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Freitag, 25. Januar 2013

Meeting mit Peter Hook (Warsaw, Joy Division, New Order), Paris, 21.01.13

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Meeting mit Peter Hook (Warsaw, Joy Division, New Order)
Ort: Le Môtel, Paris
Datum: 21.01.2013
Zuschauer: sehr viele, etwa 150
Dauer: etwa 40 Minuten Interview



Kein böses Wort über Barney Sumner oder die schmerzvolle Trennung von New Order, keine Auseinandersetzung mit der der Frage, was die übrigen alten Bandmitglieder von Joy Division oder andere der Gruppe Nahestehende davon halten, daß er, Peter Hook, mit alten Joy Division Alben auf Tour gegangen ist.

Klarer Fall, daß hier war eher eine Promoveranstaltung als ein kritisches Interview mit Peter Hook.

 

Hooky war extra nach Paris gekommen, um seine beiden inzwischen auf französisch übersetzten Bücher "Unknown Pleasures- Joy Division vu de l'interieur" und L'Haçienda- la meilleure façon de couler un club"* zu vermarkten und im kleinen Indieschuppen Le Motel dem englischen Moderator Rede und Antwort zu stehen. 


Die kleine Herrenrunde wurde aufgelockert durch die charmante Übersetzerin und Dolmetscherin Suzy Borello, der es zu verdanken ist, daß die Franzosen die Werke nun in ihrer Landessprache lesen können.

 

Hooky, Suzy und der mir nicht namentlich bekannte Moderator saßen auf der kleien Fäche, die ansonsten hier meist von lokalen Bands als Bühne genutzt wird  und unterhielten sich äußerst entspannt und angeregt. Erstaunlich wie gelöst Peter Hook wirkte. Er lächelte oft, bewies Charme und Witz und schien sichtlich Spaß an der Veranstaltung zu haben. All diejenigen, die einen agressiven,verbitterten Kotzbrocken erwarteten, wurden eines Besseren belehrt. Der ex-Bassist von Joy Divion war die Ruhe selbt, sprach mit sanfter Stimme, lobte immer mal wieder die engagierte Übersetzerin und ging extensiv auf die Fragen ein.



Warum er denn mit den alten Platten von Joy Division auf Tour gegangen sei? Na, weil die Lieder nach wie vor großartig seien und viele unbekannte Songs schon damals eher selten gespielt wurden. Insight sei so ein Beispiel, ein klasse Song, den nicht viele kennen. Er habe sich von Bobby Gillespie von Primal Scream inspirieren lassen, der mit Screamadelica getourt war. Warum nicht selbst noch einmal mit den alten Songs von Joy Division durch die Städte ziehen? Das gab es nie nach dem Tode von Ian Curtis und das sei rockhistorisch gesehen ein Kuriosum. Keine spezielle Tour zum 10, 20 oder 30 Jährigen Jubiläum der Alben Closer oder Unknown Pleasures, keine Festivalauftritte mit Joy Division Material, nichts. Aber gut, das habe daran gelegen, daß New Order eben noch aktiv war. Als er dann bei New Order ausgestiegen ist, hatte er plötzlich wieder die Zeit und Muße sich mit Joy Division zu beschäftigen.  Erst 2010 habe er noch einmal die Platten gehört und festgestellt, daß die Lieder super und gut gealtert seien. Dem Produzenten Martin Hannett habe er auch jetzt, 33 Jahre (!) später, die ihm damals zu glattgeschmirgelte Produktion verziehen. Er habe damals lieber wie The Clash oder The Sex Pistols klingen wollen. Überhaupt The Sex Pistols. Als er Barney, Ian und Stephen1976 das kultige Konzert der Pistols in Manchester in der Lesser Free Trade Hall gesehen haben, wussten sie, daß sie auch als Band durchstarten wollen. Zudem habe er, Hooky, sich gesagt: "was die da machen, das kannst du auch." Led Zep, die er sehr schätze, habe er in dieser Zeit auch gesehen, aber die zu kopieren war ihm musikalisch viel zu anspruchsvoll, das traute er sich nicht zu. Joy Divison wollten also ein wenig wie die Pistols klingen, beziehunsgweise genauso energiegeladen und wild live auftreten, aber auch von The Doors waren sie besessen und stark beeinflusst.


Da hakte dann der Morderator ein, sagte The Doors seien unter Tausenden erkennbar durch das markante Orgelspiel von Ray Manzarek, Joy Division hingegen durch das einzigartige Basspiel von Hooky. Der Gelobte nahm das Kompliment gerne an und klopfte sich selbst auf die Schulter: "ja, stimmt, keiner spielte und spielt den Bass wie ich und das Tollste für mich ist, wenn junge Musiker auf mich zukommen und mir sagen: "ich habe deinetwegen mir dem Basspielen angefangen. Diese Art von Selbstbeweihräucherung wirkte aber nie zu penetrant oder unangenehm, weil Hooky dabei immer schelmisch grinste und das Ganze mit einem gewissen Augenzwinkern versah. So als wolle er ausdrücken: "tut mir leid, ich spreche einfach nur Wahrheiten aus, so ist es eben" Gleiches Bild als Hook sagte: "Manchester ist immer noch die wichtigste und einflußreichste Musikstadt der Welt, wer wolle das ernsthaft bestreiten?" Fast hätte ich reingerufen: "was ist denn mit Brooklyn oder Portland, Oregon?", aber dazu kam ich gar nicht, weil der englische Moderator meinte: ist Liverpool nicht die wichtigste Musikmetropole der Welt? (Anmerkung von mir: die sind lustig, die Engländer!).


Wie ein gütiger Lehrer gab sich Hooky beim Thema Auftreten einer jungen Band. Man müsse 100 % an sich glauben und denken, man sei großartig, sonst könne man das den Leute nicht übermitteln. Aber man müsse auch ziemlich bescheuert sein und kein Sicherheitsdenken haben. Es sei sicherlich vernünftiger, einen ordentlichen Beruf zu ergreifen. Sie selbst seien damals enthusiastisch, aber auch sehr naiv gewesen, hätten nie geglaubt, daß es mal einen solchen Kult um die Band geben würde. Aber er wolle nicht verschweigen, daß er es dadurch zu Wohlstand gebracht habe. Seine beiden Wagen seinen jedenfalls keine Gebrauchten ("no crappy cars"), sondern eher ziemlich tolle Modelle. Er könne sich wahrlich nicht beschweren, wisse aber, daß er ziemlich viel Glück gehabt habe. Wenn er neben dem frühen Tod von Ian Curtis etwas bedauere sei das, daß so viele Mithelfer der ersten Stunde heute nicht finanziell von dem Boom profitierten könnten, Martin Hannett (der Produzent), Rob Gretton (der Manager von Joy Division und New Order) und Tony Wilson (der Labelboss von Factory) seien tragischerweise so früh gestorben.

 


Bezüglich New Order gab er sich diplomatisch und pragmatisch. Für die Fans sei es doch toll, daß man 2013 die Chance habe, New Order gleich in zwei Bandformationen zu sehen, ihn als Peter Hook and The Light, der mit Movement ("the album sounded like Joy Division but it had New Order Lyrics") und Power, Corruption and Lies auf Tour gehe und New Order mit Barney. Diese beiden Alben seien ihm in der Diskografie sowieso am liebsten, während Barney sie nie wirklich mochte, weil sie noch so viel mit Joy Division zu tun hatten.

 


Über das Thema Haçienda wurde nicht viel gesprochen. Der fatale Niedergang des falsch geführten Nachtclubs in den New Order viel eigenes Geld gesteckt hatten, blieb weitestgehend außen vor, wichtiger war das Thema Joy Division. Hooky habe das Buch geschrieben, um als Insider die Sachen darzustellen und auch mit gewissen Fehlvorstellungen aufzuräumen. Ohne es gelesen zu haben: eine Abrechung mit den anderen Bandmitglieder scheint es keinswegs zu sein. Eher eine persönliche Darstellung mit der Distanz der Jahre, die dazu führt, daß man über einiges heutzutage eher lachen kann. Peter Hook liebt Joy Disbion, es ist ein ganz wichtiger Teil seiner Existenz. Als reine Coverband will er Peter Hook and The Light aber nicht verstanden wissen. Das habe in England immer so einen ranzigen Beigeschmack. Bei ihm geht es vielmehr darum, die Lieder nicht sterben zu lassen und wie oben geschildert auch unbekanntere Songs ins Rampenlicht zu stellen.


Auch das ähnlich chaotisch wie die Hacienda geführte Factory Label kam kurz zur Sprache. Erstaunlicherweise meinte Hooky hierzu, daß Factory die Art und Weise, wie Record Labels arbeiten, entscheidend geändert hätte. Da fragte ich mich natürlich: "wie meint er denn das jetzt? Factory ist durch Missmanagement pleite gegangen, Maßstäbe im ordentlichen Führen eines Labels haben sie in wirtschaftlicher Hinsicht ja wohl keine gesetzt. Aber nun gut, solche Interviews sind dann trotzdem oft zu kurz, um mehr in die Tiefe zu gehen und Vorgänge richtig zu erklären.

 

Dennoch: immerhin stand Peter Hook 40 Minuten lang Rede und Antwort und nahm sich dann noch alle Zeit der Welt, um Bücher zu signieren und für Erinnerungsfotos zu posieren.

Auch mein Konzertticket von dem Sensationsgig im Trabendo hat er unterschrieben. Der Gig wurde von den Lesern eines sehr bekannten Pariser Newsletters deutlich auf Platz eins gewählt, bei mir landete die Show auf Platz zwei.

Wo wird Peter Hook am Ende des Jahres 2013 mit Movement und Power Corription & Lies landen? Sicherlich weit vorne!



* In der englischen Originalausgabe heißen die Werke "Unknown Pleasures: Inside Joy Division" und "The Haçienda: How Not To Run A Club"



Sonntag, 13. März 2011

Efterklang, Wien, 08.03.11 + Interview

3 Kommentare

Konzert: Efterklang (inkl. Film-Screening von "An Island")

Ort: Szene, Wien
Datum: 08.03.2011
Zuschauer: ausverkauft, wohl 500
Dauer: 90 Minuten reine Live-Performance


Es war durchaus nicht abzusehen, dass das Konzert von Efterklang ein Erfolg werden würde. Mit Mogwai (das schmerzt) und den White Lies (schmerzt nicht) hatte man zwei große Konkurrenten an diesem Tag in der Stadt. Eine derartige Ballung von "großen" Konzerten funktioniert wohl in Paris, in Wien ist das eher nicht der Fall. Diesmal schon, Mogwai waren seit zehn Tagen ausverkauft, die White Lies dürften ihre angehenden Stadionambitionen auch vor zahlreich erschienenem Publikum demonstriert haben und das Schönste: Efterklang brachten mit einem großen Finale ihre Hütte auch noch voll.

Völlig zurecht auch noch. Mit einem gewohnten Konzerbericht kann ich zwar diesmal leider nicht aufwarten, ob der Schönheit war ich einfach zu faul bzw. zu andächtig, um die Setlist mitzuschreiben. Dafür gibt es hier ein paar fragmenthafte Erinnerungen und, was mich besonders freut, ein kleines Interview.

Pünktlich um 20:15 (TV-Potatoes auch als Prime-Time bekannt) betrat Casper die Bühne, sprach ein paar Worte zum Film, der anstelle einer Vorband gespielt werden würde und bat um Ruhe. Anders als im Theater, wo immer genau die Leute hingehen, die chronischen Schnupfen haben, funktionierte das auch ganz gut. Und als wäre das noch nicht höflich genug, setzten sich auch alle brav hin, auf dass auch jeder noch so kleine Mensch freien Blick auf die Leinwand habe.

Auf dieser wurde in langen Szenen ohne hektische Schnitte und in der typischen Vincent Moon-Optik An Island gezeigt. Eine Insel - sie nannten sie "Als". Quasi eine Rückkehr zu den Wurzeln der Band, noch schöner als die Idee der Heimkehr ist nur jene des gemeinsamen Performens ihrer Songs mit Nachbarn, Schulkindern und Familie.
An das Standardwerk in der Kategorie "Musik-Film", nämlich an Heima, kommt An Island zwar nicht heran, für gerade mal vier Tage Drehzeit ist allen Beteiligten aber ein erstaunlich dichter Film gelungen, mit beeindruckenden Perspektiven und der nun mal eben tollen Musik der Alser.
Kein Wunder also, dass mit dem Abspann der Applaus losrauschte und nicht zu knapp ausfiel. Wer den Film sehen will kann übrigens ein Screening in seinen eigenen vier Wänden veranstalten, es gibt nur zwei Bedinungen: Es darf kein Eintritt verlangt werden und der Raum muss mindestens fünf Leuten Platz bieten (also vielleicht nicht unbedingt im Kellerabteil). Zahlt sich definitiv aus!

Auszahlen tun sich auch 14€, wenn man sie für Efterklang springen lässt (Gästeliste natürlich noch mehr), dieser Beweis wurde 20 Minuten später angetreten. Siebenköpfig bestreitet die Band die derzeitige Tour, was bedeutet, das vor allem neueres Material gespielt wurde. Mit dem neuen Album schaffte man einen Durchbruch ("fairly small" wie Casper sagen würde) und so kamen Songs wie Harmonics und natürlich Modern Drift besonders gut an.

Mein persönliches Highlight war aber Frida Found A Friend, besonders der Einstieg mit dem Duett von Caspar Clausen und der Keyboarderin Heather Woods Broderick. Tolle Momente hatte auch der durchgeknallte Schlagzeuger zu bieten, der am Bühnengerüst rumkletterte und nach potenziellen Perkussionsobjekten suchte, schlussendlich aber an einem Metallpfosten hängen blieb und dort seiner plötzlichen Leidenschaft zu Industrial nachging. Das sind einfach Momente, die Konzerte unvergesslich machen, für die man lebt, für die man auch mal ein missratenes Konzert in Kauf nimmt.

In Erinnerung bleiben wird auch der Song, den Casper im (zum Glück winzigen- siehe Interview) Bühnengraben pfeifend anstimmte und der in einem den Saal erfüllenden Gezwitschere von Band und Publikum endete.

All das wurde begleitet von einem wirklich erstklassigen Sound. Schade, dass die Szene eigentlich eher ein Metal-Schuppen ist, weil an den Sound hier kommt echt vielleicht gerade mal das WUK ran. Auf der anderen Seite auch wieder gut, weil nach Simmering muss ich jetzt echt nicht jeden Tag... Zeit ist Geld, habe ich mir sagen lassen. Die White Lies dagegen im fünf Minuten entfernten Gasometer haben vermutlich mit der grauenhaft wabernden Akustik dort zu kämpfen gehabt. Naja, früh übt sich, wer später mal das Happel-Stadion bespielen will. Das wäre schließlich auch rund.

Nach etwa 70 Minuten machte man, nach bereits erfolgter Zugabe, Anstalten, endgültig von der Bühne zu gehen, als der hintere Gitarrist zum Glück Herrn von und zu Clausen (kein Freiherr, aber mit der Zuneigung der Musikwelt geadelt) sanft, aber bestimmt zurückzog, mit dem Tontechniker per Handzeichen schnell noch ein weiteres Lied aushandelte und dies dann mit seiner Mannschaft in eine Krönung des Abends verwandelte.

"Probably the best evening in Vienna so far", gab Casper alle Komplimente zurück, erntete damit aber zuviel Begeisterung, um sie nochmals zurückgeben zu können. Was blieb ihm also anderes übrig, als sich nach hinten zu verziehen. Man selbst war sich gewiss, das bislang beste Konzert 2011 gerade eben erlebt zu haben. Diese grundglückliche Euphorie, der Einklang mit der Welt, Simmering inklusive... An der Größe dieses Abends bestand kein Zweifel. Was 2011 noch kommt kann sich mal warm anziehen!

Interview mit Casper Clausen:

Casper ist ein wirklich netter Mensch, fröhlich und offen. Wieso er den schönen Pulli, den er beim Interview (und gleichzeitigem Abendessen: Gemüsestrudel) trug, später gegen ein weißes Hemd tauschte, habe ich aber nicht ganz verstanden. Seis drum, viel Spaß beim Lesen! Und lieber Casper: Mahlzeit!
(Auf Wunsch übersetze ich das Interview gerne, da es aber aufgrund der Sprachkenntnisse beider Beteiligten sowieso in Simple English gehalten ist, dürfte es da ja wohl keine Probleme geben? Oder etwa doch?)

Your film „An Island“ shows Efterklang performing their songs with neighbours, relatives, school pupils. What does the term “home” means to you?

Home is where you come from, home is where you have your things.

Ok, so you go along with the dictionary. When you are on tour, do you miss home?

From time to time, yes. I think all of us are part-time missing home, but there are also attempts to find, to explore new homes. Of course we all miss certain people, the familiar environment – and sometimes we miss to stay at the same place for a while. But all in all we are mostly happy with what we do.

This film takes out your island into the big wide world, makes a tiny area famous. How do the inhabitants of Als think about the world outside, how do they think about your success?

Well, our success is fairly small, but I think they’re proud when they see people and bands from their island being recognised outside their local area. Our project was more about what Efterklang was and less about our success. Als is in a way far from the world, you know. There are a few highschools in the island, but generally speaking it often feels like time stands still. It was nice – not only for us – to go back where we once lived. People got kind of in contact with our music, getting to know what we are, what we are doing– people that we didn’t know, as well as people we did know very well – like our parents.

The director Vincent Moon has worked together with quite outstanding bands like Arcade Fire or R.E.M. How was working with him?

We’ve worked with Mathieu (Moon's real name, edited) before, we met him two years ago. He did a Take-Away Show with us in New York and right after we started talking about doing a longer project. We didn’t know then what we wanted to do but we both negotiated each other’s work so it was no question that we really wanted to do that.
In the meantime he had a project in Kopenhagen called Temporary Kopenhagen and he produced an album with our friends from Slaraffenland, so he was the friend of ours and our friends’ friend at the same time. Last time we went out with Magic Chairs and right afterwards we decided that it would be a good idea to shoot the film on the island.

I’m sure you know Sigur Rós’ movie “Heima”. Was it kind of a rolemodel for you?

To be honest, we first saw that comparison after we had finished the movie – although it seems very obvious, both bands coming back to their island. But I think when you watched both films, you see that they are very different films in the way they’re made, they look and so on… Als is besides a much smaller island than Iceland. And of course you can similarities between these two films – musicians going back home, visiting the local people, performing for them… But I think the storyline is quite different.
So it was actually interesting: we tried everything we could to avoid the comparison but at the same time we can’t deny, that we are very pleased about such a compliment, being compared to Sigur Rós. You’re in fact the second person who noticed that. So I think we did pretty well!

Your latest album “Magic Chairs” is less experimental than the records before, what is behind this musical change?

Every time we make a new album, there is a need to change – that’s the idea behind. Efterklang is the only continuum to stay, we as bandmembers put all our energy in changing the music. For instance the album before Magic Chairs – called Parades – took us one and a half years without doing any live gigs, all we did was studio recordings. After that we released Performing Parades just before we started working on Magic Chairs, what was a really exciting job to do with a huge orchestra.
So the least thing we wanted to do was something we already did before. Hence we tried not to be that epic, we wanted to challenge ourselves and in fact it was kind of “try and see”. We tried to do something more simple as well as something based around our live team. This time it was very important for us to do something we could convincingly play with our live band. So we started writing and producing songs, took them with us on our US tour and then tried to play them live before we went to the studio. That was a new way for us although it sounds very conventional.

In a way it’s not conventional at all, because you did something completely else before.

Yeah. from a band’s point of view I think you can truly call Magic Chairs a band’s opus. For the first time I feel and hear every voice, every instrument, every band member on stage. And I think Magic Chairs sums up the music that worked best live. People might see that tonight.
Some of the oldest songs are a bit hard for us to play, because the environment they were made in was such a big, but on stage we don’t have these facilities and have to scale it down. That could be interesting – the new songs however are made for stage.

Scandinavian bands very often seem to relate their music to nature, often lonely landscapes. What influence has nature on your work?

It’s about what we are, what we do together, which locations we own, I think. Actually travelling that much, working and playing together with different people is in fact the biggest inspiration. But in making music you have plenty of inspiring moments, that could be everything from music that you hear to the sound of an escalator.
So all our songs start at a different point out of certain reasons with a small melody that grows into a song, and when you have finished the songs after months you don’t know where the inspiration came from any more. That’s kind of the way we work, rather than writing a specific tune with a given background. That would be a new way for us…

Maybe we talk about this after your next album. Keyword Scandinavian Love: Could you describe the musical scene in the north of Europe, could it be called a big friendship?

I don’t think so. There are lots of musicians and of course many friendships between bands, but it’s also as diverse as the Central Europe musical scene, I would assume. Sweden has a very strong Pop-history, I think their scene is more solid in all respects – the attention they’re giving new bands, there’re a lot of great producers in Sweden – so I think they have an impressing background. In contrast, Denmark is more like a junior in this region. We had success with Aqua and King Diamond, but we never had a strong identity in the alternative pop business within the past ten years. At the moment, that’s changing. There are a lot of smaller bands popping up, going their own way and then being recognised. That means that Denmark gets some new power in its scene, bands are finding new partners in mind and create new friendships, what results in a refreshment and growth of the business. But to say that Danish bands have a lot of connections to Norwegian or Swedish bands would be a lie.
Of course we know some bands from there, but that’s as many as we know from Germany.

Which German musicians do you know?

We mixed the record at the studio of Apparat, so at least we know him. Then there are of course the bands you meet at festivals, many of them inspiring us.

You are said to be a band that always wants to keep a gig familial, so how do you think about big festival performances? And do you prefer playing open air concerts to in-hall concerts?

I think we do better in playing concerts than festivals. Outdoor festivals really challenge our music. The thing is, that there is no certain room you can deal with, you have a lot of people in front of you and often you can’t see the horizon, that makes a outdoor gig often undynamic or at least you have a hard time finding the right ways and means. Generally speaking we have an easier time when the location is kind of a room. But also festivals can have something of a closed room, when I look back, we had some really amazing concerts on festivals. It depends on some certain conditions, but finally I think our music fits best into a room.

I would say Haldern Pop was probably the best festival for bands like you.

Definitely. We played there last year, it was wonderful and it’s actually one of the better examples of festival gigs.
It can be hard sometimes, playing two metres above the festival visitors’ heads, often there is additionally a gap of another three metres between us and the people. Basically we need the audience and of course we try to convince them every show, but it can be really frustrating.
At Haldern we never have these problems, we feel the love from the first minute there.
Another good example was our show at Immergut – so: never say never. Although…

It depends on the conditions…

Yes and first of all it depends on what kind of festival it is. If it is a big rock festival, where you’re just a single rock in the wide ocean…

Speaking of Roskilde?

We have a good reputation there, people really wanted to see us there, that made it easier for us, it was a so-called home game.

There are rumours, that this tour will be the last one for a while…

I can confirm the rumours!

What a pity. Tell us what you do instead and what we should do meanwhile without Efterklang?

Haha, just live your lives, keep on doing and change what you need to change!

And what do you change?

Basically we need some time off touring. Behind us are three and a half years of instant touring and about hundred shows every year. So we need to gain new energy – but not because we are tired of it. Then we focus on a new album. That’s how we started Magic Chairs and that’s what is now again: We need to change. There will definitely be a different approach than last time again.

I’m finished with my questions, do you have some last words to say?

Famous last words?

For your Gravestone maybe!

Well, I just want to say thank you to all the people supporting us. It’s always wonderful to come back to Vienna and see, that there are more and more people at our concerts, more people listening to us – that’s exactly what keeps us doing our thing, that’s what excites us.

Thanks!

Thank you!


Die großartigen Livefotos stammen von Claudia, das Film-Foto von Antje Taiga Jandrig. Vielen Dank!


Dienstag, 3. Februar 2009

Interview: Glasvegas

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Zweifelsohne einer der größten Newcomer der vergangenen Monate ist Glasvegas aus Schottland. Die Band wurd für ihr Debüt hochgelobt und nicht zuletzt dank des prominenten Unterstützers Alan McGee sehr schnell sehr bekannt.

Bei uns ist die Band nicht unumstritten, da ihre Liveauftritte, die wir bislang sehen konnten, alles andere als überzeugend waren. Aber das ist kein Grund, uns nicht
mehr über diese Shootingstars, deren erstem Album der NME 9 von 10 Punkten gegeben hat, zu informieren. Oliver aus Unna führte ein Interview mit Gitarrist Rab und Schlagzeugerin Caroline, das ihr hier findet.







Montag, 26. Januar 2009

Interview: Marie-Flore

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Seitdem ich die junge Pariserin Marie-Flore mit ihrer schönen Stimme im Vorprogramm der New Pornographers für mich entdeckt habe, verfolge ich gespannt ihren weiteren Werdegang. 2008 hat sie etliche Konzerte in kleineren und mittleren Pariser Konzertsälen gegeben. Im Divan Du Monde, wo auch schon Kultbands wie die Libertines aufgetreten sind, mag man sie besonders und hat ihr gleich 4 Konzerttermine eingeräumt, wo sie ihre hübschen und sinnlichen Kompositionen einem interessierten Publikum vortrug. Schnell wurden Vergleiche mit Cat Power gezogen und wie es der Zufall so wollte, fand sie sich im Herbst in einem Aufnahmestudio von Gregg Foreman in Philadelphia wieder, der in der Band (Dirty Delta Blue Band) von... genau!, Cat Power Piano spielt!

Eigentlich mag die zarte Sängerin die Vergleiche mit Chan Marschall aber nicht sonderlich. Sie ist gewillt ihren eigenen musikalischen Weg zu gehen und das ist auch gut so. Mark Lanegan war von ihrer Stimme und ihren melancholischen Liedern so angetan, daß er ihr prompt eine CD abgekauft hätte, aber das scheiterte daran, daß bisher noch gar kein Album vorliegt...

Der Kontakt mit dem rauhbeinigen Ex-QOTSA - Sänger kam deshalb zustande, weil Marie-Flore Campbell & Lanegan im Pariser Trabendo supportet hatte. Desweiteren trat sie 2008 im Vorprogramm von talentierten Singer/Songwritern wie dem Schweden Peter von Poehl (mit dem sie auch die Managementfirma teilt) und dem Isländer Teitur auf.

Es war also ein gutes Jahr für Marie Flore, die Ende 2008 sogar in der Schweiz (Zürich, Davos) auftrat. 2009 sollte ihr mit EP und späterem Album der Durchbruch gelingen und dann wird man mit Sicherheit auch in Deutschland auf die talentierte junge Frau aufmerksam!

Ich habe Maire-Flore in einem typischen Pariser Bistro unweit des Bahnhofs St.Lazare zu einem Interview getroffen. Typisch pariserisch war auch ihr Look: szenig, aber nicht zu aufgebrezelt, mit stylischem Hütchen, das ihre künstlerische Ader unterstrich und inviduell zusammengestellten Accessoires, wie z.B. dem farbenfrohen Halstuch. Ein Beweis dafür, daß Pariserinnen keine Modezeitschriften brauchen und keinem Diktat folgen, sondern ihren eigenen persönlichen Stil pflegen. Genauso hält sie es auch mit ihrer Musik, wie man in dem nun folgenden Interview erfahren wird.

Zum ausführlichen Interview geht es hier (klick!)







Dienstag, 7. Oktober 2008

Interview: Los Campesinos!

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Früher als angekündigt, erschien diese Woche digital das vor kurzen sehr überraschend angekündigte zweite Album unserer Lieblingsband Los Campesinos! aus Wales. Denn das Debüt der sieben Musiker war auch erst Anfang des Jahres auf den Markt gekommen. Die zehn Lieder von We are beautiful, we are doomed entstanden auch bei der Arbeit im Studio in den USA und sollten auf einer Edel-EP veröffentlicht werden. Wer weiß, wie liebevoll die Band mit ihren Alben, EPs und Singles verfährt, wird nicht überrascht sein, daß auch We are beautiful nicht bloß als CD in einer Standardhülle erscheinen wird, sondern als CD mit DVD in einer ungewöhnlichen Box.

Mittwoch spielen Los Campesinos! sicherlich einige ihrer neuen Lieder auf der PopKomm in Berlin. Über ihre Konzerte, ihr Live-Sound-Geheimnis und Lego unterhielten wir uns mit Neil und Ollie Campesinos! vor ihrem Konzert im Luxor in Köln im Frühjahr.

Das Interview findet ihr hier. Den Konzertbericht aus Berlin morgen auf diesem Blog.

Krankheitsbedingt leider keine Konzertberichterstattung von Los Campesinos!, Get Well Soon (haha), Those Dancing Days, Sky Larkin, O'Death und Port O'Brien... Über alle Bands werden wir aber in Kürze sicher wieder berichten, über Los Campesinos! zum Beispiel aus London, Brüssel, Köln und Paris in den kommenden Wochen!



Dienstag, 30. September 2008

Interview: Pete & The Pirates

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Verabredet waren wir um kurz vor fünf. Eine halbe Stunde früher bekam ich (im Stau stehend) eine SMS, daß die Band auch noch irgendwo im Verkehr stecke und später komme.

Also machte ich es mir im Stadtgarten gemütlich, gab meine letzten 1,90 € für Espresso aus und laß im Rolling Stone, was Noel Gallagher von Fans mit Ohrstöpseln hält. Auf die Idee, einmal auf mein Ticket zu gucken, wann das Konzert beginnen sollte, war ich da noch nicht gekommen. Dann ruft der Tourmanager an und nennt die neuesten Verkehrsinfos. Als sie dann endlich ankommen, müssen Pete & The Pirates erst zum Soundcheck. Der Tourmanager findet mich nicht und sagt durchs Telefon: "Ich schreie jetzt mal ganz laut! Sag mal, ob Du das hörst!" Ich höre, renne ihm hinterher und verabrede, daß nach dem Soundcheck Bandmitglieder zu mir kommen.

Zwei sind es dann, Schlagzeuger Jonny, der auch die Plattencover gestaltet, und Gitarrist David. Sie kommen abgehetzt um 19.15 Uhr zu mir. Zwischenzeitlich hatte ich auf mein Ticket geguckt: Beginn 19.30 Uhr PÜNKTLICH...

Das schnelle Interview mit der netten und vor allem sehr talentierten Band findet ihr hier.





Donnerstag, 18. September 2008

Interview: Editors, Haldern

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Es ist wohl nicht zu verheimlichen, daß die Editors eine unserer Lieblingsbands sind. Schon seit ihrem Debütalbum begeistert die Band aus Birmingham mit ihren düsteren und ungemein faszinierenden Liedern und Konzerten, die nicht langweilig werden. So kamen bei uns seit 2006 elf Konzerte der Editors zusammen.

Vor ihrem Auftritt beim diesjährigen Haldern-Festival
sprachen wir mit Schlagzeuger Ed Lay und Gitarrist Chris Urbanowicz über Dinge, die uns seit langem brennend interessierten: Mag Michael Jackson die Editors wirklich? Wie genau lief der SEK-Einsatz in der Kölner KulturKirche ab? Und wessen Orange Crush Version ist besser, die von R.E.M. oder die der Editors?

Das komplette Interview findet ihr hier!












Freitag, 1. August 2008

Interview: Klee, Köln

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Heute erscheint mit "Berge versetzen" das mittlerweile vierte Klee-Album; das erste,
daß die Kölner Band bei einem Majorlabel veröffentlicht. Die Vorabsingle "Zwei Herzen" stieg auf Platz 29 der deutschen Charts ein. Trotz des Vermarktungs- und Interviewstresses finden Gitarrist Tom und Keyboarder Sten an einem Samstagnachmittag Zeit, mit uns lange über die neue Platte, Konzerte und die Liebe zur Musik zu sprechen.

Wir treffen uns mit Tom und Sten in einem Kölner Café. Erster Star des Nachmittags ist Olivers Rezensionsexemplar der neuen Platte. Die beiden Musiker haben selbst noch keines und sehen sich Booklet und CD erst einmal genau an.

Zuletzt haben wir Klee auf dem chaotischen Melt!-Festival gesehen und gesprochen. Der Auftritt der Kölner war zwar gewohnt mitreißend - aber wie so vieles auf dem Melt! nicht ganz pannenfrei. Ein Ordner war während des Konzerts über ein Kabel gestolpert und hatte einen Stromausfall verursacht. Am Anfang unseres Gesprächs hatten wir gemeinsam festgestellt, daß Festivals oft schrecklich anstrengend und unorganisiert sind.

Das vollständige Interview findet ihr hier.








Sonntag, 27. Juli 2008

Interview: Blood Red Shoes, Melt! Festival

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Wir hatten sehr konservativ geplant. Zwei Stunden Reserve sollten genügen, rechtzeitig zu unserem Interview-Termin mit den Blood Red Shoes auf dem Melt! Gelände zu sein. Bis zur Parkplatz-Anfahrt funktionierte alles ganz ausgezeichnet, dann standen wir. Und schwitzten. Meine Ruhe verließ mich langsam aber stetig. Irgendwann hüpften Oliver und ich aus dem Wagen und schafften es rennend und mit sehr viel Glück rechtzeitig nach Ferropolis. Bis sich dann die nächste Schwierigkeit einstellte. Beide Kontaktpersonen, bei denen ich mich melden sollte, standen um fünf vor sechs auch noch im Stau. Schließlich erreichte ich dann Tourmanager Nick telefonisch, der versprach, uns im Pressezelt abzuholen.

Mit Laura-Mary Carter und Steven Ansell im Schlepptau kam der sehr nette und entspannt wirkende Tourmanager wirklich kurz später, um dann mit uns in den Backstagebereich zu gehen. Die beiden Künstler waren furchtbar müde und schienen
erst nicht sonderlich begeistert davon, ein Interview führen zu müssen. Hinter der Bühne fingen dann andere Leute Steven ab, der ihnen offenbar auch einen Termin versprochen hatte. Der Sänger klinkte sich dann aus, sodaß wir bei furchtbarem Krach auf der Hauptbühne, Laura-Mary auf Hockern in einer stylishen Lounge sprachen. Die Gitarristin der Blood Red Shoes taute schnell auf und sprach mit uns über vergangene Konzerte, Rage Against The Machine und Artwork-Design.

Das vollständige Interview findet Ihr hier!





Dienstag, 8. Juli 2008

Interview: The Subways

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Interview: The Subways
Ort: Backstageraum Luxor, Köln
Datum: 29.02.2008

Lange war es still um die Subways aus England, eine der flottesten Garagenbands der letzten Jahre. Vor zwei Wochen erschien das zweite Album der jungen Briten. Am Rande eines Vorabkonzerts in Köln hatte ich vor einiger Zeit Gelegenheit, mit Sänger Billy und Bassistin Charlotte über die lange Pause, die neue Platte und Tattoos zu reden:

Als ich ein paar Minuten vor dem verabredeten Interview-Termin mit den Subways im Luxor ankomme, sitzen die Bandmitglieder im Eingangsbereich, an den Tischen, an denen später T-Shirts verkauft werden, und sehen sich das frisch gedrehte Video der ersten Single aus dem neuen Album an. Sobald sie damit fertig sind, nehmen mich Sänger Billy und Bassistin Charlotte mit in den winzigen Backstageraum. Charlotte ist zwar furchtbar sympathisch aber ruhig und eher zurückhaltend, während Billy gleich von Beginn an lossprudelt, als seien wir seit langem Freunde und hätten uns wahnsinnig viel zu erzählen.

Einen unserer ersten Berichte haben wir über Euer Konzert in Duisburg vor zwei Jahren gemacht, in diesem Laden, der aussah wie Disneyland. Habt Ihr schon an ähnlich merkwürdigen Orten gespielt?

Billy: Einer der merkwürdigsten Gigs, die wir je gespielt haben, war in einem Club in London, einer der ersten Gigs, die wir in London gespielt haben. Der Raum war kleiner als der hier. Ich schwöre, da passten nur vier oder fünf Leute rein. Ich übertreibe nicht! Ein anderer... ah, Pancake Mountain, da versuchten all diese Kids auf die Bühne zu kommen und ich war verkleidet wie ein König, mit einem schweren Cape. Es gab sowieso ein paar komische Konzerte in den USA, zum Beispiel ein paar, bei denen die Leute saßen. Man sah, daß sie ausflippen wollten - und sie rockten dann im Sitzen. Normalerweise spielen wir ja vor schwitzenden Leuten, die ihre Hemden ausziehen und crowdsurfen. Das ist wie in einem Kino.

Die Queens of the Stone Age haben neulich in einem Bergwerk tief unter der Erde vor wenigen Zuschauern gespielt, die gesessen haben und Helme trugen...

Billy: Das klingt bizarr. QOTSA sind ganz klar eine der besten Rockbands der Welt. Wenn man bei denen nicht richtig rocken kann, ist das schon eine komische Sache.

Gibt es irgendwelche Orte, an denen Ihr gerne einmal spielen wollt? Ihr habt alle großen Festivals gespielt aber gibt es noch Traumorte für Konzerte?

Charlotte: Ich glaube, es gibt noch eine Menge Festivals, auf denen wir nicht aufgetreten sind. Wir haben noch nicht so viele in Deutschland gespielt. Dieses Jahr werden wir Hurricane/Southside spielen. Es wäre großartig Rock am Ring und Rock im Park zu spielen.
Billy: Rock am Ring haben wir immer im Fernsehen in England angeguckt, in der Phase, als wir als Band begonnen haben. Da kamen immer die Aufzeichnungen bei MTV2 mit all unseren Lieblingsbands. Wir haben dann gesagt: das wäre so cool, da mal zu spielen.
Charlotte: Wir waren auch noch nie in Skandinavien, haben da bisher auf keinem Festival gespielt, obwohl es so viele gute gibt, wie Roskilde.
Billy:
Über das Touren durch Skandinavien haben wir so viele phantastische Geschichten gehört. Darauf freue ich mich besonders. Was auch toll wäre, ist China oder so.
Charlotte: Ja! Der Ferne Osten! Wir waren in Japan aber Länder wie Thailand, Malaysia oder Dubai wären klasse.
Billy: Großartig! Oder Russland!

Ok, und welche Bands würdet ihr gerne einmal live sehen?

Billy (ohne nachzudenken): Sigur Ròs! Die habe ich mehrfach verpasst. Komisch, daß du das fragst. In den letzten Tagen habe ich genau darüber nachgedacht.
Ein Freund war bei Sigur Rós und hat erzählt, die Stimmung wäre einzigartig gewesen. Alle Zuschauer standen und sind mitgewippt. Sigur Rós hat für mich alles, was eine große Band ausmacht. Hoffentlich kann ich bald mal zu einem Konzert von ihnen gehen...
Charlotte: ...Björk...
Billy: ...und Smokey Robinson! Ich habe gehört, er wäre vor zwei Jahren auf Tour gewesen. Zu dem Zeitpunkt waren wir in New York und hatten eine Fernsehshow, daher hkonnte ich nicht hingehen. Meine Mutter hat mich zu seiner Musik gebracht, überhaupt zu Motown und RnB. Das ist jemand, den ich wirklich wahnsinnig gerne live erleben würde, um seine Stimme zu hören, ihn im Bühnenlicht zu sehen, weil ich ihn so lange schon bewundere, bestimmt seit 15 Jahren höre ich seine Platten.
Ähmmm... und Future Of The Left - Kennst du die?

Habe ich von gehört.

Billy: Ich habe die einmal gesehen und ich vergöttere ihr Album! Also... Future Of The Left habe ich in London in einem Raum, der nicht größer war, als der hier, erlebt, in der Buffalo Bar. Ich will sie irre gerne mal auf einer größeren Bühne oder auf einem Festival sehen. Was Future Of The Left machen, ist nicht bloß laute Rockmusik, das ist intelligente Musik mit lustigen Texten. Ich mag einfach Bands, die sich nicht so ernst nehmen und Spaß vermitteln.
Wir würden gerne mal einen unserer Songs, "Rock 'n' Roll Queen" z.B. in der Landessprache singen. Bei den Stücken der neuen Platte ist das schwierig, weil die Texte viel länger sind. Das würde ewig dauern, die zu übersetzen und zu singen.

Sind die neuen Lieder schon Teil Eures Live-Programms?

Charlotte: "Shake, shake", "California", "Boys & Girls" spielen wir seit einem, anderthalb Jahren.
Billy: "Alright" auch, mein Liebling von "All Or Nothing". Die neuen Sachen sind viel besser als die alten. Viele Bands finden es ja schwer, ein zweites Album zu schreiben, wir nicht, wir fanden das einfach.
Charlotte: Naja, einfach würde ich nicht sagen (lacht).
Billy: Nein, nein, nicht einfach... Aber wir hatten so viele Ideen, ganz merkwürdig. In solch einer kreativen Phase bekommst du sogar dann ein Zeitproblem. Wir hatten aber großartige Produzenten, die das in den Griff bekommen haben.

Also hat der Titel "All Or Nothing" nichts zu tun...

Billy: Mit den Small Faces?

Nein, damit, wie schwer es ist, ein zweites Album zu schreiben?

Billy: Uns fragt nämlich jeder, ob das mit den Small Faces zu tun hat: No! Wir hatten ein sehr schwieriges letztes Jahr. Ich hatte eine Halsoperation und konnte monatelang weder singen noch sprechen. Daher liebe ich es jetzt so sehr, auf Tour zu sein und zu reden, zu singen und Gitarre zu spielen. Gesagt zu bekommen, daß ich das nicht darf, war die schlimmste Sache der Welt! Die Ärzte hatten mir mitgeteilt, daß ich, wenn die Heilung schlecht verlaufe, nie wieder würde singen können. Davor hatte ich natürlich wahnsinnige Angst.
Als wir dann ins Studio gegangen sind, haben wir diese wirklich harten Lieder gespielt, nein, nicht hart, laut, wirklich dynamisch - solche Widescreen-Songs.
Die Texte sind wirklich...

(er unterbricht sich)
Ich sage dauernd "wirklich".

Charlotte: Ja, machst du.
Billy: Ok. Die Texte sind also wirklich emotional. Wir hatten keine Angst, persönliches einfließen zu lassen.
Am Tag, als wir LA verlassen haben, um mit den Studioaufnahmen zu beginnen, standen wir am Flughafen und uns war klar, daß wir jetzt entweder all unsere Energie in diese Platte stecken und daraus das beste Album der Welt machen oder genau an dieser Stelle aufhören.
Charlotte: Da kommt der Titel her. Das war unsere "All Or Nothing" Situation.

Die Distanz zwischen euren beiden Alben ist sehr groß...

Billy: Wir waren sehr jung, als wir "Young For Eternity" gemacht haben. Nach der Veröffentlichung sind wir dann verflucht lange auf Tour gewesen. Viele Bands unserer Generation waren nach dem ersten Album maximal acht Monate unterwegs. Wir sind um die Welt getourt. Wir waren monatelang in den USA, dann lange in Australien, in Japan, überall in Europa, endlos in Großbritannien. Irgendwann waren es dann zwei Jahre - alles mit der ersten Platte, obwohl wir eigentlich neue Songs hatten. Durch meine Halsgeschichte wurde diese Zeit dann noch einmal kräftig verlängert.
Aber egal, wie lange die Pause war, die Musik war uns zu wichtig, wir wollten das zweite Album machen. Irgendwie fühlten wir uns auch schuldig den Leuten gegenüber, die auf neue Lieder von uns gewartet haben.
Charlotte: Es war ja nicht so, daß wir die Platte nicht mehr machen wollten.
Die lange Dauer hat aber den Vorteil gehabt, daß einige Lieder erst entstanden sind, als wir schon im Studio waren.
Billy: Lieder, die wichtig für "All Or Nothing" sind, die aber wahrscheinlich nicht geschrieben worden wären, wenn wir unsere lange Pause nicht gehabt hätten. Das ist eine Chance, die Bands normalerweise nicht haben. Wir hatten Glück, Zeit zu haben, uns zurückzulehnen und über das Album nachzudenken.

Die lange Abwesenheit hat euch aber auch nicht geschadet, das Kölner Konzert war sehr schnell ausverkauft.

Charlotte: Das konnten wir gar nicht glauben, als wir das gehört haben!
Billy: Die Leute erinnern sich noch an uns?
Charlotte: Auch die Konzerte in Großbritannien waren schnell ausverkauft, damit hätten wir nie gerechnet.
Billy: Also kommen immer mehr Termine dazu. Das alles liegt vermutlich an der sehr langen Tour damals, die uns eine feste Fanbasis geschaffen hat. Bands wie Biffy Clyro haben das vorgemacht. Die haben sich durch viele Konzerte eine Gruppe an Leuten aufgebaut, die zu den nächsten Konzerten auch wieder kommen. Das ist der Old-School-Weg für Rockmusiker.
Wir sind so erleichtert, daß wir für die Leute noch irgendwie relevant sind, auch in Deutschland. Wir mögen das Land sehr, daher waren wir so oft hier. (theatralisch:) I love you, Germany! (lacht)

A propos... Kennt ihr deutsche Bands?

Billy: Die Beatsteaks, von denen bin ich großer Fan! Dann erinnere ich mich noch an eine Band namens Guano Apes. Es gibt so viele!
(lachend) Ich kann mich nicht erinnern!
Wir suchen in allen Ländern, in denen wir auftreten, einheimische Supportbands. Zuletzt erinnere ich mich an Suzie Rock. Wir, vor allem Josh, snd total begeistert von Gruppen, die in ihrer eigenen Sprache Musik machen. Also gucken wir immer nach Bands, die in ihrer Muttersprache singen, das ist aber so verdammt schwer. Wenn ihr uns supporten wollte, schickt uns mails!
(zu Charlotte) Wir sollten auch mal auf Deutsch singen!

Wen würdet ihr gerne mal supporten?

Charlotte: Muse, meine Lieblingsband.

Oder gibt es Bands, mit denen ihr gerne zusammenarbeiten würdet?

Billy: Mew aus Dänemark! Ich bin riesiger Fan ihres Albums "Frengers", aber auch das letzte "And the glass handed kites" ist fantastisch! Mew sind unglaublich! Ich habe sogar ein Mew Tattoo hier. Hier, guck mal! (Billy zieht das T-Shirt hoch und zeigt sein Tattoo...)
156 ist mein Lieblingslied. Dann Biffy Clyro, Future Of The Left, Annie aus Schweden*, Death Cab For Cutie...

Die sind toll!

Billy: Das ist eine der Bands, die wir nie live gesehen haben. Kings Of Leon, Gott, ich würde es lieben, mit denen zusammenzuarbeiten!
Charlotte: Das ist doch schon eine gute Liste!

Wie ist das mit Cover Songs? Ihr habt keine im Live-Repertoire, oder?

Billy: Nein! Charlotte hasst Cover Songs!
Charlotte: Ich hasse die nicht.
Billy: Sie hasst es, Cover zu spielen. Wenn, müsste es etwas komplett Neues sein, keine 1:1 Kopie, ein Song von Kylie oder ein Motown Stück.

Mögt ihr denn selbst gecovert werden?

Charlotte: Ja, das wäre schon cool zu sehen, was andere aus unseren Liedern machen.
Billy: Eine der größten französischen Bands hat "Rock 'n' Roll Queen" gecovert, Indochine heißen die.

Die kenne ich gut, das war meine Lieblingsband beim Schüleraustausch in Frankreich. Vielen Dank für das nette Interview und viel Erfolg für die Platte!

* "Annie from Sweden" hat er gesagt. Die kenne ich nicht. Wikipedia kennt aber eine singende Annie aus Norwegen.



Montag, 9. Juni 2008

Interview mit Alina Simone

3 Kommentare

Interview: Alina Simone

Ort: Auf der Wiese des Parks von La Villette, Paris
Datum: 08.06.2008


Nach dem Konzert in dem kuriosen Glaskasten stand Alina mir für ein paar Fragen zur Verfügung. Wir überlegten uns kurz, wo wir uns ausbreiten sollten und entschieden uns für ein Plätzchen auf der Wiese gleich neben einem Baumstamm und mit Blick auf den Canal, der durch la Villette fliesst.

Die erste Frage beschäftigte sich natürlich mit dem abgefahrenen Austragunsort:

Konzerttagebuch.de:
Alina, wie war das für Dich heute in diesem Käfig auf dem Gelände von La Villette zu spielen?

Alina Simone:

Oh, Du meinst diesen Glaswürfel ?(auf englisch sagt sie lachend: "the glas cube"). Na, das war sehr nett! Für mich war das eine ungewöhnliche, aber wundervolle Idee! Ausserdem waren alle Kopfhörer vergriffen, so dass ich auch mit dem Publikumsinteresse zufrieden war. Vor allem hatte ich den Eindruck, dass die Leute aufmerksam zuhören und das ist immer schön für einen Künstler.

Konzertagebuch.de:

Hast Du schon einmal unter solchen Bedingungen gespielt? War das für Dich das erste Mal in einem solchen Glaswürfel?

Alina Simone:

Oh ja, das war für mich auch eine ganz neue Erfahrung! Vielleicht bin ich noch nicht soviel rumgekommen, aber so etwas hatte ich vorher noch nicht!

Konzerttagebuch.de

Wurdest Du vorher über den kuriosen Spielort informiert?

Alina Simone:

Halbwegs. Sie sagten mir, das das Konzert in einem "Glas Cube" stattfinden solle. Ich wusste allerdings nicht, was ich davon zu erwarten hatte. Ich bin davon ausgegangen, dass ich darin stehen kann. Ich spiele grundsätzlich lieber im Stehen. Sie fragten mich dann, ob ich einen Stuhl haben wolle und ich lehnte ahnunglos ab, "no thank you". Als ich dann das Teil sah und zum ersten Mal reinkroch, merkte ich sofort, dass es unmöglich ist, darin zu stehen! Da wollte ich doch einen Stuhl und sie sagten sofort: o.k., kein Problem! (Alina kichert, als sie die Story erzählt...)

Konzerttagebuch.de:

Du warst ja kürzlich schon einmal in Paris und hast eine Show bei einem Radiosender gespielt. Wie ist das gelaufen?

Alina Simone:

Ja, das war für Planet-Claire und war sehr gut. Der Leiter der Sendung, Dennis, ist ein sehr netter und lustiger Typ. Und sein Kollege Laurent war auch extrem engagiert. Er schickte mir hinterher noch einige Mails, an denen man erkennen konnte, dass er eine Menge über russische Rockmusik wusste. Er war offen und neugierig und fragte mich Details über einzelne meiner Songs, was mich sehr freute. Wir sprachen auch viel über die besten Bands aus Russland, die Musikszene dort, etc. So etwas ist toll, da bekommt man als Künstler das Gefühl, dass sich die Leute, die die Show machen, wirklich für die Musik interessieren und nicht nur einen Namen aufbieten wollen, der vielleicht gerade angesagt ist.

Konzertagebuch.de:

War das eine öffentliche Sendung? Konnten da Zuschauer teilnehmen?

Alina Simone:

Eigentlich nicht. Ich habe zwar eine Freundin mit reingenommen, aber das Ganze spielte sich in den privaten Studios des Senders ab.

Konzerttagebuch.de:

Hast Du ungefähr die gleichen Lieder wie heute gespielt?

Alina Simone:

Ja, weitestgehend. Aber im Radio habe ich mehr Stücke als heute vorgetragen.

Konzertagebuch.de:

Ich habe Dich im Pariser Club "La Java" vor ein paar Wochen entdeckt. Auch dort hast Du mit zwei englischen Songs begonnen, bevor Du dann zu den Coversongs von Yanka Dyagileva übergegangen bist. Ein Lied fehlte damals aber und zwar "Nightswimming" (vom Album "Placelessness"), das Du heute ganz zum Schluss gebracht hast.

Alina Simone:

Stimmt. Das lag daran, dass wir ein paar technische Probleme hatte und ausserdem hätte das Instrument, das ich für diese Lied verwende, einen speziellen Soundcheck erforderlich gemacht.


Konzerttagebuch.de:

Oh, ja, dieses Instrument! Erzähl mir doch einmal davon. Wie heisst dieses Ding? So etwas hatte ich noch nie gesehen...

Alina Simone (lächelt):

Das nennt man Strumstick, ein traditionelles Folk- Instrument, das aus den amerikanischen Hochebenen kommt. Es sieht etwas ungewöhnlich aus, das stimmt. Das liegt an der Form (Anmerkung: langer Stiel, kleiner Klangkörper, so sieht das aus), was dazu führt, dass mich Leute oft darauf ansprechen.

Konzerttagebuch.de:

Um auf Deine Setlist bei den Shows zurückzukommen: man kann also sagen, dass Du immer wechselst, zwischen Deinen eigenen englischen Songs und den russischen Covern ?

Alina Simone:

Im Grunde genommen schon. Bei Konzerten in Amerika fokussiere ich mich aber noch stärker auf die russischen Lieder, weil das Album dort im August erscheinen wird.

Konzerttagebuch.de:

Eine Sache ist dabei auffällig. Die Cover von Dyagileva tragen allesamt englische Titel. Warum?

Alina Simone:

Das ist richtig. Ich habe alle Songtitel und auch die Texte übersetzen lassen, damit die interessierten Hörer, die kein russisch beherrschen, besser verstehen können, was Dyagileva mit ihren Texten übermitteln wollte.

Konzerttagebuch.de:

Sind denn Deine Versionen nahe am Original, oder hast Du Dinge verändert?

Alina Simone:

Das kommt darauf an. Einige Stücke sind komplett anders, das ist fast wie Tag und Nacht (lacht). 2 oder 3 Lieder entsprechen aber fast dem Original, obwohl ich immer Details hinzufüge.

Konzerttagebuch.de:

Hat Dyagileva denn solo gespielt damals, oder hatte sie eine Band?

Alina Simone:

Manchmal hatte sie einen Drummer und einen Bassisten, oft war sie aber solo unterwegs.

Konzerttagebuch.de:

Und wann sind die Lieder entstanden? Du sagtest, dass die Künstlerin 1991 gestorben ist?

Alina Simone:

Ja sie starb 1991 mit nur 24 Jahren und die Lieder hat sie zwischen 1987 und 1991 aufgenommen, also in der Glasnostära.

Konzerttagebuch.de:

Wie kamst Du eigentlich auf diese Künstlerin?

Alina Simone:

Ich habe nun einmal russisch-ukrainische Wurzeln, da lag das nahe. Viele Freunde und Bekannte erzählten mir überdies von ihr, so dass meine Neugierde geweckt wurde.

Konzerttagebuch.de:

Du bist Russin, lebst aber in schon lange in Brooklyn. Da gibt es so viele spannende Bands! In letzter Zeit habe ich etliche gesehen, die da herkommen (ich zähle auf: Dirty Projectors, Telephate, Levy, etc...). Und vor allem gibt es TV On The Radio und Liars.

Alina Simone:

Klar, TV on The Radio! Und der Produzent der Liars arbeitet auch für mich und hat meine beiden Alben produziert.

Konzerttagebuch.de:

Fühlst Du Dich als Teil einer Brooklyner Musikszene, oder willst Du lieber völlig eigenständig sein?

Alina Simone:

Ach weisst Du, Brooklyn ist so gross, da gibt es viele verschiedene Szenen. Ich bin allerdings definitiv kein Teil einer Szene, vor allem auch deshalb, weil ich gerade ein Album mit russischen Coversongs mache. Das passt in keine Schublade und ist z.B. TV On The Radio natürlich überhaupt nicht ähnlich. Davon abgesehen habe ich aber selbstverständlich viele Musikerfreude in Brooklyn, die mich unterstützen. Das läuft aber eher auf persönlicher Ebene ab und hat weniger mit der Musik zu tun.

Konzerttagebuch.de:

Gehst Du denn manchmal mit Musikerkollegen aus Brooklyn auf Tour?

Alina Simone:

Ja, das kommt vor. In Berlin habe ich zum Beispiel kürzlich mit den Castanets gespielt und in Chicago werde ich mit einer anderen Gruppe aus Brooklyn auftreten. Trotzdem führt das nicht dazu, dass ich Teil einer Szene werde. Es sind vor allem Booker, die glauben, dass unsere Musik gut zusammenpasst.

Konzerttagebuch.de:

Definierst Du Dich denn eigentlich eher als Folk-oder Punksängerin?

Alina Simone:

Ich sehe mich schlicht und einfach als Sängerin und passe auch nicht in eine zu enge Schublade. PJ Harvey oder Scout Niblett (deren Namen ich zuvor ins Spiel gebracht hatte) schätze ich z.B. sehr, verfolge aber meinen eigenen Stil, der zwischen ruhigeren Folk- und aggressiveren Punkssongs hin und her schwankt. Wichtig ist mir vor allem, gute Melodien zu haben.

Konzerttagebuch.de:

Dein Gitarrenspiel ist sehr engergisch, das mag ich sehr. Ich sehe da Parallelen zu Scout Niblett, aber auch zu Julie Doiron.

Alina Simone:

Mag sein. Ich habe jedenfalls schon mit beiden zusammen gespielt, mit Julie übrigens in Frankreich.

Konzerttagebuch.de:

Lass uns doch einmal kurz über Deine kürzlich absolvierte Deutschland-Tour zu sprechen kommen. Wie lief es denn da so. Was war für Dich persönlich die beste Show, das angenehmste Erlebnis?

Alina Simone:

Ich mochte die Konzerte in Berlin am liebsten. Sie waren sehr gut besucht und die Leute nett und herzlich. Es waren auch ein paar dabei, die mich zuvor schon einmal live erlebt hatten. I love Berlin, it's a great city!

Konzerttagebuch.de:

Und wie war es, in der deutschen Provinz zu spielen, wie z. B. in Bielefeld?

Alina Simone:

Auch interessant, zumal die Location in Bielefeld - ein altes Kino - eigentlich sehr gross war.

Konzerttagebuch.de:

Wie sind die Leute in der Provinz überhaupt auf Dich aufmerksam geworden? Woher wussten sie von den Konzerten?

Alina Simone:

Mein Manager Michel Bergner hat super Arbeit geleistet und ausserdem habe ich oft in lokalen Radiostationen vor Ort gespielt, um auf die Veranstaltungen hinzuweisen.

Konzerttagebuch.de:

Und was war grundsätzlich Dein bisher bestes Konzert, Dein schönstes Erlebnis?

Alina Simone:

Das ist noch gar nicht so lange her. Im April bin ich in einem Pub in Manhattan aufgetreten und hatte meine ganze Band dabei. Der Laden war knallvoll und die Stimmung famos! Sogar meine Familie war dabei, die sind extra aus Massachusetts angereist. Einfach unbeschreiblich!

Konzerttagebuch.de:

Gehst Du denn selbst gerne auf Konzerte? Als Zuschauer meine ich?

Alina Simone:

Klar mag ich das, aber ich trete oft selbst auf und da bleibt mir nicht so viel Zeit übrig. Ausserdem hänge ich an meinen freien Tagen nicht so gerne in Clubs rum, da bin ich ja sonst schon häufig genug...

Konzertagebuch.de:

Du warst ja auch bei SXSW in Texas, da gab es doch bestimmt jede Menge toller Bands zu entdecken, oder?

Alina Simone:

Ja klar, aber ehrlich gesagt, war mir das alles zu überlaufen da und ich wollte auch was von der Umgebung sehen. Deshalb habe ich meistens an einem See relaxt und gelesen (sie grinst). Es treten einfach zu viele Gruppen (1.500) dort auf, das ist eine Massenveranstaltung auf engstem Raum und dies passt nicht so recht zu meiner intimen Musik.

Konzerttagebuch.de:

Letzte Frage: Hast Du auf Deiner Deutschland-Tour auch ein wenig deutsch gelernt?

Alina Simone:

Super, dankeschön. Mein Bier...

Konzerttagebuch.de:

Magst Du das deutsche Bier?

Alina Simone:

Ich trinke gar kein Bier! Aber dieses vietnamesische Essen in Berlin war toll. Na gut, typisch deutsch ist das ja nicht (lacht laut)... Aber warte, in Süddeutschland (Konstanz) habe ich gerne diese Nudeln gegessen. Wie nennt ihr das? Spätzle? Die mochte ich sehr, zumal ich kein Fleisch esse.

Konzerttagebuch.de:

Vielen Dank für das angenehme Gespräch und viel Erfolg bei der Amerika - Tour im Sommer!

Dieses Interview möchte ich Eike vom Klienicum widmen. Durch ihn habe ich überhaupt erst von dieser vorzüglichen Künstlerin erfahren! Tausend Dank!

Und auch bei Michel Bergner möchte ich mich bedanken, der sich toll dafür eingesetzt hat, dass dieses Gespräch zustande kam!





 

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