26.02.07

Pétur Ben, Reykjavik, 02.11.16 
Mugison, Reykjavik, 04.11.16



Sonntag, 6. November 2016

Iceland Airwaves Tag 3, Reykjavík, 04.11.16

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Iceland Airwaves Tag 3 für mich mit den Konzerten
  The anatomy of Frank (35 min)
  Árstíðir (40 min)
  Mugison (40 min)
  Ólöf Arnalds (30 min)
Ort: Bókabúð Máls og menningar & Fríkirkjan in Reykjavík
Datum: 4. November 2016



Die tollen Bilder sind von Claudia - Vielen Dank! 

Der dritte Tag hatte durch die geplanten Kirchenkonzerte eine gewisse Planungsstruktur für mich. Dieser Teil des Konzerttages würde 20 Uhr beginnen. Eigentlich sollte ich mir noch ein klein wenig - aber nicht zu viel davor heraussuchen! Was gab es besseres als einen der vielen Gigs von The anatomy of Frank - diesmal in dem Buchladen Bókabúð Máls og menningar in der Haupteinkaufsstrasse Reykjavíks quasi auf dem Weg mitzunehmen! Da es während der deutschen Tourstationen nicht geklappt hatte, wäre doch ein Wiedersehen hier in Reykjavík ganz nett. Mit dem Sonnenuntergang machten wir uns am Wasser entlang auf den Weg in die Stadt. 


Der Laden war leicht zu finden und obwohl es ein großer Shop war, auch der Ort für das Konzert - einfach auf die Menschentraube zu! Zum Glück, denn wir waren wirklich auf den letzten Drücker erst da. Am Ende waren es mindestens 60 Leute, die sich zwischen den Regalen und auf den Emporen von dem US-amerikanischen Charmeur um den Finger wickeln ließen. Ich war sehr neugierig auf die Bandformation nach drei Solo-Set-Erfahrungen. Aber natürlich lebte auch die Bandperformance von Kyles Bühnenpräsenz. Als er diesmal auch zu isländischen Sprachschnipseln griff, war ich mir nicht sicher, wie viele Isländer im Publikum waren, und ob er da nicht Perlen vor die Säue geworfen hatte, denn es lachte so recht keiner.


Zum Einstieg gab es zwei ruhige Songs mit Tasten und sehr wenig Schlagzeug: Die Xylophon Klöppel reichten für alles an den Drums. Dann wurde es zum ersten Mal lauter mit A Bridge over Lake Champlain und das war mit bumms schon sehr toll! Auch Katia's song, da er sich mit Band so richtig schön steigern konnte. 


Es gab natürlich einen Werbeblock für die schöne CD, die eine Landkarte von Nordamerika ist auf der zwei CDs festgemacht werden können und ein großes Finale mit Vancouver und einem aus voller Kehle singenden und anschließend tobenden Buchladen. Er hatte sein Zauberkunststück wieder einmal vollbracht und schickte alle mit einem leichten Herzen und einem Ohrwurm zur nächsten Station.
 

 
Nach einem kleinen Spaziergang war ich an der Kirche, wo es zunächst mit Árstíðir weiter ging. Dafür hatte ich eine Erwartungshaltung und die wurde auch erfüllt. Wofür ich gar keine Vorstellung hatte, war das nächste Konzert in der Kirche. Von Mugison habe ich eine CD zu Hause, die ich sehr gut finde, aber weiß sonst nichts über die Band. Was dann passierte, war einfach nur herrlich zu nennen. Wir feierten eine regelrechte Satansmesse mit fettem Tenorsax, bis zu drei Gitarren, einem total krassen Drummer und Bass. Man könnte vielleicht rockiger Blues dazu sagen. Wobei der isländische Einschlag immer verhindert, dass er zu klebrig wurde. Das war schon auf halbem Weg zu Kaizers Orchestra sowohl musikalisch als auch theatralisch. Es wurde aber auch lustig dadurch, dass die Kirche für dieses Konzert wirklich zum bersten gefüllt war und es anscheinend eine große Anhängergemeinde in Island gibt, die sich hier versammelt hatte.
 


Die Ansagen waren göttlich. Z.B. der folgende Plan für das Konzert: First we get the hits out of the way to play some new stuff to return to some hits and other new songs. Man könnte sagen, dass während der angesagten Hits die Kirche eingerissen wurde, was unter einem Jesusbild mit offenen Armen irgendwie besonders komisch wirkte. Oder man könnte sagen, ich habe den Troll brüllen gehört und bei einem Gospelchor mit Wolfsgeheul mitgemacht.

 

In jedem Fall hat die Kirche gewackelt, unser Schweiß die Scheiben von innen beschlagen und keiner ist aus diesem Konzert herausgegangen ohne restlos Spaß gehabt zu haben - inklusive der Band.
 


Was mir bei allen Konzerten, wo ich für mehrere Bands hintereinander blieb auffiel, war der total professionelle Ablauf beim Umbau. Es waren stets sehr wenige Hände beschäftigt, die wenig Gewese machten, aber die Bühne in 15-20 min total umbauten und anschließend fast mit unbemerktem Soundcheck alles glatt laufen ließen. Diese 20 min Pause waren gerade recht, um erlebtes zu verdauen, ein paar Sachen aufzuschreiben oder kurz mal für die körperlichen Bedürfnisse zu sorgen. Aber sie unterbrachen den Musikabend nicht so sehr wie ich das aus Deutschland gewöhnt bin. Bitte nachmachen!

 

Nach Mugison wurde fast nur abgeräumt. Die letzte Sängerin des Abends brauchte nur ein Gesangsmikro, einen Stuhl für den Begleitmusiker und ein Mikro für dessen Baritongitarre. Olöf Arnald war musikalisch schon ein ziemlicher Gegenentwurf zum Troll-Rock'n-Roll davor. Zum Teil wirkte ihre Musik wie Kinderlieder mit vielen Strophen auf mich. Sie hatten isländische und englische (starker Akzent) Texte und waren im Ablauf Gesang mit Gitarre(n) sehr traditionell. Leider sang sie nicht immer sauber und war in den höheren Lagen nicht rund, aber der melancholische Einschlag einiger Lieder war schön. Das Publikum feierte sie enthusiastisch - ich hatte den Eindruck, das waren Hardcore-Fans, die genau für diese Art von Musik gekommen waren. 


Das klare Wetter des Tages hatte sich auch über die drei Kirchenkonzerte gehalten und wir freuten uns auf einen Heimweg unter klarem Sternenhimmel. Dagegen wurde allerdings einiges unternommen: Zunächst gab es ein Feuerwerk, dass ordentlich Dunst über die Innenstadt legte und leider war auch der Fußgängerweg am Meer so überfroren, dass ich nach einiger Zeit aufgeben musste und meinen Heimweg doch durch die etwas gesichtslosen Neubaublocks am Rande Reykjavíks nahm.
 
Aus unserem Archiv:
The Anatomy Of Frank, Karlsruhe, 15.09.16
The Anatomy Of Frank, Esslingen, 23.04.16
The Anatomy Of Frank, Karlsruhe, 12.03.15

Alle Konzertberichte vom Iceland Airwaves



 

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