Freitag, 27. April 2012

Of Monsters And Men, Köln, 27.04.12


Konzert: Of Monsters And Men
Ort: Luxor, Köln

Datum: 27.04.2012
Zuschauer: ausverkauft (400 etwa)
Dauer: Of Monsters And Men 70 min, Elle King 22 min



Ein Großteil meines Freundeskreises hört nur passiv Musik, also nur das, was ihm im Radio oder Supermarkt vorgesetzt wird. Wenn ich euphorisch von Bands erzähle, ernte ich nur Schulterzucken (wenn es gut läuft - oder eben mitleidige Blicke). Veronica Falls, Wild Flag, Big Deal, meine aktuellen Lieblinge, kennt niemand, sie laufen nicht im Dudelradio. Auch Konzerte haben einen enormen Erklärungsbedarf. Wenn ich gerne zu Westernhagen ginge, gäbe es den nicht. Aber zu Blouse nach Luxemburg? Blouse? Wer ist das und was macht der? Oder die?

Auf morgen freue ich mich, denn ich war bei einem Konzert einer Band, die im Radio läuft und die bekannt ist. Warum genau Of Monsters And Men so viel Radioaufmerksamkeit bekamen, daß vor dem Luxor bestimmt 20 Leute mit Karten-Such-Schildern standen, weiß ich nicht. Little talks, ihr Hit, ist ein großer Knüller und verdient jede Aufmerksamkeit. Aber gerecht ist die Musikbranche ja für gewöhnlich nicht, normalerweise bleiben solche Perlen von der Masse unentdeckt. Übrigens ist es kein Snobismus, sondern harter Fakt, daß bei vielen Indie-Bands, die einen echten Welthit hatten, gerade dieses Lied das schlechteste der Band ist, Chasing cars, Our house zum Beispiel. Bei den jungen Isländern ist es anders. Little talks ist ein echter Hit und eines der Highlights der Debütplatte My head is an animal, das heute in Deutschland veröffentlicht wurde. Aber auch der Rest, irgendwo zwischen Fanfarlo, Arcade Fire und Efterklang mit den Stimmen von Talking To Turtles angesiedelt, überzeugt.

Das Luxor war um halb acht schon fast voll. Der Club ist in der Mitte schmal und wird erst vor der Bühne breiter. Der Übergang zur etwas tiefer liegenden Tanzfläche vorne ist wegen einer Metallreling besonders schmal. Allerdings sind die Plätze da auch sehr beliebt, weil man etwas erhöht hinter diesen Metallstangen vor Gedrängel von vorne geschützt ist. Es war also kaum noch ein Durchkommen da. Ich fand noch vorne Platz, allerdings im Schatten einer der Lautsprecherburgen. Die Bühne selbst war durch Wellenbrecher abgeschirmt.

Um kurz nach halb acht erschien eine blondierte Musikerin auf der Bühne. Sie stellte sich später als Elle King vor. Elle lebt in Brooklyn und ist die Stieftochter von Schauspieler Rob Schneider (Goldene Himbeere Preisträger). Elle hat eine Stimme, die nach einer Mischung aus Duffy und Axl Rose klingt. Die Sängerin mit Major-Vertrag sang fünf, sechs Stücke, nur von ihrer Gitarre begleitet. Lediglich beim letzten Lied tauschte sie die gegen ein Banjo aus. Alle Titel hatten gemeinsam, daß sie von Elles eindrucksvoll lautem Organ lebten und das Wort "mean" enthielten ("mean" ist aber auch toll, da es sich einigermaßen auf "dream" reimt, wie Elle zeigte). Die Lieder beeindruckten mich nicht sonderlich, weil ich mit weiblichen Rockstimmen nichts anfangen kann (mit männlichen auch nicht, aber das war ja nicht gefragt). Das Publikum schien Elle aber zu lieben und wirkte sichtlich angetan! Ohne da zu wissen, daß Elle bei RCA unter Vertrag steht, war ich sicher, daß die Sängerin Karriere machen wird. Das war radiotauglich. Sollte es wider Erwarten nichts mit dieser Karriere werden, hat sich Elle auch Standbeine als Schauspielerin (u.a. in Wild Cherry mit Rumer Willis und ihrem Stiefvater Rob) und als Mitarbeiterin bei East Side Ink in New York gemacht. Vermutlich stammen von da auch ihre Schmetterlingstattoos, die sie am Arm trug. Auch musikalisch langweilige Vorgruppen können richtig spannend sein.

Der Umbau für die Isländer dauerte dann nicht mehr schrecklich lang, um kurz nach halb neun erschienen die Musiker - von meinem Standort konnte ich nur die rechte Hälfte der Bühne sehen, ich weiß also nicht, wie viele. Als es losging, sah man auch die Deko der Isländer: alle Mikros, die Monitorboxen waren mit Lichterketten behangen. Auch wenn das Konzert fast durchgängig in rotem Licht stattfand, machten die kleinen Lämpchen eine schöne Atmosphäre und waren weit weniger kitschig, als es sich anhört.

Das Konzert begann mit wabernden, sphärischen Gitarrenklängen (von drei Gitarristen erzeugt), und damit ganz anders als erwartet. Die psychedelischen Klänge gingen dann aber schnell in den Startsong Dirty paws über, der schon typisch für den Sound der Band ist. Zentrales Element sind der gemeinsame Gesang der beiden Frontleute Ragnar Þórhallsson und Nanna Bryndís Hilmarsdóttir. Beide haben hohe Stimmen, die hervorragend zu einander passen. Auch wenn Of Monsters And Men mich in erster Linie an die oben erwähnten Referenzen erinnern, dabei aber immer skandinavisch klingen, hört man in der Struktur der Songs auch die Stars raus. Die Duette, gerade Ragnars Stimme, hatten immer wieder Stars-Momente, bei From finner zum Beispiel.

Die Lieder sind aber nicht immer Duette, es gibt auch Stücke, in denen abwechselnd oder getrennt gesungen wird. Allen gemeinsam sind große Eingängigkeit, viele "la las" oder "heys", geschmetterte Melodien, mal unterstützt von Akkordeon, mal von einer Trompete.

Of Monsters And Men spielten bis auf eine Ausnahme nur Stücke vom Debütalbum. Die Ausnahme, ihr Cure Cover Close to me, war dabei das schwächste Stük im Set. Das Lied spricht für ihren Musikgeschmack. Auch die Instrumental-Stellen waren hervorragend. Nur der Gesang passte nicht richtig, war zu wenig düster. Ein Arcade Fire hätte mich vermutlich mehr überzeugt.

Ansonsten kann man der Band wirklich nichts vorwerfen. Ich habe also weiter keine Ahung, warum sie so erfolgreich ist. Of Monsters And Men sind zu gut fürs Radio, fürs ARD Morgenmagazin oder für Wetten Dass. Im ARD Morgenmagazin waren die Isländer nämlich früher am Tag.*

Of Monsters And Men sind eine äußerst charmante Band mit tollen Liedern, die sicher im Herbst die Live Music Hall füllen wird. Die werden groß!

Setlist Of Monsters And Men, Luxor, Köln:

01: Dirty paws
02: From finner
03: Slow and steady
04: Mountain sound
05: Close to me (The Cure Cover)
06: Love love love
07: Lakehouse
08: King and Lionheart
09: Little talks
10: Six weeks

11: Sloom (Z)
12: Yellow light (Z)

* wenn die ARD das Morgenmagazin bestreitet, gucke ich das nicht, weil die Moderatoren Lehrerlieblinge sind.



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