Dienstag, 10. April 2012

Maud Lübeck & Edward Barrow, Paris, 31.03.12


Maud Lübeck & Edward Barrow
Ort: eine großbürgerliche Wohnung in Paris, unweit von Bastille

Datum: 31.03.12
Zuschauer: mindestens 150
Konzertdauer: insgesamt dauerten die Konzerte wohl 'ne Stunde




Donnerwetter! Was für eine Wohnung! Mitten in Paris! 4 Meter hohe Decken, Stuck, Parkett, mehrere riesige Zimmer, Bücher überall. Und ein Buffet, das dem Club Med Konkurrenz machen konnte. Es gab alles. Fleisch, Fisch, Falaffel, Obst, Gemüse, Champagner, Wein, Bier...

So feiern also Chefs eines kleinen Indielabels namens Volvox einen neuen Release. Labelboss müsste man sein. Oder Buchhändler, oder beides gleichzeitig, so wie der nette Herr, der zu dieser prachtvollen Party geladen hatte. Darum auch die ganzen Bücher. Sogar ein Werk über meinen Vater John Peel habe ich in seiner reich bestückten Bibliothek gefunden.


Aber von welchem Release wir hier eigentlich? Nun, im Grunde genommen von gleich zwei Neuveröffentlichungen. Sowohl die Pianistin Maud Lübeck, als auch der Zitherspieler Edward Barrow werden in den nächsten Wochen ihre Debüts auf den Markt bringen und beide legten sich zur Feier dieses Ereignisse akustisch ins Zeug.


Maud begann mit ihren melancholischen Pianoballaden, die sie auf französisch sang und singt und verzückte mich damit erneut. Ich bin befangen, das muss ich dazu sagen. Seitdem die brünette Dame bei mir eine Session gespielt hat, stehe ich ihr natürlich nahe und wünsche ihr Inspiration und Erfolg. Und der Erfolg steht ja schon quasi vor der Tür, denn mit dem Herausbringen des Albums "La Fabrique" dürfte sie noch deutlich bekannter werden und mehr Konzerttermine bekommen. Es sei ihr gegönnt, denn kaum eine ist so natürlich und unverfälscht wie Maud. Da gibt es keine Zicken, keine Allüren, keine Arroganz. Sie arbeitet weitestgehend autark und kennt eigentlich kaum andere Musiker. Nicht, weil sie ignorant ist, sondern weil sie sich auf ihre eigene Musik konzentriert, die eher von klassischen Sängerinnen wie Barbara oder Françoise Hardy beeinflusst ist, aber dennoch eine moderne Note in sich trägt.

Ein bißchen schade allerdings, daß sich bei dieser Home Show nicht alle im Haus anwesenden Leute für das Konzert interessierten. So einige Mitbürgerinnen und Mitbürger blieben im Flur stehen und plauderten mitunter unangenehm laut.



Mit diesem Problem hatte auch der nachfolgende Edward Barrow zu kämpfen. Den Burschen mit der Elvis-Tolle hatte ich schon einmal in der Mécanique Ondulatoire gesehen und zumindest 2 bis 3 Lieder in guter Erinnerung behalten, darunter die wunderbar melancholische Ballade Life Is Beautiful, die er heute auch spielte. Heuer brachte er aber auch noch so einige Albumtitel von The Black Tree, einem Machwerk, das im französischen Mojo Magazin mit sensationellen 5 Sternen (der Höchstnote!) bewertet wurde. Das muss man sich mal vergegenwärtigen, five stars für einen Newcomer, der eine englische Mutter hat, aber in Frankreich aufgewachsen ist! An Vergleichen mit illustren Künstlern mangelt es in der lobpreisenden Besprechung nicht. Andrew Bird, Nick Cave und sogar Elvis Presley werden zitiert, aber auch Depeche Mode. Depeche Mode? Wie passen die in eine Reihe mit vorgenannten Künstlern? Nun, Edward Barrow (sein richtiger Name übrigens) mag die kultigen Elektro-Popper anscheinend sehr und coverte heute auf einem Omnichord auch Enjoy The Silence, ganz zur Freude des Publikums, das endlich mal ein Lied kannte. Er bekam das ziemlich gut hin, obwohl ich die Stücke auf der Zither bevorzugte.

Erneut war mein absoluter Liebling Life is Beautiful. Eine in tiefstem Moll gehaltene Ballade, sehr lyrisch, zärtlich, herzerwärmend. Ein richtiger kleiner Indie Hit made in France, dem ich, Powerplay im Radio vorausgesetzt, hohe Chartplatzierungen zutrauen würde.

Edward Barrow by volvoxmusic

Edward Barrow ist was für Romantiker, also Fans von Antony & The Johnsons, Baby Dee, Rufus Wainwright, Scott Walker und Divine Comedy. Vom Schmalz ist man mitunter nicht weit entfernt, das muss man hinzusagen. Nach seinem Konzert brauchte ich erst mal ein herbes Bier, um die Süße im Mund runterzuspülen.


War ne schnieke Party! Das linke Bildungsbürgertum weiß zu feiern. Selten passte der Ausdruck Champagnersozis so gut...



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