Dienstag, 28. Mai 2013

The Jesus and Mary Chain, Barcelona, 24.05.13


Konzert: The Jesus and Mary Chain
Ort: Primavera Sound Festival, Barcelona
Datum: 24.05.2013
Zuschauer: zigtausend
Dauer: gut 70 min



"Stop! That's it, that's enough!" - "Hope you enjoyed it." Hätte ich nur das Ende des Konzerts mitbekommen, das plötzliche Abwinken der Band durch Sänger Jim Reid, ich hätte den Kopf geschüttelt. Mit "das reicht jetzt" ein Konzert zu beenden, auf das Massen begeistert gewartet hatten, hört sich abgezockt und arrogant an. Da ich allerdings vorher in den Genuß eines 70 minütigen Auftritts gekommen war, der so viel besser war, als ich gedacht hatte, war das Ende ein amüsanter Schlußpunkt.

Vor gut 25 Jahren waren The Jesus and Mary Chain live wohl so etwas wie Peter Doherty heute. Man konnte mit einem Skandal rechnen, wenn man die Schotten anguckte. Höhepunkt dieser ausufernden 15-Minuten-Konzerte war "The Jesus and Mary Chain Riot" im North London Polytechnic am 15.03.85, ein Abend, der mit einem kurz- und kleingeprügelten Saal und einer in ihre Garderobe geflücheten Band endete.

Heute ist Sänger Jim Reid 51, sein Bruder William 54 Jahre alt. Dem ersten Ende ihrer Band ging eine Prügelei der beiden auf der Bühne voraus, nach der William ausstieg. Seit 2007 gibt es die Band wieder, die wilden Jahre scheinen vorbei, der Musik hat dies im Fall der Schotten vermutlich genutzt. In Würde gealtert (und ergraut) gilt für The Jesus and Mary Chain uneingeschränkt. Der Auftritt am Freitagabend war durch und durch hervorragend und machte großen Spaß!


Die grauhaarigen Männer mit ihren Gitarren standen vor einem großen Neon-Kruzifix, verzichteten aber ansonsten auf jeden Schnickschnack (auf auf Ansagen). Sie spielten eben ihre Hits, die bei mir immer wieder zu aha-Effekten führten. Genau, das gibt es ja auch noch, toll! Der Großteil der Stücke stammte von den beiden Albem Automatic (88) und Honey's dead (92). Erst ganz am Ende folgten die Songs vom Debüt Psychocandy, das in jeder Plattenbestenlisten auftaucht, die etwas von sich hält.


Und bei einem der Lieder gab es dann doch noch Schnickschnack. Zu Just like honey kam Bilinda Butcher von My Bloody Valentine mit auf die Bühne, um mit einem Hauch von Stimme so etwas wie einen Duett-Part zu geben. Das war zwar nicht so glamourös wie der Gastauftritt von Scarlett Johannson beim Comeback in Coachella 2007, es war aber ein sehr schöner Moment.

Auch wenn keine Flaschen flogen und sich niemand prügelte, war der Auftritt auf der neuen Hauptbühne denkwürdig. Alte Helden, die nicht nur wegen ihrer Vergangenheit glänzen - und live vermutlich tausendfach besser sind als vor 25 Jahren.

Setlist The Jesus and Mary Chain, Primavera Festival, Barcelona:

01: Snakedriver
02: Head on
03: For gone and out
04: Between planets
05: Blues from a gun
06: Teenage lust
07: Sidewalking
08: Cracking up
09: All things must pass
10: Some candy talking
11: Happy when it rains
12: Halfway to crazy
13: Just like honey (mit Bilinda Butcher)
14: Reverence
15: The hardest walk
16: Taste of Cindy
17: Never understand



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