Mittwoch, 25. April 2012

Maps & Atlases, Köln, 24.04.12

Konzert: Maps & Atlases
Ort: Gebäude 9, Köln
Datum: 24.04.2012
Zuschauer: ca. 70
Dauer: 70 min


Von Maps & Atlases habe ich hier schon häufiger gelesen, richtig beschäftigt habe ich mich mit der Band aus Chicago aber bislang noch nicht. Ich denke, daß das vor allem
an dem unästhetischen englischen Plural liegt, die Frisur von Sänger Dave Davison kannte ich nämlich da noch nicht. Der Soundmann allerdings schon, denn kurz vor dem Auftritt der Amerikaner schallte Cut your hair aus den Boxen. Subtil war das nicht, aber komisch.

Maps & Atlases bestehen aus vier Musikern: Shiraz Dada* am Bass, Chris Hainey am Schlagzeug, Sänger und Gitarrist Dave Davison sowie Gitarrist und Keyboarder Erin Elders (v.l.n.r.). Dummerweise standen wir dem Bassisten mit den Weinliebhaber-Eltern am nächsten, denn der lenkte mich vom Start weg mit seinen Tanzschrittchen ungeheuer ab. Shiraz trippelte über die Bühne, tänzelte von vorne nach hinten und zurück - und das immer wieder. Von Ironie in Bands verstehe ich nichts. Schnurrbärte, die nun wirklich niemand hübsch finden kann, sind ja offenbar ein Zeichen solchen "Wir nehmen uns nicht so erst" Gehabes. Ich kann nur vermuten, daß auch Shiraz' Tänzeleien aus dem Kapitel Selbstironie des großen Rockstarhandbuchs stammen. Ernst gemeint kann er das wirklich nicht haben.

Glücklicherweise suchte das Pärchen vor uns unsere Nähe und spielte Hase und Igel
mit uns, wir einen Schritt zurück, und schon waren sie wieder da,** sodaß ich den tanzenden Shiraz nicht mehr gut sehen konnte.***

Maps & Atlases werden gerne als Math Rock Band bezeichnet. Sie selbst nennen sich (bei myspace) Vertreter des Deutsch-Pop, französischen bzw. italienischen Pops. Da ist sie wieder, die Tante Ironie.

Experimentell klingen die Amerikaner schon, ich empfand aber eine deutlich größere Nähe zu den Afrobeat-Sounds von Vampire Weekend als zu den Bands, die ich mit Math Rock verbinde. Die ganz kurzen Gitarrenklänge von Dave vor allem erinnerten mich oft sogar an karibische Klänge, aber auch die haben ihren Ursprung ja auf der anderen Seite des Atlantiks. Natürlich fehlen die großen Hits von Vampire Weekend, auch sind die Stücke von Maps & Atlases deutlich weniger eingängig, sie gefielen mir aber gerade wegen des spürbar experimentellen Einschlags sehr gut, wobei ich Vampire Weekend live immer als zu brav und langweilig empfunden habe.

So fies wie die Bassisten-Tänzeleien, so faszinierend war das Gitarrenspiel des Frontmanns. Dave hatte seine beiden Hände oft unmittelbar nebeneinander und spielte sein Instrument, als sei es eine Zither. Neben seinem hohen Gesang war dies das Hauptstilelement der Band, die schnellen, kurzen Gitarrentöne, die den speziellen afro-karibischen Sound bastelten. Herausragend schien mir aber auch der Schlagzeuger zu sein. Ich habe leider nicht viel Ahnung von gutem Trommeln, weiß
aber, daß Drummer in Bands viel wichtiger sind, als sie es mir als Zuschauer sind. Chris erzeugte sagenhafte Töne mit seinem Schlagzeug, wobei ich manchmal nicht sicher war, ob er wirklich alle Dinge live machte. In fast allen Stücken spielten Kuhglocken eine Rolle, einmal aber kamen sie ganz regelmäßig, während Chris einen anderen Teil seines Instruments bearbeitete. Die Glocken schienen mir da von Band zu kommen, das schmälert aber seine Leistung nicht. Gelogen wird eh bei vielen.

Ob die Bassdrum vor dem Bassisten auch von Chris über die Distanz bedient wurde, weiß ich nicht. Keine Ahnung, ob das überhaupt technisch möglich ist. Manchmal hatte ich das Gefühl, sie scheppere, obwohl Bassist Shiraz nur bei einem Lied auf sie einschlug.

Mir gefiel das unvorbereitete Konzert gut, ich war vorher nicht unbedingt so optimistisch nach den wenigen Liedern, die ich kannte. Es war auch nicht langweilig, davor hatte ich am ehesten Bedenken. Die Zugabe, die in einem minutenlangen stupiden Minirhytmus endete, hätte nicht viel länger sein dürfen, sonst war der Abend durchaus kurzweilig. Der Afrobeat und ich werden zwar keine großen Freunde mehr, so wie heute lasse ich mir das aber gerne immer mal wieder gefallen.

Und Fußball war ja auch nicht spannender, wollte ich jetzt eigentlich noch sagen, aber das stimmt ja nun wirklich nicht.

Links:

- aus unserem Archiv:
- Maps & Atlases, Paris, 03.02.11
- Maps & Atlases, Paris, 14.10.10
- Setlist evt. später, falls mir da meine spärlichen Notizen weiterhelfen
- Fotos folgen!

* ganz sicher ein Künstlername - ansonsten eine schöne Anregung für werdende Eltern. Ich will bald Shiraz-Autoaufkleber sehen!
** Agoraphobiker vermutlich. Vor ihnen war einfach zu viel Platz.
*** Merkt man eigentlich, daß mir zum Konzert selbst nicht viel einfällt?


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