Donnerstag, 23. Mai 2013

Alessi's Ark, Paris, 15.05.2013


Konzert: Alessi's Ark & This Is The Kit
Ort: L'Espace B, Paris
Datum: 15.05.2013
Zuschauer: leider nur etwa 30


Letzten Dienstag war ich wieder einmal so richtig auf Achse. Meine Konzertwut war kaum zu stoppen und der schöne Auftritt von Tim Crabtree aka Paper Beat Scissors im Kellergewölbe von Waly Fay reichte mir noch nicht. Ich fühlte mich fast ein wenig unhöflich und rücksichtslos, als ich Tim im Kellergewölbe hastig tschüss sagte, die Aftershow Party verließ und ihm erklärte, daß ich noch zu Alessi's Ark ins Espace B wolle.



Aber ein Konzertjunkie wie ich braucht nun einmal seinen Stoff. Ich also rein in die U-Bahn und los in ein ganz anderes Viertel der Millionenstadt. 
Erst gegen 22 Uhr 45 kam ich im Espace B (19. Arrondissement) an und Alessi's Ark war mitsamt ihrer Begleitband (Gitarrist + Drummer) schon in voller Aktion. Sie spielte ein Cover von The National, I'm Afraid Of Everyone als ich eintrat und erzeugte einen klaustrophoben, intensiven und gefühlsgeschwängerten Drama-Sound, der so gar nicht zum Bild passte, daß ich voher von der Musik der zarten Engländerin hatte. Bisher war sie mir eher als Folksängerin bekannt, die reduzierte Akustiksongs auf ihrer hölzernen Gitarre vorträgt. So zumindest hatte ich das vom Konzert in der Fleche d'or vor 2 Jahren in Erinnerung. Heute aber klang alles ein wenig lauter, druckvoller und flotter. Das The National Cover stand jedoch nicht symptomatisch für den Stil der übrigen Lieder die folgen sollten. Die waren nämlich eher 60ies poplastig und gefielen durch einen überaus charmanten Zartschmelz und eine süße Unschuldigkeit, wie die ganz fantastische Nummer The Robot.
  
Aber Alessi spielt diese "süße-Mädchen-Nummer nicht aus Kalkül, bei ihr wirkte die Schüchternheit natürlich und unaufgesetzt und als sie bei einem Lied (dem glänzenden, an Cat Power erinnernden Woman)  in der Mitte nicht weiter wusste, mehrfach vergeblich ansetzte und dann fast Hilfe suchend in die Luft starrte, war das schon wahnsinnig niedlich. 
 


Besonders schön dann, was in der Folge passierte. Kate Stabels alias This Is The Kit, die das Vorprogramm bestritten hatte, machte ihrer Kollegin auf der Bühne Mut, meinte: "Carry on, it sounds nice" und als dies nicht weiterhalf, bat sie Alessi sich zu ihr ins Publikum auf den Boden zu setzen und das Lied gemeinsam zu Ende zu spielen, unter Freunden. Die beiden Mädels saßen da so herzallerliebst beieinander, daß ich wirklich gerührt war. So sieht solidarisches Miteinander unter Künstlern aus, statt Neid und Mißgunst wurde hier ein netter Umgang miteinander gepflegt und die beiden Stimmen passten ohnehin hervorragend zusammen. Sicherlich die bewegendste Szene dieses Konzertjahres bisher!

 


Aber es ging ja noch weiter, Alessi hatte jetzt wieder genügend Selbstbewußtsein getankt, um ganz ohne Unterstützung von Kate normal auf der Bühne weiterzumachen. Wire wurde geschmettert, ein herrlich beschwingter Song mit wunderbar poppigen Gitarren und einem unvergleichlichen Charme (wesentlich dynamischer als auf Platte, allerdings nicht mit der Trompete, die man auf dem Album hören kann)


Charme bewies Alessi dann auch dadurch, daß sie ihre Ansagen oft in einem sehr ordentlichen französisch machte. Sie sei so langsam durstig und wolle gleich etwas gemeinsam mit den Leuten trinken. Sie habe das Gefühl, daß alle hier sehr nett zu ihr seien, ließ sie kichernd wissen. Das eher verhaltene Rain wurde noch gespielt, dann war leider Schluß, auch wenn ich liebend gerne noch ein paar Lieder mehr gehört hätte.

 

Aber vielleicht holen wir das bei einer Oliver Peel Session nach?Alessi sagte mir hinter, daß sie Lust darauf habe, vielleicht im Herbst. Ein prächtiger Ausblick und ich werde natürlich allles daransetzen, um das möglich zu machen! (Jetzt schon gebucht ist eine Session mit Liz Greenfield, einer Poetry Performerin, die ich hinterher zufällig kennenlernte und die auf dem Foto rechts zu sehen ist)

Auszug aus der Setlist:


Afraid of Everyone
Pinewoods
The Robot 
Veins Are Blue
Run
Woman
Wire
?
The Rain


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