Donnerstag, 16. Mai 2013

Schöftland, Karlsruhe, 15.05.13

Konzert: Schöftland
Ort: Café Dom in Karlsruhe
Datum: 15. Mai 2013
Zuschauer: 5 bis 10 (im zeitlichen Verlauf strikt ansteigend)
Dauer: 75 min

 

Ja-Sager sein hat ja so ein Geschmäckle. Das sind die Leute, die alles machen wie es alle machen, weil es alle so machen. Heute stehe ich noch etwas fassunglos neben mir und bin gleichzeitig komplett beglückt wie seit langem nicht. Dabei musste ich nur "Ja" sagen. In diesem Fall zum Vorschlag von Mario aus Dresden, mich in die Schöftland geht den Bach runter Tour einzubringen. Die Schweizer Band Schöftland plante eine Tour, die in den Stationen dem Verlauf des Rheins folgt.


Ich fragte verschiedene Venues in Karlsruhe an, ob sie in der geplanten Zeit im Mai der Band eine Bühne geben möchten. Da schob sich aber leider nix zusammen. Als Ausweich hatte ich schon mein Wohnzimmer ins Gespräch gebracht, da kam die Nachricht der Band - es klappt im Café Dom, aber meine Einladung würden sie trotzdem gern annehmen. So geschah es, dass ich am 15. Mai abends die ganze Truppe um meinen Tisch versammelt fand, nämlich

Stefan Rolli (er bediente später Baritonsaxofon und Synthesizer)
Floh von Grünigen (verantwortlich für Gesang, Gitarre, Harmonium)
Kaspar von Grünigen (der Basser)
Sascha Mathys (im Boot mit Gitarre und Gesang)

Patrik Zosso (Herr über Trommeln und anderes Schlagwerk) .

 

Und dass ich - Ehrensache!! - beim Konzert dabei sein würde. Mein erstes Mal im Café Dom. Dass sich einerseits wirklich aus tolle Location empfiehlt (schöner Raum, schöne Bühne, gute Größe, gute Lage) aber andererseits wohl trotzdem nicht zu meinen Lieblingsorten in Karlsruhe aufsteigen wird (komische Musikberieselung und lasche Raucherregelungen).


Etwas erschüttert war ich, als ich ankam und einziger Zuhörer war (neben dem Mann an der Bar und einer Freundin von ihm). Nach etwas warten hatten sich noch zwei Freunde der Band eingefunden und wir standen uns nun sozusagen spiegelbildlich gegenüber: fünf Mann auf der Bühne, fünf im Publikum. Was dem eigentlichen Konzerterlebnis keinen Abbruch tat. 


Hier wurden Texte geboten, wo ich mich mit schöner Regelmäßigkeit dafür selbst ohrfeigte, keinen Zettel und Stift dabei zu haben um schnell die eine oder andere Zeile für den Bericht zu notieren. Dazu Musik, die sich für mich schlecht in Schubladen einsortieren lässt. Eine solide Stütze vom Schlagzeug (nicht zu laut, zwischen Druck und filigran alles dabei), ein brummelndes Saxophon, 



dass fast für mich fast körperlich spürbar war, abgefahrene Synthieklänge bis hin zum wilden Krach und dazwischen der Aufmerksamkeit bindende Sänger (meist mit Gitarre) Floh. Eigentlich der nette Typ von nebenan, bei dem ich mir jederzeit Mehl und Eier borgen gehen würde - dem ich meine Enkelkinder unbesehen zum Spielplatz mitgäbe.



Aber was er ausspricht bzw.  singt, das ist zwischen Kopfnicken (gut beobachtet, schön ausgedrückt - könnte ich das doch nur auch so sagen) und um einen Hauch verdreht so, dass es einem in Hals stecken bleibt und man sich derbe dran verschluckt: z.B.

Was dich nicht stärker macht, bringt dich um.

Oh, welcher Assoziationsraum sich da in mir öffnet und mich mitnimmt an Abgründe, um die ich sonst lieber einen großen Bogen lasse.



Das Publikum klatschte für 20. Die Wiedergekommenen, die zufällig anwesenden (es kommen später noch welche von der Straße dazu) und ich wussten die Qualität dessen zu schätzen, was hier geboten wurde. Das war keine Hausmannskost, das war Ohren-und-Herz-Gourmetfutter, an dem wir noch lange verdauen werden.


Dank wahrgenommener CD-Erwerbsmöglichkeit noch länger und noch anders. Denn das Artwork des Tonträgers ist nicht nur Textspeicher sondern enthält auch Bilder zum Ton.

Gesamturteil von meiner Seite also ganz eindeutig: besonders empfehlenswertes Livererlebnis. Alle in einer hinreichend kleinen Entfernung zum Rhein wohnenden Menschen sollten diese Chance nicht ungenutzt verstreichen lassen. Und nett sind sie dann obendrauf auch noch...




Weitere Tourdaten:
Do 16.05.  Kreativfabrik, Wiesbaden  21.00 Uhr
Fr 17.05.  Bla, Bonn |21.00 Uhr
Mi 22.05.  Lichtung, Köln  21.00 Uhr (Spezialgast: Tulp solo)
Do 23.05.  Düsseldorf  21.00 Uhr
Fr 24.05.  Haldern Pop Bar, Rees  21.00 Uhr
Sa 25.05.  Room Rotterdam, Rotterdam  21.00 Uhr



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